
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 310
Großer Sport, große Kunst
Samstag, 21. März 2026 · 25 min
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Shownotes
In der neuesten Folge von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ nehmen Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider den berühmten Diskobol des Myron unter die Lupe. Erfahren Sie, warum die Wurfscheibe des antiken Athleten heute überraschende Parallelen zu Olympia und dem Hamburger SV schlägt. Ein unterhaltsamer Schlagabtausch über Ästhetik, Sportsgeist und die Geheimnisse eines unbekannten Künstlers.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider und mir gegenüber sitzt kein Geringerer als der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar. Lieber Alexander, du bist in deinem Büro, sehe ich gerade. Genau, ja.
Erkenne ich immer, dass diese kleine Postkarte an der ansonsten freien Wand hängt, was für ein Drama. Und ich freue mich aus mehreren Gründen, weil heute endlich mal ein Thema in unserem Fordergrund ist, mit dem ich mich auskenne, also deutlich besser auskenne als mit Kunst. Es geht nämlich um den Sport, um Olympia im Besonderen, aber um den Sport im Allgemeinen.
Und da muss ich dich etwas fragen, was ich total vergessen habe in den vergangenen Wochen. Es ist schon ein bisschen her, aber ich staunte, dass ich vor, ja, vor wann war das denn? Was haben wir jetzt irgendwie Mitte März, ja, vor einem guten Monat eingeladen war in die Hamburger Kunsthalle. Darüber staunte ich nicht, das passiert öfter mal, dankenswerterweise.
Aber der Einladende war der Hamburger Sportverein. Der seinen jährlichen Empfang in der Kunsthalle machte. Und ich staunte wirklich und dachte, was hat der HSV denn mit Kunst zu tun? Geht es um die Kunst des Fußballspielens? Und dann habe ich mich so ein bisschen umgehört und stellte fest, es war nicht der erste Besuch und du hast mir das verschwiegen.
Du hast mir deinen besonderen... Ich habe die Verschwiegenheit verpflichtet. Erzähl mal, was genau hast du mit dem HSV zu tun? Also ist es dir zu verdanken, dass der Verein eigentlich so ganz gut dasteht? Wahrscheinlich. Ich werde demnächst Maskottchen werden. Nein, der jetzige Trainer, Merlin Polzin, plante ein Get-Together seiner, wie ich lernte, Führungsspieler, oder vielleicht war das, also ich weiß nicht, so wurde es mir erzählt, nicht, dass ich jetzt irgendwelche Beleidige, die auch Führungsspieler sind und nicht dabei waren, in die Kunsthalle zu kommen, weil er, ich glaube, der wollte so eine Art Strategiegespräch mit Background machen und da ging es und Kunst fand er seine gute Idee, was ich immer auch finde und dann wurde ich dazu gebeten, ob ich keine Ahnung,
so eine halbe Stunde, 40 Minuten zu ein paar Kunstwerken was sage, um, zu zeigen, wie sehr man die Beziehung herstellen kann. Und das ist ja ein bisschen wie bei unserem Podcast. Ich möchte gerne beweisen, dass die Kunst Beziehung zu allen herstellt. Wir haben ja unten im Sockel ein Gegenwartskunstwerk mit einem halbierten Motorrad und so einem Anzug eines Motorradrennfahrers.
Aber das war schon fast zu plump. Und ich habe es so ein bisschen über innere Verfasstheit von Künstlern und Sportlern oder Fußballern. Also ich glaube, dem Trainer geht es schon ein bisschen um die Kunst des Fußballspiels. So habe ich die Analogie gedeutet. Bei dem eigentlichen Strategiegespräch war ich natürlich nicht dabei, das wurde im kleinen Kreis von Trainer und Spielern gehalten.
Kann das sein, dass das kurz vor dem Spiel gegen den FC Bayern München gewesen sein muss, wo die dann ja 2-2 gespielt haben, womit niemand gerechnet hat nach dem 0-5 im Hinspiel? Welche Bilder hast du ihnen gezeigt? Wir sind ein bisschen ins Haus gelaufen, quasi aus jeder Zeit etwas, ein Gegenwartskunstwerk.
Das ist eben von der Alex Birken unten das Motorrad mit dem Anzug. Das ist so ein bisschen so, da geht es um Körper des Motorrads und Haut des Menschen, dieser Anzug. Und dann den Wanderer natürlich. Da geht es ein bisschen um den Blick in die Zukunft, wie man sehen kann in der Zukunft und wie man sich dazu verhält.
Ich habe noch was Drittes gezeigt, aber oh Gott, es ist jetzt schon wieder so lange her, dass ich vergessen habe. Aber wir haben einen sehr schönen Gang gemacht und ich habe eben zu drei, vier Werken versucht, das auf uns als Menschen, die suchen und finden, zu beziehen und das kümmern. Ich glaube, es kam gut an, so viel kann ich sagen. Ob es das bewirkt hat, ob es ursächlich für das 2 zu 2 ist, weiß ich jetzt nicht.
Aber schlimm, dass du das so lange geheim gehalten hast. Es ist ja wirklich schlimm. Es ist ein bisschen um Diskretion. Ich bin diskret. Du bist diskret. Aber schöner Übergang, schöne Einleitung zu unserem heutigen... Nein, es ist kein Bild. Du hast mir kein Bild mitgebracht, sondern ich würde jetzt mal sagen, und da merkt man schon, dass es doch fruchtet.
Ich erkenne eine Gipsstatur. Statur, sagt man Statur? Statue, ich kann es gar nicht aussprechen. Und was sieht man? Man sieht einen nackten Diskuswerfer, dem allerdings, der hat den Diskus, der sehr groß ist, ich halte den Diskus eigentlich kleiner in Erinnerung, hat den Diskus in der rechten Hand, seine linke Hand gibt es nicht.
Da ist nur ein Stumpf, das ist wahrscheinlich irgendwann mal abgefallen, das war im Original wahrscheinlich nicht so und er macht halt diese Bewegung, wie gesagt nackt, man sieht ihn seitlich, man kennt ja vom Diskus diese Drehung, das heißt das linke Bein ist so ein bisschen angewinkelt, der Fuß ist so aufgestellt, das rechte Bein ist das Standbein in dem Moment eindeutig zu erkennen und ich weiß gar nicht, im Hintergrund ist irgendwie, was das sein soll, ich weiß nicht. Als ob da noch so ein.
So ein Rest Gips übrig ist. Es hätte auch ein Hund sein können, der nicht ausgearbeitet wurde. Also irgendwas ist dahinter, was so ein bisschen... Ein Baumstumpf vielleicht? Ein Baumstumpf, wo ich... Ich kann dir erklären, warum es da ist, aber das mache ich gleich. Okay, worum ich dachte, was soll das? Das kann ja weggehen, das würde...
Ja, und dann ist es klar, das war der Auftrag, den ich dir ja mitgegeben hatte, war, lass uns was zum Thema Olympia machen. Warum Olympia? Auch das natürlich eindeutig. Wir befinden uns nicht wegen der Olympischen Winterspiele, die sind ja vorbei, lange. Aber wir kommen jetzt in Hamburg in eine Phase, wo es ja um die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040, 2044 geht.
Und demnächst gehen die Unterlagen raus, weil die Hamburger ja abstimmen durften. Und da fand ich es schön, jetzt mal so ein, zwei Folgen zu machen mit diesem Hintergrund Olympia. Nun sag erst mal kurz was über diese Statue und dann gehen wir weiter über Olympia und die Kunst. und wie die Kunsthalle vielleicht diese Bewerbung noch auf den richtigen Weg bringen kann, nachdem du schon den HSV auf den richtigen Weg gebracht hast.
Also, das war eine schöne Herausforderung, weil das irgendwie auch sehr gut in unsere Zeit passt. Wir sind nämlich gerade in der Vorbereitung für eine ganz große, eine spektakuläre Neupräsentation eines Sammlungsteils, der lange, und ich rede jetzt vom gesamten 21. Jahrhundert, konnte man diesen Sammlungsteil nicht mehr sehen.
Also seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ist er verschwunden gewesen, nämlich die Münzen, Medaillen und Skulpturen. Und da sind ein paar echte Neuheiten dabei und diese Gipsstatue gehört dazu. Denn wir werden sie ab Ende April bei uns, knapp vor dem Olland-Pierre-Funktum. Werden wir sie bei uns in einer neuen Präsentation zeigen.
Und wenn du unser Haus vor Augen hast, dann kommst du ja, wenn du im Erdgeschoss durchgehst, erstmal in diesen Säulensaal, in dem das Café Liebermann ist. Und rechts davon ist ein Saal, den du vielleicht nicht kennst, außer du machst öfter mal bei uns so Veranstaltungen mit, da steht man öfter und trinkt was.
Dieser Saal war aber irgendwie ein bisschen unternutzt, hat bei uns den internen Namen Klingersaal. In Wirklichkeit aber ist das beides ein Saal für die griechische Antike, weil im Café Liebermann läuft oben ein Fries. Das ist der Fries, der Parthenon Fries, ein Abguss des Parthenon Fries, der in Athen an der Akropolis war.
Die Hamburger Kunsthalle war bei ihrer Gründung 1869 ein Bildungsinstitut. Und da gehörte selbstverständlich dazu, nicht nur die Kunst ab dem 14. Jahrhundert, wie wir jetzt zeigen, zu zeigen, sondern die Kunst ab der klassischen griechischen Antike. Denn das war die Basis eines jeden Museums. Und dieser Discobol, der Discuswerfer, ist eines der Insignien.
Es ist ja auch eine der berühmtesten antiken Statuen. Die hast du wahrscheinlich irgendwo immer mal schon gesehen als Kopie, als Abguss oder so. Und die bringen wir wieder zurück. Und wie es der Zufall will, das Thema der griechischen Kunst ist der Sport. Und Olympia. Olympia war eine sportliche Veranstaltung und eine künstlerische Veranstaltung.
Es waren für alle Olympischen Spiele, wurden Weihe-Statuen gebracht, Weihe-Ampforen gebracht. Olympia quillt über vor Schatzhäusern, in denen Kunstwerke sind, die zu den Olympischen Spielen dorthin gebracht wurden. Das will heißen, Olympia war mal nicht nur eine TV-Session für Großsponsoren. Das war ja der Moment, an dem die Völker, die griechisch sprechenden Völker zusammenkamen. später auch im Römischen Reich.
Sich in Olympia trafen zum Wettkampf, merke auf, das ging auch nur, wenn kein Krieg geführt wurde. Das war damals die Grundvoraussetzung. Und diese damalige Verbindung aus Sport und Kunst, die ist ein bisschen verloren gegangen. Und nicht, dass wir vorhaben, die Weltgeschichte zu ändern, aber wir zeigen halt eben bei uns aus dem Anlass unserer Neupräsentation eben auch diese Statuen, die eben die Verbindung zum Sport ganz stark herstellt.
Das sind jetzt ganz viele Ankündigungspunkte. Erstmal finde ich interessant, dass du diesen Raum erwähnst, den ich ja schon ein paar Mal gesehen habe, weil wir Veranstaltungen in diesem Raum gemacht haben. Das heißt, dieser Raum, der sozusagen, wie soll man das, vor dem Kaffee Liebermann-Lied, der wirkt jetzt ein richtiger Ausstellungsraum.
Nein, du meinst nämlich den geheimer Ottosal, der bleibt ein, der bleibt ein, der stuhlt dahinter, aber es ist eine Tür. Du hast das vielleicht auch noch nicht gesehen. Das ist ein großer, schöner Eckraum mit Blick auf den Glockenwieser Wall. Also Spoiler, der hat auch einen neuen Boden bekommen, wie er 1869 war, nämlich ein Terrazzoboden.
Also wir machen das mit Dorit und Alexander Otto und wir mussten da nicht sparen. Das heißt, das wird wirklich eine fantastische, opulente Ausstellung werden. Und diese Gipse, die sind aus dem 19. Jahrhundert. Also wir haben jetzt hier nicht, das Original ist von 406, glaube ich, nach Christus, 460 vor Christus, Entschuldigung.
Das Original gibt es gar nicht mehr. Wir kennen diese Statue von römischen Kopien und eine dieser römischen Kopien wurde 1780, 81 auf dem Esquilin in Rom gefunden und hat seitdem eine irre Karriere gemacht. Denn mit dem Fund stellten die fest, das ist ja eines der interessantesten Kunstwerke überhaupt, weil da wird plötzlich die Skulptur auf einmal umgänglich besichtigbar.
Die vorherigen, also im Jahrhundert davor, waren die alle statuarisch und man hat die Skulptur meistens wie Wandbilder von vorne angeguckt. Diesen hier, wir müssen eigentlich drei Bilder von ihm zeigen, weil man kann ihn umrunden. Und das hat im Endeffekt, das hat quasi die barocke Skulptur noch einmal so in ihrer Spätblüte befeuert.
Dieses Ding ist sozusagen barock der Antike. Und du hast es gerade gesagt, du musst mir erklären, was ist dieser vermeintliche Baumstumpf, der da drauf ist, erstens. Und zweitens, die Hand fehlt. Wenn es eine Kopie ist, dann ist es im Original auch so gewesen, dass die Hand ja fehlte. Nein, das, was man gebunden hat.
Also die römische Kopie des verlorenen griechischen Originals hatte auch schon keine Hand. Deswegen konnte man sie nicht ergänzen. Das ist aber, man sieht ja ein bisschen, man sieht aus seinem Knie wächst so ein Stumpf heraus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass an der Stelle die Hand mit dem Knie verbunden war, weil das macht die Statue noch ein bisschen standfester.
Und das Thema Standfestigkeit ist auch der Grund für diesen sonderbaren Baumstumpf. Die Statue hätte nicht selber stehen können auf ihren zwei Beinen, weil das Gewicht der Statue zu groß ist. Das ist übrigens die größte Herausforderung für Bildhauer der Antike und dann wieder in der Renaissance, ein Reiterstandbild zu machen, auf dem das Pferd, auf seinen vier Füßen steht. Das gelingt am Anfang noch nicht und deswegen findest du oft bei so Reiterstandbilden so sonderbare Dinge unter dem Bauch des Pferdes.
Das Pferd gleitet gerade über einen Baumstamm hinweg, weil sonst konntest du nicht halten. Und dann passiert das Wahnsinn, die Technik, die Gusstechnik, die Bronzegusstechnik wird so gut und so stark und die Ableitung der Kräfte wird so gut, dass es tatsächlich im 16. Jahrhundert gelingt, sich aufbäumende Pferde hinzustellen. Das ist schon ziemlich große Leistung.
Und das ist eben der Grund, warum der diesen komischen Posten da hat, weil sonst hielte die Statue schlicht nicht. Sonst wären sie einfach umgekippt. Genau. Und dann, also, dann hast du etwas gesagt, was ich interessant finde, wo ich gerne mit dir reden wollte, dass Olympia eigentlich immer halb Sport, halb Kultur war.
Also Sport, Bewegung, Leibesertüchtigung damals. Und ich habe mich ja viel auch mit Olympia in den vergangenen Jahren beschäftigt, weil das ja das Ziel ist, insbesondere der Kulturschaffenden, dieses Verhältnis wieder so ein bisschen gerade zu rücken. Also auch wenn Hamburg sich jetzt bewirbt, würde es, wenn Hamburg den Zuschlag bekäme, ein sehr, sehr großes Kulturprogramm geben.
Und man sieht ja daran irgendwie, das ist ja auch wichtig, das miteinander zu verbinden, man sieht an deiner HSV-Geschichte, dass das vielleicht ja doch miteinander was zu tun haben kann. Also wir beide beweisen ein bisschen, dass man über Kunst reden in alle Themen hineinkommt. Und Kunst ist ja nur ein zentraler. Kunst ist wie Lachen, Singen.
Malen, Ausdruck menschlicher, menschliche Emotionen und menschliche Intelligenz. Sport ist der Ausdruck menschlicher Leistungsfähigkeit. Sich zu messen, liegt ja in beiden Dingen drin. Das Interessante ist ja, also Olympia ist ja einfach in den letzten, weiß nicht, im letzten halben Jahrhundert, hat ein Problem bekommen durch, keine Ahnung, nicht nur Kommerzialisierung, auch durch das Olympische Komitee, zu dem man sich so oder so stellen kann.
Und ich glaube, der Widerstand in Hamburg, der liegt ja auch ganz stark daran, dass das eben so ein, ein verbordendes, mächtiges Ding ist, was auf eine Stadt drauf klatscht. Und da gibt es natürlich viele Leute, die nichts Gutes davon erwarten, von steigenden Mieten bis wohin. Und da ist halt die Frage, kann man Olympia wieder den Menschen zurückgeben?
Denn ich sehe natürlich auch, was da Gutes dabei ist, nämlich eine Organisation, die Sport möglich macht. Und das wird gar nicht so einfach. Und da ist natürlich schwierig, wir wollen als Kunst vielleicht auch nicht nur das Schutzmenschlichen sein, sondern zeigen, also es gibt die fantastischen Seiten des Sports Und dieses Überorganisierte und Kommerzialisierte kann man ja vielleicht auch in einer Stadt wie Hamburg wieder ein bisschen in Containen, in Proportionen setzen. Wäre meine Hoffnung.
Das heißt, wenn du jetzt abstimmst, das ist ja die große Frage. Die entscheidende Frage, glaube ich, für Hamburg ist ja die, gibt es eine Mehrheit? Und es geht wirklich nur um eine Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme für diese Bewerbung. Sollte es die geben, wird Hamburg sich bewerben? Und das Interessante ist ja in diesem Fall, anders als vor, wann war das denn, zehn Jahren, als Hamburg sich bewerben wollte, dass es ja wirklich danach aussieht, dass die Stadt, die den Zuschlag intern bekommt, am Ende auch tatsächlich die Olympischen Spiele austrägt, weil das IOC schon in Gesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund ist und offensichtlich festgestellt hat, Moment mal, das ist ja irre lange her, dass Olympische Spiele in Deutschland waren,
nämlich 1972 in München. Das heißt, dass sozusagen die Entscheidung, die die Hamburger jetzt treffen, ob sie dafür sind oder dagegen, eigentlich schon fast eine Entscheidung ist. Wirklich für Olympia, anders als vor zehn Jahren. Man hat natürlich noch München als Gegenkandidaten, aber Hamburg hat wohl, es geht nach so einem Punkt der Ranking, ganz gute Chancen.
Deshalb meine Frage, so wie du sprichst, bist du dann als jemand, der ja schon sieht, was der Sport auch an negativen Seiten hat, jemand, der mit Ja stimmen wird bei dieser Bürgerbefragung? Nach langen inneren Ringen würde ich sagen ja, weil die für mich überwiegen die Möglichkeiten, also nicht die positiven Seiten.
Wir werden jetzt nicht mit einem Schlag etwas verändern können. Bei mir ist es eine Menge Lage aus Dingen. Ich sehe nicht ein, dass olympische Spiele nur noch da stattfinden, wo wahlweise Menschenrechte gering geschätzt werden oder gar nicht eingehalten werden, wo Demokratie keine Rolle spielt. Ich finde es schon wichtig, dass man als demokratisch verfasster Ort sowas kann und möchte.
Und da würde ich mich natürlich schon freuen, eine knappe Mehrheit sagen würde, ja, das wollen wir. Knappe Mehrheit fände ich deswegen auch schon cool, weil dann natürlich auch ein bisschen die Kritik mitschwänge. Das ist das Gute an der Demokratie. Und dann ging es halt darum, so etwas so zu formen, dass es besonders wird.
Und das Schöne an dem Pariser Spielen war ja, glaube ich, schon, da war ja vorher auch nicht ungebremste Euphorie. Und danach oder währenddessen stellte man fest, das ist ein fantastisches Spiel. Ich war da aus Versehen quasi während der Paralympischen Folge gespielt und die Stimmung war fantastisch. Und das war nicht, dass Paris zusammengebrochen ist.
Und seitdem denke ich, das kann man in einem Gemeinwesen wie Hamburg schon hinbekommen. Plus eben wirklich auch zeigen, was man als Stadtstaat Besonderes kann. Also ich bin dafür und werde entsprechend auch voten. Sehr gut. Wir müssen nochmal sprechen über die Frage, warum gerade der Diskuswerfer. Also warum ist es immer der Diskuswerfer? Weil der Diskuswerfer, gerade in dieser einen Bewegung, was ich sagen will, der wird ja oft, davon gibt es ja relativ viele Bilder, Statuen und so weiter und so weiter.
Warum? Weil man dann als Maler die Chance hat, die Muskelgruppen genau zu zeichnen, weil genau diese Bewegung eine der ästhetischsten im Sport ist. Warum sind es die Diskuswerfer, die so oft portentiert werden? Es gab ja damals, ich glaube, das hieß Pentathlon, Die fünf Sportarten, ich bekomme es wahrscheinlich nicht alle zusammen und der Disco, also da war Marathon, da war Sprint, Schwommen würde glaube ich nicht, also Wagen, also ich weiß nicht, was die fünf Sportarten sind, das würde uns bestimmt eine, die Hörerinnen, ein Hörer noch bei Gelegenheit um die Ohren hauen, aber der Diskus, das war halt die, schon ein bisschen so die Summe all dessen, weil es war technisch, es ist mehr technisch als Laufen, man muss dieses Ding
halt in den Griff bekommen, du hast ja richtig festgestellt, das ist halt ziemlich großer, Die sind kleiner geworden. Dieser Diskus war, glaube ich, auch nicht ganz leicht. Also wenn es Holz war, dann Schweres. Wenn es Metall war, dann war er sowieso. Und wie du sagst, da war der ganze Körper gefordert und die Technik.
Und dieser Diskuswerfer beugt sich nach vorne. Verlagert sein Gewicht, man sieht das Standbein, das ist das rechte, das steht fest und das Spielbein, das steht locker und jetzt nimmt er quasi Anlauf und du siehst in dieser Skulptur, was jetzt gleich passieren wird. Und ich glaube, das war das, was sich der Künstler damals als Ziel gesetzt hat.
Er möchte diesen Moment der absoluten Konzentration, der inneren Gefasstheit, dem Willen zum Sieg, die körperliche Fähigkeit, das zu tun, Körper, Geist, Technik, Sport in ein Ding zu gießen. Das ist ihm so gelungen, dass wir noch heute fasziniert davon sind. Und dann muss man ja immer dazu sagen, was hast du gesagt?
Viertes, 400, irgendwas. 460. Das heißt, genauso wie diese Kopier, es sah genau so aus. Ja, also die Römer waren sehr gut im Kopieren. Wie gesagt, die meisten griechischen Statuen, seien sie archaisch, klassisch und hellenistisch, sind auf uns gekommen über die Römer, die Fabrikation daraus gemacht. Die Römer, das waren die Amerikaner ihrer Zeit, die haben das alte Europa in Athen entdeckt und haben zuerst mal alles kopiert und es größer gemacht.
So wie die amerikanische Architektur europäisch ist am Anfang und einfach nur größer. Und die Römer haben aber super kopiert. Das heißt, immer wenn wir eine originalgriechische Skulptur gefunden haben, haben festgestellt, die Römer haben Größe, Machart, alles sehr gut kopiert. Das heißt, wir können davon ausgehen, dass das Lerna an dem Original ist.
Von dem Original wissen wir, weil auch Römer darüber berichten. Und also das Original war ein Bronze-Ding und das wurde dann später in Marmor, in Bronze und jetzt eben zu Studienzwecken im 19. Jahrhundert in Gips angefertigt. Aber das ist interessant, ist das dann eine Kopie, ist eine Kopie, wenn man jetzt also einen Druck von einem Künstler kriegt, ist es ja nicht ganz so wertvoll.
Ihr würdet ja in eurem in der Kunsthalle in der Regel keine Kopien ausstellen. Das passiert jetzt hier, weil es die Originale nicht mehr gibt Vielen Dank. Nein, Abwägung, weil diese Kopie hat schon wieder ihr Eigenleben entfaltet. Also zum Beispiel die Kopien, das Original wurde, was habe ich gesagt, 1780, glaube ich, 81 gefunden.
Dann entstand sofort so eine Art Kopiekult und das fand man Anfang des 19. Jahrhunderts in vielen bürgerlichen, großbürgerlichen Wohnungen und dann eben ab der Mitte des Jahrhunderts in vielen Museen. Diese Gipsabgüsse, die haben eine ganz eigene Geschichte, die mich sehr fasziniert und wo ich sehr geneigt bin, die als Originale zu betrachten, auch wenn sie teilweise maschinell oder sogar kommerziell gepflegt wurden, weil sie die Bewunderung des 19.
Jahrhunderts für die lange Geschichte und für das Können der vorangegangenen Zeiten in sich trägt. Also warum zeigt die Hamburger Kunsthalle Gipsabgüsse? Weil man natürlich zu der Zeit nicht einfach nach Griechenland oder nach Rom hat fahren können, um sich das Original anzugucken. und diese Studienobjekte, die diese Gipsabgüsse sind, wurden aber dann in die Architektur integriert.
Also dieser Priest, den wir da haben, der ist in die Kunsthalle, in die Architektur integriert worden, um aus der Kunsthalle quasi die Akropolis zu machen, denn das Original ist eine Akropolis. Und diese Bedeutungsübertragung, das macht das für mich wieder so zu einem unglaublich wertvollen Ding. Heute ist ja eben beim Original ganz oft so, dass wir bei Konzeptkunst sagen, das Original ist möglicherweise gar nicht von dem wert, wie etwa ein gemaltes Gemälde.
Und das ist ein Konzeptkunstwerk sozusagen des 19. Jahrhunderts. Und aber eines, wo man sagen muss, wo auch das Handwerk an sich eine Kunst ist. Also wenn wir sagen, die Verbindung aus Kunst, das war auch wahrscheinlich eine schwere körperliche Arbeit, oder? Naja, also wie gesagt, das Original war glaube ich ein Bronzeguss und wäre es in Marmor, ist es harte Arbeit und da muss man hämmern und feilen und schleifen.
Zu allererst mal ist es natürlich eine Art Können, das richtig zu disponieren. Du musst erst mal die Proportionen richtig rausbekommen. Du musst die Umrisslinien festlegen. Dann musst du die Umrisslinien dreidimensional denken, also von allen Seiten. Die Proportionen müssen, Höhe, Breite, Tiefe müssen stimmen.
Das ist hohe Fähigkeit, die wahrscheinlich nur durch Erfahrung geht. Dann eben, er muss ja was machen, das nicht umkippt. Das heißt, er muss eben den Holz, diesen Baumstamm mit reinberechnen. Und er muss es so gestalten, dass es leicht wirkt und trotzdem die Schwere des Materials aushält. Deswegen diese Idee, dass die Hand am Knie angedockt wird, damit das statisch einfach gut funktioniert.
Also höchstes technisches Können ist, heute wird nicht in Akademien gelehrt, weswegen man ganz klar sagen kann, sowas kann heute nahezu niemand. Man müsste mühsam wieder lernen. Vielleicht in China könnte es sein, die lernen da schnell so alte Techniken. Aber es wird auch nicht mehr nachgefragt im Zweifel, weil im Zweifel würde jetzt so ein Diskuswerfer dann für ein Video gemacht werden oder was auch immer.
Ja, sogar ein, du scannst und dann bruckst du das mittlerweile, das geht alles. Ja, das ist die Frage, was wird, also wie sehr ist technisches Können heute noch gefragt? In bestimmten Bereichen sehe, also zum Beispiel Künstler, die Videos machen, die werden natürlich gemessen an der technischen Fähigkeit von Hollywood.
Das heißt, du kannst heute keinen Super 8 Film herstellen, außer du sagst, ich mache es ganz bewusst richtig handmade. Also große Künstlerinnen, die Videoarbeit machen, orientieren sich eigentlich heute an den State-of-the-art-Technik-Systemen. Ich hätte jetzt gedacht, das stimmt, dass man beides, es muss die Idee, am Anfang steht ja immer die Idee, das heißt, die Idee muss einzigartig sein, was ja mit jedem Jahr das vergeht, auch einmal schwieriger wird, weil es so viele Ideen gibt.
Aber du hast natürlich recht, es nützt ja nichts, wenn du die vollste Idee hast, wenn du nicht sozusagen dein Minimum das so umsetzt, dass es mit den Besten mithalten kann, dann wird es schwierig. Also, wir halten fest, HSV, Kunst, Olympia, alles eins. Und nächste Woche nochmal Olympia? Nein, lassen wir was anderes machen. Ich habe Lust auf was anderes.
Dann machen wir nächste Woche was anderes und sind gespannt, wie das... Wir können ja immer wieder Olympia machen, wenn es sich das anbietet. Wie das ausgeht. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zur nächsten Woche. Tschüss, tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App.
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