Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

#90 Das unglaubliche Wunderwasser von Ebenezer Byers

Dienstag, 18. August 2026 · 46 min

MP3

Shownotes

Ein unerwarteter Ruck im Zugabteil lässt Ebenezer McBurney Byers 1927 aus seiner Koje stürzen. Dabei verletzt sich der erfolgreiche Unternehmer und Golfspieler am Arm. Aus Angst, die anhaltenden Schmerzen könnten das Ende seines meisterhaften Golfspiels bedeuten, sucht er Hilfe bei einem Arzt in Pittsburgh. Der Arzt verschreibt ihm etwas, das ihm helfen soll und tatsächlich: Die Beweglichkeit von Ebenezers Arm und Schulter kehrt zurück. Bald schon trinkt er täglich bis zu drei Flaschen von dem Wundermittel, das ihm verschrieben wurde. Das macht er jahrelang. Doch ein paar Jahre später, ist von dem einst so aktiven und fitten Mann nicht mehr viel übrig. Im Jahr 1932 stirbt Ebenezer mit nur 51 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus. Doch was genau war der Grund für seinen Tod? Und was hatte sein Tod mit dem langsamen und schmerzhaften Tod von mehr als 50 Frauen zu tun?
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Ebenezer McBurney Byers ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er ist Yale-Absolvent, Erbe eines erfolgreichen amerikanischen Industriellen, ein sogenannter Frauenheld und im Jahr 1906 US-Amateur-Champion im Golfen. Sein Niedergang beginnt 1927 auf einer Zugfahrt zurück vom jährlichen Harvard-Yale-Derby eines prestigeträchtigen Football-Spiels der beiden Elite-Unis.

Ein unerwarteter Ruck im Zug lässt Eben, wie er genannt wird, aus seiner Koje stürzen. Dabei verletzt er sich am Arm. Aus Angst, die anhaltenden Schmerzen könnten das Ende seines meisterhaften Golfspiels bedeuten, sucht er Hilfe bei seinem Arzt in Pittsburgh. Der Arzt verschreibt ihm etwas, das ihm helfen soll und tatsächlich, die Beweglichkeit von Eben's Arm und Schulter kehrt zurück.

Bald schon trinkt er täglich bis zu drei Flaschen von der Medizin, die ihm verschrieben wurde. Das macht er jahrelang. Denn auch seine Libido ist seines Erachtens dadurch zurückgekehrt. Eben ist so überzeugt von dem Wundermittel, dass er es Kolleginnen und Freundinnen empfiehlt und es sogar seinen eigenen Rennpferden verfüttert.

Doch ein paar Jahre später ist von dem einst so aktiven und fitten Mann nicht mehr viel übrig. Das gesamte Knochengewebe seines Körpers zerfällt, Ebens Oberkiefer und der größte Teil seines Unterkiefers fehlen. Im Jahr 1932 stirbt Ebenezer Bayers mit nur 51 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus, Doch was genau war der Grund für seinen Tod?

Und was hatte sein Tod mit dem langsamen und schmerzhaften Tod von mehr als 50 Frauen zu tun? Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lili Temmer. Hallo Florian. Hallo ihr alle. Wir arbeiten uns so langsam nach vorne in der Geschichte. Wir arbeiten uns nach vorne. Meinst du in der Geschichte Amerikas?

Nee, in der generellen Geschichte. Weil letzte Woche waren wir ja in Hamburg im Jahr 19... 18, 19, 20, nach dem Ersten Weltkrieg. Ja, ja. Und jetzt sind wir schon in den 30er Jahren, das meinte ich. Ach so, das meintest du. Ja, das hast du recht gut aufgepasst im Intro. Mehr aufpassen kriegst du heute auch nicht von mir. Ist in Ordnung, ist in Ordnung.

Lehn dich zurück, versuch vielleicht so bei ein, zwei Sätzen aufzupassen, aber ansonsten ist es ja wichtiger, dass unsere Hörerinnen und Hörer aufmerksam sind, würde ich mal meinen. Der Flo ist sehr lädiert, vielleicht kann ich es kurz sagen. Er hat anstrengende Drehs hinter sich in dem großen Land Amerika.

Er war in Virginia und in Missouri. Und deshalb ist er Schrott, kann man sagen. Wir haben ihn zugrunde. So runtergerockt, genau. Ich bin heute Morgen aufgewacht und war einfach so richtig durch. Das habe ich selten, dass ich mich so einfach nochmal umdrehe und nochmal weiter schlafe. Vielleicht solltest du auch was von dem Wundermittel nehmen.

Was der Protagonist der heutigen Ich bin wirklich gespannt, was das ist Was, Medizin angeht Und Sachen, die verabreicht werden Damit man sich besser fühlt Da können wir sicher auch viele Folgen dazu machen Und wo das Ganze hingeht, da bin ich sehr gespannt, Ihr hört es vielleicht, es wird wieder gemäht, also wenn im Hintergrund, wenn es dann mal so ein bisschen rauscht, dann liegt das daran, dass hier unten wieder die Seiten auf Null gestellt werden.

Die fäden den Rasen so, also die machen so richtig schön Basscut und dann aber, an den Seiten wird gefadet auf Null. Lass uns anfangen. Ich habe das Gefühl, hier gibt es heute im Intro nicht allzu viel zu sagen oder hast du noch Anmerkungen? Doch, ich habe noch ein, zwei Sachen. Ich wollte euch wie immer darauf hinweisen, dass alle Fotos und Zusatzinfos wie immer auf unserer Homepage www.waschmecktdahinter.de zu finden sind.

Es lohnt sich, da vorbeizuschauen, denn die Geschichte heute hat hier und da so kleine Abzweigungen, die man nehmen könnte, wenn man da mehr zu wissen möchte. Das findet hier nicht alles Platz, aber wer dann mehr wissen will, kann auf der Homepage nachgucken und da stelle ich ein bisschen Zusatzmaterial zur Verfügung und.

Da wird die jeweilige Interesse oder das jeweilige Interesse wird dann auf jeden Fall befriedigt werden. Der heutige Fall ist außerdem ein Vorschlag von Birte. Hallo und liebe Grüße an dieser Stelle. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das schon wieder so ein Fall von Kopfschütteln und what the fuck ist.

Weil die Geschichte wirklich aus heutiger Sicht dann betrachtet, wieder irgendwie zu absurd ist, um wahr zu sein. Aber genau solche Geschichten haben halt dazu beigetragen, dass manche Dinge heutzutage nicht mehr möglich sind und eben nicht mehr freiverkäuflich und nicht mehr als Medizin verkauft werden.

Und auch darüber hinaus und es ist trotzdem, ja, irgendwie schwer nachzuvollziehen, was da passiert ist. Schon einfach bei dem Hinweis darauf, dass er versucht hat, seine Libido zu steigern mit dem Medikament, mit der Sache, dachte ich mir schon so, ja, das geht ja in eine spannende Richtung heute. Ja. Aber interessiert mich halt dann auch, ne?

Ja, dann doch dranbleiben, Flo. Bevor es losgeht, einmal noch der Hinweis. Wenn ihr auch eine Geschichte habt oder mal von irgendwas gehört habt, bei dem ihr denkt, da sollte doch mal eine Foodcrumps-Folge zu gemacht werden, dann schreibt mir gern bei Instagram oder dem Flo bei Instagram oder uns jeweils eine E-Mail.

Entweder an flo-etwas-schmeckt-dahinter.de oder an lilly-etwas-schmeckt-dahinter.de. Dann erreicht ihr uns nämlich direkt. Die andere Person kriegt nichts vom Vorschlag mit. Und ja, wer weiß, vielleicht landet dann die Geschichte, von der ihr mal gehört habt, auch hier, in einer Folge Food Crimes. Und jetzt geht es aber auch los. Bitte. Ich möchte gar nicht so lange um den heißen Brei reden und wir tauchen ein in die Geschichte.

Ebenezer McBurney Byers wird am 12. April 1880 in Pittsburgh in Pennsylvania geboren. Er ist der Sohn von Alexander Byers, einem wohlhabenden Industriellen, der eine Fabrik besitzt und rund 2500 Mitarbeitende beschäftigt, die Schmiedeeisenrohre herstellen. Alexander Byers, also Evans Vater, bekleidet außerdem noch zahlreiche weitere einflussreiche Ämter. Er ist Bankpräsident und Vorstandsvorsitzender mehrerer Unternehmen.

Ganz kurz, in welcher Stadt ist der geboren? Wir sind in Pittsburgh. Ah, in Pittsburgh, ich dachte nicht. Weil ich musste gerade daran denken, Pennsylvania ist ja eine große Stahllandschaft und eine Stunde von hier gibt es die Bethlehem Steel Factory, wo der ganze Stahl für das Empire State Building und im Grunde so alle Wolkenkratzer in New York hergestellt wurde.

Und da fahre ich nämlich in zwei Wochen hin, mache eine Tour, eine Fabriktour. Also das Museum jetzt, die funktioniert nicht mehr, die ist außer Betrieb. Dann haben wir schon mal ein Interessensgebiet von dir abgedeckt. Ja, Stahl. Es folgen noch ein, zwei. Stahl. Richtig. Ebeneezer besucht die St. Paul's School und später das Yale College, wo er Mitglied des Golfteams der Yale Bulldogs wird.

Und beruflich tritt er in die Fußstapfen seines Vaters und wird Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens. Außerdem ist er eben erfolgreicher Hobbygolfer und gewinnt 1906 die Amateur-Golfmeisterschaften der USA. Und hier kannst du den jungen Mann einmal sehen. Winzig, Eben Byers. Das Gesicht sieht reich aus.

Ich finde diese Frisur, die man damals getragen hat, diesen eng anliegenden Mittelscheitel, auch wenn man nicht die Haare für den Mittelscheitel hat, ist ganz fraglich. Also ich finde, das ist keine schöne Frisur, die dem Kopf schmeichelt. Aber er hat einen relativ großen Kopf, aber ein kleines Gesicht.

Also es konzentriert sich alles in der Mitte, die Augen, der Mund. Stimmt und es ist viel, viel Fläche, viel Haut. Du hast es eigentlich gut beschrieben. Der Kopf ist groß, aber das Gesicht ist klein. Das stimmt, ja. Und genau, er hat so einen richtig hochgeschlossenen, steifen Kragen und einen Schlipsanzug.

Ja, ein dritter junger Mann. Ja, und ist so ein klassisches Foto aus einem Fotostudio damals, ne? Vielleicht kann man das noch sagen. Also stillhalten, geradebleiben, in die Ferne gucken und jetzt wird ein Passbild von dir gemacht. Richtig. Und in Ebenezes Leben läuft es eben auch ganz gut. Also er wird auch noch als Frauenheld beschrieben. Er ist sehr vermögend, hat eine finanziell abgesicherte Zukunft vor sich und ist sportlich aktiv und eben auch sportlich erfolgreich.

Was genau zwischen 1906 und 1927 alles passiert, ist nicht so genau überliefert, aber fest steht, er besitzt mehrere Häuser und ist viel und gerne unterwegs. Doch dann gibt es 1927 einen Zwischenfall, der sein Leben für immer verändern wird. Auf dem Rückweg von The Game, einem American Football-Spiel zwischen dem Crimson-Team der Harvard University und dem Bulldogs-Team der Yale University, stürzt er während der Zugfahrt aus seinem Bett im Schlafwagen und verletzt sich am Arm.

Und das ist jetzt die erste Tür, durch die man schreiten kann, wenn man da mehr darüber wissen will. dieses Football-Spiel zwischen den beiden Elite-Unis, das ist wirklich so ein prestigeträchtiges Ereignis. Es gibt einen ellenlangen Wikipedia-Artikel über dieses zwischen 1875 und 2025 jährlich stattfindende Ereignis.

Und wer da mehr zu wissen will, der kann da mal tiefer eintauchen. Da ist wirklich einiges los. Aber um dieses Spiel sollte es heute gar nicht so genau gehen, sondern eher ... Ich möchte schon einmal die Frage stellen, warum er mit einem Schlafwagen unterwegs war. Die Zugfahrt dauert, glaube ich, zwei Stunden.

Das kann ich dir gar nicht so genau beantworten. Ja, ich möchte es dir bloß einmal kurz in den Raum stellen. Vielleicht ist da der erste Fehler. Vielleicht hat er da den ersten Fehler gemacht, ja. Sehr wahrscheinlich, so klingt es nämlich. Ich meine, das Spiel war sicher anstrengend, aber das kann man schon noch im Sitzen verbringen, die Reise, ne?

Naja, vielleicht hatte er eben das Extrageld und hat sich eine Schlafkurie gegönnt. Und das wurde ihm dann leider zum Verhängnis, weil der Zug einen Ruck gemacht hat, er aus dieser Schlafkurie gefallen ist und sich eben am Arm verletzt hat. Und weil die Schmerzen nicht so schnell besser werden, geht er zum Arzt und der wiederum empfiehlt Eben die Einnahme eines bestimmten Mittels, das auf den Namen, und ich spreche das jetzt deutsch aus, Raditor hört.

Raditor ist ein aufbereitetes Heilwasser, das in kleine Fläschchen abgefüllt wird und seit 1918 vertrieben wird. Der Hersteller verspricht auf dem Etikett, dass es sich um Certified Radioactive Water handele, das Radium und Mesotorium in dreifach destilliertem Wasser enthalte. Oh Mann, ey. Damals ist die Reaktion aber eine andere auf dieses Fläschchen, denn es hat einen relativ hohen Preis und diese Raditorkur ist somit nichts für arme Leute.

Umso beliebter ist sie in gesellschaftlich höher gestellten Kreisen. Hersteller werben damit, dass es dem Körper neue Energie, Kraft und Jugend Frische verleihen soll, aber dieses Fläschchen soll auch gegen Bluthochdruck, Arthritis, Rheuma, Gicht, Diabetes und Krebs helfen. Also wirklich ein Wundermittel sein. So alles, ja, ja, ja.

Hilft erstmal gegen alles. Genau. Wie unser Podcast. Unser Podcast hilft auch gegen alles, ja. Ist ein bisschen günstiger sogar als Raditor. Ja, das stimmt. Er bekommt also dieses Mittelchen und ist total begeistert und besessen von dem Tonikum, das er ab Dezember 1927 zu sich nimmt, und er hat auch das Gefühl, dass ihm das total hilft und deshalb fängt er irgendwann an, bis zu drei Flaschen pro Tag davon zu trinken.

Und das über mehrere Jahre hinweg und seine Begeisterung ist so groß, dass er es eben auch an Freunde weitergibt und irgendwann auch seinen Rennpferden verfüttert, weil dieses Wundermittel ja wirklich bei allem zu helfen scheint. Weißt du, welche Menge der da gekauft hat? Vor allem, wenn du das an Pferde gibst, dann frage ich mich, hat er denen das kübelweise hingestellt?

Nee, diese Fläschchen wird er denen einfach unter das Futter oder unter das Wasser mitgemischt haben. Ja, und wir müssen jetzt aber erstmal ein paar Jahre zurückspringen, um ein bisschen was zu diesem Heilmittel zu erfahren. Und keine Angst, das wird keine Physik- oder Chemiestunde, aber ein bisschen eintauchen in die Welt dieses Scheinbaren. Und hier liebe Grüße an unsere Hörerin Regina, Wundermittels, müssen wir trotzdem.

Im Jahr 1898 bearbeitet das Wissenschaftler-Ehepaar Curie, Marie und Pierre Curie, in Frankreich Uranerz und macht eine unerwartete Entdeckung. Sie entdecken nämlich ein neues Element und nennen es Radium, was übersetzt so viel heißt wie das Strahlende. Radium ist radioaktiv und das bedeutet, dass die Atomkerne von Radium instabil sind und von sich aus zerfallen und dabei senden sie unsichtbare, energiereiche Strahlen aus. Soviel erstmal dazu.

Die Curies erhalten 1903 den Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Radioaktivität und erkennen das Potenzial für medizinische Anwendungen der von ihnen entdeckten Strahlung. Während des Ersten Weltkriegs entwickelt Marie Curie sogar mobile radiologisch ausgestattete Fahrzeuge, sogenannte Petite Curie, wie sie später genannt werden, die sich Chirurgen ermöglichen, verwundete Soldaten direkt auf dem Schlachtfeld noch zu röntgen.

Sie besucht Krankenhäuser und erläutert den Krankenschwestern die Vorteile der Radiumbehandlung, da sie und ihr Mann entdeckt hatten, dass Strahlung kranke menschliche Zellen schneller abtötet als gesunde. Was die Curies jedoch nicht sofort erkennen oder einschätzen konnten, war die langfristige Gefahr ihrer Entdeckungen. Insbesondere die Beliebtheit von Radium überwiegt deshalb jegliche Sicherheitsbedenken.

Das Element verkörpert nämlich damals alle potenziellen Vorteile einer neuen Wissenschaft und landet in allem Möglichen. In Haarcreme und sogar in Lebensmitteln. What? Und übrigens ... Und übrigens in Kölle, in meiner Heimatstadt Kölle, gab es oder gibt es, das weiß ich nicht mehr, eine Currywurstbude, die Marie Curry heißt.

Ich weiß nicht, ob es die immer noch gibt. Ich habe ja auch eine Schwäche für schlechte Wortspiele. Oh Mann. Auch bei Friseursalons zum Beispiel, das ist eine andere Geschichte. Aber da musste ich natürlich bei der Geschichte daran denken. Also so viel erstmal dazu. Und dann gab es einen Mann, einen Amerikaner namens William J.A. Bailey. Und der verbrachte so ziemlich sein ganzes Leben damit, irgendwelche Wege zu finden, um schnelles Geld zu verdienen.

Bailey ist Studienabbrecher aus Harvard und behauptet fälschlicherweise, dass er Doktor der Medizin ist. Und deshalb war er auch schon mehrfach Gegenstand von Ermittlungen, hat mehrere Geldstrafen bezahlen müssen, wurde aus mehreren Unternehmen gedrängt. Und der hat aber dann leider irgendwann Radium entdeckt und beschlossen, damit irgendwas unternehmerisch zu machen.

Um 1920 herum gründete er deshalb ein Unternehmen, um Radium als Wundermittel zu verkaufen. Und Bailey, dieser selbsternannte Doktor, hat damals also behauptet, Radium könnte psychische Erkrankungen, Kopfschmerzen, Diabetes, Verstopfung, Anämie, Asthma, Krebs, alles mögliche heilen. Wenn man es in Wasser einnehmen würde, würde es sogar noch stärker wirken.

Und deshalb hat er erstmal so ein bisschen rumgetüftelt und alle möglichen Dinge auf den Markt gebracht, also von Radium-Tabletten, Radium-Lotion, Radium-Zahnreinigung und Radium-Haarwasser, alles mögliche ausprobiert, und dann hat er etwas erfunden, einen Teil, eine Art Gerät, den Radien-Docrinator, hat er das Ganze genannt.

Ich zeige dir gleich ein Foto davon. Das war ein Teil, das man unter den Hodensack befestigen sollte. Und dort gab es dann schätzungsweise 2000 Mikrosievert-Strahlung pro Stunde ab. Mikrosievert misst die Dosis radioaktiver Strahlung. Und ich zeige dir mal, wie dieses Teil aussah. Ja, mach mal. Und hast du vielleicht nochmal einen Vergleich?

Ansonsten machen wir hier eine Anmerkung der Redaktion, was andere Strahlung sind, weil bei so Mikrosievert, ich erinnere mich noch an die fantastische Folge Tschernobyl, die man die noch nicht gesehen hat. Absolute Schauempfehlung, auch wenn es wirklich kein leichtes Brot ist. Das ist wirklich heftige Kost.

Aber da geht es ja auch viel darum und ich versuche mich gerade zu erinnern, was da so die Strahlungsbelastungen waren. Ob jetzt 2000, weißt du so, ist das kurz vor Chernobyl oder ist das irgendwie das, was ein Apfel eh abgibt? Jeder organische Stoff gibt ja irgendwie eine Strahlung ab. Mein nächster Satz ist tatsächlich, so ein Teil sollte man sich eben an den Hodensack halten und ich habe gelesen, dass man ähnliche Werte an Strahlung an den ausrangierten Stiefeln der Feuerwehrleute von Tschernobyl gefunden hat.

Also die Strahlung von diesem Gerät war wirklich enorm hoch. Alter Schwede, ey. Alter Schwede. Das ist wirklich... Also ich sag mal so, das Ding sieht eigentlich relativ fancy aus. Das sieht aus wie ein ganz kleines Buch. Oder das rechts ist wahrscheinlich die Hülle, ne? Da wo Radiendokrinator draufsteht.

Es sieht aus wie ein ganz, ganz kleines Buch, superschön verziert und wenn man das dann aufmacht, ist es innen mit blauem Samt ausgekleidet und der. Radiendokrinator sieht aus wie ein Mini-Lautsprecher, so ein bisschen. Mhm, mhm. Und diese ganze Aufmachung ist natürlich schick und richtet sich an Leute, die viel Geld haben. Also das war der höheren Einkommensklasse auf jeden Fall vorbehalten.

Eine Größe ungefähr, das wäre so vier mal sechs Zentimeter ungefähr, so zweimal drei Inch. Und das hat man sich dann, hat man das drunter gehalten oder mit einem Athletic Strap? Also man hat sich das dann da so dran gebunden. dran befestigt, ja. Das ist wirklich so maximal absurd. Also wirklich, dass man sich das einfach dann unter die Eier schnallt.

Obwohl es kühlt wahrscheinlich. Ist wahrscheinlich angenehm. Ja, und ich habe ja eben schon mal gesagt, also Radium sollte ja auch die Libido steigern. Also da wurden alle möglichen Dinge nachgesagt. Und ich denke mal, wenn man sich das direkt an den Ort des Geschehens klemmt, dann ist danach aber auf jeden Fall ein richtiges Feuerwerk im Bett.

Und da steht, 150 Dollar, anfangs sollte das 1000 Dollar kosten, aber wir sind ja im Jahr 1924, das sind ja 150 Dollar, ist ja absurd viel Geld. Also okay, du hast es ja gerade schon gesagt, ja, das ist eine bestimmte Schicht. Aber da muss man auch sagen, das ist dann vielleicht auch, wenn du das Geld hast, dass du das ausgeben kannst, und du nicht checkst, was das eigentlich ist, dann ist das auch okay.

Das wäre auch eine Geschichte für unsere Freunde von Darwin, gefällt das. Ja, dieses Gerät beschreibt ganz gut, wie dieser Typ so drauf war. Der hat sich einfach alle möglichen Dinge überlegt, die er an den Mann in dem Fall, aber natürlich auch an Frauen bringen konnte. Aber der war mit allem nicht so richtig doll erfolgreich. Und dann hat er aber das neue Wundermittel-Raditor erfunden.

Ein Patentmedikament, das natürlich Radium enthält. Und er hat es als Heilmittel verkauft. Auf den Verpackungen stehen dann so Slogans wie, dass es ewigen Sonnenschein ins Leben bringt. Das ist nicht ganz falsch, ne? Ja, habe ich auch gedacht. Das ist keine Lüge. Man strahlt auf jeden Fall danach. Und wie eigentlich alle von seinen Produkten soll es also auch eine Vielzahl von nicht miteinander in Zusammenhang stehenden Symptomen behandeln.

Die Idee dahinter war, wenn Strahlung in großen Mengen Gewebe zerstören kann, dann, das haben ja die Curies entdeckt, dann könnten vielleicht winzige Mengen an Strahlung Gewebe heilen. Aber die Strahlung, war gar nicht so winzig. Ich habe gelesen, dass wenn Raditor so reguliert worden wäre wie heute Trinkwasser, dann würde festgestellt werden, dass es den gesetzlichen Grenzwert um etwa das 20-Millionenfache überschreitet.

Also Raditor war sehr. 20-Millionenfache, das ist jetzt auch ein Rundungsfehler, ne? Das ist mein Gott. Mein Gott. Da soll man sich jetzt nicht so haben. Und ich will nochmal betonen, es waren andere Zeiten. Aus heutiger Sicht kann man über sowas immer irgendwie lächeln oder sich fragen, wie kann das passiert sein.

Aber es war eben alles auch noch in Anfangsstadien. Und wie wir hier schon so häufig festgestellt haben, braucht es halt immer erst irgendwas Schlimmes, was passiert, damit sich Dinge ändern. Und das ist eben eine solche Geschichte heute. Und Bailey bringt jetzt Raditor auf den Markt und zwischen 1925 und 1930 verkauft er davon über 400.000 Flaschen und verdient damit sehr viel Geld.

Und er zahlt sogar Provisionen an Ärzte, die es ihren Patienten verschreiben. Und ja, dreimal dürft ihr raten, welcher Arzt ebenfalls Provisionen von Bailey bekommen hat. Richtig, der Arzt von Ebenezer Bayers. Und man muss sich Ebenezer Bayers so ein bisschen wirklich vorstellen wie so einen bunten Hund. Also der war eben sportlich sehr erfolgreich, der war ein sehr erfolgreicher Unternehmer, den kannte man.

Und wenn jetzt so eine Person eben so ein Wundermittel nimmt und sagt, dass das wirklich Wunder bringt und sich damit besser fühlt, dann hat das natürlich eine Wirkung. Und es ist auch tatsächlich so, dass er das trinkt und es ihm besser geht. Aber es ist der weit verbreitete Placebo-Effekt eingetreten, wie man sich ja jetzt denken kann.

Dass er sich besser gefühlt hat, lag auf jeden Fall nicht an diesem Zeug, sondern an seinem Glauben daran. Beziehungsweise ist es ja einfach so, dass wenn man sich mal irgendwie verletzt, dass dann die Zeit, in dem Fall die Wunden heilt und es halt irgendwann aufhört, weh zu tun. Also wenn eine Wunde verheilt ist, dann hat man es überwunden.

Und wenn man aber Radium zu sich nimmt, dann verhält es sich im Körper folgendermaßen, das reichert sich in den Knochen an, ähnlich wie Calcium und die Strahlung zerstört dann eben diese Knochen oder auch Knochenmark. So, das ist die Ausgangssituation. Und zwischen 1927, als Ebenezer zum ersten Mal den Raditoa-Drink zu sich nimmt und 1930, trinkt er tatsächlich etwa 1400 Dosen Raditoa.

Boah, hat das nach irgendwas geschmeckt oder war das einfach nur Wasser? Das weiß ich nicht. Zum Geschmack habe ich nichts gefunden. Also es war eben, nur destilliertes Wasser mit Radium und Mesothorium versetzt. Ich weiß nicht, ob das nach irgendwas geschmeckt hat. War wahrscheinlich aber auch ein bisschen egal.

Ist halt Medizin. Ist halt Medizin. Auf der anderen Seite, wenn du 1400 Dosen davon trinkst, dann darf es auch nicht zu scheiße schmecken. Also dann würde ich jetzt mal davon ausgehen, dass das wirklich einfach wie Wasser geschmeckt hat. Und ich hoffe, da draußen gibt es niemanden von euch, der oder die schon mal, Radium getrunken hat und weiß, wie das schmeckt. Also ich würde jetzt einfach mal sagen, wir gehen alle mal davon aus, dass das wie Wasser schmeckt.

Damit fahren wir, glaube ich, alle sicher und gut. Und falls hier jemand mehr weiß, dann schreibt uns gern. Ja, richtig. Irgendwann hat Eben aber das Gefühl, dass die Wirkung von dem Wundermittel nachlässt und deswegen stoppt er dann die Einnahme. Zu dem Zeitpunkt haben seine Knochen aber natürlich schon eine tödliche Strahlendosis angesammelt.

Und was dem ehemaligen Golf-Champion nun bevorsteht, sollte so grauenhaft und schockierend sein, dass der kommerzielle Markt für Radium-Wundermittel buchstäblich über Nacht zusammenbrechen würde. Ja, da muss ich leider wieder an Chernobyl denken, an die Serie. Weil das, was ich meinte, ist harte Kost.

Man sieht dann irgendwann auch, was mit den Körpern passiert. Und das wird da nicht beschönt. Und das ist wirklich schrecklich, schrecklich, schrecklich. Es gibt auch, wenn man den Namen Ebenezer Bayers googelt, Fotos von einem Mann, der entstellt ist. Ich hatte es ja im Intro schon gesagt, was ihm irgendwann blühte.

Komme ich aber gleich nochmal drauf zu sprechen. Diese Fotos sind aber nicht wirklich Ebenezer Bayers, sondern die zeigen einen wahrscheinlich von... Bomben, auf jeden Fall Kriegsverletzungen gezeichneten Mann. Nur deswegen habe ich jetzt nicht weitere Fotos von ihm dabei. Und wenn den jetzt jemand googelt und sich wundert und nicht direkt sieht, was Sache ist, wollte ich nur einmal sagen, das ist nicht Ebenezer Bayers.

Ungefähr zur gleichen Zeit, in der wir uns gerade in Ebenezers Geschichte befinden, arbeiteten hunderte von Frauen in den USA auch eng mit Radium zusammen, ohne zu ahnen, dass es sie langsam von innen heraus zerfraß. Der amerikanische Erfinder William J. Hammer fand nämlich heraus, dass er durch Vermischen mit Leim und Zink-Sulfit eine im Dunkeln leuchtende Farbe herstellen konnte, die sich rasend schnell großer Beliebtheit erfreute.

Die US Radium Corporation kaufte Hammers Erfindung und nutzte sie zur Herstellung von Armbanduhren mit im Dunkeln leuchtenden Ziffernblättern. Und diese Armbanduhr wird nicht nur zu einem richtig beliebten Modeaccessoire. Die US Radium Corporation bekommt auch zu Beginn des Ersten Weltkriegs Aufträge aus Regierungskreisen und soll in Folge Leuchtuhren und Instrumente für Flugzeuge herstellen, die dann von US-Soldaten genutzt werden.

Es gab riesige Fabriken in ganz Amerika und diese Fabriken haben vor allem junge Frauen eingestellt. Und die Aufgabe dieser jungen Frauen war es eben, Ziffernblätter von Uhren mit dieser leuchtenden Farbe zu bemalen. Die US Radium Corporation gehört dabei zu den größten Unternehmen, die mit diesem Stoff arbeiten, aber es gab auch etliche andere Firmen, die Fabriken in den USA und in Kanada eröffnet haben und mehrere hundert Frauen waren in diesen Fabriken angestellt.

Viele von ihnen sind zum Start ihrer Anstellung dort noch Teenager, denn die kleinen geschickten Hände eignen sich perfekt für die filigrane Arbeit, und der Job ist damals sehr beliebt, weil die Arbeit irgendwie kreativ ist, sie gilt als vergleichsweise leicht und wird außerdem richtig gut bezahlt. Die Frauen verdienen teilweise bis zu dreimal so viel wie in anderen Fabriken.

Und dazu kommt natürlich, dass ihnen vermittelt wird, dass sie mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Krieg leisten. Schließlich wurden ja viele der Uhren und Instrumente für das Militär hergestellt. Für die Frauen ist der Job sowas wie ein Traumjob. Gerade für ärmere Arbeiterinnen bietet er eine Chance, zum ersten Mal finanziell unabhängig zu werden.

Und das Ganze lief so. Die Arbeiterinnen mischten Radiumpulver mit Wasser und Klebstoff und stellten so eine grünlich-weiße Substanz her, die dann eben im Dunkeln leuchtete. Und da Radiom aber eben in Pulverform vorlag, verteilte es sich auch überall. Also das kann man sich ja vorstellen, Pulver ist ja wirklich schnell auf allen Oberflächen verteilt.

Und sobald eben die Radiumpulvergläser geöffnet wurden, war das Zeug quasi überall. Weißt du, was ich mir denke in solchen Situationen, Lilly? Was machen wir gerade, wo man in 50 bis 100 Jahren sagt, wie konnten die nur? Das ist natürlich einfach zu sagen, das ist ja selten dumm, aber man wusste es damals nicht besser. Was ist das, wo wir in 100 Jahren sagen, wie konnten die nur?

Wir konnten die nur einen Podcast aufnehmen. Nein, aber weißt du, irgendwas muss es ja geben, wir sind ja nicht unfehlbar gerade. Irgendwas läuft ja gerade falsch, bestimmt. Im Großen und Ganzen leben wir alle so falsch, dass wir in einer Klimakrise leben und irgendwann in 50 Jahren könnten sich vielleicht mal Menschen fragen, sag mal, es war schon so lange bekannt, was...

Nicht so wie jetzt, oder? Wo alle Leute das Gegenteil sagen. Nein, nein, aber jetzt sind die Auswirkungen noch nicht, also sie sind eh schon zu sehen und zu spüren, aber halt noch nicht in so einem sehr drastischen Aber das wissen wir ja schon. Das ist ja einfach dumm und Ignoranz. Sondern was ist das, wo wir gerade denken, das ist gar nicht so schlimm und dann kommt irgendwann raus, das war richtig, richtig dumm.

Werden wir hoffentlich in 50 Jahren dann noch miterleben, wenn es sowas gibt. Ja, um sozusagen einen Kopf greifen. Gemischte Platte 12.836, werden wir das dann besprechen. Könnt ihr euch schon mal den Wecker stellen. Gott. Es ist wirklich tragisch, was passiert ist, weil es ist noch nicht mal so, da komme ich aber gleich darauf zu sprechen, dass da niemand irgendwas geahnt hat oder sich Sorgen gemacht hat. Okay.

Aber weggeschaut wurde trotzdem. Und ich habe noch ein anderes kleines Detail, was wirklich, ja, verstörend ist, weil um die kleinen detailreichen Ziffern auf die Uhren zu malen, wurden feine Pinsel verwendet. Und wenn die Borsten von den Pinseln ausgefranst waren, wurden die Arbeiterinnen angewiesen, eine Technik namens Lip Pointing anzuwenden. Eine Methode, bei der sie die Pinsel mit den Lippen befeuchteten, um sie scharf und präzise zu halten.

Das Problem war natürlich, dass die Pinsel schon längst mit Radium bedeckt waren. Was bedeutete, dass die Arbeiterinnen mehrmals täglich winzige Mengen von Radium aufgenommen haben. Und es war übrigens nicht so, dass die Arbeiterinnen unvorsichtig waren. Sie haben schon nachgefragt, ob der Vorgang sicher sei. Sie sahen die leuchtende Farbe und merkten sogar, dass einige der Frauen, die sie einarbeiteten, Wunden um den Mund herum hatten.

Doch die Vorgesetzten haben ihnen immer wieder versichert, dass keine Gefahr bestehe. Doch neben Hautproblemen, die als Akne abgetan wurden, leideten einige Arbeiterinnen auch zunehmend unter Nackensteifheit, Wunden und Hautausschlägen. Andere hatten Rückenprobleme. Und man hatte so das Gefühl, dass jede Frau in der Fabrik irgendein mysteriöses Gesundheitsproblem hatte.

Der Radiumstaub, der ihre Haut, ihre Haare und ihre Kleidung bedeckt, macht die Frauen wegen ihres strahlenden Aussehens sogar berühmt. Sie haben nur leider damals keine Ahnung, dass dieser scheinbar harmlose Job ihnen großes Leid zufügen wird. Ihre Körper zerfallen aufgrund der unerbitterlichen Strahlenbelastung im Grunde von innen heraus.

Einige Berichte beschreiben sogar Fälle, in denen Frauen innerhalb von nur zwei Wochen ihr gesamtes Gebiss verlieren. Boah. Bis 1927 sind mehr als 50 Frauen, die mit Radiumfarbe gearbeitet haben, einen langsamen und schmerzhaften Tod gestorben. Und trotzdem verschwindet der Glaube an Radium als Wundermittel einfach nicht. Im Gegenteil.

Während die Radium Girls, wie sie heutzutage genannt werden, an den Folgen ihrer Arbeit sterben, wird Radium an anderer Stelle weiterhin ja als Medizin verkauft und sogar von Menschen freiwillig konsumiert. Und somit sind wir wieder bei Ebenezer Byers. Ja. Wer mehr zu diesen Radium Girls wissen will, dem oder der verlinke ich natürlich auf der Website auch nochmal einiges an Material.

Da gibt es sehr viel Material dazu, weil es sehr viele Frauen betroffen hat, eben auch junge Frauen. Und manche Sachen sind wirklich so absurd, die haben sich teilweise auf Partys mit diesem Zeug die Zähne angemalt, weil sie halt geleuchtet haben und cool aussahen. Ganz tragisch, das jetzt zu hören. Aber ich will nur sagen, es gab irgendwie Vermutungen und Ängste, dass das nicht ganz gesund sein kann.

Aber unternommen wurde eben trotzdem nichts. Und deshalb war es auch immer noch als Medizin freiverkäuflich. Und Ebenezer Bayers war eben einer der glücklichen Abnehmer. Der hatte zu dem Zeitpunkt, ich wiederhole nochmal, mehr als tausend Flaschen Raditor getrunken. Doch auch bei ihm zeigen sich irgendwann die verheerenden Folgen.

Das Radium wohl doch gefährlicher ist als ursprünglich angenommen, hatte sich inzwischen herumgesprochen. Und so fordert die Federal Trade Commission 1931 eine Aussage von Ebenezer Bayers. Denn der ist ja ein recht bekannter Unternehmer und alle wissen, dass er großer Fan von Raditor ist. Und deswegen denken die, okay, wir fragen den jetzt mal und untersuchen ihn und gucken, wie es ihm so geht.

Doch der kann zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr reisen und bekommt deshalb Besuch von einem Anwalt der Federal Trade Commission. Der fährt zu ihm nach Hause in seine Villa auf Long Island und will ihn dort befragen und berichtet im Anschluss von einem Mann, der einen großen Teil seines Kieferknochens verloren hat und unter schwerem Knochenabbau leidet.

Das Radium hatte ihn buchstäblich aufgefressen. Viel übrig ist von Ebenezer Byers zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Am 31. März 1932 stirbt Ebenezer Bayers im Alter von gerade mal 51 Jahren Die Todesursache sind mehrere Krebserkrankungen die auf die große Radium Exposition der letzten Jahre zurückzuführen sind, und plötzlich wird immer deutlicher, das Problem ist nicht nur, dass ein paar Arbeiterinnen in einer Fabrik krank werden, Radium selbst, dieser Stoff, der jahrelang als modern, gesund und beinahe magisch verkauft wird, kann Menschen töten, In Ebeneasas Knochen befinden sich etwa 36 Mikrogramm Radium, was die tödliche Dosis von 2 Mikrogramm bei weitem übersteigt.

Und seine sterblichen Überreste sind so radioaktiv, dass er in einem mit Blei ausgekleideten Sarg beigesetzt werden muss. Das Wall Street Journal würdigt den Tod von Ebeneasar mit folgender Schlagzeile. Das Radiumwasser wirkte prima, bis ihm der Kiefer abfiel. Was? Das war die Schlagzeile? Ja, das war die Schlagzeile. Was ist denn das für eine Müllschlagzeile? Soll das witzig sein?

Das war auf jeden Fall reißerisch und es hat gewirkt, weil diese Schlagzeile oder aufgrund dieser Schlagzeile diese Story zu einem der meistgelesenen Berichte der Zeit damals, mutiert ist und dazu geführt hat, dass sie auch in mehreren wissenschaftlichen Abhandlungen. Thema wurde oder Ebeneezas Leben und Ebeneezas Radiomtherapie sozusagen.

Sagen. Ich nehme es zurück, vielleicht war das gar nicht so schlecht, das so reißerlich zu machen, weil du sagst, so in der Zeit, das haben ja viele geglaubt und wenn du meintest, selbst nachdem die ersten Berichte da öffentlich wurden, dass das weiter geglaubt wurde, vielleicht musste man da so auf die Kacke hauen.

Ja, aber ich habe es auch, als ich das erste Mal gelesen habe, habe ich so gedacht, muss das sein, aber es hat eben, ja, es hat auch dazu geführt, dass es eben eine breite Masse erreicht hat. Die Folgen von Bayers tragischem Tod führen auch tatsächlich zu einer verschärften Regulierung radioaktiver Substanzen durch die Food and Drug Administration, wodurch die Industrie für radioaktive Patentmedikamente faktisch über Nacht beendet wird.

Radiumprodukte werden aus den Regalen entfernt und William Bailey's Raditor Company wird zur Schließung verurteilt. Heute sagt man also immer noch, dass der Tod von Ebenezer Bayers der wichtigste Grund für den Zusammenbruch der kommerziellen Industrie für radioaktive Arzneimittel war. Im Jahr 1965, also ein paar Jahre schon nach seinem Tod, exhumieren WissenschaftlerInnen Bayers sterbliche Überreste zu Forschungszwecken nochmal und stellen fest, dass diese immer noch gefährlich radioaktiv waren, sogar stärker als erwartet.

Angesichts der langen Halbwertszeit von Radium von 1600 Jahren werden Bayers sterbliche Überreste noch für eine beträchtliche Zeit eine Gefahr darstellen und er ist wieder in einem Bleisarg begraben worden. Ja, und wenn ihr euch jetzt fragt, was der Mann, der Raditor auf den Markt gebracht hatte, zu der ganzen Sache gesagt hat, Flo, vielleicht möchtest du raten?

Ich würde mal sagen, da kommt so eine ähnliche Aussage wie bei unserer Sülze-Geschichte. Ich habe ja nur ein Angebot gemacht. Er hat sogar mehr als das gesagt. Also er hat natürlich alle Schuld von sich gewiesen und natürlich auch an den wissenschaftlichen Erkenntnissen, gezweifelt und selber gesagt, dass er selber mehr Radiumwasser getrunken hat als jeder andere lebende Mensch und dass das deshalb gar nicht sein könnte, dass Ebenezer an seinem Heilmittel gestorben ist.

Und er sagt auch, er hätte nie irgendwelche gesundheitlichen Beeinträchtigungen erlitten. Und das ist natürlich eine Aussage, die man so nicht überprüfen kann, ob er wirklich mehr getrunken hat oder nicht. Er wird aber nie wegen Ebenezer Bayers Tod vor Gericht gestellt. Ihm wird nur verboten, Raditor weiterhin zu verkaufen oder andere radiumhaltige Medikamente zu verkaufen. Bis hierhin und nicht weiter. Jetzt ist aber mal gut.

Ja, also man konnte ihm auf jeden Fall keine böse Absicht unterstellen. Man konnte ihn nur daran hindern, das weiterzumachen, was er bis jetzt gemacht hat. Aber er wurde nie wegen Bayers Tod vor Gericht gestellt oder ihm wurde da nie irgendwas nachgewiesen. Er lebte auch tatsächlich noch weitere 17 Jahre. Das ist schon krass, weil ich meine, nachgewiesen ist, das war ja relativ offensichtlich, wo das herkam.

Also, dass der nicht vor Gericht gekommen ist, da muss man sagen, der hat ordentlich Glück gehabt. Ja, ja. Das ist der wahre Kriminalfall. Ja, aber wirklich. Also, ich meine, er hat dieses radioaktive Wasser auf den Markt gebracht und daran ist mindestens ein Mensch verreckt. Es sind tatsächlich mehr Leute verreckt, also im Umfeld von Ebenezer Bayers, der hatte es ja auch mehreren Freundinnen und Freunden gegeben, sind auch einige Leute gestorben, was seine Rennpferde betrifft, weiß ich jetzt leider nichts genaueres, aber er war auf jeden Fall nicht der Einzige.

Und auch William Bailey, der Erfinder und Unternehmer hinter Raditor, starb schließlich am 17. Mai 1949 an Blasenkrebs und als sein Leichnam fast 20 Jahre später exhumiert wurde, stellte man fest, dass auch er durch Strahlung verwüstet war. Die Geschichte von Ebenezer Bayers und sein Tod nach dem Konsum von mehr als tausend Flaschen Raditor sorgen schließlich dafür, dass die Gefahren von Radium und Radioaktivität immer stärker in die Öffentlichkeit rücken.

Doch dafür müssen erst etliche Menschen sterben. Menschen wie Ebenezer Bayers und die Frauen, die als Radium Girls in die Geschichte eingehen. Sie sterben, weil ihnen jahrelang eingeredet wird, Radium sei harmlos, modern und sogar gesund. Das war der heutige Foodcrime, die Geschichte von Ebenezer Bayers und eben auch kurz angerissen die Geschichte der Radium Girls.

Wie gesagt, wer mehr zu den Radium Girls wissen will, da verlinke ich euch gerne noch spannende Infos auf der Website. Vielen Dank auch an Birte nochmal für den Fallvorschlag. Das hat auf jeden Fall für viele Oh mein Gott und Aha-Momente bei der Recherche gesorgt. Und wenn ihr Geschichten habt, die Flo und ich hier mal besprechen sollen bei Foodcrimes, dann meldet euch gerne bei uns.

Ja, mir war das auch komplett neu. Ich wusste nicht, dass Radiumwasser so lange verkauft wurde und als Heilmittel galt. Also danke dafür. Eine absurde Geschichte, wirklich. Und Eben ist ja jetzt das prominenteste Beispiel, aber wie viele Menschen da von Ärzten irgendwie reingequatscht wurden, dieses Zeug zu nehmen und die auch alle mehr oder weniger dann Schäden davongetragen haben werden, von denen wir jetzt nichts wissen, das ist ganz schlimm.

Und es wurde ja auch nicht jeder Tote nochmal untersucht und geguckt, was wirklich die Todesursache war. Also das heißt, viele sind gestorben und man wird nie herausfinden, ob sie auch an Raditor oder anderen Radium-Medikamenten gestorben sind. Ich habe ja gesagt, er hat über 400.000 Flaschen verkauft, ein paar mehr als 1.000 hat Ebenezer Bayers davon gekauft, aber da sind ja noch etliche Hunderttausende übrig, die auch ihre Wirkung leider gezeigt haben werden. Ja.

Und das hat aber ja glücklicherweise ein Ende gefunden. Genauso wie unsere heutige Folge. Oh, was ein Übergang. Aber wir beenden auch diese Folge natürlich mit einem Foodcrime, der von Flo kommt, entweder persönlich oder aus der Community. Und ich bin ganz gespannt, Flo, was du mitgebracht hast. Ja, ich habe heute tatsächlich einen Foodcrime aus der Community mit, und zwar von Markus. Und ich würde sagen, den hören wir uns mal zusammen an.

Ich würde mich tatsächlich gerne selber anzeigen. Und dann die Jury entscheiden lassen, ob das ein Foodcrime ist oder nicht. Ich backe sehr gerne. Und zwar wilde, gesunde Kreationen. So ein paar von meinen Favorites sind meine Blumenkohl-Haselnuss-Muffins mit so einer Creme aus Kichererbsen und Tatteln.

Rote Beete-Muffins sind auch sehr geil. Muffins mit Hokaido sind sehr geil. Das Tofu-Frosting, das ich mal gemacht habe, war nicht so gut. Aber normalerweise, wenn ich es mit Magerquark und Frischgäste mache, ist es eigentlich ziemlich geil. Kartoffelmuffins, Süßkartoffelmuffins Airfryer Porridge mit Blumenkohl drin, Kidneybohnen, Brownies Kichererbsenblondies, weiße Bohnenblondies you name it, sämtliches Gemüse kann man sehr geil in Gebäck verpacken und natürlich alles süß, genau, das sind so ein paar von meinen wilden Kreationen und ich bin gespannt auf das Urteil und falls es zur Strafmilderung beiträgt ich bereue nichts, ich bin stolz drauf und ich würde es wieder tun.

Toll. Erstmal eine Selbstanzeige und dann sagen, aber auch wenn ihr mich jetzt verurteilt, ist mir alles wurscht. Ich find's geil. Aber richtig so. Weil wo ist das denn ein Foodcrime? Ich geh erhoben, den Haupt ist in den Knast. Ja, das ist jetzt die Frage, was du dazu denkst? Ich fass es mal zusammen, süß und herzhaft zu mischen.

Vor allem beim Backen. Also ich hab jetzt nicht gedacht beim Hören, oh mein Gott, das würde ich gerne alles Essen, da bin ich ehrlich. Aber ich finde das jetzt auch nicht schlimm oder verwerflich. Das ist für mich so ein Fall von, man probiert irgendwie so, es klang zumindest so, halbwegs gesunde Muffins oder Blondies, ich weiß gar nicht, was das sein soll, ehrlich gesagt, zu backen und sich mal ein bisschen auszuprobieren.

Und da bin ich ja erstmal pro. Also ja, schmeiß halt alles mal in den Mixer und guck, was dabei rauskommt. Also Tofu-Frosting, das finde ich natürlich, das hat mich jetzt auch nicht angesprochen, hat er ja auch gesagt, das ist ihm misslungen. Also das ist experimentell, ja, aber das finde ich jetzt grundsätzlich nichts Schlechtes.

Ich bin sehr diplomatisch. Ja, ich finde das Experimentelle, ich finde den experimentellen Part davon auch gut. Ich bin auf dem Zaun, wie man auf Englisch sagt. Ich finde zum Beispiel so Zucchini-Kuchen oder Zucchini-Brot, sowas mag ich eigentlich schon. Ich meine, am Ende Karottenkuchen ist ja das Gleiche. Das ist ja auch irgendwie, du musst ein bisschen Gemüse, ein bisschen was Herzhaftes und machst damit was Süßes.

Finde ich auch großartig. Ich glaube, es ist bei allem so eine Frage von ausprobieren und schauen, was davon wirklich gut schmeckt. Und da ist Markus, glaube ich, ein wichtiger und guter Mann. Einer muss es machen, einer muss es ausprobieren. Und was man aber, glaube ich, nicht machen sollte, wo ich wirklich selten was gegessen habe, was wirklich lecker war, ist, wie du meintest, wenn man versucht, gesund zu backen.

Also so dieses Sachen dann gesund zu machen, wenig Zucker zu verwenden, wenig Butter oder Fett zu verwenden. Da bist du raus. Da bin ich raus. Wenn man schon irgendwie Kuchen isst oder sowas Süßes, dann darf es auch gerne süß sein. Dann esse ich lieber gar nichts Süßes, weißt du? Aber wenn, dann schon richtig.

Das kann ich verstehen auch. Also ich muss jetzt keinen Kuchen essen, der am Ende schmeckt wie... Wie ein Brot, aber so daherkommt wegen Kuchen. Ja, wobei ich auch sagen muss, wenn ich backe, was nicht so häufig vorkommt, weil ich nicht die Begnade, was heißt nichts, mir macht Backen einfach nicht so viel Spaß wie Kochen.

Ich finde schon, dass man von jedem Backrezept immer mindestens 50 Gramm Zucker weniger reinmachen kann. Ja, das stimmt. Und es ist trotzdem noch total süß. So herkömmliche Backrezepte sind schon immer ultrasüß. Deswegen finde ich jetzt, ist prinzipiell nicht schlecht, die zu entsüßen. Aber jetzt zu denken, ich mache jetzt gesundes Dessert, das ist auch ja, ich denke mir auch, wenn du ein Dessert isst, dann weißt du, dass das jetzt nicht das allerbeste für deinen Körper ist.

Und eine süße Sünde zu dir nimmst. Aber da wissen wir natürlich nicht, das ist jetzt eine reine Unterstellung. Das hat Markus ja jetzt so gar nicht gesagt. Vielleicht macht Markus da auch 10 Tonnen Zucker dran. Er hat gesagt, er süßt mit Datteln. Das geht in so eine Richtung, finde ich. Aber ja, das wissen wir jetzt nicht. Das sind Mutmaßungen, die wir ihm hier nicht einfach unterstellen wollen.

Deswegen, Markus, wir sagen vielen Dank für diese Selbstanzeige. Aber du bist freigesprochen. Du bist freigesprochen, ja. Und mach weiter. Mach ruhig weiter. Mach ruhig weiter, Markus. Schick mal dein Lieblingsrezept durch. Kannst du Flo schicken. Der backt nämlich gerne. Ja, das stimmt. Das würde ich dann vielleicht mal probieren.

Ich danke dir vor allem für diese Folge. Das war sehr, sehr spannend. Und ich freue mich auf nächste Woche. Wir hören uns am Samstag zur gemischten Platte wieder. Und wir hören uns dann nächste Woche zu einer normalen Folge Foodtrips wieder. Es hört einfach nicht auf. Es hört nicht auf. Also, bis dahin.

Tschüss. Tschüssi, liebe Grüße.

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