Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 282

Die Zukunft der Statuen

Samstag, 6. September 2025 · 25 min

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Shownotes

Jede Woche verwandeln Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider die Kunstwelt in ein spannendes Ratespiel. Bei "Ich sehe was, was du nicht siehst" nehmen sie sich ein Kunstwerk vor und entdecken ungeahnte Facetten.
In dieser Folge geht es um ein ganz besonderes Werk: René Magrittes "Die Zukunft der Statuen" von 1932. Was verbirgt sich hinter diesem surrealen Ölgemälde auf Gipsguss? Und wie hängt es mit dem großen Thema Familie zusammen?
Tauchen Sie ein in eine faszinierende Unterhaltung, bei der Kunst auf persönliche Geschichten trifft und die Grenzen der Wahrnehmung neu ausgelotet werden. Ein Muss für alle Kunstliebhaber und Neugierigen!
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Heider. Ich bin Alexander Klar. Und der Direktor der Hamburger Kunsthalle ist ein Tabubrecher. Soweit kann man das, das kann man glaube ich schon mal sagen an dieser Stelle.

Also auf jeden Fall aber auf Wunsch, auf Wunsch von mir ein Tabubrecher. Und du hast mir diese Woche etwas mitgebracht und da bin ich dir ganz dankbar für, was relativ einfach zu beschreiben ist. Also was finde ich relativ einfach zu beschreiben ist, denn man stelle sich eine Gesichtsmaske vor. Also eine Maske, früher hätte man wahrscheinlich gesagt eine Totenmaske, das gab es ja früher.

Aber man stellt sich vor, man nimmt irgendeinen Menschen, sagt, mach mal die Augen zu und gibt es dann dessen Gesicht bis zum Hals ein, wartet, bis der Gips getrocknet ist und zieht dann die Maske vorsichtig ab. Das haben wir, glaube ich, damals in der Schule, habt ihr es auch gemacht? In der Schule sogar gemacht.

Ganz schön, auch ein schönes Geschenk. Und dieser Mensch, den man jetzt genommen hat, ist ein Mensch, der hat irgendwie keine Haare auf dem Kopf. Das ist ganz gut, weil diese Gesichtsmaske ist bemalt. Eine schöne Gesichtsmaske eines Mannes. Und diese Gesichtsmaske ist bemalt mit zwei Farben, nämlich hellblau und weiß.

Und sie ist bemalt einfach wie ein Himmel. Das heißt, wir sehen eine Gesichtsmaske mit geschlossenen Augen und auf dem Kopf, ja, auf dem Kopf sind ganz viele Wolken, aber auch über dem rechten Auge ist eine Wolke und am Kinn ist eine Wolke und am Hals ist eine Wolke. Und das ist es schon. Also ich würde mal auch sagen, das ist diesmal auch wieder, wie vor einer Woche, kein Bild, sondern eine, das ist tatsächlich ein Gipsabdruck.

Ist es ein Gipsabdruck? Es ist ein Gipsabdruck, auf dem ein paar Wolken und ein bisschen Himmel zu sehen sind. Und da bin ich jetzt gespannt, was da jetzt, Das Tabu ist, was gebrochen wird. Also weil Gipsabdrücke von Köpfen zu machen, hat eine alte, lange Tradition. Und den Himmel und einen hellblauen Himmel mit ein paar Wolken zu malen, die über dieses Gesicht ziehen.

Also so ein bisschen fand ich das, wenn man so irgendwo steht im Sommer und dann ziehen so die Wolken vorbei und dann denkt man mal so, wie sieht das aus Sicht der Wolken aus? Ein schönes Bild, nichts, was mich erschreckt, so wie vor einer Woche, nichts, was mich verstört. Man guckt sich das an und denkt, ach, wie nett und geht weiter.

Aber wahrscheinlich steckt irgendwas dahinter, weil sonst wäre es ja wahrscheinlich auch keine große Kunst und würde in der Kunsthalle gezeigt. Wer weiß, der Macher garantiert schon dafür, aber ich verrate erst mal noch nicht, sondern ich führe dich mal auf eine Spur, denn es handelt sich um eine besondere Form, die auch dir bekannt ist von Gesichtsmaske.

Und wenn du dir die Augen des Menschen anguckst, dann kannst du sehr schnell feststellen und überhaupt den Gesichtsausdruck, dass es eine besondere Gesichtsmaske ist, eine andere Maske. Du meinst es ist eine Totenmaske? Eine Totenmaske, so ist es. Und es ist eine Totenmaske, deren Gesicht in Frankreich jedes Kind kennt. Ah!

Okay, jetzt oha! L'Ampereur. Das ist die überall zu habende Totenmaske von Napoleon. Die konnte man in den 30er Jahren in Läden kaufen. Der Künstler, jetzt verrate ich es auch, der uns allbekannte René Magritte, den wir ja auch schon verhandelt haben, hat das im. Shop seiner Schwägerin entdeckt, hat sich sechs oder sieben dieser Masken besorgt.

Die konnte man da kaufen. Die sind, das ist halt wie als Souvenir-Andenken. Und das ist die Original-Totenmaske? Ich hätte jetzt, Napoleon war für mich immer mehr so ein bisschen dicklicher Mensch. Der ist auf seinen Kindern gestorben an Bas Krebs. Ich glaube, es war Krebs. Also der war ausgemergelt am Ende.

Und der war ja auch psychisch ausgemergelt. Der ist ja von den Englern auf ein vollkommen unbewohnbares Eiland gesetzt worden, wurde schikaniert von denen. Also der hat tatsächlich, das war eigentlich wie eine Gefängniszelle und dann hat er eben auch noch, also ich glaube es war Krebs, an dem er gestorben ist.

Also es gibt, und die Maske hat wahrscheinlich abgenommen der englische Militärarzt dort, der dann doch gesagt hat, also dieser Mensch ist so bedeutend und das ist so ein Genre des 19. Jahrhunderts, Totenmasken abnehmen von bedeutenden Menschen. Also das Bild, jedenfalls diese Maske, der ist ja auch später überführt worden und im Pantheon begraben und in der zweiten, halbsten, 19.

Jahrhunderts hat der Napoleon-Pult unglaubliche Züge angenommen und im 20. Jahrhundert, im 25. Jahrhundert ist er dann ein bisschen trivialisiert worden. Und diese Trivialisierung, mit der spielt der René Margrit, indem er dieses Werk nennt, die Zukunft der Statuen. Le Futur des Statues. Die Zukunft der Statuen. Und das Tabu, was ich dir angekündigt habe, über das ich nachgedacht habe, wir haben das letzte Mal über Nacktheit gesprochen und über Gewalt.

Und ich dachte, ein Tabu bei uns ist tatsächlich, das ist gesellschaftlich vollkommen festgelegt, ist der Tod. Der findet nämlich mittlerweile heimlich, nachts in Altenheimen, im Krankenhaus, aber nicht öffentlich statt. Öffentliches Sterben gibt es nicht. Und man fragt sich natürlich, ob dieses Tabu ein sehr gesundes ist, denn das gab es früher nicht.

Also deine Großeltern sind in der, nein, unsere Großeltern vielleicht, unsere Großeltern schon auch nicht mehr, meine Großeltern sind beide im Altenheim gestorben, allein und von irgendwelchen Pflegern begleitet. Aber deren Großeltern noch, unter allen Umständen, meine Großmutter hat ihre Großmutter zu Tode gepflegt.

Und war zugegen, als sie starb. Und die Tote lag da und die ganze Familie kam zu Besuch, sie anzugucken. Der Tod war absolut präsent. Auf der Straße lag jemand, der von einer Kutsche überfahren wurde, der lag da und da wurde kein Schutzbild umrum gebaut. Ist übrigens auch noch in anderen Ländern, in Indien und so.

Da kannst du haben, dass am Ganges, erst mal werden die Toten da ja verbrannt und dann schwimmt da so eine Leiche rum oder wenn da ein Unfall passiert oder in Afrika, im Zweifel liegt der Körper dann da länger. In Deutschland, das ist interessant, dass du so drauf kommst, weil natürlich muss man dann um die Ecken denken bei dem Thema.

Ich würde erstmal noch kurz, bevor, da kann man viel drüber sagen, bei dieser Maske bleiben, aber warum ist die dann jetzt Kunst, große Kunst, wenn man dieses, also, weil es ist einfach nur eine bemalte von René Magritte, das hätte ich jetzt mal ganz einfach gesagt. Und da haben wir das Thema, da ist ein Künstler, der könnte jetzt machen, was er wollte und weil er einen Standard erreicht hat, ist alles, was er macht.

Also letztlich ist ja so eine Souvenirmaske mit Wolken bemalt. Ja, aber jetzt würde ich mal sagen, und dann fängt man an, drüber nachzudenken, was denn Wolken auf einer Totenmaske machen. Und dann stellst du fest, es beginnt so eine Assoziationskette. Denn bei mir war das so, ein Moment meiner Kindheit, wo die Kindheit sich tatsächlich von hinten machte, war die Feststellung, der Tod endet nicht im Himmel.

Weil, sorry, im Himmel sind lauter andere Sachen los. Und der liebe Gott ist selbst auch da nicht. However, hier hat er mit den Wolken ja diese Leichtigkeit des Vergehens, des Verschwindens, eine Wolke kommt, geht, ist nicht, ist Luft und Wasser. Er hat ja noch ein zweites Bild, was auch in der Ausstellung ist, wo er Wolken als Fluch benannt hat. Also ein Bild mit Wolken, da steht drauf, der Fluch.

Also da hatte die Wolken dann mit was Schwerem beschwert. Aber hier ist es so, du hast diese Totenmaske, dieses ruhige Antlitz und darüber sind diese vorbeiziehenden Wolken gelegt. Und auf einmal kommt der Margrit wieder dem kindlichen oder der ersten Erklärung für Kinder nach, dass wer tot ist, in den Himmel kommt.

Denn hier ist der Himmel auf den Tod gezaubert. Aber es funktioniert ja nicht. Also man schaut sich das an, denkt man, was ist der Napoleon? Das ist der, dem ganz viele Statuen gewidmet sind. Der Napoleon, dessen Name allein schon eine riesige Assoziationskette losbricht. Und dann heißt das Ding noch, die Zukunft der Statuen. Heißt das, die Statuen werden in Zukunft Totenmasken sein?

Oder werden es... Aber heißt das nicht, ich würde es so vorstellen, heißt das nicht die Zukunft der Statuen, weil er sich so ein bisschen darüber lustig macht und sagt, guck mal, der große Napoleon hat er gehofft, durch all das, was er in seinem Leben macht, werden ihm Denkmäler gebaut und alles und so.

Aber in Wahrheit am Ende geht es ihm wie jedem anderen Menschen. So, da kannst du machen, da kannst du Donald Trump sein und Wladimir Putin und so, aber du entgehst dem Ganzen nicht und wollte er nicht sagen, guck mal, macht euch immer, wenn ihr denkt, ihr seid die Größten, die Tollsten, es ergeht euch.

Wie denen, die wollen, dass sie Start tun wollen. Mir finde es interessant, wenn du sagst Tabu, denn die Frage ist, es geht ja nicht nur darum, dass Menschen in ihren letzten Stunden allein sind, sondern dass sie ja vor allen Dingen in ihren letzten Wochen, Monaten und viel und oft Jahren allein sind.

Und das ist eines der größten Phänomene unserer Zeit und der westlichen Zivilisation, an die ich jetzt denken muss, nämlich die Frage... Wo war eigentlich bei uns der Punkt und ist es eigentlich ein Fortschritt gewesen, dass die Generationen irgendwann sich komplett voneinander getrennt haben? Weil früher war es ja üblich, da wohnten die Großeltern mit den Eltern und den Kindern.

Wir machen das gleiche Modell bei uns seit vier Jahren. Ich muss sagen, es ist auch nicht immer leicht, aber es ist für alle Beteiligten eigentlich ein großer Gewinn. Und trotzdem wird man so herangezogen, dass man sagt, du musst mit 18 raus und alles verlassen und bloß mit den Eltern nichts mehr zu tun haben und mit den Eltern brechen und die Großeltern und alles.

Und ich glaube, dass wir da im Fortschritt einfach die falschen Abzweige genommen haben. Weil an sich würden ja viele Probleme, die wir heute haben, große Probleme wie Einsamkeit, wie Wohnungsmangel, alles Mögliche, wie Geld und so weiter. Wir würden die ja lösen, wenn nicht immer sozusagen die Generationen alles dafür tun würden, so wenig wie möglich miteinander zu tun zu haben, oder?

Ja, ja. Aber hast du das Gefühl, das war eine falsche Abzweigung? Solche Abzweigungen gibt es ja auch wieder dann zurück, wo man feststellt, jetzt kommen mehr Generationenhausprojekte. Es gibt diese Lesesachen von wo. also ich war auch schon in meinem noch nicht so vorgerückten Alter in der Grundschulklasse meines Sohnes und habe dort vorgelesen, damit eben dieses Generationenübergreifend, damit wir voneinander verstehen.

Tatsächlich ist die Entwicklung so, dass wir auch durch die Individualisierung unserer aller, auf der einen Seite werden wir alle individueller, weil wir möchten dringend gesehen werden, auf der anderen Seite arbeiten wir in Social Media in so sonderbaren, riesigen Horden und machen alle dasselbe. Aber das ist ja nicht geboren aus einem gesellschaftlichen Tabu, man möchte es so oder so verhalten, sondern das ist geboren aus so einem Effizienzgedanken.

Es gibt Lebensabschnitte. Lebensabschnitt 1 ist kleine Kinder, dann Teenager und dann raus mit euch. Dann Lebensabschnitt 10 Jahre ohne, dann Lebensabschnitt Alter und Gebrechen und dann Tod. Und die sehr protestantische Einteilungen phasen unterschiedlicher Effizienz. Das ist vielleicht die Abzeigung, wie man es dir falsch genommen wurde.

Ja, ich meine grundsätzlich dieser Abschied von dem Mehrgenerationen-Denken, dass man sagt so, als Familie sozusagen der innerste Bereich, die bleiben eigentlich zusammen und. Dass das nicht mehr die Regel, sondern wirklich die Ausnahme ist und dass ja Leute dann, ich will nicht sagen, also ich merke es immer, wenn ich erzähle, ich wohne mit dem, oh und es wird dann irgendwie so ein bisschen so wieder, oh, der ist aber ja der Abenteurer, was der macht, es ist was neben der Norm und ich frage mich aber Aber tatsächlich hätten wir nicht viele dieser Dinge, also gerade diese unglaubliche Einsamkeit vieler Menschen.

In Hamburg haben wir das. 50 Prozent aller Haushalte in Hamburg werden von einer Person bewohnt. Und da frage ich mich, ob wir da nicht, und das zieht sich dann ja raus über Jahre und Jahrzehnte, warum wir das eigentlich getan haben. Das ist eine Frage des Lebensentwurfs. dass unser Lebensentwurf ist auf Optimierung von bestimmten Formen, Lebensentwürfe.

Und da geht gerade noch, keine Ahnung, die Paarheit, wenn sie heterosexuell ist, womöglich mit Kindern und Familien. Nein, wenn sie homosexuell ist, geht schon auch Kinder und Familie, aber dann wird es schon schwierig. Also die lesbischen Paare, die wir kennen mit Kindern, die haben es schon wieder nicht mehr so einfach, weil die Normgröße Familie wird definiert von der heterosexuellen Vorstellung.

Also das, ja, es ist schwierig, aber dann denke ich wiederum, also wir leben nicht mit unseren Großeltern, weil die einfach ganz, ganz, ganz, ganz woanders sind. Das ist bei mir durch, keine Ahnung, mein Lebensentwurf ist ja nomadisch, weil ich bin in meinem Job hinterher gereist. Jetzt habe ich einen halbwegs haltbaren Job.

Jetzt könnte man überlegen, aber dann ist auch wieder schwierig, dein Leben umzuplanen. Aber das ist interessant, dass man sozusagen, man macht, also man ist bereit für den Job, alles zu verlassen und den nächsten Ort zu ziehen, aber man ist nicht bereit für die eigenen Eltern oder Großeltern dort zu bleiben, wo man ist.

Das ist so interessant, finde ich und natürlich hat das damit zu tun, dass man heute ja sein, ich glaube, ich weiß gar nicht, ob man, wählt man seine Heimat danach aus, wo man sich wirklich zu Hause fühlt oder ist es einfach profan, da wo es der Job ist, da wo es die gute Schule gibt, da wo ein paar Ärzte rumlaufen oder so.

Also ist man eigentlich da, wo man sich zu Hause fühlt oder ist man da, wo man das Geld verdient? Und an dem Punkt ist dann die Frage, wie sie erst mal ein Herr oder Herren seines Lebens entgehofft wird. Kann man nicht versuchen. Genau, natürlich, natürlich, genau. Aber sollte man nicht versuchen, Herr oder Herren oder Frau seines Lebens zu sein und nicht sozusagen sich das Leben von denen, das müsste doch eigentlich das Ziel sein, ich mache jetzt das, wozu ich Lust habe und ich kriege das schon irgendwie hin und lasse mir das aber nicht bestimmen.

Das ist interessant, dass hier von dieser Maske. Ja, von René Magrits Wolken-Gesicht. Und die Maske, also das heißt aber, die Maske hängt dann da so bei euch? Oder steht so eine Maske? Es gibt sogar vier Kopien, eine hängt in der Tate, weiß nicht, wo die anderen hängen, die ist aus dem Lehmbruck-Museum, kann man auch in Deutschland, also bei uns kann man sie jetzt gerade sehen.

Was ganz interessant ist, da wollte ich vorher nochmal hinkommen, denn der René Magrits ist durchaus, wie soll man sagen, sehrisch begabt. Was passiert gerade mit Statuen und mit Straßennamen, by the way. Es war vollkommen klar und wie so ein Kommentar, dass man Statuen heroischer, vorbildlicher Persönlichkeiten aufstellt.

Es gab im 19. Jahrhundert einen richtigen, einen Denkmalskult. Ja. Alles bekam ein, nein, nicht alles bekam ein Denkmal. Es waren Herrscher. Innen manchmal, Generäle, die es als Innen nicht gibt, Sieger, Unterdrücker, Kolonialisten und was passiert zurzeit? Vor ein paar Jahren fing es in England an, da ist eine Statue eines Handelsherrn, der ganz ausschließlich vom Sklavmann gelebt hat, im Hafenbecken verschwunden.

Ich habe seinen Namen vergessen. Das ist, glaube ich, der Beginn der Cancel Culture, wenn ich das richtig einordne. Und auf einmal haben Denkmäler keine rechte Daseinsberechtigung mehr. Seit ich in der Kunst bin, weiß ich, dass wenn jemand ein Denkmal beauftragt, dann muss ich mindestens grinsen. Ich glaube, ich war noch in keiner Kommission, die sich um ein Denkmal bemüht hat.

Das wäre in meinem Job vor 150 Jahren gar keine Frage gewesen. Wir zwei wären in wahrscheinlich sieben Juries gewesen für Denkmäler. Am besten, wenn wir Glück gehabt hätten, für Poeten. Doch, es gibt gerade eine Debatte, die läuft schon eine kleine Weile. Heine, warum hat der Heine in Hamburg kein Denkmal?

Da muss man sagen, ich würde mich da dahinter klemmen und sagen, warum hat der Heine in Hamburg kein Denkmal? Das ist ein Versäumnis. Ich glaube, da würde ich auch viele Hamburgerinnen hinter mir versammeln können. However, wer bestimmt, wer vorbildliches Entdeckmal bekommt? Und das stellt halt der Margrit hier freundlich mal zur Debatte.

Das ist wirklich interessant, wenn du guckst, das geht ja dann so weit, dass in Hamburg vor dem Ohnseuchtheater eine Statue von Heidi Kabel steht. Ah, eine neue. Nein, die ist nicht neu. Als ich zum Hamburger Abendbett kam, wieder zurückkam. Vor 14 Jahren haben wir die damals aufgestellt. Ich glaube, das hat sogar das Hamburger Abend, damals hat die sogar gestiftet.

Und da steht aber so ein Denkmal für Heidi Kabel. Umgekehrt hast du natürlich jetzt auf einmal eine Diskussion über das Bismarck-Denkmal und darf das noch stehen und sonst was. Bei Denkmälern muss man aber auch sagen. Die kommen aus ihrer Zeit. Genau. Aber andererseits hat man natürlich sämtliche Denkmäler für Adolf Hitler zu Recht abgerissen damals.

Aber natürlich wird die Diskussion jetzt geführt und man müsste sich eigentlich natürlich fragen, Wer ist noch denkmalswürdig? Ja, naja, weil kann man das aus einer, kann man das sozusagen aus heutigem Blick sagen, okay, ja, kann man vielleicht schon, aber die Wertung ist halt eine andere. Und ist das nicht auch Kunst im öffentlichen Raum, die erhalten werden muss?

Also bei dem Bismarck-Denkmal, das könnte ich auch mal besorgen, ist zwar nicht in der Hamburger Kunsthalle, aber ist natürlich auch nicht schlecht, dass ich, ich bin ein vehementer Gegner von Abriss, aber ich glaube, der steht auch nicht zur Debatte, weil dieses Denkmal ist nicht nur ein Zeugnis seiner Zeit, es ist auch noch doppelbödig ohne Ende.

Wie soll man sagen, es stellt sich ja schon selber bloß durch die schiere Größe. Ich meine, so ein Brocken von Stein. Der arme Herr Bismarck, also ich weiß nicht, ob der geschmeichelt gewesen wäre, in derartig fallisch da zu stehen. Und das Lustige ist, das wirst du wahrscheinlich besser wissen, in mir hat mal jemand gesagt, und in Wirklichkeit ist das, als es aufgestellt wurde, vor allem als eine Kriegserklärung an die Hohenzollern gedacht, mit dem man nichts anfangen konnte.

Und die Hamburger haben sich einen Spaß draus gemacht, dem in Unglade gefallenen Bismarck gegen den Wilhelm II. So ein Ding hinzusetzen. Das muss man ja sagen, das ist ja das Interessante in Hamburg, dass sozusagen ja diese ganzen Denkmäler, die normalerweise, ich war jetzt vor ein bisschen länger schon wieder in Wien, wo dann an jeder Ecke, dann steht Kaiser hier, Kaiserin da und so weiter, das Sissi-Denkmal und so.

Und in Hamburg sind die Denkmäler, wenn man mal von Bismarck absieht, natürlich dann eigentlich eher so, Musikern oder Schauspielern vorenthalten. Nach dem Motto, wir Bürger entscheiden jetzt hier die Leute, die wir gern haben, die wir gern mögen. Und das hat ja dann nichts mit Macht zu tun. Also für Napoleon wäre hier kein Denkmal aufgestellt worden.

Also der Bismarck ist der Einzige, oder? Ansonsten, den Herrn Petersen gibt es noch am Neuen Wall. Ja, aber das ist auch lustig. Ich wäre es vorstellbar, dass eines Tages ein, es gibt kein Helmut-Schmidt-Denkmal, glaube ich, und es gibt auch kein... Das ist ja kein Denkmal. Und ich glaube auch nicht, dass eines Tages von Olaf Scholz ein Denkmal aufgestellt werden wird.

Also die Zukunft der Statuen, muss man sagen. Profitisch. Also weil natürlich, klar, und es ist dann ja auch, in Amerika ist es zum Beispiel ganz üblich, dass, übrigens, es gibt eine Statue, ich sehe etwas, was du nicht siehst, ein riesiger Fuß, der Fuß von Uwe Seeler vor dem Volksparkstadion. Ja, ein riesiges, ich musste dir mal angucken, ein riesiges Denkmal, wo man ja auch denkt, das ist ja auf eine sehr angenehme Weise, macht man sich dann sozusagen über diesen Heroenkult dann lustig und sagt, unser Hero ist der Fuß vom großen Uwe Säler, der gar nicht so groß war. Das Denkmal ist deutlich größer als er.

Ich würde nicht darauf wetten, dass nicht eines Tages wieder Denkmalskult unter anderen Vorzeichen zurückkehrt, denn natürlich im Stadtraum konfrontiert zu werden mit lebensgroßen oder überlebensgroßen Figuren aus Stein, Bronze, sonst irgendwas, hat einen sinnlichen Effekt, den hat das 1900 einfach geliebt.

Und in Frankreich gibt es fantastische, fantastische Denkmäler, keine Ahnung, für Musiker und für Literaten, das Balzac ist ein fantastisches Denkmal, wird gestiftet worden. Also es gibt, wenn der Geist dahinter gut ist, gibt es tolle Denkmäler und ich könnte mir vorstellen, dass es auch wiederkommt in gewisser Weise, weil das dingliche Erinnern an etwas, was gut war, Das muss halt gut sein. Im Stadtraum ist was Sinnvolles.

Es erhebt möglicherweise die Geister und schafft Vorbilder, die man haben möchte. Das stimmt natürlich. Weil du weißt natürlich, tatsächlich hast du heute auf, das hat vielleicht auch etwas mit der Individualisierung zu tun, dass du dann irgendwie, weil es so viele Menschen gibt, die so viele unterschiedliche Vorbilder haben, dass man sich dann schwer tut und sagt, das ist jetzt der eine große, also in Hamburg wäre es wahrscheinlich am allerersten Helmut Schmidt.

Und trotzdem glaube ich, wäre das auch schon, weil es nicht hanseatisch ist, Ich bin mir gar nicht sicher, ob es damals, ich habe es nicht verfolgt, eine Diskussion über das Denkmal von Heidi Kabel, weil sie Volksschauspielerin ist, geht es, glaube ich. Aber an sich ist sowas unhansa-artisch. Der Schauspieler Fedder starb, Jan Fedder, genau.

Da ist mir aufgefallen, da war offensichtlich auch ein allgemeiner Wunsch nach Verewigung da und der Begriff eines Denkens ist aber nicht in der Debatte gefallen, wenn ich das so richtig überblickt habe. Dann geht es immer gleich darum, dann gibt es ja, glaube ich, die Jan-Feder-Promenade, dann geht es gleich darum.

Aber du hast natürlich recht, immer schon so, dass man so das Gefühl hat, man möchte schon an so bestimmte Menschen erinnern, die, für eine, Stimmung, für einen Spirit in der Stadt spannen. Wahnsinn, was man über eine Maske mit... Die Zukunft der Statuen haben wir diskutiert. Das ist verrückt und dass es gar keine Statue war. Sind wir jetzt mit dem Surrealismus soweit durch?

Wir haben jetzt ja schon, wir nähern uns ja jetzt fast schon dem September, ein bisschen übertrieben, erste Folge im August. Aber worüber wollen wir sprechen in der nächsten? Was soll ich mir was wünschen? Ich wünsche dir was. Ich bin offen für Suggestions. Ich habe jetzt schon, das haben wir heute schon drüber gesprochen, das finde ich so interessant, das beschäftigt mich auch gerade in meinem neuen Buch so ein bisschen, das Thema Heimat.

Ich weiß nicht, ob wir das schon haben, das Thema Heimat, weil ich ja in der Zwischenzeit glaube, dass Heimat kein Ort ist, sondern allein ein Gefühl. Und dass es mit Heimat ist wie mit der Liebe, entweder du spürst sie oder spürst sie nicht. Oh Gott, das ist schwierig, weil ich kenne keine Heimat. Du hast keine Heimat. Wo ist deine Heimat? Bist du heimatlos? Ich bin heimatlos.

Also ich fühle mich in Hamburg, wo meine Frau Norddeutsche ist und Norddeutschland ihre Heimat ist. Und aus Zuneigung, Liebe und Hinwendung kann das. Aber dann stehe ich manchmal in Hamburg gegenüber. mir, ist das ein exotischer Ort für mich? Junge, Junge, Junge. Es gibt wenig Orte, da können wir das nächste Mal drüber sprechen, aber der Ort meiner Kindheit ist Griechenland und Athen.

Das heißt, wenn ich immer wieder mal, wenn ich in Athen auftauche, höre ich halt, was die Dinge waren, die ich gehört habe, als ich anfing zu hören. Das geht schon tief rein. Das wäre jetzt aber total vermessen, als Urdeutsche sagen, Athen ist meine Heimat. Das würde, glaube ich... Genau das ist es nämlich.

Es gibt so bestimmte, ich weiß nicht, ob du das kennst, so bestimmte Gerüche. Für mich ist es der Geruch. Der Geruch, wenn man an der Nord- oder an der See im Sommer in so einen Papierwaren-Zeitschriftenladen kommt, wo sich dann die Gerüche von Zeitungen, Zeitschriften. Sonnencreme, Holzregal und das mischt sich so.

Und das weiß ich nicht, mir fällt jeder dieser Papierläden, also Zeitungsläden, egal wo, riecht überall gleich an Nord- und Ostsee. Diese Mischung. Und wenn ich dann da bin, dann bin ich sofort wieder in meiner Kindheit und so. Und das finde ich interessant. Das große Thema ist Heimat. Das passt natürlich auch zu Hamburg.

Ein Hamburger sagt ja immer für sich, ich kann gar nicht irgendwo anders glücklich sein als in Hamburg. Und vielleicht stimmt das auch. Vielleicht ist das auch. Du bist Hamburger. Ich bin Hamburger. Ja, ja, genau. Aber trotzdem würde ich eher sagen, wo ich mich wirklich zu Hause fühle, es ist irgendwie, habe ich ja schon mal gesagt, es ist oben an der Schlei, wo ich so ein Gefühl habe, irgendwie hier gehörst du hin.

Und das ist interessant, finde ich. Und da, wo ich aufgewachsen bin im Süden Hamburgs, da kenne ich alles, aber es fühlt sich nicht wie Heimat an. Also bin ich gespannt, was du da... Oh, Heimat ist schwierig. Ist wahrscheinlich gar nicht schwierig in der Kunst, ne? Die Assoziationskette ist jetzt mal losgetreten. Mal schauen.

Ich komme ja immer bei anderen Sachen raus, als du denkst. Das ist wahr. Also auch bei den Tabus, ich habe mich sehr gefreut. Liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank fürs Zuhören. Nächste Woche genau überlegen, was ist für Sie eigentlich Heimat? Schreiben Sie uns auch gerne, wenn Sie das Gefühl haben, Sie haben eine Idee, was der liebe Alexander Klader mal raussuchen könnte.

Da freuen wir uns und sagen Tschüss, bis nächste Woche. Bis dann.

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