
Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 13
Warum sich Bayern und Preußen hassen
Donnerstag, 29. Januar 2026 · 44 min
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Shownotes
Es ist die große innerdeutsche Feindschaft: Bayern und Preußen. Das ist wie Katz und Hund, Rausch und Entzug, Spaß und Spießertum. Aber auch wie David und Goliath. In Folge 13 des MGB-Podcasts„Ein Bayer und ein Halber – Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl“ (/ein-bayer-und-ein-halber) weht ein rauer Wind. Dabei erzählt Dr. Richard Loibl nicht nur eine Geschichte der Gegensätze und Feindschaft, sondern auch eine der Versöhnung.
Jetzt wird endlich mal Tacheles geredet. Schließlich geht es um einen uralten, tief sitzenden Hass. Vollblutbayer Dr. Richard Loibl, Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte, wird vom Halbösterreicher Johannes Munzinger direkt ins Kreuzverhör genommen. Ein Vorwurf steht im Raum: Ist Dr. Loibl, der das Bajuwarentum so hochhält und nur unter Zwang Standarddeutsch spricht, ein Preußenhasser?
Der Angeklagte bekennt sich freilich „nicht schuldig“. In seiner Beweisführung reist er zusammen mit Ankläger Munzinger durch die Geschichte der deutschen Lieblingsfeindschaft. Diese Reise beginnt in der Aufklärung, als norddeutsche Schreiberlinge die Bayern niederschrieben und sich im Norden wie im Süden Vorurteile festsetzten. Sie führt über die große Schmach der Bayern im 19. Jahrhundert, als Preußen das Königreich Bayern zum kleinen Bruder degradierte, und über die beiden Weltkriege, als bayerische und preußische Soldaten im Schützengraben zu Kameraden wurden, während daheim der Hass auf vermeintliche Kriegsgewinnler blühte.
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Dabei erzählt Dr. Richard Loibl nicht nur eine Geschichte der Gegensätze und Feindschaft, sondern auch eine der Versöhnung. Und ausnahmsweise kann sogar er dabei etwas lernen. Johannes Munzinger erklärt nämlich, woher der österreichische Schmähbegriff „Piefke“ kommt – und warum sich Bayern von ihm nicht angesprochen fühlen sollten.
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Liebe Bayern, wenn wir Österreicher wen als Biefke bezeichnen, dann ist damit nicht der Bayer gemeint, sondern das ist halt der Preis. Das ist sehr schön von euch, muss ich sagen. Und ich denke da auch immer gern zurück an Bruno Kreisky, der ja gesagt hat, wenn er in Scherding über die Grenze fährt, dann ist er noch nicht wirklich in Deutschland, sondern erst einmal in Bayern.
So wollen wir mir das hören. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und habe derre. Willkommen zurück, neues Jahr, neue Folge von Ein-Bayer-und-ein-Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel und mit mir, Johannes Munzinger. So, und jetzt wird einmal ein anderer Ton angeschlagen, jetzt wird einmal Tacheles geredet.
Jetzt ist das Fest der Liebe vorbei, Schluss mit Starterzeit, Schluss mit Besinnlichkeit. Heute geht's um Hass und um Feindschaft. Weil heute reden wir über die Preisen. Und ich fange gleich mal mit der Anschuldigung an, Herr Dr. Läubel, Sie sind jetzt der Angeklagte. Sie rühmen sich ja immer so, dass Sie Träger der bayerischen Sprachwurzel sind, dass Sie Standarddeutsch nur unter Zwang und auch dann nur mit Mühen sprechen.
Ist Ihre Weigerung, Schriftdeutsch zu sprechen, nicht ein Akt der Aufmüpfigkeit gegen die Norddeutschen? Oder ganz gerade herausgefragt, Herr Dr. Läubel, sind Sie ein Pressenhasser? Also ich weiß nicht, Herr Munzinger, haben Sie zwei Arten gegessen über die Feiertage? Oder wo kommt jetzt diese Aggressivität eigentlich her? Sie müssen ihr Leben einmal ein wenig entlasten, glaube ich, in den nächsten Tagen.
Weichen Sie meiner Frage nicht aus. Also ein Beißenhasser bin ich ganz sicher nicht, aber ich bin halt ein Bayern-Liebhaber und ich weiß natürlich aus meiner beruflichen Erfahrung heraus, dass ein Bayerisch einfach gescheit macht. Weil es ist erwiesen durch Sprachforschung, dass sich die bayerischen Native Speaker viel leichter deren.
Die Native Speaker? Ja, die Neues wirklich, ich komme gleich drauf, warum, dass sie die viel leichter lernen, Englisch zu lernen oder auch Französisch zu lernen und im Englischen gibt es ja diesen ganz besonderen Fall, dass gerade die Oberpfälzer oder die jetzt, sagen wir mal, im Weiteren, die schon über der Sprachgrenze zum Mittelbayerischen liegen und schon Nordbayerisch reden, die haben doch dieses Oh schon drin, wo man zum Beispiel halt diesen bösen Witz halt hat, wir bringen es dann den Oberpfälzer zum Bellen, indem er sagt Freibär und dann heißt es Wow, Wow.
Und das macht man sich jetzt halt bei uns ein bisschen lustig, aber in der Tatsache, in England gilt ja diese O-Aussprache als besonders vornehm und besonders englisch. Und deswegen können von allen Deutschen am besten die Oberpfälzer, Englisch lerne. Und das ist mir natürlich bewusst, deswegen mache ich meinen Anteil daran, dass ich das Bayerische erholt.
Und das ist also ganz rein bayerische Sichtweise. Da spielen Sie jetzt nicht einen Preußenhaus oder so wieder, weil mir ich einbeite. Ich bin zwar die letzten Wochen wieder etwas anderes belehrt worden, aber ich beite mir ein, dass ich auch Hochdeutsch reden kann. Beziehungsweise besser gesagt, ich kann Schriftdeutsch reden.
Hochdeutsch kann ich eigentlich nicht, weil das ist ja die nordische Aussprache und so. Aber Schriftdeutsch geht einigermaßen und Englisch, Amerikanisch geht auch einigermaßen. Das heißt, das Gegenteil, Sie sind kein Preußenhasser. Sie verschließen sich nicht vor dem anderen. Das Sprechen des Dialekts ist ein noch außen getragenes Zeichen ihrer Weltmännigkeit.
Ja, und eine gewisse Distanz schottet aber nicht gegenüber Norden. Das habe ich schon. Ja, liebe Leute, wir haben es ja jetzt schon vorgespielt sozusagen. Heute geht es um den Erzfeind der Bayern, die Preußen, beziehungsweise es geht darum, woher kommt dieses Nord-Süd-Gefälle, diese Abneigung zwischen den Volksgruppen, wo hat es seine Wurzel, wie schaut es heute damit aus?
Und also ich finde es als Österreicher ja recht lustig eigentlich, weil es ist so eine richtig perfekte Einteilung in Schwarz und Weiß, in Feuer und Eis, in oben der Steife, Nüchterne, im doppelten Wort sind nämlich nicht besoffen und ein bisschen fad, wie wir Österreicher sagen, der Norddeutsche, halt der Preis oder wie wir sagen der Biefke, und im Süden die etwas dumpfen, aber dafür lebensfrohen und oft besoffenen und irgendwie lockern Bayern.
Und jetzt meine Kernfrage. Woher kommt dieser Gegensatz? Wie alt ist der schon? Das kommt ja nur aus einer Zeit, da ist er von Bayern und Dresden noch überhaupt keine Rede. Jein, würde ich einmal sagen. Also er ist relativ jung und so die ersten, dass sie das wirklich festmachen lässt und auch schriftlich vorliegt, das passiert eigentlich im 18.
Jahrhundert. Und das ist natürlich auch die Zeit, wo diese zwei Systeme, weil es gibt ja ein norddeutsches System, gibt es schon ein süddeutsches System, da ist das herausragende halt die Religion. Im Norden ist man protestantisch, im Süden ist man katholisch mit Ausnahme natürlich, aber halt überwiegend.
Aber daraus und aus dem Brauchtum heraus und natürlich auch aus der Sprache heraus resultiert dieser Gegensatz. Vorher waren ja gerade die Verbindungen jetzt auch nicht weniger eng wie später. Gerade weil wir bei der Sprache sind, muss man ja wissen, es wird jeder Norddeutsche abstreiten. Aber diese Hochsprache, die man im Norden gern spricht, zum Beispiel in Hannover, da ist ja das Blattdeutsch völlig verschwunden, die kennen gar nichts anderes mehr.
Und die glauben ja von sich, dass dieses ganz Bereinigte, das schönste, klarste Hochdeutsch sprechen. Wo ich ja immer dazwischengrätschen muss und sagen muss, Moment einmal, Hochdeutsch ist immer noch eine geografische Angabe und wird immer noch im Süden gesprochen. Und da bin ich bei dem, was Sie eigentlich meinen, dass diese Hochsprache ja tatsächlich aus den ersten deutschen Büchern kommt, die in Augsburg und in Nürnberg gedruckt worden sind.
Und dieses erste Hochdeutsch ist tatsächlich eine stark süddeutsch eingefärbte Hochsprache, die dann quasi der Luther übernimmt, aber Luther halt dann schon diesen norddeutschen Zungenschlag eingebringt. Aber was ich eigentlich sagen wollte, da sind diese Verbindungen noch ganz stark da und sprachlich muss man schon aus bayerischem Interesse festhalten, dass das Hochdeutsche kommt von uns.
Also die Schriftsprache ist eine süddeutsche Erfindung und wir haben ja sogar, auch das muss man immer wieder mal festhalten, wir Bayern herrschen immerhin 50 Jahre über das Kerngebiet von Preußen, nämlich die Mark Brandenburg, der bayerische Kaiser, der Ludwig der Bayer. Für sich erwirbt und auch noch an seinen Sohn weitergibt. Der heißt deswegen Ludwig der Brandenburger.
Da holt man uns fest. Und dann sozusagen, heute sind ja große Teile von Preußen verschwunden, weil es Teile von Polen sind oder sonst irgendwas. Heute sagt man ja, das Rheinland, das Ruhrgebiet und so, das ist schon relativ preußisch, das Ganze. Da ist schließlich Borussia Dortmund. Genau, wobei man jetzt auch wieder sagen muss, Das sind auch Unterdrückte und Eroberte.
Die werden Anfang des 19. Jahrhunderts kommen, die zu Preußen. Aber was ich eigentlich sagen wollte, das Kerngebiet von Nordrhein-Westfalen ist das frühere Hochstift Erzbistum Köln. Und über das Erzbistum Köln herrschen 200 Jahre Bayern, nämlich die Wittelsbacher, als Erzbischöfe. Und das ist ja nicht erblich oder so, das muss quasi dann zusammenbringen, dass du immer wieder einen hinbringst.
Und das haben wir deswegen geschafft, weil wir halt so wirtschaftsstark waren und das Domkapitel immer bestechen haben können, ausreichend. Aber 200 Jahre sind da Bayern vorn dran. Was für eine Leistung. Und prägen kulturell das Land. Also die schönsten Kirchen, gut, vielleicht einmal abgesehen vom Kölner Dom, ich schaue, aber die schönsten Kirchen sind die Barockkirchen, die der bayerische Wittelsbacher Clemens August im 18.
Jahrhundert aufführen hat lassen. Jetzt haben sie am Anfang so einen guten Job gemacht, dass sie sich nicht als Preußenfeind darstellen und jetzt schleicht sich schon wieder die Preußenfeindlichkeit ein, die Kirchen sind kreislich da oben und was ich gleich beobachte, ist, die schönsten sind bayerisch auch, ja.
Und was ich gleich beobachte, ist dieses Wir. Und da komme ich zu einem Punkt, der mir wichtig ist, nämlich, ich finde das sehr spannend, weil im Norden gibt es die Stereotypen über den Süden, seit der Aufklärungszeit. Wir haben ja damals geredet, wenn wir über die Geschichte des Bayerischen Biers geredet haben, da hat es ja diesen Herrn Nikolai gegeben. Ganz ein übler Typ.
Da können Sie gleich noch mehr verzeihen, hoffentlich. Aber der hat ja eine Reise nach Bayern gemacht und hat einen Reisebericht geschrieben. Und der klingt so wie abgeschrieben aus dem Stereotypenbuch, nämlich lustig sind sie, aber blöd sind sie auch. Und zuvor sind sie meistens und knedelfressen sie. So kann man es, glaube ich, zusammenfassen.
Aber ich merke, wie dieses Stereotypen so schön ist, weil in Bayern sagt man, wir sind wir. Ja. Aber das funktioniert ja nur, wenn es nicht nur ein Mir gibt, sondern auch die anderen. Und es ist alles so schön gefestigt und es gefühlt seit Jahrhunderten unverrückbar, wie diese beiden Gruppen Deutscher sich gegenseitig sehen.
Ja, also ich habe jetzt nur historische Fakten sozusagen verkündet, aber Sie haben natürlich in einer Richtung recht. Sie haben da das Stichwort schon genannt mit dem Mir sind Mir, das ja tatsächlich aus einem massiven bayerischen Minderwertigkeitskomplex herauskommt. Und Sie haben das natürlich bewusst in Ihrer klugen Art bei mir auch herbeigeführt, weil Sie jetzt schon einmal mit den Vorurteilen sozusagen der anderen Seite gekommen sind und mich in die Verteidigungshaltung natürlich gebracht haben.
Sie sind immer noch auf der Anklagebank schließlich, Sie müssen jetzt ins Kreuzverhör genommen werden. Ja, also so schlimm wird es hoffentlich nicht werden, aber das mit dem Wir sind Wir ist ja auch eine ganz interessante Sache. Ich bin dem einmal nachgegangen, wo das eigentlich herkommt. Ich habe es nicht hundertprozentig lösen können.
Es gibt eine Wurzel, die geht nach Österreich, nämlich in eines der Habsburger Leibregimenter, die so als Schlachtgesang und so dieses Wir sind Wir auch gehabt haben. Aber wenn, dann wäre das nur entfernt eine Quelle für das bayerische Wir sind Wir. Ein Zeitzeuge, der Professor Hufnagel, Kollege Gotthauwenzelig, ist der Geschichte auch noch gegangen.
Und der hat gesagt, das ist in seinem Umfeld entstanden, weil nach dem Zweiten Weltkrieg ja sehr viele Vertriebene nach München gekommen sind, aber auch sehr viele Preisen. Und da ist diese bayerische Verteidigungshaltung dann hochgefahren worden. Und so der Kernsatz war, wir sind wir, was möchtest du denn überhaupt?
Weil die halt gesagt haben, ja, wir haben halt die höhere Bildung und was bei uns waren die vielen Städte und wirtschaftlich überlegen und bla bla bla. Und da wollte der Bayer jetzt nicht ausführlich argumentieren, sondern hat halt dann gesagt, wir sind mehr und aus. Also lange Zeit, also Frotzeleien gab es, die Stereotypen haben sich schon lange ausgebildet gehabt.
Wir haben ja letzte Folgen über Kini Ludwig, den armen Kerl, gesprochen und da ist es darum gegangen, um einen ja nicht unbedeutenden Krieg, wo ja Bayern gegen Preußen gekämpft haben. Wir sind im Jahr 1866. Kann man sagen, das ist der Zeitpunkt, wo die spöttische Abneigung untereinander wirklich in Hass umschlägt, in Feindschaft zwischen Preußen und Bayern?
Ja, ich würde mal sagen, in der Vorstufe vielleicht. Das 1866 war relativ eine kurze Episode, wo dann auch die Zahl der Gefallenen im Vergleich zu den späteren Kriegen nicht so groß war. Und wo die Auswirkungen, sage ich einmal, auf die Bevölkerung jetzt noch nicht unmittelbar so groß waren. Und für das Herrscherhaus gilt es natürlich schon, die Wittelsbacher fassen ihre Antipathie gegenüber den Hohenzollern, weil man ja, was die Außenpolitik betrifft, im Kriegsfall muss man ja das bayerische Heer dem preußischen unterstehen.
Nach der Niederlage 1866. Wir haben da ein ganz interessantes Stück bei uns im Museum, das ist eine irre Sache, vom Kammerherrn, vom Kaiser Wilhelm II., der hat eine Ordensspange gehabt, normal hat man ja die Ordensspange links so über dem Militärtauschal dran, Und der hat eine Ordenspange gehabt, der hat es schräg tragen müssen, weil die so lang war und so viele Orden gehabt hat.
Und da sind von allen deutschen Ländern und auch von den Nachbarstaaten sind da die Verdienstorden dran. Weil der war halt so wichtig, weil der die Termine halt gemacht hat. Und wenn irgendein Fürsten einen Termin beim Kaiser vermittelt hat, dann haben die einem die einen Orden hin knallt. Alles ist dabei, aber was ist nicht dabei?
Der bayerische Verdienstorden. Der bayerische Verdienstorden. Weil die Wittelsbacher haben überhaupt kein Interesse gehabt, dass sie nach Berlin fahren und mit dem Wilhelm verhandeln. Die sind da nicht hingefahren. Und da sieht man, da ist der Hass dann wirklich, da die hassen sie. Der Ludwig II. Will den preußischen Thronfolger kidnapen lassen und einspüren.
Und der preußische Thronfolger will Bayern aufkaufen und die Bayern versklaven und meistbietend verscherbeln dann. Kann man durchaus jetzt schon von richtiger Feindseligkeit sprechen, oder? Ja, das ist feindselig. Bei den normalen Leuten, da hat es, wenn ich jetzt gerade sage, ein niederbayerischer Bauer, hat in der Regel zu dem Zeitpunkt an Bayern an Preußen noch nicht gesehen.
Für den ist das fremdtümlichste Element wahrscheinlich ein Landrichter oder so, der Beamter, der aus München kommt oder so. Der auch kein richtiges niederbayerisch kann. Ja, genau. Ich würde gerne noch mal kurz im Jahr 1866 bleiben, nämlich Sie wissen ja, wie wir Österreicher zum Preußen sagen. Ja, Piefke oder besser gesagt Piefke. Genau, Sie sprechen es richtig aus, weil wir sprechen natürlich Fremdwörter richtiger aus als die Sprachen, wo es herkommt.
Und wissen Sie, woher der Ausdruck Piefke kommt? Ich habe so etwas Dunkles im Hinterkopf, aber Sie werden es mir gleich sagen, richtigerweise. Ja, Sie schätzen richtig. Und zwar Schlacht von Königgrätz, natürlich eine der großen Nationalschanden von Österreich. Das österreichische Heer unter Feldherr Benedek vernichtend geschlagen von den Preußen.
Und danach ist ein Marsch komponiert worden, Der Königgrätzer Marsch, man kennt ihn so. Das Österreicher möchte ich gar nicht weitersummen. Und komponiert hat den ein gewisser Militärmusiker mit dem Namen Johann Gottfried Piefke. Falsch ausgesprochen natürlich. Das ist eine Sensation, das finde ich super.
Und so haben wir unser eigenes Wort für den Preissen gefunden, nämlich der Piefke. Und das möchte ich auch klarstellen, liebe Bayern, wenn wir Österreicher wen als Piefke bezeichnen, dann ist damit nicht der Bayer gemeint, sondern das ist halt der Preis. Das ist sehr schön von euch, muss ich sagen. Und ich denke da auch immer gern zurück an Bruno Kreisky, der ja gesagt hat, wenn er in Scherding über die Grenze fährt, dann ist er noch nicht wirklich in Deutschland, sondern erst einmal in Bayern.
So wollen wir mir das hören. Nur eine kleine Anekdote, die vielleicht einmal schön illustriert, wie unterschiedlich die Monarchen in Österreich und Bayern waren. Wir haben ja letztens gehört, wie Ludwig II. So zu sprechen pflegte, nämlich Sonne meines Lebens, so göttlicher, nie wieder werde ich ein schrecklicher Ötes und so weiter und so weiter.
Von Franz Josef, vom Kaiser ist berichtet, wie sie ihm gesagt haben, wir haben in Königkeits ganz schön auf die Mützen gekriegt, soll er nur gesagt haben, Benedikt, der Trottl. An dieser Gelassenheit hat aber sicher sein Anteil, dass der Franz Josef zum zweiten Frühstück immer eine Quartel Spatenbräuterung hat.
Jetzt kommen wir zur richtigen Schmach der Bayern, nämlich, also nicht nur haben sie den Krieg verloren 1866, sondern ein paar Jahre später. Gibt es einen preußischen Kaiser auf einmal? Wie war das für Sie, also für Ihre Vorfahren? Das weiß ich nicht so genau, muss ich sagen. Aber ich kann es so auf Bayern vielleicht ein wenig auffächern.
Zunächst muss ich mir sagen, dass auch wenn man von oben nach unten geht, für den König, für den Ludwig war es natürlich eine Katastrophe, auf Seiten der Preußen gegen die Franzosen, mit denen er sich ja innig verbunden gefühlt hat, gerade mit Ludwig dem 14. Erzfreund damals der Bayern. Müsst man halt auch nicht mehr glauben. Genau.
Also insofern war das schon ein Wahnsinn eigentlich. Und dann gewinnt man aber auf Seiten der Preußen gegen Frankreich. Und was ist die Konsequenz, dass ein deutsches Reich gegründet wird? Eigentlich ist das ein preußisches Reich, weil die alles dominieren. Das Preußen ist ja unwahrscheinlich mächtig. Also wird dieses preußische Reich gegründet und Bayern muss da rein und jetzt wird, eigentlich war das vorher schon so nach dem 66er Krieg, aber es wird jetzt offenbar, dass man seine Selbstständigkeit eingebüßt hat.
Ist das der Ursprung, der Keim des Minderwertigkeitskomplexes vielleicht? Ja, schon auch mit. Andere Sachen, glaube ich, sind entscheidender, aber für den staatlichen Apparat, ist es natürlich schon eine harte Geschichte, dass jetzt wegen vielen Sachen halt, dass einfach viele Sachen und gerade die entscheidenden Außenpolitik in Berlin entschieden werden und nicht mehr in München.
Dann gibt es aber auch, das dürfen wir jetzt nicht vergessen, die Seite des Volkes und da waren natürlich ganz viele, haben ganz viele bayerische Soldaten, dass sie mal Kontakt zu den eigentlichen Preisen kriegt und da hat man halt festgestellt, so schlimm sind die auch nicht und umgekehrt hat man das auch festgestellt, Und man hat da zum Beispiel festgestellt, dass die Bayern mit außerordentlicher Kampfeskraft und mit Mut bei diesen verschiedenen Schlachten da aufgetaucht sind.
Also da werden von beiden Seiten so Vorurteile eigentlich abgebaut. Der Militarismus, muss ich mir jetzt auch sagen, hat bei uns in Bayern schon eine gewisse Tradition. Wir haben ja zu Zeiten Napoleons für jeden Feldzug von ihren 30.000 Soldaten stellen müssen. Und da gibt es eine schöne Episode. Am Schluss von Napoleons Zeit haben wir ja wieder einmal im richtigen Moment die Kurven gekratzt und die Seiten gewechselt.
Und da ist aus dem Aufgebot des Kaisers, die bayerischen Truppen haben sich ausgesondert und sind aber mit Ehren Stellung und mit Ehrensalut von den Franzosen verabschiedet worden. Und das sind so die großen Momente. Wir haben auch nicht so viele große Momente in der Bayerisch-Litär-Geschichte, aber das war so einer, deswegen habe ich es ja Zeit.
Und in 1871 haben wir ja in Sedan und so mit die großen Schlachten geschlagen. Unter preußischer Führung? Unter preußischer Führung, wobei man auch da wieder sagen muss, man darf diese Bilder nicht über alles stülpen. Wenn man dann in die Zeit des Ersten Weltkriegs schaut, gibt es zwei Heeresgruppen, die Heeresgruppe Nord und die Heeresgruppe Süd.
Die Heeresgruppe Süd operiert in Frankreich drüben, steht unter dem Oberbefehl vom bayerischen Kronprinzen Ruprecht. Und die Heeresgruppe Nord operiert in Russland und die steht unter dem Oberbefehl vom Prinzen Leopold von Bayern. Also wo man dann auch sieht, wenn es um die Verantwortung gegangen ist, sind die Preisen oftmals mit den Leuten ausgegangen.
Und man hat dann die führenden Köpfe seltsamerweise in Bayern gefunden, wobei es nicht seltsamerweise ist, sondern weil man halt mir auch schad ist in militärischen Traditionen. Also so wie Sie jetzt reden, das klingt ja nach einem durchaus harmonischen Miteinander von Preußen und Bayern. Ich hätte jetzt erwartet, Sie erzählen mir da, wie hier die Animositäten wächst und wie man sich richtig zu hassen lernt.
Ja, also eigentlich ist jetzt das, Sie haben es ja vorher angedeutet mit Nikolai und so, Diese Stereotypen und Vorurteile, die sind ja vorwiegend von dieser aufklärerischen Literatur. Gehen die aus und das sind die Norddeutschen immer Protestanten und die haut es zum Beispiel regelrecht um, wenn die eine frohe Leichnamsprozession singt.
Also das ist für die der Aberglaube, der perfekt nach außen getragene Aberglaube, weil sowas gibt es im Protestantismus nicht. Vielleicht auch diese protestantische, ich nenne es mal Biederkeit im Vergleich zum doch eher Ausschweifenden, zum Beispiel Alkoholkonsum des Bayern. Ich muss ja doch, ich nehme es mir jetzt raus, ich muss jetzt einen Witz verzeihen, der ich finde, die Stereotypen aus bayerischer Sicht natürlich spätisch auf die Preußen gemünzt, gut zusammenfasst.
Hofbräuhaus, mal zugeht, wie es halt immer zugeht, voll mit Touristen. Aber da ist ein Platz an einem Tisch frei und der Preis kommt rein. Und wo sitzt er sich hin? Genau neben den Bayern. Da sitzt er, hat einen Schnauzer, hat seine Lederhosen, sitzt vor dem Krog Bier und, dickmürrisch hockt er da und sauft eine. Und der Preis setzt sich hin, stocksteif im Anzug, isst fein mit Gabel und Messer natürlich nur eine Weißwurst, Nachmittag und schaut sich das Treiben an und wird immer entsetzt von dieser Argie, die sie da abspielt und sagt dann irgendwann zu seinem Nebenmann Also wissen Sie, bei uns im Norden trinken die Leute ja nur, wenn sie durstig sind.
Und der Bayer schaut nach und sagt nur naja, wir ist Vieh. Das ist ein böser Witz, aber das ist jetzt zum Beispiel so ein Themenbereich, wo sich auch der Konflikt sozusagen formiert, weil die Folge von diesem 1871 Deutschen Reich ist, dass viele Vertreter der preußischen Wirtschaft nach Bayern kommen.
Ich meine, das hat wunderbar der Ludwig Thoma eingefangt, also der Vertreter vom chemischen Düng sozusagen, Düngemittel. Die wollen jetzt die Bayern da belehren und halt schauen, dass die den letzten Ertrag da rauskriegen. Und das ist sowas. Die bayerische Wirtschaft ist nachhaltig noch zu der Zeit. Und jetzt kommen die Preisen und schmeißen die Chemie da ein.
Haben wir da schon im 20. oder noch im 19. Jahrhundert? Im 19. Jahrhundert. Also das ist alles so nach 1871. Und da schreibt er auch, das ist auch die Zeit, über die der Thomas dann schreibt, die gute alte Zeit, wie man gesagt hat. Ein bayerisches Amtsgericht, wo die Madln noch Resch waren und die Burmen anständig und das Bier noch brauen.
Wo du anständig mit 40 einen Herzinfarkt kriegst, dann warst du nicht in Bedrohung. Da gibt es doch diesen schönen Vorspann von dem Lohmeierstücken. Amtsgericht Bayern. Zurück zum Dungdantler ausbreiten. Und das waren dann sozusagen jenseits der Kriegserlebnisse, die insofern positiv waren, weil sich halt da Kameradschaft zwischen Nord- und Süddeutschen auserkristallisiert hat, gibt es jetzt diese Seite, wo man halt sagt, jetzt kommen diese Scheiß-Gscheithaferl daher und wollen uns erzählen, dass wir so wie wir wir wirtschaften, dass du halt, einen Dung im Stall holst und das da raus sie fast an den Misthaufen und jetzt wird das alles nichts mehr werden, jetzt müssen wir die Chemie einschmeißen.
Also da ist von bayerischer Seite das Stereotyp bräuchisches Gescheithaufen, das aber trotzdem vom Kern der Sache nichts versteht. Wunderbare Szene bei Ludwig Thoma, wo ein aus Norddeutschland stammender Beamter im Stall steht und dann über ein Rindviech, das da drin ist, sagt, diese Kuh hat ein schönes Alter.
Und der Bauer sagt, na dann langst du mal hin und melkst einmal da und wirst schon sehen, wo es da rauskommt. Weil es ja keine Kuh war, sondern ein Stier. Und also das ist wie gesagt, schön. Stereotyp, Preisen. Ist ja auch das ja Gegensatz Land und Stadt dann gleich. Auch, ja genau. Also große Klappe, Mords auftreten, aber eigentlich nichts dahinter.
Und halt einfach ganz fremd und ganz anders. Ganz anders. Thema wir sind. Ja genau. Genau. Und es gibt aber übrigens, das kann jetzt da auch schön überleiten, es gibt von diesen Aufklärern, die jetzt wirklich kein gutes Haar lassen an Bayern und auch ignorieren, dass es eine katholische Aufklärung gibt.
Es gibt nicht nur evangelische, sondern auch katholische. Also das wird aber wirklich ignoriert. Und die hassen vor allen Dingen das religiöse Brauchtum und sagen, die Bayern sind alle blöd, weil sie nicht in die Schule gehen und keine gescheite Ausbildung haben, wo ein bisschen was dran ist, weil die höheren Schulen bei uns ganz langsam, erst ins Land gesickert sind. Ich erzähle immer die Geschichte, Borische Wald, erste Gymnasialgründung Zwiesel 1964.
Das ist ziemlich spät. Also da ist was dran, weil man vom System her, das Bayern ist noch eher eine agrarische Gesellschaft mit Industrieinseln und das Preußen ist schon eine Industriegesellschaft. Und nur, ich habe mir da zwei Zahlen schnell aufgeschrieben und mitgenommen, 1907 hat Preußen 1,2 Millionen Betriebe.
Bayern hat 290.000. Das ist durchaus ein wirtschaftliches Gefälle hier zu spüren. Preußen hat 6,3 Millionen Industriebeschäftigte. Bayern hat 1 Million Industriebeschäftigte. Also da sieht man auch, was das für eine riesen Großmacht war. Und das war halt auch David gegen Goliath. Und der Bayer ist aber dann so, ich glaube das ist schon so ein Charakterzug, dass man eigentlich lieber auf der Seite von den Kleinen ist, aber dann unwahrscheinlich bistig sein kann und auch widerständig sein kann. Wadlbeißer, wie du das sagst. Ja, wadlbeißerisch.
Und das schaut man sich schon bis zu einem gewissen Grad an, aber dann springen zuerst einmal die unsichtbaren Taschenmesser in der Hose auf. Und dann werden wir schon schauen, wo du battlen musst. Genau, dann geht das dahin. Und dann machen wir die Beißen auch noch katholisch. Ja, was manchmal vorgekommen ist übrigens, aber eher in die österreichische Richtung, weil Österreich war auch dem Protestantismus sehr nah und das hatte ich wohl da aufgehört, wo dann ein Habsburger eine bayerische Prinzessin keiratet hat, also wirklich.
Aber ist das schon die Zeit, weil es gibt ja den berühmten Ausdruck des Saupreisen, den sagt man halt leicht vor sich, wir sind eher mit so einem Schmunzeln, aber es gibt ja eine Zeit, wo die Betonung wirklich auf der Sau gelegen ist. Der Saupreis ist eben das, da kommen die Vertreter und Schafteln umeinander, und wollen vor allen Dingen halt das Schweinefleisch nach vorn bringen.
Bayern war eher auf die Rinderzüchtung aus und das ist ja dann der Saupreis, der einfach sein Zeugverkauf, sein Sauverkaufen will, das Saufen und das Sautung und das ist das. Und das Ganze kriegt dann im Ersten Weltkrieg wieder zwei Seiten, die wir eigentlich schon gesprochen haben. Also auf der einen Seite kommt man sich im Krieg näher, und hat jetzt diese bayerischen Oberbefehle, sagen wir, plötzlich.
Gibt es ein wunderbares Dokument, auch im Museum der bayerischen Geschichte, es hat ja so Kriegskarten gegeben, weil es auch noch im Ersten Weltkrieg war da nicht jeden Tag ein Gefecht. Die haben sich ja auch wieder in die Graben gelangweilt, weil wo und lang nichts los war. Also haben die Karten gespielt. Es ist damals der Schafkopf, populär geworden, gegeben hat es noch schon früher.
Und das fördert man auch und gibt dann die Soldaten halt die Schafkopfkarten aus. jedes Jahr Sonderkarten. Und bei der Karte 1918 hat man den, weil die Könige im Spiel, da hat man reelle Gestalten hergenommen. Die höchste Karte war der Schöhnkini, das war der Kaiser und dann der andere Kini war der König von Bayern und so weiter, Baden und Württemberg und was weiß ich.
Und da haben die noch vor Kriegsende, haben die aus dem Kartenblatt den Wilhelm II. Rausgenommen, und haben ihn ersetzt mit dem schon genannten Prinz Leopold von Bayern, weil die einfach alle miteinander, alle Deutschen wollten, dass der Krieger jetzt endlich aufhört und zutraut haben sie das nicht dem Willi, sondern zutraut haben sie es einem bayerischen Prinzen, weil er ja auch diesen Sonderfrieden mit Russland von Bresst-Litovsk ausgehandelt hat.
War es dann nach dem ersten Weltkrieg vorbei mit dem Kaiserreich? Jetzt hat sich Bayern zumindest, was das Monarchische angeht, nicht mehr unterordnen müssen. Wie war denn das Verhältnis dann von den Bayern und den Preisen? Das ist noch schlimmer geworden, muss man dazu sagen, weil in der Weimarer Republik, die mag sehr demokratisch gewesen sein, aber sie war total zentralistisch.
Also wir haben ja vorher, also ich sage immer, wir halt, Sie sehen, die identifizieren mich. Ich kann aber auch in wissenschaftlicher Distanz wieder zurücktreten, Aber da muss ich jetzt wirklich sagen, wir haben ja schon im Kaiserreich diverse Rechte verloren oder einfach aufgrund der Lethargie der Wittelsbacher nicht wahrgenommen.
Das muss man auch sagen. Der Ludwig III. ist eine Pfeife, der da dran ist. Aber man hat immer noch sozusagen sein Eigenleben gehabt. Und das Eigenleben, die Eigenrechte, die da sind, die werden von der Weimarer Republik kassiert. Also die ist total zentralistisch. Das führt zum Wartlbeißer-Reflex, den Sie schon angesprochen haben, wo man quasi sagt, wir setzen, also in Berlin haben da damals die Sozialdemokraten regiert und in Bayern hat man dann gesagt, wir setzen diesem Sozi-Saustoll die Ordnungszelle Bayern gegenüber.
Was eine sehr erfolgreiche Maßnahme war, weil die ganzen Nazis und Prä-Nazis hat man sich damit ins Land gezogen sozusagen. sagen. Und also da ist der Gegensatz militant und es gibt da bayerische Ministerpräsidenten wie den K. Die erste passende Gelegenheit, wenn man geliebt hätte, sich selbstständig zu machen, die sich aus der Weimarer Republik verabschiedet haben.
Das war nicht gut für das Land, was da abgelaufen ist, muss man sagen. Aber dadurch verschärft sich dieser Gegensatz, der aus dem Ersten Weltkrieg schaut, bis sie da ist, weil man nämlich gesagt hat und nicht zu Unrecht. Dass man von dem Ersten Weltkrieg vor allen Dingen in Norddeutschland profitiert hat.
Logisch, weil da die Rüstungsindustrie ist. Ich sage nur... Die liefern die Waffen und die Bayern das Menschenmaterial, wie man sagt. Dieser wunderschöne Ausdruck. Und die Nahrungsmittel. Und man sagt halt dann, verdammt, wir haben es selber nicht frei. Und jetzt wissen wir, das Name sehen wir es jeden Tag, die Nahrungsmitteltransporte nach Norden.
Und da ist wunderbar zu sehen, weil es gibt zwar auch schon die Karikatur, Es gibt das Vorurteil der Preußen gegenüber Bayern, dass er sagt, die Bayern schwelgen, fressen, saufen und geben da wohl nichts her. Wie schon immer? Geben nichts her für die armen deutschen Landsleute. Und umgekehrt ist die Karikatur, dass eine preußische Familie, die als Touristen in Füßen sind, dass die fressen und saufen, wo es hergeht.
Und draußen stehen die notleidenden Bayern und schauen durchs Fenster ein. Also genau, quasi zusammenpassend die Geschichte. Und also da entsteht dann tatsächlich richtiger Hass, der wird ein bisschen abgemildert, oder wird tüchtig abgemildert, muss man eigentlich sagen, durch die Kriegskameradschaft gibt es wunderbare Geschichten, dass die preußischen Generäle kommen und die Soldaten fragen, wie es euch geht.
Und der bayerische Soldat sagt ein frisches Boersegel, warte mal nicht schlecht, weil ich in dem Alten schon drei Löcher drin habe. Und der konsternierte preußische General dann da steht und sagt, wir haben irgendeinen Dolmetscher, der wir jetzt, aber nicht bösartig. Sie haben jetzt schon die Nazis angesprochen, es kommt ja dann nach dem Kaiserreich und der Weimarer Republik die scheußlichste Variante des Reichs.
Totaler Krieg. Es gibt jetzt wieder ein geeintes Deutschland, eine Nation und so Blut und Boden und so weiter. Ist da noch was zu spüren oder ist da in dem Fieberwahn des Faschismus überhaupt, wird das Adapter gelegt, dieser Preußen-Bayern-Gegensatz? Also unterschwellig ist das schon da, obwohl man natürlich sagen muss, dass ja der NS von München ausgeht, ganz klarerweise.
Wir haben zwar den Hitler 23 weggesperrt, aber in Luxushaft und nur kurze Zeit. Also mir hätte man die Chance gehabt, dass man das eigentlich, bevor es überhaupt losgegangen ist, unterbinden. Aber das fällt natürlich jetzt in der Bevölkerung draußen schon auf, dass da viele Norddeutsche, übrigens auch viele Österreicher da drin eine Rolle spielen.
Unter anderem der österreichische Adolf Hitler. Genau, ja. Die sich aber, wenn Sie da dran denken, die sich schon raffiniert gemacht haben, weil in seiner Anfangsphase, wo man Norddeutschland noch nicht so im Sinn gehabt hat, da rennt er ja auch in der Lederhose aufeinander und gibt sich alpenländisch und so weiter.
Das ändert sich dann später. Aber man hat also unter der Bevölkerung hat man das schon wahrgenommen, dass jetzt da ja dieser preußische Zungenschlag da auch einkehrt, dieses Schnarren, was der Süddeutsche nicht mag. Es mögt sich genauso wenig, wie man es mir mögt. Und das hat mir vorher auch schon die Wittelsbacher vorgeworfen, dass die plötzlich mit dem Wilhelm Zweibat aufeinander rennen.
Das sind so die Kennzeichen, wenn man sagt, hey, es passt euch da, das wollen wir nicht, weil wir sind wir. Und also insofern ist das zumindest unterschwellig vorhanden und ganz nach oben kommt das wieder nach dem zweiten Weltkrieg, weil dann können die Reflexe am schönsten in Österreich nachzuvollziehen, da ist er am reinsten, Da der Reflex, dass die Wiener jetzt plötzlich wieder Dialekt trennt.
Das war in Wien schon abgekommen, weil man sich von den Deutschen abgrenzt. Von die Piefke. Von die Piefke und weil dann natürlich auch diese Legende kommt. Aus Österreich. Ja, wir waren eigentlich gar nicht dabei, wir sind besetzt worden und die, die am Heldenplatz jubeln, sind lauter eingefahren. Alle waren plötzlich im Widerstand gewesen. Freilich, ja, genau.
Und in Bayern ist das aber auch so ein ähnlicher Reflex, dass man jetzt sagt, ja, wir haben mit dem ganzen Scheiß eigentlich nichts zu tun. Wir sind besetzt worden und gezwungen worden und aber, wie gesagt, keine Nazis. Es war überhaupt keiner. Es war erstaunlich, wie überhaupt. Es waren nur null Nazis plötzlich.
Es muss ein Volk von Widerstandskämpfern gewesen sein. Wahnsinn, wie sich diese Handvoll Faschisten durchsetzen haben können. Es ist wirklich unerklärlich. Aber man kann es ein bisschen doch verstehen, dass halt jeder sagt sozusagen, nein, wir wollen es nicht. Das zieht dich halt selber ein bisschen raus aus der Chance.
Es sind ja dann viele Preisen nach Bayern gekommen, auch aus Fluchtgründen zum Teil, auch viele Schlesier nach Bayern, haben dann auch da Beämter besetzt natürlich, weil es muss ja viel neu besetzt werden, es sind ja viele gefallen. Und ich habe ein Spottgedicht gefunden, es ist unbekannt, vor wem es geschrieben ist, soweit ich das, Sirk, entstanden relativ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern.
Das heißt, Lobgedicht für die Preußen. Gewidmet den tapferen Preußen für ihre dankbare Hilfe in Bayern. Und auch da wird sich lustig darüber gemacht, dass am Schluss keiner ein Nazi gewesen ist. Da heißt es nämlich, Unsere Farbe ist blau-weiß, unser Feind, das ist der Preis. Ob aus Schlesien, aus Berlin, keiner hat Heil Hitler geschrien.
Keiner war Parteigenosse, doch jetzt haben sie die große Gosche. Nie waren sie bei der Partei, schallt durchs Land nun ihr Geschrei. Und sie sagen treu und bieder, wir waren früher Logenbrüder. Ja, das ist ja genau auf den Punkt gebracht, was ich vorher gesagt habe. Von der eigenen Seite sozusagen die Schuld weggeschirmen. Es hat schon Erscheinungen gegeben.
Es gibt ein sehr schönes Gedicht von Max Peinkofer, der sich darüber lustig macht, dass die ganzen Preisen in den Bayerischen Rundfunk so einsickern und dass plötzlich kein Süddeutscher Anlaub mehr erlaubt ist. Also das hat diesen Hintergrund, dass es gibt so eine Theaterordnung für korrektes Hochdeutsch, die irgendwie aus der Zeit 1870 ist.
Und die hat man tatsächlich dann nach dem Krieg den Rundfunkmitarbeitern vorgeschrieben, um ja, einen Dialekt da rauszubringen. Aber es ist ja mit dem Zweiten Weltkrieg nur eine grundsätzliche Umwälzung gekommen. Vorher haben wir diese kulturellen Unterschiede gehabt und in der Mentalität. Da gibt es den Preißen im Norden, Eis und unten im Süden das Feuer der Bayer.
Und jetzt noch im Krieg ist plötzlich eine West-Ost Unterscheidung, die nicht mehr wirklich kulturell und mentalitätsmäßig, sondern politisch begründet ist. Im Westen der kapitalistische Wessi, im Osten der kommunistische Ossi. Hat da Bayern-Preußen diese Animosität, dieser Gegensatz überhaupt nur einen Platz gehabt?
Also politisch auf alle Fälle, das sieht man ja auch, dass man das schon gepflegt hat, dass die CSU sich natürlich schon als eine bayerische Partei da immer wieder in Szene setzt. Bis heute ja. Bis heute und das als Kampfmittel entsprechend verwendet. Zum Teil ganz klug, weil man halt auf die Art und Weise seiner eigenen Benachteiligung halt immer was raushält.
Das ist ein Reflex, den gibt es im Innerbayerisch. Die Franken sind der Meister, die eigene Benachteiligung immer nach vorne zu bringen und dann entsprechend Zuschüsse da herauszuziehen. Also insofern ist das da. Persönlich kann ich da eine Anekdote erzählen, weil man natürlich schon in meiner Jugend oder Kindheit, in die 70er Jahre, hat man schon natürlich ein Problem gehabt, dass diese Animosität gegenüber den Preisen schon noch da war.
Dass halt einmal der Vater gesagt hat, der Saupreis oder so Geschichten. Und bei uns ist dann plötzlich eine Familie zugezogen. Das war im kleinen Hängersberg so eine Sensation, dass da einer zugezogen ist sozusagen. Das war nicht so häufig. Das ist dann erst mit den Gastarbeiter gekommen. Da haben wir also ein urbayerisches Relikt natürlich im Django Asyl hervorgebracht.
Aber da war es so, dass man gesagt hat, das ist jetzt einer, der redet so komisch hochdeutsch, das muss eigentlich ein Preis sein. Und dann. War einer von meinen Freunden hat dann gesagt, ja, aber mein Vater redet ja auch so, das muss dann eigentlich doch auch ein Preis sein. Aber der ist immer schon da gewesen, ich kenne den nur so. Und da hat man dann gesehen, ja, also so ganz kannst du diese Klischees jetzt nicht mehr umsetzen.
Da geht es ein wenig hin und her Ich habe auch schon immer das Gefühl gehabt, ich bin ja kein Kind der 70er, sondern der 90er und der Nullerjahre und, Wann der Bayer auf den Preis schimpft, dann auch wie der Österreicher über den Beef geht, dann eher so aus historischem Pflichtbewusstsein, so ab und zu muss dann aus sich hauen.
Richtige Feindseligkeit spüre ich eigentlich nicht mehr. Nein, es ist auch so, also wie gesagt, ich kenne Schanner, die Vorbehalte. Und das hat sich bei uns stark mit der Sprache verbunden. Wir haben einen Deutschlehrer gehabt am Gymnasium in Niederöder. Und der hat von uns verlangt, die anderen nicht. War völlig gewusst, wie du jetzt da geredet hast. war eine sehr liberale Klosterschule und der hat aber plötzlich von uns verlangt, dass wir Hochdeutsch reden.
Standarddeutsch. Und dann hat der mit uns den ganz wunderbaren Hauptmann von Köpenick gelesen, der eigentlich eher ein Bayer ist. Also der Hauptmann von Köpenick muss bayerische Wurzeln gehabt haben, behauptet jetzt einmal, weil er so schön widerständig ist und auch raffiniert. Und der hat mit uns das gelesen, was uns eigentlich recht gefallen hat.
Aber dann hat er einer verlangt, dass wir mir diese Zitate des Berlinerischen da entsprechend bringen und dann ist die ganze Schulklasse umgeschwappt und dann ist der Hauptmann von Köpenick im Unterricht simultan ins Bayerische übersetzt worden. Und da haben wir dann schon gesagt, dieser Saubreiß, dieser Greisliche, was beizient der überhaupt ein?
Nur das Schlimme war dann auch, dass sich der als Münchner empuppt hat, der eigentlich noch Dialekt hätte sprechen können, aber halt jetzt hat uns dieses, Standarddeutsch, Norddeutsch angehaucht, vermitteln wollte. Also da hat es das jetzt noch gegeben. Ansonsten muss ich sagen, in meiner beruflichen Erfahrung, ich bin ja viel unterwegs und komme viel, weil das eigentliche Preis gibt es ja gleich nicht mehr. Das ist ein großer Teil.
Das eigentliche Bayern auch nicht. Das eigentliche Bayern gibt es eigentlich schon. Wir sind vom staatlichen Kern her sehr fest seit, 1.500 Jahren und in der neuen Form mit Franken und Schwaben immerhin auch schon seit über 200 Jahren fest. Aber Preußen ist ja als Staat verschwunden. Da ist ja nur noch das Rest, also auch erst seit der Wiedervereinigung, dass halt das Brandenburg wieder dabei ist. Aber das ist auch nicht ganz Preußen, das war riesig.
Aber man kommt halt schon mit den Leuten zusammen, die man mir so großzügig auch unter Preußen subsumieren würde. Zum Beispiel die Rheinländer dann. Ich habe viele rheinländische Kollegen, wo ich aber dann im Gespräch festgestellt habe, Mensch, es ist ja, die haben ja genau denselben Humor wie mir. Es gibt es ja eigentlich gar nicht.
Und dann haben wir das selber ein wenig zusammengereitet und gesagt, das sind lauter Katholiken. Und dieser besondere Humor hängt schon stark mit dieser katholischen Lebenswelt zusammen, die jetzt bei euch, bei den ganz Jungen stark im Hintergrund treten ist. Aber bei uns natürlich schon da ist. Und da ist bei diesen internationalen Zusammenkämpfen, ist dann eins zu bemerken und das ist für mich immer faszinierend, dass sie ganz selbstverständlich, ohne dass du es jetzt wirklich hundertprozentig weißt, wer sich zusammentut in diesen Gremien, sind die Österreicher, sind die Bayern und sind die katholischen Rheinländer.
Und da sehen wir es dann noch und das ist nicht super. Schlussplädoyer, Sie als Angeklagten und als Vertreter des Bayern-Tums an sich ist der Preußen-Hass überwunden, der Preußen-Hass ist überwunden, würde ich sagen aber wenn man brauchen kann, schadet es nicht wenn man darüber weiß und ich ende noch mit einer persönlichen Anekdote, ich habe neulich meine Tante gefragt die ist ganze Österreicherin wie er sie denn zu der Biefke steht und sie hat gesagt, im Grunde ist ja noch keiner negativ aufgefallen, Außer im Urlaub, da stören sie. Und dann habe ich nachgefragt, woran das liegt.
Ah, weil im Italienurlaub, wenn die Österreicher in der Früh ihr Liege besetzen wollen, verbotenerweise, dann war der Biefke schon da. Oder sein Handtüchel. Genau. In diesem Sinne, vielen herzlichen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet und zurückhaltet habt, liebe Leute. Dann bleibt mir nichts anderes mehr zu sagen, als bis zum nächsten Mal.
Wir kommen wieder und bis dahin, wenn ihr es am Preissen seht, seid freundlich. Servus, pfüat euch. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung.
Ein Bayer und ein Halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel. Konzept Dr. Richard Läubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger Redaktion Johannes Munzinger Produktion Anja Kurz Sprecherin Katharina Czava Mundmusik von ScoreSquad über Soundtaxi Besonderer Dank an Walter Berndl.