Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 11

Wut

Mittwoch, 4. Februar 2026 · 26 min

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Shownotes

– Wofür ist Wut gut? Und was passiert im Gehirn?
– Die Wut der Eltern
– Was hilft gegen meine Wut?
– Die Wut der Kinder

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Gib mir ein K. K. Gib mir ein S. S. Gib mir ein A. A. Und dann auch noch ein M. Und das ist Xamm. Okay, die Abkürzung von Kinder sind auch Menschen klingt irgendwie bayerischer, als ich das gut finde. Nichts gegen Bayern jetzt hier an der Stelle. Nicht, dass es falsch rüberkommt. Aber gut. Naja, reicht als Intro, oder?

So, liebe Leute, heute spricht hier nicht zu euch Almut, sondern Al-Wut. Ach Mensch, das kann nur eine gute Podcast-Folge werden, wenn wir direkt mit so einem unglaublich guten Gag in die Folge starten. Ich kann es nicht anders sagen. Also es geht um Wut und ich starte gleich mal mit einem Zitat von einer Mutter, die ich gestern in der Einzelberatung hatte.

Ich habe sie natürlich gefragt, ob ich das sagen darf und zwar sagte sie, ich möchte so gerne weniger wütend sein. Und ich ahne, dass ein paar von euch, die jetzt hier gerade die Folge hören, dass die diesen Wunsch kennen. Und deswegen müssen wir ganz kurz erstmal damit anfangen. Ich checke das, ja, ich checke das.

Aber Wut ist erstmal einfach ein Gefühl. Und es ist genau so gut und nervig und so wie alle anderen Gefühle auch. Also es ist vor allem einfach erstmal neutral. Wut ist einfach erstmal ein Gefühl. Und Wut hat wie alle Gefühle übrigens auch seine Berechtigung. Denn Wut ist ein Schutzgefühl. Also Wut zeigt, na Moment, hier stimmt was nicht. Eine Grenze ist hier erreicht oder überschritten oder ein Bedürfnis wird übergangen oder oder oder ich bin überlastet. So, das zeigt Wut an.

Und ganz ehrlich, das ist ja schon sinnvoll. Außerdem mobilisiert Wut dann auch. Also Wut mobilisiert Energie, macht uns handlungsfähig, weil wir was verändern wollen. Und wenn wir zum Beispiel als Reaktion nur in Anführungszeichen zum Beispiel traurig werden, dann würden wir manchmal zum Beispiel einfach liegen bleiben. Ja, also einfach, weil die Energie und die Kraft fehlt. Aber Mut macht uns handlungsfähig. Wut sagt los, aufstehen.

Hier muss was anders werden. Und deswegen ist Wut ehrlich gesagt auch wichtig und gut. Okay, Moment, das war ein Reim. Gut. Warum nicht? Mal gucken, wie oft das heute noch vorkommt. Ich ahne Schlimmes. Also Wut ist wichtig und Wut ist auch immer schon wichtig gewesen. Also ist Wut auch gar nicht so richtig das Problem, denn Wut ist einfach erst mal nur Signal. Und das Problem ist dann höchstens, was wir mit diesem Signal machen.

Ja, aber dazu kommen wir später noch. Kennt ihr übrigens so Menschen, die nie wütend werden, die immer so woosa-mäßig in sich ruhen, die nie Schimpfwörter benutzen und so. Ganz ehrlich, das wirkt doch direkt suspekt. Ich frag mich dann immer, was versteckst du? Was ist das? Knirscht du wenigstens mit den Zähnen?

Und ich muss da immer an eine Streit-Situation denken. Und zwar von einem befreundeten Pärchen. Hey, falls ihr zuhört. Ich glaube, es ist okay, wenn ich das erzähle. Das habe ich jetzt nicht erfragt. Egal. Leute, das könnte jedes Pärchen sein, okay? Vielleicht denke ich es mir auch aus. Also, ich war live dabei, als dieses Paar sich gestritten hat.

Und ja, ja, das ist genauso unangenehm, wie ihr euch das gerade vorstellt. So, ihr müsst euch jetzt vorstellen, Partnerperson 1 war crazy aufgebracht. Also, laute Stimme, viel Mimik, viel Gestik. Vielleicht auch so ein, zwei Spucketröpfchen, die so durch die Luft flogen, okay? So eine richtig schön deutlich sichtbare Ader an der Stirn und so weiter.

So, und gegenüber war Partnerperson 2. Ganz ruhig. Viel so... Säufzend. So, und Partner Person 2 versuchte immer wieder zu sagen, ja, okay, verstehe ich, aber... Oder sowas wie, ja, gut, wenn du meinst, dann können... Oder, können wir nicht in Ruhe darüber sprechen? Sowas. Und irgendwann hat Partner Person 1, also die Person, die vor Wut überschäumt da rumstand, irgendwann hat die so inne gehalten und dann wurden die Augen noch enger. Und dann sagte diese Person, dass du so fucking ruhig und ausgeglichen bist.

Fuckt mich ab. Das ist so gut. Ja, Leute, eben. Also ohne Wut ist halt manchmal auch irgendwie komisch. Ihr checkt, was ich meine. So ist jetzt irgendwie auch ein bisschen komisch zu sagen von wegen, hey, Wut, irgendwie toll und so. Also ich will jetzt nicht Wut so schön reden, weil, müssen wir natürlich auch sagen, Wut ist auch einfach ein Stresszustand, ja? Also der Körper schaltet auf Alarm. Puls hoch, Muskeln werden angespannt, Stimme wird lauter, Blick wird enger und so weiter.

So, und in diesem Zustand Können wir nicht gut planen, wir können nicht so flexibel denken wie sonst. Und wir können auch, und das ist so ein Punkt, weniger empathisch sein. Und vielleicht habt ihr gerade gemerkt, welches Verb ich benutzt habe. Ich habe gesagt können. Nicht wir wollen nicht, sondern wir können nicht. Also wir können Dinge wie Empathie dann weniger gut empfinden.

Das ist also keine Charakterfrage, sondern eine Zustandsfrage. Oder anders gesagt, wenn unser Nervensystem auf Alarm ist, dann wird aus Denken schnell reagieren. Und warum? Weil unser Gehirn leider nicht so richtig gut unterscheiden kann zwischen angebrachter Panik, weil hier was brennt oder der Säbelzahntiger uns angreift oder so.

Oder Wut, weil mein Kind schon wieder mein scheiß liebevoll gekochtes Essen, das letzte Woche noch sein Lieblingsessen war, verweigert. Oder weil ich schon wieder an diesen Mathe-Hausaufgaben sitze und ich nicht checke, wieso wir da nicht weiterkommen. Also das Gehirn kann man nicht so gut differenzieren, leider. Und in diesen beiden Fällen übernimmt in unserem Gehirn die Amygdala.

Habt ihr bestimmt alle schon mal gehört. Ich versuche jetzt mal ein bisschen runterzubrechen. Also wir haben ja gerade schon gesagt, neurobiologisch ist Wut ein Alarmzustand. Und die Amygdala übernimmt in diesen Alarmzuständen. Und das Übernehmen heißt, das habt ihr auch schon mal alle gehört, die drei Fs.

Fight, flight oder freeze. So, jetzt hier, wir sind ja Eltern. Wir sind in einem Safe Space hier, Leute. Wir Eltern unter uns. Flight, also fliehen. Flight klingt doch ehrlich gesagt manchmal nach einer ganz schön guten Lösung, oder? Leute! One-Way-Ticket nach Bali! Für uns ganz alleine! Tschaui!

So, ihr seht, Flight ist oft eben nicht so richtig machbar mit Kindern, aber Fight eben schon. Also es entsteht Wut. Starke Wut, ja? Und unser Körper macht sich fürs Fight bereit. Oh, da war schon wieder ein Reim. Okay, also die Amygdala ist ready. Sie erhöht den Herzschlag, steigert den Muskeltonus und so weiter, habe ich ja gerade schon gesagt.

Und gleichzeitig, und das ist das Problem, wird nämlich der denkende Teil unseres Gehirns leiser. Also Empathie. Abwägen, Differenzieren, Ich-Botschaften, Ruhiges Erklären, Perspektivübernahme und so weiter. Das sitzt alles vor allem im präfrontalen Cortex. Und das ist aber genau dieser Teil, der in all diesen klugen Büchern so steht und was uns die ganzen klugen Pädagogen immer so sagen, was wir machen sollen.

Ich-Botschaften und so, Verbalisieren, bla bla bla. Aber wie denn, wenn unser Gehirn im biologischen Alarmzustand ist? Wie denn? So, das Teil des Gehirns, den wir dann dafür brauchen, der ist halt gar nicht so richtig da. Also ihr seht schon, ja? Wut ist kein moralisches Versagen, sondern erstmal einfach ein Zustand unseres Nervensystems.

So. Und jetzt denkt ihr wahrscheinlich, alles klar, wir reden jetzt vor allem eine halbe Stunde über wütende Kinder. Weil Kinder sind oft wütend. Die liegen schreiend im Supermarkt auf dem Boden, weil sie diesen scheiß Schokoriegel haben wollen und so weiter. Aber nein, nein, nicht doch. Kommt, ihr kennt mich doch jetzt schon seit elf Folgen. Wir reden natürlich vor allem erstmal über Erwachsenen. Über diesen Erwachsenen, der neben diesem schreienden, wütenden Kind steht.

Ja, dem die Blicke der anderen Leute und unglaublich unangenehm sind und dem außerdem viel zu heiß ist gerade hier im Supermarkt und der doch einfach nur ganz schnell noch nach der Kita was für das Abendbrot holen wollte und in dessen Kopf so eine Stimme ganz leise und fies flüstert, das hast du jetzt von deiner bedürfnisorientierten Erziehung.

Ein Kind das sich nicht benehmen kann, ein Kind das dich blamiert. Und dann greifen wir dieses Kind viel zu doll am Arm und wir zischen dem Kind irgendwie sowas zu wie, du hörst dich jetzt auf, ich kann dich echt nirgendwo mit hinnehmen, es ist so heftig mit dir, immer rastet du aus, wegen so bescheuerten Kleinigkeiten. Weißt du, wir streichen Süßigkeiten jetzt einfach komplett, das hast du jetzt davon. Sowas.

So, und Leute, wir kennen das alle, okay? Elterliche Wut ist kein Zeichen von Lieblosigkeit, sondern eher von Überforderung. Und auch ehrlich gesagt ganz oft aus einem viel zu lang anhaltenden Dauerstresszustand. Das muss ich euch gar nicht erklären, weil ihr seid Eltern. Ihr wisst, Elternschaft bedeutet, Stress und Dauerregulation, und zwar Regulation von mir selbst und meinem Kind. Cool.

Und ich bin ja auch als Mutter einfach die ganze Zeit verantwortlich und ansprechbar. Und wenn ich dann selber überreizt oder überstimuliert bin, so als Grundzustand, dann reicht halt wirklich eine kleine Situation, um mich zum Ausprassen zu bringen. Ist ja völlig klar. Und ja, ja, ja, ja, ich höre schon, was ihr sagt.

Euch fallen allen jetzt Eltern ein, denen das gefühlt nicht so geht, die irgendwie nicht so aufbrausend sind, nicht so wütend und so weiter. Dazu kurz zwei Sachen. Erstens, nur weil Wut nicht nach außen laut sichtbar ist, heißt das nicht, dass sie nicht da ist. Und man kann übrigens auch sehr leise gewaltvoll sein.

Und zweitens hängt das logischerweise natürlich auch mit unseren Charaktermelodien zusammen, wie alles, also mit unserem eigenen Temperament, wie stark wir überhaupt Gefühle fühlen und auch wie wir sie ausdrücken und so weiter. Also auch da bitte keine Vergleichen. Und um es auch nochmal zu sagen, Wut entsteht wirklich nicht aus einer Nichtigkeit. Wut entsteht aus Wiederholung, Erschöpfung, Ohnmacht. Entsteht durch permanentes Unterbrochenwerden. Von Lärm, Chaos, Berührung ohne Pause. Ich sag nur overtouched, ne?

Ihr kennt das. Es entsteht vom Nichtgehörtwerden, von fehlenden Unterstützungssystemen, von widersprüchlichen Erwartungen, weil ich will ja so und so eine Mutter oder so und so ein Vater sein, aber ich scheitere täglich daran. Wut entsteht dadurch, dass eigene Grenzen ständig überschritten werden.

Also ganz ehrlich, es gibt jeden Tag so viele Gründe, um wütend zu sein als Eltern, wenn die Einschlafbegleitung einfach mal wieder so unendlich lang dauert und ich von Sekunde zu Sekunde weiß, meine einzige Pause am Tag schmilzt gerade weg. Einfach so. Oder wie ich vorhin schon gesagt habe, wenn ich neben den Hausaufgaben sitze und das Gehirn meines Kindes einfach nicht checke und ich außerdem dann auch noch so wütend bin, weil ich ja weiß, dass Hausaufgaben auch unsinnig sind und abgeschafft gehören.

Wer sich da nicht sicher ist, hört übrigens gerne noch mal meine Podcast-Folge zum Thema Schule. Oder wenn ich wieder und wieder und wieder die gleichen Geschwisterkonflikte begleiten muss und eigentlich will ich meine Kinder nur anbrüllen, sie sollen sich bitte einfach mal lieb haben. Also ehrlich, I feel you.

Es ist als Eltern einfach so viel. Und es ist dann einfach auch oft zu viel. Und ich muss diesen kleinen Schlenker kurz bringen. Weil weibliche Wut ist kulturell noch stärker sanktioniert als männliche. Weil Männer, die wütend sind, irgendwie normal auch und so, Testosteron. Und Männer, die wütend sind, sind ja auch so durchsetzungsfähig und durchsetzungsstark.

Also Wut steht Männern irgendwie gut. Aber Frauen, naja, also wütende Frauen, die gelten dann als übergriffig oder hysterisch, unkontrolliert, zickig. Echt, das ist ein Diss-Wort, liebe Leute. Diss macht mich wütend. Also klar, bei Frauen sollen ja geduldig sein und verbindend und emotional regulierend.

Aber gleichzeitig ist da das Problem, dass Mütter häufig den größten Anteil haben am Mental Load. Die Hauptwortung tragen für emotionale Arbeit. Deswegen sind Mütter jetzt nicht auffällig wütend, sondern sie sind vor allem sehr lange viel zu angepasst gewesen, ja. Und wenn ein Gefühl über Jahre keinen Platz hat, so, dann würde euch nicht überraschen, dann nimmt sich das dann irgendwann den Platz und zwar mit Wucht, so.

Und vielleicht fragt ihr euch auch, aber warum kann ich mich denn auf der Arbeit zusammenreißen? Ja, ich schaff's doch woanders auch oder Freunden gegenüber und so und zu Hause flau mich dann mein Kind ein. Ja, das ist eigentlich erst mal ein gutes Zeichen, weil Kinder sind halt der Ort, an dem wir uns sicher fühlen.

Also jetzt nicht sicher im moralischen Sinne, sondern im bindungslogischen Sinne. Also unser Nervensystem weiß, das Kind geht nicht weg, die Beziehung hält, auch wenn ich mich arschig verhalte. Und genau deswegen entlädt sich da halt auch oft so diese ganze angestaute Spannung, die wir über den ganzen Tag so gesammelt haben.

Und das ist übrigens andersrum genauso. Also dein Kind kooperiert in der Kita oder in der Schule und ist da das Vorzeigekind und schluckt das alles oder so oder bei Oma. Und bei dir zu Hause rastet dein Kind aus. Und das ist nicht ein Zeichen dafür, dass du mehr Härte zeigen müsstest, dass du mal ordentlicher ziehen solltest oder dass du zu wenig Grenzen gesetzt hast.

Nein, es ist ein Zeichen dafür, dass dein Kind sich bei dir sicher fühlt. Dein Kind weiß, ich werde geliebt, auch wenn ich mich so und so verhalte und zeige. Das ist doch Gold wert, oder? Aber jetzt hier Elternwut nochmal, ja? Also ihr, ihr Eltern, ja? Wir, wir dürfen unsere Wut ernst nehmen. Wut braucht erst mal Anerkennung, nicht Rechtfertigung. Das finde ich einen ganz wichtigen Punkt. Und gleichzeitig ist völlig klar, dass wir natürlich die Verantwortung für unser Verhalten haben. Aber Schuldgefühle helfen nicht.

Reflexion aber schon. So, da starten wir doch mal rein, oder? Nehmen wir doch mal das Wort Reflexion, schauen wir es uns doch mal an. Also was hilft gegen meine Wut, ja? Also Reflexion, denn je früher ich meine Wut bemerke, desto besser kann ich sie regulieren. Also es ist ja so, wir merken unsere Wut ehrlich gesagt oft viel zu spät erst.

Also wenn es laut wird oder wenn ich merke, wie Scham kommt und so. Aber eigentlich waren die körperlichen Signale oft schon vorher da. Ihr könnt ja einfach mal ausprobieren, eure Frühwarnsignale zu erkennen. Also sowas wie innere Unruhe und Anspannung oder Enge im Brustkorb, gereizte Stimme. Oder auch vielleicht einfach solche Gedanken wie schon wieder oder ich kann nicht mehr oder schwitzige Hände.

Bei manchen ist es auch der Kiefer, der so fest wird oder Kopfschmerzen. Also Wut ist nicht plötzlich groß, sondern sie kündigt sich eigentlich an. Und das hatten wir ja eben schon besprochen. Unser Nervensystem ist halt überreizt. Lärm, Berührung, Chaos, Unterbrechung, das sind halt massive Stressoren. Und übrigens da auch, um es nochmal anzusprechen, besonders auch bei Neurodivergenten-Eltern. Also wenn man Neurodivergent ist, ist das Nervensystem ja eh schon angespannter.

Die Reizfilter, die wir haben, die sind viel löchtriger und die Emotionsregulation ist noch weniger da. Und deswegen auch da, schützt euch. Zum Beispiel raus aus dem Raum oder neues Cancelling auf die Ohren oder trinkt kurz euer liebstes Spaßgetränk, macht klare Pausenansagen oder nutzt auch ganz bewusst gesetzte Reize, zum Beispiel von denen ihr wisst, dass euch die gut tun oder so. Oder auch, finde ich auch eine sehr gute Idee, nutzt mal ein passendes Ventil.

Also schreibt mal so eine richtig harte Nachricht an eure Partnerperson oder haut mal so eine Sprachnachricht an eure engste Freundin raus, wo ihr euch so ungefiltert auskotzen könnt. Das tut total gut, ja. Okay, aber wir wollten ja Reflektionen. Also es geht um das Thema Reflektionen als Prophylaxe.

Gerade hatten wir das Thema Einchecken in den Körper. Und ich weiß, dass viele Eltern und ja auch da wieder besonders Mütter versuchen, Wut durch noch mehr Selbstkontrolle zu lösen. Glaubt mir, ich kenne das. Das Problem ist aber, das hält nicht. Und deswegen, prophylaktisch ist total sinnvoll, fragt euch, wo trage ich zu viel allein?

Wo brauche ich Entlastung? Was ist strukturell zu viel? Nicht nur persönlich, sondern auch strukturell. Also nicht jede Wut ist ein inneres Thema, sondern manche sind auch ein Organisationsproblem. Und als letzter Punkt, nicht alles personalisieren, was ihr da erlebt von euren Kindern. Weil die Wut, die wir spüren, entsteht oft aus inneren Glaubenssätzen und Bewertungen.

Sowas wie, er macht das absichtlich oder sie hört nie oder ich werde hier gar nicht respektiert oder ich bin allen egal oder mit mir kann man es ja machen. Und diese inneren Bewertungen, die befeuern die Wut massiv und wenn wir Verhalten personalisieren, dann steigt halt die emotionale Ladung noch mehr an.

Und ich weiß, dass es ganz schwierig ist, solche Sätze zu streichen, aber wisst ihr, was wir machen können? Wir können Sätze dagegen setzen, also so eine Art inneres Mantra, so was wie mein Kind verhält sich nicht gegen mich, sondern für sich oder sowas. Also da müsst ihr natürlich was finden, was bei euch gut funktioniert und in euch irgendwie resoniert. Aber das wäre ja keine Runde Podcast-Folge, wenn wir uns nicht doch auch noch das Thema kindliche Wut angucken. Und ich habe ja eben schon erzählt, warum es ganz logisch ist, dass Erwachsene viel wütend sind, wenn man auf unseren Tag guckt, wenn man auf Elternschaft guckt, das gibt schon einiges her.

Und ich habe jetzt gar nicht all diese politischen und gesellschaftlichen Themen genannt, die uns auch alle wütend machen können, sobald wir aufs Handy gucken und da so lesen, was in der Welt passiert. Aber bei Kindern ist es ganz ähnlich, völlig unabhängig von Nachrichten aus der Welt. Also Kinder erleben permanent Frust.

Sie wollen was, aber sie können es noch nicht. Sie fühlen viel, aber haben wenig Worte dafür. Sie haben insgesamt einfach wenig Kontrolle und wenig Einfluss. Da haben wir wieder das Thema Autonomie versus Abhängigkeit. Grenzen von außen, die kommen. Müdigkeit, Hunger, ihr wisst, hangry, schlimmster Zustand der Welt. Auch hier Reizüberflutung, Übergänge. Da mache ich, glaube ich, auch meine eigene Podcast-Folge für. Fehlende Vorhersehbarkeit.

Kinder sind nicht wütend, weil sie schwierig sind. Sie sind nicht wütend, weil sie verzogen wurden, sondern sie sind wütend, weil Entwicklung frustrierend ist. Und das, finde ich, ist ein ganz zentraler Perspektivwechsel. Wut zeigt, dass ein Kind sich als eigenes Wesen erlebt. Und es gehört halt ganz normal zur Autonomieentwicklung dazu.

Und das ist gut. Also ein Kind, das nie wütend ist, wäre aus entwicklungspsychologischer Sicht eher auffällig als angenehm. Also ich weiß, dass viele von euch diesen Satz im Kopf haben, der immer wieder verunsichert. Deswegen sage ich es jetzt noch mal ganz klar. Wut bedeutet nicht, dass Grenzen fehlen. Wut bedeutet, dass Grenzen erlebt werden. Und ja, manchmal können wir die Auslöser dafür nicht verstehen. Also ein falsch geschnittenes Toastbrot oder Dass man den Mond nicht anfassen kann, habe ich wohl erlebt hier wohl. Oder auch bei größeren Kindern.

Es wurde ja auch genauso groß das Thema. Warum dürfen alle Roblox haben und ich nicht? Und als Kind gegen diese elterliche Wand zu laufen, ist unendlich frustrierend und gemein und unfair. Ja und deswegen klar, so da entsteht Wut. Und ihr erinnert euch ja, dass ich im ersten Teil über die Amygdala gesprochen habe, als Teil des Gehirns.

Und über den Kontrollteil des Gehirns, den präfrontalen Kortex. So Kinder haben noch keinen ausgereiften präfrontalen Kortex. Das ist nämlich erst mit ungefähr 25 Jahren überhaupt der Fall. Ja Leute, 25 Jahre, nicht Monate, Jahre. Also das bedeutet für Kinder ist es noch stärker so, dass die Impulskontrolle begrenzt ist, dass die Gefühle schneller kommen und heftiger kommen.

Und dass sie weniger Eigenregulation haben, das heißt auch mehr Regulation von außen. angewiesen sind. Und Kinder können ihre Wut halt noch nicht so gut steuern. Und das ist auch im Grundschulalter noch so. Also nicht, dass ihr jetzt denkt, ja gut, ein zweijähriges Kind, klar. Nee, nee, nee. Wie gesagt, der Präfrontale Cortex ist erst mit 25 Jahren ausgereift. Also, Kinder lernen das in Beziehungen und nicht durch Bestrafung oder Beschämung oder den Appell, sich halt mal zusammenzureißen.

Und das ist eben genauso, auch bei kindlicher Wut natürlich. Die Amygdala feuert. Ihr erinnert euch? Fight, flight oder freeze. Also das Nervensystem deines Kindes ist im Alarmzustand, genauso wie bei uns. Ha, guckt mal, Kinder sind auch Menschen, ist ja verrückt. So, und dann kommen wir auf diesen Alarmzustand und sagen, Ja, ich verstehe voll, dass du wütend bist.

Guck mal, das Paw Patrol Kuscheltier, das sieht wirklich auch total schön aus. Ich weiß. Aber weißt du, wir haben ja zu Hause ganz viele Kuscheltiere. Also ich glaube, Chase hast du sogar schon viel mal im Kopf. Weißt du, guck mal, wir gehen jetzt zusammen nach Hause und dann spielen wir mit den Kuscheltieren.

Das ist ja eine gute Idee. So, aber glaubt ihr, diese Sätze kann ein Gehirn im Stresszustand verarbeiten? Ja, also wenn dein Gehirn im Panikmodus ist, dann kommt in dem Gehirn ungefähr so viel an wie Hör mal zu, mein Schatz, man nehme 250 Gramm Mehl und dazu eine Prise Salz. Also wirklich, das wäre same, same.

Wenn euer Kind in einer starken Wut steckt, dann können die nicht logisch zuhören. Die können nicht ihr Verhalten reflektieren und Einsicht zeigen oder, keine Ahnung, Logik und Konsequenzen bedenken oder sowas. Also Erklärungen wirken im Akutmoment nicht. Ein Kind braucht in Wut vor allem Regulation und nicht Argumente. Okay, da haben wir wieder dieses Wort Regulation. Klar, kein Problem, aber wie sieht das denn aus? Bei starker Wut ist insgesamt erstmal sinnvoll, weniger oder gar nicht reden, sondern da sein, da bleiben. Die meisten Kinder wollen übrigens auch gar nicht angefasst werden.

Und dann geht es um die Königsdisziplin, annehmen und aushalten. zu signalisieren und zu zeigen, ich bin da. Ich halte dich aus, bis du dich wieder selber halten kannst. Was heißt das konkret? Achtet auf euch selber, checkt kurz in euren Körper ein. Sind Kiefer und Hände locker? Ist meine Atmung tief und ruhig? Kann ich irgendwie Anspannung und Energie aus meinem Körper rausnehmen?

Kann ich meinen Körper weich machen? Dabei, so kann ich nämlich dem alarmierten Gehirn meines Kindes spiegeln. Du bist in Sicherheit. Also lieber Präsenz statt Diskussion. Und wenn dann diese Gefühlswelle so ein bisschen abflacht, wenn das ein bisschen runtergeht und das Gehirn dann nicht mehr so doll im Panikmodus ist, dann können wir reden.

Wir können dann Vorschläge machen, wir können Gefühle verbalisieren, das ist total wichtig. Wir können eine Umarmung anbieten und so weiter. Aber meistens, wenn die Welle wirklich ganz oben ist, da hilft das dann alles nicht. Aber das sind jetzt ja alles Themen gewesen von wegen reaktiv, also was kann ich machen, wenn wir mittendrin stecken.

Mir ist es wichtig, jetzt am Ende auch nochmal zu sagen, was können wir proaktiv tun. Also nicht in der Wutsituation selber, sondern so im Alltag, ganz nebenbei. Und da können wir nämlich zum Beispiel über Gefühle sprechen. Es ist so simpel, aber es ist so wichtig. Welche Gefühle gibt es überhaupt?

Welche Worte haben wir dafür? Wofür sind die Gefühle überhaupt da? Ihr könntet euch zum Beispiel auch gegenseitig Gefühle vorspielen und der andere rät. Das ist super witzig. Also wie sieht denn mein Gesicht aus und mein Körper bei Angst, Freude, Aufregung, Müdigkeit und auch bei Wut? Also das auch lesen lernen, das lernen Kinder ja auch erst selber.

Und auch wirklich gemeinsam besprechen, was hilft bei Wut. Und dann probiert zusammen aus. Ist es der Klassiker in den Kissen schreien oder ein Wutbild malen und zerreißen oder verbrennen oder stampfen oder mit einem Kissen auf dem Bett einschlagen oder so die Hände gegeneinander halten und versuchen sich wegzuschieben oder vielleicht hilft auch die Hand auf dem Brust auf die Brust zu legen und zu atmen oder lauter Musik anmachen und tanzen ja also findet es zusammen heraus und auch das ist nicht nur für Kinder im Kita-Alter ja auch bei größeren Kindern ist es so wichtig und da kann man nämlich dann je nachdem wie groß die Kinder sind auch einfach noch mal darüber sprechen und sagen was wünschst du dir von

mir wenn du so wütend bist hast du eine Idee Soll ich dich in Ruhe lassen? Aber da ist ja Scham auch ein wichtiges Thema. Oder soll ich mit dir fluchen? Was brauchst du? Und da können die meisten Kinder irgendwas zu sagen. Also auch da, auch bei großen Kindern. Findet es gemeinsam heraus. Und dann schreibt mir natürlich auch gerne, damit ich es mit euch zusammen herausfinden kann, schreibt mir auf Spotify zum Beispiel in die Kommentare, was hilft euch selber oder euren Kindern bei Wut. Und so können wir uns dann auch gegenseitig inspirieren, weil manchmal kommt man auch gar nicht auf Ideen, wo man dann von jemand anderem hört und denkt, na klar, dass ich dann nicht selber drauf gekommen bin.

Das war ein aufregendes Thema. Meine Wangen sind ganz rot. Ihr könnt es nicht sehen, aber ich fühle es. So, und wisst ihr was, wie ihr mir Wut nehmen könnt? Also zum Beispiel, wenn ich nämlich sehe, dass ihr meinen Podcast bewertet mit fünf Sternen. Wow, das war wirklich die schlechteste Überleitung der Welt. Meine Leute, ich muss euch das nicht sagen. Ihr wisst, wie der Hase läuft.

Es ist offensichtlich wichtig in der Podcast-Welt, dass man abonniert. Und dass man Sterne da lasst und das haben schon ganz viele von euch gemacht, ohne dass ich darum gebeten habe und es macht mich ganz ganz doll dankbar. Und das hilft, so es hilft, dass es mehr ausgespielt wird und deswegen freue ich mich ganz doll, wenn ihr das machen würdet. So genau, also seid nicht so streng zu euch, okay, Scham hilft da nicht.

Wir gucken uns das Thema Wut entspannt an, entspannt. Atmen, haben wir schon gesagt, Atmen hilft, ist doch gar kein Problem eigentlich, warum ist es für uns so schwierig. Okay, wir hören uns nächste Woche wieder. Ich freu mich, wenn ihr dabei seid.

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