
Im Krisenmodus· Folge 92
In die Hölle geschickt – Warum sich junge Ukrainer freiwillig melden
Mittwoch, 4. Juni 2025 · 24 min
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Shownotes
In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ begleitet FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen (nrz.de/autoren/jan-jessen) junge Rekruten im Osten der Ukraine. Sie sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, freiwillig dabei – und werden an die Front geschickt. Warum melden sich diese jungen Männer? Was denken sie über Angst, Verantwortung und den Tod? Und wie bereiten sie sich auf das Schlimmste vor?
Mit dabei: Stanislav, Andrei, Danyl – und ein Ausbilder.
🧭 Kapitelübersicht
1 | Schüsse, Drill, Realität – Einstieg in die Hölle
Warum die Ukraine junge Männer mit Geld und Perspektive rekrutiert – und wie das Training sie psychisch an die Grenze bringt.
Mit: Mykola (Ausbilder), Andrei (21, Sanitäter in spe)
2 | Angst, Entscheidung, Familie
Zwischen Schweigen, Zweifel und Überzeugung – warum manche Rekruten nicht mal ihren Eltern von der Entscheidung erzählen.
Mit: Anonymer Rekrut (20, Region Kiew), Stanislav (freiwillig, Anfang 20)
3 | „Wir schmieden Stahl mit Gewehrfeuer“
Das Ziel: extreme Belastung, mentale Überforderung, Druck. Der Weg dorthin: scharfe Munition, Hindernisse, Rauch, Stress.
Mit: Mykola (Ausbilder)
4 | „Wer keine Angst hat, ist nicht lebendig“
Daniel – der wohl reflektierteste unter den jungen Rekruten – über Angst, Gedanken im Graben und seine Vorbereitung auf die Front.
Mit: Danyl (18, Funkname: „Historiker“)
5 | Die Front ist die Hölle
Was ausgebildet wird, muss sich an der Nulllinie bewähren. Warum viele nicht zurückkehren – und was Jan über die aktuelle Lage berichtet.
🎧 Hör- und Lese-Empfehlungen
• Mehr aus Jans aktueller Reise (Podcast): Stimmen aus Cherson (abendblatt.de/podcast/article409068822/leben-u…)
• Artikel von Jan Jessen über einen ukrainischen Deserteur (morgenpost.de/politik/article408227017/ukraine…) und die jungen Rekruten (nrz.de/politik/article409096213/wie-junge-sold…)
• Podcast-Folge über die Mobilisierung in der Ukraine - mit Zwangseinzug zum Sieg? (open.spotify.com/episode/6JqnZWx9eWWDG1rgp6uhW…)
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Im Krisenmodus ist ein Podcast der FUNKE Mediengruppe
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Wie bereitet man junge Männer, ob ein Krieg vor, der längst zur Hölle geworden ist? Wie funktioniert ein Freiwilligenprogramm, das mit Geld lockt, um Soldaten für den Stellungskrieg in der Ukraine zu finden? Und was passiert mit denen, die sich melden? WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR Im Krisenmodus.
Der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt. mit Journalist Jan Jessen. Hallo zu einer neuen Folge von dem Krisenmodus. Mein Name ist Jan Jessen. Ich bin Politikchef der NRZ und seit vielen Jahren für die Funke Mediengruppe als Reporter in Krisenregion unterwegs. Meine Berichte lest ihr in der NRZ, in der WAZ, der Thüringer Allgemeinen, dem Hamburger Abendblatt, der Berliner Morgenpost oder auch online auf unseren Portalen und natürlich auch in den E-Papern der Funke Zeitungen.
Heute nehme ich euch mit in ein Trainingscamp in der Ostukraine. Da sind wir hingekommen, das ist ein Ort, den darf man nicht genau nennen, hat Gründe, denn auch diese Trainingszentren oder Trainingsplätze, das sind auch Angriffsziele für die Russen. Am Tag bevor wir zu diesem Trainingszentrum in der Ostukraine gekommen sind, gab es einen Angriff bei Sumi an der Grenze zu Russland.
Da sind sechs Rekruten ums Leben gekommen. Jetzt vor wenigen Tagen, also einige Tage vor dieser Aufnahme, gab es auch nochmal einen Angriff auf ein Trainingszentrum. Zwölf Rekruten oder zwölf Soldaten sind gestorben. Also insofern sind auch diese Trainingszentren Angriffsziele für die russischen Luftstreitkräfte und deswegen darf der genaue Name oder beziehungsweise genaue Ort dieses Trainingscamp nicht genannt werden.
Und das war auf jeden Fall so eine Senke, umgeben von so einer hügeligen Landschaft, bewaldet. Und da hatten die so ein Parcours aufgebaut, wo eben diese Soldaten trainiert haben. Das war ein Übungsgelände der 28. Brigade, die ich schon mehrfach besucht habe. An dem Tag, als wir da waren, sind gerade 30 junge Männer zwischen 18 und 24 Jahre vor Ort gewesen und haben da trainiert für den ersten Fronteinsatz.
Das sind alles junge Männer gewesen, die sich freiwillig gemeldet hatten, angelockt durch ein neues Rekrutierungsprogramm. Ihr wisst vielleicht, dass es in der Ukraine massive Rekrutierungsprobleme gibt. Also die Brigaden, die an der Front unterwegs sind, sind mittlerweile personell sehr ausgedünnt. Die Verluste sind einfach immens.
Sowohl diejenigen, die eben fallen oder auch so schwer verletzt werden, dass sie eben nicht mehr kämpfen können. Und es fällt der Ukraine relativ schwierig, Freiwillige zu finden, auch wenn es um die normale Mobilisierung geht. Also normalerweise sind ja Männer ab 25 Jahre dienstverpflichtet in der ukrainischen Armee oder können gezogen werden.
Auch das gestaltet sich schwierig. Viele entziehen sich dem Militärdienst. Die Zahl der Deserteure steigt. Das hatten wir auch schon mal in einer anderen Folge unseres Podcasts besprochen. Packen wir euch in die Show Notes rein. Also es gibt jetzt irgendwie die Versuche, den Dienst an der Waffe attraktiv zu machen und dazu hat man eben Anfang dieses Jahres so ein Freiwilligenprogramm aufgesetzt.
Das verspricht denjenigen, die sich für ein Jahr verpflichten, unter anderem ein Salär von 22.000 Euro, also umgerechnet 22.000 Euro im Jahr. Klingt erstmal wenig, ist aber für ein Land, in dem das Durchschnittseinkommen das jährliche bei 5000 liegt, natürlich schon recht attraktiv für den einen oder anderen jungen Mann.
Und insofern waren also diese Leute, die wir auf diesem Trainingsgelände getroffen haben, diese Rekruten, die eben über das Programm reingekommen sind. Und die Frage ist ja auch, was bedeutet eigentlich Training? Und wie kann man das lernen, was da an der Front passiert? Die Berichte, die Videos, die wir von der Front sind, sind einfach krass, sind einfach brutal.
Das ist wirklich ein Gemetzel, was sich da vorne mittlerweile abspielt, auch durch die Drohnenaktivitäten, die einfach immens sind. Das Schlachtfeld ist so transparent wie noch nie zuvor und es ist einfach ultra, ultra, ultra, ultra gefährlich mittlerweile. Und diese jungen Rekruten hatten schon vier Wochen Training in den Knochen und sollten jetzt heute so ein ganz spezielles Training haben, also einen Kurs, wo sie an ihre körperlichen beziehungsweise psychologischen Grenzen gebracht werden sollten.
Und das hat uns auch einer der Ausbilder erklärt, Mikulam. Alter Soldat, der eben Chef dieser Ausbilder war. Und der hat erzählt, auf was es ihnen an diesem Tag ankommt. Es geht vor allem um psychologisches Training. Wir wollen diese Männer zu Kriegern machen. Sie lernen, mit Waffen umzugehen, mit Rüstung, mit Belastung.
Und sie sollen diese Fähigkeiten mitnehmen an die Front. Was wir da gesehen haben, war wirklich Training unter realen Einsatzbedingungen, kann man sagen. Also die Ausbilder haben da mit schärfer Munition geschossen. Also wir mussten uns auch tatsächlich auch, als wir da auf dem Gelände waren, unsere Schutzwesten anziehen, Helme aufziehen, weil da sind die Kugeln einfach umgeflogen.
Und man hat auch teilweise auch das Zischen der Kugeln gehört, wenn die an einem vorbeigeflogen sind. Und das war wirklich so, wie man sich das so ein bisschen vorstellt in diesen amerikanischen Filmen, Full Metal Jacket beispielsweise, also da werden die Ausbilder schreien diese jungen Leute an, wenn die da durch das Stacheldraht verhauen.
Es wird direkt neben ihnen geschossen, also die spritzt dann das Erdreich auf, wenn die Kugeln da reinfliegen. Also das war schon relativ deftig. Und ich habe mich natürlich auch mit den jungen Leuten da vor Ort unterhalten und sie gefragt, was sie bewegt. Einer von ihnen ist André, der ist 21, kommt aus einer Oblast, einer Region im Westen des Landes und der will später als Sanitäter in die Front.
Sie haben gesagt, es ist deine Entscheidung. Du kannst gehen, wann du willst. Die Hälfte meines Geldes ging an meine Familie, die andere Hälfte an Freunde. Das war mir wichtig. Die erste Auszahlung, von der er spricht, das sind ungefähr 4.500 Euro. Die bekommen die also sofort, sobald sie den Vertrag unterschrieben haben.
Und wie gesagt, André erzählt ihm, dass er das seiner Familie gegeben hat zum Teil und auch an seine Kumpels. Die waren sicherlich erfreut darüber. Aber wie gesagt, 4.300 Euro, das ist fast ein Jahresgehalt, ein Durchschnittsjahresgehalt in der Ukraine, also sehr, sehr viel Geld für ukrainische Verhältnisse.
Und übrigens, weil Andrea gesagt hat, er will Sanitäter werden, die Jungs, die sich da freiwillig melden, die werden alle in eine Infanterie eingesetzt. Also du wirst, wenn du dich an dieses Freiwilligenprogramm wendest, wenn du dich da unterschreibst, kommst du zur Infanterie, kannst dann auch entscheiden, ob du Sanitäter, Scharfschütze oder wehren willst oder zu einer Sturmeinheit gehen willst.
Aber ansonsten bist du eben in der Infanterie. Die Infanterie ist einfach derzeit wirklich das Gefährlichste, was man machen kann. Es gibt Frontabschnitte, wo über die Hälfte der Leute, die nach vorne gehen, die nach vorne eingesetzt werden, nicht mehr unversehrt zurückkommen. Also entweder tot sind danach oder zumindest schwer verletzt.
Und ja, es ist einfach eine wirklich brutale Situation aktuell in der Front. Andere haben deswegen noch nicht mehr den Eltern davon erzählt, wie ein 20-jähriger Rekrut aus der Region Kiew. Der wollte mir seinen Namen nicht nennen, aber er hatte sich komplett alleine angemeldet und ohne, dass er mit seiner Eltern gesprochen hat.
Ich habe meiner Mutter erst eine Woche später gesagt, dass ich gehe. Ja, kann man sich vorstellen, dass eine Mutter möglicherweise nicht sonderlich begeistert ist, wenn sie von ihrem Sohn hört, dass er jetzt an der Front ist, beziehungsweise auf die Front vorbereitet wird. Und insofern war ich auch so ein bisschen hin und her gerissen, als er das erzählt hat.
Ich denke schon, dass man das irgendwie mit seiner Familie klären sollte. Aber die Jungs sind alt genug, sind eben volljährig und insofern können sie machen. wollen. Für viele ist tatsächlich das Geld ein entscheidender Faktor für diese Entscheidung, zur Armee zu gehen. Das haben sie uns ja offen kommuniziert auch, aber eben nicht alleine.
Stanislav beispielsweise Anfang 20 aus der Region Dnepro-Petrovsk, der sagt, er sieht darin auch eine Chance. Ich habe es fast niemandem erzählt, vielleicht einem Freund, und der hat nur gesagt, du bist ein Idiot. Ich habe es fast niemandem erzählt, Es ist eine gute Gelegenheit. Man bekommt eine Ausbildung, sogar ein Studium bezahlt und natürlich, ich will mein Land verteidigen. Ja, auch das gehört zu diesem Programm dazu.
Also man bekommt im Anschluss, erstmal ist man im Anschluss für längere Zeit vom Wehrdienst freigestellt. Man kann ins Ausland reisen. Man bekommt, wie Stanislav gesagt hat, seine Ausbildung bezahlt bzw. Sein Studium. Man bekommt kostenlose medizinische Versorgung, auch beispielsweise Zahnersatz und solche Dinge. Also das ist schon ein sehr, sehr attraktives Paket, muss man sagen.
Und ja, das, was Danislaw sagte, ich will mein Land verteidigen, das ist hier möglicherweise dem einen oder anderen eben auch ein Grund zu sagen, dass ich mich an dieses Programm wende und die Waffe in die Hand nehme. Für die ukrainische Führung ist dieses Programm natürlich ein riskanter Balanceakt.
Also auf der einen Seite sollen junge Männer mit Geld gelockt werden, um die erschöpften, ausgebluteten Brigaden aufzufüllen. Das ist wichtig. Wie gesagt, es gibt Rekrutierungsprobleme, enorme Rekrutierungsprobleme in der Ukraine. Es gibt an der einen oder anderen Stelle Widerstand gegen die teilweise recht robuste Art und Weise, wie Rekrutierungsoffiziere Leute von der Straße holen und dann eben quasi Dienst verpflichten.
Es gab jetzt bereits schon mehrere Anschläge auf Rekrutierungsbüros. Es gab sogar schon Mordanschläge gegen Rekrutierungsoffiziere. Also da gibt es mittlerweile viele, viele Vorbehalte. Die Zahl der Freiwilligen ist deutlich zurückgegangen. Also am Anfang, als der russische Überfall im Februar 2022 begonnen hat, haben sich eben Tausende, Zehntausende Leute freiwillig gemeldet, um zu kämpfen.
Viele von denen sind mittlerweile tot oder so schwer verwundet, dass sie nicht mehr kämpfen können. Und es müssen halt irgendwie Wege gefunden werden, um die Kampffähigkeit der ukrainischen Armee aufrechtzuerhalten. Und deswegen dieses Freiwilligenprogramm. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, kann auch das natürlich für Unmut sorgen.
Also zum einen gibt es diejenigen, die schon in der Armee sind, die sagen, naja, wieso bekommen jetzt diese neuen Rekruten so super Konditionen und wir sind dienstverpflichtet worden, sind mindestens drei Jahre dabei, wahrscheinlich länger, kriegen ein schlechteres Gehalt und eben nicht diese Anreize, die diese jungen Leute haben.
Das sorgt in den Reihen der Armee an der einen oder anderen Stelle für Irritation, für Unmut und natürlich könnte es auch in der Gesellschaft für Probleme sorgen, wenn die, Also ganz viele von diesen 18- bis 24-Jährigen sterben sollten, verbundet werden sollten, dass dann möglicherweise immer Mütter auf der Straße sind und rebellieren.
Also das ist ein Balanceakt, den die Regierung da gerade vollführt. Wie das ausgeht, das weiß man nicht. Es gibt in diesem Camp, gab es was schon, war so ein Witz, der kursierte, da sagte einer, wir sind eine Million wert bis zur ersten Granate. Warum eine Million? Weil der Sold eben eine Million Griffner sind, das sind ukrainische Währungen, das sind umgerechnet diese 22.000 Euro.
Die Beweggründe dieser jungen Rekruten, das habe ich auch schon gesagt, die bewegen sich zwischen auf der einen Seite patriotischem Idealismus und auf der anderen Seite eben diese Geschichte, okay, ich habe jetzt eben die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres sehr, sehr viel Geld zu verdienen und eben diese Benefits zu bekommen.
Und gleichzeitig bei dem einen oder anderen wird das auch so eine Art Mutprobe sein. Also ich kann meinen Freundinnen und Freunden erzählen, ich kämpfe für die Ukraine. Also auch viele dieser Brigaden werben in einer sehr, wie soll ich sagen, so einen TikTok-Style für neue Rekruten. Also es gibt ganz viele Billboards, die man in der Ukraine sieht mit Motiven, wo man Soldaten sieht, die sich irgendwelchen Zombies und Orks entgegenstellen oder auf Katzen über irgendwelchen Zombie-Armeen reiten.
Also das ist dann sehr, wie soll ich sagen, eine Ansprache, die eben natürlich auch ganz junge Leute zielt. Und möglicherweise ist das eben auch so ein Grund, warum sich Leute entscheiden, weil sie eben nicht als Feiglinge dastehen wollen. Und ich glaube, da spielen halt wieder viele Dinge in der Rolle.
Die Ausbildung jedenfalls, die ist extrem hart. Also die Jungs, die wir da gesehen haben, die waren eben jetzt schon vier Wochen in der Ausbildung, haben da einiges gelernt. Und wie ich ja vorhin auch erzählt habe und wie ihr auch gehört habt in den Sound-Snippets, wird eben wirklich hart trainiert. Also die sind in voller Montur, mit Rucksack, mit Gasmaske, mit Gewehr, mit allem, was man eben im Feld auch dabei hat.
Mit schutzsicherer Weste auch sind die durch diesen Parcours gejagt worden. Das ist ein Parcours, den kann man sich vorstellen, wie man das eben auch aus Filmen kennt, mit verschiedenen Hindernissen, mit Grabensystemen, wo die reinspringen müssen, wo die dann durchrennen durch das Grabensystem. Also als ob sie einen Graben stürmen würden, der von Russen besetzt ist.
Auch die Rekruten haben dann zumindest teilweise mit scharfer Munition operiert. Und dann geht es in Bunker, in die irgendwelche Rauchgasgranaten geworfen worden sind. Es explodieren Landminen, infernalisch laut. Es werden Handgranaten geworfen, also um die Rekruten unter massiven psychologischen Stress zu setzen.
Und natürlich auch das Ganze wirklich mega körperlich anstrengend. Also die Jungs, die waren schon sehr, sehr durch, als die dann am Ende dieses Parcours angekommen sind. «Aufziv ist die Hunde zu zeigen, um die Hunde zu zeigen, um die Masse-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A-A. Das Ziel solcher Übungen ist, den Kämpfer aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Wir simulieren eine Massenattacke des Feindes und wollen sehen, wird er seine Mission erfüllen oder zusammenbrechen? Wird er handeln oder sich in ein Loch verkriechen? Heute hat sich gezeigt, sie sind gut vorbereitet. Alle haben den Parcours durchgezogen. Keiner ist ausgestiegen. Das ist nochmal Mikola, der Ausbilder, der eingangs schon was dazu gesagt hat, was Sie hier vorhaben. Der hat mir auch so ein Quoten mitgegeben, den ich ein bisschen grenzwertig fand.
Also er sagt, wir schmieden Stahl aus Gewehrfeuer. Das ist ja... Muss man vielleicht mal einfach so stehen lassen, aber da ist natürlich dann, also die ganze Rhetorik ist natürlich in so einer Situation immer sehr martialisch, wenn dann von Kriegern, von Kämpfern und was weiß ich, was gesprochen wird.
Ja, aber natürlich ist auch diese Bodenkriegsführung, die wir uns da angeguckt haben oder die Infanterie ist natürlich auch nur ein Teil. Da haben sie gerade zurzeit die Ukrainerinnen und Ukrainer massive Probleme. Ich habe ja gesagt, also Rekrutierungsprobleme auf der einen Seite. Auf der anderen Seite rücken die Russen in den vergangenen Wochen immer weiter vor.
Es hat jetzt die Sommeroffensive begonnen, offensichtlich vor allem in Donbass, im Bereich Konstantinivka, Kamator-Slobjansk. Und zugleich auch oben im Norden bei Sumy gibt es offensichtlich auch Attacken oder zunehmende Angriffe der Russen. Und gleichzeitig muss man auch sagen, haben die Ukrainer wieder ordentlich vorgelegt.
Also es gab am Wochenende, bevor wir diesen Podcast aufgenommen haben, einen bislang beispiellosen Angriff, davon habt ihr bestimmt gehört, sowas gab es in der Militärgeschichte noch nicht, von dem ukrainischen Geheimdienst auf russische Flugfelder. Und zwar in Russland selbst, tief in Russland, in Sibirien, tausende von Kilometern entfernt von davon, wo der ukrainische Geheimnis es irgendwie geschafft hat, Drohnen nach Russland einzuschmuggeln, nach Sibirien teilweise, nach Murmansk ganz im Norden, in der Nähe der Arktis.
Und die Drohnen waren eben in Lastwagen versteckt und diese Dächer der Lastwagen, die dann in der Nähe von den Flughäfen geparkt worden waren, die Dächer sind dann über eine Fernbedienung aufgegangen und die Drohnen rausgeflogen und haben diese strategische Bomberflotte der Russen attackiert. Das ist eine völlig krasse Aktion gewesen.
Da kommen wir vielleicht auch nochmal in einer der anderen Folgen drauf, wie sowas funktioniert und was da für ein mega logistischer Aufwand hinter steckt. Also die Ukraine schlägt ihren begrenzten Möglichkeiten immer wieder zurück, versucht immer wieder sich neu aufzustellen, neue Dinge auszuprobieren, um zumindest in den Verhandlungen, die jetzt hier angelaufen sind in Istanbul, zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Podcasts ist gerade die zweite Verhandlungsrunde gelaufen, um sich zumindest in diesen Verhandlungen in eine Position zu bringen, die nicht ganz schwach ist.
Also bei Verhandlungen ist es ja einfach wichtig, dass man in einer starken Verhandlungsposition ist, um den Gegner eben zu Kompromissen zu zwingen. Zurzeit ist das Ganze noch wirklich schwierig. Da muss man sagen, die Positionen liegen ganz, ganz weit auseinander. Sieht nichts danach aus, als würde das jetzt innerhalb der nächsten Wochen, Monate geklärt werden, weil auch die USA als Moderator ausfallen.
Also es ist zurzeit, wie gesagt, etwas schwierig. Aber nochmal zurück zu dem Trainingscamp, also ein Rekrut, der besonders so hervorgestochen ist, das war Daniel. Daniel, der sah eben auch aus wie ein sehr junger Mann, so ein ganz jungenhaftes Gesicht mit so einem kleinen Pflaumenbart und der war sehr talkative.
Die anderen waren möglicherweise auch, weil sie in meinem Shop war nach der Rennerei. Da haben wir jetzt nicht so viel geredet, aber er hat sich da sehr, sehr dezidiert geäußert. Er stammt aus Krivarie, das ist die Heimatstadt von Zelensky. Und sein Funkname ist Historiker. Also Soldaten haben ja immer Funknamen, die sind nicht ihre richtigen Namen.
Jeder kann sich da sozusagen seinen Kämpfernamen, seinen Funknamen aussuchen. Und er hat mir gesagt, dass er sich schon als Kind für Militärgeschichte interessiert hat. Der Tod seines Vaters, der hat ihn geprägt. Und er hat auch seiner Mutter gesagt, als die Russen die Ukraine überfallen haben, ich gehe irgendwann mal zum Militär, da war er 15.
Jetzt, wie gesagt, ist er 18 und seine Aussagen, die gehen schon unter die Haut. Es gibt keine Menschen, die nicht Angst haben. Die Menschen, die nicht Angst ist, sie nicht живet. Ich denke. Ob ich über das, was in Zukunft wird, so, aber sehr rätig. Warum? Weil ich verstehe, dass wenn ich über das, wenn ich über das, Jeder hat Angst.
Wer keine Angst hat, ist nicht lebendig. Ich denke nicht oft darüber nach, was mich an der Front erwartet, sonst würde ich daran zerbrechen. Manchmal stelle ich mir vor, wie ich im Graben liege, wenn es regnet oder wenn wir angegriffen werden. Ich versuche vorbereitet zu sein, auch wenn das nie zu 100 Prozent gelingt.
Aber dafür bin ich hier, dafür trainiere ich. Im Gespräch wirkt Daniel sehr klar und kontrolliert. Und wie gesagt, es war ihm auch wirklich wichtig, mit uns zu sprechen. Und er weiß aber auch, dass das Training natürlich nur der Anfang ist. Das hier ist nur ein Tropfen im Ozean. Ich weiß, dass wir noch lange trainieren müssen, um diejenigen zu besiegen, die unser Land angegriffen haben.
Das ist Überlebenswille. Wir machen das nicht zum Spaß. Wir machen das, um zu überleben. Ja, also wie gesagt, das war jetzt keiner, das hat er mir auch deutlich gesagt, dass er kein Mensch von schnellen Entscheidungen ist. Also das war jemand, der sich da lange darauf vorbereitet hat, auch das, was er da tut und der sich lange damit gerungen hat, ob er das auch wirklich machen will.
Er hat sich jetzt dafür entschieden, ich kann nur hoffen, dass das keine Entscheidung war, die er mit seinem Leben bezahlen muss oder mit seiner körperlichen Gesundheit oder mit seiner psychischen Gesundheit. Das passiert natürlich auch in Kriegen. Und wie gesagt, ich hoffe, dass er da sauber rauskommt. Ich hoffe, dass die ganzen Jungs da sauber rauskommen.
Es sind einfach junge Männer, die, wenn sie mit dem Training fertig sind, also nach dem Trainingsgelände haben sie jetzt nochmal vier Wochen Training vor der Brust, wo sie auch spezialisiert werden und danach geht es eben an die Front und in die Hölle rein. Und anders kann man das nicht bezeichnen, das, was da gerade an der Front passiert, ist die Hölle.
Alle Berichte, die man sieht, alle Berichte, die man hört, auch von Soldaten, besagen, dass es einfach nur noch krass ist. Also ich habe jetzt auch in der letzten Reise mit einem gesprochen, der mir erzählte, der im Frontabschritt zwischen Konstantinivka und Pukovsk im Osten der Ukraine eingesetzt worden ist, im Südosten.
Der sagt, dass es gibt mittlerweile, wenn man nach vorne geht, ganz nach vorne, auch in die Nulllinie, also direkt an die Front, wo man sich dann halt selber buddeln muss, dass dann russische Drohnen, teilweise auch so Löcher, wo zwei Soldaten drin liegen, bis zu 150 Drohnengranaten abwerfen. Das ist einfach der totale Wahnsinn. Also was da vorne passieren muss aktuell, das muss einfach wirklich, wirklich verrückt sein.
Und insofern werden diese jungen Leute eben in die Hölle geschickt. Und das ist vielleicht etwas, worauf sie sich nicht wirklich vorbereiten können, egal wie hart das Training auch ist. So geht der Krieg eben weiter. Jetzt mittlerweile im vierten Jahr, fast dreieinhalb Jahre, führt Russland Krieg in der Ukraine, gegen die Ukraine.
Seit fast dreieinhalb Jahren bombardiert Russland, ukrainische Städte und die kritische Infrastruktur und seit fast dreieinhalb Jahren sterben junge Menschen an der Front für einen Krieg, den Putin angezettelt hat und der möglicherweise hoffentlich bald auf Verhandlungsebene gelöst wird. Ob und wann das passieren wird, das ist die große Frage. Vielleicht haben Stanislav und Daniel und André ja Glück, dass dieser Krieg schnell endet und sie nicht das ganze Jahr vollmachen müssen und kämpfen müssen.
Aber die Aussicht scheint irgendwie, ich habe es ja gerade schon gesagt, auf diplomatischer Ebene eher schwierig zu sein. Der Krieg geht einfach unvermittelt weiter. Angebote oder Forderungen nach Waffenruhe hat Russland bislang abgelehnt. Und Waffenruhen, die ausgerufen worden waren, sind durchgehend gebrochen worden.
Es sterben immer wieder Zivilistinnen und Zivilisten, beispielsweise bei Angriffen auf Saporizhia, die Region oder auch auf andere. Darunter auch Kinder. Auch Moskau spricht von, die ukrainische Seite gab es mittlerweile immer öfter im russischen Hinterland an. Gerade wird diese Attacken auf den Flughäfen erzählt.
Aber es kommt auch immer wieder zu Sabotageakten. Es werden Brücken gesprengt in Russland selbst. Also der Krieg weitet sich eher aus, als dass er eingedämmt wird. Die Hoffnung auf Frieden ist auf jeden Fall zurzeit nicht besonders ausgeprägt. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister, auch Journalist bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe.
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Diejenigen, die uns kennen, wissen das. Und falls ihr diese Sonderfolgen nicht verpassen wollt, dann abonniert uns. Dann werdet ihr auf jeden Fall darüber informiert, wenn wir was Aktuelles produzieren. Ich danke euch fürs Zuhören. Bleibt uns gewogen. Empfehlt uns gerne weiter und bleibt sich. Music.