Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 15

Warum Josef Hader übers Kinderfressen lachen kann

Donnerstag, 26. März 2026 · 46 min

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Shownotes

In seiner Heimat ist er eine Kabarett- und Schauspiel-Legende, im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Österreicher überhaupt: Josef Hader. In Folge 15 des History-Podcasts „Ein Bayer und ein Halber (pnp.de/podcasts/ein-bayer-und-ein-halber)“ hat ihn Johannes Munzinger zu Gast. Gemeinsam reflektieren sie über die Unterschiede zwischen bayerischem und österreichischem Humor. Sie erkunden die historische Entwicklung der Satire und bedeutende Figuren wie Jonathan Swift und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Hader spricht außerdem über die Herausforderungen moderner Satiriker und die gesellschaftliche Relevanz von Humor.

Die Katastrophe ist eingetreten. Dr. Richard Loibl musste seinen monatlichen Auftritt im History-Podcast „Ein Bayer und ein Halber“ aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Aber er konnte noch einen (fast) adäquaten Ersatz organisieren. Immerhin: Derjenige, der diesen Monat Dr. Loibls Platz im Studio einnimmt, ist auch Träger der Bayerischen Sprachwurzel und damit ausgewiesener Verfechter des Dialekts. Aber: Er ist kein Bayer. Willkommen also zur ersten – und hoffentlich einzigen – Folge von „(K)ein Bayer und ein Halber – Historische Zeitreisen ohne Dr. Richard Loibl“.

In seiner Heimat ist er eine Kabarett- und Schauspiel-Legende, im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Österreicher überhaupt: Josef Hader gibt sich die Ehre. Zusammen mit MGB-Redakteur und Halbösterreicher Johannes Munzinger nimmt er sich im Podcast eines ernsten Themas an: Humor. Zu zweit erkunden die beiden die vermeintlichen Eigenheiten und Unterschiede des bayerischen und österreichischen Humors, die Geschichte des Kabaretts und die Bedeutung der Satire als Mittel der Auflehnung gegen die Obrigkeit.

Im Gepäck hat Johannes Munzinger einige steile Thesen. Zum Beispiel: Ist der Hofnarr, der ursprünglich quasi ein lebendes religiöses Symbol war, nicht der legitime Vorfahre des Kabarettisten? Dabei erklärt Josef Hader, warum der Schelmenroman „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ auch nach über 450 Jahren wichtig und lustig ist. Außerdem verrät Hader, warum man ihn in manchen kroatischen Orten für den Dorftrottel hält – und warum ihn ein Text über die wirtschaftlichen Vorteile des Kinderfressens zum Lachen bringt.

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Also ein Niederbayer kann über einen Witz von den Oberbayern wahrscheinlich selten lachen. Der österreichische Humor, da gibt es den Unterschied zwischen einem Wiener Krantler und einem Tiroler Skilehrer. Also die Begriffe sind zu groß für einen Humor. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern.

Guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und HW Derre. Willkommen zurück zu kein Bayer und ein Halber. Und ihr hört es schon, das Undenkbare ist passiert, die Katastrophe ist eintreten. Der Dr. Läubel kann halt nicht. Der ist kurzfristig ausgefallen. Und jetzt habe ich mir gedacht, scheiße, was machen wir jetzt?

Verdammt, wissen Sie einen Satz? Und er hat gesagt, keine Sorge, ich habe wen. Der ist zufällig in der Gegend, der ist wie ich, Träger der bayerischen Sprachwurzel. Und dann machen sie es halt mit dem. Und ich habe mir gedacht, wunderbar. Weil irgendein Bayer braucht es und steht dann, wie vom Donner gerührt, fest, der Mann ist Österreicher.

Gut, in der Notfrist hat er viel Fliegen, habe ich mir gedacht, dann nehmen wir heute den Österreicher heute bei mir zu Gast, ein gewisser Moment, Josef Hader, grüß Gott, Herr Hader. Ja, wir Kabarettisten haben nichts zu tun am Nachmittag, wir sind da völlig in einem Loch, in einem existenziellen, weil wir haben eigentlich erst Sinn ab 20 Uhr, vorher haben wir keinen Lebenssinn und ich mache alles, was irgendwie geht, um diesem schwarzen Loch zu entrinnen, dass ich eigentlich untertags am besten eigentlich in einem Hotelzimmer sein soll, den verdunkelten.

Und schlafen. Sie merken es an der Launigkeit, mit der unser Gast hier auftritt. Der Mann ist vom Beruf jemand, der andere zum Lochen bringt. Es ist Koketterie beiseite. Der vielleicht bekannteste lebende Österreicher neben David Alaba im deutschsprachigen Raum überhaupt. Kabarettist, Schauspieler, Autor, Regisseur, Held meiner Jugend, Josef Hader.

Also selten habe ich das Habe-Dere so wortwörtlich gebraucht wie heute. Wirklich danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Man muss immer vorsichtig sein, wenn wer sagt Koketerie beseitigt, kommt sofort die nächste Koketerie. Das weiß ich selber aus Erfahrung. Ich habe es schon angedeutet, ich habe es laut gesagt, Sie sind Träger der bayerischen Sprachwurzel.

Sie reihen sich ein in eine illustre Runde aus einem Papst, einem Haufen anderer Kabarettisten, ein paar Politiker, Dr. Richard Läubel und Armin Assinger. Sie sind der zweite Österreicher, der diesen Preis bekommen hat. Siehst du das? Nach Armin Assinger, das heißt was. Wie konnte das passieren? Warum kriegen Sie einen Preis? Das weiß ich nicht.

Also so Preise sind, der große Gerhard Bolt hat gesagt, jeder Preis sucht unerbittlich seinen Träger. Und wie der zu einem findet, das weiß man nie. Man darf es ja nicht giften, wenn man keinen kriegt, weil es ist wirklich nicht abhängig von Leistungen, sondern weiß ich nicht, vom unerforschlichen Schicksal oder auch von der Tatsache, dass Gott will suchen und keinen besseren finden.

Das muss man auch immer einkalkulieren. Und ein klingender Name ist wahrscheinlich auch nicht schlecht. Ja, sicher. Unbekannte kriegen das so selten. Das finde ich auch schade. Es gäbe so viele Leute, ich kenne einige Leute, die viel mehr einen Preis verdient hätten wie ich, aber das kennt sie keiner.

Jetzt fehlt uns heute natürlich die historische Expertise vom Dr. Läubel. Das Gute ist, Herr Harder hat mal Geschichte studiert. Ich bin abgebrochener Historiker und als solcher wahnsinnig fanatischer Historiker und unglaublich kompetent, weil ich. Und seit ich das Studium abbrochen habe, ganz viele historische Bücher gelesen habe.

Das heißt, wir werden heute unser geballtes Halbwissen hier aufeinander prallen lassen. So machen wir das. Ein Thema, das natürlich Sie aufdrängt, ist Österreich und Bayern. Österreichischer Humor und bayerischer Humor. Darüber wollten wir heute eigentlich zu dritt reden, auch mit dem Dr. Läubel. Sie haben jetzt einen bayerischen Sprachpreis gekriegt. Sie spielen unheimlich viel mit Dialekt. Sie spielen verschiedene Rollen, die sich oft auszeichnen und erkennbar sind dadurch, dass sie einen bestimmten Dialekt haben.

Welche Rolle spielt der Dialekt für Ihren Humor? Natürlich einmal einen großen, weil der Dialekt einen völlig anderen Rhythmus hat wie die hochdeutsche Sprache. Und ich glaube, weil es gerade den Dieter Hildebrand zitiert hat, dass auch der Satz von Erben stammt oder vom großen Gerhard Bolt. Da bin mir nicht sicher, oder die zwei haben es in einer Nacht, wo sie getrunken haben miteinander, gemeinsam befunden, nämlich, dass wer ein Dialekt zur Verfügung hat, so einem bayerischen oder österreichischen, dass der den Vorteil hat, dass er ganz unangenehme Sachen sagen kann in einem Kabarettprogramm oder sonst wo.

Und es klingt nicht so kreativ, Das nimmt dem Ganzen ein bisschen das Tragische her. Ja, man kann sich viel weiter auslehnen, inhaltlich. Siehst du, Ausselaner heißt das Wienerisch. Ich habe gezögert, bin auf Hochdeutsch ausgewichen, weil ich wollte Lerner sagen, aber ich denke, das verstehen sie doch gar nicht.

Und Lerner wäre wieder kulturelle Aneignung. Aber jetzt bleibe ich beim Österreichisch. Ich bin ja Ostösterreicher, wir sagen Lerner. Also man kann sich weiter auslehnen, wenn man einen warmen, gemütlichen Dialekt hat, kann man die böseren Sachen sagen. Laut einer von den zwei oder beiden. Und das stimmt natürlich. Das heißt, wenn ich schreibe, ein Kabarettprogramm, dann behandle ich das fast ein bisschen wie ein Musikstück.

Das heißt, ich sitze da und rede immer halblaut mit. Darum ist das Schreiben im öffentlichen Raum so schwer. Vor allem, wenn es nicht die Nischen ist von einem Kaffeehaus, sondern ich habe auch schon geschrieben in irgendwelche italienischen oder kroatischen Dörfern, weil ich ganz gern wohin fahre. Wenn mir nichts einfällt, weil mir denkt, wenn ich wo fremd bin und extra hingefahren, dann fällt mir leichter was ein.

Und dann bin ich schon in kroatischen Dörfern gesessen und habe die ganze Zeit vor mich hingeredet und habe in ein Buch hineingeschrieben und da war ich dann der Dorftrottl nach ein paar Tagen, weil sie sich gedacht haben, das ist ein ganz seltsamer Mensch. Also das Mitsprechen, auch das Lautsprechen, wenn ich daheim bin vor dem Computer, Wenn ich so ein Programm schaue, ist es ganz wichtig, weil letztendlich lebt so ein Programm nicht nur vom Inhalt, sondern auch stark vom Rhythmus oder eigentlich weiter kann man sagen von der Musik.

Wenn einer allein auf der Bühne steht, wie in meinem Fall, ist es ganz wichtig, dass das eine Musikalität hat und die Musikalität kommt durch den Dialekt. Ich erinnere mich an einen wahnsinnig befremdlichen Moment, nämlich ich habe mir damals, das ist jetzt 20 Jahre her, angereizelt, wann tritt Josef Hader im Fernsehen auf und ab und zu war er dann mal im Scheibenwischen.

Und auf einmal spricht der Hochdeutsch und es knirscht im Ohr, wenn man die bekannten Nummern plötzlich in einer anderen Sprache hört. Das ist auch nicht gut. Man soll sich nie ein Fernsehen anschauen von mir. Ich mache inzwischen eh schon lang gar nicht mehr, aber die alten Sachen, es ist grauenhaft.

Erstens bin ich nichts für so Fernsehauftritte, weil ich diese kurze Form nicht mag und immer ganz verkrampft war. Und zweitens war es dann immer gefordert, dass man halt so redet, dass in ganz Deutschland die Leid verstehen. Und das ist was anderes, als wenn man live spielt. Weil wenn man live spielt, dann weiß man zum Beispiel, man ist in Berlin und man weiß, da sitzen Österreicher drinnen, da sitzen vielleicht auch Bayern drinnen, vielleicht sogar Schwaben, alle die kommen, die zu einem österreichischen Kabarettisten kommen und es sitzen Berliner drinnen.

Aber es sitzen nur so Berliner drinnen, die erfreut haben am österreichischen. Und deswegen muss man nicht so Hochdeutsch sein, wie wenn man im Fernsehen, also wie früher, wie ich jung war, habe ich mir das zumindest halt einreden lassen. Man sollte da ziemlich Hochdeutsch spielen und dadurch ist das auch meistens nichts geworden.

Sie haben schon verraten, dass ich Dieter Hildebrandt zitiert habe oder zitieren werde. Nämlich der große Dieter Hildebrandt hat einmal auf den Punkt gebracht, was für einen der bayerische Humor ist, wie der funktioniert. Und zwar ein Beispiel des für ihn typischen bayerischen Witzes. Und zwar, man sitzt im Kino.

Schaut und schnüffelt auf einmal, es scheißelt. Er fragt seinen Nebenmann gerade raus, sagen Sie mal, haben Sie einen in Tosen geschissen? Und der sagt, ja, warum? Ist das der bayerische Humor aus Ihrer Sicht? Ja, ja, wahrscheinlich. Also zumindest ist es immer eine Teilwahrheit. Das ist auch so, wie sagt man, im Spektrum des bayerischen Humors.

Aber wir sehen schon, was notwendig ist, um so etwas Typisches festzustellen. Nämlich? Also es braucht ein Dialekt auf jeden Fall. Wenn der Dieter Hildebrand was über den bayerischen Humor sagt. Es braucht einen Außenseiter. Es braucht eine Distanz, genau. Also ich glaube, man muss schon, um so sicher zu sein, was der bayerische Humor ist, muss man eigentlich kein Bayer oder keine Bayerin sein.

Bayerin? Wie sagt man das? Wie tut man weiblich? Bayerin. Bayerin. Mit dem dazwischen. Bayerin, genau. Ja, ja. Und sagt man auch der Bayerische oder der Bayerische? Sagt man der Bayerische als Eigenschaftswort? Warum sagt man der Bayerische? Ja, im österreichischen Radio, wo es ganz oft, die Sprecher waren früher so ganz wie Burgtheater mäßig unterwegs, auch die Nachrichtensprecher, haben dann oft gesagt, der Bayerische Ministerpräsident.

Und dann sind sie wahnsinnig kultiviert vorgekommen. Das ist deshalb, warum in Österreich wird nie wer Bayreuth sagen, sondern immer sagen Bayreuth. Und ich glaube, die Bayreuther selber sagen Bayreuther, oder? Die sagen Bayreuther. Ja, genau. Und in Österreich, wenn immer Übertragungen sind, oder eben... Bayreuth.

Bayreuth, sagen sie, genau. Jetzt bin ich heimisch in beiden Humornationalitäten. Ich bin halber Bayer, halber Österreicher, bin also in beide Fälle Außenseiter, aber Insider. Was ist denn, aus Ihrer Sicht als Insider, was ist denn der österreichische Humor? Was zeichnet den denn aus? Naja, ich habe ja jetzt vorgebaut, warum ich jetzt da keine Antwort geben kann, weil ich halt nicht vorauswärts bin.

Dann probiere es ich. Er ist ein Humor, der im Gegensatz zum Bayerischen, der eher derb ist, der viel innengewandter ist, also melancholischer, lamoyanter sogar ein bisschen, morbider und der irgendwie zur Schau trägt die eigene Lächerlichkeit ein bisschen. Ich glaube, wir sind bei dem Punkt, wo wir wirklich, glaube ich, merken, dass Humor gar nichts bayerisches und österreichisches ist, sondern viel regionaler.

Also ein Niederbayer kann über einen Witz von einem Oberbayern wahrscheinlich selten lachen. Meistens auch umgekehrt. Der österreichische Humor, da gibt es den Unterschied zwischen einem Wiener Krantler und einem Tiroler Skilehrer. Also die Begriffe sind zu groß für den Humor. Man kann sagen, am gescheiteren haben wir es gesagt, wie ist der Humor in Bayreuth oder wie ist der typisch niederbayerische Humor oder wie ist der Wiener Humor, der so ein ganz eigener ist aus einer Miskulanz von ganz vielen verschiedenen Völkern, die sich da über Jahrhunderte gemischt haben und der so ganz spezielle Vorpop.

Und der ist gar nicht grob eigentlich. Der ist sehr schwarzhaft und sehr ironisch. Und dann gibt es natürlich auch wieder... Einer anderen, eine zärtliche Brutalität, also eine zärtliche Grobheit, aber die Herren sind natürlich nicht außer drum, sagen sie ja, es ist grob. Also ich glaube, es bringt gar nichts zu reden, wie Humor ist.

Ganz ehrlich, ich will jetzt nicht das Thema wegnehmen, aber es gibt ja noch viele andere Sachen, die man reden kann. Ich wollte ja aufs nächste Thema rübergehen, weil es heißt ja der Podcast Ein Bayern, den Halber, historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel, heute historische Zeitreisen mit Josef Hader und zwar möchte ich zurückreisen ins Mittelalter und dann über die Jahrhunderte hinweg in die Geschichte der Satire.

Und ich möchte Sie mit einer steilen These konfrontieren. Ist der Satiriker, der Kabarettist, der legitime Nachfolger des Hofnahren? Ich bin in mittelalterlicher Geschichte bin ich nicht so gut. Da fällt uns jetzt wer. Also ich kann jetzt mit meinem Halbwissen glänzen, weil ich mich ein bisschen damit beschäftigt habe.

Ich möchte aber kurz im Sinne von Dr. Leubel, dem alten Lateiner, kurz die humanistische Bildung nur ein bisschen prüfen. Können Sie diesen Psalm übersetzen? Dixit in Incipiens in cordesuo non est Deus. Nein, so schnell geht das nicht. Dann muss ich lesen und dann muss ich vielleicht googeln auch noch. Sagen Sie mir das.

Der Narr spricht in seinem Herzen, es gibt keinen Gott. Entschuldigung, der Narr sprach in seinem Herzen, es gibt keinen Gott. So, jetzt lade ich Sie herzlich ein, das zu interpretieren. Ja, jetzt halten Sie einer fest. Das war der Ursprung der Hofnaren-Idee im Mittelalter. Weil im Mittelalter war der Hofnarr nicht ein Kasperl oder ein Spaßmacher, sondern der sollte dem König das Gegenteil zeigen.

Der ist der Gegenentwurf, nämlich der Nicht-Gott-Gefällige, der sagt, es gibt keinen Gott, der außerhalb der göttlichen Ordnung steht. Also hat man sich jemanden an den Hof geholt, der das verkörpert, damit man eine lebende Warnung vor sich hat. Also eine fleischgewordene Satire quasi, hat Leute nehmen müssen, die außerhalb der Ordnung stehen, die nicht an Gott glauben, die nicht Teil des Heilsplans sind.

Also waren das entweder Menschen mit schweren Handicaps, schweren Missbildungen, Kleinwüchsige oder Psychotiker, also schwer Geisteskranke. Und diese armen Seelen waren dann quasi in so einer religiösen Form verbeamtet, und waren halt eine lebende Warnung. Und Sie wollen jetzt fragen, ob wir die Nachfolger der Geisteskranken und der Grüppel-Mitleuter sind, wir Satiriker?

Nein, weil die Nachfolger sind die künstlichen Narren, die dann in der Renaissance aufkommen und das sind die Satiriker-Anrufe, die Narrenfreiheit genießen und einen König verorschen dürfen, auf Deutsch. Was ich schön finde, grundsätzlich an dieser These ist, oder an dem Gedanken, dass man davon ausgeht, dass die Könige alle an Gott glaubt haben und dringend wen gebraucht haben, der nicht an Gott glaubt.

Ich glaube, es hat sehr viele Könige und Kaiser gegeben, die überhaupt nicht an Gott glaubt haben, sondern das nur als Mittel zum Zweck sehen haben, wir Herrschaft zu festigen. Vielleicht trotz sogar irgendwann einmal bayerische Ministerpräsidenten geben, die auch nicht an Gott glaubt haben. Das weiß man nicht.

Aber ansonsten danke ich, weil das erweitert mein Wissen. Und in der Renaissance, da weiß ich auch zu wenig Bescheid, ich weiß nur, wie es dann im Barock ist. Weil mich das sehr beeindruckt hat in der Schule, wie wir den Krimmelshausen gelesen haben. Oder wie dann später auch aus der Zeit, so Ende Barockzeit, beginnende Aufklärung, eben Jonathan Swift gelesen habe, den irischen Satiriker.

Wo man auch sagen kann, über diese barocken Satiren, die so am Anfang der Aufklärung waren, dass das so ganz eigentlich oft ein grober Humor war, wo man gesagt hat, wenn was richtig auf Deutsch geschissen ist, dann mache ich auch wirklich den allerbäsesten und brutalsten Witz, den man machen kann, sozusagen grober Glotz, grober Keil.

Da wollte ich auf jeden Fall gleich hin. Ich wollte noch kurz in der Narrenliteratur ein bisschen früher einsteigen. Sie wissen ja viel mehr, ich bin sehr gespannt. Ja, nur weil ich mich vorbereitet habe und weil Sie nicht wissen wollten, worum es heute geht. Genau, seit der Schule bin ich immer froh, wenn ich mich auf etwas nicht vorbereiten muss, da freue ich mich und ich bin in der Schule auch oft ohne Vorbereitung, habe mich so durchgemogelt und das habe ich heute auch vor.

Zur Stützung meiner These, dass Sie der Hofnarr der Moderne sind, habe ich ein Zitat gefunden aus dem Narrenschiff von Sebastian Brandt, 1494, aus der Narrenliteratur, auch ein satirisches Stück, wo die Laster und die Tugenden gegenübergestellt werden und so ein bisschen satirisch die Welt aufs Korn genommen wird.

Und da heißt es, vom vielen Schwatzen. Der ist ein Narr, wer tadeln will, wozu sonst jeder Mann schweigt still. Und will unnötig Hass vermehren, wo er doch schweigen könnte in Ehren. Wer reden will, wo er nicht soll, der taugt zum Narrenorden wohl. Wer ohne Frage gibt Bescheid, der zeigt selbst sein Narrenkleid.

Der beschreibt er durch den Kabarettisten. Er beschreibt vor allem einmal eine Herrschaftsideologie. Nämlich, dass es quasi kein vernünftiger Mensch ist. Dinge zur Sprache bringt, die einem nicht passen, sondern Schweigen ist viel gescheiter, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Da merkt man das auch.

Also man muss sich das immer so vorstellen, für wen sind solche Dinge von Vorteil, meistens für die, die oben sind und herrschen. Wenn man jetzt weitergeht in dem Bereich, wo es wirklich dann, wann ist Satire umbotmäßig geworden? Wann ist Satire wirklich so geworden, dass man auch sicher als jemand, der das macht, unangenehme Folgen befürchten muss. Auf die These?

Also da habe ich eine These im Köscher. Wann glauben Sie es, der Punkt? War das eh so Krimmelshausen, Swift und so? Oder war das früher schon? Swift ist schon der Erste, der so richtig bitterböse wird, wo ich mir vorstellen kann, da ist der Shitstorm nicht nur billig in Kauf genommen, sondern direkt gewollt.

Der wollte Karriere machen, das weiß ich zum Beispiel, der wollte Karriere machen in London, und das hat nicht hingehaut und dann war er ein verbitterter Pfarrer in Irland und hat sich gedacht, scheißegal, jetzt schreibe ich mir mein ganzes Haus und meine ganze Enttäuschtheit von der Seele. Solche Satiriker gibt es auch. Bevor wir zum Swift kommen, kurz zum Grimmelshausen, weil der ist ja quasi in ihrer Zunft ein Säulenheiliger.

Grimmelshausen hat geschrieben im Jahre 1668 den abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch Und Simplicissimus, das war das Satire-Magazin in Deutschland. Das war der alte Simpel in München, wo die Kabarettisten abgehangen sind. Das ist das Kabarett-Simpel in Wien. Sie wissen alles. Wahnsinn. Ja, sicher. Das ist mein Job.

Warum ist dieser Simplicissimus so wichtig für das Kabarett? Jetzt können Sie ein bisschen was erzählen. Worum geht es eigentlich im Simplicissimus? Ja, es geht um die Zeit, wo das Spiel ist, ist so eine Zeit des Umbruchs. Mit Krieg, 30-jähriger Krieg. Und es ist ein Schelmen-Roman, das heißt, es beschreibt jemanden, der da sehr unernst durch diese Zeit geht.

Ich weiß nur, dass mich der Anfang immer sehr beeindruckt hat, dass da die Soldaten überfallen den Hof. Und wollen wissen, wo das Geld vergraben ist oder die Wertgegenstände vom Vater des Autors. Und sie gewöhnen und maternieren und er sagt nichts. Und dann sind sie schon ganz verzweifelt und wissen nicht, wie sie den zum Reden bringen sollen und dann kommen sie auf die Idee, dass die Fußsohlen mit Salz einreiben und die Ziegen das abschlecken lassen und das kitzelt einem so, dass er, das ist quasi die größte Mater.

Dass er das verrät. Ich weiß jetzt nicht mehr sicher, ob nicht nachher dann auch sehr am Eoli umgebracht werden. So fängt das gleich mal an. Also das Salzlecken, das komplett Lustige im komplett Furchtbaren. Und das Salzlecken ist ja nicht nur ein hautes Kitzel, sondern der Gag bei dem Ganzen ist ja, dass irgendwann die Haut abgetragen wird von der rauen Ziegenzunge. Wirklich?

Aber wie lange müssen so Ziegen schlecken, dass die Haut weggeht? Gar nicht so lange, die haben sehr raue Zungen. Also wenn man sich denkt, die lecken an Salzblöcke und losen da das Salz raus. Ach so. Von Ihnen lerne ich heute viel. Verstehe, das ist eine echte Mater auch noch. Sehr gut. Aber jedenfalls, ich glaube, der Simplicissimus ist deswegen so bedeutend, weil er so, es gibt ja andere auch, ich habe auch gelesen, es gibt so einen wunderschönen Lügenroman aus derselben Zeit, Schilmowski.

Den habe ich in Deutsch gelesen, nachdem ich ein Jahr vorher den Krimmelshaus gelesen habe. Warum? Weil ich die sechste Klasse wiederholt habe. Wo sind Sie sitzen geblieben? In Altgriechisch bin ich durchgefallen. Ich war der Letzte, der in Altgriechisch durchgefallen hat, glaube ich, im deutschsprachigen Raum.

Weil es wirklich ein Schirrlehrer war, ein ganzer Schirr. Und da habe ich zwei gleichartige Romane gelesen aus der Zeit, weil der eine Lehrer hat den forciert und der wollte etwas Besonderes machen. Und der ist sehr toll, weil der nur lirkt. Also der lirkt die ganze Zeit. Der behauptet, er ist in Venedig und beschreibt Venedig so, dass du weißt, der war noch nie in seinem Leben dort.

Und die Art, wie er lügt, ist eigentlich das große Vergnügen. Und wie hochstaplerisch der ganze Roman ist. Warum aber der Simplicissimus einfach noch viel beeindruckender war, vor allem für alle, Zeitgenossen und die knapp danach, weil er so brutal ist. Also weil er wirklich das Allerbrutalste im Komischen schüttet.

Und das war für die damalige Zeit genauso ein Tabu, wie wenn man das heute machen würde. Jetzt an Sachen Brutalität, jetzt kommen wir endlich zu Ihrem großen Vorbild Jonathan Swift. Das ist einer der brutalsten, finstersten satirischen Texte, die es überhaupt gibt. Also dunkelgrau auf dunkelschwarzem Grund gemalt.

Überhaupt nicht. Ich finde das sehr vergnüglich. Aber es ist ein sehr böser Zynismus, aber kein kalter Zynismus, sondern ein heißer, empörter Zynismus. Und wir reden von diesem wunderbaren Text, bescheidener Vorschlag. Genau, 1729, a modest proposal oder ein bescheidener Vorschlag, um zu verhindern, dass die Kinder der Armen ihren Eltern oder dem Staat zur Last fallen und um sie nutzbringend für die Allgemeinheit zu verwenden.

Und Sie sind erklärter Fan dieses Textes, erklären Sie uns einmal, was ist denn dieser bescheidene Vorschlag der Zwiftung? Man muss sich vorstellen, der historische Hintergrund ist der, dass in Irland quasi die englischen Gutsbesitzer sind und dass die die Bevölkerung komplett verormen lassen, dass Leute verhungern.

Dass Kinder zur Kinderarbeit gezwungen werden, quasi bis zum Tod, dass Kinder missbraucht werden, dass Kinder quasi frei verfügbare, unbeschützte Menschen, Menschen sind in der Zeit und das alles unter der englischen Krone. Und aus dieser moralischen Empörung heraus, wie die Iren zu leiden haben. Schreibt er diesen Text und schlagt vor, dass die irischen Kinder, auf die ihr sonst nur Worten täht, nur leiden, also entweder missens betteln oder verhungern oder sie werden missbraucht, dass wirtschaftlich doch besser wäre, wenn man die AIO-Arbeit werden lässt, wo sie nur mit Muttermilch quasi gesäugt werden und niemandem das Essen wegnehmen und dann als Einjährige Gemästete den englischen Gutsbesitzern als Sonntagsbraten verkauft werden.

Und er dekliniert das aber durch ganz wirtschaftlich und sagt. Die englischen wiederum Schafunternehmer müssen sich keine Sorge machen, dass das eine Konkurrenz sein würde, weil dieses zarte Fleisch die Überfahrt gar nicht unbeschadet überstehen würde. Und deswegen, dass eine reine Lösung nur für Irland wäre und der englischen Wirtschaft sozusagen gar nicht zu nahe, gar nicht schaden würde.

Und genau diese wirtschaftliche Logik, die gleichzeitig in diesem Unmenschlichen drinnen ist, diese völlige Nüchternheit, das ist das Provozierende. Ich darf zitieren, damit wir den Swift kurz selbst zu Wort lassen können. Er schreibt, ein sehr kenntnisreicher Amerikaner meiner Bekanntschaft, in London ansässig, hat mir die Versicherung gegeben, dass ein junges, gesundes, wohlgenährtes Kind im Alter eines Jahres ein höchst schmackhaftes Nahrungsmittel und eine gesunde Speise bietet, ob geschmort, gebraten, gebacken oder gekocht.

Und ich zweifle gar nicht, dass es ebenfalls als Frikassee oder Ragout sich wird anwenden lassen. Er rechnet dann richtig schön durch, wie man es machen kann, nämlich 120.000 arme Kinder gibt es ungefähr pro Jahr, 20.000 behalten wir zur Zucht und 100.000 werden ordentlich gemästet, also bitte, liebe Damen, im letzten Monat so richtig Gas geben mit dem Alter, damit die schönen Warneproppen sind, die richtig Geld geben.

Haufen Vorteile hat er sich ausgerechnet. Weniger Katholiken, was die Engländer sehr gefallen hätte. Die Bauern hätten wieder was Wertvolles gehabt, was man ja nicht beschlagnommen kann, wenn man wieder mal Geld braucht. Das Betriebskapital der Nation wird erhöht. Die Wirtshäuser dachten florieren, weil sie natürlich teuerste, köstlichste Speisen anbieten können.

Und die Ehe wird auch noch gestärkt. Und das Selbstbewusstsein der Frau. Weil erstens können sie in einen gesunden Wettstreit mit anderen Frauen treten, wer das fetteste Kind heranzüchtet. Und zweitens wären wahrscheinlich die Männer nicht mehr so brutal zu ihren schwangenen Ehefrauen, weil wenn die sowas Wertvolles wie ein verkaufbares Kind im Bauch haben, dann daden sie es vielleicht weniger schlong, weil das ist ja quasi wie ein Fohlen oder ein Kalb, das ist ein Haufen Geld wert.

Und so senkt sich auch die Zahl der Frühgeburten, weil die Frauen in Ruhe austragen können. Und das ist der Grund, warum für mich das wirklich verkleidete ist, höchste Empörung ist, darüber, was der Mensch anricht. Und das ist dadurch für mich kein dunkler Text, sondern ein Aufschrei gegen das, wie dunkel die Menschen sind.

Sind Sie ja ein empörter Mensch, also malen Sie auch aufgrund der Empörung Ihre Stücke? Wir sind alle empört, oder? Hier und da. Manche sind so empört, dass alle möglichen Parteien werden. Die sagen, es wird einem bald besser gehen und sie werden weniger empört sein. Also eine Empörung ist eine Kraft, die kann man für alles Mögliche nutzen.

Vielleicht eine der urigsten Kräfte überhaupt im Menschen. Ja, genau. Nächste These. Satire darf nicht nur alles, sie muss auch alles. Das widerspricht diesem Satz, dass man sagt, Kunst ist dadurch definiert, dass sie nichts muss. Und dann wäre Satire keine Kunst, da muss ich widersprechen. Gott sei Dank, endlich habe ich einen Widerspruch provoziert.

Aber dann die nächste These. Nämlich, das satirische Kabarett steckt ein bisschen in einer Sinnkrise, zumindest von einigen alteingesessenen Würdenträgern dieses Fachs. Mein Kollege, Chef von Vöth hier, Raimund Meisenberger, hat vor bald drei Jahren einen recht viel beachteten Text geschrieben. Die Satire und die großen Namen der Satire treten nicht mehr so gern nach oben oder zur Seite zumindest, sondern lieber nach unten. und die Tatsache, dass ihre Aussagen einen Shitstorm hervorrufen und Kritik bringen.

Früher hat man das nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern man hat es darauf abgesehen gehabt, dass man für Empörung sorgt und dass man in den Zeitungen verrissen wird und es ist ja unerhört, wie hier mit dem Status Quo umgegangen wird. Und jetzt wird der Status Quo eher verteidigt und Veganer, Greta Thunberg, junge Leute, die am Altair gebrachten rütteln, werden eher mit Verachtung gestraft.

Ja, wie soll man sagen, das betrifft vielleicht Einzelne. Aber mein Eindruck ist ein völlig anderer. Mein Eindruck ist, dass die jungen Leute in Österreich, aber auch im deutschsprachigen Raum, dass die großartige Programme haben. Also ich habe den Eindruck, dass die Jüngeren vielleicht nicht mehr so deutlich jetzt das klassische Kabarett machen, sondern das im Idealfall.

Höchst spannende Mischformate sind, wo plötzlich nach außen hin das wie Comedy ausschaut, aber dabei total gesellschaftliche Themen verhandelt werden, dass umgekehrt es Rechercheformate gibt, die wie Kabarett daherkommen und in Wirklichkeit halber der Journalismus sind. Mein Eindruck ist der, dass die Szene in den letzten Jahren.

Sie noch mehr entwickelt hat mit vielen jungen Menschen, die sehr gut umgehen mit den sozialen Netzwerken, dadurch ihr Publikum finden. Ich habe einen äußerst positiven Eindruck. Da schließt es ja interessant. Der Kreis war einer der bekanntesten YouTube-Kanäle, der genau sowas macht, was sie da beschreiben. Nennt sich Simplicissimus.

Ah ja, den schauen wir an. Ich komme ein bisschen auf das Thema, weil ich habe mir ihr neues Programm Harder on Ice angeschaut. Also so neu Er ist ja gar nicht mehr, er ist auch schon wieder bald fünf Jahre alt. Für Sie ist das in Ihrem Fall so etwas noch als neues Programm abstempelbar. Und da spüren Sie einen interessanten Charakter, nämlich Josef Hader als alten, weißen Kabarettisten im Wohlstand.

Ich spüle genau den, den Sie vorher beschrieben haben, nur ist es bei mir halt nicht so ganz ernst gemeint. Sondern es ist mehr, glaube ich, die Parodie auf das, was Sie vorher beschrieben haben. Warum ausgerechnet diese Figur? Warum diese Parodie? Gehen eher nicht die Programme von diesen alten Meistern selber gegen den Strich?

Nein, nein, die waren damals noch gar nicht so massiv. Also irgendwie hat man vor Corona das Gefühl gehabt, nicht, dass die Kabarett-Szene teilweise so gespalten ist. Zwischen Anführungszeichen rechts, Anführungszeichen links, was ja eigentlich komische Begriffe sind. Nein, es war damals, ich kann mich gut erinnern, ich habe das so, 2019 habe ich so ein Konzept gemacht für das Programm und habe es dann später geschrieben, im Jahr drauf.

Ich war sehr unter dem Eindruck der ersten Ära Trump und habe mir gedacht, es bringt ja nichts, wenn du dich auf die Bühne stößt und den Trump kritisierst, da bist du hilflos. Ich möchte so einen Mann auf die Bühne bringen, der alle fünf Minuten was anderes behauptet, je nachdem, was gerade für einen bequem ist.

Und das aber steigern zu so einer Grauslichkeit und den auch so runterrocken am Schluss, dass halt so ein Theaterstück entsteht. Dass alles, was die eigene Bequemlichkeit gefährdet wird, gleich zu Faschismus umgedeutet. Ja, genau. Aber die Einzeldetails sind schwer zu beschreiben. Es ist so, dass der halt am Anfang sehr selbstsicher ist und aber überhaupt Dinge, also Positionen einnimmt, die überhaupt nicht zusammenpassen und die ganze Zeit eigentlich nur im Vordergrund steht, wie toll er nicht ist und wie großartig er mit seinem Alter umgeht und dass das halt immer mehr Brüche kriegt im Laufe des Abends.

Was mir, also für mich so ein typisches Element ihres Kabarets ist, ist, dass man ab und zu so ein richtiges Morgenstampel kriegt, also so ein Schlag in die Magengrube, wie man in Deutschland sagen darf. Das war in Hadamus weg, plötzlich die Erklärung, was bedeutet eigentlich Vergasung? Einer der stärksten Momente, finde ich, in dem ganzen Programm. Und im neuen Programm, dem kennt man jetzt schon an, dass es ein paar Jahre her ist, weil Sie schreiben drüber, über eine Boomer-Generation, die es jetzt vielleicht nicht mehr richtig krocher lassen will und vielleicht nicht mehr einen gescheiten Krieg vom Staat belastet.

Ja, es wird recht aktuell. Man kann es ein bisschen noch spüren, finde ich auch. Ja, wir zeichnen auf, am 6. März ist der Angriff auf den Iran und die neueste Stufe der Eskalation in der Weltpolitik ist K-Wocheit. Merken Sie, dass den Leuten manchmal das Lochen mehr und mehr im Häusstecker bleibt bei dem Stück?

Nein, es gibt halt Stellen, wo es früher mehr gelocht haben und jetzt weniger, das ist klar. Umschreiben kommt natürlich nicht in Frage, weil... Nein, wieso? Das ist ja gut. Es ist ja einfach so, dass ein paar Stellen nicht so aktuell waren wie jetzt, wie vor fünf Jahren. Das ist auch ein Glücksfall, das tut man ja nicht absichtlich und das ist auch nicht sehr wünschenswert.

Aber es gibt Dinge, die einfach da vorkommen und die jetzt mehr so sind wie im Programm. Weil Sie das Wort glücksvoll verwenden, was jetzt wahrscheinlich die wenigsten damit in Zusammenhang bringen würden. Leben Sie in einer goldenen Zeit für einen Satiriker, wo die Welt sich überbietet in Absurditäten und in Grausamkeiten?

Da sind wir schon wieder beim Dieter Hildebrandt, der einmal gesagt hat, es gibt keine guten Zeiten für Kabarett. Es gibt nur gutes und schlechtes Kabarett. Ich glaube, das ist richtig so. Da möchte ich ja nicht widersprechen. Wenn Sie nichts dagegen haben, ich würde gerne ein bisschen über Ihren Schaffensprozess sprechen. Also ich werde nicht die Frage stellen, wie fällt Ihnen das ein?

Wenn Sie dem wissen, ich bin sehr dankbar. Ich höre mir das gerne an. Vielleicht einmal ganz was Grundsätzliches. Sie haben schon mehrmals jetzt den Namen genannt, der große Gerhard Polt. Dieter Hildebrandt ist als Name schon gefallen. Womit sind Sie humortechnisch, lachtechnisch aufgewachsen? Also wo kommen die Zündungen her, die frühesten bei Ihnen?

Ich bin aufgewachsen mit jüdischem Kabarett. Erstaunt im ersten Moment, aber es ist so erklärbar, dass bei uns am Bauernhof sehr früher Fernseher war, schon in den 60er Jahren und dass es einige großartige Künstler gegeben hat, die im Jahr 38 verjagt wurden. Manche sind auch umgebracht worden. Oder haben sie selber umgebracht.

Und Gott sei Dank für uns jetzt haben welche die Großmütigkeit besessen, wieder zurückzukehren. Unter anderem Georg Kreisler, Gerhard Bronner und ein Mann, der so das Unterhaltungskabaret gemacht hat zu Silvester und so das populärste Kabaret in Österreich. Das war der karl fackers und das das war dadurch begünstigt dass unsere familie sehr interessiert war meine mutter meine großmutter die waren ja immer verwandte in wien gehabt ist ein ins kino gegangen die haben die schauspieler alle kennt in die alten filme haben gesagt das ist der Paul Hörbiger, das ist der Hans Moser, das ist die Paula Wesseli und so.

Das heißt, es war sehr, die waren sehr interessiert und ich habe da immer mitgeschaut. Und das war der erste Humor, glaube ich. Der erste Humor war. Das einerseits und andererseits so volkstümlicher Humor im Radio. Das war dann eher so volkstümlicher Humor von diesen Komikern, die auftretend sind zwischen Volksmusikstücken, die waren im Radio, die habe ich auch mitgekriegt.

Und wie kommt man dann an den Punkt, dass man sagt, Leute zum Lacher bringen, das ist nicht nur eine schöne Sache, das mache ich direkt zu meinem Beruf? Ein Beruf war spät. Es war zuerst so ein Hobby, ich habe gern, ich habe damals, was ich heute überhaupt nicht kann, ich habe damals Witz erzählt, den Erwachsenen.

Das hat einem getaugt. Habe ich mir gedacht, wenn ich so gut ankomme, dann erzähle ich weiter Witz. Dann war ich in einem Internat, wo sehr viel Theater gespielt worden ist. Und auch zu Fosching, schon ab der ersten Gymnasialklasse immer lustige Schnuren. Für das ganze Internat auf der Bühne gemacht hat und da war ich auch ziemlich gut und habe dann irgendwann ein bisschen moderiert und habe auch so teilweise sehr unpassende Witze, glaube ich, in dem bischöflichen Seminar erzählt und der Chef hat immer gesagt, also Frau R.D.

Sehr halt, weil er nicht gewusst hat, dass ich diese Radiosendungen immer daheim her habe, wenn ich Heimfahrtswochenend habe. Und dann ist es weitergegangen, dass wir in der Oberstufe dann irgendwann gesagt haben, wir wollen Kabarett machen über die Lehrer. Da habe ich dann halt entdeckt, so jemanden wie Gerhard Bolt im Fernsehen oder Dieter Hildebrandt, Werner Schneider, die ersten Programme und in Österreich den großartigen Lukas Resetarit, der so ein ganz erfolgstümliches, wienerisches und weltanschaulich sehr gefestigt linkes Kabarett gemacht hat und in der Lederjackenauftreten worden ist und viel moderner war wie die alten Kabarettisten.

Und aus dem heraus haben wir dann so ein Schulkabarett gemacht und das ist natürlich unglaublich erfolgreich wenn man in der Schulkabarett macht über die Lehrer so ein Erfolg hast nie wieder dankbares Publikum und dann habe ich einfach so als Hobby weiter gemacht und irgendwann. Geschichtsstudium hat mich sehr interessiert immer und ich habe aber Germanistik auch studiert und das Deutschstudium war in Wien damals ein bisschen fad und ich war so weit hinten und dann habe ich so einen Kabarettpreis gekriegt den Salzburger Stier und dann habe ich mir gedacht, jetzt probiere ich es einmal ein Jahr, nur Kabarett zu machen und wenn das nicht hinhaut, dann studiere ich fertig.

Aber ich muss mich für eins von beiden jetzt einmal entscheiden. Der Gedanke hilft auch, dass man sagt, fertig studieren kannst du später auch noch. Das gilt dir ja noch ein paar Jahre, was du bisher studiert hast. Und so bin ich dann reingerutscht ins Kabarett. Das hat ja relativ gut funktioniert, kann man sagen, in den 90er Jahren gerade.

Ja, es geht so langsam. Es ist so langsam aufgegangen. Aber Sie sind ja dann weggegangen vom klassischen Nummernkabarett, sondern Sie schreiben ja eigentlich Theaterstücke. Das geht so weit, mit ein bisschen Honig ums Maul schmieren. Daniel Kehlmann, der berühmte Autor, ist einmal vor 15 Jahren wird sicher her sein, gefragt worden, wer sind denn die besten deutschsprachigen lebenden Dramatiker?

Und er nennt drei Namen und einer von den Namen ist Josef Hader. Wissen Sie auch, wer die anderen waren? Das interessiert mich jetzt gerade. Wissen Sie nicht, gell? Ich habe es vergessen, weil die nicht abgesagt wurden für den Podcast. Ja, ist klar, die sind nicht da. Aber es ist auch wirklich ein Zeichen von hoher Intelligenz, dass man nur die Dinge vorbereitet, die man braucht. Also von denen man glaubt, man braucht es. Das ist total in Ordnung.

Naja, wie soll ich sagen, man fängt an mit Nummern und irgendwann sieht man dann so Koryphäen wie Sigi Zimmerschied oder auch den vielleicht nicht mehr so bekannten, aber großartigen Otto Grünmandel aus Tirol. Und bei denen waren das immer Theaterstücke. Und das hat mich sehr fasziniert. Und irgendwann habe ich sowas auch probieren wollen. Und irgendwann, zuerst habe ich längere Nummern gespielt und irgendwann wollte ich dann so ein Stück machen.

Aber das ist so eine Entwicklung, dass erstens man sieht, andere Leute, die einem gefallen und man möchte sich mit dem nächsten Programm irgendwie fordern und einen gewissen Kick haben, wo man sagt, schaffe ich das? Das probiere ich jetzt, ob ich es schaffe. So entsteht dann das. Und es ist halt spannender zu schreiben, ein Theaterstück als einzelne Nummern.

Und man braucht keine anderen Schauspieler und muss keinen Gast zahlen. Das ist generell im Kabarett so, dass das ein ideales. Ideale Kunstform ist für so Bauernkinder, Einzelkinder von einem Einzelhof, die nie sozial ausreichend entwickelt worden sind, da ist Cabaret eine gute Betätigung. Nur eine Abschlussthese vielleicht. Cabaret ist Kunsthandwerk.

Gerade im englischsprachigen Raum reden Comedians gern über The Craft und dass man das lernen muss, wie ein Handwerk. Und kann man sich das so vorstellen, wenn Sie in ein Kabarett selber gehen, dass Sie dann drinsitzen und Sie Gedanken machen über die Mechanismen hinter dem Witz, wie funktioniert das?

Kann ich mir da was fladen, kann ich was einbauen? Wenn man jung ist. Versucht man so Kabarettprogramme zu machen, das habe ich auch gemacht in der Schule und auch später noch, wo ich mir gedacht habe, da müssen alle möglichen Komponenten drinnen sein, die ich von irgendwelchen Vorbildern gewusst habe.

Also die Art von Nummern oder die Art von Liedern. Also ich war nicht so losgelöst, ich habe am Anfang das sehr probiert und mit der Zeit entwickelt man halt dann einen eigenen Stil, ganz automatisch. Und ich muss auch an dieser Stelle eine Lanze brechen für gute Comedy, weil ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich so durch Zufall in so Schollplattenläden habe ich so englischsprachige Comedy entdeckt, aber gute halt.

Aus den 60er Jahren und haben mir dann gedacht, das ist aber auch spannend, wie die das machen, so ganz reduziert, einfach nur in einem Mikrofon reden und ganz, als würde es ihnen gerade einfallen, als Monolog, als würde sie gerade plaudern. Und das hat mich wieder erinnert an Dieter Hildibrand und Werner Schneider, die sind auf der Bühne gestanden und haben den Eindruck vermittelt, sie denken gerade nach und es fällt ihnen, glaube ich, was Gescheites ein.

Aber machen sie das nicht auch im Privat gerade zum Beispiel? Ja, ich sage ja, ich habe alles zusammengeflaucht. Wissen Sie, was das heißt? Freilich weiß ich, was geflaucht hat. Du hast für unsere bayerischen Zuhörer, geflaucht und gefladert, hast gestohlen. Genau. Also irgendwann hat mich das sehr interessiert, dieser Monolog, der so leicht daherkommt und in Wirklichkeit aber sehr genau weiß, was er will.

Und das verdanke eher, sage ich einmal, guter Comedy. Das Problem in Deutschland ist, dass wir halt sehr dominiert sind in unseren Köpfen. Zumindest wir Eltern von der Fernsehcomedy der 80er, 90er Jahre und das ist halt nicht das, was in England oder in Amerika als wirklich gute Comedy durchgehen würde.

Wie kann man sich vorstellen, dass man was Lustiges schreibt? Also ich schreibe Artikel, da ist das Thema klar, da muss ich informieren, aber Sie müssen ja Leute zum Lachen bringen. Sie haben es vorher schon gesagt, Sie sitzen dann in irgendwelche kroatischen Dörfer und kudern vor sich hin an irgendeinem Kaffeehaustisch.

Genau, ich lache es selber, dann weiß ich, das ist was nur. Ich suche den Witz nicht, ist so, ich will eine Geschichte erzählen, ich will eine Geschichte erzählen und gleichzeitig weißt halt selber, du bist der, der das auf der Bühne dann zwei Stunden bringen muss, das heißt, Fahrt soll es nicht sein.

Es ist nicht unbedingt so, dass dauernd ein Witz nach dem anderen kommen soll, aber du darfst halt nie Fahrt sein, sonst rennen sie aus. Infolgedessen schreibt man mit dem Wissen, aber eigentlich, man denkt nie in einzelnen Witzen oder so, gar nicht. Es ist eine Geschichte, die man schreibt und es ist automatisch bei mir dann so, dass dann sowas rauskommt.

Fans von Ihrem Kabarett wie ich müssen oft Jahre, zum Teil dann auch Jahrzehnte lang auf ein neues Programm warten. Im neuesten Hard on Ice sagt die Kunstfigur Josef Harder, das ist mein letztes Programm. Ist das so? Nein, das ist nur der erste Satz vom Programm, damit die Leute aufpassen. Ich habe mir gedacht, da sind sie dann aufmerksam vielleicht.

Das heißt, es könnte durchaus noch das ein oder andere neue Hard on Ice kommen? Wenn ich nicht stirb, sicher. Das weiß man ja nie. Das weiß man in keinem Alter, aber in meinem weiß man es noch weniger. Als wenn man hingehen ist. Ich bin aber auch nicht uralt. Da ist noch was drin vielleicht. Jetzt bin ich angehalten worden, dass ich eine Abschlussfrage stelle von meinen Kollegen, nämlich, fragst du dann, Josef, was ist denn, wann tritt dann beim Eulenspiegel auf im Passau, kommt er wieder mal?

Ach so, ja. Das ist ja so. Ich spiele im Sommer jetzt nicht mehr, weil ich da so gerne Pause habe. Das ist sozusagen, weil ich da gut schreiben kann im Sommer Und mir was nächstes einfallen lassen kann. Und deswegen ist der Sommer ein bisschen so weg. Aber ich möchte dann halt irgendwie eine andere Möglichkeit finden, in Passau zu spielen.

Und da bin ich traurig, dass wir das hinkriegen. Weil ich habe immer da gespielt. Sehr früh schon. Heute geht es nur noch Waldkirchen, gleich in der Nachbarschaft. Wie gut kommt der österreichische Dialekt hier? Also hier können Sie eigentlich in die Vorengel. In Niederbayern kannst du immer so spielen wie daheim.

Vielen herzlichen Dank fürs Einschalten Danke Herr Harder, dass Sie die Zeit für uns genommen haben Hals und Beinbruch heute auf der Bühne Und Herr Dr. Läubel, gute Besserung Ja, gute Besserung und liebe Grüße Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt Dann lasst gerne ein Abo da Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob?

Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de Oder hinterlasst uns eine Bewertung. Ein Bayer und ein halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel. Konzept Dr. Richard Leubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger.

Redaktion Johannes Munzinger. Produktion Anja Kurz. Sprecherin Katharina Czava. Mit Musik von ScoreSquad über Soundtaxi. Besonderer Dank an Walter Berndl.

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