Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 17

Warum in der „kleinen Eiszeit“ Hexen verbrannt wurden

Donnerstag, 28. Mai 2026 · 47 min

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Shownotes

Klimaveränderung, Pandemien und die tödliche Suche nach Sündenböcken. Darum geht es in Folge 17 von "Ein Bayer und ein Halber" (/ein-bayer-und-ein-halber). Aber halt, Dr. Richard Loibl – Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte und MGB-Redakteur Johannes Munzinger sprechen nicht über das hier und jetzt.

Die Dürreperiode ist vorüber. Erst kam eine Verletzung mit tragischem Hintergrund (/20804410)dazwischen, dann ein Ausflug zur Landesausstellung (/21043819). Aber jetzt war Dr. Richard Loibl wieder im Aufnahmestudio in Passau. Und bei ihrer jüngsten historischen Zeitreise wurden der Historiker und sein Gesprächspartner zu wahren Katastrophentouristen. In einem apokalyptischen Galopp reiten die beiden durch eine Periode, die auch als "Kleine Eiszeit" bekannt ist.

Vom 14. bis ins 18. Jahrhundert führt sie dieser Ritt. Er beginnt, als die Sommer kühler und nasser werden und die Ernten immer öfter ausfallen. Dann führt er vorbei am Schwarzen Tod – eine Pandemie, die den Menschen von damals wirklich, wie das Ende der Welt vorgekommen sein muss und die rund ein Drittel Europas dahinrafft – hin zu den großen Hexenprozessen der frühen Neuzeit. Und ja, auch bei denen spielten der Klimawandel und Wetterkatastrophen eine führende, verheerende Rolle.

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Seuchen, Hungersnöte, Wahnsinn und der Mensch von seiner schlechtesten Seite prägen diese Folge von "Ein Bayer und ein Halber". Aber eines zeigt sich auch: Aus den Trümmern und der Asche kann immer auch etwas Schönes, Neues wachsen.

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In Lindau ist berichtet, dass mitten im Sommer noch Schneebälle haben machen können. In der Oberpfalz sind sie Ende Mai noch Schlitten gefahren. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und HW Dere.

Willkommen zurück zu Ein Bayer und ein Halber. Und Johannes Munzinger sowieso am Start und endlich wieder im Haus Dr. Richard Leubel. Ja, schön. Herr Mutzinger, grüß Sie und grüß Gott beieinander, dass ich wieder dabei sein darf. Ich hätte mich so gefreut auf die Sendung mit dem Harra, aber da ist mir echt ein Unfall dazwischen kämpfen.

Wollen Sie sagen, was passiert ist oder geht das den Leuten nicht so? Nein, das kann man schon sagen. Es ist natürlich, ein Geisteswissenschaftler ist immer gefährdet, wenn er körperliche Arbeit leistet. Und mir ist in der Woche ausgerechnet ohne von meinen Katzen gestorben. Und jetzt habe ich das Eingram bei mir im Garten und da war der Boden halt recht hart und habe da ein Loch geschaufelt und prompt habe ich mir eine Sehnenscheidenentzündung geholt in der Schaufelhänd und zwar so, dass ich echt nicht mehr Auto fahren konnte.

Ich habe das Lenkrad nicht mehr holen können, weil die Schmerzmittel nicht gewirkt haben und deswegen ist mir der Haar rausgekommen, aber jetzt geht es schon wieder, Unkraut verzirbt nicht. Dann machen wir heute eine Folge in Memoriam Katze Wudi, mein Beileid nochmal. Und vielleicht ist es ganz gut, dass die Stimmung jetzt ein bisschen am Absacken ist, weil wir haben uns kein schönes Thema für ihre Rückkehr ausgesucht.

Wir machen heute nämlich zeitreisenmäßig ein bisschen Katastrophen und Unheilstourismus, kann man das nennen. Denn heute geht es um Themen, die leider immer noch und wieder aktuell sind, nämlich Pandemien. Also Hungersnöte, jetzt noch nicht in Bayern, aber doch in manchen Teilen der Welt und Klimawandel.

Aber es geht nicht um Erderwärmung, sondern ums Gegenteil. Wir reiten nämlich heute durch 400 Jahre der Zeit, die man auch als die kleine Eiszeit bezeichnet. Herr Dr. Läubel, Sie haben gesagt, es geht um die große Auslegung der kleinen Eiszeit. Was heißt das? Ja, also manche grenzen es ein bisschen ab und unterteilen es.

Aber so die klassische Definition auch von den Wissenschaftlern, die den Begriff aufbracht haben, den gibt es noch gar nicht so lange, der ist aus den 20er Jahren vom letzten Jahrhundert, haben das eigentlich schon in der großen Auslegung immer begriffen. Das heißt, der geht von 1350 circa bis 1750. Und das Ganze ist also in der Geschichtswissenschaft noch ein relativ neues Kapitel, weil man tatsächlich erst seitdem man den Klimawandel jetzt selber wieder aktuell in der Gegenwart spürt, kapiert hat, das kann eigentlich mit anderen großen historischen Entwicklungen auch zusammenhängen und das sieht man mittlerweile schon relativ genau, das geht also nicht nur mit der kleinen Eiszeit an, sondern man hat vorher schon diese Krisenzeit um 500 mit dem Ende des Römischen

Reiches, ich sage das noch schnell, weil das ist für unsere Region, da gibt es ein ganz tolles Zeugnis, nämlich die Bitta St. Severini, wo dann tatsächlich auch schon drinsteckt, dass die Schiffe, die aus Italien gekommen sind, am Inn, dass die eingefroren hat. Und da war schon so eine Kälteperiode. Und dann kommt eine Periode, wo es sehr gut geht. Das ist die Zeit um 1000.

Deswegen hat man da so ein großes Bevölkerungswachstum, hat technische Innovationen, wie zum Beispiel die Schubkarre. Der Weizen gedeiht prächtig. Ich finde das immer so gut mit der Schubkarre, weil das haben wir auch erst erfunden müssen. Es gibt nicht seit Anbeginn oder Aushärten der Erdkruste keinen Schubkarre.

Er hat erfunden werden müssen. Ganz eine wichtige Erfindung und das ist das Umtausend. Da wird dann auch das Waldgebiet nördlich der Donau besiedelt von Rengsburg bis vor Wien runtergelegt. Und dann sozusagen, das geht dann also weiter bis um 1200, 1250 läuft das ganz gut und dann kommt diese Abkühlung, die hinführt zu dieser kleinen Eiszeit.

Es beginnt ja dann schon Anfang des 14. Jahrhunderts, mehren sich Berichte in ganz Europa, in Chroniken, wieder ein besonders kühler, nasser Sommer, wieder schlechte Ernten, wieder leiden die Leute an Hunger, in England wächst der Wein nicht mehr, früher haben die Trauben abbaut, heute unvorstellbar.

Und überhaupt, also Anfang des 14. Jahrhunderts, das war keine schöne Zeit für die Christenheit, hat man das Gefühl. Also die Leute müssen sich komisch vorkommen sein. Weil der Papst, Heiland im Betgewand, hockt plötzlich nicht mehr in Rom, sondern ab 1309 in Avignon. Das Wetter wird kalt und nass, die Ernten gehen zurück.

In Heilbronn im Kloster notiert der Chronist sogar, dass 1338 die Heuschrecken übers Land hergefallen sind. Also es beginnt so eine Art Vorapokalypse und dann, das vielleicht schlimmste Ereignis bis zum Zweiten Weltkrieg, das je über Europa reingebrochen ist, ist ein Schiff. 1347 in Sizilien legt ein Schiff an, Geisterschiff war sogar nicht gesagt, das war eher ein Höllenschiff, weil der Großteil der Besatzung war schon tot.

Dafür ist ein blinder Passagier an Bord, weil an Bord sind Ratten, im Felderratten hockt der Floh und im Floh Jersinia pestis. Geht's dahin dann? Dann geht's dahin. In den nächsten vier Jahren wütet der schwarze Tod in Europa. Was war das für eine Zeit und wie haben sich die Menschen damals fühlen müssen?

Weil wenn man keine Erklärung hat, wie sowas passiert, die müssen wirklich das Gefühl haben, die Welt geht unter. Ja, da glaube ich, muss man einfach zwei wesentliche Unterschiede zu unserer Gesellschaft sehen. Der eine Unterschied ist, dass man halt viel näher an die Krisen dran ist, weil die noch sehr regionalisiert ist.

Die Krise, wenn jetzt zum Beispiel, was weiß ich, im Deutschen Reich im Zentrum, wenn die... Wenn da die Nahrung oder Missernten sind, da hat man heute nicht mehr lange miteinander. Die wurden halt irgendwo, da ist keine Missernte. Irgendwo wächst schon noch was. Irgendwo wächst schon noch was, da hat man das herkarren.

Das ist aber damals einfach nicht selbstverständlich. Also diese Globalisierung im positiven Sinne, die steht dann auch aus. Und dann wird eben das Essen auch nicht nur teurer, weil man ist wahrscheinlich leibeigener. Also bewirtet man selber ein Stück Land, von dem man lebt und wenn die Ernte ausfällt, dann stirbst du halt am Hunger.

Und dann sind ja die total angewiesen auch, dass ein Teil vom Getreide, das ist zurückhaltend für die Aussaat im nächsten Jahr. Ganz genaue Berechnungen, so viel haben es nämlich gar nicht verfressen können, weil man wirklich, man hat ja damit rechnen müssen, es wird eher ein Haufen von Schädlingen zusammengefressen.

Also ein Haufen hat man zurückhalten müssen. Übrigens lernt man halt dann daraus auch, wenn man diese großen Gerichtsgebäude bei uns anschaut, wo die Landgerichter drin waren, die haben alle immens große Speicher, drei, viergeschossige Speicher mit den Walmdächen und das ist dann die Folge aus dieser Superkatastrophe, weil man halt sagt, wir müssen Vorräte anlegen, wir müssen uns für diese Plagen rüsten.

Und der zweite große Unterschied zu unserer Zeit, der liegt jetzt eher im Mentalen, dass man heute mit der Erklärung von diesen Ereignissen völlig überfordert. Weil das, was Sie geschildert haben, da gerade mit dem Lauf des Bakteriums oder des Virus oder beide miteinander sind, sehr oft, ähm, Es war überhaupt kein Mensch, klar, natürlich. Deswegen, was ist das?

Man sucht sowohl sofort, weil die Gesellschaft ja eine sehr religiöse Gesellschaft ist, die Erklärung im Übernatürlichen. Und das ist aber noch der bessere Erklärungsversuch, weil man deutet es dann als Strafe Gottes. Ja, man kann Gott ganz nichts machen. Es gibt wunderbare Darstellungen, wo der Herrgott im Bild sitzt, gemalt und einen Pfeilbogen oder eine Armbrust in der Hände hat und auf die Menschen schießt. Der liebe Gott. Der liebe Gott.

Und so stellt man sich die Übertragung vor. Da schießt du irgendwas runter und dann hast du die Bäume, Pest oder sonst irgendwas dann da. Und deswegen gibt es auch die Amulette. Übrigens, was tut man gegen Pest? Man glaubt an die Amulette und deswegen hängt man sich so kleine Pestpfeile zum Beispiel rum. Oder halt die zuständigen Heiligen.

Finde ich auch total interessant. Man sieht es total häufig in die Kirche. Kommt daher, weil halt so viele Pestepidemien später auch noch gelaufen sind. Und man hat natürlich, es waren noch andere Krankheiten auch, aber das hat man halt alles unter Pest dann subsummiert. Und das ist der heilige Sebastian.

Ist er Pestheiliger, warum? Weil er als römischer Legionär dann gemartert worden ist und mit eben Pfeilen beschossen worden ist. Er hat überall die Pfeile herinnen. Und die Pfeile, das ist... Die Pestpfeile. Und das Zweite ist, die schönere Geschichte eigentlich, das ist der heilige Rochus. Der Rochus hat wirklich die Pest auch gekriegt und hat diese Pestbollen und offenen Wunden.

Und das Wunderbare an seiner Geschichte ist, dass ein Hund auftaucht, der den Rochus mit Brot versorgt und ihm die Pestwunden ausleckt und so überlebt der Rochus dann. Vielleicht, dass man einen Eindruck kriegt, wie das Stadtbild damals war, wie die Pest gewütet hat. Es gibt ja den berühmten Giovanni Boccaccio, die literaturbeflissenen kennen ihn als den Autor des De Camerone.

Der hat die Pest recht genau beobachten können und hat es auch überlebt und hat dann geschrieben, so konnte, wer durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Baren kommen und legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davon getragen wurden.

Und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder Zweier und Drei Brüder und des Vaters und seines Kindes trug. Vier Jahre geht der Spuk von 1347 bis 1351, marschiert die durch Europa, erreicht sogar die Grönlandkolonien. In Island sterben 60 Prozent der Leute.

Dann wieder Länder gar nicht. Zum Beispiel Böhmen hat keine Pestepidemi. Schön umgeben von Wäldern und kein Handelszentrum. Aber kein Mensch weiß, wieso eigentlich. Glück gehabt. Weil die Handelsverbindungen gibt es natürlich schon über die goldenen Steige. Da haben wir auch schon geredet darüber mit dem Salzhandel und so weiter.

Aber warum das jetzt bei denen nicht ankommt, kann man sich bis heute nicht erklären. Aber eins wollte ich noch schnell einschmeißen, weil sie das gesagt haben mit Boccaccio. Da fällt mir natürlich sofort eine ganz wunderbare Geschichte ein und ein Rockmusical vom Wolfgang Ambrose. Der Wolfgang Ambrose hat ein wunderbares Musical gemacht über so eine Pestgeschichte, nämlich über den Volkssänger Augustin.

Und alles ist hin. Ja, alles ist hin, in Wien sprichwörtlich und das kann ich nur empfehlen, weil das trifft genau die Atmosphäre und am schönsten ist, das ist mir sofort bei ihrer Schilderung nur eingefallen, dass der Augustin mit einem Freund nach einem Gelage da durch Wien geht und dann gibt es diesen schönen Laut, diesen Schitt, Schitt.

Die zwei folgen und unterm Folgen schreien es, jetzt ist es ein Pestgeräum. Es ist doch auch lustig. Ja, wir können drüber lachen, aber das traurige End von dem Lied damals war, 13 oder 51, schätzungsweise ungefähr 25 Millionen Tote, rund ein Drittel von ganz Europa dahingerafft. Ich habe das vorher kurz überschlagen.

Das würde heutzutage bedeuten, stellen Sie Ihnen vor, in der Corona-Pandemie waren in vier Jahren 250 Millionen Leute in Europa gestorben. Und was haben wir uns angestellt für die, in Anführungszeichen, bohr, dürfen wir natürlich auch nicht sagen, gell? Schlimm genug, aber meine Güte, also. Weltuntergang ist, glaube ich, wirklich Treffen für damals. Sie haben gesagt, ja, der Gott, klar, also sie waren Gottesfürchteleidung, gesagt, irgendwas müssen wir angestellt haben, der Herrgott ist besser auf uns, aber, dass die Menschen dann sagen, es wird schon wieder, so gutmütig haben wir ja leider nicht, und das ist auch ein Thema, dass sie halt durch die Sendung ziehen wird.

Es braucht ja dann doch irgendeinen Schuldigen. Irgendwer muss das ja ausbaden und irgendwas müssen wir doch machen, dass es wieder besser wird. Und da nehme ich nur mal Boccaccio daher, der schreibt nämlich, es beginnt ein ganz mieser Sittenverfall. In solchem Jammer und in solcher Betrübnis der Stadt war auch das ehrwürdige Ansehen der göttlichen und menschlichen Gesetze fast gesunken und zerstört.

Denn ihre Diener und Vollstrecker waren gleich den übrigen Einwohnern alle krank oder tot oder hatten so wenig Gehilfen behalten, dass sie keine Amtshandlungen mehr vornehmen konnten. Darum konnte sich jeder erlauben, was er immer wollte. Und was die Leute wollten offenbar, das war, wir wollen Blut sehen und das hat natürlich jemand ausbauen müssen. Das hat auch wieder zwei Seiten sozusagen.

Das eine, was ich jetzt daraus lesen würde vom Boccaccio, ist dieses, wie soll ich sagen, dieses aus sich raus gehen und die Grenzen abstreifen, weil man halt sagt, ja gut, der Pfarrer ist jetzt auch gestorben, also was soll das? Nach uns die Sintflut. Nach uns diese Influt. Und das gibt es auch sehr breit und in einer Bewegung, die...

Ja, total interessant ist, es gibt diese Tanzwutbewegung. Also da haben sie in die Städte, sind da ganz so wilde Tanzbewegungen ausgebrochen und die sind dann auch von Stadt zu Stadt gezogen und haben nur tanzt ekstatisch und ist natürlich auch zu sexuellen Exzessen oder sonst irgendwas. Manche behaupten, dass Mutterkorn auch dran schuld war, ein Schimmelpilz im Getreide, der quasi wie LSD wirkt und die Leute in einem totalen Halluzinationentaumel verfallen muss.

Das darf man auch nie vergessen bei den großen Künstlern, die da ganz wilde, auch zu der Zeit beginnend, ganz wilde Höllenvisionen malen, ob da nicht ein bestimmtes Hilfsmittel außer der Fantasie noch dabei war. Sie haben natürlich auch viel Fantasie gehabt, muss man auch dazu sagen. Also diese Tanzwut, das ist so die vielleicht wenigstens optisch angenehmere Richtung.

Und dann gibt es diese Geißlerbewegungen, die auch zu dieser Pestzeit und Krisenzeit, eigentlich sogar noch vor der Pest auftreten. Aber das ist das, was Sie schon geschildert haben, Herr Munzinger, dass sich das ja aufbaut mit diesen Missernten. Die Apokalypse kommt langsam. Die Apokalypse kommt langsam.

Und diese Geißler, die ziehen da auch von Staat zu Staat. Und geißeln sie wirklich, das sind so eine Art Peitschen mit Metallteile, Vorhin, Selbstgeißlung auf dem Rücken kennt man ja vom Umberto Eco, von den Verfilmungen da auch. Und das wären immer mehr und das sind oft mehrere tausend Leute, die da unterwegs sind. Das muss ein Spektakel gewesen sein.

Tausend Masochisten, die zum Stadto einkommen und sie die Rücken blutig haben. Und da sind wir schon bei dem Punkt, Sie haben zweimal schon den Begriff Apokalypse gebraucht. Und da sind wir jetzt genau bei dem Punkt, wie kann ich das interpretieren? Gibt es da eine Quelle in der Bibel, die mir als Interpretationshilfe dienen kann?

Das ist ganz klar die Apokalypse des Johannes, die man früher dem Apostel Johannes zugeschrieben hat und dann einem anderen Johannes mittlerweile. Und wo man sich aber auch bis heute fragt, wie das eigentlich zustande gekommen ist. Manche Theologen vermuten, dass das eine Geheimsprache ist für bestimmte Sachen.

Andere vermuten Schizophrenie. Und das Mutterkorn dann zu guter Letzt, oder vielleicht alles in gewisser Verbindung miteinander. Oder doch göttliche Eingebungen. Ja, oder doch göttliche Eingebungen. Auf alle Fälle, sei es wie es sei, ist dieser ganz faszinierender Text, weil diese ganzen Plagen, wie es ja heißt, im Grunde da schon niedergelegt sind.

Die vier großen Plagen sind ja die vier apokalyptischen Reiter, was die berühmte Darstellung vom Atyrer gibt. Das ist, wenn ich es jetzt noch richtig zusammenbringe, der Tod, der Hunger, die Pest und der Krieg. Beziehungsweise die Eroberung. Die Eroberung. Die Pest war früher, glaube ich, als die Eroberung übersetzt.

Und dann gibt es da drin diverse andere Zusammenstellungen, die Posaunen, wo dann auch sowas wie die Heuschreckenplage da drunter ist. Also nichts, was dann im 14. Jahrhundert passiert ist, steht da eigentlich nicht drin. Das alles ist ja irgendwie, und das, was nicht drinsteht, kann man durch großzügige Auslegungen, dann in die Richtung interpretieren und deswegen ist es natürlich für viele diese Häufung, Und klar, das Anzeichen, es gibt ja auch die sieben Siegel, die gebrochen werden, das Land mit den sieben Siegeln, ist ganz für viele das Anzeichen, okay, jetzt beginnt der Weltuntergang.

Aber gut, jetzt habe ich schon gesagt, wir wollen Blut sehen. Jetzt sage ich, wenn sich jemand selber den Rücken blutig hauen will, gehe mit Gott, mache was du willst. Aber es richtet sich ja nicht nur gegen sich selbst, denn auf dem gleichen Weg wie die Pest in kurzer Folge, wie sie ausbricht, von den südlichen Mittelmeerhäfen bis nach Norden, breiten sich Pogrome aus.

Also fast wie üblich sozusagen ein bewährtes Opfer und ein bewährter Sündenbock sind die Juden, einfach weil sie anders sind, weil sie in Ghettos leben, weil sie von bestimmten Berufen ausgeschlossen sind. Und dann läuft wirklich diese Serie von Pogromen ab, erstaunlicherweise, bevor die Peste in die Städte gekommen ist. Es ist auch schon davor.

Das heißt, die Leute haben gehört, es kommt irgendwas Übles auf uns zu. Vielleicht als Maßnahme überkehren, bringen wir die einmal auf die Seite. Aber eigentlich, muss man dazu sagen, steckt immer dahinter, dass man an das Vermögen von den Juden will, an die Grundstücke. Die Juden sind ja, weil sie was anderes nicht machen dürfen, im Kredithandel ganz überwiegend tätig und da kannst du natürlich schon was verdienen zu der Zeit, hast ein hohes Risiko und an dieses Vermögen wollen die Leute ran und das geht bis rauf zum Kaiser.

Da haben wir diesen schönen Fall, wir haben ja 1348 auch einen Wechsel an der Spitze des Reiches. Der Karl IV. folgt auf den Kaiser Ludwig dem Bayern. Und um jetzt auch mal wieder etwas Positives über Bayern zu sagen, der Ludwig der Bayern hat seine Verpflichtung als Kaiser, ist er verpflichtet, die Juden zu schützen.

Die führen auch Sondersteuern an den Kaiser ab. Und der Ludwig der Bauer ist dieser Verpflichtung nachgekommen. Und der Karl IV. Ist ganz wesentlich beteiligt, weil er es frei gibt sozusagen für eines der ersten ganz großen Pogrome in Süddeutschland, in Nürnberg, wo die wirklich... 5. Dezember 1349. Brutalst gegen die Juden davor gehen. Mindestens 562 Tote an einem Tag.

Das muss man sich auch mal vorstellen. Also Irger wie die Reichspogromnacht, muss man eigentlich sagen. Also das ist wirklich ein Gemetzel. Und da trägt der Karl IV., der ja sonst ein sehr gebildeter, vielleicht der gebildetste Kaiser überhaupt war bis zu dem Zeitpunkt, eine schwere Mitschuld an dem, weil er seine Hand abgezogen hat dann.

Dann zieht sich das Ganze quasi durch bis Wien im Grunde, die Donau entlang, die Handelsstraßen entlang. Und dann gibt es da so kleinere Sachen, muss man erwähnen, aus unserer Region, die verbinden sich mit späteren Wallfahrten. Den Legenden des Hostienfrevels. Also das stellt man sich ja so vor, dass die Juden, die ja halt eine andere Religion haben, quasi aus den Kirchen Hostien entfremdet haben sollen und dann die bearbeiten und da reistechen und dann fließt Blut heraus aus dieser Eucharistie.

Und zwischendurch nur ein paar Brunnen vergiften. Ja, und zwischendurch nur ein paar Brunnen vergiften und das haben wir zweimal in der Region. Erstaunlich, weil die erste, das erste große Judenprogramm mit diesem Vorwand sozusagen, dass die die Hosting geschehnt haben, ist in Deggendorf 1339 glaube ich in dem Dreh und ein ganz spätes Programm ist in Passau, das sich um St.

Salvatore dann da herum entwickelt. Salvatore, die Kirche, die am Fuß vom Oberhaus steht, das ist ja eigentlich ein sehr schöner, zentralisierender gotischer Bau, aber der quasi diese Stelle markiert, wo die Juden angeblich diese Hostien gefrevelt haben. Auch das ist natürlich nicht wahr, sondern das ist ein Vorwand.

Irgendwer muss schuld sein für die ganze Misere. Man könnte frei nach Hobbs sagen, der Mensch ist dem Menschen die Pest, weil 500 Tode in einer Stadt, das hat in den weit meisten Städten nicht einmal die Pest geschafft zur Hochzeit. Wieder erwarten, die Welt geht dann doch nicht unter, die Apokalypse ist zumindest vertagt, schauen wir mal wann es eintritt.

Aber die Menschen denken sich da natürlich nicht, hey jetzt wären wir mal alle vernünftig und jetzt sind wir vielleicht alle mal nett zueinander und lassen die anderen gewähren. Nein, sie lassen sich wieder was Neues einfallen und da kommen wir zu einem zweiten Thema, das untrennbar mit der kleinen Eiszeit verbunden ist nämlich zur.

Hexenverfolgung und da spulen wir jetzt erst einmal knapp 100 Jahre in die Zukunft ins Jahr 1486 denn da schreibt ein gewisser Heinrich Kramer ein nicht unbedeutendes Büchlein. Ja, das ist der Hexenhammer. Was heißt Hexenhammer? Den sogenannten Hexen werden eiserne Schuhe quasi verpasst und in diese Schuhe wird mit dem Eisenhammer werden, ich habe jetzt Nägel eingetrieben und große Eisenteile, dass die Beine halt zerquetscht werden.

Und ich sage jetzt das auch mal so drastisch, weil bei der Verfolgung der sogenannten Hexen und der sogenannten Hexer, das gibt es ja auch, ähm. Ja, spielt die Folter eine ganz große Rolle. Das schreibt ja der Heinrich Kramer, weil damals galt, ja, foltern ist schon okay, das gehört zum guten Ton quasi vor Gericht.

Aber wer gefoltert worden ist und die festgelegte Reihenfolge der Folter durchgemacht hat, ohne dass er gesteht, den hat man nicht voll verurteilen dürfen. Aber denkt sich Heinrich Kramer, die Hexerei ist ein so schlimmes Verbrechen, das ist so ein Ausnahmeverbrechen, da muss weiter gefoltert werden, bis er halt endlich die Wahrheit sagt.

Also der Grammar ist, wenn ich jetzt einmal ausfällig werden darf, ein ganz perverser, frauenfeindlicher Drecksack, der einen Komplex nach dem anderen da offenbar weinander geschoben hat. Sehr interessant sind seine Anfänge, weil das Jahr, bevor er dieses seltsame Machwerk da oder dieses blutige Machwerk da geschrieben hat.

Probiert er seinen ersten Prozess und ist in Innsbruck und versucht da eine Frau und eigentlich mehrere Frauen aus der gehobenen Bürgerschaft da im Prozess als Hächsen verurteilen zu lassen. Und das ist eine total interessante Geschichte, weil da sieht man, dass das auch seine Grenzen gehabt hat, weil die Helena, die ist eigentlich die Hauptfrau, um das da geht, die wird hingehängt von einem abgewiesenen Liebhaber und so, also kann man alles recht schön belegen, was da eine Rolle spielt und die Frau ist aber gescheit.

Es scheint auch so, dass die religiös sehr interessiert ist, vielleicht sogar den Lehren von Jan Hus nahe steht. Und auf alle Fälle hat sie aber was in der Birne und sie hat natürlich reiche Verwandte. Und da wird ihr dann geraten, du holst ja da einen gescheiten Verteidiger und sie holt sie aus dem bayerisch-schwäbischen Wemding, holt sie sich einen Rechtsgelehrten, der aber den Kramer sowas von aus dem Gerichtssaal aus sich stampelt, dass der mit dem Schaunimmer mitgekommen ist.

Sie hat aber, also letztlich wird dieser Prozess dann aufgehoben, sie wird auch nicht freigesprochen und die anderen Frauen auch nicht, aber sie werden nicht mehr verfolgt. Und das total Interessante ist, dass man genau den Wendepunkt in dem Prozess feststellen kann. Der Wendepunkt ist, dass dieser Kramer, da sieht man, dass er pervers war, fragt die Helena, ob sie bei ihrer Hochzeit noch Jungfrau war.

Und da ist der Saal erstarrt, weil eine Innsbrucker Patrizierin, Fragt man sowas nicht. Und dann hat sich die Bürgerschaft gegen den Kramer gestellt und dann ist der eingekastelt worden und letztlich aus der Stadt geprügelt worden. Also so ist es auch gegangen. Aber wenn du natürlich keinen gehabt hast als Frau, der da gesagt hat, schaust, dass du einen Verteidiger kriegst und mich stützt mir die finanziell und ich rede mit dem Herzog, dass das nicht so schlimm ausgeht oder mit dem Bischof, dann hast du natürlich die Arschkarte gehabt.

Und das war ganz überwiegend der Fall. Posthum hat das dann leider doch zu einigem Einfluss geschafft, der Herr Kramer, der alte Drecksack. Ich habe einmal vor knapp zehn Jahren mit Ihrem Kollegen, dem Professor Günther Dippold, eine Sendung gemacht über die Hexenprozesse in Bamberg. Und ich würde gerne in seinem Sinne sein Werk fortsetzen.

Und zwar möchte der Mythen zertrümmern, die sich seit jeher um die Hexenverfolgung ranken. Nämlich im Mittelalter verbrennt die katholische Kirche heilkundige Frauen als Hexen. Und das ist, wie der Herr Tippold sagt, alles falsch, beziehungsweise, was noch schlimmer ist, halb wahr. Nämlich die Hexenverfolgung, die richtige, wo es dann richtig gach wird, 100.000 Tote insgesamt.

Da ist die Hochphase 1550 bis 1650. Da sind wir schon mitten in der frühen Neuzeit und immer im Mittelalter. Und da, wo die Kirche wirklich Einfluss gehabt hat und die Inquisition Einfluss gehabt hat, Kirchenstaat, Spanien, da hat es keine Massenprozesse gegeben, weil die genau gewusst haben, das läuft uns aus dem Ruder, da könnten Unschuldige sterben und was noch viel schlimmer ist, das Volk könnte aufgewickelt werden und unseren Garaus machen, das machen wir nicht.

Sondern da, wo es passiert ist, sind, wo die weltlichen Gerichte und die weltlichen Herrscher entscheiden, hey, irgendwie, es geht bergab, es muss was da werden, die Hexen sind in der Welt und jetzt müssen wir es ausraten. Und jetzt werden sich die Zuhörer vielleicht fragen, ja was hat jetzt das mit der kleinen Eiszeit zu tun?

Die schlimmste Phase der kleinen Eiszeit ist fast genau just diese Zeit Ende des 16. Jahrhunderts bis zum letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Und jetzt, die Franken kommen halt nicht gut weg, gehen wir ins Hochstift Bamberg, weil da sind in drei Prozesswellen, so ungefähr innerhalb von 30 Jahren, fast 1000 Leute als Hexen und Hexer umgebracht worden.

Und die größte Prozesswelle beginnt womit? 26. Mai 1826, ein Nachtfrost, briniert die Ernte und dann sagt das Volk, so und jetzt müssen wieder Köpfe rollen, beziehungsweise jetzt müssen Gleitbrenner. Das ist der Schatzhauer natürlich, der klassische, an den man schon immer glaubt hat, auch im frühen Mittelalter.

Es gibt im frühen Mittelalter auch schon die Hexen, qua Definition. Und das Bamberg ist aber tatsächlich ein schönes Beispiel, das zieht sich ja weiter. Also diese Höhepunkte der Hexenverfolgung, sogenannten Hexenverfolgungen, ist Franken. Der absolute Höhepunkt in Franken ist in Oberfranken das Bistum Bamberg, genau wie Sie gesagt haben.

Da sieht man natürlich, schau, wie er ist, aber Chef von dem Hochstift Bamberg ist der Bischof. Fürstbischof, das ist wichtig, Der Fürst, das ist ja zentral, weil der ist der weltliche Herrscher dort. Und im Rheinland ist es letztlich genau das Gleiche. Und währenddessen, wenn man jetzt ein bisschen weiter schaut und sich diese festgefügten Territorialstaaten anschaut, wie Bayern und Österreich, sind auch Ansätze dran zu diesen Hexenverfolgungen.

Aber da macht es sich bemerkbar, dass heute da schon, ich nenne es einmal so ein Balance of Power, heute da ist, dass das da noch lange langt, wenn der Herzog sagt, auf Hexenverfolgung, da sind Hexen unterwegs. Jetzt sind sie so. dann gibt es da Landrichter, juristisch gebildetes Potenzial, es gibt Patrizier in die Städte, die dann sagen, ja Moment einmal.

Glaubst du, dass du unsere Steuereinnahmen steigerst, wenn du da Frauen, Bürgerinnen und sonst irgendwas da auf die Seiten bringst, so läuft das nicht. Und dann dürfen wir nicht vergleichen, gerade für Bayern, man möchte es nicht glauben, wir haben das letztes Jahr sehr intensiv untersucht, Es gibt in Bayern auch das Phänomen des Bauernkriegs.

Währenddessen überall überall diese Bauernaufstände toben, gibt es in Bayern nichts. Und das kann man natürlich besser, ich habe das manchmal so gesagt und habe gesagt, ja, weil wir halt mir schon immer Hopfen sediert waren und Ruhe bewahrt haben, aber das ist natürlich nur ein böser Witz. In Wahrheit ist es so, dass man mir einfach eine festgeregelte, festgefügte Bürokratie hat und was die Gerichte betrifft, einen klaren Aufstieg sozusagen.

Und du hast, auch wenn du in einer adeligen Hofmarkt gelebt hast, hast du dich selbstverständlich an das herzogliche, übergeordnete Rentamtsgericht berufen können und das haben die auch gemacht. Die haben prozessiert vor dem Reichskammergericht letztlich über 100 Jahre, wenn es einmal sein hat müssen und über mehrere Generationen.

Und das hat quasi in Bayern verhindert, dass das solche Auswüchse geben hätte. Es hat er tatsächlich auch in Bamberg angegeben, den Kanzler Georg Kahn, der hat bei der ersten Prozessfehle, der hat es noch geschafft, also der war ein strenger Gegner von Hexenverfolgung, weil seine eigene Mutter einmal als Hexe bezichtet worden ist und der hat es geschafft, dass er dem so einer Welle den Gatehound zudreht, weil er gesagt hat, wir können uns das Holz gar nicht mehr leisten, dass wir die Leute da sind und das muss aufhören.

Hat das erreicht und hat das dann aber bereut, weil da kommen wir wieder auf diesen Drecksack Heinrich Kramer zurück, weil der hat ja beschrieben, was machen diese Hexen, die werkeln ja nicht allein in ihrer Hexenstube im Wald, sondern die treffen sich zum Hexensabbat. Da feiern sie ein Mord, sie ein Orgi mit Satan und mit ihren ganzen Mithexen und Hexern.

Wir sagen Hexer, weil es waren 70% der Opfer in Bamberg, waren Frauen, aber halt auch Männer und Kinder. und diese ausgeschammten Hund, diese Hexenverfolger haben natürlich dann. Wirklich generalstabsmäßig auch Feinde der Hexenverfolgung in diese Justiz trieben. Es gibt einen herzzerreißenden Brief von Johannes Junius, der war einer der Bürgermeister in Bamberg, den haben sie auch verbrennt, 1628.

Und da beschreibt er eben, wir sind foltern und wir sagen, sag einmal, wir waren nur beim Hexensabbat. Und dann sagt er erst, ich habe es nicht gekannt. Du alter Schelm, ich glaube, ich muss den Henker wieder auf den Hals hetzen. Und dann sagt er erst Tode und dann nennt er erst Leute, wo er schon weiß, dass die schon verhaftet sind und dann fragen sie ihn gerade heraus, sag einmal, der Kanzler Hahn, der ist doch auch dabei gewesen, oder?

Und so werden sie dann beide verbrennt. Übrigens, ich wollte es kurz vorlesen, weil es wirklich eine der tragischsten Sachen ist, die mir in meiner Studienzeit untergekommen ist. Er schreibt einen Brief an seine Tochter aus dem Hexengefängnis, das sie ja extra gebaut haben. Der Brief hat seine Tochter natürlich nie erreicht, weil wir hätten zustellen sollen. Und schreibt ihr...

Zu viel hunderttausend guter Nacht, herzliebste Tochter Veronika. Unschuldig bin ich in das Gefängnis gekommen, unschuldig wurde ich gefoltert, unschuldig muss ich sterben. Denn wer in dieses Haus kommt, muss ein Hexer werden. Oder er wird so lange gefoltert, bis er etwas aus seinem Kopf erdichten muss, falls ihm, gotterbarme sich, etwas einfällt.

Das ist eine gute alte Zeit. Sauber. Aber wenn man das bedenkt, dass diese Folter nach dem Kodex vom Kaiser Karl, dass die ja bis weit ins 18. Jahrhundert gültig war und jetzt nicht gerade bei Hexerei, sondern auch bei anderen Fällen angewandt worden ist, kann man das nachvollziehen. Weil du sagst, da ist sie, wenn du es nicht mehr aushält, verschmerzen, da legt dir irgendwas im Mund und dann bestätigst das.

Auch dann noch mal ein, ich weiß nicht, warum ich heute so bayernfreundlich eingestellt bin, auch dann noch mal ein Wort zur bayerischen Justiz, der Vigoleus Greitmeier, der schafft einen neuen Zivilkodex für Bayern, so 1770, und das ist einer von den Ersten, der tatsächlich die Folter verbietet, da und da.

Der schreibt ja, der Johannes Junius, du wirst das an meinem Schreiben sehen, dass ich furchtbar kreislich schreibe, weil der Folterknecht hat man mit den Daumenschrauben die Hände so zusammendruckt, dass das Blut zu den Nägeln rausgekommen ist und ich habe meine Hände fünf Wochen überhaupt nicht benutzen können. Ja, furchtbar.

Dann zum Glück versuchen sie eine gewisse Dorothea, also was heißt sie versuchen, sie richten eine Dorothea Flock hin, aber deren Gatte, der ist ein einflussreicher Kaufmann, der macht Wetter am Kaiserhof und, sie kriegen Wind, das quasi die per einstweilige Verfügung die Hinrichtung verhindert werden soll.

Kriegen spitz, dass der Bote unterwegs ist, richten die arme Frau kurz hin und dann ergießt sie so ein Shitstorm zum Glück über Bamberg, dass niemand mehr verhaftet wird und ausnahmsweise was Gutes vom Einfall des schwedischen Heeres, weil wie das dann auf Bamberg zukommt, dann ist dann Schluss mit den Hexenprozessen und der Obermistkerl dort, ein gewisser Johann Georg Fuchs von Dornheim, genannt der Hexenbrenner, flieht nach Österreich und selten hat der Hirnschlag einen so zurecht getroffen, weil ein Jahr später stirbt er.

Also in dem Hochstift Bamberg gibt es ja neuere Untersuchungen auch, speziell für das Zeil am Main, das ist ja die Richtstätte, die größte Richtstätte. Da haben sie ein richtiges Krenatorium gebaut. Ja, so wirklich weit. Und da ist schön herausgearbeitet worden, dass das eigentlich zu einer Art Industrie verkommt, weil diese beherrschenden Familien an dem Ort, die erkennen, dass wenn es jetzt die andere Familie sozusagen ausrotzt, dass du den in ihrer Vermögen beschlagnahmen kannst.

Oder billig aufkaufen zumindest. Und das lauft dann über einige Jahrzehnte, bis die Fälle dann kommen, die Sie jetzt geschildert haben. Also da sieht man es auch wieder, der eigentliche Motor dann ist natürlich die Gewinnsucht einfach. Die Habgier. Die Habgier. Was ich noch gerne sagen würde bei der ganzen Geschichte ist, dass Sie ja bei allen diesen Fällen und in welcher Zeit Sie ja auftreten, dass Sie da eine gewisse Abfolge.

Sichtbar wird bei dem, was da passiert. Und das ist fast immer, gut, es gibt ein paar Variationen, aber es geht immer los mit der Klimaverschlechterung. Dann kommen die Missernten, sprich die Ressourcen, verknappen sich, es kommt die Hungersnot, die Bevölkerung ist geschwächt, dann kommt die Seuche aus dieser Schwäche heraus, dann kommt der Krieg um die Ressourcen, weil ja die knapp sind, dann kommen die Verfolgungen von den Zündenböcken, Dann kommt die Pest mit den Erscheinungen, wie wir es besprochen haben.

Und dann kommt eigentlich, also wenn man es positiv sehen will, man kann es positiv sehen, dann kommt die Phase, wo man halt so ein bisschen nachdenklich wird und sagt, Leute, so geht es nicht weiter. Nein, so können wir auch nicht weiter. Die Menschheit braucht immer einen Schuss vor den Bug, dass sie sich wieder einen Zeitl zusammenreißt.

Das ist dann die Phase, wo halt eine neue Gründungswelle mit den Universitäten kommt. Und was ganz wichtig ist, die botanischen Gärten. Weil es jetzt darum geht, du brauchst jetzt quasi neue Pflanzen oder zumindest neue Arten, die resistenter sind gegen das kalte Klima. Und dafür brauchst du jemanden, der sie auskennt.

Ja, auch jemanden, der sie auskennt. Und von mir eine Lieblingsgeschichte ist, bezieht sich auf das Kloster Niederallteich, einer der bestbezahltesten Angestellten im Kloster Niederallteich im 18. Jahrhundert war der Gärtner. Und meine Kollegen, die jetzt gerade so in der neoliberalen Zeit die Niederalltaker Quellen untersucht haben, können sich da nicht genügend aufregen drüber, was das für eine Geldverschwendung war.

Weil die haben damals nur gedacht quasi an die barocken Prunkgärten und haben sich den Gärtner so vorgestellt, dass der da mit der Nagelschere da rum ist und die Häken zugestützt hat. In Wirklichkeit war aber der, der hat schauen müssen, dass die Anpflanzungen wieder weiterkommen und dass neue Pflanzen herkommen und dass einfach Nahrung wieder da ist.

Der war quasi der Ernährungswissenschaftler der Nation. Aber da sieht man, dass die Geschichtsforschung braucht immer einen aktuellen Anlass. Und das ist wirklich dieser Klimawandel, den wir jetzt spüren, der natürlich, das muss man auch immer dazu sagen, der erste Klimawandel war im großen Maßstab. Der von Menschen gemacht worden ist. Wir können tatsächlich in der Vorzeit, in der Steinzeit und so, kannst du Klimawandelungen schon feststellen in den Gegenden, wo die brutal abgeholzt haben.

Aber halt nur im kleinen Maßstab natürlich. Deswegen sage ich immer, im großen Maßstab ist das, was wir jetzt haben, der erste Klimawandel der von Menschen. Wir möchten gar nicht wissen, was jetzt dann alles noch auf uns zukommt. Da sollen noch andere drüber reden. Ja, und deswegen habe ich das auch ein bisschen so, diese Reihenfolge zu der Zeit, weil viele Kollegen von mir sagen, man kann aus der Geschichte nichts lernen und die anderen Kollegen sagen, man will aus der Geschichte nichts lernen.

Beides kann zutreffen, aber man sollte sich das glaube ich schon klar machen. Wohin das führen kann, muss ja nicht genau das gleiche sein und für mich völlig unverständlich. Vielleicht können Sie mir das nicht erklären. Ich verstehe einfach nicht. Sie sind von der dritten Schule, die sagt, man muss aus der Geschichte lernen, sonst ist man dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Ich verstehe einfach das nicht, wie so mächtige Leute, wie der Putin und der Trump eigentlich politisch agieren, wie wenn sie vor 150 Jahren agieren würden. Haben Sie nicht vorher das schöne Wort Hauptgier schon benutzt? Ja. Sicher schon, aber trotzdem. Wieso können die Leute nicht sagen, ich möchte ein großer Herrscher werden und ich stimme jetzt, ich bin der, der sich gegen den Klimawandel stemmt und das umdreht. Warum geht das nicht?

Nach uns die Sintflut. Aber ist das nicht der Wahnsinn? Nein, das ist der Wahnsinn. Es ist schauerlich. Tagelang aufregend. Wir haben noch ein Jahrhundert vor uns, nämlich es geht ja noch weiter. Wir haben 400 Jahre versprochen, jetzt müssen wir sie einhalten. Nämlich die Ausläufer dieser kleinen Eiszeit gingen ja bis ins 18. Jahrhundert hinein.

Und da kommt es zu einer gewaltigen Hungerkrise nochmal in ganz Mitteleuropa, auch in Bayern, von 1770 bis 1773. Wieder das alte Lied. Viel zu kurze Sommer, viel zu viel Regen, In Lindau ist berichtet, dass mitten im Sommer noch Schneebälle haben machen können. In der Oberpfalz sind sie Ende Mai noch Schlitten gefahren und bis zu 70 Prozent der Ernte sind ausgefallen. Brunsee ist sogar zugefahren.

Alle vier großen Flüsse, glaube ich. Nordsee, stellenweise. Alles, was man sich halt gar nicht mehr vorstellen kann. Wer glaubt, dass das ist? Ich habe noch da, dass du mitten auf der Torne einstockgeschossen hast. Also es ist einfach ausgeraufen. Aber so kann halt wie damals, möchten wir es halt auch nicht mehr haben, weil mit dem Getreideausfall, was bedeutet das?

Es gibt nicht mehr genug Brot. Jetzt könnte man halt sagen, dann isst du halt Kartoffeln, aber mit den Kartoffeln haben sie es noch nicht so gehabt. Ich habe da eine schöne Zahl gefunden, nämlich... Zu der Zeit damals hat ein Erwachsener im Schnitt 225 Kilo Brot im Jahr gegessen. Das sind über 600 Gramm am Tag.

Das heißt, das war nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sondern das Grundnahrungsmittel. Und man kann sich vorstellen, was passiert, wenn das fällt. Ja, und da liegt ja auch eine Entwicklung drin, weil damals der Fleischkonsum ja im Vergleich zu heute total zurückgefahren war. Das ist eigentlich erst eine Entwicklung, die im 19.

Jahrhundert läuft und um 1900 dann einen ersten Höhepunkt erreicht, wo tatsächlich, ich habe erst eine von euren Vorgängerzeitungen in der Hand gehabt, nämlich die Bayerische Waldzeitung, frühere Zwieseler Tagblatt, wo in der Zeitung tatsächlich 1904 drinsteht, Leute, holt euch zurück mit dem übertriebenen Fleischkonsum, weil das ungesund ist.

Aber damals haben sie nicht genug Fleisch gehabt. Jetzt, was haben die Leute gegessen? Brennnesseln, Wurzeln und, wenn es blöd hergegangen ist, Stroh. Wobei Brennissl natürlich eine feine Sache ist. Schon aber als Hauptgericht. Ja, schon. Aber Brennissl ist natürlich deutlich vitaminreicher wie der komische Spinat, den sie uns als Kinder immer rundum hingeschmiert haben sozusagen.

Ich muss da wieder Wurzel für die Brennissl brechen, weil ich ein Brennissl-Freund bin. Und das auch aus Tradition mache und aus Verbundenheit mit meinem Bruder, weil mein Bruder, der war Fürsten Storna und die haben die Klosterschwestern, die ganze Schule ist ausgerückt zu bestimmten Zeiten zur Brennnesselernte und dann ist in einem riesigen Topf der Brennnessel, eingekocht worden und halt dann zu diversen Sachen verarbeitet worden und die Brennnessel wird wie so viele andere wertvolle Pflanzen halt einfach wegrasiert und da Da muss ich jetzt noch mal einen Appell richten Leute, hört auf mit den kleinen Steingraten und mit den englischen Rasen.

Und mein absolutes Feindbild, die Gabionen. Ja, lasst das, lasst das Wiesen wieder wachsen, dann gibt es auch wieder mehr Bienen, weil die Bienen halt mit einem Löwenzahn mehr anfangen können wie mit der Gabione. Bitteschön, denkt ein bisschen nachher, jeder kann was tun gegen den Klimawandel. Und hoffentlich geht es nicht so aus wie damals in den 1770er, weil in ganz Mitteleuropa ungefähr 1 Million tode Leute, also nicht gerade Pestausmasse, aber doch mein Lieber, die Bevölkerung in Bayern ist um 6% gesunken.

Aber da haben wir wieder beim Thema, der Mensch lernt ja wenigstens ab und zu was aus der Katastrophe, nämlich sie schnallen, vielleicht müssen wir die Landwirtschaft da noch mehr verbessern, vielleicht experimentieren wir mal mit ein bisschen Dünger. Hey, diese Kartoffel, die hat irgendwie Potenzial, vielleicht probieren wir es mit der einmal.

Und, weil natürlich dann wieder die Plagen gekommen sind, Ruhe, Typhos und so weiter, weil schwaches Immunsystem durch schlechte Ernährung heißt, dass sie es euch hinausbreiten, hey, vielleicht doch ein bisschen mehr Hygiene und schauen wir uns doch ein bisschen, dass wir medizinisch ein bisschen vorankommen.

Das ist ja auch eine ganz irre Geschichte, da müssen wir mal eine Extrasendung machen, wie in München die Hygiene eingekehrt ist, weil München gilt im 19. Jahrhundert als die kranke Stadt. Weil Nürnberg hat es so viele Typhus-Epidemien gegeben und Zeug und überhaupt. Und da agiert dann der Petenkofer. Und der Petenkofer hat wirklich die blödeste Theorie des Universums.

Aber wir verraten es heute noch nicht. Wir verraten heute noch die Theorie. So nur am kurzen, also der stellt sich das so vor, dass da so Miasmen aufeinander lauern, die kommen vom Boden raus und dass man deswegen die Bodenschichten trennen muss. Und dann ist aber tatsächlich die Konsequenz gekommen, dass man gesagt hat, naja, dann, wenn das so ist, dann schauen wir halt, dass der Brunnen nicht unbedingt neben der Kanalisation groben wird dann da.

Und das sind die Anfänge der Hygiene in Bayern aus einer völlig irrsinnigen Theorie. Immerhin, das erinnert mich ein bisschen an so schnappsinnige Anwandlungen aus dem viktorianischen England, nachdem das Mikroskop erfunden war und man langsam festgestellt hat, hey, es gibt Einzeller, es gibt winzige, nicht sichtbare Lebewesen und ein paar Leute haben sich das Wasser der Thämse angeschaut und haben gesehen, da wuselt es wie die Sau da drin, das besteht ja quasi nur aus winzigen Lebewesen und was haben sie sich gedacht?

Mei, muss das Wasser gesund sein, dass die Olli so gut leben kann da drin. Eine coole Theorie eigentlich. Super. So, wir beenden die heutige Folge also in einer wunderbaren, Stimmung, aber einer unschönen Situation, nämlich Bayern nach einer schweren Hungersnot und Und in der nächsten Folge geht es dann weiter mit schrecklichen Katastrophen, nämlich einer Naturkatastrophe.

Und da folgen wir einer steilen These vom Dr. Läubel, nämlich da gründen wir mal, warum ein Vulkanausbruch in Indonesien die Karriere des vielleicht wichtigsten bayerischen Staatsmannes beendet hat. Bis dahin verabschiede mich. Herzlichen Dank, dass ihr wieder eingeschaut habt zu Ein Bayer und Ein Halber.

Herzlichen Dank, dass Sie wieder da sind, Herr Dr. Leubel und bleiben Sie bitte fit. Bitteschön, auf Wiederschauen und Pfiatzeichen. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung.

Ein Bayer und ein Halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Läubel. Konzept Dr. Richard Läubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger. Redaktion Johannes Munzinger. Produktion Anja Kurz.

Sprecherin Katharina Czava. Und Musik von ScoreSquad über Soundtaxi. Besonderer Dank an Walter Berndl.

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