Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 10

Bindung

Mittwoch, 28. Januar 2026 · 26 min

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Shownotes

– Was ist Bindung und wie entsteht sie?
– Warum die Bindungstheorie von Bowlby überholt ist
– Point of no return (was wenn ich es verkackt habe…)
– Wie kann ich Bindung reparieren?
– Alltags-Bindungs-Ideen

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Kinder sind doch Menschen. Kinder sind doch Menschen. Kinder sind doch Menschen. Ist doch sonnenklar. Wie gehörte war ein Schnipser am Ende? Boah, das hat's rausgehauen, oder? Hallo, ihr lieben Hörenden. Ich freue mich ganz doll, dass ihr wieder mit dabei seid diese Woche. Und wisst ihr was? Heute geht es mal um ein richtig großes, fundamentales Thema. Also im wortwörtlichen Sinne.

So richtig Fundament. Ja, es geht mal nicht darum, ob Barfußschuhe ja oder nein oder sollte ich eigentlich den Montessori-Regenbogen kaufen oder so. Ne, heute geht es mal um die, um die Basis, und zwar um Bindung. Und das ist so witzig, weil wir alle kennen dieses Wort. Also ich glaube sogar auch Menschen, die gar keine Kinder haben, so das ist einfach, das ist komplett common sense, dieses Bindung und Autonomie und so.

Ihr wisst, Wurzeln und Flügel hat auch schon Goethe gesagt. Oder Martin Buber, der Mensch wird am Du zum Ich. Also das zieht sich durch alles. Wir alle reden über das Thema Bindung und haben da auch manchmal auch Wissen drüber. Aber was ist denn Bindung eigentlich und wie entsteht das eigentlich? Also das ist total spannend und damit setzen wir uns heute mal auseinander.

Ich versuche das mal so ein bisschen zu fassen, was eigentlich Bindung ist, okay? Ich probiere es mal in meinen Worten. Ich würde mich total freuen, wenn ihr mir auch sagen würdet, was so eure Worte dafür wären. Versucht doch jetzt mal ganz kurz, So, ein, zwei Sätze für euch zu definieren. Was ist Bindung für euch?

Das fände ich super spannend. Teilt das doch gerne mal mit mir, entweder bei Kommentaren, bei Spotify zum Beispiel oder auf Instagram. Schickt mir eine Nachricht, das würde mich total freuen. Ich empfinde Bindung als eine Art inneres Sicherheitsgefühl, ja, also ein inneres Wissen, Da ist jemand, der für mich da ist. Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen zum Beispiel. Ich werde gesehen, auch wenn ich mich schwierig verhalte und ich darf mich anlehnen, wenn ich es brauche. Also Bindung ist für mich gar nicht so sehr ein konkretes Verhalten, sondern eher so eine Art inneres Arbeitsmodell. Vielleicht auch eine innere Landkarte. Das können wir doch nehmen als Bild. Also eine innere Landkarte, die

sagt, wie verlässlich sind Menschen, wie sicher ist die Welt für mich und was passiert, wenn es mir schlecht geht. Also, dass mein Nervensystem erfahren und gelernt hat, Stress kann runterfahren, wenn jemand da ist. Das vielleicht kann man sagen. Das ist Bindung. Also Bindung ist, auch wenn wir es jetzt ein bisschen fachlicher machen, ein biologisches Primärbedürfnis.

Wir und deswegen auch Kinder, Leute, es ist überraschend, weil Kinder sind auch Menschen. Kinder brauchen eine sichere Basis, um die Welt entdecken zu können, also um rauszugehen in die Welt und sich das zuzutrauen. Und ich weiß noch genau, als ich Mutter geworden bin, es ist ja schon fast 14 Jahre her, da ist in mir so dieses Bild entstanden, dass Bindung eine Art emotionales Sicherheitsband ist, ein unsichtbares Sicherheitsband aus Gummi.

Und als mein Kind geboren wurde, Da habe ich das richtig als Bild gesehen, so dieses Band von meinem Herz zu ihrem Herzen. Und das war am Anfang, weil dieses Gummiband, dieses Sicherheitsband, so lang wie die Nabelschnur, würde ich sagen. Und dann ist dieses Band eben aus Gummi und das heißt, es ist dehnbar. Und es ist belastbar.

Das heißt, dieses Kind, das am Anfang komplett auf meinem Körper gewohnt hat, hat irgendwann die ersten Schritte weggemacht und die ersten Meter und die ersten Kilometer. Und dann kamen solche große Sachen wie zum Beispiel auch die Kita-Eingewöhnung. Und das war bei uns nicht alles easy peasy. Das war eine ganz schön emotional anstrengende Zeit, diese Kita-Eingewöhnung.

Und da habe ich das gespürt, dieses Bindungsband. Und wisst ihr warum? Weil es hat gezogen. Ich habe richtig gespürt, als würde es mein Inneres rausreißen, dass an diesem Band mit Kraft gezogen wurde. Und das hat sich nicht gut angefühlt und mein Kind hat das auch gespürt. Und deswegen war das, glaube ich, eine harte Kiste, weil dieses Ziehen hatte mein Kind auch. Und ich finde, Dieses Gefühl, dass dieses Band aus Gummi ist, das kennen Eltern sehr, sehr gut, weil manchmal gibt es diesen Rebound-Effekt.

Wisst ihr, was ich meine? Also dieses Band, das schnallt so zurück. Und das Kind, das eigentlich schon total explorativ unterwegs war, das sucht plötzlich quasi wieder die Tür zurück in die Gebärmutter. Also ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Also dieses Band ist krass. Und ja, weiß ich nicht, vielleicht wird mein Kind später mal nach Australien gehen und dann hält es trotzdem, weil das so dehnbar ist.

Und ich weiß nicht, ob ihr was mit dem Bild anfangen könnt, aber für mich ist das so ein inneres Bild, das mir sehr gut tut und das diesem Wort Bindung so für mich ein Bild gibt. Ich weiß, die allermeisten von euch können so gebilsmühlenartig runterrattern. Bindung entsteht durch zugewandtes, verlässliches und schnelles Reagieren.

Irgendwie hat man das irgendwann mal so gelernt. Und Bowlby und so, da kommen wir ja noch zu. Ja, aber Leute, was ist denn jetzt, wenn das Baby warten muss? Was heißt denn schnelles Reagieren? Wenn ich gerade dabei bin, das große Kind zu wickeln und das Baby schreit, habe ich es jetzt verkackt? Direkt Bindung zerstört, oder was? Also ihr seht schon, Bindung entsteht nicht durch Perfektion. Ich wiederhole es nochmal, okay?

Weil es so wichtig ist, Leute. Und ich will das auch selber sagen, aber auch euch, okay? Wir jetzt gemeinsam, bitte. Wir sind so eine Selbsthilfegruppe. Bindung entsteht nicht durch Perfektion. sondern durch Beziehung und durch Wiederholung. Also Bindung ist gar kein einzelnes Ereignis, sondern entsteht jeden Tag durch hunderte einzelne Ereignisse.

Man könnte sich Bindung auch vorstellen wie dieses dicke Seemannstau. Wisst ihr, was ich meine? Also dieses Tau besteht ja aus vielen, vielen, vielen Fäden. Und ein gerissener Faden zerstört dieses Tau gar nicht, macht es nicht mal instabiler. Also viele, viele gerissene Fäden natürlich schon, ohne Reparatur, das ist klar.

Aber ein gerissener Faden, zwei, fünf, die machen nichts. Also, ja, wir brauchen Zugewandtheit, wir brauchen Feinfühligkeit, klar. Signale wahrnehmen, sie möglichst passend interpretieren, zugewandt reagieren und so weiter. Aber während ich das hier schon ausspreche, Leute, tun wir das immer? Können wir das immer? zugewandt und feinfühlig sofort reagieren, Signale wahrnehmen und passend interpretieren.

Also bitte, das ist ja gar nicht möglich, dass wir das immer können. Und wisst ihr was? Es ist auch gar nicht nötig. Denn aus der Bindungsforschung stammt die total wichtige Erkenntnis, ausreichend verlässlich reicht. Ja, nicht perfekt. ausreichend. So, und ich würde mal sagen, also das kriegen wir hin.

Aber jetzt schauen wir uns mal ein bisschen genauer das Thema Bindungstheorie an von Bowlby. Das ist wichtig, weil das ganz viele von euch kennen und man da ganz viel zu hört und liest, ja. Also das kennt ihr safe alle, es ist wirklich einfach mittlerweile auch komplett bei Social Media angekommen, in der Popkultur und so weiter. Und deswegen wollen wir uns das mal kurz zusammen anschauen. Also Bowlby hat in den 50er Jahren verschiedenste Bindungskategorien beobachtet.

Sicher gebundene Kinder, unsicher vermeidend, unsicher ambivalent und später noch desorganisiert. So und damals war seine Theorie revolutionär. Ja, also weil sozusagen, was dahinter steckte war, dass er gezeigt hat, Kinder brauchen Beziehung und nicht nur Versorgung. Es war also ganz bahnbrechend und wichtig. Aber jetzt haben wir ja schon wieder ein paar Jahrzehnte seitdem erlebt.

Und deswegen wissen wir mittlerweile, dass diese Einteilung in dieser Starrheit überholt ist. Wir können es nicht anders sagen. Also heutzutage wissen wir, dass Bindung dynamisch ist. Das bedeutet, sie verändert sich über die Zeit, über die Entwicklung, über verschiedenste Bindungserfahrungen und Beziehungserfahrungen, die wir machen.

Außerdem ist Bindung beziehungsspezifisch, also das Kind hat jetzt nicht einen Bindungstypen, ja, also aha, da ist Paula, Paula ist sicher gebunden, sondern Paula hat eine Bindungsbeziehung zu ihrem Vater, sie hat eine Bindungsbeziehung zu ihrer Mutter, eine Bindungsbeziehung zu ihrer Erzieherin, zu den Großeltern, zu den Geschwistern und so weiter. Also Bindung ist viel eher ein Kontinuum, könnte man vielleicht sagen, also keine starre feste Kategorie. Und diese Beziehungen, die bewegen sich halt auf diesem Kontinuum hin und her.

Und deswegen vermeide ich sehr diese Kategorisierung von Bowlby, sondern spreche viel eher von sowas wie Bindungsqualität oder Beziehungserfahrung und nicht von diesen festen Bindungstypen. Also, wenn ich es jetzt nochmal ein bisschen zusammenfassen würde, würde ich sagen, Bindung ist nichts, was man einmalig richtig oder falsch macht, sondern Bindung ist viel eher etwas, das immer wieder repariert und erneuert und auch gestärkt werden kann.

Und aus meiner Arbeit mit Eltern weiß ich, dass ganz häufig da aber ganz explizite Fragen kommen. Also ich sage mal so ein paar, die ich häufig höre. Zum Beispiel, mein Kind fremdelt hart. Sogar dem eigenen Vater gegenüber. Was ist denn da los? Ist das Kind bindungsverunsichert zum Beispiel? Oder aber das Gegenteil davon. Also laut meinem Entwicklungsbuch müsste das Kind jetzt in der Fremde-Phase sein, aber irgendwie passiert das gar nicht.

Mein Baby geht super gern auf den Arm von allen Leuten und lacht alle an und so. Ist das gar nicht sicher gebunden zu mir? Oder wenn dann die Kita-Eingewöhnung kommt. Ich habe mein Kind jetzt eingewöhnt, wir sind fertig mit der Eingewöhnung und mein Kind hat nicht geweint. Das ist irgendwie natürlich schön, aber auf der anderen Seite frage ich mich, hat es zu mir jetzt gar keine feste Bindung und hat deswegen nicht geweint? Oder hat es sich so massiv zusammengerissen und hat jetzt voll den Bindungs-Crash erhalten? Und auch da wieder, genau wie beim Trennen. auch andersrum. Also wir stecken jetzt mitten in der Eingewöhnung und das Kind weint jeden Tag.

Ich glaube, das ruiniert gerade komplett die Bindung. Ja und vielleicht fallen euch jetzt auch noch andere Beispiele dazu ein und andere Themen, die euch da bewegen und beschäftigen. Deswegen, um es nochmal klar zu sagen, also nicht entscheidend ist, ob dein Kind klammert oder fremdelt, ob dein Kind manchmal wütend ist oder ängstlich ist, ob es sich vielleicht auch zeitweise zurückzieht, ob es bei der Eingewöhnung weint oder nicht, sondern entscheidend ist, gibt es verlässliche Bezugspersonen?

Gibt es emotionale Erreichbarkeit? Und gibt es nach Streit oder Bruch Reparatur? Weil das ist ja der Punkt. Jetzt rede ich hier die ganze Zeit heiti-teiti über Bindung und wie schön das ist, füreinander da zu sein und so, aber jetzt gucken wir uns mal realistische Elternschaft an. Ich nenne das Kapitel mal Point of No Return. Also ich denke, ihr kennt das alle. Wir, wir Eltern, wir kennen es alle. Das ist diese Angst, die Bindung zerstört zu haben. Und ganz ehrlich, es geht ja schon los, ganz am Anfang, in der Schwangerschaft.

Da wird einem ja schon gesagt, von wegen es ist wichtig, dass du viel mit deinem Kind sprichst und Hand auf den Bauch legen und so. Und dann hast du vielleicht große Kinder und merkst, ach du scheiße, jetzt bin ich schon im achten Schwangerschaftsmonat. Ich habe ja noch gar nicht mit meinem Kind geredet und klassische Musik vorgespielt und so. Oder vielleicht hast du auch in der Schwangerschaft totalen Stress.

Und dann liest und hörst du ständig, Stress in der Schwangerschaft wirkt sich direkt negativ auf dein Baby und auf die Bindung auf und denkst, wow, schon bevor dieses Kind durch meine Vagina auf die Welt gekommen ist, habe ich es direkt verkackt. Cool. Und dann geht es weiter und du hast zum Beispiel einen Kaiserschnitt und dann denkst du dir, na gut, dann war es das ja mit der Bindung. Also bei Kaiserschnitt, das kann ja schon mal gar nichts werden. Oder es war vielleicht sogar Notkaiserschnitt oder da sind irgendwelche Komplikationen gewesen und es gab kein direktes Bonding nach der Geburt.

Und auch da, das ist etwas, das tragen Frauen mit sich. Viele, viele Jahre. Ich habe schon mit Frauen gesprochen, die waren 80, 90 Jahre alt, die haben bitterlich geweint, als sie über die Geburten ihrer Kinder gesprochen haben, dass dieses Baby nicht sofort bei ihnen war. Also da sieht man, wie massiv krass sich das anfühlt.

Und dann noch dazu eben dieses unglaublich große, schlimme Gewissen, schlechte Gewissen. Da habe ich es ja mit der Bindung direkt verkackt. Oder ich habe mein Baby beim Schreien mal nicht gehört, weil Babyphone vergessen anzustellen. Oder ich war gerade mit dem großen Geschwisterkind so beschäftigt und habe viel zu spät mitgekriegt, dass mein Baby schreit. Und dann liest du ja immer, aber Bindung entsteht doch dadurch, dass ich auf dieses Schreien sofort reagiere. Mein armes Baby.

Jetzt habe ich es verkackt. Das war es mit der Bindung. Oder mein Baby ist zwölf Monate alt und ich muss es jetzt schon in die Kita geben. Oder ich will es jetzt schon in die Kita geben. Zack, Bindung verkackt. Oder ich habe mein Baby gar nicht gestillt, zu kurz gestillt. Ja, Bindung verkackt, weil man weiß ja, beim Stillen wird Oxytocin ausgeschüttet, unser Bindungshormon. Also schon war es das.

Oder ich habe mein Kind heute angeschrien. Ich habe es angebrüllt. Ja. traumatisiert, zack! Oder heute den ganzen Tag, ich war zwar nicht laut, aber ich war den ganzen Tag abgefuckt und genervt. Oder heute beim Streit mit meinem Kind, da habe ich es ein bisschen zu doll angepackt, ein bisschen zu doll, ein bisschen zu doll mitgenommen oder ein bisschen zu stark in diesen Autositz reingequetscht, als ich es gemusst hätte.

Ich war emotional abwesend, weil es mir nicht gut ging und so weiter und so fort. Ihr seht, ich könnte eine halbe Stunde nur über solche Beispiele reden. Das ist realistische Elternschaft, das passiert. Und dann immer mit dieser Angst dazu, jetzt habe ich es verkackt. Das ist wie so eine Art Bindungsperfektionismus, den wir da erleben und auch beobachten können. Dieses, ich muss das doch richtig machen. Wie gesagt, es geht hier nicht um so Kleinigkeiten, wie ob die Zahnpasta jetzt Fluorid drin hat oder nicht, sondern es geht hier um das Fundament.

Und da ist dann unser Blick auf Bindung so, als wäre es ganz empfindliches Porzellan, das bei einem falschen Griff unwiederbringlich zerbricht. Also, okay, meine Güte, ich weiß auch gar nicht. Leute, ich hab heute einen Vergleichetag, merkt ihr? Erst war Bindung in Gummiband, dann war's, was war's? Seemannstau, jetzt ist es Porzellan. Weiß ich auch nicht, scheint heute mein Ding zu sein. Müssen wir zusammen durch.

Also, um es auch nochmal zu sagen, diese Angst vor der verkackten Bindung, die ist für mich übrigens gar nichts, worüber ich mich lustig mache oder so. Ich sehe da das dahinterliegende Verantwortungsgefühl. Also es ist ja gut, dass ihr intuitiv spürt, wie krass wichtig Beziehung und Bindung ist.

Und problematisch wird es aber, wenn aus Verantwortung Daueranspannung wird. Und Leute, ihr habt genug Anspannung und hohen Anspruch an euch. Okay, lasst uns das jetzt nicht auch noch auf das Thema ziehen. Und ja, ja, ich weiß, ich wiederhole mich. Äh no, aber es ist halt so wichtig. Bindung wird nicht durch ein einzelnes Ereignis definiert, weder verkackt noch sonst was, sondern eher durch Beziehungsmuster. Also über Zeit, ja.

So, aber ja, okay, Almut, jetzt sag's doch. Jetzt sag es doch. Was belastet Bindung denn jetzt ehrlich? Was ist es? Okay, ihr wollt's ja hören. Ihr wollt's hören? Ich Okay, drei Punkte. Chronische emotionale Unerreichbarkeit. Und damit meine ich nicht mal ein paar Tage. Dauerhafte Nichtreaktion.

Also ich meine nicht, ihr seid gerade konzentriert und reagiert kurz mal nicht, sondern eine dauerhafte Nichtreaktion. Und fehlende Reparatur. Und das ist jetzt nämlich genau das nächste Kapitel. Da kommt nämlich das Rupture and Repair Konzept ins Spiel. Das klingt schon mal super, oder? Rupture and Repair.

Also, wir gucken uns das mal an. Gesunde Beziehungen und Bindungen, die zeichnen sich halt nicht durch permanente und reine Harmonie aus, ja? Und glaubt mir, das muss ich mir auch ganz selber immer wieder sagen, ja? Also ich bin nämlich selbst ziemlich harmoniebedürftig, würde ich mal sagen. Also es zeichnet sich nicht durch eine reine Harmonie aus, sondern durch Reparaturfähigkeit. Also Repair oder Reparatur, was bedeutet das? Ich checke, da ist was schiefgelaufen. Ich übernehme Verantwortung.

Und ich gehe wieder in Beziehung. also es ist sowas wie ich war vorhin viel zu laut das war nicht okay es tut mir leid oder Oh man ey, Alter, ich war gerade so gestresst und total unaufmerksam, ich war gar nicht richtig da. Okay, entschuldige bitte, aber jetzt, jetzt bin ich da. Also das sind jetzt ja keine irgendwie mystisch schwierigen Sätze, sondern das, was halt die ganze Zeit passiert, wenn wir mit Menschen zusammen sind, ja. Reparierte Beziehung stärkt Bindung. Warum?

Weil mein Kind erleben darf, Konflikte sind nicht gefährlich. Nähe geht nicht verloren, wenn es schwierig wird. Und Gefühle dürfen sein. Und ja, auch bei euch. So, und jetzt drehen wir nämlich mal kurz den Podcast-Namen um. Hier, Kinder sind auch Menschen. Ja, aber wisst ihr was? Eltern sind auch Menschen. Und das bedeutet, ihr dürft auch genervt sein. Ihr dürft Sachen verkacken.

Ihr dürft Sachen mal nicht richtig machen. Ihr dürft unfair sein. Ihr dürft mal zu laut und zu grob werden. So ist es, wir sind halt Menschen, okay? Also, um es jetzt nochmal, um hier nochmal dieses Tau von vorhin anzugucken, das Seemannstau, okay? Das ist kein makelloses Instagram-Wollseidetau. Sondern Bindung ist ein Tau mit Knoten, mit Ausfransung und mit verflochten, verknotenen Stellen. Also reparieren ist kein Eingeständnis von Versagen. Es ist eigentlich viel eher so eine Art gelebte Beziehungskompetenz.

Also dieses Reparieren, von dem ich gesprochen habe, das ist keine Entschuldigung für Gewalt. Das ist mir nochmal total wichtig, weil ich habe jetzt gerade gedacht, als ich das ausgesprochen habe, dass ihr vielleicht auch da an Beziehungen unter Erwachsenen denkt. Wir wissen ja, dass es Menschen gibt, die leben in gewaltvollen Beziehungen. Und da passiert Gewalt.

Und dann sagt der Partner, der diese Gewalt gemacht hat danach, ja sorry, kommt nicht nochmal vor oder so. Und das stimmt ja aber nicht. Also deswegen möchte ich hier nochmal ganz kurz versuchen, das ein bisschen auseinander zu klappen. Also reparieren ist keine Entschuldigung für Gewalt, sondern die Haltung bezieht sich auf unvermeidbare Brüchen im Rahmen aber von einer ganz grundsätzlich sicheren Beziehung.

Das finde ich ist wahrscheinlich der Unterschied. Also in Beziehungen unter Erwachsenen, wo es missbräuchliches Verhalten gibt, da seht ihr zum Beispiel, ich habe ja eben gesagt, ich übernehme Verantwortung für mein Verhalten und genau das passiert dort oft nicht. Also ich sage nur solche Sätze wie, du hast mich ja provoziert oder So schlimm war das ja gar nicht.

Da wird relativiert. Es wird auch eine Schuldumkehr betrieben. So was gibt es nicht. Das ist kein Reparieren. Das ist nicht das Prinzip von Rupture and Repair, sondern das ist ein Machtgefälle. Und es gibt keinerlei Verantwortungsbewusstsein und auch keinerlei Verhaltensänderung. Also, okay, um noch mal in dem Bild zu sprechen.

Das ist ja heute mein Ding. So, das wievielte ist jetzt? Egal, wir nehmen das. Wir nehmen jetzt noch ein Bild dazu. Also, Bindung ist eher wie ein Weg, den man gemeinsam geht, okay? So, und ja, da stolpert man. Und dann richtet man sich wieder auf und dann schaut man, woran es lag. Und dann geht man in diesem neuen Bewusstsein bewusst weiter. Aber missbräuchliches Verhalten ist, man läuft auf diesem Weg und der andere stößt dich immer wieder ganz bewusst um. Und nennt es dann zwar ein Versehen, aber sagt halt zu dir als Person, ihr müsst halt besser hingucken. Und schubst dich dann wieder um.

Wisst ihr, was ich meine? Kann man mit dem Bild was anfangen? Weil nur weil es für mich funktioniert, heißt das nicht, dass es für euch funktioniert. Gut, könnt ihr ja mal sagen. Vielleicht fällt euch ja auch noch ein Bild ein. Du, wir machen hier die ganzen Bilder. Haut mal dazu, was euer Bindungsbild ist und so. Und jetzt komme ich noch zum letzten Kapitel, weil es mir ja auch wichtig ist, wirklich noch mal ganz konkret zu werden. Also wir haben jetzt wieder darüber gesprochen, was Bindung ist, warum wir keinen Bindungsperfektionismus brauchen, warum es um ausreichend geht. Aber jetzt geht es darum, wie kann ich denn dann Bindungsmomente schaffen.

Also jetzt mal so richtig Buddha bei die Fische. Wie kann ich denn jetzt proaktiv nochmal positive Beziehungs- und Bindungssituation schaffen? Und zwar ohne endlos große Zeitfenster zu haben, ohne perfekte pädagogische Sprache oder auch ohne permanente emotionale Hochverfügbarkeit. Weil nichts davon haben wir im realistischen Familienalltag die ganze Zeit zur Verfügung. Das ist ja einfach so.

So und Leute, das ist ehrlich gesagt kein Hexenwerk. Und soll ich mal was sagen? Ich wette, ihr macht das alle, was ich jetzt so aufziele. Also, es geht mit einem Basic los, das aber so wichtig ist. Zuhören! Ja, also, und ja, ich weiß, es gibt Kinder, die reden den ganzen Tag, das weiß ich. Und es geht mir jetzt nicht darum, dass ihr dann bitte den ganzen Tag zuhört.

Wie gesagt, es geht nicht um diese endlosen Zeitfenster und die permanente Verfügbarkeit. Sondern es geht darum, bewusst hinzuhören und zuzuhören. Was begeistert mein Kind gerade? Oder auch wenn mein Kind, auch wenn es größer ist zum Beispiel, von einem Problem erzählt. Nicht sofort sagen, ah ja, pass auf, da können wir Folgendes machen. nicht gleich in die Lösung gehen, sondern hinhören, zuhören, Rückfragen stellen.

Und es sind aber auch solche totalen, wie soll ich sagen, nebensächlichen Sachen, zum Beispiel Streicheln über den Rücken oder über den Kopf, so beim Vorbeigehen, wisst ihr? Oder so ein Zulächeln durch den Raum durch, kurz den Blick einfangen und anlächeln. Oder es kann auch euer Ins-Bett-Geh-Ritual sein. Und es ist auch etwas, was ihr jeden Tag leistet. I know, ich sehe das aus der Ferne. Es ist Co-Regulation.

Dass ihr sagt, mein Schatz ist gerade ganz schön viel, willst du auf den Arm? Oder bei einem größeren Kind von wegen, viel los hier gerade, ich merke. Willst du ein Buch holen und wir schauen uns das zusammen an? Mein großes Kind kann ich nicht fragen, willst du auf den Arm? Das schaffe ich nicht mehr. Aber ich kann trotzdem fragen, ob es von mir umarmt werden möchte zum Beispiel.

Bindung ist auch, du schaffst das. Das ist so ein schöner Satz. Also dem Kind auch in der Krise das Zutrauen, ja. Also zum Beispiel hatte ich ja vorhin angesprochen, das Thema Kita, wenn es da manchmal schwierig läuft, zu sagen, du schaffst das, du schaffst das, mein Schatz. Ich hole dich nach dem Mittagessen ab. Ja, also auch wenn mein Kind sich gerade eben schwer mit etwas tut, mit einem Übergang und so weiter. Dieses Zutrauen, ich traue dir das zu und ich bleibe auch verlässlich dabei, was ich sage.

Es ist das gemeinsame Lachen, Leute sich zusammen totlachen, das ist so gut. Es ist das Toben auf dem Bett. Es sind die Füße, die sich berühren, während man nebeneinander auf der Couch liegt. Es ist das zärtliche Haarecammen. Es ist das gemeinsame Meckern über Lehrer. Es ist, dass im Gleichschritt die Treppenstufen hochlaufen, wirst du das im gleichen Rhythmus, das liebe ich.

Es ist so ein Satz wie, zeig mir das nochmal, das ist so ein schöner Satz. Es ist ein Satz wie, ich bin stolz auf dich, darüber haben wir schon gesprochen in der Podcast-Folge. Das sind so, das sind Bindungsglimpse. Wisst ihr, was ich meine? Das ist nicht Perfektion. Es geht um viele kleine Glimpse.

Und das macht ihr. Das macht ihr jeden Tag. Und ich merke auch richtig, ey Leute, ich hätte auch gerade total Lust noch über hier generationsbindungsgestört zu reden. Also ich meine, ich bin ja Berlinerin und ihr wisst ja, Berlin ist ja weltweit bekannt für Situationships, jeder hat eine offene Beziehung und so.

Und da gibt es ja da auch oft Leute, die sagen, ja die Gen Z und so, die sind ja alle gar nicht mehr bindungsfähig, da hätte ich jetzt auch Bock drüber zu sprechen. Aber was soll ich sagen, also ich bin schon am Ende des Podcasts angekommen, das wird jetzt nichts mehr, aber vielleicht rede ich da so nochmal drüber.

Also Ja, ich weiß nicht, ob ihr jetzt einen kleinen Rundumblick auf das Thema Bindung bekommen habt. Schickt mir gerne nochmal zurück, was eure Gedanken sind, was eure Sorgen vielleicht auch sind. Schickt mir eure Bilder, eure innere Bilder zum Thema Bindung zu, das würde mich total freuen. Und um es jetzt wirklich auch einfach nochmal am Ende nochmal zu sagen, weil wir wissen, unser Gehirn lernt durch Wiederholung. Das ist bei Kindern so, das ist bei uns auch so, wisst ihr, weil Kinder sind auch Menschen.

Also Bindung bedeutet nicht, dass es keine Tränen gibt, sondern dass niemand mit seinen Tränen alleine gelassen wird. Okay? Okay. Bis nächste Woche.

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