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Shownotes
Was passiert, wenn die Welt wegschaut – und dennoch Menschen versuchen, zu überleben? In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ ist FUNKE-Reporter Jan Jessen (nrz.de/autoren/jan-jessen) in einem Camp im Nordosten Syriens. Er spricht mit Müttern, Vätern, medizinischem Personal und Helfer:innen. Ihre Geschichten zeigen: Die Not ist groß – die Hilfe kommt kaum noch an.
🎙️ Gästeübersicht
Haifa
Geflüchtete Mutter, lebt im Camp bei Hasake unter prekären Bedingungen.
„Ich lerne Englisch – selbstständig. Ich habe an der Universität Geschichte studiert. Mein Traum ist es, wieder ein normales Leben zu führen.“
Sabah
Geflüchtete Frau aus Afrin
„Wir leiden unter dem Mangel an allem – Essen, Hilfe, Sicherheit.“
Ein Vater
Seit sechs Jahren im Camp, geflüchtet mit vier Kindern und behindertem Bruder.
„Manchmal müssen wir um Wasser kämpfen.“
Hebamme im medizinischen Zentrum
Arbeitet im Geburtszimmer, bis zu drei Geburten pro Tag.
„Wir haben bisher keine gravierenden Fälle erlebt.“
Mediziner im Gesundheitszentrum
Berichtet über den Zusammenbruch der medizinischen Versorgung.
„Die WHO leistet keinerlei Hilfe – es braucht internationalen Druck.“
Leiterin des Friedensdorfes International
Entscheidungsträgerin vor Ort.
„Wir dachten, wir würden Gespräche führen. Stattdessen mussten wir sofort entscheiden: helfen – oder wegsehen.“
Leiter eines Krankenhauses in Nordostsyrien
Kooperiert mit Friedensdorf International, leitet das Auswahlverfahren der Kinder.
„Viele Kliniken mussten schließen.“
🧭 Kapitelübersicht
1 | Alltag im Camp – Überleben im Ausnahmezustand
Sabah berichtet vom Leben in Notunterkünften, von Armut, Angst und der Hoffnung auf Rückkehr.
2 | Zusammenbruch der Hilfe – Wenn Organisationen sich zurückziehen
Wie der Wegfall von USAID und WHO die Lage im Nordosten Syriens dramatisch verschärft – und was das für das medizinische Personal bedeutet.
3 | Medizinischer Notstand – Geburt, Krankheit und Operationen im Ausnahmezustand
Von improvisierten Geburten im Camp bis hin zu dramatischen OPs ohne Ausrüstung – Einblicke ins tägliche Ringen um Leben und Würde.
4 | Friedensdorf International – Hilfe, wenn sonst niemand bleibt
Wie das Team des Friedensdorfes trotz widriger Umstände Kinder rettet, Operationen ermöglicht und Hoffnung bringt.
5 | Was bleibt – Perspektiven, Politik und persönliche Verantwortung
Warum Syrien nicht vergessen werden darf – aus humanitären und geopolitischen Gründen. Und was jede:r Einzelne tun kann.
🎧 Hör-Empfehlungen
Ukraine - Keine Ruhe, kein Frieden (morgenpost.de/podcast/article408835266/ukraine…)
Der Konflikt Indien vs. Pakistan (morgenpost.de/podcast/article408920912/indien-…)
Eine Folge über Frauen in Syrien (morgenpost.de/podcast/article408584990/frauen-…)
🤝 Unterstützungsmöglichkeiten
Friedensdorf International
Hilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten.
🔗 Website: friedensdorf.de
💳 Spendenkonto:
Stadtsparkasse Oberhausen
IBAN: DE59 3655 0000 0000 1024 00
BIC: WELADED1OBH
Heyva Sor a Kurdistanê (Kurdischer Roter Halbmond)
Humanitäre Hilfe in Nord- und Ostsyrien.
🔗 Website: heyvasor.com/de (heyvasor.com/de)
Spendenkonto:
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE49 3705 0299 0004 0104 81
BIC: COKSDE33XXX
PayPal: paypal.me/heyvasorakurdistane
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Im Krisenmodus ist ein Podcast der FUNKE Mediengruppe
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Was passiert mit Kindern, die im Krieg verletzt wurden, aber niemand mehr haben, der ihnen helfen kann? Was, wenn das Einzige, was du hast, ein Verband zu Hause ist und Schmerzmittel ein unerreichbarer Luxus? In dieser Folge von dem Krisenmodus nehme ich euch mit auf eine Reise nach Nordostsyrien, in eine Region, die schon seit mehreren Jahren selbst verwaltet ist, aber nach dem Sturz des Assad-Regimes vor einer ungewissen Zukunft steht, in der die Menschen trotz des Sturzes von Assad in Angst und Armut leben.
Es geht um Menschen, die alles verloren haben. Und es geht um die Frage, was kann Hilfe hier überhaupt erreichen. Wir sind mit nichts geflohen, nur mit der Kleidung, die wir anhatten. Es blieb keine Zeit, irgendwas mitzunehmen. Wir sind ins Auto gestiegen und losgefahren. Music. Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt.
Mit Journalist Jan Jessen. Hallo zu einer neuen Folge von dem Krisenmodus. Mein Name ist Jan Jessen, ich bin Politikchef bei der NRZ und seit vielen Jahren für die Funke Mediengruppe als Reporter in Krisen- und Kriegsgebieten unterwegs. Meine Berichte lest ihr in der NRZ, in der WAZ, in der Thüringer Allgemeine oder auch online und in den E-Papern der Funke Mediengruppe.
In dieser Folge nehme ich euch mit nach Nordostsyrien. Nordostsyrien ist eine Region, über die wir schon mehrfach gesprochen haben in diesem Podcast. Die entsprechenden Episoden packen wir euch in die Shownotes rein und eine Region, in der ich selber recht häufig unterwegs war, auch schon vor dem Sturz des Assad-Regimes.
In Nordostsyrien hat sich in den vergangenen Jahren eine Selbstverwaltungsstruktur unter kurdischer Führung herausgebildet, entwickelt. Das ist ein spannendes Projekt. Rojava, Nordostsyrien, die Selbstverwaltung, aber ein Projekt, was seit jeher unter Druck stand. Die Türkei findet dieses Projekt suboptimal. Die meint also, dass diejenigen, die dort an der Macht sind, enge Verbindungen zur PKK haben, zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei.
Und die Türkei versucht also mit der Hilfe von islamistischen Milizen dieses Projekt schon seit einigen Jahren zu zerstören. Es gibt immer wieder völkerrechtswidrige Angriffskriege in der Region und das hat sich auch fortgesetzt nach dem Sturz von Assad im Dezember vergangenen Jahres. Es gab also monatelange heftige Gefechte in der Region und es sind auch sehr, sehr viele Menschen vertrieben worden.
Wie gesagt, das haben wir in einer der vorherigen Folgen unseres Podcasts schon mal besprochen. Wie gesagt, packen wir euch in die Shownotes rein. Die politische Lage im Land ist auch jetzt nach dem Sturz von Assad sehr, sehr angespannt. Ihr werdet die Nachrichten verfolgt haben, dass es immer wieder zu größeren Massakern kommt.
Es gab einen Massaker im März an der Mittelmeerküste, wo alawitische Menschen abgeschlachtet worden sind. Es gibt jetzt aktuell zur Zeit der Aufnahme dieses Podcasts Unruhen im Süden des Landes, in den Drusengebieten. Und in Nordostsyrien ist es eben auch sehr problematisch. Aktuell ruhen die Kämpfe, es gibt Vereinbarungen zwischen den beteiligten Fraktionen, aber keiner weiß, wie gesagt, wie die Zukunft da weitergeht.
Und ich war kurz vor Ostern in Nordostsyrien und zwar gemeinsam mit dem Friedensdorf International. Das ist eine Organisation, deren Arbeit wir in diesem Podcast auch schon mal vorgestellt haben. Die sitzen in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen und das ist eine Organisation, deren Hauptaufgabe es ist, kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten rauszuholen und zur Behandlung nach Deutschland zu bringen.
In Nordostsyrien waren sie noch nie. Und das war also für sie das erste Mal, dort hinzufahren. Und die Reise ist geplant worden im September vergangenen Jahres, also bevor Assad gestürzt ist. Und jetzt war natürlich alles neu, als wir da hingefahren sind gemeinsam. Und entsprechend gespannt waren die Frauen, die da mitgefahren sind.
Das waren Claudia Peppmüller, das ist die Kommunikationschefin des Friedensdorfes. Birgit Stifter, die Leiterin des Friedensdorfes. Und Simone C. Das ist eine Intensivschwester, die den OP-Saal leitet im Friedensdorf. Sie haben so ein kleines OP-Projekt selber, wo sie leichtere Verletzungen und Versehrungen behandeln können.
Und wie gesagt, Simone C, die leitet eben dieses Ding. Und naja, da sind wir also zusammen nach Nordostsyrien reingefahren. Das ist immer eine recht spannende Reise. Man fährt also in den Irak, konkret in den Nordirak, in die autonome Region Kurdistan, nach Erbil, das ist die Hauptstadt dieser Region, von da aus dann nach Dohuk, weiter nördlich.
Und dann muss man über die Grenze und die Grenze ist im Prinzip so ein Flüsschen, was die beiden Länder trennt. Irak und Syrien, man braucht viele Genehmigungen, um einmal auf irakischer Seite rüber zu kommen und auf der anderen Seite in Syrien reinzukommen. Wir haben in Nordostsyrien Kontakt gehabt mit Haibas Sur. Haibas Sur ist der kurdische rote Halbmond.
Das ist eine Hilfsorganisation, die in den letzten Jahren da gewachsen ist in der Region in Nordostsyrien. Und mit denen, wie gesagt, hatten wir Kontakt aufgenommen oder das Friedensdorf hatte mit denen Kontakt aufgenommen, um zu schauen, gibt es da also Bedarfe, gibt es da Kinder, die behandelt werden können in der Region oder eben zur Behandlung nach Deutschland geholt werden.
Die haben die Reise vorbereitet und ja, das war eben für die Frauen, die da mitgefahren sind, für die Mitarbeiterinnen vom Friedensdorf eine sehr spannende Erfahrung, wie auch Birgit Stifter erzählt. Und man muss sagen, dass die Menschen, die mehrmals in den letzten Jahren vertrieben wurden, keinen Zugang mehr zu einer fundierten Basisversorgung haben.
Und für Kinder ist letztendlich der Zugang zu einer Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt. Wir haben vor Ort Kinder gesehen, die man hier im Krankenhaus in Deutschland sicherlich im Intensivbereich sofort untergebracht hätten. Dort liegen sie mit Verbänden und ohne Schmerzmitteln zu Hause. Ja, diese Kinder, die da mit schmutzigen Verbänden gelegen haben, die ohne Schmerzmittel oder teilweise krasse Verletzungen durchleiden mussten, die haben wir gesehen.
Die haben wir im Hauptquartier vom kurdischen Roten Halb und von Haibasur getroffen. Kamishloh. Kamishloh ist sozusagen die Hauptstadt dieser selbstverwalteten Region Nordostsyrien. Und da hat eben diese Hilfsorganisation, diese kurdische, ihr Hauptquartier und da haben wir dann zwei Kindervorstellungen gehabt.
Also diese Leute von Haibasur haben schon mal Kinder ausgesucht, die ins Portfolio vom Friedensdorf passen. Das sind vor allem Kinder mit Zuständen nach Verbrennungen. Also das passiert da relativ häufig in der Region. Es gibt da also Kinder, die sich an Gasöfen oder Benzinöfen, mit denen da üblicherweise gekocht oder geheizt wird, verletzen.
Also wenn das Benzin da ausläuft oder wenn das Gas explodiert und ganz häufig werden diese Verletzungen nicht richtig versorgt. Heißt, die Kinder haben dann danach Kontrakturen, können ihre Arme nicht mehr richtig bewegen oder ihre Weine richtig bewegen. Und solche Kinder haben wir da eben auch gesehen und dann beschlossen.
Dass die Kinder zumindest erstmal vor Ort behandelt werden. Wir haben also vor Ort einen plastischen Chirurgen getroffen, der einen sehr guten Eindruck machte, der in privaten Krankenhäusern da operiert. Und das sind Operationen, die die Eltern von diesen Kindern sich eigentlich nicht leisten können.
Das ist immer super dramatisch, wenn man mit den Eltern spricht. Wir hatten also zwei beispielsweise, die uns erzählt haben, dass sie schon ihre Häuser verkauft hätten, beziehungsweise ihre Autos verkauft hätten, um ihre Kinder behandeln zu lassen und die OPs waren halt immer noch nicht durch. Und so hat das Friedensdorf dann beschlossen, diesen Kindern zumindest vor Ort erstmal Behandlungen angedeihen zu lassen und diese Behandlungen dann zu bezahlen.
Das Problem ist, wenn sie, also das Übliche, habe ich ja vorhin gesagt, wäre es eigentlich die Kinder nach Deutschland zu holen, aber das ist aufgrund dieser wirklich sehr angespannten politischen Situation in Nordostsyrien oder in Syrien insgesamt relativ schwierig so, dass die Mitarbeitenden vom Friedenslauf erstmal entschieden haben, wir versorgen die Kinder erstmal vor Ort und schauen, wie das da läuft und dann müssen wir alles weitere in Zukunft gucken.
Wir sind dann in der Region auch weiter rumgefahren, haben uns umgeguckt. Ich habe ja vorhin schon eingangs gesagt und auch das haben wir eben in einer der vorherigen Episoden auch mal besprochen. In die Region Rhein jetzt auch nochmal krasse Flüchtlingssituationen gekommen ist, sind also um die 120.000 zusätzliche Menschen in den vergangenen Monaten gekommen, weil die Türkei gemeinsam mit islamistischen Milizen die Kurdengebiete oder die Selbstverwaltungsgebiete attackiert hatte.
Und viele Menschen vertrieben hat. Und solche Menschen haben wir eben getroffen in einem Flüchtlingscamp bei Hasake. In diesem Camp waren um die 16.000 Menschen. Die kamen aus Sirikani. Das ist eine Region an der türkischen Grenze, die 2019 attackiert worden ist von der Türkei und diesen Milizen, die mit ihr verbündet sind.
Und ja, wenn man das da gesehen hat, das war schon sehr, sehr bitter. Also diese Menschen, die leben da teilweise seit Jahren, die Menschen sind vertrieben worden, die Menschen haben keine Perspektive, die wissen nicht, wo es hingeht. Und beispielsweise ein Mensch, mit dem ich da gesprochen habe, ein Vater, der seit über sechs Jahren in diesem Camp lebte, eigentlich Abitur hatte, gute Zukunftsaussichten, aber in diesem Camp zählt das alles nicht.
Und trotzdem, und das fand ich halt auch spannend, bleibt ein Stück weit hoffnungsvoll. Ich bin optimistisch, dass wir wieder zurückkehren können. Aber wir sind nur Zivilisten. Wir können nur zurück, wenn wir auch sicher gehen können, dass es zu Hause auch wieder sicher für uns ist. Ja, also die Situation, wenn man das gesehen hat, ist wirklich sehr, sehr schwierig.
Die Leute leben in Zelten, sie haben keine Jobs, sie haben keine Perspektiven. Und auch dieser Vater hat eben sehr dringend darum gebeten, dass endlich wieder Hilfe geleistet wird. Die Situation ist sehr schlecht. Ich brauche Unterstützung, um den Kindern Kleidung zu kaufen und was sie sonst noch alles brauchen.
Finanziell ist es sehr, sehr schlecht. Die Kinder sind gerade gesund, aber es ist ein Camp. Wir verbreiten sich Schnellkrankheiten. Manchmal müssen wir um Wasser kämpfen. Das war eine sehr, sehr angespannte Situation, muss man auch sagen, in diesem Camp. Also als wir da rumgelaufen sind, kamen immer mehr Kinder an.
Es wurde immer chaotischer. Das hört man auch im Hintergrund, glaube ich, recht gut, wie positiv formuliert quirlig alles war. Aber irgendwann ist es dann eben auch... So geworden, dass die Mitarbeitenden von Friedenshof gesagt haben, eigentlich müssen wir uns jetzt hier zurückziehen, weil die Situation so ein bisschen schwierig geworden ist.
Was ich in diesen Situationen immer total spannend finde, ist auch dieser Mann, der ja trotz seiner Situation irgendwie ein bisschen optimistisch war, auch wenn er sagt, die Situation ist richtig mies hier. Aber auch solche Leute, die haben wir, auch wir haben Frauen getroffen, die eben ähnlich unterwegs waren und gesagt haben, ja, wir geben nicht auf, wir wollen nicht aufgeben, wir können auch nicht aufgeben wegen unserer Kinder.
Auch Haifa, die ich ja in diesem Camp getroffen habe, auch die sagt, die Situation ist eine Katastrophe. Haifa hatte fünf Kinder, die hat eigentlich Geschichte studiert und heute lebt sie eben wie dieser Vater, den wir gerade gehört haben, in dem Dreck in dem Camp bei Hasaka. Und ja, wie gesagt, es ist einfach schwierig. Und trotzdem hat sie noch nicht aufgegeben, an ihre Träume zu glauben.
Ich lerne Englisch, selbstständig. An einer Universität habe ich Geschichte studiert. Mein Traum ist es, wieder ein normales Leben zu führen. Zurück nach Hause zu gehen, das ist mein Traum. Wir haben in dem Camp auch natürlich das medizinische Zentrum besucht, also die Mitarbeitenden vom Friedensdorf. Die gucken natürlich auch immer, ob sie vielleicht irgendwelche Projekte installieren können, ob sie jenseits dieser Operationsgeschichten den Menschen vor Ort in solchen Gebieten helfen können.
Und dazu haben wir uns eben dieses medizinische Zentrum angeschaut in dem Camp und haben da mit medizinischem Personal gesprochen. Und ein großes Problem, aber das gilt eben nicht nur für Syrien, was zur Zeit einfach alle beschäftigt. Weltweit im Grunde genommen ist der Rückzug der Amerikaner, USAID, das habt ihr wahrscheinlich mitbekommen, diese große, große amerikanische semistaatliche Hilfsorganisation, die geschreddert worden ist von Trump, von der Trump-Administration, von Elon Musk und seinen Leuten, die hätte eigentlich, oder die hat nicht, Auch in Syrien sehr, sehr viel Unterstützung geleistet und Dinge finanziert.
Hat auch dann beispielsweise UN-Organisationen mitfinanziert, die in Syrien aktiv waren, in Nordostsyrien. Und jetzt mit dem Rückzug, mit dem Zerschreddern, muss man ja einfach sagen, von USAID, kämpft auch das medizinische Personal in Nordostsyrien, in diesem Camp in Hasake, mit großen Problemen. Die WHO hat uns nicht unterstützt. Es braucht internationalen Druck, damit die Menschen hier in ein sicheres Leben zurückfinden können.
Ja, das war eben der Leiter dieses Flüchtlingscamps. Und sie waren so ein bisschen untergerissen, wenn man mit ihnen gesprochen hat. Also im Grunde genommen sagten sie, noch zur Zeit können wir mit dem Druck umgehen, noch haben wir zur Zeit genug Medikamente, aber durch den Rückzug von USA, durch den Rückzug dadurch auch von der WHO, also der Weltgesundheitsorganisation und anderen Organisationen, werden wir in der Perspektive Riesenprobleme bekommen.
Wen wir auch getroffen haben, war eine wirklich tolle ältere Dame, das war eine Hebamme, die dort gearbeitet hat. Und die hat uns erzählt, dass also auch unter diesen widrigen Bedingungen immer noch Kinder in dem Camp zur Welt kommen. Manchmal haben wir drei Geburten an einem Tag, manchmal eine, manchmal keine.
Ich habe mit Ärzten ohne Grenzen gearbeitet. Ich liebe meine Arbeit. Bis jetzt hatten wir keine gravierenden Probleme. Das ist natürlich, wie gesagt, auf der einen Seite deprimierend, wenn man da rumläuft und gerade die ganzen Kinder sieht, die da rumlaufen in so einem Camp seit sechs Jahren da leben, keine so gut wie keine Perspektive haben, aber trotzdem irgendwie geht das Leben eben weiter und man ist immer so ein bisschen zwiegespalten.
Wir mussten den Besuch in diesem Camp dann relativ zügig abbrechen, weil die Situation sehr, sehr chaotisch wurde. Ihr habt das ja im Hintergrund jetzt schon gehört, bei dem Vater und bei Haifa, wie viel los war, wie viel Geschrei und wie viel Aufregung war, als wir da waren. Und irgendwann wurde es eben so chaotisch und so viel, dass wir dann abgebrochen haben.
Aber das war eben auch nicht der einzige Ort, den wir besucht haben, dieses Campa Hasaka. Wir waren auch in einem Stadtviertel von Kamishloh und zwar in einem Stadtviertel, das früher von den Regimetruppen von Assad besetzt war, die sich dann im Dezember vergangenen Jahres zurückgezogen hatten. Und jetzt sind in Rohbauten in diesem Viertel viele Flüchtlinge untergebracht.
Das sind Flüchtlinge, die aus Afrin kommen. Afrin ist eine Region im Nordwesten Syriens und diese Region ist 2018 attackiert worden von den Türken und den islamistischen Verbündeten. Die Leute sind geflohen in eine kleine kurdisch kontrollierte Enklave nördlich von Aleppo, haben dort gelebt mehrere Jahre, auch unter fürchterlichen Bedingungen.
Und als dann jetzt im vergangenen Dezember bzw. Im vergangenen November, Dezember die große Offensive lief der HTS, also Hayat-Tarig al-Sham, gegen die Regimetruppen, Klimtruppen ist parallel dazu eine Offensive gestartet worden von der Türkei mit islamistischen Verbündeten, was wieder zu einer enormen Fluchtbewegung geführt hat.
120.000 Menschen, die aus dieser kurdischen Enklave in die Selbstverwaltungsgebiete reingeflohen sind und einige davon haben wir dann eben in diesen Rohbauten getroffen. Auch das war sehr dramatisch. Die haben mal so gesagt, sie haben nichts mitgenommen außer der Kleidung, die sie an ihrem Körper hatten.
Und ja, haben diese Lage eben auch sehr, sehr deutlich beschrieben, wie mies es ihnen geht. Alles, was ich mir wünsche, ist das Ende des Kriegs, dass es wieder sicher ist, dass wir nach Hause zurück können. Es fehlt hier an allem. Die Lage ist katastrophal, das Leben kaum noch auszuhalten. Unsicher, unhygienisch, hoffnungslos.
Wenn wir Geld hätten, könnten wir die Kinder zur Schule schicken oder ihnen Schulsachen kaufen, Bildung ermöglichen. Aber wir haben einfach nichts. Das war Sabah, eine Frau, die mit zwei Kindern eben in dieser Rohbausituation gelebt hat. Wir haben noch mit einigen anderen Leuten da gesprochen. Wie gesagt, die Lage ist einfach wirklich furchtbar da.
Sie haben im vergangenen Winter, weil es nicht genug Gas oder Benzin gab zum Heizen, ihre Schuhe verbrannt, um kochen zu können. Und das war auch für die Mitarbeitenden vom Friedensdorf, die sehr sehr viel gesehen haben schon und mitbekommen haben, schon eine sehr bittere Situation, wo man auch gesehen hat, dass den Frauen da die Tränen in den Augen gestanden haben.
Und ja, also bitter muss man einfach sagen. Zuletzt waren wir dann auch noch in einem Krankenhaus, auch in diesem Gebiet, was früher vom Regime kontrolliert worden war, ein staatliches Krankenhaus in Kamischloh und auch dieses Krankenhaus war in einem Zustand, der wirklich schlimm war. Wir haben also gesehen, dass kaum Ausrüstung funktioniert hat, wenig Medikamente und wir haben auch uns einen OP-Saal angeguckt.
Ich habe ja vorhin erzählt, dass die Mune C., die mit uns da unterwegs war, eine Intensivschwester ist, die den OP leitet im Friedensdorf International. Und die hat sich diesen OP angeguckt und als uns dann beschieden worden ist, dass an dem Tag, als wir da waren, da jemand operiert worden war, die hat also nur mit den Augen gerollt, also sie fand sie einfach unvorstellbar, dass unter solchen Bedingungen da Menschen operiert werden können.
Und der Direktor hat uns dann auch nochmal erzählt, was in diesem Krankenhaus alles fehlt. Früher gab es ausreichend medizinische Ausrüstung, Medikamente und auch Gehälter für das Personal. Doch seit dem Sturz des alten Regimes ist all das weggebrochen. Heute fehlt es an allem. Unterstützung, Material, Hilfe von außen.
Die nötige medizinische Kompetenz ist vorhanden, aber ohne Unterstützung von Hilfsorganisationen können wir unsere Arbeit nicht leisten. Ja, ich glaube, er hat es relativ deutlich gemacht, so kann es nicht weitergehen und so wird es auch nicht funktionieren. So kann man die Menschen in Nordost-Syrien nicht versorgen.
Die haben auch das Problem, wirtschaftliche Situation ist schwierig. Im Krankenhaus werden allein jede Woche 50 Kinder mit Mangelernährungssymptomen eingeliefert. Und ja, schwierig, die ganze Situation. Auch für mich war das natürlich immer, also wenn man da unterwegs ist als Journalist und sich das anguckt, auch wenn man irgendwie viele Krisengebiete gesehen hat, ist es immer wieder finster zu sehen, vor welche Herausforderungen Leute dargestellt sind.
Das Friedensdorf hat dann eben, wie gesagt, beschlossen, vor Ort zu behandeln und Birgit Stifter hat nochmal eingeordnet, was sie jetzt konkret machen wollen. So konnten wir jetzt direkt vor Ort auch schon erreichen, dass zwei schwer- beziehungsweise auch schwerstverletzte Kinder direkt einer Behandlung zugeführt werden konnten.
Die beiden Kinder, von denen sie gerade gesprochen hat, das waren zwei Mädchen. Einmal eines, was gerade frisch verbrannt worden war, die hatte also ganz fürchterliche Verletzungen im Gesicht und in den Händen. Das Heftige war, dass dieses Kind statt normalen Verbänden so Wattebäusche im Gesicht hatte.
Die mussten also alle nochmal runtergemacht werden natürlich unter Vollnarkose. Das haben wir dann direkt am nächsten Tag machen lassen. Die Kleine sah wirklich ganz schlimm aus und das war wirklich ein bitterer Anblick. Die guckte da völlig verstört und ängstlich. Konnte natürlich auch wenig damit anfangen, dass so viele fremde Menschen um sie rumstanden, die in der fremden Sprache sprachen. Aber der Vater war auch komplett verzweifelt und wusste nicht, was zu tun ist.
Und hat das Friedensdorf eben beschlossen, dieses Kind am nächsten Tag zu operieren. Das andere Mädchen hatte schon eine Verbrennung irgendwie vor drei Jahren, massive Kontrakturen, also diese Verwachsungen in den Kniekehlen, konnte nicht richtig laufen, musste getragen werden. Und auf der anderen Seite hatte sie eine massive Infektion im Bein.
Und ihre Verwandten haben dann gesagt, der Großvater war mit und der Onkel, die sagten, naja gut, wir könnten uns einfach keine OP leisten, weil wir sind Landwirte und die Ernte ist in diesem Jahr ausgefallen und ist auch im vergangenen Jahr ausgefallen, kommt noch on top dazu in der Region, eine massive Dürre, klimawandelbedingt.
Und auch für dieses Mädchen hat dann das Friedensort beschlossen, dass am nächsten Tag eine Operation gemacht werden musste, weil diese Infektion möglicherweise auch dazu geführt hätte, dass das Kind stirbt. Die OPs sind, zumindest das ist das, was wir jetzt gehört haben, sind gut gelaufen. Den Kindern geht es vergleichsweise gut, oder was heißt gut, aber denen geht es auf jeden Fall besser. Und sie sind über den Berg.
Und jetzt müssen wir eben schauen, wie das in der Perspektive weitergeht. Ich werde das journalistisch weiter begleiten, die Arbeit des Friedensdorfes in Nordostsyrien. Ihr könnt natürlich auch die Arbeit dieser Hilfsorganisation unterstützen, indem ihr spendet. Und insgesamt glaube ich, dass es wichtig ist, auch weiterhin auf die Region zu schauen.
Die vor einer ungewissen Zukunft steht, nicht nur Nordostsyrien, sondern das gesamte Land Syrien. Es gab viel Hoffnung am Anfang, als Assad gestürzt ist, auch in Nordostsyrien bei den Kurdinnen und Kurden, die lange Jahre von Assad unterdrückt wurden. Diese Euphorie des Anfangs ist irgendwie so einer großen Unsicherheit gewichen.
Wie geht es jetzt weiter? Es gibt viele verschiedene militante Gruppen, die unterwegs sind. Warlords, noch keine einheitlichen Regierungsstrukturen. Es gibt noch keine wirkliche Sicherheit in dem Land. Die wirtschaftliche Situation ist eine Katastrophe. Ich glaube, es ist wichtig, nach Syrien zu gucken.
Und zwar auch wenn es nicht aus humanitären Gründen ist, aber schon aus egoistischen Gründen sollten wir das machen, denn ansonsten werden sich natürlich Leute auf den Weg machen aus dieser Region. Wer keine wirtschaftlichen Perspektiven hat, wer keine Sicherheitsperspektive hat, wer keine Perspektiven für die eigenen Kinder hat, der überlegt sich natürlich, das Land zu verlassen und schon aus diesem Grunde sollten wir, wenn wir hier keine weiteren gesellschaftlichen Friktionen haben wollen, schauen, dass wir in Syrien helfen, auf Syrien schauen und die Entwicklung da im Blick haben.
Wir werden das auf jeden Fall machen, auch in diesem Podcast. Ich werde sicherlich in diesem Jahr noch einmal nach Syrien fahren, um mir die Lage da vor Ort anzuschauen. Das war es aber jetzt erstmal für heute. Ich danke euch, dass ihr dabei wart. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister.
Er ist auch Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe und alle weiteren Folgen von Im Krisenmodus findet ihr auf Spotify, Apple Podcasts oder auf YouTube, wenn ihr uns folgen möchtet, gerne. Und wenn ihr Fragen habt oder Feedback geben wollt, dann schreibt uns an krisenmodus at funkemedien.de Die nächste Folge unseres Podcasts wird es in zwei Wochen geben.
Ich freue mich darauf. Danke, dass ihr dabei wart. Music.