Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 276

Wenn einem alle Türen offenstehen

Samstag, 26. Juli 2025 · 26 min

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Shownotes

Jede Woche nehmen dich Alexander Kla, Direktor der Hamburger Kunsthallen, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider mit auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art. Sie spielen "Ich sehe was, was du nicht siehst" – und zwar mit einem Kunstwerk! In dieser Folge widmen wir uns einem surrealen Meisterwerk: Dorothea Tannings "Birthday" aus dem Jahr 1942. Welche Geheimnisse offenbaren sich in diesem rätselhaften Bild? Hör rein und finde es selbst heraus!

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Heider und mir gegenüber sitzt der Direktor der Hamburger Kunsthalle und der heißt? Alexander Klar. Verrückt. Ich habe es mal so rum gemacht, dass die Leute auch gleich wissen, wer ist der Direktor und wer ist der Moderator sozusagen. sagen.

Direktor und Moderator. Ab jetzt fange ich an den Chefredakteur an zu kündigen. So, und heute bleiben wir im Surrealismus anscheinend ja und nein, oder? Wir bleiben im Surrealismus. Das ist ein sehr surrealistisches Bild, ein Poster surrealistisches Bild. Da ist alles drin, was Surrealismus ausmacht und ist auch eine Ikone des Surrealismus.

Ein tatsächlich weltberühmtes Bild mittlerweile, möchte man sagen, denn es war lange nicht weltberühmt. Und das ist interessant, du wirst gleich staunen, Was das erste ist, was mir aufgefallen ist, in diesem Bild ist ein Fetisch von mir abgebildet, kann man das so sagen, ein Fetisch und jetzt die Menschen, die dieses Bild noch nicht kennen, wenn sie es dann kennen, auf diesem Bild ist unter anderem eine halbnackte Frau zu sehen und das ist nicht der Fetisch.

Mein Fetisch sind lange Gänge, also offene Türen, Fluchten. Du warst wahrscheinlich schon mal in Goethes Wohnhaus in Weimar. Da gibt es ja eine der schönsten Fluchten, wie man so durch diese Türen durchgehen kann. Eine auf viele Art. Heißt das so? Ja. Und ich liebe das auch bei uns zu Hause, wenn man dann so die Türen aufmacht, hat so eine Flucht und sieht so und ahnt so.

Und hier sieht man also, man sieht eine Frau, die in einer Wohnung, in einem Haus wahrscheinlich steht und uns die Tür aufhält. Sie guckt uns an, sie hält die Tür auf und dann guckt man in eine lange Flucht mit 1, 2, 3, 4, 5 Türen und ich hoffe, dass es wirklich Türen sind und wir nicht nur ein Spiegelbild sehen. Denn eine Tür, nee, das ist auch noch eine Tür, die spiegelt sich nicht.

Und hinter dieser Frau ist auch noch eine Tür, die offen sind. Es sind also ganz, ganz viele offene Türen und man guckt so unendlich weit und weiß gar nicht, wo das irgendwie endet. Ich glaube, es ist Tür auf Tür auf Tür auf Tür. Es ist ein unglaublich langer Gang mit unglaublich vielen Türen und... Und Zimmern. Und auch da muss man sagen, wir reden über Türen, aber Türen, Türgriffe, die Schatten, die Türen werfen, die Lichtverhältnisse.

Das zu malen finde ich hier schon sehr, sehr imposant. Und damit habe ich noch gar nichts erzählt über den eigentlichen Inhalt dieses Bildes. Denn natürlich guckt uns eine Frau an, wobei sie guckt uns nicht direkt an. Sie guckt so ein bisschen an uns vorbei. Und diese Frau hat so blonde Haare, lockige Haare.

Auffällig ist, dass sie eine Art Rock trägt, aber obenrum nichts. Also sie ist oben ohne. Eigentlich. Andererseits trägt sie halt so einen Umhang, einen violetten Umhang, der so ein bisschen zerknittert aussieht. Der sieht mir aus wie so Sachen, die sie manchmal so Popmusikerin tragen. Also wie so eine moderne Kleidung.

Und untenrum trägt sie einen grünen Rock vorne. Nach hinten ist dieser grüne Rock wie so ein, als hätte sie sich einen Rock gemacht aus einem Stück Baum mit ganz vielen Wurzeln aus dem Boden. Also so ein Wurzelkleid. Also ganz viele Wurzeln und so. Und die guckt halt, das ist eine sehr hübsche Frau. Sehr elegant, weiß ich nicht, hält uns halt die Tür auf.

Und dann denkt man so, bis zu diesem Moment wäre das alles noch ganz normal. Und dann guckt man halt auf den Boden vor ihr. und da ist ein Wesen, was es so nicht gibt. Eine Mischung aus Raubvogel. Tja, Affe. Irgendein Tier, Vierfüßler, ein kleiner Wombat, Känguru. Ein geflügelter Hund. Ein Geflügel, das ist gut. Aber so ein richtiger Hund ist es auch nicht, finde ich.

Vielleicht ist das Einfachste, man stellt sich einen Hund vor, so ein Cocker Spanier oder so mit kurzen Ohren und mit den Flügeln eines Raubvogels, der vorher ist. Irgendwie muss das eine Gestalt sein, die sehr naturverbunden ist. Die Frau ist sehr naturverbunden, nicht nur, weil sie da oben ohne steht, weil sie sehr durchtrainiert ist, weil sie keinen Schmuck trägt, sondern statt eines Kleides eben so ein Stück Erde, so ein Stück Erdreich, so ein Stück Wurzelreich.

Sie ist auch noch dazu in diesem Haus, in dem sie steht, ist sie barfuß und offensichtlich erwartet sie Menschen, weil sonst werden diese ganzen Türen nicht geöffnet. Also es ist so eine Einladung, kommen Sie rein, fühlen Sie sich wohl, gehen Sie schon mal durch, wenn dann der fliegende Hund nicht wäre.

Also, ja, es ist ein absolut verrücktes Bild. Und auch, ja, einerseits erwartet sie irgendwie Gäste und ist ja auch im wahrsten Sinne des Wortes offenherzig. Andererseits, und sie hält die Tür offen, andererseits sagt ihr Blick sowas, ah, nee. Sie guckt überrascht, oder? Nee, sie guckt auch schon, sie guckt so ein bisschen, also ein bisschen, also nicht genervt, sondern... Nicht glücklich. Ja, glücklich weiß ich gar nicht.

Indifferent. Sie guckt halt ernst, sie guckt halt. Ja, ich glaube, es ist ihr auch bewusst, glaube ich, dass wenn jetzt die Leute kommen und sie da so steht, dass die Leute im Zweifel Schwierigkeiten haben, ihr in die Augen zu gucken, sondern natürlich dann etwas weiter runter gucken und die Gesamtgestalt betrachten.

Und was passiert, wenn du jemanden empfängst an der Tür, an der geöffneten Tür und bist babusig und hast vor dir einen fliegenden Hund? Dann ist es vielleicht auch angemessen, so zu gucken, wie sie guckt. Ja, also ich bin ja, ein verrücktes, ein absolut verrücktes Bild. Um mich fasziniert diese Flucht. Also ich liebe das und die auch so, wie die Flucht gezeichnet ist.

Ich glaube, es ist unglaublich schwer, Fluchten zu zeichnen, weil es am Ende ja nur aus offenen, geöffneten Touren besteht. So, jetzt habe ich noch länger geredet als beim letzten Mal. Sechs Minuten diese Bildbeschreibung. Die surrealistischen Bilder, die machen einen fertig. Also ich wünsche mir wieder ein stilles Leben.

Also grandios. Daneben, dass es ein wirklich berühmtes Bild ist Und auch da ich sehr stolz bin, dass es jetzt zur Zeit gerade in Hamburg zu sehen ist, weil es aus Amerika kommt. Das Bild ist gemalt von einer Surrealistin, Dorothea Tanning. Wir hatten es letzte Woche von den Musen, da waren wir bei Lee Miller.

Auch sie hat so ein bisschen eine Karriere durchlaufen. War das nicht vor zwei Wochen? Wir reden ja von dem Mund. Wir reden von dem Mund, das war vor zwei. Entschuldigung, ich komme total. Nur wenn Leute jetzt nochmal nachhören. Also bei Man Ray hatten wir das. Ich habe übrigens neulich in der Bellevue bei einem Abend eine Frau getroffen, die soll ich dich auch ganz lieb grüßen.

Ich höre alle ihre Podcasts und höre dann auch nach, die sie verpasst hat und so. Das ist immer wichtig, immer Gruß zurück, immer wichtig zu sagen, also es war vor zwei Wochen, weil ich sie mal verpasst habe, der große Kussmund. Den ist auch als Dessert im vier Jahreszeit. Für dich, genau. Und worauf ich hinaus wollte, ist, alle großen Surrealistinnen, die wir heute tatsächlich vollkommen ohne Reservation als Surrealistinnen, die wurden erst einmal in der ersten Generation der Deutung als Musen geparkt.

Und die Dorothea Tanning war auch zuallererst mal die jüngere Kompaniös von Max Ernst, die wir letzte Woche hatten. Wahrscheinlich war das ein echter Freundschaft von mir. Also Max Ernst und Dorothea Tenning lernten sich kennen in New York, weil, das ist auch eine lustige Geschichte, die Männerfressende Peggy Guggenheim hatte sich auch in Max Ernst verknallt und zwar der Gestalt, dass sie ihn, wenn nicht geheiratet, doch so partnerschaftlich zusammen hatte, dass sie ihn einschleusen hat dürfen nach Amerika, als er ins Exil musste.

Und sie hat dann später in ihrem Memo angeschrieben, den größten Fehler, den sie gemacht hat, ist, sie hat dann Max Ernst, damit er neben seiner Kunst auch noch ein bisschen Aufträge hat, gesagt, er möge doch einfach mal eine Ausstellung mit jungen Künstlerinnen zusammenstellen. Das hat er sehr ernst genommen.

Weil er ja Max Ernst hieß. Das hat Dorothea Tanning begegnet. Die haben sich sofort ineinander verknallt. Sie war ja deutlich jünger als er und sie muss eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein. Und jedenfalls sind die beiden dann durchgebrannt in den mittleren Westen und haben dann in der Wüste, in New Mexico, es ist glaube ich, sich in die Weiteinsamkeit zurückgezogen und Peggy Guggenheim hatte das Nachsehen.

Die hat sich aber schnell mit anderen berühmten Surrealisten getröstet. Die ist, glaube ich, mit so ziemlich jedem Surrealisten maliiert gewesen. Und die Surrealisten hatten das Interesse an ihr, weil sie die Frau mit dem Geld war? Das ist jetzt bösartig. Natürlich war das erste Ding immer, sie war eine Sammlerin und sie war furchtlos.

Peggy Guggenheim, jetzt sind wir von Dara Thetanning auf Peggy Guggenheim gekommen. Ganz kurz noch, ja. Die war auch glaube ich noch in Paris, als die Deutschen einmarschierten und sie war diejenige, die einigen dann noch blitzschnell irgendwie die Möglichkeit gegeben hat abzuhauen mit ihrem Geld, mit ihren Kontakten.

Sie hat dann ihre Sammlung aufgebaut, die heute in Venedig ist und sie war durchaus stolz darauf, dass sämtliche Künstler, die sie da ausgestellt hat, auch irgendwann mal ihre Liebhaber gewissen waren. Also vielleicht nicht sämtlich, aber sehr, sehr viele. Und das war schon eine sehr persönliche Sache und sie ist eine der zentralen Figuren des Surrealismus als Sammlerin, als Impresarier, als Verbinderin.

Und Dorothea Tanning ist die nächste Generation sozusagen, die war dann deutlich jünger und hatte eben als Künstlerin und Malerin angefangen. Und Max Ernst hat sie im Atelier besucht und hat beschlossen, die kommt in meine Ausstellung junger Künstlerinnen. Genau, worauf wollte ich, ach genau, warum sie dann so realistin geworden ist.

Natürlich ist das so, wenn man in diesen Kreis geraten ist, dann wurde man konfrontiert mit diesen Ideen und Vorstellungen. Ich glaube, auch sie war fasziniert und auch eben hat diese Faszination in fantastische Bilder umgesetzt von den vielfältigen Möglichkeiten, die von Träumen ausgehen. Und dieses Bild hier heißt Birthday, Geburtstag. Birthday. Birthday. Ah, okay.

Tatsächlich, was ich vorhin gesagt hatte, da ist jemand, der wartet auf Gäste. Ja. Oder nicht? Ach, das ist ja lustig. Und ich habe immer assoziiert, ja auch, aber noch eine Sprüche weiter, wenn du dann deine offenen Türen anguckst, also im Jahr dieses Gemäldes war sie 32 Jahre alt, das ist 1942 gemalt worden und warum heißt das Birthday?

Also richtig vergnügt guckt sie nicht und wenn du jetzt quasi Gast bist, siehst du zwei Dinge, du siehst sie an der Tür stehen und du siehst aber auch durch diese Flucht der jeweils halb geöffneten Türen. Was ist eine halb geöffnete Tür? Das ist jedenfalls keine geschlossene Tür. Eine halb geöffnete Tür ist eine Möglichkeit. Und du guckst auf lauter halb geöffnete, also das ist meine Assoziation hier.

Ich sehe in diesem Gang deinen Fetischgedanke von offenen Türen oder aufgeladen. Das sind alles Möglichkeiten, die sie sich da aufmalt. Und du könntest jetzt sagen, jede dieser geöffneten Türen ist ein Geburtstag. Dann kommen wir also, ja, eins, zwei, drei, vier, fünf. Also wir gucken mühlos acht Geburtstage voraus.

Ich weiß nicht, wie tief sie sind. Ich muss dann, wenn das Bild nochmal im Original von mir ist, gucken, wie tief man den eigentlich reinmalen kann. Sie hat das wirklich sehr, sehr fein gemacht. Also sie steht als wie so ein Erzengel an einer Tür. Die erste Tür hat sie ja noch in der Hand, hat sie aufgemacht.

Und man weiß gar nicht genau, wessen Birthday ist das jetzt eigentlich ihrer. Sie ist festlich gekleidet. Natürlich fällt auch auf, dass sie oben das Oberkleid einiges offen lässt, nämlich ihre Brüste. Aber so diese Kleidung, die sie trägt, ist schon was Festives, hat ein bisschen was von Karneval. Nein, ganz kurz, sie hat keine Schuhe an.

Sie hat auch keine Schuhe an. Sie hat keine Schuhe an, sie trägt keinen Schmuck. Sie hat die Haare auch nicht besonders zurecht gemacht. Und all das, was sie trägt, ist ja sehr erdig. Sie trägt ein Wurzelkleid. Ja, aber nicht oben. Das ist ja violett und golden, hätte ich gesagt. Ja, aber... Und Rüschen sehe ich. Also es ist sowohl als auch... Und ich finde aber interessant, lass uns mal bei diesem, was du sagst, mit den offenen Türen.

Die offenen Türen sind Gelegenheiten. Da musste ich einen schönen Satz denken, den ich neulich von einem... Wem habe ich das gehört? Da ging es auf jeden Fall um die Generation... Also die aktuelle, was ist das jetzt schon wieder? Alpha oder so? Nach Z kann ja nur noch Alpha. Auf jeden Fall sagte jemand...

Das Problem dieser Generation ist, dass sie in einem Gefängnis mit offenen Türen lebt. Dass es so viele Möglichkeiten gibt, Dinge zu tun, dass so alle Türen offen stehen. Dass man sie nicht rauswagen möchte. Und dass man einfach sitzen bleibt. Also Gefängnis mit offenen Türen ist ja ein schönes Bild. Und vielleicht ist das auch dieses, aber wie gesagt, ich hätte das Bild ganz anders interpretiert.

Die wartet ja, die guckt ja auch auf jemanden, aber sie wirkt ja jetzt nicht so, als würde sie sich jetzt freuen. Sie guckt nicht auf uns, sie guckt an uns vorbei. Aber vielleicht auch so nach dem Motto, ey Leute, ich bin noch gar nicht angezogen. Ich habe noch meine Bluse gar nicht an, ich habe noch keine Strümpfe an, ich habe noch keine Schuhe an, ich habe noch den Schmuck noch nicht angelegt und so, hier fliegender Hund, verscheuch den mal.

Was soll der fliegende Hund? Genau, auf den wollte ich jetzt auch mal kommen. Das ist ganz lustig. Also zuerst mal müsste man natürlich das spezifizieren. Der gehört offensichtlich zu der berühmten Gattung der Mischwesen, der Chimären. Also eine Chimäre, das kann alle mögliche Mischungen sein. und genauer in die Unterkategorie der Sphinxen. Der ist eine Sphinx.

Der normale Mensch, der da an Gysi denkt, liegt falsch, denn die Sphinx kommt aus dem Griechischen und das ist da relativ klar. Ein Mensch, Löwe, Vogelwesen. Das mit dem Mensch ist hier nicht so richtig geraten, weil der Mensch hat eher so ein, kein anderes Gesicht, ist ja wohl eher eine Fledermaus. Wie heißen diese Kleine? Wie die Gremlins?

Ja, das ist die Gremlins. Vielleicht sind die Gremlins von da. Also 1942 wissen wir ja nicht, wo sie es her hat, aber sie hat das erfunden. Das heißt, dieses kleine böse Wesen, das, also ähnlich wie sie indifferent, nicht einladend, aber auch nicht abweisend guckt, wie sie auch so dasteht. Böse ist so die Frage. Findest du, dass es böse guckt? Nein, gar nicht.

Ähnlich wie sie nicht eindrücklich eins guckt, guckt auch das nicht eindrücklich nach irgendwas. Es ist weder furchtsam, es guckt intensiv und steht da in Wartehaltung. Und das verstärkt ja ihre Wartehaltung. Denn so wie sie dasteht. Wird sie jetzt gleich weitergehen? Die Frage ist, in welche Richtung?

Oder wird sie zurückweichen? Also welche Rolle, dieses Bild ist so suggestiv, wenn man sich fragt als Betrachter, welche Rolle spiele ich jetzt eigentlich hier? Was muss ich jetzt machen? Grüßen, reingehen? Und vor allem die Frage ist ja, wo geht es da hin, wenn so viele Türen offen sind, gehe ich jetzt einmal ganz durch und komme ich dann, hinter ihr ist ja auch noch eine Tür offen, und komme ich dann am Ende, da hinten wieder raus, hinter ihr raus und macht sie hinter mir die Tür zu und lasse ich die Türen offen und so.

Also das ist ja, und das finde ich an diesen Fluchten immer so toll, dass man den Eindruck hat, es geht immer weiter und immer weiter. Es endet, es endet, obwohl da ganz, nee, weiß ich nicht. Im Weg dieser Fluchten steht ja diese Sphinx. Und was macht die Sphinx, die berühmteste, die fragt den Theseus Rätsel und wenn er sie nicht errät, wird er umgebracht.

Was ist das in Bezug auf mich? Dieses Wesen steht mir im Weg, wenn ich da lang gehen wollte, denn es stellt mir die Fragen, die ich mir vielleicht stellen sollte. Also wenn das Geburtstag ist, wenn es meine ist, dann ist es ein ganz schön bedeutungsschwangerer Geburtstag, denn hier muss ich mir überlegen.

Schlage ich den rechten Weg an oder den linken, denn das ist ja quasi an der Frau vorbei, zu der Frau hin. Zu der will man nicht hin, weil die guckt jetzt nicht so, als wollte sie das. Übrigens, weißt du was, wir können es auch noch ganz anders deuten. Jetzt bin ich gespannt. Stellen wir uns mal vor, stellen wir uns mal vor, Dieses, was sie da anhat, dieses Magenten der Lilane, das hat ihr gerade einen Liebhaber vom Leib gerissen.

Dazu würde auch passen, dass sie keine Schuhe mehr trägt. Aber er hat sich vielleicht irgendwie nicht so benommen, wie er nicht sie benehmen sollte und sie weist ihm die Tür und sagt, mein Freund, raus jetzt und wenn nicht, hast du es hier mit meinem fliegenden Hund zu tun. Dazu würde passen, dass sie da oben ohne steht. Dazu würde dieser Blick passen.

Dazu würde auch das leicht durchwuselte Haar passen. Und vor allen Dingen würde dazu diese auf... Normalerweise könntest du wahrscheinlich dieses Kleid da vorne verschließen. Das kann doch auch was sein. Dann fragt man sich, warum das Birthday ist. Aber vielleicht war das irgendwie der Geburtstag, also der Beginn einer großen, einer Liebe, der Adam ist Glück, weil er Dinge gemacht hat, die sie nicht wollte.

Also dann hat das noch eine ganz andere Bedeutung. Sie guckt hinter jemandem her. Nee, sie guckt ihn an und sagt, so mein Freund, raus. Oder hinterher, auf der anderen Seite wieder nicht auf die Tür sein. Er ist ausgeflogen und jetzt wird er nicht mehr hinterher gerufen. Also eins noch, weil die Frage ist, warum ist sie halb entkleidet?

Der nackte menschliche Körper ist ja im Endeffekt die Zurückführung des Menschen auf sich selbst. Und hier kommt noch ein Doppler dazu. Das, was sie unten trägt, ist wiederum ja total naturhaft. Und in der Antike war der nackte Mensch einfach der um die Konvention entkleidete Mensch. Wobei man halt wahrscheinlich in der Antike tatsächlich relativ, also die waren schon auch angezogen, aber man war schnell mal auch entkleidet und auch so halb in der Öffentlichkeit. Das war alles kein Problem.

Also wir haben hier irgendwie auch den Aspekt der Natur mit drin, der... Der irgendwie auch bearbeitet werden muss, das führt natürlich wieder dazu, dass diese Frau irgendwie vielleicht verbunden ist mit diesem geflügelten Wesen und sowas wie eine Seherin, was eine Prophetin, eine Überbringung in einer Botschaft, und die Botschaft ist schon in der Art und Weise, wie sie gekleidet, beziehungsweise an einer Stelle entkleidet ist, mit enthalten.

Was ich eben interessant fand, dass du gesagt hast, dass Max Ernst sich um diese Künstlerin kümmerte, Aber es ging dann doch, er hat doch eine Künstlerin gesucht und nicht eine Liebhaberin. Oder ist das immer automatisch in eurer Welt, geht das immer einher? Natürlich nicht. Wobei, was ist in unserer Welt jetzt ganz ehrlich?

Es klingt immer so, dass dieses, also diese, irgendwie immer so dieses Muse, was wir die letzten Wochen umschwungen haben. Ich habe die etwas sexualisierte Version von Peggy Guggenheim zum Besten gegeben. Also ich glaube, also der Max Ernst war halt auch, oh Gott, dieser alte Begriff des Schwere Nöders. Der hat viele Beziehungen gehabt.

Ich glaube, also von keiner seiner bekannten Beziehungen, Freundinnen gibt es ein böses Wort über ihn. Das ist ganz interessant. Also nicht mal, mit seiner ersten Frau war er verheiratet, die Luise Strauß Ernst und die haben sich getrennt und die hatten ein Kind zusammen, Johnny Ernst und sie hat in ihren Memoiren nicht ein böses Wort über ihn verloren.

Das heißt also, ich unterstelle mal, dass weitgehend diese Enden der Beziehungen alle auch irgendwie freundlich waren. Ich glaube, die Peggy Guggenheim ist die Einzige, die verärgert war und ich glaube, die war aus sportlichen Gründen verärgert, weil in der Regel hat sie verlassen und wurde nicht verlassen.

Also insofern ist das natürlich nicht eingebaut. Jetzt sind natürlich Atelierbesuche schon in irgendeiner Form ein Künstler, jetzt nicht im Wortsinn, aber wenn du deine Kunst zeigst, zeigst du etwas von dir. Das sind schon immer sehr persönliche Dinge, wenn man in Ateliers geht. Da unterhält man sich ja auch über persönliche Dinge, weil wir herausfinden, was da ist.

Und dann ist natürlich schon irgendwie, dann ist die Kontaktaufnahme etwas einfacher. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass da zwangsweise permanent Mesallianzen rauskommen, sondern der Max Ernst war, glaube ich, in so einer Transitionsphase. Und die Peggy Guggenheim, das war vielleicht für ihn wirklich, muss man sagen, eher so eine Art Nutzbeziehung, die er auch eingegangen ist, weil das rettete ihm.

Ein Türöffner im wahrsten Sinne des Wortes. Ja, also ein Visumöffner, denn er wäre nicht rausgekommen aus Europa. Also diese, ich glaube, die waren echt kurz verheiratet. Ich weiß es gar nicht. Also jedenfalls, es gab einen Grund, dass Peggy Guggenheim ihm helfen konnte. Und das endet dann da. Also nein, Atelierbesuche müssen nicht dazu finden, dass man hinterher gleich verheiratet ist.

Und man muss ja auch sagen, bei diesem Bild ist es einfach herausragend gemalt. Also sowohl das Porträt. Und da frage ich mich mal bei den Surrealisten. Ich verstehe, dass man irgendwie dann sowas Verrücktes reinmachen muss. Aber es wäre ein so tolles Bild, wenn dieser fliegende Hund nicht wäre. Aber es wäre natürlich ein ganz anderes Bild. Aber man wäre dieses Bild weniger berühmt, wenn der Hund nicht wäre, sondern wenn einfach nur diese wunderbar portretierte Frau diese tollen Türen aufmachen würde.

Aber das Bild ist nichts ohne den Hund, weil es ist auch ganz interessant, der Hund ist ja das einzige Surreale da drin. Naja, dieses Wurzelkleid auch ein bisschen. Das kann auch Fasching sein. Ja, und das ist auch eine Frau, da steht mit oben ohne irgendwie und sich in die Tür. Das gibt es in der Kunstgeschichte millionenfach. Also im Gegenteil.

Ja, interessant. Es gab ja diesen großen Skandal um Manets Frühstück im Freien, wo auch eine nackte Frau da saß. Ihre schiere Nacktheit war überhaupt kein Problem. Dusseligerweise war sie umgeben von angezogenen Männern, die auch noch angezogen waren wie nicht mythologisch. Wären da drei mythologische Wesen, zwei Hirten und eine Hirtin und sie wären alle nackt gewesen, hätte sich die Welt nicht darum gekümmert.

Da saß aber eine nackte Frau umgeben von angezogenen Männern und das 90. Jahrhundert brüllte auf Skandal und Sex. Was von Manet herbeigeführt war, weil er sich gesagt hat, ich packe euch mal bei den Haaren. Was soll das? Warum ist eine Quellnymphe nackt vollkommen schmerzfrei? Und warum ist diese Frau hier an der Quelle sitzend, aber keine Nymphe seien, nackt, anstößig?

Und das ist ja so ein bisschen, sie rührt jetzt hier auf eine, 70 Jahre später, nee, 80 Jahre später, an Konventionen, in dem sie es umdreht, hier malt sie jetzt ein Fabelwesen rein. Also ein Fabelwesen wäre in der gotischen Malerei überhaupt kein Problem gewesen. Das wimmelte ja vor allen möglichen, wir hatten doch irgendwann mal die Versuchung des heiligen Antonius da mal.

Also, dass der da sitzt, der bricht dieses Bild, denn an und für sich wäre das jetzt nachvollziehbar. man kennt natürlich keine Wohnung mit derartig viel Durchgänge, derartig tief. Natürlich, die Goethes Wohnhaus in Weimar. Meinst du, da findest du acht, neun, zehn Wohnungen? Ist das so viel? Ja, weiß ich nicht.

Ich habe es irgendwie nicht so ganz so groß in Erinnerung. Da sind viele Türen, das ist eine lange Flucht. Schön. Schöne Postkarten auch vorne. Ich erinnere mich immer, dass ich diese Treppe so ein bisschen protzig fand und dafür zu klein und, Ich glaube, dieses Wesen ist absolut notwendig, denn erstens, es zeigt natürlich, was du in Malerei alles kannst.

Du kannst nebeneinander eine echte Dorothea Tanning und ein ausgedachtes Wesen und dann stellst du fest, beides ist ausgedacht. Ich störe mich nicht an dem Wesen, im Gegenteil. Ich würde was vermissen, wenn es nicht da wäre. Es ist auch ein schönes, lustiges, kleines. Weißt du auch nicht, ist das was eher die Gremlins? Die sind böse, aber lustig.

Weißt du was, man fragt natürlich, wahrscheinlich kommen am Ende diese Gremlins, die vielleicht jeder vor sich hat, Das waren ja so lustige, putzige Wesen. Nur wenn sie Wasser abbekamen, wurden sie zu so Monstern. Richtig. Du wartest, welches Monster jetzt das gebärmt. Genau. Und das ist ja so ein bisschen, wahrscheinlich kommen all diese Dinge aus der Kunst, weil es steht ja nichts aus nichts.

Man hat ja irgendwie immer mal so ein Bild gesehen. Es ist nur so dieses Übertriebene. Selbst wenn da, der hätte ja auch ein ganz normaler Hund stehen können. Entscheidend sind diese seltsamen Flügel. Und das macht dieses Tier ja auch wieder hässlich. Hässlich? Hässlich? Ja, hässlich schon hässlich. Das sind ja nicht kleine Flügel, das sind ja große Flügel. Ich will nur sagen, das sind ja Menschen, die alle sehr, sehr gut malen konnten, die auch gern klassisch hätten malen können, aber das eben, das habe ich auch verstanden, bewusst natürlich nicht getan haben, sondern sich abgegrenzt haben.

Na ja, die Frage ist einfach, wenn du einfach nur eine Frau mit dem blösten Oberkörper an vielen Türen malst, ob... Der Knack im Bild dann noch so ist. Du brauchst doch irgendwas, über das du, wenn, was... Also ich persönlich, das ist natürlich, wie gesagt, bei euch Künstlern, eine Frau, die mit nacktem Oberkörper steht und mir zehn Türen auffällt.

Das passiert uns die ganze Zeit. Da ist es bei mir so. Also, Surrealismus, ich würde jetzt für dich für die nächste Woche etwas mitgeben, ich glaube, das habe ich noch nicht gemacht, das ist ein super Thema, finde ich, und zwei Begriffe, und die werden dich fertig machen, glaube ich, und die Begriffe hast du schon oft gehört, sie treffen auf dich überhaupt nicht zu.

Und die Begriffe sind Work-Life, es sind eigentlich drei. Work-Life-Balance. Hast du mir das nicht schon mal gegeben? Habe ich das schon mal gemacht? Weiß ich nicht. Work-Life-Balance. Aber ich schreibe es dir jetzt auf. Work-Life-Balance, also so ein bisschen zum Thema Arbeit. Oder man nimmt das große Thema Arbeit, dass wir dann vielleicht mal die nächste Woche oder übernächste Woche über das Thema Arbeit sprechen.

Das hätte ich mir gemerkt, weil über Arbeit rede ich total ungern. Ernsthaft? Okay, weil dieses Verständnis von Arbeit ist ja vielleicht auch in der, ich weiß nicht, ob es dann da bei euch wahrscheinlich gibt es was, wo es um Arbeit geht. Arbeit ist ja ein sehr weit. Wir hatten just in den letzten Tagen so eine lustige Diskussion, wo ich gesagt habe, unsere Arbeit, ich nehme das nicht als Arbeit wahr.

Ich weiß zwar, dass ich abends vollkommen erschöpft bin, dass es Dinge gibt, die mich extrem unglücklich machen und anspannen und trotzdem ist es so, dass das, womit ich arbeiten darf und ich weiß, dass es Arbeit ist und ich weiß auch, dass ich fleißig bin und trotzdem ist es so, das ist für mich keine Arbeit.

Das ist irgendwas zwischen Berufung und Obsession. Und wir sind ein fantastisch leistungsfähiges Haus, aber ich würde sagen, das gilt für die allermeisten meiner Kolleginnen und Kollegen, dass die sagen, das ist eine Arbeit, die frisst uns so oft, dass wir nicht merken, dass es Arbeit ist. Und jetzt, das war der ideale Teaser für die, mindestens für die nächste Woche.

Da werden wir dann direkt anknüpfen. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns auf Sie, auf Euch in der nächsten Woche. Bis dahin. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.

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