Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 6

Schlager als Spiegel der Gesellschaft – Musik, Erinnerung und Identität mit Dr. Ingo Grabowsky

Freitag, 27. Juni 2025 · 51 min

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Shownotes

Dr. Ingo Grabowsky | Kloster Dalheim und die Leichtigkeit der Kunst x Genau! Westfalen!

Schlager als Spiegel der Gesellschaft?

Musik begleitet Lebensphasen, Übergänge und Erinnerungen. Sie klingt in Küchen, auf Festen, in Kirchen, im Radio – oft beiläufig, manchmal prägend. Lieder bleiben im Körper, lange nachdem ihr Kontext verschwunden ist. Sie tragen Stimmungen, Haltungen und Erfahrungen weiter.

Schlager gehört zu diesen Klangräumen, die viele kennen und wenige ernst nehmen. Gerade darin liegt seine gesellschaftliche Kraft. Als populäre Musikform speichert er Emotionen, Zugehörigkeit und Zeitgefühl. Diese Folge nähert sich Schlager nicht wertend, sondern beobachtend – als kulturelles Archiv des Alltags.

Dr. Ingo Grabowsky

Direktor des LWL – Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim
Historiker, Ausstellungsmacher, Kurator für Musik- und Popkulturthemen

Musik als kulturelles Gedächtnis

Im Gespräch mit Dr. Ingo Grabowsky, Direktor des Kloster Dalheim – LWL- Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, wird deutlich: Schlager ist kein musikalischer Fachbegriff, sondern eine Zuschreibung von Wirkung. Ein Lied wird zum Schlager, wenn es viele erreicht, sich einprägt, weitergetragen wird. Stil, Herkunft oder Epoche spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Musik fungiert hier als Gedächtnisraum. Sie speichert kollektive Erfahrungen, ohne sie erklären zu müssen. Schlager erzählt von Nähe, Aufbruch, Verlust, Hoffnung. Von Alltag und Ausnahmezustand. Von dem, was Menschen verbindet, auch wenn sie sehr unterschiedliche Biografien haben.

LWL – Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim
Klang zwischen Kloster und Pop

Das LWL – Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim bietet einen besonderen Raum für diese Fragen.

Als Ort religiöser Praxis, historischer Sammlung und zeitgenössischer Ausstellung verbindet es Stille und Klang, Gregorianik und Popkultur, Rückzug und Öffentlichkeit.

Im Gespräch mit Dr. Ingo Grabowski geht es um die Frage, wie Musik im Museum erfahrbar wird. Wie lassen sich Klänge ausstellen? Wie werden Erinnerungen hörbar, ohne nostalgisch zu werden? Und wie kann Popkultur in einem historischen Kontext gezeigt werden, ohne sie zu trivialisieren?

Museen werden hier als Orte verstanden, die Alltagskultur ernst nehmen – nicht als Gegenpol zur Hochkultur, sondern als Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Westfälischer Sound

Westfalen erscheint in dieser Folge nicht als fest umrissene Klanglandschaft, sondern als Erfahrungsraum. Dialekte, regionale Prägungen, Arbeitswelten und soziale Milieus formen Hörgewohnheiten. Musik wird Teil von Zugehörigkeit – manchmal bewusst, oft unbemerkt.

Ein Lied wie „Bochum“ steht exemplarisch für diese Verbindung von Ort, Gefühl und kollektiver Erinnerung. Musik wird zur emotionalen Landkarte, die über Generationen hinweg lesbar bleibt.

Popkultur im Museum

Dr. Ingo Grabowsky spricht über Ausstellungen zu Schlager, Pop und Musikgeschichte – und über die Verantwortung, populäre Kultur nicht herablassend zu behandeln. Popkultur prägt Selbstbilder, Sprache und Erinnerung. Sie ist Teil gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.

Museale Arbeit bedeutet hier, diese Prozesse sichtbar zu machen: ohne Ironisierung, ohne Distanz. Es geht um Fragen von Wertigkeit, von Auswahl, von Perspektive. Und um die Bereitschaft, auch scheinbar leichte Formen ernst zu nehmen.

Schlager als gesellschaftliche Praxis

Schlager wirkt, weil er einfach erscheint. Und genau darin liegt seine Komplexität. Er transportiert Gefühle, Rollenbilder und Sehnsüchte. Er wird gehört, gesungen, erinnert. Er begleitet Menschen durch Lebensphasen und bleibt oft dort, wo Worte fehlen.

Musik erscheint in dieser Folge mit Dr. Ingo Grabowsky als soziale Praxis. Als etwas, das verbindet, über Generationen hinweg wirkt und Identität formt – leise, zugänglich, nachhaltig.

Themen dieser Folge

Schlager · Musik & Erinnerung · Popkultur · Identität · Museumspraxis · Klangräume · Westfalen · Gesellschaft · Ausstellungskonzeption

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Links & Credits

LWL – Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim (stiftung-kloster-dalheim.lwl.org/de/museum)
1250 Jahre Westfalen (lwl-kulturstiftung.de/1250-jahre-westfalen)
LWL-Kulturstiftung (lwl-kulturstiftung.de)

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Die Episode mit Dr. Ingo Grabowski ist als persönliches Gespräch im Sommer 2025 vor Ort im LWL – Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim entstanden.
Letzte redaktionelle Überarbeitung der Shownotes: Januar 2026.

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Ja also Schlager jetzt kein musikalischer Begriff, sondern letztlich eine Bezeichnung für ein erfolgreiches Lied und jedes Lied kann eben auch ein Schlager sein, Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst, Mein Name ist Claudia Linzel, in Zusammenarbeit mit der LWL-Kulturstiftung rücken wir in diesen Podcast-Spezial genau Westfalen, Geschichte, Kultur und Identität dieser einzigartigen Region ins Ramm, im Teamjahr 1250 Jahre Westfalen beleuchten 44 geförderte Kulturprojekte die Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit, dem kulturellen Selbstverständnis einer Region, Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Filmen und vielem mehr. Westfalen, das klingt nach grünen Landschaft,

Bodenständigkeit, nach Geschichte. Aber wie klingt Westfalen wirklich? Nach Koalition oder Karneval, nach Schweigen oder Schlager, in dieser Folge tauchen wir tief in die musikalischen Geschichten westfalens ein. Gemeinsam, Doktor Ingo Krabowski, Direktor des Kloster Dahlheim und leidenschaftlicher Musiksammler, auch bekannt als Professorschlager.

Wir sprechen über den Klang von Klöstern, über Ohrwürmer mit Tiefgang, über westfälische Hymnen, Dialekte, Popkultur und persönliche Plattensammlungen. Willkommen in einer Folge zwischen Gregorianik und Gänsehaut zwischen Orgelton und Ohrwurm. Willkommen, Leichtigkeit der Kunst. Willkommen in Westfalen. Willkommen lieber Ingo. Schön, dass du da bist Ja, das bin ich gerne. Ganz gespannt bin ich, was deine Popkulturelle Interessen einst geprägt hatte Ja, du hast ja auch schon ein ganz breites Spektrum aufgemacht. Wenn ich nicht unbedingt der Experte für, auch wenn ich hier im Klostermuseum tätig bin, aber wir können probieren, uns dem Ganzen anzunähern. Ja.

Erzähl mir doch mal von deinen Ursprüngen der erste Blick in den Plattenschrank. Ja, die erste Single war befürchte ich, das Lied der Schlümpfe. Ja Und wie man schon den ersten Ohrwurm. Willkommen liebe Hörende. Also aber ich habe später auch noch andere Musik gehört oder gemacht, aber das war ähm bestimmt eine Prägung, die erste Platte in Schlager war, die ich hatte.

Wobei Schlager hören ja früher sozusagen ein bisschen verpönt war, aber man konnte heimlich doch sich den Stoff besorgen, und musste dann eben erstmal gucken, dass die Leute es nicht so mitbekamen, wenn man Schlager hatte. Sag mal bei Schlümpfe, Blau, Blau, denke ich an Fußball, Schalke, auch ein Fußballfan? Ja, also Schalke ist ja ein Verein, glaube ich, in der 2ten Liga, äh mit dem also da gucke ich nicht so. Das interessiert mich nicht so. Also ich Bundesligaverein dem ich anhänge Und Schalke ist es bestimmt nicht. Oh du bist dort, Wunder. Ja, ich komme aus Dortmund, das stimmt. Ich habe auch gar nichts gegen Schalke, die haben auch eine Kapelle und wir haben hier auch im Museum eine Kapelle und das ist eine Gemeinsamkeit. Mhm.

Kommen wir doch wieder zurück zur Musik. Die Schlümpfe waren es einst und dann ging es weiter. Du sagtest gerade, man hat nicht so ganz laut getönt. Ich höre Schlager. Also Schlager galten auch bei uns zu Hause eben als verpönt, weil die echte Musik natürlich die klassische Musik war. Ja Bach Beethoven und Mozart wurden doch mit Recht auch für wichtiger gehalten als Michael Holm vor der Abraham.

Oder Kitte Henning. Aber nichtsdesto minder gab es bei uns zu Hause so einen Giftschrank mit Schlagerplatten, die dann zu besonderen Feierlichkeiten, Karneval oder so aufgelegt wurden, aber, Im Grunde waren Schlager natürlich schon verpönt. Was hast du dir dann heimlich angehört? Na ja es gab im Platten mit Schlagern aus den sechziger Jahren, also.

Zum Beispiel Katharina Valente oder auch englischsprachige Schlager, also Wesels, running stones Ähnliche Sachen dürfen wir ja nicht vergessen. Auch Elvis Presley wurde im Spiegel in den 50er Jahren als amerikanischer Schlagersänger verhandelt, wie Heulboie, Elvis Presley, die also ihre Schlager eben dann auch fürs deutsche Publikum sagen. Also im Grunde alles, was Unterhaltungsmusik, weil ich war früher unter der Bezeichnung Schlager. Was hat dich denn damals mehr fasziniert, die Texte oder der Beat? Ach, das kommt drauf an. Also ich finde, das gehört beides zusammen.

Also grundlegend für den Schlager ist ja, wenn wir jetzt da schon sozusagen in die Schlagertheorie einsteigen wollen, grundlegend für den Schlager ist ja sozusagen diese Dreiheit aus Musik, Text Und Persönlichkeit des Interpreten Und wenn das alles drei zusammenpasst, dann gibt's eventuell das Potenzial für einen funktionierenden, für einen erfolgreichen Schlager. Aber es muss irgendwie schon zusammenpassen und natürlich gibt's auch Texte, wo nur leider La gesungen wird, aber die sind dann auch eben kennzeichnend für dieses Stück und insofern gehört das schon sehr zusammen.

Du bist 1undsiebzig geboren. Würde mal vermuten, dass deine musikalische Prägung vielleicht so mit vier, fünf losging, zumindest deine Erinnerung. Wie war denn damals die Zeit geprägt? Meine großen Geschwister, die hörten die Besels? Vor allen Dingen und das heißt also die ersten Lieder, die ich auswendig konnte, waren auch Beatles Lieder, bevor ich überhaupt Englisch gelernt habe spät angefangen zu lernen, weil ich dann auch auf eine humanistisches Gymnasium ging, wo man mit Latein anfing aber ich konnte trotzdem schon Beatles wieder. Mhm. We are live in the Yellow Submarine. Und ich habe gerade an Yesterday gedacht, die ersten ja ja. Hast du auch mal überlegt, Musik zu machen Ich mache ja auch selber etwas Musik und trete hin und wieder auf unter meinem Künstlernamen Doktor Schlager. Also ich nenne mich nicht Professor Schlager auf der Bühne, weil ich mir ja keine,

Lorbeeren sozusagen aufsetzen will, die ich nicht verdient habe. Also ich habe keine Abilisationsschrift verfasst. Deswegen bin ich ganz bescheiden und nenne mich nur Doktor Schlager und trete aber auf mit einem Programm, wo wir Schlager, spielen und die inhaltlich auch etwas einbetten. Natürlich nicht so wie Ernst vielleicht, wie ich's jetzt grade erzählt habe, aber, Ja, ich musiziere auch hin und wieder. Gitarre oder Gesang? Beides und ich spiele vor allen Dingen Bass auf der Bühne. Man braucht ja immer einen Bassisten, deswegen also derjenige, der am schlechtesten Gitarre spielt, wird dann ausgesucht, damit Herr Bass spielt, Gibt ja auch leider eine Menge Witze über Bassisten. Bassisten sind eine.

Der unterdrückten Minderheiten über die viel zu wenig bekannt ist, aber ja, normalerweise spiele ich Bass, aber ein bisschen auch Gitarre. Was ist denn nicht bekannt? Was möchtest du jetzt gerne mal in der Öffentlichkeit gerade rücken? Bassisten sind auch Musiker. Okay, das haben wir verstanden. Gut, nein, aber es gibt ja eine Menge Musikerwitze, vor allen Dingen über Bassisten und Schlagzeuger und Geiger auch, allerdings. Mhm. Also, äh die haben's alle schwer.

Wann hast du angefangen Musik zu machen? Erst als du schon deinen Doktortitel hattest oder Klavier lernen, also mit ich war vielleicht elf oder zwölf. Und dann hat sich das durch deine Schule Laufbahn durch Klavier, da habe ich mit angezogener Begeisterungsbremse, gespielt, aber dann irgendwann habe ich mit sechzehn, siebzehn habe ich angefangen Gitarre zu lernen und dann hatten wir auch ganz schnell eine Band beieinander und dann wurde eben mir die Aufgabe zugewiesen, den Bass zu übernehmen. Und dann habe ich angefangen, ja mit siebzehn, 18 was zu spielen und was zu lernen. Und schreibst du selber auch die Songtexte? Ich schreibe auch ein paar Songs, also und äh bei Texten verlasse ich mich meistens auch auf mich selber.

Und Bücher schreibst du auch. Das stimmt. Ja, zu unterschiedlichen Themen, auch Bücher zur Geschichte des Schlagers, aber auch zu anderen Themen, Je nachdem, was mich so interessiert. Schlager von A bis, Richtig. Das ist ein Buch, das habe ich gemeinsam mit Martin Lucke geschrieben als Begleitbuch zu einer Ausstellung.

Die seinerzeit ja in Süddeutschland lief, im Stadtmuseum Sachsenheim und anschließend noch in Dortmund im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Das ist allerdings auch schon ein gutes Jahr dutzend her, dass die Ausstellung zu sehen war, aber da ist ein ganz frisches Büchlein entstanden, das stimmt. Wir haben tatsächlich da jedem Buchstaben einen Begriff, der irgendwie wichtig ist für die Geschichte des Schlagers zugeordnet. Außer ist auch ein wichtiger Begriff. Ich frage mich aber, ob man einen ganzen mehrseitigen Artikel darüber schreiben kann, Tatsächlich haben wir seinerzeit unter H das Thema Homosexualität. Äh verhandelt. Die hat im Schlager auch eine ganz besondere Bedeutung, einfach weil natürlich äh viele,

Schlager, wie er gehört zu mir, zum Beispiel von Mariano Rosenberg mit diesem Thema konnotiert werden, weil es auch frühe Schlager gibt schon in den 20erjahren, in denen versucht wurde, Homosexualität zu intabuisieren und es nicht zuletzt natürlich auch eine große Fangemeinschaft gibt, das erleben wir jedes Jahr wieder beim Grand Prix oder heute meistens Song Contest wobei uns kontinental Europäer natürlich die französische Aussprache näher ist, aber jedenfalls ist das Thema eng miteinander verzahnt, ohne dass jetzt vertiefen zu wollen. Nimm mir doch noch zwei, drei weitere Buchstaben, die wir unbedingt kennen sollten und die vielleicht leshebehaftet sind und die wir jetzt aufdecken können.

Gute Frage. A war zum Beispiel das Thema. Amerika. Viele hätten vielleicht das Thema Ausländer erwartet, weil's ja unheimlich viele ausländische Stars gab, die in Deutschland populär waren, also wenn ich eben, vorhin habe ich schon Gitarening genannt, Winke-Myrr, Roberto Blanco Udo Jürgens war letztlich auch ein Ausländer, er kam aus Österreich, hat aber dann irgendwann auch die deutsche Staatsbürgerschaft gehabt Insofern spielten die für den deutschen Schlager eine ganz Wichtige äh Rolle. Wir haben da aber das Thema Amerika ausgesucht, weil Amerika im Schlager von Anfang an ein ganz wichtiger Sehnsuchtsort war.

Also in den zwanziger Jahren gab's schon Starke wie das kleine Haus am Mitchiggensee und so weiter, also Amerika war immer ein Ziel der Schlager, amerikanische Elemente wurden aber auch häufig in den Schlager übernommen. Also die Comedian Hamelnes haben ihre Inspiration von einer Gesangsgruppe aus Amerika, deren Stil sie nachgeahmt haben und das war immerhin die wichtigste Erscheinung im deutschen Stadion, die wir überhaupt haben, die Comedian.

Wir haben Schlager, die im Countrystil sind, Wir haben Rock and Roll und so weiter, wurde alles aus Amerika übernommen, das heißt, Amerika hatte einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Geschichte der Entwicklung des Schlagers. Und I steht wahrscheinlich nicht Ingo. Nein, äh was hatten wir unter I? Da fehlt mir jetzt die Inspiration. Also tut mir leid. Oh. Du? Ich weiß es nicht mehr. Fällt mir wahrscheinlich am Schluss des Gesprächs wieder ein. Dann nehmen wir den Faden wieder auf. G, hatten wir den Grand Prix.

Mhm. Ne? Und bei X hatten wir Xenophili natürlich, die fremden Freundlichkeit unter X haben wir die Stars verhandelt aus dem Ausland kamen und in Deutschland große Erfolge feierten. Das ging ja schon in den 30er Jahren los mit Stars wie Johannes Heesters aus den Niederlanden, Zara Leander, aus Schweden die chillenische Nachtigall, das waren die beliebtesten Stars in Deutschland, wenn man von wenigen Ausnahmen absieht. Du bist Doktor Ingo Grabowski, heißt aber, Professor Schlager nennt sich selber Doktorschlager. Ich bin verwirrt. Woher kommt der Professor Schlager? Seine Zeit haben Martin Lücke und ich, gemeinsam ein Buch geschrieben über die 100 Schlager des Jahrhunderts und dieses Buch wurde erstmals vorgestellt von der Bildzeitung,

Bildzeitung hat damals die Schlagzeile geschrieben groß und war auf Seite drei und die ganze Seite, Das sind die 100 Schlager des Jahrhunderts, ist es glaube ich Professor Schlager und Doktor Schnulzer haben's wissenschaftlich bewiesen. Ja und auf den Doktor Schnulz hat irgendwie keiner von uns Wert gelegt, Und deswegen haben wir beide die Zuschreibung des Professor Schlager dann äh für uns in Anspruch genommen. Martin ist sogar mittlerweile Professor. Ja, aber daher kommt das, die Bildzeitung hat's verbrochen.

Eben hatten wir Harvey Humor. Zu H fällt mir auch noch Historiker ein, Ist ja das äh ist auch richtig, dass das mit dem gleichen Buchstaben anfängt, weil Historiker ganz viel Humor brauchen, Denn die Geschichte ist ansonsten ja nicht so humorig meistens und insofern ist man darauf angewiesen. Deswegen gelten auch Historiker, als sehr humorvolle Zunft. Wann ist dir aufgefallen, dass dir die Geschichte liegt, dass dir die Freude bereitet und du dich damit beruflich beschäftigen möchtest. Also ich habe im Hauptfach Savistik studiert und Geschichte im Nebenfach seiner Zeit, aber auch Slavistik habe ich so ein bisschen aus historischem Interesse und aus Interesse an Sprachen und Kulturen gelernt, Und eigentlich war das bei mir schon sehr früh der Fall. Ich glaube, ich habe schon in der Grundschule mich am meisten für den Heimatunterricht interessiert, für die Geschichte meiner Heimatstadt Dortmund, seinerzeit und auf dem Gymnasium,

Geschichte eigentlich auch immer mein Lieblingsfach. Slavistik ist vielleicht nicht so ganz geläufig als erstes Fach zu studieren. Warum? Ja, als ich angefangen habe zu studieren, 19hunderteinundneunzig, das war ja die Zeit, in der diese großen Veränderungen waren im im Osten Europas. Also äh das war die Zeit noch knapp von Perestroika und Glas Nost in der Sowjetunion, großen Veränderungen, die passierten, das war die Zeit, in der man dachte, da passiert was Neues, und das ist interessant und deswegen habe ich mich seinerzeit, das war ein Grund sehr für Osteuropa und Russland vor allen Dingen damals interessiert. Und bist du auch dort hingegangen zum Studieren? Ich habe auch in Russland studiert,

und geforscht, auch gearbeitet etwas. Ich habe in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, also in Kroatien habe ich studiert, ich war in Belgrad in Serbien und habe dort ein Praktikum gemacht beim Rundfunk. Das heißt, ich habe die Länder eben auch bereist und kennen gelernt in der Ukraine war ich auf Tagungen.

Viel Sommerschulen auf der Krim zu zeigen, dass das noch möglich war. Das heißt, ich kenne, Osteuropa in Teilen ganz gut, ne? Gibt aber auch etliche Länder, in denen ich noch nicht war leider. Wie hat dich die Zeit dort geprägt Das ist natürlich schwer zu sagen. Von innen heraus, von außen könnte man's wahrscheinlich sogar eher sagen. Also wenn Russland habe ich wahrscheinlich vor allen Dingen gelernt, nicht so anspruchsvoll zu sein, weil das Leben doch einfach.

War als hier, man muss sich dran gewöhnen zu warten, also das war auch in den Neunzigerjahren und in den Nullerjahren immer noch so. Man lernt so eine Gesellschaft kennen, die sehr stark von Angst geprägt ist, ne? Also man konnte in den Nullerjahren und in den Zehnerjahren dieses Jahrhunderts schon, wo ich eben auch viel zu Forschungszwecken noch in Russland war, eben feststellen, wie die die Stimmung in der Gesellschaft immer angespannter wurde, immer schwieriger wurde, Wie sich vor allen Dingen unter meinen Freunden und Bekannten Angst verbreitete Frust, Hoffnungslosigkeit, ne. Ich erinnere mich an ein Gespräch sehr häufig mit Freunden, wo wir in einem Cafe saßen, in Moskau, das muss 2tausend12 gewesen sein und.

Die sagten schon damals, das waren ja sozusagen war ja die Halbzeit von Putin so von heute aus gesehen. So und es wird alles immer schlimmer. Es wird, wir, immer weniger Freiheiten was zu sagen, ökonomisch wurde es auch nicht besser, sondern immer schwieriger, ist natürlich klar, Russland ist ein sehr korruptes äh Land und ich habe noch versucht, sie zu essen. Ja, muss es ja nicht unbedingt in die Richtung gehen, es kann ja auch anders kommen. Nein, Ingo, es wird immer schlimmer werden.

Die im Grunde schon die Katastrophe geahnt haben, in die Russland dann gegangen ist, aber, Ja, wir im Westen haben das leider nicht ernst genug genommen und ich muss das auch selbstkritisch sagen, auch viele in meinem Fach, der ist da Vistik und Osteoberwissenschaft und ich sicher selbst auch. Irgendwie haben wir auch die Augen vor dieser großen Gefahr verschlossen.

Die Russland eben, Und heute noch bildet. Kannst du rückblickend sagen, dass damals es vielleicht Musik gab, die diese Entwicklung gespürt hat, nach außen gespielt hat, vielleicht auch mit einem Takt, der berührt, der die Massen anspricht? Also es gab schon immer mehrlei Musik sozusagen in Russland, in der Sowjetunion. Ich habe ja über den sowjetischen Schlager der 50er bis achtziger Jahre.

Auch in meiner Forschung gearbeitet und da gab es im Grunde, Zwei große Strömungen, einmal die große Strömung, die vom Staat gefördert wurde, von der Sowjetunion, der sowjetische äh Schlager, der also einer gewissen Form genügen sollte, der, musikalisch sich nicht zu stark am Westen orientieren sollte, sondern eher an den Volksmusiken, die es in der Sowjetunion gab, Und es gab den Schlager, der sich, der auch erfolgreicher war oder zumindest beliebter war beim Publikum, der sich sehr stark an angloamerikanischen und französischen Vorbildern, orientierte und das war Musik, über die so ein wenig Freiheit auf die sowjetischen Plattenspieler, getrickst wurde. Also da gab es schon also Schlager, die offiziell antiamerikanisch waren, die aber vom Publikum ganz anders wahrgenommen wurden, weil amerikanische Wörter drin vorkamen.

Und deswegen freute man sich daran, dass man Wörter singen konnte wie Jeans, Billy oder ne so klassische amerikanische Wörter, und damit kam so ein bisschen westliche Welt in diese grauen, sowjetischen äh Städte, Und äh deswegen hat der Schlager seinerzeit auch in gewisser Weise einen Beitrag geleistet zur Demokratisierung, zur, Eröffnung der Sowjetunion. Dann taten eben die Musiker auf mit langen Haaren, verkauften das als.

Folkturistisch. So was gab es auch, aber eigentlich wusste man, es handelt sich um Hippies, die auf der Bühne standen Und es gab davon abgesehen auch noch eine große Underground-Bewegung. Sowjetischen Rockrussischen Rock aber auch Rock in den anderen Ländern der Sowjetunion. Der sich bewusst von allem, was offiziell erlaubt war, abwendete. Und das sind Musiker, die heute auch eben häufig ins Exil gegangen sind. Also, und für Musiker wie zum Beispiel oder Andrej, das sind die Begründer der sowjetischen Rottmusik gewesen. Die sind heute alle im Exil.

Was glaubst du denn, welche Kraft geht von der Musik aus und vielleicht jetzt im Speziellen vom Schlager? Kann er grundsätzlich den Zeitgeist einer Gesellschaft beeinflussen? Der Schlager folgt ja meistens dem Zeitgeist, also nicht wie ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens. Dann war das bestimmt auch eine Reaktion natürlich auf das Zeitgefühl oder auf diese aufkommende Praxis, dass Menschen eben zusammenlebten ohne verheiratet zu sein.

Wobei dieses Lied natürlich dann diesen Zeitgeist bestimmt auch beflügelt hat. Also der hat dieses Thema enttabuisiert. Und insofern hat der Schlager wiederum auch, Die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst. Also Götz Eismann hat glaube ich ein weiterer großer Westfale. Er hat sinngemäß mal gesagt, dass Ute Jürgens Lied an ehrenwertes Haus bestimmt mehr, für gesellschaftliche Veränderung in Deutschland getan hat als alle Lieder vom Bob Dylan zusammen genommen. Also könnte man natürlich es immer schwierig sowas empirisch äh nachzuvollziehen.

Aber das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Welche Aufgabe hat der Schlager heute, wenn ich an Schlager denke, verzeihe ich bin da vielleicht ein bisschen klischeebehaftet und denke erst mal, oh, atemlos und et cetera oder ist das einfach? Ja, das würde ich schon sagen, ne. Schlager ist eben jetzt vor allen Dingen ein Teil der Unterhaltungsbranche.

War er schon immer, aber früher waren die Schlagermacher vielleicht so ein bisschen mutiger oder haben sich mehr getraut. Oder der Zeitgeist war eben auch so, dass die Leute nicht nur unterhalten, werden wollten, sondern dass man sozusagen vom Sänger verlangte in gewisser Weise auch ein Inhalt zu vermitteln. Und heute ist Schlager ja ein bisschen heruntergekommen.

Muss ich sagen, generell ist Popmusik so ein bisschen runtergekommen, finde ich. Also dass sie wirklich gesellschaftliche Impulse setzt, ist ja doch eher sehr selten. Geworden. Zumal in Deutschland. Ne also ich will jetzt gar nichts über Taylor Swift sagen. Äh die Texte verstehen glaube ich die meisten sowieso hier äh nicht, die sie singt. Die sollen ja ganz toll sein, aber hier in Deutschland sehe ich nicht, dass Schlager, also mehr sind heute als.

Musik eben die die unterhalten soll. Und das ist ja auch in Ordnung. Ich meine, Musik darf auch nur unterhalten, wenn ich ins Symphoniekonzert gehe, dann will ich vor allen Dingen auch natürlich eine eine gute Zeit dort verbringen und inspiriert werden. Aber ein bisschen schade ist es eben doch. Das Wort Schlager. Woher kommt das eigentlich, Von Schlagen? Ja da gibt's vielleicht äh sozusagen eine kleine etymologische Verwandschaft, aber vor allen Dingen ist ein Schlager, der ein Lied, das einschlägt. Mhm. Ne, das ist die ursprüngliche Bedeutung. Auf Englisch heißt der Schlager deswegen Hit.

Weil es auch ein Lied ist, das einschlägt. Und im Grunde kommt das so ein bisschen aus der, Wirtschaftssprache. Also die erste Erwähnung des Wortes Schlager hast du als die Komposition an der schönen blauen Donau als Schlager bezeichnet wurde in der Wiener Presse. Und äh Schlager war eben dann schnell ein Begriff der Wirtschaftssprache, um ein Lied schon ja zum Schlager zu erklären, bevor es überhaupt einer wurde.

Ne, also das war im Grunde so der neue Schlager von, Massari bevor er überhaupt aufm Markt war, dieser Schlager, wo der schon zu einem solchen ernannt und lange nannte man eben alle Lieder. In irgendeiner Art und Weise ja wie soll ich sagen kommerziell erfolgreich sein sollten, Schlager. Und die Geschichte des Schlagers? Schlager ist kein musikalischer, Begriff. Also ein Schlager kann alles Mögliche sein, also die Comedian haben es, haben, Vokalmusik, Swingmusik auf Deutsch gemacht in den 50er Jahren wurde deutscher Rock and Roll von oder Peter Kraus als Schlager verkauft Deutsche in den 60er Jahren hat Beatmusik, gemacht. Die fantastischen vier machen eben Schlager mit sozusagen Hip-Hop-Ankrängen, also Schlager ist kein musikalischer Begriff. Letztlich kannst du auch Ramstein als Schlager

bezeichnen, auch wenn das eine harte Gitarrenmusik ist und man das auch ganz schrecklich finden darf Ist es aber trotzdem natürlich sehr erfolgreich und in dem Sinne ein Schlager. Also Schlager ist kein musikalischer Begriff, sondern letztlich eine Bezeichnung für ein erfolgreiches Lied und jedes Lied kann eben auch ein Schlager sein. Kann ein Schlager auch politisch sein? Ja natürlich, also heute muss man eigentlich sagen, gibt es ja nur sehr wenige populäre Lieder, die auch politisch sind Das war aber früher anders. In den 70er Jahren in den achtziger Jahren gab es massenweise Schlager, die in irgendeiner Art und Weise gesellschaftliche Missstände.

Ansprachen, also eines der berühmtesten, schönsten Beispiele in Deutschland ist es wieder ein ehrenwertes Haus von Udo Jürgens, indem er, Im Grunde die wilde Ehe salonfähig machte und das ist dann schon natürlich ein politischer Anspruch am Tag als Conny Kramer starb Juliane Werding, da geht es um das Schicksal eines Drogentoten. Bruttosozialprodukt von Geyer Sturzflug sollte eigentlich unser Wirtschaftssystem kritisieren. Das hat aber keiner verstanden. Ich glaube, die CDU hat sogar mal bei einem Parteitag gespielt.

Es wird wieder in die Hände gespuckt, sie steigern das Bruttosozialprodukt, das war eigentlich ironisch gemeint. Das hat aber niemand verstanden. Mhm Westerland? Auch das, ne? Von den Ärzten, ne? Ja, klar. Also da singen alle mit und sich groß Gedanken darüber zu machen. Griechischer Wein von Udo Jürgens ist auch so ein schönes Beispiel. Kaum jemand hat hier wirklich das Schicksal der Gastarbeiter aus Griechenland vor Augen, die da beschrieben wurden. Ne, eigentlich ist das ein sozialkritischer Text, aber na ja, man kann's auch als Trinklied verwenden. Ja, das ist interessant.

Du bist Historiker mit einer großen Leidenschaft für Schlager und du holst dir Schlager und die Musik ins Museum. Was ist dir wichtig, was möchtest du herausfinden Also Schlager hole ich jetzt in meiner aktuellen Tätigkeit ja relativ selten ins Museum. Allerdings hatten wir auch einen Schlager oder wir hatten sogar mehrere Schlager auch in der letzten Ausstellung, da ging's um das Thema Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus und vielleicht ist es einfacher, das am konkreten Beispiel.

Zu zeigen und da haben wir unter anderem eine Schallplatte gezeigt von Fritzi Masari, auf der war der Titel, ich bin eine Frau, die weiß, was sie will, Das ist ein Lied, das sie glaube Anfang der dreißiger Jahre veröffentlicht hat. Fritzi Masari war der berühmteste Star, Der Weimarer Zeit, Kabarettistinnen, aber eben auch Schlagersängerinnen waren sie verliebt, viele andere noch. Also sie war wirklich eine prägende Persönlichkeit in dieser Zeit. Es gab eine eigene Zigarettenmarke.

Fritzi Masari Zigaretten, die waren eben 40 Massari war so beliebt, dass sozusagen dieses Merchandising Produkt, würde man heute sagen, eben auch, funktionierte und Twitzi Massage gerade davor entschuldige, es gibt eine Florian Silbereisen Zigarette. Ja, sollte man vielleicht mal, also sollte man natürlich nicht machen, sonst drehe ich das viel zu viele Leute zum Rauchen an, aber äh seinerzeit wurde Rauchen ja noch nicht so problematisiert. Da galt es als Leidenschaft und nicht als Sucht und insofern ja dürfte es auch eine solche Zigarette geben. Aber jedenfalls war Fritzi Masari eine Protestantin, die allerdings konvertiert war zum Protestantismus.

Und verließ Deutschland schon neunzehnhundertzweiunddreißig, weil sie eben gesehen hat, Hier ist kein Platz mehr für Leute wie mich, eben für Leute jüdischer Herkunft, ne? Sie war da sehr hellsichtig, sie war bei den Nazis verhasst eben nicht nur wegen ihrer Herkunft, sondern auch weil sie eben emanzipierte Schlager, zum Beispiel sagen, ich bin eine Frau, die weiß, was sie will. Das zeigt, wir haben in den in den 20er Jahren, in den dreißiger Jahren ein ganz neues Frauenbild.

Frauen, die eben, nicht nur sozusagen am Herd stehen und der Schmuck des Mannes sind, sondern die emanzipiert sind und selbst Karriere machen, ebenso wie Fritzi Massari. Und insofern sowas kann man anhand dieses Schlagers da ganz gut zeigen. Also du willst anhand des Schlagers die Geschichte der Zeit zeigen. Ich erzähle eben eine Geschichte, ne? Und in Ausstellungen, in kulturhistorischen Ausstellungen, zumal haben wir natürlich meistens eine bestimmte vielleicht These, die wir verfolgen.

Wir belegen wollen und die Geschichten, die wir erzählen, sind dann eben, wie soll ich sagen, Belege für diese These. Was war die erste Ausstellung in diesem Sinne? Also die erste Ausstellung, in der ich mitgearbeitet habe, da ging es eben tatsächlich auch um Musik. Das war die Ausstellung Elvis in Deutschland.

Es muss 2tausend3 gewesen sein oder zweitausendvier, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, das waren Ausstellungen im Haus der Geschichte in Bonn und, Da haben wir die Geschichte von Everest Pressy in Deutschland gewürdigt. Da ging's natürlich nicht nur um Elvis, sondern generell, um den Rock and Roll um die Geschichte der Jugendbewegungen in Deutschland, denn der Rock and Roll war, unheimlich wichtig als Einfluss auf auf Jugendliche in Deutschland in den 50er Jahren. Wir haben da die Geschichte der Halbstarken, die wir da zeigen konnten. Man konnte eben in dieser Ausstellung.

Erleben, welche Bedeutung diese junge neue Musik, Rock and Roll, insbesondere natürlich die Figur Elvis Presley für Deutschland hatte. Willings weiter. Dann gab's eine neue Ausstellung, die war dann über 2005 meine ich wirklich, die hatte den Titel keine Panik oder Lindenbase bunte Republik Da wurde seinerzeit eben das gesellschaftliche Wirken von Udo Lindenberg in einer kleinen Studioausstellung im Haus der Geschichte gewürdigt.

2tausend6 meine ich, habe ich Mitarbeiten dürfen an einer Ausstellung über Rockmusik und Jugendkultur, In Deutschland und 208 dann an einer Ausstellung über die Geschichte des Schlagers in Deutschland Melodien für Millionen das Jahrhundert des Schlagers. Da haben wir insgesamt oder sind wir insgesamt, Bedeutung nachgegangen, die der Schlager in Deutschland hat. Verändert das Wissen um den Schlager und um die Musik deinen Blick auf die Geschichte? Ganz bestimmt, aber das ist so ein schleichender Prozess, dass man dessen vielleicht nicht immer gewahr wird Also was der Schlager natürlich zeigt oder die Beschäftigung mit dem Schlager ist, die Bedeutung, die, Alterskultur für die Geschichte hat. Geschichte ist eben nicht nur eine Geschichte sozusagen der,

großen Politik, sondern es ist eben ganz wesentlich auch eine Geschichte, die im Alltag der Leute spielt und, Das ist dann eben vor allen Dingen die Geschichte des Schlagers, dass, Ist natürlich immer mal wieder auch verzahnt, wenn Politik versucht, Schlager für ihre Zwecke zu nutzen, meistens weniger erfolgreich.

Als man es unterstellen möchte, aber vor allen Dingen ist es eben eine Geschichte der, Gefühle, die die Menschen im Alltag bewegen. Seit 2014 bist du Direktor hier in Dahlheim. Stiftung Kloster Dahlheim, LWL Landesmuseum für Klosterkultur, Dieser Name ist wichtig, weil, Wir zum einen natürlich den Landschaftsverband Westfalen-Lippe haben, der Eigentümer ist, hier der ehemaligen Klosteranlage. Wir haben aber auf der anderen Seite auch die Stiftung, an der eben nicht nur der Landschaftsverband beteiligt ist, sondern auch der Kreis Paderborn und private Stifter, die seinerzeit bei der Errichtung, der Stiftung im Jahr 206 eben zu gleichen Teilen Mittel eingegeben haben mit dem Ziel, ja hier ein Museum zu betreiben,

Dass das Thema Klosterkultur Klostergeschichte für ein breites Publikum aufarbeitet und vermittelt. Das Kloster Dahlheim. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich so abkürze. Können wir so unter uns machen, da hat ja keiner zu. Meiner Sicht sicherlich eins der schönsten Klöster, die es überhaupt gibt Aber was macht den Ort für dich so besonders? Ja, ist aus meiner Sicht auch eines der schönsten Museen, dieses überhaupt gibt und ja, wahrscheinlich der schönste Arbeitsplatz, also den ich mir vorstellen kann, zumindest habe ich Noch keinen schöneren Kennenlernen dürfen, Ja, was macht den Ort besonders? Alles Mögliche, muss man sagen. Also wir haben hier ganz viele Besonderheiten, mit denen wir an denen wir uns erfreuen können,

mit denen wir aber auch natürlich zu kämpfen haben. Also eine Besonderheit, die den Ort besonders schön macht, ist sicherlich, dass er abgelegen ist. Also wir haben eben doch ja sagen wir mal gute 20 Minuten wohlwollend gesprochen zum nächsten Mittelzentrum bis Paderborn, Bis in Bielefeld ist es eine Dreiviertelstunde bis, Kassel ist es auch eine dreiviertel Stunde bis Dortmund ist es eine Stunde Fahrtzeit im Auto und mit dem öffentlichen Nahverkehr kommt man hier im Moment leider nur sehr wenig äh hin.

Und die Anschlüsse sind eben nicht besonders gut und wir müssen eben mit dieser Abgelegenheit, die ein Vorzug ist im Hinblick darauf, wie schön es hier ist. Wie idyllisch der Ort nicht mitten in der Natur, wir haben hier Kultur und Natur miteinander vereint, aber es ist eben auch eine Schwierigkeit, man muss die Leute mit harten Reizen dazu bringen, ins Museum zu kommen, denn dazu gehört schon, was ich erstmal eine halbe Stunde ins Auto zu setzen, um ein Museum zu besuchen. Und was sind die harten Reize? Die harten Reize sind die Ausstellungen, die wir machen, Und das Veranstaltungsprogramm, das wir machen, die Ausstellungen sind Dauerausstellungen zur Geschichte der Klöster, der Klosterkultur,

Die man also das ganze Jahr übersehen kann und das sind Sonderausstellungen, die wir immer wieder zu neuen und wie ich finde sehr interessanten Themen anbieten um das Publikum das vielleicht auch schon mal da war dazu zu motivieren nochmal nach der anderen zu kommen. Der harte Reiz ist natürlich auch das Kloster Ensemble an sich das denkmalgeschützte ehemalige Kloster Dahlheim, das an sich natürlich schon ein Besuch.

Ist übrigens bei jedem Wetter der Ort hat im Schnee einen ganz eigenen Reiz und jetzt wo die Sonne so herrlich scheint und die Blumen alle blühen und die Vögel alle zwitschern und die Bienen summen, die den Daheimer Honig herstellen. Da ist es natürlich besonders schön. Was kannst du mir denn zu 8hundert-jährigen Geschichte des Hauses erzählen?

Ja, also wenn wir da anfangen, dann weiß ich nicht, ob wir genug Zeit haben, aber das das Kloster Dahlheim hat Nicht nur eine Geschichte, es hat ganz viele Geschichten, die es erzählen kann. Es ist gegründet worden als als Frauenkloster. Davon ist nicht mehr viel da. Da wird aber gerade äh archäologisch zugeforscht, aber das große Daheim war offenbar schon, im frühen Mittelalter im Ja im zwölften, 13. Jahrhundert, als Frauenkloster wichtig, bevor es dann auch rasch wieder verlassen wurde, weil die Zeiten schwierig wurden. Wir hatten die große Pest, die Anfang des 14. Jahrhunderts in Europa wütete und die vermutlich auch dazu führte, dass das Kloster Dahlheim wieder verlassen wurde, aber seinerzeit haben die Archäologen zumindest feststellen können, haben Frauen hier,

Etwas getan, wovon die Geschichtswissenschaft lange ausging, dass sie es nicht tun durften, nämlich Bücher auch zeichnerisch ausgeschmückt, Bücher äh vervielfältigt und geschrieben. Das heißt, wir hatten hier einen wichtigen Bildungsort schon im im Mittelalter und ein Bildungsort ist daheim natürlich auch dann geblieben als.

Einen Männerkonvent hier angesiedelt hat im 15. Jahrhundert kam die Augustiner Chorherren nach Dahlheim aus dem benachbarten Kloster Wördecken und haben hier ein Auge Herrenstift gegründet, Das zunächst auch mittelalterlich geprägt war, dass ja der Kern des Klosters, die Kloster Kirche, der Kreuzgang sind heute immer noch, Zeugen dieser mittelalterlichen Vergangenheit. Wir haben aber auch heute hier ein schlossähnliches, bauliches Ensemble, das aus der Zeit des Barock, also aus dem 18. Jahrhundert, stammt das große Daheim, war ein Ja, ein wohlhabendes Kloster hier im äh Kreis Paderborn und auch manche Geschichten, die mit dem Kloster zu tun haben, ranken sich auch ja um den Reichtum des Klosters.

So war's zum Beispiel Anfang des siebzehnten Jahrhunderts so, dass der Fürstbischof von Paderborn den Dahlheimer Chorherren unterstellte. Sie betrieben Hexerei. Dann wurden mehrere Chorherren in Paderborn ins Gefängnis gesteckt. Eine von denen ist da auch gestorben leider, Weil sie eben unter diesem Vorwurf standen. Letztlich ging's aber dem Fürstbischof nicht um Hexerei, dem war schon klar, dass sie keine Hexerei betrieben, sondern er wollte die im Grunde erpressen, und die Dahlheimer Chorherren sind dann eben auch in gewisser Weise darauf eingegangen, indem dann vereinbart wurde, dass sozusagen der Tribut.

Die an den Bischof gezahlt werden, musste eben etwas stieg und insofern sind es auch ganz, ja, wie soll ich sagen, interessante natürlich auch von der Zeit, geprägte Geschichten, die das Kloster Daheim ausmachen. Götz von Berlichingen soll hier, vor den Toren des Klosters ein Raubüberfall angezettelt haben. Also es gibt unterschiedliche Geschichten, die sich um das Kloster erranken und natürlich erzählt das große, aber vor allen Dingen in seiner Dauerausstellung die 1700 Jahre alte Geschichte der.

In Europa. Du sprachst eben den Bildungsauftrag an und dass die Nonnen viele Bücher abgeschrieben haben. Woher kommt denn der Begriff eine Seite aufschlagen? Der Begriff eine Seite aufschlagen kommt daher, dass die Bücher früher so schwer waren, dass man also, wie soll ich sagen, richtig auf die Schnalle, die am Bruch befestigt war, schlagen musste, damit das Buch eben Offendalag, ne? Es gibt viele solcher Redewendungen, die aus dem klösterlichen Kontext kommen oder zumindest einige äh Redewendungen, also der Begriff Halt die Klappe.

Man ja heute meistens unfreundlich verwendet, der stammt auch aus dem kösterlichen Kontext, also es ist ja im Kloster so, wenn der Gottesdienst gefeiert wird, gibt's den großen Kirchenraum, in dem die Gemeinde sitzt. Es gibt den Chorraum, in dem der Corsitz und der Chor, das sind ja eigentlich sozusagen die, Mönche oder bei uns Franz Chorherren, die im Kloster saßen und die auf einem besonderen Gestühl saßen, auf Klappen nämlich die, wenn sie runterfielen, einen Lärm machten.

Und deswegen sagte man untereinander halt die Klappe. Sozusagen halt die Klappe fest, damit sie keinen Lärm macht. Ne, weil man im Gottesdienst natürlich still sein soll und keinen Lärm veranstalten soll. Daher rührt eben dieser Begriff halt die Klappe. Halt die Klappe, aufschlagen, komme wieder zum Schlager und zur Musik. Welche Rolle spielt denn die Musik hier im Kloster Talheim?

Das Kloster Daheim war, soweit man das sagen kann, natürlich immer auch ein musikalischer Ort in Musik gehörte immer auch zum Gottesdienst dazu. Das heißt, es wurde auf jeden Fall auch schon, als das hier ein Nonnenkloster war, im Gottesdienst Musik gemacht, gesungen. Es gibt auch übrigens. Archäologische Funde eben aus dem Mittelalter, wo man eben sieht, dass hier ja Flöten benutzt wurden. Zum Beispiel, es gab auch eine berühmte Orgel im Kloster Dahlheim. Die wurde eben 1803 als das Kloster aufgelöst wurde von den Preußen, Gott sei Dank gerettet.

Die ist heute in äh im Orgelmuseum zu sehen und ja, Musik spielte auf jeden Fall, eine wichtige Rolle und die Kirche, die wir ja hier immer noch haben, ist akustisch, ein sehr natürlich auch anspruchsvoller Raum, weil er einen sehr langen Nachhall hat, aber auch ein Raum, in dem immer wieder auch Musik ertönt. Das heißt, wir haben hier im Jahreskreis, immer wieder auch Konzerte in der Kirche. Im Advent gibt's Adventskonzerte, wenn der Dahlheimer Sommer alle zwei Jahre stattfindet, haben wir normalerweise auch Konzerte in der Klosterkirche, Diese Kirche wird hier auch heute als weiterhin musikalischer Raum genutzt.

Musik findet aber auch an anderen Orten statt jetzt hier im Kloster, also beim daheimer Sommer ist es so, dass wir auch Konzerte im ehemaligen Schafstall haben, also wo früher geblöckt wurde. Könnte man jetzt böse sagen, wird heute auch noch geblökt, aber meistens hört sich's doch ganz schön an. Konzerte stattfinden oder wir haben Konzerte, unsere Sommernachts, die da im ehemaligen Ehrenhof des Klosters Dahlheim, wo wir alle zwei Jahre ein Festival haben, das dem Thema gewidmet ist, Lieder in der Muttersprache. Und dieses Jahr total praktisch geht es nämlich mit der Ausstrahlung dieser Folge überein.

Und ihr, liebe Hörerinnen, ihr könnt ja mal schauen, ob es zufällig noch Restkarten gibt. Bis Sonntag sind die Sommernachts wieder hier im Kloster Dahlheim auf jeden Fall noch zu erleben. Ja, genau und da ist es so, dass wir dieses Jahr am, Freitag Abend, Heinz Rudolf Kunze da haben auch ein Künstler der aus Westfalen stammt übrigens das ist in diesem Jahr unser besonderes Motto, Dann kommt am Samstag Anett Louisan mit einem Jubiläumskonzert und am Sonntag haben wir ein Westfalen Spezial, Da kommen Marylin Boardo, Sebastian Krämer und die Zucchini Sisters. Ich werde ein bisschen was beitragen zur Geschichte.

Westfälischer Klischees, vor allen Dingen in der Literatur, dass wir dann Nachmittag der Westfalen gewidmet ist, allerdings natürlich auf unterhaltsame Weise. Das finde ich spannend. Welche Musikerinnen sind denn typ felisch. Ja der Volksmund sagt ja oder ich weiß gar nicht, ob man das als Volksmund betrachten kann, weil es sich um ein Lateinisches Wort handelt. Westfalia nonkantert.

Singt nicht. Das ist natürlich eine böse Unterstellung, auf dem alten Spruch Friesian und Kanter der Tacitus zugeschrieben wird, also der römische Historiker, der über die Germanen gearbeitet hat, Bin mir nicht ganz sicher, ob's bei Tacitus zu lesen ist, aber Tacitus beschrieb so, die Friesen eben, die im Norden Germaniens wohnten und im vergangenen Jahrhundert im vorvergangenen Jahrhundert, muss man ja sagen, im 19. Jahrhundert wurde es auch adaptiert auf die auf die Westfalen. Das heißt, was da natürlich mitschwingt, ist, dass die musikalische Tradition Westfalens.

Ja, vielleicht anders ist, zumindest als die andere. Du bist ja diplomatisch dass sie anders ist als sie. Also wir haben eben kein Beethoven in Westfalen und keinen Bach und keinen Mozart. Und auch kein Brahms und auch kein Schubert. Wir haben ganz viele nicht, die die anderen haben und wir haben vor allen Dingen uns selbst. Äh und das heißt, diese traditionelle, klassische.

Kultur Westfalens, Ja, man kann natürlich davon sprechen, dass es ausgeprägte Chortraditionen äh gibt, die dann vor allen Dingen natürlich im kirchlichen Raum gepflegt wurde, Aber es gibt, wie soll ich sagen, im Vergleich natürlich auch wenig äh Musik, die sich mit Westfalen als solcher auseinandersetzt. Ich meine, relativ bekannt ist das Westfalenlied, das aber auch schon damit anfängt, dass die anderen den Rhein haben, nicht? Also äh ihr habt ihr mögt den Rhein, den stolzen Loben, so geht das los. Das also ist ja schon verrückt, ein patriotisches Lied erstmal damit anfängt, was die anderen haben. Ne, also oder wir haben keine Reben heißt es da nicht, also also wir haben auch keinen Wein, den haben die anderen.

Also was wir haben sind dann eben na ja irgendwelche treuherzigen äh Männer, Die also sozusagen die Wahrheit sagen und hübsche Mädchen, die äh moralisch einwandfrei sind, das ist die Botschaft, die in diesem Westfalenlied vermittelt wird. Also was stimmt an der Sache ist, offenbar sind die Westfalen wirklich bescheiden, weil sie erstmal darüber singen, was die anderen denn so Schönes haben.

Und heute hat sich das natürlich etwas verändert glücklicherweise. Wir haben also viele Künstler, die aus Westfalen stammen, also die Zucchini Sisters, Gesangstrio aus Münster, zählen ja unter anderem dazu, wir haben, Figuren eben wie den bekennenden Westfalen Götz Alsmann, der ja auch, anders als viele andere in Westfalen geblieben ist, Wir hatten in Westfalen ja zu einer Zeit, die viele äh der heute noch Lebenden auch schon miterlebt haben, hatten wir die musikalische Hauptstadt Deutschlands Und zwar gilt ja Hagen etwa um das Jahr 1980 herum, als, Ja, als musikalischer Hauptstadt, da kamen also Künstler wie Nena kommt ja aus aus Hagen oder die Humpeschwestern, die dann nach Berlin migriert sind. Die Gruppe Grobschnitt,

Band der siebziger, achtziger Jahre, Kam aus Hagen, die Gruppe extra breit, also Hagen war so ein, zwei Jahre so etwas wie die musikalische Talentschmiede Deutschlands. Damals erschien auch eine Platte in dieser frühen neuen deutschen Welle, komm nach Hagen. Leider haben die nicht alle wörtlich genommen, viele sind dann eben doch aus Hagen.

Weggegangen. Aber Extrawhite ist da glaube ich bis heute beheimatet. Kannst du dir erklären, warum Hagen in den ja Ende Siebziger, Anfang 80er so eine bedeutende Rolle gespielt hat? Manche Dinge kann man, glaube ich, nicht erklären. Es gibt ja eben auch Musik in den anderen Städten dann in Dortmund oder Bochum gab's ja auch, wie soll ich sagen, musikalische Subkulturen, Rockbands und so weiter, die aber nicht so populär wurden wie eben diese, Talente aus Hagen. Manchmal ist es auch der Zufall, glaube ich Ich an Musik aus Westfalen denke oder von Westfalen, dann denke ich an Udo Lindenberg und ich denke an Bochum, ich komme aus dir.

Ja genau. Herbert Grönemeyer ist ja auch eine Zeit lang dann noch in Bochum gewesen. Udo Lindenberg hat ja zugesehen, dass er so schnell wie möglich aus Gronau rauskommt. Bei dem war's dann etwas anders, also Gronau wurde nie zur musikalischen Hauptstadt Westfalens, auch wenn da natürlich. Schöne Rock-und Pop Museum eben heute zu besuchen ist, aber, damals war's ja eher so, dass Udo Lindenberg dann zusah, dass er nach Hamburg kam. Was glaubst du denn, wir haben eben über das Westfalen-Lied gesprochen und es gibt doch auch dieses Steigerlied?

Richtig, das Staigerlied Das wird natürlich auch in anderen Bergbauregionen gesungen, also im Saarland zum Beispiel. Was glaubst du denn, wie sehr prägen denn die Texte, die dann in der breiten Masse, einschlägig mitgesogen werden, die Identität einer Region. Ja, es ist ja schon so, dass wenn man also in die Städte im Ruhrgebiet kommt, ne, dass man also viele Leute findet, die das Steigerlied auswendig können.

Die natürlich mit diesem Lied oder wenn sie dieses Lied singen, sozusagen ihren Stolz auf diese Region. Zum Ausdruck bringen. Das Westfalenlied können nicht mehr so viele auswendig mitsingen. Also ich kenne persönlich niemanden, muss ich sagen. Ich hab's die Tage bei einer Veranstaltung gehört, aber da war's wurde es als Kunstlied aufgeführt, Aber ich glaube, die Gäste hätten es nicht mitsingen können. Und ja Westfalen ist ja, wie soll ich sagen, auch nur ein bisschen disparate.

Region, also in Bochum zum Beispiel, dass er unzweifelhaft zu Westfalen gehört oder Gelsenkirchen gehört zum Westfälischen Münsterland, frage ich mich, wie viele Leute sich vor allen Dingen eben auch als Westfalen identifizieren. In Dortmund ist das so ein bisschen anders. Da ist es glaube ich schichtenspezifisch, unterschiedlich. Also ich weiß, dass in der eher bürgerlichen Schicht, zumindest als ich aufwuchs, wurde man sehr stark sozusagen auch mit diesem westfälischen Virus infiziert. Da war das Thema Ruhrpott Ruhrgebiet eher etwas abgewertet.

Und das war in anderen Bereichen des Ruhrgebiets sicher anders. Und wenn wir die Musik generationenübergreifend betrachten, was wird aus diesen ursprünglichen, die dann heute noch mitgenommen, vielleicht auch so eine Art Zeitgeist, der noch mitschwingt? Ja, beim Steigerlied ist es vielleicht weniger der Zeitgeist, sondern das gemeinschaftsstiftende dieses Liedes. Also es wird ja, im Ruhrgebiet auch bei Veranstaltungen gesungen, aufgeführt.

Wo es eben darum geht, Gemeinschaft zu stiften, Identität zu stiften. Es gibt im Ruhrgebiet keine Bergleute mehr, aber die Vergangenheit, die eben von diesen Werkleuten geprägt wurde, die gibt's jetzt eben noch. Glaubst du, wenn wir, Jetzt mal die Kreise ein bisschen weiterziehen und wir uns mit Menschen von Berlin bis München unterhalten.

Sicherlich nicht das Steigerlied kennen, aber die werden vielleicht einzelne Songpassagen im Kopf haben, die wiederum die Menschen außerhalb des Vereins geprägt haben und den Blick auf die Identität, Es gibt ja überall regionale Lieder, die die Identität, ich will nicht sagen, prägen, aber die einen Ausdruck sind, der Identität. Die auch Stereotype prägen? Natürlich, natürlich ist das so, also wenn ich an Norddeutschland denke, dann denke ich eben an das Meer und an Segelschiffe oder Ähnliches, die dann äh in Helfen oder in Hamburger Fairmaster sehen oder so den anderen Ortsee. Ja gut, wenn man es etwas einfacher mag, ne, dann geht das auch, ne? Aber sind natürlich Stereotype.

Geprägt werden, ne? In Bayern ist es ja so, dass wir, noch eine sehr ausgeprägte, auch äh landschaftliche, vorkloristische Musik haben, die wirklich auch, ja noch gepflegt wird Volksmusik in Bayern nicht unbedingt. Auch primitiv, ne? Aber wenn wir uns die bayerische Volksmusik angucken, äh wenn sie ursprünglich daherkommt, Das sind schon gute Musiker. Glaubst du, dass Erfolgsmusik und dem Schlager Unrecht getan wird, wenn man sie als bisschen primitiv abstempelt? Also wenn man natürlich etwas verallgemeinert, dann tut man der Sache immer Unrecht eigentlich, ne? Das ist egal, ob es sich um Menschengruppen handelt oder um, eine bestimmte Musik und deswegen kann ich ja auch nicht von dem Schlager sprechen. Es gibt unheimlich,

komplexe, interessante Schlager. Ich habe äh vorhin und ich tue es gerne noch einmal. Die Comedian haben es angesprochen. Oder Götz Alsmann sagt ja auch, dass er Schlager macht, Jazz Schlager und die sind in keiner Weise einfach oder prämitiv, schon gar nicht, sondern das ist einfach gute Musik, die wir haben oder die Zucchinis ist das, machen gute Musik. Äh auch wenn sie Schlager singen.

Gibt aber natürlich auch eine andere Art von Schlager. Klassisches Beispiel ist der Partyschlager oder Ballermann Schlager, den eigentlich kein Mensch braucht. Und der wirklich auch primitiv ist. Sowohl was die Texte angeht als auch die Musik. Er wird es auch oft instrumentalisiert? Ja, also es ist ja eher so, dass wir häufig also man muss das gar nicht problematisieren, im Stadion zum Beispiel werden ja auch Schlager adaptiert.

Oder Bekannte, die da adoptiert, weil, sie dann vielleicht eingängige Melodien haben, mit deren Hilfe man eine bestimmte Botschaft auf den Punkt bringen kann. Also ein harmloses Beispiel ist das schöne Lied auf die Melodie von Yellow Submarine Deutscher Meister wird nur der BVB. Stimmt nur selten, leider, aber es ist eben eine eingängige Botschaft, die leicht mitgesungen werden kann. Und es ist natürlich leichter das mit Hilfe von einem ja Popsong Schlager auf den Punkt zu bringen, als mit Hilfe von Beethovens, siebter Symphonie, die jetzt, die wenigsten einfach mal so nachsehen könnten. Wenn dich jetzt jemand fragen würde, was verbindest du mit Leichtigkeit? Die Leichtigkeit ist da, wenn man etwas sehr gut vorbereitet hat in der Arbeit, also wenn die Ausstellung fertig ist und man im Grunde nur noch aufschließen muss,

oder wenn die Künstler, wenn die schon auf der Bühne stehen und man dann einfach nur genießen kann, dann ist eine Leichtigkeit da. Und die Leichtigkeit in der Musik? Die Leichtigkeit in der Musik ist nur mit sehr harter Arbeit. Zu erreichen. Also das ist auf jeden Fall so. Ja, nein, aber das ist so. Wenn man viel arbeitet und viel übt, dann hat man die Leichtigkeit in der Musik, weil's dann von selber läuft. Mhm. Und für diejenigen, die Musik konsumieren?

Ja, wenn ich leichte Musik hören will, äh dann denke ich ja eher, also bei Leichtigkeit denke ich ja eher an Frankreich. Also vor leger kommt ja nicht umsonst aus dem französischen. Leicht ist halt Musik natürlich, wenn man ihr einfach zuhören kann. Wobei woher man dann auch streiten kann. Also wenn ich jetzt eine Symphonie von Schwesterkovic höre, Also äh leicht konsumieren lässt sich das dann auch nicht unbedingt, ne? Lieber Ingo, es ist so schön, sich mit dir zu unterhalten. Ich würde das am liebsten nach einer stundenlang machen und möchte mich bei dir für diese, schöne Zeit bedanken, die du mir hier einschlägig präsentiert. Ja, das habe ich doch gern gemacht. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen was erzählen, was,

jemand auch interessant findet. Ach, da gehe ich ganz schwer dran auf. Vielen, vielen Dank. Music. Vielen Dank, dass ihr bei dieser besonderen Folge von Die Leichtigkeit der Kunst Genauwestfalen dabei wart. Diese Podcastreihe entsteht im Rahmen des Förderschwerpunkts 1250 Jahre Westfalen der LWL-Kulturstif, Kooperation mit der LWL-Kulturabteilung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Ein großes Dankeschön an die LWL-Kulturstiftung, die dieses Projekt möglich macht, Ihr möchtet mehr über das Jubiläum 1250 Jahre Westfalen erfahren? Dann schaut doch mal vorbei unter WWW Punkt 250 Jahre Westfalen Punkt DE, oder folgt der LWL-Kulturstiftung auf Instagram unter at LWL Kulturstiftung. Tschüss, bis zum nächsten Mal, eure Claudi.

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