Kaffeemacher Podcast· Folge 87

Wir trinken Koffein, ohne es zu verstehen

Freitag, 31. Juli 2026 · 37 min

MP3

Shownotes

Dr. Carolin Reichert, Zentrum für Chronobiologie Basel
Wir verkaufen immer mehr entkoffeinierten Kaffee, wir wissen, wie Koffein aus der Bohne gelangt, welche Rolle das Koffein als natürlichen Pflanzenschutz hat, aber wie genau Koffein selbst eigentlich funktioniert? Darüber wusste ich einfach noch viel zu wenig. Also habe ich mit jemandem gesprochen, die das seit fast zwanzig Jahren beruflich untersucht.

Carolin Reichert ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie forscht am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel zu Schlaf und der inneren Uhr, ihre Doktorarbeit hat sie zum Adenosin-System geschrieben, jenem System, das Koffein blockiert.

Ein paar Dinge aus dem Gespräch, die bei mir hängen geblieben sind:

Koffeinabhängigkeit lässt sich klinisch nicht diagnostizieren, die WHO hat das so festgehalten. Trotzdem gibt es einen echten Entzug, mit Kopfschmerzen und schlechter Stimmung. Das Gehirn passt sich an den täglichen Konsum an. Jede Nacht baut sich ab, was am Tag wieder aufgebaut wird. Ob dieser Zyklus über Jahre irgendeinen Effekt hat, weiss laut Reichert schlicht niemand.

Auch der beliebte Ratschlag, nach dem Aufwachen erst den Cortisol-Peak abklingen zu lassen, bevor man Kaffee trinkt: dafür findet sie in der Forschung keine Evidenz.

Über das Dopaminsystem sagt sie, dass wir wissen, dass Koffein dort wirkt, aber es genau es macht, ob es zur Abhängigkeit von anderen Substanzen beiträgt, wissen wir nicht. Ebenso dünn ist die Faktenlage beim Koffeinkonsum bei Kindern und Jugendlichen, z.B. durch Energydrinks.

Die European Food Safety Authority hat laut Reichert zu wenig Daten, um überhaupt eine Richtlinie für Energydrinks abzugeben.

Kaffee ist ein Kulturgut, sagt Reichert. Genau das führt dazu, dass wir eine psychoaktive Substanz trinken, ohne sie als solche wahrzunehmen.

0:00 / 0:00