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Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 288

Ist Hamburg die schönste Stadt der Welt?

Samstag, 18. Oktober 2025 · 26 min

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Shownotes

Der Hamburger Hafen im Jahr 1891: Ein Ort der Sehnsucht, des Aufbruchs und der Heimat. Doch was verrät uns der schwedische Maler Anders Zorn mit seinem Gemälde "Hamburger Hafen" wirklich über die Hansestadt? Und kann Alexander Klar, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Lars Haider vom Abendblatt davon überzeugen, dass Hamburg tatsächlich die schönste Stadt der Welt ist?
Finden Sie es heraus in einer neuen Folge "Ich sehe was, was du nicht siehst", dem Podcast, der die Kunst mit neuen Augen betrachtet.

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Haider. Ich bin Alexander Klar. Und wir wollen heute über ein Bild sprechen. Lieber Alexander, von dem du schon in der vergangenen Woche mir verraten hast, es geht um den Hafen, es geht um Hamburg, das ist alles schön.

Und das Bild werde ich gleich beschreiben. Und ich würde trotzdem einmal einsteigen mit einer Hamburgansie, einer klassischen Hamburgansie. Und wie du dazu eigentlich stehst als jemand, der ja später nach Hamburg gekommen ist. Also was nicht schlimm ist, jetzt bist du nach sechs Jahren ein Hamburger.

Ist das schon so? Nein, natürlich nicht. Natürlich nicht. Auch wenn du in Blankenese wohnst, das erleichtert vieles in bestimmten Kreisen, aber nicht alles. Ich habe gelernt, du als Hamburger bist gar kein Hamburger. Man muss ja immer sagen, ich bin ja in Hamburg aufgewachsen, habe dann ja auch eine Zeit lang auf der Uhrenhorst und in Alsterdorf gelebt, aber es ist schwierig.

Aber die Frage ist, und ich war auch ein großer Anhänger dieses Satzes und den kannst du in Hamburg, das weißt du in jedem Vortrag sagen, Hamburg, Hamburg, Hamburg. Und Hamburg ist ja die schönste Stadt der Welt. Und je öfter ich rumkomme in der Welt, weil zum Beispiel dieses Jahr ein paar Tage in London mal wieder oder auch in Wien, frage ich mich, was wollen uns die Hamburger damit eigentlich sagen?

Also wollen sie einfach sich nur über sich selber lustig machen, weil sie ja so stolz darauf sind, dass auf ihr Hanseartisch ein Understatement, oder ist das einfach nur eine klassische Liebsterklärung, wie jeder sagt, meine Frau ist die schönste Frau der Welt, wohl wissend, dass es wahrscheinlich für andere noch Frauen gibt, die noch schöner sind.

Dieses schönste Stadt der Welt, also Hamburg, die schönste Stadt der Welt, wahrscheinlich eine Formulierung, mit der du öfter konfrontiert worden bist, seit du hier bist. Wie hast du als jemand, der, jetzt nicht mal gesagt böse, aus Wiesbaden gekommen ist, darauf geguckt? Das Lustige ist, ich habe das auch erst gelernt, als ich in Hamburg war, weil davor hört man das gar nicht so, ich weiß nicht, das wird nur in Hamburg gemurmelt oder von Hamburgern.

Und der erste Gedanke ist, Junge, Junge, das ist hanseatisches Understatement, ihr seid ja irre drauf. Und der zweite Gedanke ist natürlich, ich bin so ein bisschen wieder borstig und der erste Blick, der mir dann einfällt, ist der über den Hafen rüber, so zu Blom und Voss und zu den Kränen. Da dachte ich, die schönste Stadt der Welt mit ordentlich viel Containerhafen und Kränen.

Was meint ihr eigentlich genau? Aber natürlich dieses erhabene Gefühl des Hafens, gemischt mit der Zartheit des Grüns um die Alster rum und irgendwann denkt man, ja, es gibt Gründe, es gibt Anlass zu verstehen, warum das gesagt wird. Und man weiß ja tatsächlich nicht, ist das jetzt so semi-ironisch gemeint oder genau so ironisch, dass man weiß, wenn ich sage, in der Brechung verstehen die anderen, dass ich, haha, es ironisch meine, aber wirklich todernst meine.

Und jetzt muss man sagen, ich lebe jetzt hier tatsächlich schon etwas über sechs Jahre und ich fahre, ich radle ja jeden Morgen an der Elbe lang und denke mir dann, was für ein Privileg, diese Fahrradtour machen zu dürfen zur Arbeit. Und ich glaube, andere Leute, die vom Klosterstern an der Alster vorbeifahren, denken ungefähr exakt dasselbe.

Wer jetzt mit dem Auto, keine Ahnung, der Willy-Brandt-Straße im Stau steht, denkt das vielleicht gerade nicht. Aber es gibt einfach viele Stellen, wo man denkt, das ist schön und zwar auf so eine herbe, also nicht lieblich. Und die andere schönste Stadt der Welt, die das vielleicht nicht von sich behauptet, aber wo viele sind, ist Paris. Da war ich jetzt gerade.

Und mein unten ein kleiner Sohn hat gemeint, ja, Paris, wow. Also er hat nicht gesagt, Hamburg ist schöner, er sagt immer, Wiesbaden ist schöner. Aber den hat das jetzt nicht so super beeindruckt, womit man merkt, es ist schon so eine Frage des Blickwinkels. Für mich ist tatsächlich Paris, da würde ich sagen, ohne Zweifel.

Schönste Stadt der Welt, klaro. Von der Architektur. Guck mal, das ist interessant und bei mir wäre es, was du eben gerade beschreibst, man geht durch eine Stadt und hat das Gefühl, ich kann mich nicht satt sehen und ich entdeckte jedes Mal noch was Schöneres. Das habe ich auch gerade in der Komplexität und in der Verdichtung, vor allem in Wien. In Wien.

Ja, auch eine schönste Stadt. Wenn ich in Wien, es gibt also mehrere schönste Städte der Welt. Der Zusammenhang, der oft da ist, Wien macht da die Ausnahme, London eben nicht, ist, du hast einen großen Vorteil, wenn du eine Stadt hast, die am Wasser gebaut ist. Das hat Venedig großen... Könnte auch mit im Kontext dabei sein.

Ja, und dann, also, das klären wir auch jetzt noch weiter anhand dieses Bildes. Das Bild ist ein Bild aus Hamburg. Das kann man sehen. Und ist das da rechts so gar? Nee, ist es nicht. Also, was sieht man? Man sieht ein Bild des Hafens. Man hat den Eindruck, dass man ganz im Hintergrund, wo heute, wo du sagst, wo der Industriestandort beginnt, also mitten in der Stadt, diese riesige Industriefläche.

Das könnte so, entweder es ist ein Schiff, was gerade ankommt, oder es könnte Blom und Voss tatsächlich auch. Ich glaube, das ist auf Land. Insofern würde ich Blom und Voss sagen. Blom und Voss sagen. Man sieht im Vordergrund, sieht man irgendwie das Wasser der Elbe, auch in dieser Farbe der Elbe, wie man sie kennt, dieses bräunlich, gräulich, also nicht dieses ganz helle, blau ist es nicht.

Es ist sozusagen, es ist gemalt von einem Steg aus, man sieht da den Steg und man sieht diese, da wusste ich auch mal den Namen, wo man die Schiffe festmacht, ein Holzboot, ein Mann steht vorne in einem Holzboot und rudert gerade so ein bisschen vorsichtig auf der Elbe entlang, die sehr wellig ist. Man muss sagen, das Elbwasser ist...

Es ist gemalt, als ob man glauben könnte, es ist fotografiert. Es ist wirklich unfassbar realistisch. Er steuert auf so zwei große Holzfeele, Ansammlungen von Holzfeele, die im Wasser sind, zu, wo man dann auch wahrscheinlich Schiffe festmachen kann. Und auf der rechten Seite ist auch ein Schiff, das aber aus dem Wasser hervorragt und zwar relativ deutlich hervorragt.

Man sieht hinten den Rumpf relativ deutlich und das wird nicht daran liegen, dass gerade irgendwie Ebbe ist. Das habe ich auch in England erlebt, im Atlantikbereich vor allen Dingen, wo du dann sechs, sieben Meter Ebbe hast, wo dann die Schiffe wirklich dann auch teilweise trocken liegen. Das ist es nicht.

Rechts ist ein Schiff mit einem grünen Rumpf, das auch aus dem Wasser herausragt, wo vielleicht oben auch irgendwas gerade gemacht wird und so. Und ansonsten ist es diese unglaubliche Mischung, diese gräuliche Elbe und sozusagen von der Hamburger City Seite aus gesehen und auf der anderen Seite siehst du auch Schornsteine, du siehst Rauch, du siehst, dass da irgendwie was gemacht wird, industriell gearbeitet wird.

Und ein wunderbarer Kontrast, dieser Mann mit seinem blauen Hemd, der in seinem relativ einfachen Holzboot sich dann dazwischen diese großen Kähne jetzt gleich schiebt. Ich habe das früher mal gemacht. Oh, da kommt, und rechts kommt so ein ganz kleine, also es kommt so eine ganz kleine, ein kleines Dampfschiff gerade angefahren.

Also das Bild ist dann auch schon älter. Diese Schiffe werden heute nicht mehr fahren. Heute würde dann eine Parkkasse fahren. Ich habe das mal gemacht. Ich bin mal mit einem Kanu durch den Hamburger Hafen gefahren. Das ist irre. Ich bin dann plötzlich bei dir so ein Auto, Autoverlader, so ein riesiges Containerschiff auftaucht. Aber so muss sich dieser Mann auch fühlen.

Und es ist auf diesem Bild da alles drauf, was Hamburg ausmacht, so ein bisschen dieses, dass dieser Hafen mitten in der Stadt ist. Das erleben wir ja immer wieder. Und da würde ich dich, glaube ich, gerne mal einladen. Fällt mir gerade ein. Wir haben ja neuerdings einen Hafen-Podcast und vielleicht kannst du da mal ein paar Bilder mitbringen zum Thema Hafen.

Und wir sprechen mal über den Hafen in der Kunst. Das wäre ja so ein Bild, was dazu passen würde. Das machen wir mal. Also dieser Hafen, der interessanterweise mitten in der Stadt ist, also wo du von der Möckebergstraße, der Haupteinkaufsstraße, 15 Minuten brauchst und bist am Hafen. Und andererseits dieser Hafen, der mit all seiner Romantik eben halt auch ein riesiges Industriegebiet ist, das ungefähr die Fläche von Köln erreicht.

Das heißt auch mitten in dieser schönen Stadt, in der schönsten Stadt der Welt, ist auch eine unfassbare große Industrieansammlung. So, und jetzt bin ich gespannt, von wem, woher das kommt. Ich würde sagen, es ist mindestens 100 Jahre alt. Das ist gut, ja. Kommt das hin? Sogar ein bisschen mehr. Okay.

Also, das Bild ist gemalt von, ist ein Aquarelle, insofern ist das dann noch gemalt. Ja, wahrscheinlich Aquarell malt man. Wieso, wieso, was ist das? In der Ölgemälde malt man ganz eindeutig. Aquarelle kann man auch. Ein Zeichnungspapier, aber Zeichen sind dünne Linien, Malen ist flächiger, nach meinem Verständnis.

Liebe Hörerinnen, könnt mich verbessern. Das Bild ist von 1891, insofern dann doch ein Stück mehr als 100 Jahre. Ich hatte ja auch gesagt, mindestens. Genau. Also Anders Zorn, das ist der Maler, das ist ein schwedischer Superstar, den man gerade auch in der Hamburger Kunsthalle in einer Sonderausstellung sehen kann.

Und der war zu seiner Zeit einer der führenden Aquarellisten, so ein bisschen ein Zeitgenosse der Impressionisten, ohne so richtiger Impressionist zu sein. Berühmt, weil er ganz tolle Porträts gemalt hat. Er kam aus dem Norden Schwedens, aus Mora. Das ist wirklich da schon so in Richtung Polarkreis. Und schon als Kind wurde von seinem Zeichenlehrer seine Begabung entdeckt.

Und der ist also dann an die Akademie, nicht an die von Stockholm, sondern Uppsala, glaube ich. Und der ist also ganz schnell, der ist dann auch nach Paris und ist viel gereist und war sehr begehrt. Und dieses Bild ist auf Auftrag entstanden von Alfred Lichtwag. Alfred Lichtwag wollte nämlich eine Serie von Bildern aus Hamburg initiieren.

Und das sollte das erste werden. Und er kam auf Zorn, weil er eben tatsächlich ein berühmter schon Wassermaler war. Für diese, du hast es ja gerade betont, diese stupende Art und Weise mit hingetuschten. Diese Erhöhungen, dieses unglaubliche Wasser, die Ähnlichkeit mit dem Wasser herzustellen. Auch das bisschen Ölige des Hafens, also wir gucken, er hat das auch selber beschrieben, das war ja ein schlammiger, dreckiger Hafen, also richtig dreckig, weil da schwamm alles Mögliche, was du nicht drin haben wolltest.

Auch das ist so ein bisschen noch mit dabei, denn das ist so ein bisschen graulastig, das ganze Bild. Und diese Qualität, die du genannt hast, wie in der Fotografie, das ist natürlich reinste Technik. Er hat lang geübt, bis er durch so schnelle Pinselbewegungen, die große Kunst dabei ist, dass er das durchbekommt, durch das ganze Wasser bis zur Horizontlinie, dass es halt auch wirklich logisch wirkt, dass die Wellen ein bisschen kleiner werden.

Diese beiden Duckdalben da, diese großen Holzaufbauten mit ihrem Schatten. Duckdalben ist das, was ich schon alles gelernt habe in Hamburg. Sehr gut. Und dieses Bild war ein Auftragswerk. Interessanterweise damit ist auch noch ein kleines Aperçu mit verbunden. Offensichtlich hat der Lichtwerk, der war berühmt dafür, dass er schnell Geld gefunden hat, weil er dann immer noch ein paar Mäzen an der Hand hatte.

Bei Zorn klappt das nicht so und er blieb das Geld sechs Jahre lang schuldig, worauf der Zorn sehr ungnädig meinte, mit den Deutschen macht es irgendwie keinen Spaß Handel zu treiben, denn die sind extrem unzuverlässig. Er hat, glaube ich, Druck über seinen Freund Liebermann ausgeübt und auf den horchte der Lichtwagen, hat es dann irgendwann bezahlt. Aber das ist jetzt Feuilleton.

Und zu der Zeit hat dann Lichtwagen angefangen, Bonnard, Vouillard. Insofern, ich kann dir tatsächlich viele Bilder aus dem Hafen bieten, die zur Zeit Lichtwax entstanden sind. Marquet fällt mir gerade noch ein, die tatsächlich das tun sollten, nämlich den Lobpreis der schönsten Stadt der Welt singen.

Aber interessant, dass dann offensichtlich ja die Künstler immer wieder auf den Hafen gekommen sind. Mehrheitlich, wobei der Bonner hat es die Binnenalster gemalt, der Liebermann hat ganz viel auf der Außenalster, den Lampion-Corsum auf der Außenalster hat er gemalt. Aber der Hafen war schon, Lovis Korinth hat den, das haben wir auch schon mal auf dem Podcast gehabt, diesen Blick auf die Süderelbe, wie sie da beim Kühlbrand in die Norderelbe fließt.

Und der Zorn, das war, wie soll man sagen, das war schon fantastisch, denn du musst dir diesen Bildausschnitt angucken und stellst fest, es ist auf der rechten Seite dieses detaillierte Schiffsheck zu sehen. Es ist dieser Mann in seiner Bewegung zu sehen und dann verhaucht das so nach hinten. Also schon das Schiff, was da im Dock bei Blomo Floss liegt, das ist schon nur noch so, wie soll man sagen, angedeutet.

Und nach links verschwindet alles im Dunst, im Dreck, im Rauch. Das ist impressionistisch, wie es im Buch steht. Aber es ist natürlich auch die Wahrheit. Es ist die Wahrheit. Also es ist ja die Wahrheit, bei all dieser Romantik über, oh wie schön mit dem Hafen, was ich vorhin gesagt habe, hinter Blum und Voss beginnt eine unglaubliche Ansammlung von Industrie, deren man vor allen Dingen dann gewahr wird, wenn man zum Beispiel durch den Elbtunnel fährt.

Also wenn man da feststellt links und rechts und denkt so... Also das ist ja nicht schön, sondern es ist ganz schön. Das ist total toll. Ich radel da gerne durch. An meinem Geburtstag beim letzten habe ich meine Familie verdammt und sie haben es großartig gefunden. Wir sind in den über Finkenwerder in den Hafen hineingeradelt.

Da kann man wirklich an tolle Stellen. Es gibt Fahrradwege überall in Hamburg, auch im Hafengebiet. Unbestritten, aber ich meine sozusagen, man sieht dann eben halt, dass auch das ist einfach eine riesige Industriefläche. Das ist bei aller, also man kann sagen, auch Industrie birgt so eine Romantik. Aber genau wie das er hier schreibt, dass sozusagen so schön das hier ist, es ist eben nicht das Wasser in der Flensburger Förde oder vor Sylt, sondern es ist das Wasser, das am Ende, so wie es ist, ja es ist ja auch nicht, diese Elbe hat ja auch so einen Herben, genau wie du gesagt hast, es ist ein Herber Charme.

Es ist auch anders zum Beispiel, wenn du an der Thämse langfährst. Die Thämse, die ja auch mitten durch die Stadt geht, die aber nicht natürlich auf einer Seite diese riesige Industrieansiedlung hat. Ja, wenn du da in, wo die alten Werften waren, wer? Docklands. Wenn du an die Docklands bist, bist du da mal hingegangen?

Das ist nicht unähnlich. Da ist natürlich tolle Architektur, weil die hatten diese irrsinnigen Mengen an Waren und Lagerhäusern, die auf der einen Seite zum Land und auf der anderen Seite zum Wasser hin waren. Das sind ja heute alles schicke, edel Bankerwohnungen. Und die Thämse ist, ja, die ist ein bisschen kleiner als die Elbe und gleichzeitig natürlich durch, die ist ja auch ein Tide-Gewässer, die füllt sich mal und senkt sich mal. Du hast ja nicht, da laufen halt keine Containerschiffe drüber.

Nee, das nicht, aber es ist schon ganz schön beliebt an der Thämse. Ist schon. Da haben die halt Southampton und das ist ja das Besondere an Hamburg, dass sozusagen diesen Seehafen innerhalb der Stadt hast. Was ich mich frage, wie kriegt man das hin, dass die Elbe, So wie es hier wirklich so aussieht, als wäre gerade mal einer rübergegangen und hätte ein Foto.

Als hätte ich einen Fotografen von uns geschickt und sagt, fotografier mal die Elbe. Das ist so naturgetreu. Du solltest vielleicht mal dir das Vergnügen machen, auf YouTube Bob Ross zu gucken. Das ist ein lustiger amerikanischer Mallehrer. Und da kannst du mal schauen, das ist alles Technik. Zum Beispiel, der zeigt ja, wie man Büsche malt.

Das sind so bestimmte Pinseldrehungen. Ich will jetzt nicht kleinreden, aber es ist Technik. Der hat ganz lange geübt, bis er Wasser so malen konnte und dann konnte er es perfekt. Ähnlich wie ganz tolle Porträts, also ich kann mal ein paar Porträts mitbringen. Aber heißt das dann, wenn du sagst, es ist nur Technik, dass wenn man es nur lange genug übt, dass es jeder lernen kann, die Technik und dass das den Künstlern nicht, also das ist interessant, haben wir noch nicht drüber gesprochen, wie viel Prozent von so einem Künstler macht denn die reine Technik aus und was kommt davon zu?

Ich finde es immer interessant, als jemand, der sich für Tennis interessiert, was macht jetzt eigentlich einen Unterschied? Warum ist Yannick Sinner und Carlos Alcaraz, nicht Alcaraz, das ist was anderes, Alcaraz, was ist denn da der Unterschied? Sind deren Vorhände, deren Rückhände, deren Aufschläge technisch so viel besser als die von Alexander Zverev?

Vielleicht. Offensichtlich. Ja, aber ich glaube am Ende, weil du kannst es ja theoretisch durch Wiederholen. Durch Wiederholen, alle, die sich damit auskennen, sagen, wenn du eine Sache unglaublich viel wiederholst, dann wärst du damit immer besser und immer besser und immer besser und trotzdem bist du damit noch lange kein Künstler.

Also die Frage, wie viel Technik und was ist das andere, was den Künstler ausmacht? Es ist vielleicht eine Multiplizität von anderen Dingen. Also Technik ist eine gute Grundvoraussetzung. Offensichtlich hat der junge Zorn schon gleich bewiesen, der hat seine Schulkameraden schon lebensecht abgezeichnet.

Das heißt, der konnte vom Auge in die Hand schon genau das richtig machen und dann hat er von seinem Lehrer Technik gelernt und dann kam das dazu. So ein Wassermalen ist wahrscheinlich, das ist jetzt auch nicht, setz dich zu Hause hin und nimm dir mal diese Farben da raus und fang mal an und dann wirst du feststellen, das wird vielleicht nach einer Weile ganz gut werden.

Ich glaube, da kommen einfach viele Sachen zueinander. Als Tennisspieler, es ist die Physis, es ist die Technik, es ist der Kopf, es ist die Laufstärke, was braucht man noch so alles, die Dedication, das ist ja auch, im Kopf wird wahnsinnig viel entschieden, glaube ich, aber dazu muss natürlich die Technik stimmen und die Physis stimmen.

Und wenn das in so einer goldenen Balance gekommen ist, dann wirst du Superstar-Maler, weil du siehst den richtigen Ausschnitt und sagst, den will ich machen. Das ist ja bei Fotografen irgendwie die Key-Ding. Und dann hast du eben die Möglichkeiten, das ist auch schön hier mit dem Rechtstrick, da wo dieser Ponton ist.

Wir sind auf einem Ponton, wir wissen, wo er malt. Wir sehen sogar den Poller, der da rechts gemalt hat. Dann haben wir diesen Mann, der da gerade losfährt, der verleiht diesem Bild den Moment. Wir sind in einem Moment, in dem nämlich, wo dieser Ruder jetzt loslegt. Und dann hast du das Panorama, das Bild ist ja ein Querformat und dann die Schiffe greifen das Querformat auf.

Die Duckdallen definieren ein bisschen vorne und hinten, oder sie rhythmisieren so nach hinten hin. Also der Aufbau des Bildes, die Komposition ist schon ziemlich fantastisch. Die Technik des Wassermalens, die Psychologie des Momentes, dass man seine Betrachter einfängt und quasi mitnimmt. Man möchte fast glauben, da könnte man bei dem Raoderer noch ins Boot einsteigen.

All das führt zu einem genialen Bild. Und es hilft nichts, wenn du besonders gut Wasser malen kannst und den Rest nicht. Das stimmt, du musst insgesamt gut malen können. Und dazu kommt natürlich 1890, 91. Hast du natürlich nicht das Konkurrieren mit dem Videobild, mit dem Foto und sowas. Mit dem Foto schon, aber das kannst du noch nicht so gut. Das kannst du noch nicht so gut.

Also damals kommt es darauf an, wie gut du die Sachen siehst und wie gut du sie reproduzieren kannst. Heute kommt es für den Künstler nicht darauf an, nicht zu sehen, wie etwas aussieht, sondern zu sehen, was das im Kern ausmacht und daraus dann ein Kunstwerk zu machen und dann im Zweifel etwas zu malen, was gar nicht das ist, was das Auge sieht, sondern was man damit verbindet oder so. Fällt mir gerade an.

Wenn der Künstler nur derjenige wäre, das gibt es auch, haben wir oft hier, der sehr genau etwas beobachtet und das dann ganz genau malt. Ist es eine Leistung, aber ist es dann schon Kunst? Heute reicht es vielleicht nicht mehr. Nein, andersrum. Natürlich würde es heute reichen. Das Problem ist, in der Kunst interessiert nicht, was es gestern schon besser gab.

Und das Problem ist, ausgehende 19 Jahrhundert konnte dieses wie kein anderes. Das ist wirklich, hier kommt alles zusammen. An Technik, was man gelernt hat. Der Mensch wird ja immer raffinierter, weil er vor sich Leute hat, die vor ihm irgendwas gelernt und weitergegeben haben. Das hier ist die Kumulation von Technik.

Das ist ja immer dieser Twist. Warum passiert auf einmal der Expressionismus, der sich wirklich nicht mehr interessiert für naturalistische Wiedergabe, sondern sagt, jetzt nehme ich die Farbwerte? Weil es geht ja auch um Stimmung in dieser Bildung. Die Bilder wurden halt möglicherweise einfach dann zu hohl. Es war dann einfach zu viel davon da gewesen.

Und dann war es eine Revolution, wenn plötzlich der Hafen grün wurde und der Himmel violett. Weil auf einmal sollte das Bild mehr schreien. Dieses Bild, das ist ein bisschen neblig, wolkig, hat eine wundervolle Atmosphäre. Man kann sich in der Ausstellung wirklich satt sehen an diesem Bild. Also wir haben da massenhaft davon, glaube ich 200 Werke würde ich sagen, und da viele Hafenansichten.

Und eins ist schöner als das andere. Aber wenn die Menschheit giert nach Abwechslung, wenn dann irgendwie der nächste jüngere Maler kommt und sagt, naja, ich male das Wasser jetzt anders, ich male das jetzt, Kokoschka malt den Hafen 50 Jahre später vollkommen anders. Und auch ein Bild, was Stimmung hat. Also ich glaube, auch die knackigsten Contemporary Maler versuchen.

Stimmungen einzufangen, indem sie zum Beispiel bestimmten Vorstellungen oder Ideen eine Form geben und die dann eine Stimmung haben kann. Jonathan Mese malt bei Aktionen und dann strahlt dieses Bild so eine absurde Mese-Aktion aus. Dem sieht man das an. Das sind so grottige Figuren wie Höhlenmaler. Also das ganze kindlich naive, also Mese ist schon toll, weil er als Person und als Bild und als Bildmacher irgendwie so miteinander verschmilzt.

Und wenn man in so einen Meseraum reinkommt, dann hat man irgendwas zwischen guter Laune und Genervtheit und das ist das, was er wahrscheinlich auch wollte. Und das ist genuin. Und der Eindruck ist so stark, wie wenn man bei Zorn steht und dieses fantastische Wasser anguckt. Und? Nehmen wir an, Zorn würde heute leben und würde das Ganze malen, es würde wahrscheinlich gar keinen interessieren, oder?

Es würde gar keine Aufmerksamkeit erfahren. In die Ausstellung gehen sehr viele Menschen, die genau das sehen wollen. Ja, aber ist es nicht so, weil man weiß, dass es 1890 passiert und wenn man sagt, okay, der hat etwas gemalt, was ich von heute kenne, aber wo ich mich zurücklehnen kann, wo ich eine Zeitreise mache.

Also ich sage nur, heute stellt sich einer an den Hafen und malt genau das und bittet dir das an. Ich würde sagen, malt genau das, du sagst. Vielleicht kommen aber Leute, die dann vorbeigehen und sagen, endlich einer, der malen kann. Nicht diese Pinsel wie der Mese. Also geh mal rauf, jetzt diesen Sommer waren wir in Paris, oben da bei Sacré-Cœur, wie heißt das, Place du Tertre, da ist ja irgendwie aus Tradition sind da so Maler.

Und was malen die Stadtansichten? Bunt und schön und offensichtlich werden die gekauft. Ja, sie werden gekauft, aber sie werden nicht von der Kunsthalle gekauft. Also jetzt würdest du nicht sagen, sind das Künstler, die da waren? Ja, schon. Haben aber ein anderes Ziel also ja wir sind halt es macht ja keinen Sinn für uns unsere sowieso schon so schmalen Depotflächen voll zu machen mit Sachen die es vorher schon mal gegeben hat, ich sag jetzt nicht mal besser gegeben hat sondern einfach diese Erfindung wurde schon gemacht wenn, aber ich wollte nur sagen die Leute kaufen das ja das heißt das Interesse, darum ging es dir doch gerade das Interesse ist immer noch da oder wieder da die Welt geht ja so in Scheiben womöglich ist dann es gibt in Leipzig die Neue Leipziger Schule.

Da gibt es ein paar Leute, die malen wie Lukas Kranach. Triegel zum Beispiel. Der malt toll, technisch, unglaublich und ist ein Contemporary Maler. An ihm scheiden sich die Geister ganz bestimmt. Aber der malt wie ein... Für den ist, wenn ich sage Feinmaler, das ist nicht böse gemeint. Heute leben wir ja schon in einer sehr polystilistischen, Möglichkeitsphase, wo man sagen kann, also da kann viel nebeneinander gehen.

Abstrakt und gegenständlich leben gerade sehr fröhlich nebeneinander und es gibt sehr junge Malerinnen, die Szenen malen. Absurde, komische, ja nicht komische, aber also gerade in Hamburg weiß ich mindestens eine Malerin, die malt so ganz sonderbare Menschen, die vor Mauern sitzen. Ich habe den Namen gerade vergessen. Also die habe ich schon gezeigt.

Also das ist alles möglich. Es muss nur einfach anders sein, als das, was schon da war, sonst interessiert mich. Und das ist ja das Interessante, glaube ich, in der Kunst und ich habe in einer letzten Folge erzählt, dass ich ein neues Jean-Rémy von Matt getroffen habe, den Gründer von Jung von Matt und mit dem einen ganzen Podcast gemacht habe.

Kann ich nur empfehlen, nicht weil ich dabei war, sondern weil Jean-Rémy von Matt wirklich eine unglaubliche Legende ist und jemand, dem man gern zuhört. Und dann geht es auch um die Frage, was ist Kreativität? Ganz interessant, er sagte, Kreativität hat auch in Sachen Wärme auch mit Lüge zu tun, mit Fantasie, also mit Dinge Und vor allen Dingen hat er gesagt, alles was kreativ ist, muss neu sein.

Und das ist, glaube ich, der Denkfehler, den viele machen, die sagen, da ist etwas, was erfolgreich funktioniert hat, ein erfolgreiches Buch, ein erfolgreiches Lied und dann versucht man das nachzumachen, das ist schön, das kann auch erfolgreich sein, aber am Ende ist es dann doch keine Kunst, sondern auch Kunst ist immer neu.

Aber es reicht ja, wenn irgendwas dran neu ist, ein bisschen, wenn es ein bisschen anders ist, wenn man nicht denkt, also Zorn so noch einmal zu malen macht keinen Sinn, aber stell dir vor, jemand malt wie Zorn, bloß die jetzigen Schiffe im Hafen und es gibt Maler, übrigens fällt mir gerade ein, die malen wie die Impressionisten.

Vielleicht ist eine Spur, irgendein Twist mehr wäre noch schön. Und dazu kommt ja auch noch für manch einen, ist das ja neu. Jetzt stell dir mal die vielen Menschen unter 30, die nicht wenige von ihnen in unsere Altmeisterabteilung gehen. Genau, und die es zum ersten Mal sehen. Die das zum ersten Mal sehen, für die ist das neu.

Das ist so ein bisschen wie, wenn unsere Kinder Lieder hören, die für uns alte Kamellen sind und für die neu, weil sie sie noch nie gehört haben. Und jetzt habe ich für dich die Aufgabe, erstmal ein tolles Bild. Wir treffen uns mal in unserem Hafen-Podcast und sprechen über Hafenbilder. Kreativität ist das Stichwort. Einfach nur Kreativität. Das, glaube ich, macht dich jetzt fertig. Ich sehe es dir an. Und das freut mich sehr.

Machen wir doch mal nächste Woche oder übernächste Woche, wie du möchtest, eine kreative Sammlung hier. Ich bin gespannt, was du mitbringst. Wir freuen uns, wenn ihr, wenn sie alle wieder zuhören. Bis nächste Woche. Tschüss. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de.

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