Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 10

Nachgehört: Bindung

Sonntag, 1. Februar 2026 · 11 min

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Shownotes

Wenn Väter vom Kind abgelehnt werden. Wie können Mütter die Bindung zwischen Kind und Vater stärken?

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Wie kann ich die Bindung zwischen meinem Kind und meinem Mann fördern? Diese Frage, Leute, das war das, was die meisten von euch bewegt hat, als Nachfrage zur Mittwochsfolge. In der Mittwochsfolge ging es, Überraschung, um das Thema Bindung. Und es wird euch auch nicht überraschen, die meisten meiner hörenden Menschen sind Mütter. Und die meisten von denen offensichtlich heterosexuell und leben in Beziehung mit Männern.

Und diese Väter sind oftmals nicht die primäre Bindungsperson des Kindes. Und deswegen gucken wir uns das jetzt mal an. Das heißt, liebe Väter, wenn ihr hier zuhört, hey, heute geht es um euch. Das ist doch eine super Botschaft, oder? Vielleicht habt ihr diese Folge auch zugeschickt bekommen von eurer Partnerin. Seht das nicht als Kritik, okay?

Weil alles, was eine Brücke ist, ein Handreichen, eine Einladung zum Gespräch, zur Diskussion, zum drüber nachdenken, zum reinfühlen, das ist gut. Okay? Es ist gut, wenn wir miteinander in Kontakt kommen. Deswegen, das ist keine Kritik, sondern eine Einladung. Und Einladungen mögen wir, würde ich sagen.

Okay, wir schauen uns das mal an. Erstmal möchte ich auf diesen ganz genauen Satz eingehen, den ich so oft zugeschickt bekommen habe. Und zwar, wie kann ich die Bindung zwischen meinem Kind und meinem Mann oder zwischen dem Kind und dem Vater fördern, stärken? Okay Leute, jetzt hier kurz an die Mütter, an die primären Bindungspersonen, die mir geschrieben haben. Bindung ist keine delegierbare Leistung. Es tut mir total leid, ich muss es auch mal sagen. Bindung ist keine Dienstleistung der Mutter. Bindung entsteht zwischen zwei konkreten Menschen. Ja, ich habe am Mittwoch erzählt, was genau Bindung ist und wie das entsteht.

Ja, es entsteht durch wiederholte Erfahrungen von Feinfühligkeit, Vorhersehbarkeit, Responsivität und so weiter. Wir können Bindung nicht für jemand anderen herstellen. Können wir nicht. Also ich weiß, die meisten Frauen haben als Mental Load, als Aufgabe, auch Beziehungsarbeit. Das Thema emotionale Nähe und so weiter.

Ich weiß, dass viele Mütter auch fehlende Eigeninitiative kompensieren und so weiter. Die Mütter sind so oft Beziehungsmanagerinnen, sagen wir, wie es ist. Sie tragen die emotionale Gesamtverantwortung. Sie sind zuständig für das Gelingen aller Beziehungen und Bindungen untereinander. Und das ist nicht neu, Leute.

Das ist historisch gewachsen. Das ist, sagen wir mal, kulturell stabilisiert und deswegen auch emotional hardcore internalisiert. Das ist aber keine naturgegebene Wahrheit. Es gibt keinen angeborenen mütterlichen Bindungsinstinkt. Es gibt keinen angeborenen mütterlichen Bindungsinstinkt. sondern Bindungsverhalten entsteht durch Erfahrung, Übung, Wiederholung und innere Modelle und wieder und wieder und wieder.

Das ist aktiv, Leute, das ist aktiv. Auch Mütter stellen Bindung aktiv her und müssen aktiv Bindung erlernen und erarbeiten. Das fliegt denen nicht zu. Und ich verstehe, dass diese Frage eben daherkommt, dass wir das so gewohnt sind, die Beziehungsmanagerin zu sein und so. Und deswegen möchten wir kurz hier zuerst mal darauf gucken, was ihr als Mütter tun könnt.

Hier alle zuhörenden Väter, bleibt bei mir, okay? Es geht gleich noch um euch. Wenn du eine Mutter bist, was kannst du tun? Du kannst Räume öffnen, du kannst Übergänge begleiten und du kannst auch versuchen, Legalitätskonflikte zu entschärfen. Das heißt, was du tun kannst, ist zu sagen, ich gehe Ich lasse euch das machen. Das ins Bett bringen, das schafft ihr heute. Je nachdem, wie groß das Kind ist. Auch mit Vorbereitung, mit Ankündigung und so weiter. Ihr könnt zutrauen.

Dass euren Kindern zutrauen und auch den Vätern der Kinder. Das zutrauen. Weil Bindung entsteht durch aktives Tun. Also lasst es doch bitte die Väter auch aktiv tun. Und ihr könnt auch die Übergänge begleiten und Leute ich also Ich bin ja auch nicht naiv. Ich weiß auch, dass das nicht leicht sein kann.

Und damit meine ich nicht, das loslassen können. Das ist wieder ein Narrativ, das ich ganz schön schwierig finde. Also bei dem ganzen Thema winkt ja aus jeder Ecke das Patriarchat. Das ist uns allen klar. Sondern was ich meine mit, wir haben jetzt gemeinsam als Paar besprochen, du übernimmst jetzt den Abend oder du machst heute Nachmittag, was auch immer. Und ich gehe als Mutter.

Und das anzukündigen, das zu begleiten, das Kind, das vielleicht darauf gar keinen Bock hat und das sehr deutlich sagt, durch weinen, durch schreien, durch festhalten, was auch immer und dann trotzdem zu gehen, das ist hart. Und es ist genauso hart wiederzukommen und das Kind ist vielleicht immer noch disreguliert und irritiert.

Der Vater ist vielleicht auch komplett fertig mit den Nerven, weil es super anstrengend war und noch gar nichts vom Thema eingegroovt ist und so, weil das kommt logischerweise erst durch Wiederholung und so. Und dann seid ihr da zu Hause und denkt, war es das jetzt wert? Ich weiß, ich weiß, dass das so ist, aber bleibt dran, okay?

Wir lernen durch Wiederholung. So, ich habe das Wort Wiederholung, glaube ich, schon oft genug gesagt, aber wir bleiben dabei. Traut euch das zu, traut eurem Kind das zu, traut eurem Partner das zu und bleibt dran. So, und jetzt kurz an die Väter, okay? Ich weiß, dass das eine harte Kiste ist. Ihr liebt diesen kleinen Menschen so sehr, so, so sehr, Und diesen Menschen, den ihr so liebt, euer Ein und Alles, guckt euch an, ins Gesicht und sagt, du nicht.

Du kannst einfach gehen. Geh einfach. Ich bin mit Mama zufrieden. Hau ab. Ich brauche dich nicht. Das ist so hart, das ist emotional so, so hart. Und deswegen spüre ich auch den Schmerz da ganz doll. Und ich möchte aber noch mal kurz sagen, das ist nicht fehlende Liebe, sondern Kinder möchten gerne, wie wir erwachsenen Menschen übrigens auch, und Kinder sind auch Menschen, deswegen überrascht es nicht. Wir möchten gerne in unserer Komfortzone bleiben. Wenn euer Kind also nicht möchte, dass ihr es ins Bett bringt, dann steckt dahinter nicht die Ablehnung, dass sie euch nicht mögen.

Sondern dahinter steckt, dass das Kind sagt, ich möchte bitte, dass es ist wie immer, so wie es immer ist. Und gerade in so Situationen wie ins Bett bringen, das ist ja auch eine sehr sensible Situation, ist das total klar. Und es gibt so viele Erklärungen und Gründe für die Ablehnung von Vätern. Die Interaktionsstile sind anders. Es gibt auch einfach schlichtweg quantitativ weniger gemeinsame Regulationserfahrungen.

Das ist aber wichtig. Es gibt weniger geteilte Routinen, weniger Zeit in so schwierigen Momenten, also in klassischen so dysregulierten Momenten. Und es gibt vielleicht auch weniger Verlässlichkeit in Übergängen, eben weil es nicht so häufig passiert. Also ihr seht, es geht wieder um Wiederholung.

Bindung muss man machen. Man muss es selber machen. Niemand kann euch das abnehmen. Ihr müsst das tun. Und auch das ist wirklich nochmal ein wichtiger Punkt. Der Status an sich sagt gar nichts. Also dieses, das ist doch der Vater oder das ist doch die Oma oder so. Ja, das ist aber einfach erstmal eine leere Worthülse und die muss die Person selber füllen.

Das Wort Papa muss ich füllen mit meiner Interaktion, mit meiner Verlässlichkeit, mit meiner Art der Vaterliebe. Das entsteht nicht automatisch durch eine biologische Verwandtschaft oder durch guten Willen und auch nicht einfach nur durch bloße körperliche Anwesenheit, sondern wir brauchen emotionales Dabeisein, wir brauchen Wiederholung.

Ach herrje, sage ich das heute oft. Wir brauchen Nähe und wir brauchen das Reparieren von Brüchen. So, das habe ich am Mittwoch ja auch erzählt. Hört gerne nochmal rein. Also Bindung fordert aktive Beziehungsarbeit. Von jedem halt. Ich möchte hier auch nochmal ganz kurz das Thema einwerfen stillen.

Das ist mir insofern wichtig, weil ich weiß, dass natürlich Väter häufiger sagen, ja, aber ich kann ja auch nicht stillen. Deswegen kann ich das Baby zum Beispiel nicht ins Bett bringen. Oder natürlich habe ich eine weniger starke Bindung. Ich stille ja nicht. So, da darf ich jetzt mit Genehmigung von meiner Freundin etwas erzählen.

Und zwar habe ich ein befreundetes Pärchen, das ist ein lesbisches Mutterpaar. Das heißt, es sind beide Mütter und die haben ein Baby, das jetzt allerdings schon ein Kleinkind geworden ist. Dieses Baby wurde gestillt und jetzt kommt es von vier Brüsten. Halleluja! Zieht euch das rein! Dieses Baby hatte zwei Mütter und hat zwei Mütter und vier Brüste zur Verfügung.

Und wisst ihr was? Dieses Baby hat trotzdem eine der Mütter bevorzugt und wollte nur von einem der Mütter ins Bett gebracht werden. Und ich höre es schon. Ich höre schon, was ihr reinruft. Das war witzigerweise nicht die Mutter, die dieses Baby im Bauch hatte. Sondern es war die Mutter, die quantitativ viel da war, die eben genau das gemacht hat.

Tägliche, verlässliche Bindungsarbeit, die die Übergänge gestaltet hat, die dysregulierten Momente und so weiter. Also das heißt Stillen ist nicht das Argument. Es gibt auch viele Kita-Kinder, die gestillt werden zu Hause und trotzdem Mittagsschlaf machen in der Kita. Darauf bitte nicht ausruhen, das wäre ganz schön. Also was will ich sagen?

Ich verstehe, dass das schwer ist, wirklich, weil das weh tut. Ich finde, das muss man auch so nennen. Das tut wirklich weh, abgelehnt zu werden. Es ist aber nichts, was den Müttern zufliegt, nur weil sie Mütter sind, sondern Bindung ist aktive Beziehungsarbeit. Und das könnt ihr auch. Und macht das mal.

Das ist für alle toll. Das ist für euer Kind toll. Das ist für euch toll. Das ist für die Partnerin toll. Das ist für alle toll. Alle profitieren davon. Traut euch das zu. Und am Anfang ist es schwer und euer Kind wird sagen, nein, ich will, dass es ist wie immer. Und dann könnt ihr das liebevoll und zugewandt begleiten.

Diese ganze Frust und die Irritation auch. Und dann macht ihr gemeinsame neue Traditionen und Routinen. Macht es auf eure Art und Weise. Wenn eure Partnerin das Kind ins Bett bringt, indem sie das und das Lied singt oder stillt oder eine Flasche gibt auf dem Sessel, dann müsst ihr das nicht wiederholen. Macht euer Ding, man.

Packt das Kind in die Trage, macht euch eure Lieblingsmusik an und los geht's. Dann wird das Kind in Schlaf getanzt. Also findet eure eigenen Wege, eure eigene Beziehungsarbeit und daraus entsteht Bindung. Einfach wirklich das aktive Tun. Ach, jetzt habe ich die Minutenanzahl überschritten. Mist, eine Minute drüber.

Aber ihr seht, weil das Thema so wichtig war. So, und jetzt viel Kraft für euch. An euch, an die Mütter, die das zulassen und zuvertrauen haben. Und an euch, die Väter, let's go. Ihr packt das.

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