Anmelden

Drehmoment & Wendepunkt

#066: BEWEGLICH ODER ROTATIONSFÄHIG? Was Radfahrer_innen und Läufer_innen brauchen

Sonntag, 11. Oktober 2026 · 41 min

MP3

Shownotes

Rotation ist die Bewegungsebene, die vielen Ausdauersportlern fehlt. Daniel spricht mit Manolo aka Gravity Coach darüber, warum Beweglichkeit nicht dasselbe ist wie Flexibilität und warum Hüftstreckung und Einbeinstand Grundskills sind. Außerdem geht es darum, was Radfahrer nach dem Training für ihre Brustwirbelsäule tun können und wie Rotation mit Laufökonomie zusammenhängt. Dazu kommt ein Plädoyer für Spektrumdenken statt Sitzverbot.
Instagram: @funnydancoaching · Leistungsdiagnostik und Coaching: funnydancoaching.at
Stell uns eine Frage (buzzsprout.com/2509437/fan_mail/new)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Lieber Manolo, herzlich willkommen. Ja, danke, schön, dass ich hier sein darf. Ja, diesmal drehen wir mal den Spieß um. Ich durfte schon zweimal bei dir im Podcast sein. Heute drehen wir mal den Spieß um und du bist bei mir im Podcast. Und erklä vielleicht mal in einem kurzen Satz, wer bist du und vielleicht in einer zweiten, was machst du?

Ich bin der Manuel. Viele kennen mich auch unter dem Begriff Manolo oder mein Pseudonym Gravity Coach. Und ich beschäftige mich sehr, sehr gerne mit Bewegung. Ich komme eigentlich aus der Fitnesswelt, muss aber feststellen, dass in der Fitnesswelt wir nicht unbedingt sehr viel Ahnung von Bewegung haben.

Wir haben viel Ahnung von Körperkult, von Ästhetik, von vielleicht auch über metabolische Geschichten können wir vielleicht auch mitreden, aber was jetzt wirklich Bewegungs, sagen wir mal, Qualität betrifft, da haben wir keine Ahnung. Da habe ich mich auf eine Reise begeben, so ein bisschen begeben oder geprägt von eigenen körperlichen Themen.

Und heute darf ich halt sagen, okay, ich habe jetzt ein paar Sachen dazu gelernt und versuche sie jetzt der Fitnesswelt mitzugeben, was ich bis dato halt eben da vermisst habe.

Das ist meine Arbeit. Ja, so bin ich auch auf dich aufmerksam geworden. Also durch Instagram Rees und Beiträge, die, ich sag mal, aus der Fitnesswelt kommen, aber doch etwas anders sind mit anderen Übungen, anderen Bewegungsansätzen. Das hat sich aber vor allem im letzten Jahr, in den letzten zwei Jahren, glaube ich, bei dir noch einmal massiv verändert, weil vorher war auch sehr viel Thema Fokusatmung drauf.

Und ich möchte heute mit dir das, glaube ich, eins deiner, ja, deiner letzten großen Steckenpferde besprechen, das Thema Rotation. Und mal vielleicht zu dir, du bist ja auch jemand, du, ich habe dich schon mit dem Rennradfahren gesehen. Ich glaube, du warst früher am Rennrad und mittlerweile bist du am Mountainbike.

Wie schaut es da aus aktuell?

Nee, Rennrad tatsächlich nicht, aber Cross-Country, das ist das Rennradprinzip des Mountainbikes, wenn du so willst. Heute gäbe es das Gravel. Das gab es damals nicht vor 20, 25 Jahren. Ich habe mir letztes Jahr wieder ein Bike geholt, tatsächlich. Weil ich war lange off, was die Zweirädrigkeit betraf.

Ja, ich hab's gesehen. Und du hast ja auch im Coaching sicherlich auch immer wieder Personen, die eine Leidenschaft für den Austauschsport haben. Wenn die zu dir ins Coaching kommen, welche Eigenschaften fallen dir da auf? Was siehst du mal als erstes?

Es ist natürlich immer höchstgradig individuell. Also ich kann jetzt nicht sagen, wenn jetzt Leute da irgendwie gerade aus dem Austauschsport kommen, sagen wir mal vor allen Dingen hier aus dem Radsport, dass ich jetzt sehe, okay, bei euch ist alles auffällig in Richtung XY. Das sehe ich jetzt so nicht.

Natürlich, ich weiß schon, worauf du hinaus möchtest. Ich habe schon eine Ahnung. Was ich, und vielleicht kann ich da nochmal kurz anders einhaken, wenn das wirklich in Ordnung ist. Ja, ja, sehr gern. Ja, weil ich glaube, das könnte den einen oder anderen interessieren. Ich hatte so ein bisschen ein Thema mit orthopädischen Belangen.

Skoliose zum Beispiel. Das ist eine Rückgratverkrümmung und dann ist halt eben klar, wenn du eine ausgeprägte Asymmetrie hast, dass die Körperhälften unterschiedlich reagieren auf Bewegung, was sie auch müssen. Ich habe aber gemerkt, durch diesen Fitnesskram, den ich da mache und durch das Mountainbiken haben sich gewisse Dinge, das war zumindest mein Eindruck, zugespitzt.

Und dann kam ich irgendwann auf den Trichter, das Mountainbiken ist gar nicht so cool. Das ist eigentlich etwas, was uns die Evolution an Bewegungskontexten gar nicht mitgegeben hat. Weil wann sitzt du mit dem Oberkörper die ganze Zeit irgendwo auf so einem Rad, ziehst und zerst am Lenker und der Unterkörper pedaliert?

Wo hast du das in der Natur? Null. Und dann hatte ich so eine Phase, vor allen Dingen, wo das mit den Schmerzen immer mehr wurde, wo ich gesagt habe, boah, ich muss diese unnatürlichen Bewegungen weglassen. Ich muss das Biken weglassen. Da war ich richtig Anti-Biken. Und ich muss dieses dumme, ich sage das jetzt ganz bewusst so, heute sehe ich das tatsächlich stark differenziert, ich muss das dumme Pumpen weglassen.

Was verstehst du unter dem Begriff?

Dummes Pumpen. Wenn man einfach nur nachmacht, was man denkt, was richtig ist in der Fitnesswelt. Weil in der Fitnesswelt, wir sind sehr stark geprägt vom Kraftsport, eben von den Basics, ja, Kreuz eben, Kniebeugen, Bankdrücken, hast nicht gesehen. So, und das sind auch alles gute Übungen, das muss man dazu sagen.

Aber wenn du nur das machst im Fitniskontext, das ist jetzt meine Meinung, und du hast jetzt, du verdienst jetzt nicht dein Geld damit, sondern dein Ziel ist eben auch Gesundheit, dann fehlen halt hier ein paar Aspekte menschlicher Bewegung. Darauf werden wir gleich zu sprechen kommen. Deswegen sage ich auch ganz bewusst dieses, ich hatte damals dann dieses Fitness als dumm empfunden, wie einfältig wir doch da sind.

Heutzutage darf ich aber sagen, ja, Kreuzheben, Kniebeugen sind gute Fundamentals, um Kraft aufzubauen, Muskeln aufzubauen, weil was brauchen wir vor allen Dingen für den Alltag. Also eine Sache wirkt halt 24 Stunden auf uns, 24 Stunden, 24,7 Gravity, plus, und ich habe damals Zivi im Altenheim gemacht.

Wir nehmen halt im Alter so ein bisschen, nicht nur ein bisschen, der eine oder andere sogar ein bisschen mehr, Muskulatur ab und wir brauchen Muskeln. So. Und da sind halt die Basics-Übungen perfekt für. Das darf man genauso sagen. Aber nichtsdestotrotz, ich hatte dann damals diesen Hass gegenüber das Mountainbiken und das Fitnesstraining, weil ich mich dann halt mich so ein bisschen mit der menschlichen Bewegung auseinandergesetzt habe.

Da habe ich eine Perspektive plötzlich bekommen, die vermisse ich in der kompletten Fitnesswelt immer noch, wobei mittlerweile schimmert das immer mehr durch. Thema Evolution. Wenn du den Körper im Heute verstehen willst, musst du auch dazu seine Geschichte, seine Reise kennen. Wie sind wir denn zum einzigen aufrechten laufenden Säugetier der Welt geworden?

Also mit der Hauptstrategie gehen und laufen. Wir sind völlig einzigartig damit, mit dieser Strategie. Und das hat mich dann so ein bisschen geläutert, weil ich dann festgestellt habe: okay, krass, wir sind die einzigen Säugetiere mit aufrechtem Gang, wir sind mit zwei Beinen unterwegs und wir brauchen ein reziprokus Muster, das heißt einen Kreuzgang.

Wir verschrauben uns die ganzen Körper mit. Das ist eine völlig logische Konsequenz dafür, dass wir uns durch Raum und Zeit bewegen können. Und dann habe ich halt gesehen, okay, im Balken habe ich das nicht, ich habe das im normalen Kraftsport nicht, so wie ich das halt gelernt habe im Fitnesskontext.

Ja, dann ist das ja alles scheiße. Nein, Leute, ich kann nicht beruhigen, es ist nicht scheiße. Aber was ich dann irgendwann für mich verstehen durfte, wir können durch, und du hast es ja eben schon gesagt: diesen Begriff, durch Rotation, jetzt erweiterte ich meine gewisse Denke, durch gewisses Rotationsverständnis oder Rotationsübungen, kann ich diesen ganzen geilen Scheiß, den ich da mache, und jetzt kehr ich hier nämlich diese Perspektive um.

Ich kann dieses geile Mountainbiken oder bei euch halt eben Rennradbiken oder das dumme Krafttraining kann ich, oder das geile Krafttraining, das muss ich ja umändern, kann ich ergänzen mit so geilen Perspektiven, was Bewegung betrifft. Dann ballere ich halt ein paar Rotationsgeschichten mit rein, weil dann werde ich auch meiner Evolution gerechter und vielleicht merke ich dann auch, was Leistung betrifft, boah, irgendwie kriege ich jetzt auch vielleicht besser Luft in gewissen Bereichen oder meine Bewegungsökonomie verbessert sich, ja, oder überhaupt meine Chorspannung, meine Wahrnehmung verändert sich zum Positiven.

Perfekt. Nur weil ich eine Perspektive eingenommen habe oder eine Meta-Ebene, was Bewegen betrifft, und ich dem Körper vielleicht auch mal ein bisschen das gegeben habe, was er auch aus dieser Evolutionsperspektive auch braucht.

Das behaupte ich zumindest. Da war jetzt so viel dabei, wo ich schon immer wieder zwischendurch einhaken wollte.

Sorry für mein One.

Ich glaube, ich habe die Hälfte jetzt schon wieder vergessen, aber wir kommen sicherlich wieder drauf. Rotation ist auch was, was mich einfach durch deine Inspiration, muss ich auch sagen, immer mehr beschäftigt und immer mehr in meinen Trainingsplänen und in meinem eigenen Training stattfindet. Bleiben wir vielleicht jetzt mal wirklich kurz beim Radfahren.

Wo siehst du da so die Hauptthematik, dass ich sage, okay, uns fehlt die Rotation, uns fehlt hier die Beweglichkeit und wo sind vielleicht auch Unterschiede zwischen Beweglichkeit und rotieren können? Also wirklich der Kompetenz, beweglich zu sein oder der Kompetenz, gut rotieren zu können.

Wo setzt du jetzt den Unterschied? Den verstehe ich noch nicht. Also was ist jetzt für dich gute Beweglichkeit und wo machst du jetzt die Grenze zu gut rotieren zu können?

In meiner Wahrnehmung, und da würde mich eben deine Sicht auch interessieren, ist, viele Personen sehen eine gute Beweglichkeit im Sinne von Flexibilität. Also sprich, sie sind mobil. Ich sage jetzt, man kann sich in einer Vorwärtsbeuge bis zu den Zehen runterbeugen oder vielleicht sogar die Handflächen am Boden ablegen oder im Langsitz das Ganze auch.

Und Rotation ist ja doch nochmal was komplett anders, wo ich sage, wir haben eben diesen Kreuzgang, diese Verschraubung. Und da geht es für mich auch viel darum, und das hast du schon angesprochen, diesen Oberkörper und Unterkörper zu connecten wieder. Weil oftmals, und das sehe ich sehr oft bei Leistungsdiagnostiken beim Laufen am Laufband, wenn man die Person von der Seite filmt, könnte man den Oberkörper quasi mit einem Blatt einmal abdecken und man wird den Unterkörper sehen, dann deckt man einmal den Unterkörper ab, schaut sich den Oberkörper an und man hat das Gefühl, hier bewegen sich zwei verschiedene Personen, weil der Oberkörper mit dem Unterkörper nicht spricht oder nicht arbeitet.

Und das ist für mich die Kompetenz des Rotierens auch.

Ja. Also streng genommen darf man das ja eigentlich gar nicht trennen. Das gute Bewegen setzt auch Rotation voraus, weil eigentlich streng genommen, und jetzt gehen wir so ein bisschen in die Bewegungswissenschaften, jede Bewegung beinhaltet Rotation. Das ist so ein bisschen reingenerdet. Also es gibt auch so ein paar Bewegungswissenschaftler, nennen wir sie mal, die sagen: Bewegung ist nur Rotation.

Aber so weit will ich jetzt gar nicht reingehen. Was du jetzt meinst, und das ist ein sehr, sehr gutes Bild, so dieses, ja, und das begegne ich ja auch immer wieder, dieses, ja, ich muss auch mal ein bisschen mehr Mobility machen oder ein bisschen mehr Beweglichkeitstraining. Ich bin halt verhaftet in meinem Ausdoor-Training, in meinen Kraftsport oder wie auch immer.

So, wenn die Leute mich dann halt im Gym sehen, dann kommt das sehr, sehr oft. Ja, ich müsste eigentlich auch mal das und das machen. Nein, musst du nicht. Du musst jetzt nicht unbedingt mit den Händen auf den Boden kommen. Das ist jetzt nichts, was jetzt irgendwie eine Aussage trifft darüber, ob du gut beweglich bist.

Es gibt auch Leute, die fallen da halt regelrecht in die Bewegung rein. Ich gehöre da auch eher dazu. Und ich würde eher sagen, diese Beweglichkeit in einem Teilbereich des Körpers ist sogar eher blöd. Eher hinderlich in einigen Punkten. Das heißt, so dieses bitte? Inwiefern ist sie hinderlich? Also, wenn du halt, und dann gibt es diese Perspektive von, wir dürfen ja nicht von verkürzten Muskeln mehr sprechen, da ist die Wissenschaft ja mittlerweile so weit, dass wir sagen können, ah, das dürfte man so gar nicht stehen lassen.

Aber wir können zumindest davon sprechen, dass Muskeln irgendwo ein bisschen kürzer arretiert sind oder länger arritiert sind, also eingestellt sind. Weil Muskeln haben ja immer eine Arbeitslänge und du musst schon davon ausgehen, dass der Körper nicht in jedem Muskel, wenn du jetzt nochmal stehst, neutral ist, sondern es gibt halt Muskeln, die sind ein bisschen länger orientiert, ein bisschen kürzer.

Bei mir ist es zum Beispiel so, dass die Hamstrings eher ein bisschen länger orientiert sind, dadurch kippe das Becken ein bisschen weiter nach vorne, was auch alles gar nicht so dramatisch ist. Mir fehlt aber Kontrolle in der Beinrückseite und damit auch über das Becken. Wenn ich zum Beispiel so nach vorne gehe mit dem Oberkörper und mit den Händen auf den Boden, dann komme ich da gut zwar rein.

Mir fehlt aber dann halt in diesen endgradigen Bewegen Kontrolle. Und dann ist das halt eine Beweglichkeit, die setzt man dann eher gleich mit einer Flexibilität. Flexibilität bedeutet nicht, dass ich da Kontrolle und Kraftpotenziale habe. Das muss man nochmal differenzieren. Und deswegen sage ich halt, das, was der Autonomalverbraucher als, ah, der kann sich aber, nee, aber der ist beweglich definiert, muss nicht unbedingt bedeuten, dass das gleichzeitig gut ist.

Auf der anderen Seite brauchen wir aber ein paar Grundskills, nenne ich sie mal. Also du sollst schon natürlich eine Vorbeuge schaffen können, wo das Becken so ein bisschen auch nach vorne kippen kann, wo die Wirbelsäule vielleicht ein bisschen runder wird. Dafür musst du aber nicht zwingend mit den Händen auf den Boden kommen.

Aber, und das hast du auch schon angesprochen, es wäre halt schon ganz geil, wenn du in der Lage bist, in deiner Brustwirbelsäule einigermaßen Rotation zuzulassen. Weil dafür ist sie ja auch da. Und du hast es ja eben schon gesagt, wenn du jetzt dir die Leute auf dem Laufband anguckst, dann guckst du dir auch schon so ein bisschen das Verhältnis an.

Wie interagiert der Oberkörper mit den Bewegungen des Unterkörpers? So, und das ist halt eben das, was ich halt eben sagte: dafür sind wir gemacht. Wir brauchen für den Massenausgleich, für das effiziente Fortbewegen brauchen wir halt eben diese Verschraubung. Und das ist zum Beispiel etwas, da lege ich viel mehr Wert drauf, als jetzt, du machst jetzt eine perfekte Kniebeuge, was auch immer das bedeutet, oder du machst halt eben einen Toast to, also eine Vorbeuge mit Händen auf dem Boden.

Völlig irrelevant. Aber eine gute Runterzust.

Du hast gerade die Grundskills vorher angesprochen. Was wäre das zum Beispiel für dich? Was sind Grundskills, die wir brauchen? Eine gute Hüftstreckung. Die wenigsten tatsächlich. Also, wenn ich jetzt kurz an unsere Hörerschaft denke, viel Weekend Warrior dabei, also sprich, die am Wochenende sehr, sehr viel Sport machen und unter der Woche wahrscheinlich sehr viel sitzen.

Plus dann vielleicht doch noch am Wochenende viel am Rad sitzen und in der Embryonalhaltung dann auch noch schlafen, dann wird das mit der Hüfstreckung meist schwierig. Genau, okay, was brauchen wir noch? Hüfschreckung.

Simpel, was die meisten nicht auf dem Schirm haben, ein Beinstand. Das ist eine sogar der wichtigsten Grundlagen für mich menschlicher Bewegung. Weißt du warum?

Ja, weil es das Natürlichste der Welt ist, weil laufen ist im Endeffekt ein Einbeinstand von einem Bein zum anderen springen. Im Prinzip, genau.

Wir springen von einem Bein zum anderen. Gehen ist auch nichts anderes. Nur, dass wir halt eine kurze Überlappung haben, dass beide Füße mal kurz auf dem Boden sind, je nachdem, wie schnell du bist, wir dürfen jetzt mal so eine Pauschalzahl sagen, von 80 Prozent der Zeit befindest du dich mit einem Fuß auf dem Boden, was 100% Körper tragen muss.

Das ist schon crazy. Und auch hier wieder, der Fuß ist eigentlich wie das Auge für den Boden. Ja, da passiert schon relativ viel, das ist ein Hochleistungsorgan. Das heißt, wenn wir schon als zwei Beiner uns fortbewegen, bedeutet das eigentlich streng genommen, dass wir immer oder weitestgehend auf einem Fuß, auf einem Bein unterwegs sind.

Und wenn du noch nicht in der Lage bist, auf einem Bein zu stehen, machst aber die wildesten Sachen. Rockst deine 100k an Kilometer darunter oder ballerst da halt Kniebeugen weg ohne Ende, was das Gewicht betrifft, aber du bist nicht in der Lage, mal für zehn Sekunden auf einem Bein zu stehen, dann fehlt da auch eine sehr, sehr wichtige Grundlage.

Und auch hier, da gucke ich mir wieder die älteren Menschen an, wenn du gewisse Dinge in deinem Alltag nicht frönst, also auch kein Bewusstsein dafür hast, deswegen bin ich auch Fan von Barfuß gehen, was nicht bedeutet, dass es unbedingt jeder machen muss zu jeder Zeit. Da gibt es auch wieder Ausnahmen, wo das vielleicht erstmal kontrainiziert ist.

Aber wenn du gewisse Dinge, und der Körper ist da ja relativ simpel, use it or loses, wenn du gewisse Dinge in deinem Leben nie wahrgenommen hast, Thema Füße, bei den älteren Menschen, die haben nochmal ein anderes Verständnis von gutem Schuhwerk. Die haben die Füße immer richtig betoniert in so heftigen Schuhen, dann verlierst du halt eben auch gerade im Alter dieses Sinnesorgan.

Ich nenne das jetzt mal Sinnesorgan. Und das kann natürlich insofern deine Lebensqualität enorm verschlechtern, weil du natürlich dann unsicher wirst auf deinen eigenen Beinen. Und nichts ist in meiner Wahrnehmung beschissener, als wenn du deinem Körper nicht mehr trauen kannst, wenn du jedes Mal mit deinen Augen gucken musst, was macht jetzt der nächste Fuß, wie kriege ich jetzt den nächsten Schritt nach vorne.

Weil das, was ich da im Altenheim gesehen habe, da sind mir wirklich auch daran sind, und das muss ich jetzt leider so sagen, unnötig Menschen gestorben. Nicht mehr gehen zu können, weil sie dann über ihre Füße gestorben hat sind, Oberschenkel Halsbruch und dann hat es zwei, drei Wochen gedauert, dann waren die Leute hops.

Ja, weil natürlich Oberschenkel-Halsbruch in dem Alter dann auch noch heißt. Zugebautleben. Nicht so schwindelig. Muskelschwund, Sarkopenie, Osteopenie, also auch Knochenabbau schreitet natürlich dann noch schneller voran, weil halt überhaupt kein Use-it mehr da ist und somit lose it. Und dann geht es halt richtig schnell dahin.

Also man muss halt ehrlicherweise sagen, und da gebe ich dir vollkommen recht, das ist teilweise ein Wahnsinn, wie wir ältere Menschen pflegen und sie eigentlich immer bewährigungsärmer pflegen und dadurch ihnen immer mehr die Kompetenz nehmen, am eigenen Leben quasi teilzuhaben. Also ist jetzt sicherlich eine schwierige Aussage, weil sie so pauschalisiert natürlich.

Und das darf man sich unter keinen Umständen so pauschal anschauen. Das muss man sich immer auf individueller Basis anschauen. Aber was man so in unserem, ich möchte es ja gar nicht gesundheitssystem nennen, sondern Krankensystem sieht, ist das einfach fatal.

Was wir halt immer oft machen, Pflege gleichsetzt mit schonen. Aber der Körper braucht halt Stress. Dafür sind wir halt gemacht. Wir brauchen gewisse Reize. Wenn diese Reize fehlen, gerade im Alter, dann geht es halt relativ schnell bergab. Dann passt der Körper sich halt eben da an. Okay, ich brauche halt offensichtlich die Muckis nicht, ich brauche diese Muskeldichte nicht, beziehungsweise Knochendichte und und und.

Fehlt der Reiz, haben wir da ein Problem. Deswegen bin ich da voll bei dir. Wir dürfen schon Menschen fordern, auch wenn sie vielleicht in dem Fall auch schon ein bisschen betagt lassen. Die brauchen das. Wir brauchen das, alle brauchen das. Jeder in seinem Maße.

Ja, wir sind einfach stark ökonomisiert von der Evolution her. Also es geht einfach um Energiesparen und deshalb erhält unser Körper nur oder baut unser Körper nur Strukturen auf, die er wirklich braucht und nutzt, weil alles andere schmeißt er weg, weil das kostet einfach viel zu viel Energie kostet.

Und Energie war immer ein Engpass, nicht so wie heute, wo wir endlos Energie quasi zuführen können und teilweise auch tun. Ich würde nochmal kurz gern auf diese Grundkompetenzen zurückkommen und vor allem auch auf eine, die ich jetzt einmal als Grundkompetenz annehme, die Rotation in der Brustwirbelsäule.

Und wenn wir jetzt wieder kurz auch den Radfahrkontext reinbringen, weil das einfach sehr, sehr viele von uns betrifft und ich meine, du siehst es hinter mir, steht eins meiner Rennreder. Also auch mich. Ich glaube oder ich gehe soweit, ich kann es mir selber beobachten, diese Grundkompetenz wird weniger, wenn ich mehr nur am Rad sitze und dann nichts dagegen tue.

Sind wir wieder bei dem Thema use it or lose it? Beim Rad brauchst du es ja auch erstmal nicht. Du hast eine andere Position, du willst dich ja oben zwischen Sattel und Lenker halt eben einklemmen und dann halt eben die Kraft ins Pedal bringen. Aber das ist halt eben das, was ich meinte. Jetzt müssen wir in Spektrum denken.

Okay, wenn ich jetzt auf dem Rad das auch nicht brauche, beziehungsweise auch nicht nutzen kann, heißt es nicht, dass es für mich als Mensch, weil ich ja evolutionstechnisch ja anders beschattet bin, was Bewegung betrifft, irrelevant wäre. Dann muss ich halt eben nach dem Fahrradfahren oder an den Tagen dazwischen, wo ich da meine Trainingseinheiten habe, meine Hausaufgaben machen und das nachholen.

Weil das würde auch bedeuten, dass ich dann, das ist jetzt eine Mutmaßung, dass ich mich auch im Alltag mich weiterhin gut bewegen kann, weil ich weiß jetzt nicht, wie das jetzt bei dir ist oder bei euch grundsätzlich, ich weiß nur nur damals, dass ich, wenn ich vom Rad gestiegen bin, ich hatte da teilweise richtig Faxen, geprägt von der Skoliose, aber auch.

So kannst du quasi das ganze System so ein bisschen geschmeidiger halten, plus, reißen wir heute nur an, bei dem Thema Atmung wird es auch nochmal interessant, ne? Weil wenn du die Buswirbäule geschmeidig hältst, hast du natürlich auch einen riesen Einfluss auf die Rippen und was die Bewegungsfähigkeit der Rippen betrifft bei Ein- und Ausatmung.

So, und das brauchst du auf dem Rad. Also streng genommen sind Rotationsübungen sogar, jetzt wenn man das mal so betrachtet über das Thema Atmung, selbst fürs Radfahren super interessant, weil es eventuell deine Atemökonomie nochmal beeinflussen kann.

Und jetzt natürlich eine extrem schwierige Frage, aber ich frage jetzt einfach so frech und ganz direkt. Würdest du sagen, Rotationstraining macht mich als Austauschsportler am Rad stärker oder es fühlt sich einfach danach besser an?

Schwer zu beantworten, wenn ich jetzt rein intuitiv von den Erfahrungen, die ich jetzt selber gemacht habe, ich als Mensch und ich besitze selber einen Körper, stärker auf jeden Fall, weil du musst ja, um in das Pedal reinzutreten, musst du dich ja verkeilen. Du hast ja auch immer einen Push- und Pull am Lenker.

So, und wenn du halt eben da, auch wenn der Oberkörper jetzt da wenig Rotation zulässt, bis zu keine, die Kraftpfade sind ja trotzdem da. Und so durch ein Rotationstraining, wie ich das jetzt im Sinn habe, kannst du die aber, ich sag jetzt mal, ein bisschen stimulieren. Das heißt, das Thema Kraft, kann ich mir sehr gut vorstellen, sollte da relevant sein, dass du da an Kraft gewinnen kannst.

Und dann sind wir, wie gesagt, nochmal bei dem Thema Atmung, weil ich finde, eine Wirbelsäule samt des Brustkorbes, den Brustkorb haben ja die meisten ja gar nicht auf dem Schirm. Und gerade auf dem Rat, du hast es eben auch schon so ein bisschen angeschnitten, ich sage jetzt mal, sitzende Position ist ja eigentlich auch aus dem evolutionstechnischen Kontext ja auch unphysiologisch, die ganze Zeit in dieser Haltung zu sein.

So, Atmung braucht halt Raum. So, wenn ich halt eben durch ein Rotationstraining meinen Brustkorb geschmeidig halte, ist die Vermutung auch gegeben. Dass ich dadurch auch meine Fähigkeiten für Atmung verbessern kann. Für uns ist es halt nichts wichtiger, gerade im Aussaussport, halt eine gute Atmung zu haben.

Ich brauche eine gute äußere Atmung, damit halt eben auf biochemischer Ebene auch gut Stoffwechsel passieren kann.

Im Blut. Ja, klar, das Thema Atmung, V2 Max, Metabolismus ist natürlich dann der ganze Rattenschwanz, den wir hier hinten nachziehen. Ich möchte aber beim Thema Brustkorb da quasi eine Stufe weiter runter gehen auch gleich und zum Thema Chor und Rumpf kommen? Du hast schon am Anfang gesagt, du kommst aus der Fitnessbranche, aus der Fitnessbubble, auch wenn ich dich da gar nicht so einordnen würde, muss ich sagen.

Aber wo liegt deiner Beobachtung nach so das große Missverständnis, was Chor- und Rumpftraining betrifft, was in der Fitnessbubble vermittelt wird?

Ja, der Klassiker ist halt, ja, ich brauche ja kein Chor-Training. Ich habe das ja schon drin bei Kniebeugen und Kreuzheben als Beispiel. Das war so der Glaubenssatz eigentlich auch von mir lange Zeit. Und das stimmt ja auch. Ich muss ja, um maximal Gewichte bewegen zu können, bei Kreuzheben und Kniebeugen, brauche ich halt auch enorm viel Rumpfspannung, also Druck im Bauchraum, was ich durch Muskeln erzeuge, die drumherum sind.

Plus, dann spielt auch wieder Atmung eine Rolle. Das ist aber auch wieder nur spektrenmäßig gedacht. Das heißt, ich bin nur auf einer Seite des Spektrums, weil ich verriegle halt alles. Damit ich halt maximal viel Gewicht bewegen kann, muss ich halt auch wenig Bewegung zulassen in der Wirbelsäule. Das heißt, dieses, ich mache den Bauch komplett fest, spiele da eventuell mit so einem Vasalba-Manöver, das heißt, mit Luftanhalten, eventuell noch mit dem Gürtel, macht ja alles fest.

Ich will aber ja eigentlich im Kontext von Bewegung ja auch in der Lage sein, die Wirbelsäule von mir aus auch bei Last, jetzt nicht bei absoluten Lasten, wie jetzt bei Kreuz im Kniebeugen, auch bewegen zu können. Und da muss ich aber auch das Bewegungsverständnis verändern, wie ich da mein Chor trainiere.

Und da sind wir unter anderem auch bei Rotation. Der Rumpfsäul hat noch ein paar mehr Kompetenzen, Lateralflexion, also Seitneigungen, Flexen, also Beugen und Strecken. Aber Rotation ist halt eben auch eine der Elemente, die, wofür wir halt eben auch gemacht sind. Und das müssten oder sollten wir auch, meiner Meinung nach, weil das im Alltag auch viel zu wenig, vor allen Dingen auch unter Last, abgerufen wird, halt eben das Rotationstraining.

Wir sind eine Sitzgesellschaft, wir gehen aufs Klo, sitzen und machen da unser Geschäft. Unsere komplette Esskultur ist weitestgehend im Sitzen. Unsere Arbeitskultur, es hängt natürlich immer davon ab, was du da für einen Job hast, aber die meisten Arbeitsplätze heutzutage sind ja auch eher Schreibtisch gebunden, wenn du jetzt nicht gerade ein Handwerker bist.

Auch selbst Handwerker müssen ja teilweise am Schreibtisch viel machen.

Ja, da gibt es einen Punkt, da möchte ich dir widersprechen. Wenn unsere Esskultur entstehen kippt, ist es oftmals in meinen Augen eigentlich eine richtig schlechte Esskultur, weil das ist so, wenn sich die Leute am Weg irgendwo zwischendurch schnell was reinschieben. Aber das ist halt eher so, wie es heutzutage abbrennt.

Einmal irgendwo schnell nebenbei zwischen zwei Terminen in Bewegung was essen und da halt sehr unbewusst natürlich auch. Aber ich glaube, das, was du einfach ansprichst, sind halt ganz andere Kulturen. Ja, das kann man sich ja nicht sagen. Ja, guter Punkt.

Da ist natürlich nochmal dieses Stressmanagement, was da nochmal mit reinspielt. Ach scheiße, ja, ich oder Zeitmanagement, ich muss jetzt irgendwie mein Grundbedürfnis zwischen zwei Terminen irgendwie erledigen. Und das ist ja eigentlich auch maximal unphysiologisch. Also wir sollten uns Zeit nehmen fürs Essen und das, was dann natürlich dann halt, ich kenne mich, also ich muss dann mir teilweise an die eigene Nase packen.

Wenn wir das halt eben machen, so auf On the Way, mal kurz was reinschieben, natürlich nicht cool. Ich will auch damit jetzt nicht sagen, dass das diese Esskultur, die ich jetzt da im Sinn hatte mit, wir sitzen jetzt als Familie beim Abendbrot am Tisch, dass das schlecht ist. Im Gegenteil, das ist ja geil.

Ob es mir nur jetzt hinauskam, nochmal kurz zu sensibilisieren. Und ich bin auch kein Gegner von Sitzen. Ich mag auch diese Begrifflichkeiten nicht, sitzen sind das neue Rauch und und und und. Wenn du jetzt nur mit dem Arsch auf dem Stuhl sitzt, den ganzen Tag, ja, dann mag das vielleicht sein. Weil dann wirst du kardiovaskulär deinem System einfach nicht gerecht.

Aber, und ich beliebe halt immer diese Begrifflichkeit von Spektrum. Wenn du die eine Sache machst, mach sie so viel, wie du willst. Mach von mir aus zehn Stunden sitzen am Tag ohne Pause. Völlig egal. Mach auch dafür die andere Sache. Beweg dich. Belaste dein System. Kardiovaskulär, muskulär. Und dann hab auch eben ein paar Grundprinzipien von menschlicher Bewegung im Sinn.

Mach auch dein Rotationstraining. Das muss nichts Wildes sein. Ich bin von mir aus nur eine einzige Übung. Hafen nie den Camelpush. Liebe ich das Ding. Go for it. Gib dem System das, was es sonst im Alltag nicht hat. Darum geht es mir halt eben. Und das ist halt eben auch bei der Fitness nochmal so entscheidend.

Wir haben dann immer ganz, ganz spannende Leitbilder. Gerade bei den jungen Leuten sehe ich das ja auch im Kontext von Social Media. Damals war das ja nicht ganz so krass. Gut, da hatten wir so ein paar Hefte. Heute hast du halt eben Social Media, der Vergleich ist halt eben krass. Dann siehst du halt eben auch diese Körper und auch diese Leistungsfähigkeit.

Ist ja nicht nur dieses Ästhetische, sondern auch was kann dieser Körper leisten. Und dann meinen wir das halt eben nachmachen zu müssen. Aber da fehlen halt ganz viele Perspektiven, meiner Meinung nach, oder zumindest ein paar Grundprinzipien, die zumindest das Ganze ein bisschen runder machen würden.

Und da sind wir wieder bei dem Thema Rotationstraining.

Ja, vor allem da vielleicht auch noch ergänzend, du hast gesagt, wir müssen es am Spektrum betrachten. Also einerseits, das Sitzen ist jetzt nicht das Problem, sondern das dauerhafte und nur mehr Sitzen ist das Problem und dann sich auch quasi zu bewegen. Und das, was ich halt sehr oft sehe, und ich glaube, oder das möchte ich jetzt an dem Punkt auch mitgeben, es geht nicht unbedingt darum, jetzt unbedingt eine Stunde Sport am Tag machen zu müssen, sondern es geht vor allem auch darum, gesundheitstechnisch mehr Bewegung in unseren Alltag reinzubringen.

Also diese minimalen Bewegungen. Wenn ich jetzt sage, okay, ich sitze auch immer wieder länger am Laptop, aber dazwischen alle 30 Minuten, alle 50 Minuten kurz mal aufzustehen, kurz was zu machen, mich zu bewegen, wieder durchzurotieren, mich durchzumobilisieren auch und das aber durch Alltagsbewegungen und das kann sein, mir an Café machen, kurz was wegräumen, in Mist rausbringen, mit an Trainerkollegen in meinem Fall sich kurz austauschen auf der Trainingsfläche etc., was auch immer, aber diese andauernde Grundbewegung so viel wie möglich reinzubringen.

Und ich glaube, das ist, was uns fehlt.

Habe ich dir da bei zwei vielleicht nicht, aber vielen da draußen. Darf ich dir ja trotzdem widersprechen? Immer. Ich finde den Gedankengang natürlich gut und behalte das auch bitte so bei. Ich will nur nicht, dass bei den Leuten, der, weil das habe ich auch erlebt, im Trainer-Dasein oder im Coaching Dasein, dass die Leute dann so ein bisschen neurotisch werden.

Ja, ich muss jetzt alle zehn Minuten irgendwie meinen Sitzen durchbrechen. Das ist natürlich dann das Gegenextrem. Nein. Wenn du da in deinem Flow drin bist, mach dein Ding. Und wenn du es, deswegen sagte ich ja auch eben, wenn du meinst, du musst jetzt hier zehn Stunden am Tisch sitzen, ununterbrochen, nicht auf Toilette gehen, keinen Kaffee holen oder sonst was dergleichen, dann mach das.

Dann hab aber auch auf dem Schirm, muss ja nicht am gleichen Tag sein, wenn du sagst, ich habe jetzt hier gerade ein Sonderprojekt. Aber dass du auf einer Meta-Ebene halt bewusst sein darfst, was Gesundheit bedeutet und was du deinem Körper da alles zukommen lassen darfst. Und das kann ja dann, kann ja jeder für sich selber entscheiden, wie er das dann macht.

Du hast jetzt da eben deinen Weg da beschrieben, ich persönlich mache das nicht. Wenn ich dann zum Beispiel, weiß ich nicht, ich lieg da auf der Couch, du, mich quatschen sogar Leute an, so ich dachte, du bist Trainer, warum sitzt du da wie so ein, wie so ein so ein zerlaufener Nikolaus-Schoko-Hase? So, ja, warum denn nicht?

So, das Nervensystem will ja auch mal Ruhe haben. Ich will ja nicht die ganze Zeit irgendwie kognitiv über Dinge nachdenken müssen. Auch wenn ich am Schreibtisch sitze, ich sitze hier wie der letzte Honk. Juckt mich nicht, wie ich da sitze. Auch wenn dann einige sagen, ja, aber dein Zwerch will ist dann hier ein bisschen komprimiert, dann kannst du da.

Scheißegal, dafür mache ich aber meine Hausaufgaben wieder Spektrum an anderen Seiten. Auf der anderen Seite des Spektrums. Wo ich dann Dinge plötzlich mache, wo Leute sagen, wie kriegst du das denn hin? Haben mich aber vorher noch auf dem Stuhl zerfließen sehen.

Weißt du, was ich meine? Ja, aber es ist halt immer diese Balance halt da, weil du halt so, wie du sagst, beim Spektrum sowohl jedes Extrem auslotest und auch ganz viele Grau-Bereiche dazwischen. Also wenn man halt Schwarz und Weiß sagen und dazwischen ist halt ganz viel grau, dann nutzt du halt hier alle Schattierungen.

Exakt.

Und das Schöne ist ja dann auch, wenn du dieses Spektrumdenken annimmst und dann halt eben weißt, wenn ich das eine mache, das eine Extrem, wo viele vielleicht auch sagen, das ist schädlich, ja, dann mache ich halt eben auch das andere Extrem. Selbst wenn ich nur das machen würde, wäre es vielleicht auch irgendwann toxisch.

I don't know, ich das weiß ich nicht. Aber das Entscheidende ist, diese Graubereiche, von denen du gerade sprichst, das sind ja alles Erfahrungen, die ich da mache. Dann weiß ich auch am Ende des Tages, heute brauche ich mir das. Heute brauche ich mir das. Wenn ich auf dem Spektrum aber, also wenn ich das Spektrum nicht kenne, dann weiß ich auch nicht, was ich brauche.

Dann fehlt mir da die Intuition. Intuition muss man manchmal auch erstmal wieder lernen oder erlernen im Kontext von Spektrum.

Lass uns vielleicht jetzt noch abschließend in der Folge, wir haben uns halt sehr viel oder ich habe dich jetzt sehr viel bezüglich Radfahren gefragt. Lass uns vielleicht auch zum Thema Laufen noch kommen, weil das betrifft auch sehr viele. Laufen ist eine Grundkompetenz unseres Körpers. Wir haben schon kurz angesprochen, wie sich Laufen von Gen unterscheidet.

Aber wenn ich mir, und das habe ich vorher schon erwähnt, wenn ich mir LäuferInnen bei der Leistungsdiagnostik anschaue oder ich habe ja auch diese Berufskrankheit, wenn ich im Alltag unterwegs bin und eine Person läuft an mir vorbei, dann schaue ich mir automatisch diese Bewegung an. Immer. Also ich kann gar nicht anders.

Und da sieht man schon sehr interessante Sachen. Was fällt dir da auf? Weil ich glaube, ich glaube, dir wird es da ähnlich gehen, oder?

Ja, als ich mich mit dem Thema Natural Running mal ein bisschen auseinandergesetzt habe, das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her, weiß nicht, vor zehn Jahren oder so, dann habe ich natürlich nur noch alles durch diese Brille gesehen und habe mir gedacht, so gerade in Düsseldorf, wenn die Leute dann ihre Reihenrunden gelaufen sind, boah, die können ja gar nicht laufen, die sind alle wie ein Stück was in der Kurve.

Das ist laufökonomisch eine Katastrophe, was ich da sehe. Heute würde ich das vielleicht wieder revidieren. Das muss nicht bedeuten, dass, was ich da sehe, dass das grundsätzlich ein Problem machen kann, auch wenn ich vielleicht, ja, wir lassen das mal so stehen. Aber wenn du halt eben ambitioniert unterwegs bist, dann sollte dir halt eben neben dem Lauftraining auch bewusst sein, dass wenn du deine Laufökonomie verbessern möchtest, wenn du deine Pace verbessern möchtest, deine Rundenzeit verbessern möchtest, dir auch mal die Bewegungsökonomie insofern mal anschaust, was kann ich denn machen, damit ich deutlich weniger Energie brauche, um vom Bein zu Bein springen zu können?

Und da sind wir wieder bei dem Thema Rotation. Also wie kann dein Oberkörper mit dem Unterkörper vermitteln über dein Chor? So, und jetzt nochmal dieses Extrembeispiel. Ich mache das jetzt mal wieder ein bisschen schwarz. Ich stehe morgens auf, setze mich hin, frühstücke da, 20 Minuten meine Zerealien, dann setze ich mich ins Auto, fahre eine halbe Stunde zur Arbeit, dann sitze ich halt da, sehr schwarzes Bild, mache da meinen Job, meine acht Stunden.

So, und dann gehe ich laufen danach. So, ich habe mich gar nicht präpariert, ich habe meinen Körper quasi erstmal, ich bin in dieser normalen Sozialität gefangen. Und dann erwarte ich von einem Körper, dass er mir im Laufen einfach die besten Zeiten ermöglicht. Ja, dafür muss aber auch dieses System mal wieder ein bisschen darauf vorbereiten.

Und deswegen ist es halt eben auch wichtig, gerade für Läufer, auch da mal so seine Hausaufgaben zu machen und dann halt eben mal so ein paar Bewegungen zu machen, die halt eben dieses Vermitteln von Oberkörper zu Unterkörper wieder mehr schulen. Weil dann wirst du auch feststellen, die Erfahrung habe ich auch gemacht, boah, irgendwie fühlt sich das Laufen leichter an.

Das will ich ja. Ich will ja, dass das Laufen mich weniger Energie kostet, damit ich mehr in Leistung investieren kann. Wenn ich jetzt aber für das Laufen, damit ich das Laufen aufrechterhalten kann, schon irgendwie die Hälfte meiner Energie brauche, ist ja scheiße. Verbraucht Sauerstoff, verbraucht Carbs, Fett, wie auch immer, also Energie.

Du hast ja schon mal eine Spiro gemacht, hast zusammen Rad oder beim Laufen gemacht?

Nur Rad, aber es wäre mal interessant, das Ganze mal am Laufen zu machen.

Du bist herzlich eingeladen. An dieser Stelle, aber das weißt du. Aber das ist auch meine Beobachtung. Also beim Radfahren haben wir ja den Vorteil durch den Power Meter. Wir haben eine sehr gute Messung, was den Energieverbrauch betrifft, durch einen objektiven Messer. Und beim Laufen haben wir ja nur diese Hochrechnungen von den Uhren und ja, und das ist teilweise so eklatant unterschiedlich von einer Spiromessung, also wo ich es wirklich messe, was verbraucht dieser Körper bei einer gewissen Geschwindigkeit und meistens im Grundlagenbereich.

Und die Leute sind dann ganz erstaunt, wie viele Kalorien sie verbrauchen, sage ich, naja, aber du musst dich halt immer fragen, warum ist das so? Ja, aber naja, das ist ja eh bei allen so. Nein, das ist nicht bei allen so. Das ist das Thema Laufökonomie und was du tust. Und da geht es jetzt nicht nur darum, kommen wir auf der Ferse auf, am Mittelfuß oder am Vorderfuß.

Das ist ein kleines Detail meiner Ansicht nach, wo sich aber vorher viele, viele, viele Bewegungsmuster abspielen, damit das rauskommt. Und das ist viel zu reingesoomt und viel zu einfach. Und also meiner Erfahrung nach kann man mit dem Thema Laufökonomie sehr, sehr viel rausholen. Man muss halt nur mit seinem, nur, man muss mal mit seinem Nervensystem arbeiten und neue Bewegungsmuster erlernen.

Und da gehört natürlich auch eine Rotationskompetenz ans oben dazu, weil ohne dem wird es nicht gehen.

Ich überlege gerade, wie man das vielleicht verdeutlichen kann. Also du hast, wenn du läufst und du hast noch keinen Fokus auf ein adäquates Core-Training. Ich nenne das jetzt mal Core-Training, weil Rotation ist für mich Core-Training gemacht. Und du fängst das an, dann kann es sein, dass es für dich so anfielt, als ob irgendwas jetzt geölt wäre.

Also irgendwas läuft jetzt irgendwie viel leichter. Ja, so muss man sich das wirklich vorstellen. Und das ist ja das, was du willst. Weil das bedeutet ja dann, ah, du könntest länger laufen, weil du Energie sparst, oder du kannst halt und oder auch schneller laufen. So. Nur weil wir quasi deine Bewegungskompetenz ein bisschen erweitert haben.

Abschließend könntest du uns noch ein paar Tipps mitgeben oder so einen Einstieg mitgeben. Wie findet man in das Thema Rotationstraining rein? Was kann man mal probieren? Wie kann man sich da mehr informieren? Also ich selber, vielleicht da muss man auch dazu sagen, ich habe, glaube ich, von dir vier oder fünf Kurse schon gekauft.

Ich habe sie noch nicht alle durchgearbeitet. Aber ich bin ein sehr, sehr großer Fan deiner Kurse. Ich habe in den Kabel zu Kurs 2.0 auch schon reingeschaut, ein paar Übungen ausprobiert. Da gibt es auch ein Modul, glaube ich, speziell für Läufer, wenn ich mich jetzt richtig erinnere. Ja. Oder ein Kapitel.

Das ist ein komplettes Protokoll. Aber wie können die Leute, die uns gerade zuhören, so einen leichten Einstieg einmal finden um einen leichten Einstieg, ja?

Ich bin ja ein Riesenfan von Büchern, du siehst ja hinter mir ein riesen Bücherregal. Es gibt leider noch kein Buch, was das Thema so aufnimmt. Das wird sich vielleicht irgendwann mal ändern. Mehr kann ich nicht verraten. Ja, das ist schon verrückt. Wir haben wirklich ein so wichtiges Thema, aber es gibt keine wirkliche, zumindest deutsche, ach selbst, also wenn es leicht sein soll, noch nicht mal internationale Lektüre.

Deswegen muss ich euch da schon mal enttäuschen. Aber du hast schon mal einen guten Hinweis gegeben, ja. Bei mir findet man das ein oder andere, ich habe so ein kleines Mini-Produkt, es nennt sich Core Reset. Da gehen wir so ein bisschen auf das Thema Atmung und Rotation ein. Relativ simpel, kein Overwhelming, also kein Überfordern, sondern so ein kleines Mini-Deep Dive in das Thema.

Das könnte halt super interessant sein. Ansonsten gibt es halt ein paar schöne Kanäle da draußen. Elias Brocker zum Beispiel beschäftigt sich sehr stark mit dem Thema Rotation. Im Kontext zum Beispiel von Ropeflow. Das mag vielleicht für den einen oder anderen relativ abstrakt sein, aber am Ende des Tages geht es um das Grundprinzip menschlicher Bewegung.

Dann kommt auch immer mehr das Thema Landmine-Training, wo auch viel quasi mit Rotation gearbeitet wird. Kannst du einfach mal eingeben bei Insta oder YouTube. Ob das jetzt einfach ist, weiß ich nicht. Ansonsten klar, guckst du bei mir auf dem Account. Ich erschlage zwar die Leute mit Übungen, sage aber auch gleichzeitig, scheiß auf die Übung.

Es geht nicht um die Übung, sondern um das Grundprinzip, was dahinter steht. Weil es geht nicht darum, dass du jetzt tausend Übungen machst, sondern beobachte die Übung genau. Beobachte mal die letzten 20 Übungen, die ich da poste. Und du wirst feststellen, am Ende des Tages sind es eigentlich nur zwei Sachen.

Hängt immer von der Bewegung ab natürlich. Weil manchmal komme ich auch mit anderen Bewegen um die Ecke, die vielleicht mit Rotation eher weniger zu tun haben, sondern weil sie mich persönlich begeistern. Aber am Ende des Tages geht es nur darum, kann die Hüfte rotieren und kann die Brustwurm rotieren.

Das sind mir die zwei wichtigsten Sachen. Darauf drohen kommen dann die anderen Sachen. Also relativ simpel. Aber das haben wir auch zum Beispiel in dem Minikurs da drin, Corey Z.

Ja, dann an dieser Stelle vielen, vielen Dank für deine Zeit, vielen Dank für deine Einblicke. Ich habe es im Vorgespräch schon gesagt, ich würde auch gerne mal eine Podcast-Episode mit dir zum Thema Atmung machen, weil so bin ich auf dich gestoßen mit dem Atemkurs und hab für mich da ganz viel rausgezogen.

Ja, vielen Dank, Manolo. Und wenn ihr da draußen noch Fragen habt zum Thema Rotation, Atmung oder wie ihr irgendwas anderes besprechen sollst, schreibt es einfach in die Kommentare und schaut mal rein. Danke auf jeden Fall für die Möglichkeit.

Anmelden oder registrieren

Jetzt

0:00 / 0:00