Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 8

Nachgehört: Loben

Sonntag, 18. Januar 2026 · 7 min

MP3

Shownotes

Lob an euch und Übersicht
Aber was, wenn mein Kind Lob direkt einfordert? Woher kommt das und wie kann ich reagieren?
Frauen dürfen nicht stolz sein

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Ihr habt so gut meine letzte Podcast-Folge gehört. Und ihr habt das so toll gemacht, dass ihr mir Rückmeldungen dazu gegeben habt. Das habt ihr wahnsinnig toll gemacht. Toll, toll, toll. Feinis seid ihr. Okay. Willkommen bei der Nachgehört-Folge zum Thema Loben. Ich greife hier eure Nachfragen und eure Themen auf, die ihr mir geschickt habt von der Mittwochsfolge. Und es war jetzt mal Überspitzung beiseite. Es war wirklich so spannend und bereichernd, was ihr mir an Rückmeldung gegeben habt.

Ich habe das total genossen und ihr habt da tolle Perspektiven aufgemacht und so. Das war ganz schön toll. Guck mal, jetzt habe ich euch gelobt. Zack. Können wir damit leben? Ja, können wir. So, die zwei Themen, die häufiger genannt wurden, waren Frauen und das Thema Stolz und Kinder, die Lob und Bewertung einfordern.

Wir starten mit Kinder, die das Lob einfordern. Also mehrere Eltern haben mir geschrieben, dass sie ein Kind haben, das immer wieder fragt, habe ich das toll gemacht? Hast du gesehen, dass ich der Schnellste war? Oder schau doch mal, wie stark ich bin. Oder habe ich das gut gemacht? Also die wirklich gefühlt das Lob einfordern. Und dann sollte man ja auch irgendwie jetzt nicht so ein komisches Sprach-Kung-Fu machen.

Ich habe gesehen, dass du wirklich schnell gelaufen bist. Das hat sich bestimmt gut angefühlt. Also wenn dann plötzlich das super schräg wird, was wir darauf antworten oder wenn das Kind fragt, hast du das gut gemacht? Und ich sage, was findest du denn? Bei manchen Kindern ist das okay, das zurückzuspiegeln. Aber gerade wenn sie so explizit danach fragen, fühlt es sich auch total schräg an, wenn wir dann so komisch, pseudopädagogisch korrekt antworten wollen. Jetzt fangen wir aber erst mal damit an, woher kommt es überhaupt?

Weil es ist tatsächlich so, dass die Eltern, die mir geschrieben haben, die haben das mit sehr viel Irritation geschrieben. Im Sinne von, habe ich das jetzt schon verkackt? Also ist das jetzt vielleicht schon ein Zeichen dafür, dass wir tatsächlich immer zu viel gelobt haben oder falsch gelobt haben? Bringt das Kind das aus der Kita mit? Was ist das denn?

Und deswegen erst mal, es ist vor allem entwicklungspsychologisch logisch. Das klingt aber gut, entwicklungspsychologisch logisch. Kinder zwischen drei und fünf Jahren, Roundabout, die befinden sich ja sozusagen in parallelen Entwicklungsprozessen. Und das, worum es hier geht, ist ja die Identitätsentwicklung. Also das heißt, eure Kinder fangen sich an zu fragen, wer bin ich?

Wie wirke ich? Was kann ich? Also Solche Sachen wie stark, schnell, mutig, klug, das sind, man könnte es vielleicht so verstehen, dass das so Identitätsmarker sind, wie so Kleidungsstücke oder so. Also die Frage, bin ich stark, heißt oft eher sowas wie, passt dieses Wort zu mir? Darf ich so sein?

Kann ich das anziehen? Und der Aufbau des Selbstbildes eures Kindes funktioniert natürlich massiv über Spiegelung. Also Kinder brauchen euch als Gegenüber, die zurückspiegeln, ich sehe dich, ich nehme wahr, was du kannst. Und deswegen ist es kein Zeichen dafür, dass ihr da irgendwas verkackt habt oder so, sondern es ist vor allem normale Selbstvergewisserung.

Und dann, das wisst ihr bestimmt auch, Kleinkinder denken in harten Kategorien. Also entweder oder, gut oder schlecht, stark oder schwach. Diese ganzen Differenzierungen, die Nuancen wie heute warst du ausdauernd, obwohl du müde warst und so weiter. Das ist einfach alles kognitiv viel zu krass und zu komplex noch.

Und deswegen fragen sie natürlich überspitzt. Gut, stark, schnell, der Schnellste, die Schnellste. Also nein, ihr habt nicht zu viel gelobt. Da wurde nicht irgendwas verkackt, sondern es steckt emotional hinter der Frage, hast du mich gesehen? Bin ich okay? Bin ich so? Bist du in Verbindung mit mir? Ist das, was ich tue, irgendwie bedeutungsvoll für mich, für dich, für unser Leben?

Also diese Frage zielt gar nicht so primär auf Bewertung, sondern eher auf Beziehung und vielleicht auch Orientierung. Es geht nicht darum, dass ihr versucht, pseudomäßig auszuweichen oder korrigiert oder belehrt. Natürlich könnt ihr so was sagen wie, ich sehe, wie viel Kraft du da eingesetzt hast. Oder du bist ganz schön schnell gerannt, statt du warst der Schnellste.

Oder du hast dich total angestrengt. Ihr könnt auch Rückfragen stellen. Wie fühlt es sich für dich an? Bist du zufrieden mit dir? Was findest du selbst daran gut? Das ist mir schon alles klar. Aber ihr dürft auch einfach ganz platt sagen, ja, du bist stark. Oder, boah, ja, das war ganz schön toll geklettert.

Das dürft ihr einfach sagen, genau aus dem Grund, was ich eben gesagt habe. Deswegen, sie fragen gar nicht so primär nach dem Lob, sie fragen nach Orientierung. Und Orientierung entsteht immer durch Resonanz und nicht durch Bewertung. Und diese Resonanz dürft ihr geben. Okay? Und jetzt der zweite Aspekt, Frauen und das Thema Stolz.

Das ist ja total spannend, weil ich im Podcast übers Loben ja über den Satz sprach, ich bin stolz auf dich. In Abgrenzung zum Satz, du kannst stolz auf dich sein. Und ich habe da so kluge Gedanken von euch zugeschickt bekommen. Viele haben geschrieben, sie machen oft die Kombination. Also sie sagen dann ihrem Kind oder zum Beispiel auch ihrem Partner und ihrer Partnerin, Ich bin so stolz auf dich und du kannst auch stolz auf dich sein.

Also es mit einem Un zu verbinden, das fand ich auch ganz spannend. Viele haben erzählt, wie es früher in ihrer Kindheit war, dass ihnen dieser Satz erheblich gefehlt hat. Es war auch so berührend, wirklich. Ich habe Nachrichten bekommen von Leuten, die gesagt haben, Alter Schwede, da habe ich so bewusst noch nie darüber nachgedacht.

Ich habe mich sofort mit meiner Partnerperson zusammengesetzt und wir haben uns gegenseitig gesagt, wo wir stolz aufeinander sind. Hat mich vielleicht ein bisschen berührt, Leute. Und dann kam tatsächlich von zwei, drei Personen dieser Aspekt. Ich bin als Frau sozialisiert und aufgewachsen und ich merke, dass Stolz auf mich sein mir sehr, sehr fremd ist, weil es immer konnotiert war mit Frauen, die stolz sind, die sind arrogant, die sind hochnäsig. Und das stimmt, Leute, das stimmt. Das ist historisch durchs Patriarchat in uns verankert. Die Mysogonie, also der Hass gegen Frauen, zeigt sich auch an diesem kleinen Beispiel, dass Frauen sich wahnsinnig schwer tun, damit zu sagen, ich bin

stolz auf mich. Ich bin stolz auf das, was ich bin und auch auf meine Leistung. Das sind wir nicht gewohnt. So, und ich könnte jetzt natürlich ein Pamphlet, ein Plädoyer halten, woher das kommt und so weiter. Aber vielleicht nehmen wir uns das einfach mit. Liebe Hörerinnen, an diesem Punkt mal nicht gegendert.

Lasst uns das mal mitnehmen, okay? Stecken wir das in unsere Hosentasche, die bei weiblichen Hosen viel zu klein ist. Müsst ihr ja bei Frauen nie was in der Hosentasche haben. Aber vielleicht stecken wir da unseren Stolz rein. Auf uns selbst. Lasst uns das doch vielleicht mal mitnehmen in die nächste Woche. Und darüber hinaus.

Danke fürs Dabeisein und ich freu mich schon auf nächste Woche. Da geht's ums Thema... Trommelwirbel. Ernährung.

0:00 / 0:00