Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

#89 Der Hamburger Sülzeaufstand

Dienstag, 11. August 2026 · 53 min

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Shownotes

Es ist der Morgen des 23. Juni 1919, ein warmer Sommertag in der Hamburger Altstadt. In der Kleinen Reichenstraße wuchtet der Herr Rüssau schwere Holzfässer auf seinen Lieferwagen. Sie kommen aus dem Keller der Fleischwarenfabrik Heil & Co. und sollen als Dünger auf die Felder vor der Stadt gebracht werden. Doch dann rutscht Herr Rüssau eines der Fässer ab. Es zerbertest auf dem Pflaster und eine stinkende, breiige, undefinierbare Masse ergießt sich auf die Straße. Allen ist sofort klar, das Gerücht, das seit Wochen durch das Viertel geistert, muss wahr sein: Der Fleisch-Fabrikant Jacob Heil produziert Sülze aus Fleischabfällen. Keine 48 Stunden nach dem Herr Rüssau das Fass aus den Händen rutscht, herrscht in Hamburg der Ausnahmezustand. Eine Woche später marschieren über 10.000 Soldaten in die Stadt ein. All das wegen der angeblich gammeligen Sülze.
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Es ist der Morgen des 23. Juni 1919, ein warmer Sommertag in der Hamburger Altstadt. In der kleinen Reichenstraße wuchtet Herr Rüssau schwere Holzfässer auf seinen Lieferwagen. Sie kommen aus dem Keller der Fleischwarenfabrik Heil & Co. und sollen als Dünger auf die Felder vor der Stadt gebracht werden.

Doch dann rutscht Herr Rüssau eines der Fässer ab. Es zerberstet auf dem Pflaster und eine stinkende, breiige, undefinierbare Masse ergießt sich auf die Straße. Passanten bleiben stehen und halten sich die Nase zu. Arbeiter treten näher. Allen ist sofort klar, das Gerücht, das seit Wochen durch das Viertel geistert, muss wahr sein.

Der Fleischfabrikant Jakob Heil produziert Sülze aus Fleischabfällen. Die kriegsgebeutelten Hamburger haben die Schnauze voll. Die Gammelsülze lässt das Fass überlaufen. Keine 48 Stunden, nachdem Herr Rüssau das Fass aus den Händen rutscht, wird das Hamburger Rathaus gestürmt. In der Stadt herrscht der Ausnahmezustand. Straßenschlachten legen Hamburg monatelang lahm. Unzählige Menschen sterben.

Eine Woche später marschieren über 10.000 Soldaten in die Stadt ein. All das wegen der angeblich gammeligen Sülze. Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lili Temme und Florian Reza. Was hast du denn da schon wieder für eine Geschichte mitgebracht? Ja. Oh, warte mal. Ich muss nachschauen, wer mir die vorgeschlagen hat.

Das war nämlich ein Vorschlag. Oh Mann, das wollte ich vorher machen. Oh, Leute jetzt hier unvorbereitet hier reingehen. Ich habe es mir doch hier irgendwo aufgeschrieben. Ja, ein Vorschlag von H&S. Mehr gibt es. Na, schönen Dank auch. Ihr habt eure Namen abgekürzt. Ach, H und S. H und S, genau. Also das heißt, ich wollte nochmal kurz eine Verständnisfrage stellen.

Offiziell war in den Fässern Düngermittel, inoffiziell war da Sülze, die aus nicht mehr gutem Fleisch hergestellt wurde, weil an sich ist ja nichts verwerflich daran, dass man auch aus Resten noch etwas Schönes produzieren kann. Wir gehen gleich natürlich noch in die Fabrik und werden uns die Lage noch ein bisschen genauer anschauen. Aber genau, das war der Hintergrund.

Und bei Sülze, also ich meine, ich würde die ja schon mal nicht essen, wenn die aus normalen Fleischteilen gemacht ist. Ich finde, das ist so ein Essen. Ich kann man mich auch jagen. Ich meine, du magst so Gelee-artige Sachen ja eh nicht. Aber ich finde auch so durchsichtiges Aspik, also was dann einfach nur Gelatine ist.

Aber ich finde, man sieht das doch noch immer mal wieder. Also so ein Supermarkt und beim Fleisch. Also ich finde, da gibt es scheinbar immer noch eine Zielgruppe. Und weißt du, wo es das auch gibt? In Charlottenburg, nee, nicht Charlottenburg, das ist in Wilmersdorf, Berlin-Wilmersdorf, gibt es ja so eine neue, das ist eigentlich eine alte Kneipe, die aber von so ...

Der Tresentreff. Weißt du, was lustig ist? Ich habe eben darüber nachgedacht, ob ich da heute noch hingehen soll, weil ich bei eBay Kleinanzeigen was abholen muss in Wilmersdorf. Und mir dann dachte, dann könnte ich doch im Tresentreff vorbei. Übrigens wirklich 100-prozentige Empfehlung. Aber leider hat der heute nicht geöffnet.

Ach so, ja. Und das ist auch mittlerweile echt so ein Hype-Ort. Es ist wirklich immer brechend voll. Es ist aber auch wirklich lecker. Also vielleicht ganz kurz zum Konzept. Das sind zwei oder drei Jungs, glaube ich, die vorher in anderen, die haben mal höher gekocht. Also die kommen aus anderen, wie gesagt, das ist jetzt alles nur Halbwissen, aus schickeren Restaurants in Berlin. und die haben diese Kneipe übernommen.

Und das sieht drin wirklich aus wie so eine Ur-Berliner Kneipe, also Holz vertefelt, alles sehr, sehr kernig. Und es wird aber dann dort leckere Küche serviert. Also klassische deutsche Küche, darauf wollte ich ja hinaus. Auf Sharing Plate, denn kein cooles Restaurant in Berlin ohne Sharing Plate. Richtig.

Man kann die Sachen aber auch einzeln für sich essen. Ich habe den Kartoffelstampf dort gegessen, der war sehr gut. Die haben ein unfassbares Dessert, das ist so ein Schokopudding. Also weiß nicht, ob du da irgendwie einen Kompromiss machen kannst. Das schmeckt, als hätten die da einfach so zwei Tafeln Schokolade in so ein Glas reinget. Es ist wirklich richtig gut, es ist eine richtig leckere Küche.

Alles so ein bisschen altdeutsch und da gibt es Sülze. Also kleine Empfehlung, wenn ihr mal in Berlin seid. Hundertprozentig. Man kann auch einfach nur ein Bierchen trinken an der Bar. Habe ich auch schon gemacht. Richtig, richtig. Schultheiß. Eine schöne Schultheiß-Tulpe. Und unsere Premium-Hörerin Johanna wird sich jetzt wahrscheinlich sehr aufregen, weil die wohnt in der Nähe.

Und die hat sich als wir da zusammen schon aufgeregt, dass das natürlich jetzt so überlaufen wird. Deswegen sorry Johanna, dass wir deinen Nachbarschaftstreff noch voller machen. Sich über den Kefir beschweren, der nicht mehr im Supermarktregal steht, aber dann schön Johannas Lieblingsrestaurant hier empfehlen.

Naja, schönen Dank auch. So, wer die Kefir-Referenz nicht gecheckt hat, der hört nochmal in, weiß ich mehr wann es war. In jede Folge von uns, um die Kefir-Referenz zu finden. In jede Folge der letzten Woche rein. Ja, okay. Also, ich habe ja am Samstag in der gemischten Platte schon angekündigt, es ist eine historische Folge mit sehr vielen Fotos, denn die Quellenlage ist fantastisch.

Es gibt Gerichtsakten, es gibt Polizeiberichte, es gibt auch satirische Postkarten, natürlich. Im Jahr 1919 wurde alles auf satirischen Postkarten verarbeitet. Die Bilder findet ihr wie immer auf der Website. Ihr könnt dort alles sehen, alle Informationen, alle weiterführenden Links zur Folge. werden wir später noch ein bisschen drüber sprechen.

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Vielen herzlichen Dank. Ansonsten möchte ich noch darauf hinweisen, dass in dieser Folge, vor allem was dann, ich meine, ihr könnt es euch ungefähr denken, die Herstellung von der Sülze angeht, das wird teilweise schon explizit. Also, dass ihr es mal gehört habt. Ich würde sagen, wir gehen rein, oder? Jawohl, bitte. Auf nach Hamburg.

Herr Rüssau konnte froh sein, dass er einen Job hatte. Denn die Stimmung in Hamburg im Frühjahr 1919 ist schlecht. Sehr schlecht. Eine tiefe Erschöpfung, existenzielle Not und soziale Instabilität liegen über der Stadt. Die Seeblockade, die die Alliierten mit Beginn des Ersten Weltkriegs verhängt hatten, ist immer noch nicht aufgehoben.

Für eine Hafenstadt wie Hamburg, die von den Importen lebt, ist das eine Katastrophe. Lebensmittel sind rationiert und selbst das Wenige, was es gibt, wird Anfang 1919 noch einmal gekürzt. Anstatt 5 Pfund gibt es jetzt nur noch 4 Pfund Kartoffeln pro Woche. Fleisch gibt es, wenn überhaupt, nur um die 200 Gramm pro Woche.

Wer noch ein bisschen Geld übrig hat, der kauft auf dem Schwarzmarkt ein. Dort wird das Pfund Pferdefleisch für 7 Mark frei Haus geliefert. Zum Vergleich, für 30 Pfennig bekommt man zur gleichen Zeit in den überlaufenden Kriegsküchen eine warme Mahlzeit. In der letzten Märzwoche 1919 werden hier am Tag 186.000 Liter Essen ausgegeben.

Doch auch die Küchen für die Armsten können nicht verhindern, dass sich die Bevölkerung in einem Zustand der chronischen Unterversorgung befindet. Hunger, Ödeme und Blutarmut gehören für viele Menschen zum Alltag dazu. Und um dir einmal so ein Bild von der Zeit und von Hamburg 1919 zu geben, habe ich zwei Bilder dabei aus den Armenküchen damals.

Kannst du einmal gerne beschreiben, was du da siehst? Oh, also so richtig viel erkennen kann ich da auf dem ersten Bild nicht. Das sieht aus wie eine... Halle, so eine Holzhalle mit Tischen und Bänken, die aussehen wie Bierbänke und dann gibt es da rechts so eine Art Tresen oder Ausschank oder Ausgabe.

Der Tresentreff. Der Tresentreff. Und links sieht man zwei Personen sitzen. Ich muss sagen, der Mann, den man vorne sieht, der sieht relativ schick gekleidet aus mit Hut und Anzug. Und die Dame, die hat auch ein Kleid an und. Viel erkennen kann man nicht. Es sieht nur sehr dunkel aus und so, als würden da diese Lichter, die da oben an der Decke sind, so ein bisschen, Licht ins Dunkel bringen.

Und auf dem zweiten Bild sieht es auch sehr dunkel aus. Irgendwie sieht das nur aus, als wären da so Geister im Hintergrund. Aber sind das einfach nur Leute, die unkenntlich gemacht worden sind? Nee, ich glaube, weil die Fotos ja immer einen Moment genau brauchten, um fertig zu werden. Ja, dass die Leute nicht scharf sind, sondern dass das so ein bisschen verschwommen aussieht.

Auf dem zweiten Bild sehe ich große Fässer, in denen Menschen, Frauen, rühren. Also es sieht aus, als würden die so einen Eintopf oder so vielleicht machen, weil das schnell für viele Leute zubereitet ist. Aber auch da sieht es sehr dunkel aus. Ja, dunkel, dunkel, dunkel. Ich glaube, zu dem Mann auf dem ersten Bild, dass der so schick ist, ich weiß nicht, ob man daraus schließen kann, was seine Situation ist, weil früher waren die Leute ja schon generell ein bisschen schicker und selbst wenn sie jetzt wahrscheinlich wenig bis gar nichts hatten, haben sie sich schick angezogen, beziehungsweise war es auch eine Zeit, wo es sehr schnell ging, dass du was hattest und dann nichts mehr hattest.

Also wie ich meinte, auch der Herr Rüssau, apropos, ich sage immer Herr Rüssau, weil wir wissen den Vornamen nicht, deswegen Herr Rüsser, auch der kann froh sein, dass er einen Job hat, weil in so einer Zeit, wo es eigentlich keine Jobs gibt, die Arbeitslosigkeit war hoch, sehr hoch, da... Ist das möglicherweise ein Mann, der gerade erst in die Armut gerutscht ist.

Aber wie gesagt, wichtig zu wissen für die Zeit ist, es ist wirklich ein Zustand der Embehrung und der Unterversorgung. Denn das, was die breite Bevölkerung zu essen bekommt, das verdient den Namen auch oft nicht. Das Brot wird mit Kartoffeln und Steckrüben gestreckt. Die Marmelade besteht irgendwann mehr aus Kürbis und Steckrübe als aus Obst.

Und in Hamburg müssen zu Ostern Möweneier als Ersatz für Hühnereier herhalten. Und dann ist da noch der Schwanenpein, ein Brotaufstrich aus der Tube, hergestellt aus Alsterschwenen. Äh, das würde dir ja auch als Mensch mit einer Schwanenphobie. Hass, keine Phobie, Hass, Schwanenhass. Ja, aber selbst das möchte ich nicht, dass denen, die sollen, keine Ahnung, die sollen woanders hin, ja?

Die sollen, keine Ahnung, auf Albeza oder so irgendwie sich eine schöne Casa da mieten. Aber bitte nicht in meinem Umfeld. Aber in die Tube müssen die nicht. Aber generell müssen Vögel als billige Kost herhalten. Die Kölnische Zeitung zum Beispiel empfiehlt ihren Lesern Krähen als billiges, ausgiebiges und wohlschmeckendes Fleischgericht.

Und eine Berliner Wochenschrift rät zum Weihnachtsfest zur Sperlingssuppe. Also alles, was irgendwie durch die Luft geflogen ist und noch so ein Müh-Fleisch hatte, wird zu der Zeit verarbeitet. Eine Besserung ist im Frühjahr 1919 nicht in Sicht. Die schlechten Arbeitsbedingungen nimmt Herr Rüssau daher schweigend hin und fährt den Müll anderer Menschen durch die Stadt.

Hauptsache ein kleines Einkommen, denn damit konnte er sich auf dem Schwarzmarkt hin und wieder eine Kleinigkeit gönnen. Doch auch Herr Rüssau entging nicht, dass es im Nachkriegshamburg eine Schicht gab, die mit dem Problem der meisten Leute so gar nichts zu tun hatte. Im Alster-Pavillon an der Binnenalster zum Beispiel gönnte sich die High Society Kuchen und Süßigkeiten zu Wucherpreisen.

Während viele Menschen nicht wussten, wo sie am nächsten Tag wenigstens ein trockenes Stück Brot herbekamen, gab es viele Menschen, die zur gleichen Zeit sehr viel Geld verdienten. Getreu dem alten nordischen Motto, Krise kann auch geil sein, fing auch der Gerber und Lederhändler Jakob Heil zu dieser Zeit eine Art Nebengeschäft an, dass die Stadt im Sommer 1919 in ein tiefes Chaos stürzen und viele Menschen das Leben kosten wird.

Also, Gerber und Lederhändler. Und da schließt sich vielleicht der Gedanke an, was waren das denn für Abfälle? Bei dieser Herstellung fallen natürlich viele Fleisch- und Lederreste ab, die dann als Dünger verwendet werden. Mit Leder düngt man? Nee, tierische Abfälle sind ja am Ende organische Reste, die zum Düngen verwendet werden oder wurden. Ich glaube, jetzt gibt man nicht einfach irgendwie Fleischreste aufs Feld, aber am Ende sind das organische Reste, ja.

Von Jakob Heil habe ich leider kein Bild finden können, den müssen wir uns also vorstellen. Ich male ihn vor meinem inneren Auge. Wie sieht er aus? Noch weiß ich nicht allzu viel, aber ich stelle mir einen Mann vor, so Mitte, Ende 40, mit einem Vollbart und aber einem Schnurrbart, der nochmal so ein bisschen nach außen gestylt wird.

Ein bisschen untersetzt stelle ich ihn mir vor. Pausbäckchen. Und mehr habe ich gerade noch nicht gezeichnet. Aber ich bin gespannt, was ich noch über ihn erfahre, damit ich das ein bisschen. Vollenden kann, hier mein Meisterwerk. Ja, ja. Dann erzähle ich dir ein bisschen was zu ihm. Ende des Ersten Weltkriegs ist Jakob Heil eigentlich gar kein Lebensmittelfabrikant.

Bis zum Jahr 1918 war er hauptsächlich als Sachverständiger der Gerbereibranche für Versicherungsgesellschaften tätig. Dazu betrieb er eine eigene Gerberei. Er handelte mit Tierhäuten, Klauen, Hörnern und Lederabfällen jeder Art. Die Nahrungsmittelproduktion beginnt er eigentlich zunächst nur als Nebenbeschäftigung.

Denn in der kriegsbedingten Fleischnot sieht er ein gutes Geschäft. In seiner Fabrik Heil & Co. in der kleinen Reichenstraße 6 bis 10 beginnt er daher die sogenannte heilsche Delikatsülze herzustellen. Auch Mocktörtel-Ragout und Gelee hat er im Angebot. Mocktürtel-Ragout musste ich natürlich an unsere Challenge denken, die wir vor ein paar Wochen gemacht haben, ausgestrahlt haben.

Da musste Sebastian Mocktürtel-Ragout machen, was ich vorher noch nie gehört habe, dass der so eine norddeutsche Spezialität ist. Ich habe es jetzt aber am Wochenende im Supermarkt auch stehen sehen in einer Dose. Auch das erste Mal, dann wahrscheinlich vielleicht auch das erste Mal nur bewusst wahrgenommen.

Aber ich kannte das auch nicht bis zur Challenge. Ja, es ist im Grunde ein Rest-Ragout aus Innereien. Also da kommt allerlei in der Reihen rein und ja, Mocktürtel, weil es, keine Ahnung, aussehen soll wie Schildkröte. Keine Ahnung. Da Frischfleisch für die breite Masse kaum erschwinglich war, erfreut sich sein Ersatzprodukt schnell große Beliebtheit.

Die heilsche Delikatsülze kostet drei Mark das Pfund. Das war zwar immer noch teurer als die Mahlzeit aus der Kriegsküche für 30 Pfennig, aber günstiger als das Pfund Pferdefleisch vom Schwarzmarkt. Und die heilsche Sülze hat noch einen unschlagbaren Vorteil. Es gibt sie ohne Lebensmittelmarken. Für die Anwohner in der kleinen Reichenstraße ist die Fabrik von Jakob Heil allerdings doch etwas dubios.

Denn neben der Sülze verarbeitet Jakob Heil weiterhin parallel sein Leder in der Fabrik. Im Mai 1919 zeigt ein Anwohner die Fabrik an, weil der Gestank der verarbeiteten Fälle seine Wohnung unbewohnbar macht. Die Polizei rückt aus, bestätigt den Gestank, doch mehr passiert erstmal nichts. Ich glaube, das ist so ein Gestank, den kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, weil Ledergerben, das findet ja nicht mehr in Städten statt.

Das ist ja, und auch ehrlich gesagt nicht mehr in Europa, sondern das ist eine Arbeit, die an Orte in der Welt ausgelagert wurde, womit der Westen dann nichts mehr zu tun hat. Deswegen, aber es muss wirklich ein brachial ekelhafter Gestank sein. Also, ja. Aber der Jakob hatte da eine Zulassung für und eine Produktionsgenehmigung, oder? Ja, ja, genau. Und deswegen konnte man ihm nichts anhaben. Ja, schauen wir mal.

Wenig später, Mitte Mai 1919, finden Angestellte von Heil & Co. Zwischen den gebrühten Kalbsköpfen einen Hundekopf. Sie können sich nicht erklären, wie der dahin gekommen ist und bringen ihn zum Polizeiwachtmeister Fest, der für die Firma Heil zuständige Lebensmittelkontrolleur. Der stellt fest, ja, das ist ein Hundekopf, aber mehr passiert wieder nicht.

Auch hier Polizeiwachmeister fest, ich habe leider nur den Nachnamen. Deswegen werde ich den weiter so nennen. In der Nachbarschaft machen sich zu dieser Zeit die ersten Gerüchte breit. Der Jakob Heil verarbeitet Hunde in seiner Sülze. Dass die Polizei wieder und wieder nichts unternimmt gegen den Gestank und die offensichtlichen Hygieneverstöße, bringt die Anwohner auf die Palme.

Und die Behörden? Die wissen Bescheid. Schon lange. Denn schon im September 1918 meldet die Kriegsamtsstelle Altona, der Sülzebetrieb im Keller der kleinen Reichenstraße mache einen äußerst unsauberen Eindruck. Sie regen an zu prüfen, ob das Fabrikat überhaupt hygienisch einwandfrei ist. Doch die Polizei unter Leitung von Wachmeisterfest untersucht den Betrieb und findet die Räume in sauberen Zustand.

Ein Beamter des Medizinalamts, also wahrscheinlich der Gesundheitsbehörde damals, hält dieselben Räume hingegen für einen Nahrungsmittelbetrieb schlicht für ungeeignet. Zuständig fühlt sich am Ende niemand. Und so läuft die Produktion einfach weiter. Bis zum Morgen des 23. Juni 1919. Bis zu dem Moment, als Herr Rüssau ein Fass vom Lieferwagen rutscht.

Und wir haben ja am Samstag nochmal kurz über den Wilke-Prozess gesprochen. Da muss ich auch gerade andecken. A tale is old is time. Zuständigkeiten sind nicht klar. Kontrollen werden nicht gemacht oder werden vielleicht gemacht, aber dann auch nicht so richtig. Wer weiß, ob da was für Abhängigkeiten da nochmal so bestanden haben.

Ja, toll, toll. Ja, schön, ne? Frag mich jetzt natürlich, was das Fass jetzt damit zu tun hat, weil dass es da vielleicht unhygienisch ist und da Sülze verarbeitet wird als Nebenprodukt, das ist ja, irgendwie anscheinend schon irgendwie so ein offenes Geheimnis und jetzt fällt ein Fass oder geht ein Fass kaputt und es liegt dann überall, aber warum ist das dann der Moment, wo sich alles wendet?

Das wirst du uns jetzt ja hoffentlich erzählen. Die zähe gelbe Masse ergießt sich auf die Straße. Ein übel riechender Gestank hängt in der Luft. Es dauert nur wenige Minuten, bis sich ein kleines Grüppchen um den Tatort bildet. Sie sind sich sicher, in diesen Fässern stecken Lebensmittel, die selbst dem Heil zur Heikel waren.

Und der Zufall will es, dass genau in diesem Moment drei Männer vorbeikommen, die so etwas wie eine offizielle Autorität mitbringen. Eher ein Mitglied des großen Arbeiterrats, der Preisprüfungsstelle und des Arbeitslosenrats. Die drei beschließen, sich den Betrieb einmal genauer anzusehen. Und das ist jetzt so ein Moment, wo ich mir dachte, keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist, aber die dürfen in die Fabrik rein, auch mit Jakob Heil. Also der ist mit denen da unterwegs und läuft mit denen durch die Fabrik.

Und im Hof finden die drei Männer Felle, Häute und Säcke, teilweise überzogen mit einer dicken Schimmelschicht. Im Keller ziehen sie aus einem der herumstehenden Bottiche einen weiteren Hundekopf. In diesem Moment soll einer der drei Männer den danach legendären Satz gerufen haben, Hurra, da haben wir ja einen Hundekopf.

Die drei Kontrolleure lassen sich eine Probe der Sülze mitgeben, um sie bei der Gesundheitspolizei abzugeben. Als sich die Nachricht herumspricht, wächst vor dem Haus die Menge an. Erst sind es 150, 200 Neugierige, die nur schauen. Doch dann beginnen die Ersten in die Produktionsräume einzudringen. Die Polizei versucht sie zurückzuhalten, verspricht eine Untersuchung, doch vergeblich.

Bald stehen rund 1000 Menschen vor der Fabrik und der Unmut gibt in offene Aggressionen. Ein Augenzeuge beschreibt später, wie die Masse immer wilder und rasender wurde und ihre Opfer haben will. Immer wieder fällt ein Satz, der das Motto der nächsten Tage werden wird. Wenn die Behörden uns nicht helfen, dann helfen wir uns selber.

Diesen Worten folgen nur wenig später Taten. Die Menge holt Jakob Heil aus seinem Kontor und misshandelt ihn schwer. Die Polizei ruft einen Krankenwagen, um ihn wegzubringen, doch die Menge kapert das Fahrzeug und fährt den Fabrikanten damit zum Rathausmarkt. Dort, unter den Augen mehrerer tausend Schaulustiger, wird Jakob Heil vor den Alster-Arkaden über die Brüstung der Schleusenbrücke gehoben und in die kleine Alster geworfen. Bitte?

Die Menge entsorgt den Sülzer-Fabrikant im trüben Wasser. Doch Heil überlebt. Zwei Polizisten fischen ihn heraus, bringen ihn ins Rathaus und nehmen ihn schließlich fest. Mit dem Verdacht der schweren Nahrungsmittelfälschung. Der Bevölkerung reicht das nicht. Am Abend demolieren aufgebrachte Menschen Heilskontor und Geschäftsräume.

Dann kehrt Ruhe ein, zumindest vorerst. Denn der 23. Juni war nur ein kleines Vorspiel. Ich war gerade so schockiert, weil ich mir gedacht habe, ich kann verstehen, dass das die Nachbarschaft aufgeregt hat, was sie da seit Wochen, Monaten mit ansehen musste und auch Unzufriedenheit in sich gespürt hat, weil offensichtlich die Behörden, keine Anstalten gemacht haben, da irgendwie mal durchzugreifen.

Also das kann ich schon verstehen. Aber dann jemanden zu misshandeln, zu entführen und über eine Brücke zu werfen, ist natürlich dann nochmal eine ganz andere Hausnummer. Ja, das ist halt selbst so Volksjustiz und Lündjustiz, die, wenn wir über diesen Fall heute sprechen, aus heutiger Sicht ist das alles nicht wirklich nachvollziehbar.

Aber man muss sich vor Augen führen, in dieser Phase gab es sehr viele Menschen, die nichts hatten. Und die auch keinen Ausweg sahen, die wirklich ganz unten waren. Und ich habe es ja irgendwie versucht zu beschreiben, so das Fass war einfach randvoll und ist damit übergelaufen. Und dass diese Massen auch schnell so anschwellen, liegt auch daran, die Leute, die hatten ja nichts zu tun. Es gab unfassbar viele Arbeitslose in der Stadt, die einfach rumhingen.

Und wenn sich sowas dann rumgesprochen hat, dann hat sich da wirklich so ein Mob gebildet. Ja. Und das hört eben nicht auf am 23. Juni, sondern das geht am nächsten Tag, am nächsten Morgen direkt weiter. Am 24. Juni spielen sich in Hamburg Szenen ab, die Beobachter später als mittelalterlich beschreiben.

Ab 9 Uhr rotten sich erneut Menschenmengen zusammen. Sie fühlen sich verraten und ausgenutzt. Jakob Heil ist für die meisten Menschen nur ein Symptom. Kollektive Empörung macht sich breit. Zeitzeugen beschreiben die Stimmung in der Stadt an diesem Tag als ein vulkanartiges Grollen. Die rasende Volksseele bricht scheinbar nun vollends aus.

Die Gruppe der Aufgebrachten lässt sich nicht mit einem Wort beschreiben. Zum Großteil sind es Menschen aus den Armvierteln in Barmbeck und Hammerbrook, also viele Arbeiter und Arbeitslose, Menschen, die am stärksten unter der Mangelversorgung litten. Aber auch Matrosen, Jugendliche und viele Frauen sind Teil der Aufständigen.

Der Mob überfällt nun weitere Betriebe. Auch bei der Sülzefabrik Rosskamp und Stark, die ausschließlich Kommunen und Behörden beliefert, werden übelriechende Abfälle gefunden. Die Beschäftigten werden auf Wagen durch die Stadt gefahren, auf dem Rathausmarkt an den Pranger gestellt und gezwungen, ihre eigene Sülze zu essen.

Dazu müssen sie Schilder tragen mit Aufschriften wie, dieses haben wir zu Sülze für das deutsche Volk verarbeitet oder schlicht deutsche Volksernährung. Und von diesem Tag, von diesem Moment habe ich auch ein Bild für dich dabei. Auch wieder sehr dunkel. So ein bisschen, was sieht man? Eine Demo, so würde ich es beschreiben. Also eine Menschenversammlung.

Ja, das ist, glaube ich, nett formuliert, ja. Eine Menschenversammlung, ja, man kann jetzt nicht wirklich erkennen, ob es da aggressiv zu geht oder ob die Leute irgendwie bewaffnet sind oder so, weil man halt ganz viele Hinterköpfe sieht. Man sieht ein paar Plakate und dann sieht man, glaube ich, so eine Art Tierkopf, der auf einen Stab gesteckt wurde. Stimmt.

Sieht aus wie ein Stier oder so, auf jeden Fall sind es Hörner. So, viel mehr kann ich gar nicht erkennen. Ja, ansonsten ist es genau so eine relativ graue Masse. Ich finde, es sind schon viele Menschen, also man bekommt einen Eindruck davon, was da los war. Generell der Rathausmarkt in Hamburg, der wird jetzt noch eine sehr große Rolle spielen, die nächsten Tage und Wochen.

Gegen Mittag rückt dann auch die erste Behörde ins Visier der Aufständischen. Auf dem Rathausmarkt behaupten Redner, das Kriegsversorgungsamt habe von den Zuständen bei Heil gewusst und sie geduldet. Wie wir heute wissen, ist die Vermutung damals nicht ganz falsch. Ein Demonstrationszug setzt sich in Bewegung. Das Amt, also das Kriegsversorgungsamt, wird gestürmt, besetzt und teilweise verwüstet.

Der Leiter der Behörde, Dr. Leo Lippmann, soll die Behörde auf der Stelle schließen, fordern sie. Als er erklärt, dass dann die gesamte Lebensmittelversorgung Hamburgs ins Stocken geriete, bekommt er zur Antwort nur, dann blündern wir die Lager und können uns dann endlich einmal satt essen. Am Nachmittag reicht dann ein weiteres Gerücht aus, um die Stimmung noch weiter eskalieren zu lassen.

In der Blindenanstalt heißt es, sei verschimmeltes Brot an die Bewohner ausgegeben worden. Ein Vorwurf, der nicht so ganz aus der Luft gegriffen ist, wie sie später bestätigen wird. Demonstranten dringen die Anstalt ein und zwingen den Direktor Heinrich Merle und seine Frau sowie den Inspektor der Einrichtung ebenfalls zum Rathaus zu folgen.

Doch die Rathauswache, eine Art behördliche Polizei, befreit die drei und bringt sie ins Rathaus. Damit kippt die Stimmung endgültig. Denn aus Sicht der Menge versteckt der Staat jetzt zum wiederholten Mal die Schuldigen hinter den Mauern des Rathauses. Der Zorn hat jetzt ein neues Ziel. Walter Lampel, Kommandant von Großhamburg.

Lampel ist Mehrheitssozialdemokrat und eigentlich einer, der der Arbeiterschaft nahestehen sollte. An diesem Abend trifft er aber eine Entscheidung, die Historiker später als den entscheidenden Fehler dieser Tage bewerten werden. Und von Herrn Lampe habe ich ein Foto dabei. Lampe übrigens geschrieben, Lamp apostroph L.

Auch eine Schreibweise, die ich so noch nie gesehen habe. Das ist der Kollege. Ich finde, der sieht jemand ähnlich. Ja. Ich finde, das könnte der Großvater von Tim Belzer sein. Ja, ich habe überlegt, an wen er mich erinnert. Es stimmt, es stimmt. Hat was. Oder der Bart natürlich, aber auch die Haare. Irgendwie schon.

Und auch der Blick. Also man sieht einen, ja irgendwie jemanden mit einer offiziellen Uniform, auch wenn ich da jetzt gar nicht so Abzeichen oder sowas sehe, aber es hat was Uniformesches. Also er kommt ja aus der Arbeiterschaft. Okay, und die Nieten auf dem Stuhl hinter ihm spiegeln sich irgendwie mit den, Knöpfen seines Outfits wieder. Ja. Ja, sitzt an einem Schreibtisch.

Der sitzt so ein bisschen wie so ein nasser Sack in diesem Stuhl, finde ich. Ja, kann man so deuten. Aber sonst hat er einen ziemlich stabilen Blick. Sieht aus, als könnte er durchgreifen. Sieht aus wie ein Mann, der eigentlich alles unter Kontrolle haben sollte und das auch eine Weile hatte. Aber jetzt mit der Entscheidung, die er trifft an diesem Tag.

Macht er wirklich alles falsch. Denn er fordert die Barenfelder an. Und die Barenfelder ist eine Gruppe, die offiziell eigentlich Freiwillige Wachabteilung Barenfeld oder Barenfelder Jägerbataillon heißt und die ein im Frühjahr 1919 gegründeter Freikorps-ähnlicher militärischer Verband waren. Also ohne jetzt zu tief reinzugehen, aber es gab ja zu dieser Zeit ganz viele militärische Gruppen, die jetzt nicht zum Staat gehörten per se, aber bei den Freikorps beziehungsweise bei den Barenfeldern handelte es sich um eine Gruppe, die auf Initiative einflussreicher Hamburger Kaufleute gegründet wurde.

Und die setzte sich zu zwei Dritteln aus Weltkriegsoffizieren zusammen und der Rest waren Studenten und Schüler. Damit du einen Eindruck bekommst von den Barenfeldern, habe ich noch ein Foto. Wiederum, man sieht jetzt nicht so viel, aber es ist ein Gefühl. Das zieht sich ja hier durch die heutige Folge durch. Ich habe Fotos, aber man sieht nicht so viel.

Ach komm jetzt. Nee, stimmt, hier den Lampe habe ich ganz gut gesehen. Ja. So, die Barenfelder. Ach doch, man sieht schon was. Kaffeehaus Tivoli im Hintergrund. Und im Vordergrund zwei Männer in Uniform auf einer, wie nennt man die Dinger? Na Kanone? Ach, na Kanone. So, nämlich. Aber so eine richtig klassische mit Rädern drin. Richtig. Glücklich sehen die aus. Die schmeilen, die lachen total nett in die Kamera.

So als säßen sie auf einem Go-Kart oder so. So sieht der Typ aus, der auf der Kanone sitzt. Stimmt, stimmt. Ein bisschen irritierend. Sehr irritierend, finde ich. Diese Truppe marschiert jetzt am Abend des 24. Juni mit Stahlhelm und Maschinengewehren in Richtung Rathausmarkt. Der Großteil erreicht das Rathaus unbehelligt, doch die letzte Gruppe wird von der Menge abgeschnitten, umzingelt und täglich angegriffen.

Die Soldaten geben erst Warnschüsse ab, dann schießen sie scharf in die Menschenmenge, dann explodiert eine Handgranate. Zurück bleiben ein Toter und rund 15 Verletzte. Wenn ihr jetzt denkt, dass die Aufständigen einen Rückzieher machen, täuscht ihr euch gewaltig. Die Lage eskaliert immer weiter. Die Sülze vom Vortag scheint lange vergessen. Hier geht es jetzt um was Größeres.

Die Aufständigen bewaffnen sich. Waffengeschäfte werden geplündert, einzelne Volkswehrmänner werden entwaffnet, Wachen besetzt. Die Nacht über liegt das Rathaus unter Beschuss. Lampe fordert weitere 150 Barenfelder an, die sich unter ständigen Schießereien durch die Innenstadt kämpfen. Um 5 Uhr morgens erreicht Hauptmann Kurt Senftleben das Rathaus und übernimmt das Kommando.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Sag mal, was hatte denn der Heil eigentlich mal dazu gesagt? So, gut, das ist jetzt nämlich mein nächster Absatz. Ah, okay, jetzt habe ich mich gefragt. Der hat ja offensichtlich die Leute immer in seine Fabrik gelassen, um denen zu zeigen, hey, hier geht es mit rechten Dingen zu.

Manche haben gesagt, nee, stimmt nicht, aber manche haben ja auch gesagt, nee, alles in Ordnung. Dann wird er gekidnappt und versucht zu töten, überlebt. Sein Kontor, alles ist durchwüstet und zerstört. Was ist denn da eigentlich? Was ist denn da los? Der bekommt tatsächlich von all dem nicht so viel mit.

Denn noch bevor die Lage am Abend des 24. Juni durch das Eintreffen der Barenfelder eskaliert, wurde Jakob Heil wegen des Verdachts der schweren Lebensmittelfälschung vom Rathaus in das Polizeigefängnis überstellt. Gleichzeitig machen sich Ermittler auf die Suche, was dran ist an den Gerüchten und Vorwürfen.

Und auch ein Psychiater setzt sich mit dem Sülze-Fabrikanten zusammen, um zu verstehen, wie er tickt. Und die Ergebnisse dieser Ermittlungen und Untersuchungen werden wir uns später nochmal anschauen. Währenddessen verhängt Walter Lempel am Morgen des 25. Juni den Belagerungszustand über Hamburg. Gleichzeitig verhandelt er mit einer Delegation der Betriebsräte.

Man einigt sich auf einen Waffenstillstand. Das heißt, auch wenn diese Gruppe der Aufständigen, der Demonstrierenden so ein bisschen was, Was so eine undefinierbare Masse war, haben dann die Betriebsräte zu der Zeit die politische Verantwortung übernommen, könnte man sagen. Oder haben sich dafür eingesetzt, dass das Ruhe einkehrt.

Doch gegen Mittag fällt ein Schuss. Wer zuerst schießt, lässt sich nicht ganz aufklären. Die Barenfelder, die die Gewehre niedergelegt hatten zu dieser Zeit, werden überrumpelt, entwaffnet, beschimpft und geschlagen. Was folgt, ist eines der dunkelsten Kapitel der Stadt Hamburg. Die gefangenen Bahnfelder werden aus dem Rathaus geführt, dann wird in die Gruppe hineingeschossen.

Einige werden brutal misshandelt, andere in die Alster geworfen. Am Ende stehen 14 Tote und 42 Verwundete. Der Rausch der Menge ist damit nicht vorbei. Das Stadthaus, der Sitz der Polizei, wird besetzt. Akten werden verbrannt. Auch ein Gefängnis übernehmen die Aufständigen und befreien die Häftlinge.

Erst in der Nacht flauen die Unruhen ab. Die Menge hat erreicht, was sie wollte. Die Bahnfelder sind vertrieben, das Rathaus gefallen. Und von der Sülze spricht niemand mehr. Geht es hier wirklich noch um die Lebensbedingungen in der Hansestadt und um die unhygienischen Produktionen von Lebensmitteln oder mehr?

Ja, soziale Ungleichheit. Und dass man sich ungerecht behandelt fühlt und das Gefühl hat, dass manche Leute, denen es eh schon finanziell besser geht, sich anscheinend einfach bereichern können mit unlauteren Mitteln auch. Und man will für Gerechtigkeit kämpfen. Also danach klingt das für mich. Es gibt tatsächlich zu der Zeit auch die Vermutung, dass das ein Protest ist, der von gewissen politischen Kräften ausgelöst wurde, im Speziellen von der Kommunistischen Partei.

Aber die stellt sich immer wieder dagegen und sagt, dass sie jeden bewaffneten Widerstand ablehnen. Aber bis heute wird immer wieder diskutiert, ob es da politische Gruppen gab, die das Ganze angeheizt haben, was natürlich ab einem gewissen Punkt so nicht ganz unwahrscheinlich ist. Es gibt aber keine Belege dafür, wie die Stadt wirklich immer weiter so sich hochgeschwungen hat. Weil das ist ja wirklich, dieser Mob ist ja, der scheint ja nicht mehr zu zähmen. Es gibt ja kein Ende dafür.

Aber Hamburg versinkt jetzt wirklich Ende Juni im absoluten Chaos. Und das ist natürlich auch ein Problem in Berlin, in der Hauptstadt. Da denkt sich der Reichswehrminister Gustav Noske, was da in Hamburg passiert, das ist kein Hungerprotest, sondern es ist der Anfang eines kommunistischen Umsturzversuches.

Das ist das, was ich gerade meinte, dass er vermutet, dass die Hamburger KPD dahinter steckt. Er sieht die Stadt Hamburg und vor allem den Hafen im Chaos versinken. Er lässt die Reichswehrbrigade nach Hamburg einmarschieren. Doch der erste Einmarschversuch am 27. Juni gerät zur Blamage. Die Soldaten werden schon auf dem Weg in die Innenstadt von Menschenmassen umringt und, wie es ein Betriebsrat später formuliert, einfach gütlich überredet, ihre Waffen niederzulegen.

Arbeiter und Arbeiterfrauen reden auf Plattdeutsch auf die norddeutschen Truppen ein und klären sie über die Lage auf. Die Soldaten erklären daraufhin, sie wollten nicht gegen Arbeiter stehen, die verschimmelte Sülze essen müssten. Das stelle ich mir wirklich sehr lustig vor. Wir haben so mal, nee du, lass mal gut sein.

Nee, oh du, wir müssen hier... Mein Plattdeutsch ist ganz dünn im nächsten Jahr. Aber du... Müssen hier dreckige Sülze essen. Oh nee, du, lass mal, lass mal gut sein. Dann geh mal wieder nach Hause. Ja, so wird das gewesen sein. So wird das wohl gewesen sein. In Berlin ist man entsetzt darüber. Denn so leicht lässt man Hamburg nicht davon kommen. Ja, soll er halt mal selber nach Hamburg reisen und sich ein Bild von der Sache machen. Ja. So.

Macht er aber nicht. Noske befiehlt am 1. Juli mehr als 10.000 Soldaten, 30 Geschütze, 14 Minenwerfer und 237 Maschinengewehre, dazu ein Panzerzug, Panzerwagen und eine Fliegerabteilung nach Hamburg. Da kommt, glaube ich, die Formulierung, die großen Geschütze auffahren. Da geht es nicht mehr darum zu verhandeln, da geht es nicht mehr darum, sich um die Lebensmittel zu kümmern, sondern da geht es wirklich einfach nur darum, mit aller Gewalt diese Aufstände niederzuschlagen.

Mit dem Ruf, Fenster zu und Straße frei, ziehen die Truppen durch die Straßen. Wenn die schnell genug Platz macht, wird erschossen. Hamburg bleibt fast sechs Monate unter dem Belagerungszustand der Reichsarmee. Erst am 19. Dezember 1919 wird dieser offiziell aufgehoben. Also gut sechs Monate, nachdem die Sülze und Rund vor der Fabrik von Jakob Heil einen Anfang nahmen.

Und von der Belagerung in Hamburg habe ich nochmal ein Foto, dass du siehst, was das für ein Ausmaß war, was da aufgefahren wurde. Das ist wieder auf dem Rathausmarkt. Ich habe ja schon gesagt, der spielt heute eine große Rolle. Und wenn ihr demnächst in Hamburg seid, dann... Werde ich auf jeden Fall daran denken.

Ja, was da alles schon passiert ist. Weil ich finde heutzutage, ich finde den Hamburger Rathausmarkt irgendwie so ein bisschen... Geschichtslehr. Und jetzt nach der Geschichte muss ich sagen, krass, was da alles schon passiert ist und was da stattgefunden hat. Ja, ich weiß nicht, wie man die Formation nennt, die man da jetzt sieht, aber es ist auf jeden Fall so, dass in einem Quadrat mehrere Soldaten hintereinander.

Stehen und in der Mitte stehen ein paar Pferde, berittene Pferde, wohlbemerkt. Die stehen aber ein bisschen random da rum. Ja, die stehen random rum, so als würde es, Das sieht für mich, also auf den ersten Blick dachte ich, das sieht aus wie so ein Spiel, also wie so ein Schachbrett ohne Schachbrettmuster, aber so, weißt du, hier beide Seiten machen irgendwas mit Figürchen.

Und ist im Hintergrund, sind das alles Zuschauende oder was ist da los? Ja, scheinbar, ja. Okay. Was das für ein Ausmaß angenommen hat, das ist wirklich… Richtig, ja. Insane. Ja, und wie eng die Menschen da früher immer standen. Ja, naja. Also dieses Regiment, was da aufgefahren wird, diese Brigade ist wirklich einfach dazu da, alles niederzuschlagen und im Grunde schaffen sie es auch.

Denn mit dem Einmarsch kommen die Unruhen zu einem Ende. Eine exakte Opferbilanz dieser Sülze und Runen, so gehen sie ja in die Geschichte ein, gibt es nicht. Ein Bericht zählt 76 Tote, aber das gilt seit 1918, also es ist nicht ganz genau. Aber ich sag mal, in diesem Bereich wird sich die Opferzahl ungefähr bewegen.

Also ja, diesen Sülze und Runen sind wirklich eine ganze Menge Menschen zum Opfer gefallen. Und alles nur wegen der angeblich gepanschten Sülze. Und da bleibt natürlich jetzt die Frage, was passiert mit Jakob Heil? Wird er zur Rechenschaft gezogen? Und stimmen die Gerüchte überhaupt, dass er Hunde und Schlachtabfälle in seiner Sülze verarbeitet hat?

Und haben diese Praktiken aufgehört danach oder nicht? Lilly, wir werden Antworten auf diese Frage finden. Schon im Oktober 1919 stehen Jakob Heil und seine Betriebsleiterin Auguste König vor dem Landgericht Hamburg. Und was die Verhandlung zutage fördert, ist tatsächlich noch schlimmer als die Gerüchte.

Heil hatte bei Häutehändlern und Gerbermeistern Rohhautabschnitte aller Häute und Fälle in aller und jeder Beschaffenheit aufgekauft. Dementsprechend war auch die Ware. Zum Großteil war das, was Jakob Heil hier verarbeitet hatte, alte, verfaulte oder jahrelang gelagerte und gesalzene Häute. Ein Staatstierarzt, der eingehende Sendungen bei Heil untersucht, die nach den Unruhen noch ankommen.

Beschreibt er als faulig, stinkend und madig. Arbeiterinnen sagen aus, die Fälle seien oft matschig und faulig gewesen und ihrer Ansicht nach nicht für Lebensmittel geeignet. Die Betriebsleiterin König habe aussortierte Stücke sogar wieder aus dem Abfall geholt und für verwendbar erklärt. Damit die Ware trotzdem verkäuflich aussah, wurden die heute stark gekalkt.

Das überdeckte die Fäulnis, ist aber, wird euch nicht überraschen, für Lebensmittel verboten. Und der berühmte Hundekopf. Da muss man sagen, in der Sülze selbst werden bei der Untersuchung zwar Spuren von Katzen-Eiweiß gefunden, die allerdings, so das Gericht, auch vom Urin streuender Katzen hätten stammen können.

Pferdefleisch wird in geringer Menge verarbeitet. Die gezielte Verarbeitung von Hunden, Katzen oder Ratten kann man Jakob Heil hingegen nicht vollständig nachweisen. Aber warum sollten da sonst Hundeköpfe gelegen haben? Du, ich trage dir hier nur vor, was feststeht. Lass mich da jetzt nicht auf Spekulation ein. Kannst du probieren, aber mach ich nicht.

Das Gericht nennt Heilstaten ein sehr schweres Vergehen gegen die Volksernährung. Sein Urteil ist drei Monate Gefängnis und tausendmal Geldstrafe. Die genaue Umrechnung habe ich leider nicht finden können, aber nochmal zum Vergleich, eine Sülze hat bei ihm drei Mark gekostet, also mit 333 Pfund Sülze hat er das wieder rein. So viel war das also jetzt nicht, ne?

Auguste König bekommt wegen Beihilfe sechs Wochen Haft. Es stellt sich in den Ermittlungen außerdem heraus, dass sie mit dem Polizeiwachmeister Fest eine Affäre hatte. Ach so, ja. Sicherlich ein Grund, dass die behördlichen Untersuchungen der Fabrik keine Konsequenzen hatten. Gegen den Kontrolleur wird ein Disziplinarfan eingeleitet.

Und noch etwas wird im Laufe des Prozesses klar. Jakob Heil ist sich keine Schuld bewusst. Ein psychiatrisches Gutachten attestiert ihm eine sogenannte Hypomanie, die sich vor allem in einem erhöhten Selbstbewusstsein ausdrücke. Mit seiner Verurteilung, sagt er, habe man sich der Menschheit gegenüber versündigt.

Denn was er erzeugt habe, sei, und das sind jetzt alles Zitate, geradezu ein Bedürfnis gewesen. Er brüstet sich ja mit, dass er Rohstoffe, also diese Lederreststoffe, der Ernährung der Menschheit zugeführt hat, nutzbar gemacht hat. Am Ende des Prozesses verklagt er die Stadt Hamburg auf Schadensersatz.

Denn die bei den Unruhen beschlagten Kopfhäute und Leimstücke waren seiner Meinung nach durchaus noch zur Verwendung für Lebensmittelzwecke geeignet gewesen. Würde mich mal interessieren, wie viel er selber davon gegessen hat. Guter Punkt, wirklich sehr gut. Also diese Hybris, ne? Ja, ja, also diese Selbstwahrnehmung.

Dann merkst du auch, diese Menschen gibt es nicht nur heute, die gab es schon immer. Also wirklich, diese komplette Überschätzung und dieses auch nicht einfach mal sagen, okay, ich habe einen Fehler gemacht. Punkt. Einfach dann doch die Stadt zu essen. Egal, die Klage wird dann 1922 abgewiesen. Also hat keiner voll gehabt. In Hamburg wird das Urteil gegen Jakob Heil mit Unmut aufgenommen, denn während der Sülze-Fabrikant nach drei Monaten wieder auf dem Fuß ist, bekommen Mitglieder der Aufständigen Haftstrafen bis zu 16 Monaten.

Den Menschen ist klar, wer gegen den Staat aufbegehrt, wird härter bestraft als der Mann, der den Aufstand ausgelöst hat. Und tatsächlich, nachdem Jakob Hay wieder auf freiem Fuß ist, beginnt er auch wieder mit Leder zu handeln und macht weiter seinen Gerbereibetrieb. Dem Simpel verkauft er nicht mehr, aber er macht einfach da weiter, wo er aufgehört hat.

Lilly, das war die Geschichte der Hamburger Sülzeunruhen und wie eine vergammelte Sülze zu sehr, sehr dunklen Wochen in der Geschichte der Stadt Hamburg geführt hat. Noch nie habe ich davon gehört, von den Hamburger Sülze. Ja, ich auch nicht. Ich werde jetzt jedes Mal, wenn Leute in meinem Umfeld Sülze essen, was gar nicht so selten vorkommt, davon erzählen. Wirklich?

Ja, also meine Mutter zum Beispiel, die ist ganz gern mal Sülze. Da werde ich mal davon erzählen, wenn die das noch gar nicht wusste. Spannend. Und, ja, du hast recht, ich war oder den Hamburger Rathausplatz verbindet man irgendwie nicht mit so viel, außer wahrscheinlich Leute, die in Hamburg leben und auch mehr über den Platz wissen.

Aber ich werde jetzt auch mit anderen Augen da über den Platz laufen. Ich verbinde ihn ehrlich gesagt nur mit dem Triathlon. Ich gefühlt immer, wenn ich da war, war in Hamburg gerade Triathlon und die Leute sind von da ins Wasser gesprungen. Das ist auch so ein Fernsehevent, was irgendwie Mitte August irgendwie den Fernseher anmacht. Dann läuft immer Triathlon aus Hamburg und Michael Antwerpes steht da und interviewt irgendwie so einen Typen, der gerade acht Stunden durch die Alster geschwommen ist.

Ja, krass. Ja, danke für die Geschichte. Und tatsächlich ist dieser Fall oder sind die Sülze-Unruhen jetzt gar kein Einzelfall, weil im Jahr 1919 gab es Hunger-Unruhen, könnte man sie nennt auch, in anderen Städten. Aber so groß wie in Hamburg ist es nirgendwo eskaliert. Und noch eine ganz lustige Information zu der Geschichte ist, nach den Unruhen wurde ein Lied von der Sülze per Flugblatt in der Stadt verteilt.

Und dieses Lied arbeitet mit Wortwitz, die Unruhen und die Gerüchte auf. Ich packe euch das mal auf die Website, es sind 16 Strophen, deswegen wollte ich das jetzt hier nicht vorlesen. Das dauert ein bisschen, aber ihr könnt euch das gerne durchlesen auf der Website. Es ist wirklich, es ist einfach so ein ganz nettes, und ich habe ja versprochen, dass es auch Postkarten und Karikaturen gibt, deswegen möchte ich dir noch eine Postkarte zeigen aus der Zeit.

Wo diese Unruhen als Karikatur verarbeitet wurden. Firma Heil, vornehme Sülzefabrik. Lecker, lecker. Ich finde das so geil. Früher hat man so Leute beleidigt, indem man vornehme Sülzefabrik einfach in Anführungszeichen geschrieben hat. Und damit war der Flex da, damit war die Firma Heil so richtig geburned.

Ja, ich meine, das ist natürlich dann alles so, das ist ein bisschen zurückhaltender und nicht so in the first place beleidigend, sondern halt erst in the second. Und das gibt dem ja vielleicht nochmal so ein bisschen mehr, wie soll man sagen, ein bisschen mehr Galanz. Galanz, gibt es das? Galanz? Glanz vielleicht? Nee, Glanz meinte ich nicht.

Oder Eleganz. Elegant, wenn man etwas galant ist. So ein bisschen ein Satire für die höhere Schicht. So verstehe ich das ein bisschen. Ach, weiß ich auch nicht, ich fassbel mich hier gerade, auch nicht nur die höhere Schicht. Für die selbst die Anstalt Proletariatsfernsehen ist. Ja, und dann sieht man, ich kann ehrlich gesagt nicht allzu viel erkennen, aber man sieht ein Förderband in einer Fabrik, an dem Menschen stehen und darauf arbeiten.

Und wahrscheinlich liegt auf dem Förderband so allerlei, was da so verarbeitet wird. Ja, genau. Also vielleicht kurzes Feedback an die Person, die das gezeichnet hat. Weniger ist mehr. Das einfach vielleicht mal mitnehmen für die nächste Postkarte. Da ist viel los. Das wäre so meine Anmerkung. Richtig, ja.

Wir sprechen ja nicht immer so explizit über unsere Quelle, aber dieses Mal möchte ich da gerne zwei erwähnen, die wirklich sehr, sehr wichtig für diese Folge waren. Es gibt nämlich einen Beitrag vom Verein für Hamburgische Geschichte von Uwe Schulte-Warendorf und einer Magisterarbeit von Sven Philipski aus dem Jahr 2002, die sich beide sehr, sehr intensiv mit, den Hamburger Sülze-Unruhen beschäftigt haben, wo ich auch viele dieser Bilder gefunden habe.

Ich verlinke das beides auf der Website. Und es gibt eine Kiez-Tour mit Olivia Jones in Hamburg zu den Sülze-Unruhen. Richtig, nein. Ich mache eigentlich mal kurz, einen Moment habe ich ganz kurz überlegt. Gibt es die wirklich? Nein. Aber es wäre doch vielleicht mal ein schöner Anreiz, dass Olivia Jones so ihr Potpourri erweitert.

Nicht nur immer hier Sexshop und Höschen, Höschen, sondern mal ein bisschen was mit Geschichte. Richtig, auch mal ein Fässchen. Ein Fass aufmachen. So, richtig. Alles klar. Das war es jetzt für diese Woche von mir. Aber von dir kommt ja noch der Foodcrime der Woche. Ist es ein persönlicher oder ist es eine Community? Nein, es ist einer aus der Community von einem treuen Hörer namens Moritz.

Und der findet, dass es ein absoluter Foodcrime ist, dass man auf sämtlichen Brötchen und Baguettes, die man so bei Bäckern bekommt, Remoulade drauf ist. Richtig. Schön, dass du es endlich mal aussprichst. Schön, dass das mal jemand sagt. Warum? Also genau, ich würde sagen, wir sind direkt dabei, also wir gehen direkt mit. Ich frage mich, warum?

Ich habe dann kurz überlegt, vielleicht weil das über den Geschmack des wirklich billigsten Käses und des schrumpeligsten Salates, den man da meistens auch drauf findet, überdecken soll. Richtig. Oder damit es überhaupt nach irgendwas schmeckt. Aber also Remoulade auf so viel Brote zu schmieren, ich finde das ist auch so. Es ist ein Spott billig.

Ja, aber lass es doch einfach ganz. Und es ist halt nicht nur Mayo. Weißt du, wenn du nur Mayo drauf machst, ich glaube, das... Also brauche ich doch auch nicht auf einem Brötchen, auf einem Beleum. Nein, aber du musst dir irgendwas drauf machen, dass es schmiert, weil ansonsten hast du so ein trockenes Brötchen mit schon so einem halb angetrockneten Käse und so einer Ollenscheibe Wurst.

Das ist alles trocken. Also brauchst du irgendwas, was das schmiert. Butter ist zu teuer. Einfach Öl reinkippen geht auch nicht. Also nimmst du Remoulade, weil nur Mayo ist für viele Leute nur Mayo, Aber Remoulade ist ja Mayo mit bisschen was drin. Mayo mit Stückchen. Was anderes ist das ja nicht. Mayo mit, genau. Und deswegen nimmst du Remoulade. Weil da sind so ein bisschen Kräuter drin, da denken die Leute, oh, es ist was Leckeres, gesund.

Aber du, Lilly, da rennst du bei mir offene Türen ein. Also Remoulade überall. Das ist wirklich, das ist eine Pest. Ich finde Remoulade an sich ist was, eine gute Remoulade ist in so einem Brauhaus zu so einem Stück Fleisch oder so, finde ich das ja ganz lecker. Ja. Oh, wir waren letztens, als wir in München waren, wir haben ja in München gedreht, und da waren wir in einem Restaurant, das verlinke ich euch auch, große Restaurant-Tipps heute hier.

Und ich habe, Elias und ich haben es beide gegessen, so Backhendel. Oh ja, lecker. Backhindl ist ja dann so meistens Bein, nicht Brust, sondern so Bein, paniert. Und dann gab es eine selbstgemachte Remoulade dazu. Die war so geil, die war so gut. Und da esse ich das gerne. Aber auf einem Brötchen, wenn ich einfach ein schnelles Brötchen haben möchte und am Ende da Camembert oder sowas drauf ist, dann mache ich doch da nicht noch Remoulade drauf. Ja, ich finde auch.

Das ist wirklich ein Foodcrime, der seinesgleichen sucht. Und mich würde wirklich mal interessieren, Also ob das jemand mag oder sich darüber wirklich aktiv freut oder ist das schon so ein Abgedroschenheit nach dem Motto, ja das ist halt so, das habe ich immer so gelernt. Aber jetzt mal ganz ehrlich, wer, das können wir auch nochmal zur Abstimmung freigeben.

Es würde mich auch enttäuschen, wenn jetzt die Mehrheit unserer Hörerinnen und Hörer sagen würde, dass das was Gutes ist. Wir machen wieder eine Umfrage. Das wird jetzt einmal explizit geklärt. Magt das jemand? Ja oder nein? Magst du das? Mehr möchte ich ja gar nicht wissen. Ich glaube auch nicht, dass es dazwischen gibt.

Es gibt nur Ja oder Nein. Nee, ich glaube auch nicht, dass jemand sagt, ja, stört mich jetzt nicht. Entweder du magst es oder du hast es. Ja, richtig. Gut, da sind wir uns einig. Ist doch auch mal wieder schön. Manchmal sind wir uns ja gar nicht so einig. Das ist wirklich, also mit diesem bodenlosen Foodcrime machen wir jetzt hier die Tür zu und sagen danke, dass ihr zugehört habt.

Wir hören uns nächste Woche wieder. So ist es, da freue ich mich drauf. Da werde ich wieder ein Foodcrime mit dabei haben und ich wünsche euch allen noch eine wunderbare Woche. Wenn ihr heute hört, also wenn unsere Folge heute rausgekommen ist zum Dienstag, habt ihr ja die Woche schon geschafft und macht es euch noch schön.

Die Woche schon geschafft? Wenn ihr die Folge heute hört, wenn sie rausgekommen ist an einem Dienstag, dann habt ihr ja den Wochenstart schon geschafft. Und ich wünsche euch einfach noch einen richtig stabilen Rest dieser Woche. Ja, kommt gut durch. Fühlt euch lieb gegrüßt. Salut. Tschüss. Die Aufständigen. Die Aufständischen. Aufständigen? Aufständischen?

Aufständigen. Ich habe gerade eine Nachricht bekommen, die verstehe ich nicht. Bei WhatsApp, aber jetzt ist es irgendwie weg. Vielen Dank für die Karte und das Geld. Ich weiß gar nicht, wenn ich Geld geschickt habe. Aber gut. Egal. Fahren wir fort. Lilly, du musst aufhören, Leuten einfach so Geld zu schicken.

Die checken das nicht. Stell dir mal vor, ich war so eine Person. So abends in meinem Bett über Paypal irgendwie 200 Dollar hier.

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