Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 9

Essen

Mittwoch, 21. Januar 2026 · 29 min

MP3

Shownotes

– Unser kollektives Problem mit Ernährung
– Beikost
– Picky Eater
– Neurodivergente Kinder und Essen
– Süßigkeiten
– Abschlussgedanken

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Kinder sind doch Menschen, yeah, das ist doch gar nicht schwer. Kinder sind auch Menschen, das ist logisch. Ich hab viel zu tief angefangen. Und warum glaube ich auch immer, dass ich das alles reimen muss? Das ist auch Quatsch eigentlich. Dass ich mir hier nicht nur die Aufgabe mache, jede Woche einen neuen Song zu performen. Sondern, dass ich auch noch immer denke, da muss ich reimen. Warum mache ich das mit meinem Kopf? Das ergibt doch gar keinen Sinn.

Aber es ist schön, weil ich regelmäßig sehr liebevolle Nachrichten von euch bekomme, dass ihr die Jingles sehr mögt. So, das ist es mir doch wert. Liebe Leute, wir reden heute über das Thema Essen, über das Thema Ernährung. Und sagen wir, wie es ist. Kaum ein Thema ist so voller Glaubenssätze. Wir haben doch ernsthaft ein kollektives Problem mit dem Thema Essen, oder?

Also, was ist gesunde Ernährung und was nicht? Es gibt immer neue Trends und Palio und was, was hier, was, was ich und so. Und jetzt sind Proteine und alles. Und beim Thema Ernährung ist auch immer so unglaublich viel Scham dabei und so, weißt du? Letztens hat mir eine Freundin gesagt, sie isst so gerne Kartoffelpüree aus der Tüte und sie hat sich so geschämt, das zu sagen. Und ich dachte, ja meine Güte, na und? Also dieses Thema ist so riesig.

Ich weiß ja, dass mir vor allem auch Frauen zuhören. Ich will gar nicht, also ich ahne schon, was ihr da für Historien schon hinter euch gebracht habt mit dem Thema Essen und Regulation von Essen und Ausprobieren von Diäten und ja. Ihr kennt das, ich muss euch das gar nicht sagen, und ja, das hier ist ein Podcast rund um Kinderthemen, aber ihr kennt mich, es geht nie ein Thema ohne kurz auf unsere eigene Biografie zu gucken.

Das gehört zusammen, also was hat uns denn damals als Kinder geprägt, also wie viele von uns haben noch von ihren Eltern gehört, dass man immer aufessen muss, in Kitas auch übrigens. Dann natürlich auch Essen als Liebesbeweis, gerade aus der Kriegsgeneration, wo Essen natürlich auch einfach Mangelware war. Und wie viele jetzige Großeltern bringen en masse an Süßigkeiten und Essen auf den Tisch und den Kindern mit, um ihnen zu zeigen, ich liebe dich ganz doll.

Oder auch eine andere Ebene. Gute Eltern führen doch das Kind an Gemüse ran. Es ist also auch mal wieder eine Kategorisierung in gute und schlechte Eltern. Und ich kann auch diese große Schwere bei dem Thema auch verstehen, weil es ist ja irgendwie auch so ein bisschen die Basis, also nicht nur die Basis unseres Lebens, sondern auch als Eltern. Also ist nicht irgendwie einer der absoluten Basisaufgaben, mein Kind zu nähren, So also mehr basic geht es ja quasi gar nicht und es geht ja im Grunde genommen in der Schwangerschaft schon los.

Ja also zum einen natürlich, was dürfen wir alles nicht mehr essen in der Schwangerschaft, das heißt das Thema Essen ist direkt mit Gefahr beladen, sobald da ein Baby im Bauch ist. Bei vielen Dingen natürlich auch zurecht, ich will das jetzt hier gar nicht bagatellisieren. Ich will nur euch aufzeigen, dass es von Anfang an eben schon einen Stempel hat, das Thema.

Das geht eben in der Schwangerschaft schon los, auch was so etwas wie Zunahme angeht. Alles wird gemessen, Umfänge, alles wird in Zahlen umgerechnet und irgendwelche Tabellen eingetragen. Bloß nicht zu viel zunehmen, aber auch nicht zu wenig und so weiter. Und haltet euch an all die Essensregeln und so.

Und das alles schon in der Schwangerschaft. Und dann kommt das Baby auf die Welt und wir machen weiter. Also diese ganzen Perzentilen und wie viel Milliliter Prämilch oder Muttermilch, wie oft, wann, wie, alles wieder Listen, Listen, Listen. Wieder dieser ganz stark kritische und sehr, sehr besorgte Blick auf Zu- oder Abnahme und immer diese Einsortierung in irgendwelche Perzentilen oder Tabellen und so.

Und dann hast du dieses Baby und denkst, oh ja Mann, top, die Schwangerschaft ist vorbei, jetzt kann ich ja alles wieder essen. Und wenn du dein Baby stillst, hast du ja die nächste Nummer. Ich könnte eine eigene Podcast-Folge aufnehmen zum Thema Amnerchen. Was sich Eltern alles für Bullshit-Erzählungen anhören müssen. Mein Favorite daraus ist vom letzten Jahr. Da kam eine Mutter zu mir in meinen Kurs und erzählte mir, dass für sie das Allerschönste wäre, jetzt wo sie ihr Kind abgestellt hat, dass sie wieder Sprudel trinken darf. Leute, Sprudel!

Weil ihr ernsthaft vom Kinderarzt gesagt wurde, sie dürfte kein Sprudel trinken, wenn sich stillt. Also ich könnte nicht todlachen. Mir tut das natürlich wahnsinnig leid für diese Frau. Wir haben aber dann gemeinsam lachen können. Weil ganz ehrlich, wie soll das denn funktionieren? Also mein Kopf produziert da sofort das Bild von sprudelnder Muttermilch.

Dass die Muttermilch aus der Brust rauskommt und sprudelt. Und dass es dem Kind Bauchschmerzen macht. Ich finde das so unglaublich witzig. Und was ich übrigens daran gar nicht witzig finde, ist natürlich zum einen, dass das einfach eine Falschinformation ist, also wirklich ein klassisches Amtmärchen.

Und zum anderen ist es natürlich auch wieder der Klassiker. Schuldzuweisung direkt an die Mutter. Da geht es direkt los. Das wird sich auch nicht verändern, auch wenn das Baby schon viel älter ist. Dabei werden wir bleiben. Damit fangen wir ganz früh an und dabei bleiben wir direkt. Also, um es nochmal zu sagen, auch was Orangensaft angeht und dass stillende Mütter keine Zwiebeln essen dürfen und so, ja?

Also Leute, Muttermilch ist kein Smoothie aus dem Mageninhalt der Mutter. Ja? Okay, der Satz war jetzt irgendwie eklig. Naja, tut mir leid, mussten wir gemeinsam durch. Okay, dann Babyzeit. Es geht weiter. U2, U3, U4, U5 und so weiter. Immer wird gemogen, gemessen. Und es wird auch kommentiert, also der Körper von Babys wird kommentiert. Und nein, ich denke mir das gerade nicht aus und ich überspitze das auch nicht, ich höre so oft von Eltern, die von der U irgendwas kommen und sagen, dass ihrem Kind in die Wange gekniffen oder in den Bauch gekniffen wurde und dann sowas liebevoll lustiges gesagt wurde wie Das Kind isst ja ganz gerne oder da ist ja ein bisschen Speck als Backup für schwere Zeiten.

Solche Sachen werden gesagt in Bezug auf Babys. Das ist gar nicht witzig und das macht was mit den Eltern. So und später mit den kleinen Kindern, die sich das auch noch anhören müssen. Wirklich, es ist fürchterlich. Und ich verstehe das, dass wir sagen, gute Ernährung ist doch so eine Art Kernaufgabe der Elternschaft.

Aber Gemüse ist irgendwie längst kein Lebensmittel mehr, sondern Symbol für gute Elternschaft. Und das ist schwierig. Essen ist einfach eines der allerersten Felder, auf dem Eltern lernen, du bist beobachtet und bewertet. Und ihr könnt euch vielleicht auch vorstellen, vielleicht auch, weil es euch selber betrifft, Menschen, die so überhalb unseres gesellschaftlichen beschlossenen Normengewichts sind. Wenn diese Menschen dabei gesehen werden, wie sie ihrem Kind zum Beispiel beim Bäcker ein Croissant in die Hand drücken, völlig normal, machen überall Eltern. Dann findet da direkt Beschämung statt im Sinne von, war ja klar, übergewichtige Eltern, die geben dem Kind jetzt eine Rosinenschnecke, das war ja

klar. Das ist so fürchterlich. Also Leute, ich hoffe ihr hört diese drei Ausrufezeichen. Ernährung ist bitte kein Moraltest für Eltern. Es ist wirklich problematisch. Wir laden Ernährung von Anfang an moralisch auf und dann wundern wir uns später über gestörtes Essverhalten. Weil das müssen wir ja auch mal ganz kurz sagen. Vielleicht kennt ihr ja auch die Zahlen. Die Häufigkeit von Essstörungen hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

Und das meine ich, wenn ich sage, wir haben wirklich ein kollektives Problem mit dem Thema Ernährung und Essen. Aber Schritt für Schritt, wir waren ja gerade schon bei Stillen und Flasche und Babyzeit und was kommt als nächster Step? Beikost, richtig! Und ganz runtergebrochen mal, wisst ihr was der Beikoststart ist?

Also worum es da geht? Ihr stellt eurem Kind die Welt des Essens vor. Leute, die Welt des Essens. Das ist eine fabelhafte Welt. Also worum geht es? Es geht um Neugierde. Es geht um Sinneserfahrung. Greifen kommt vor, begreifen. Und wenn ihr ein Baby in der Backhauszeit habt, dann wisst ihr, was ich meine, weil das landet überall. Es geht ums Kennenlernen.

Es geht nicht um Grammangaben, um feste Uhrzeiten. Es ist auch egal, ob ihr mit Pastinake startet, Was ist überhaupt Pastinake? Dieses Gemüse gibt es nur fürs Thema Beikost, glaube ich. Oder mit Kürbis oder mit Nudeln oder mit Brot oder mit Kartoffeln. Es ist ganz egal. Es ist auch egal, ob ihr Baby-Led-Weaning macht, also Fingerfood oder Brei.

Es ist viel wichtiger, womit fühlt ihr euch wohl. Ja, also ich kenne auch diesen ganzen Frust von Eltern, die da sagen, jetzt habe ich den ganzen Scheißbrei selber gekocht, weil ich habe gehört, eine gute Mutter oder guten Vater muss Brei selber kochen, auch da wieder. Schön, wir bewerten Elternschaft über solche schwachsinnigen Moralthemen. Und da muss man ganz viel Brei wegwerfen, weil diese angebliche Brei-Portion halt gar nicht von dem Baby gegessen wird. Und ja, ich weiß, es gibt diese guten Tricks, diesen Brei dann in Eiswürfelförmchen zu machen und so, I know. Und dann lesen viele Eltern, Baby-Led-Weaning ist das allerbeste und so, das Kind muss Fingerfood kriegen. Und wenn du dann da aber als

Elternteil vor diesem Baby sitzt, und dir die ganze Zeit im Kopf sagt, das ist wichtig, das ist wichtig und dann sitzt du da verkrampft, weil dein Baby Würgegeräusche macht, was übrigens normal ist. Aber das löst in dir vielleicht so viel Stress aus, dann ist das ja auch egal, ob ich dann als Pädagogin sage, der beste Schutz vor Ersticken ist eine gut trainierte Mundmotorik, was ist denn das bitte für eine angenehme, in Anführungsstrichen, Essenssituation, wenn ich da voller Panik sitze und mein Kind anstarre, das auf einem Stück Kartoffel rumbeißt.

Wenn ich aber hingegen total entspannt Brei geben kann und mein Kind das mag, dann spricht nix gegen Brei, okay? Also da bitte auch wieder keine Kategorisierung von, also aufgeklette gute Eltern machen nur BLB, sondern nee, wir dürfen da differenziert hingucken. Ihr dürft auch mal so, mal so machen. Ihr dürft auch einfach mal so machen, wie es sich anbietet, wie es praktisch ist und so weiter. Und ihr wisst, was die Beikostreifezeichen sind. Also wenn euer Kind mit Unterstützung aufrecht sitzen kann, also auf dem Schoß zum Beispiel oder mit Kissen und im Rücken, wenn euer Kind Interesse am Essen zeigt und nicht mit dem Zungenstoßreflex das Essen sofort wieder raus befördert, dann let's go!

Und ob dieses Kind dann fünf Monate alt ist oder sechs Monate alt ist oder zehn Monate alt ist, das ist gar nicht so relevant. Sondern es geht darum, was euer Kind zeigt. Und es gibt viele Kinder, die essen erst wirklich so, dass man sagt, ja da ist ja ein bisschen was im Bauch gelandet mit so zehn Monaten.

Das ist nicht komisch. Und bis dahin ist das einfach Spaß. kennenlernen. Und ja, um es nur dazu zu sagen, am besten natürlich natürliche und nicht hochverarbeitete Lebensmittel, aber dann einfach los. Also am besten einfach, wenn ihr auch selber esst, das ist ganz gut, weil das vergessen wir als Eltern ganz gerne auch mal mit einem Baby zu Hause. Und ihr dürft es auch durcheinander anbieten und so, wenn es in eurer Familie keine starken Lebensmittelallergien gibt.

Das heißt, ihr müsst nicht eine Woche Pastinake geben und so, sondern legt einfach los, wie sie es halt anbietet, wie es halt angenehm gerade ist. Und da sieht man auch wieder, das ist total kulturell geprägt. Also wie die Kinder anfangen zu essen und was sie essen, ist auch so unterschiedlich, je nachdem, wo sie aufwachsen. Und daran sieht man schon, dass sowas wie die Grammanzahl oder die Reihenfolge oder die Uhrzeit sehr, sehr egal sind. Ich musste immer von einer Freundin von mir erzählen, die lebt in Indien mit ihrer Familie und dort ist das Reifezeichen, wann Babys mit Essen starten sollen, wenn sie sich selbstständig mit ihren Fingern, mit dem Pinzettengriff, Reis nehmen können.

Reiskörner, einzelne Reiskörner. Wenn ich das sage, sehe ich schon, wie hier reihenweise Eltern in Ohnmacht fallen in Deutschland, wenn sie sich das nur vorstellen. So, und den Pinzettengriff können Babys ungefähr mit sechs Monaten und dann essen die das. Einzelne Reiskörner. Gut, und ganz ehrlich, um es nochmal kurz abzurappen, da E das Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr Muttermilch oder Prämilch sein sollte, können wir doch da auch einfach ganz entspannt sein. Wir können ja doch entspannt sein. Es gibt diesen wunderschönen englischen Satz, in year one food is just for fun.

Das finde ich ist doch ein schönes Mantra für diese ganze Kiste, oder? Wenn die Kinder dann dieses Beikostalter verlassen und dann größer werden und in diesen Kleinkindbereich eintauchen, dann wird ganz oft aus diesem Baby das genüsslich die buntesten Lebensmittel schnabuliert. ein eher kritisches Kleinkind.

Also einfach aus diesem Baby, das so Freude hat an allem und alles ausprobiert und so, wird dann so BÄM! Das Kleinkind das ruft Hi! Ne, keine Lust. Das mag ich gar nicht. Ne, das fasse ich nicht mal an. Na, da muss ich vielleicht sogar würgen, wenn du das nur in meine Nähe hältst. Ihr habt bestimmt schon mal gehört vom Thema picky eating. Und das ist tatsächlich total interessant, weil für diese Phase kann man auch Neophobie-Phase sagen. Und Neophobie, also übersetzt, Neophobie ist Angst vor etwas, also Angst vor Neuem könnte man sagen. Neophobie ist eine entwicklungspsychologische normale Phase, in der Kinder neue Lebensmittel ablehnen oder auch immer nur die gleichen Lebensmittel essen wollen. Also ich meine wirklich so vier,

fünf, sechs Lebensmittel und sonst gar nichts. Und kleiner Spoiler, diese fünf, sechs Lebensmittel sind meistens nicht sechs verschiedene Gemüsesorten. Und was ich meine mit, das ist eine normale entwicklungspsychologische Phase, heißt, das tritt außerhalb unserer Kultur auf. Das ist überall beobachtbar, wo Kinder essen. Ganz klassisch so zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Und man erklärt sich das sozusagen aus evolutionsbiologischer Sicht, weil Neophobie Kinder halt schützt.

Also es schützt sie, Neues zu essen, das dann vielleicht potenziell gefährlich oder giftig sein könnte. Ergibt total Sinn. Nudelfase, schon mal gehört? Ich finde das so witzig. Der häufigste Satz von Eltern in dieser Zeit ist immer, Also, gestern ging das noch. Ich finde das so witzig, ich kenne das ja selber noch gut.

Also, aber jetzt mal, was hilft denn, wenn ich merke, mein Kind steckt in dieser Phase und isst wirklich nur noch Brie, Kartoffeln, Erdbeeren und Apfel? Was hilft? Erstmal wissen. Wissen, was es ist. Wissen, was dahinter steckt. Und atmen. Wie oft habe ich im Podcast schon gesagt, es hilft, wenn wir atmen. Was hilft noch?

Immer wieder anbieten. Ohne Druck, Leute. Ohne Druck, okay? Auch kein wenigstens mal probieren, sonst kriegst du das andere Essen nicht. Das machen wir bitte nicht. Immer wieder anbieten. Immer und immer wieder. Wiederholung hilft. Außerdem Vorbild sein. Also, statt Überredung Vorbild sein. Esst selber bunt und genussvoll.

Und als Basisding, Sicherheit statt Diskussion. Macht bitte das Thema Essen nicht zum Kampfplatz für euch in der Familie. Das ist nicht gut. Also Sicherheit geben statt Diskussion. Geduld. Geduld statt Kontrolle. Geduld, Atmen, ihr wisst. Ich weiß, es gibt dieses Bild in uns drin von dieser Nutella-Familie, sage ich mal.

Also dieses, alle sitzen plaudernd am Tisch, sie lachen, sie quatschen, sie geben sich Sachen hin und her. Und ich finde das so witzig, weil wir haben alle dieses Bild, dass so doch irgendwie Essen mit Kindern sein soll. Und dann ist das in dieser Kleinkindphase also wirklich so unglaublich weit weg von der Realität, dass ich wirklich Tränen lachen könnte. Also die klassischen Kleinkinder sind By-the-way-Eater. Also immer nur so nebenbei.

Also nicht als Hauptelement, was wir tun, ist zusammensitzen und essen. Und glaubt mir Leute, das kommt. Es kommt, dass die Kinder mit am Tisch sitzen und von ihrem Tag erzählen und man lacht und den Alltag miteinander teilt. Das kommt. Aber es kommt vor allem dann, wenn unsere Kinder gelernt haben, dass diese Essenssituation eine entspannte und schöne Situation ist.

Und das können wir so gestalten und eben nicht Druck und Stress und immer Streit und kein Bleib jetzt sitzen und so. Und das können wir ja schon auch in der Zeit sozusagen einführen. Was ist, was für eine Essenssituation wollen wir haben? Und dann darf das Kind bitte einfach aufstehen oder sich auch was zum Spielen mit an den Essenstisch nehmen, wenn das für euch okay ist.

So, weil das kommt noch. So, Geduld, Geduld, Start, Kontrolle. Es ist nur eine Phase. Ihr kennt alle diesen Satz. Ich glaube, es gibt kaum einen Satz, der häufiger fällt in der Elternschaft. Und wir sind mit Neurodivergenzen, Kinder. Möchte ich natürlich auch noch mal kurz reinwerfen. Ja, also ihr wisst, ich versuche das ja immer wirklich in jeder Folge einmal wenigstens kurz anzusprechen und werde da natürlich auch von der Zeit und der Tiefe dem immer nicht gerecht. Aber um es wenigstens ein bisschen angekratzt zu haben. Sowas wie Hunger und Sättigung wird anders wahrgenommen, oft zu spät.

Das heißt, da geht es schon los. So hangry, ich sage nur hangry. Und dann haben wir natürlich auch noch das Problem, dass so viele neurodivergente Kinder so eine sensorische Hyperempfindlichkeit haben. Also was was Temperatur angeht oder Konsistenzen. Da merkt man, das ist eine Reaktion aus dem Rückenmark raus.

Das Kind schüttelt sich richtig oder wirkt. Da sieht man auch, das ist kein Rumbocken und das Kind hat da keinen Bock drauf, sondern das ist wirklich ein Nervensystem, das reagiert. Aber auch Geruch und Optik, also all das kann schon dafür sorgen, dass dieses Kind das Essen nicht berühren und auch teilweise nicht mal angucken möchte.

Und auch dieses, na einfach doch mal probieren, ist halt oft dadurch gar nicht möglich. Und deswegen, was ist bei Neurodivergenten-Kindern so wichtig? Findet das Safe Food heraus. Also das Essen, was gut geht. Und wenn ihr Glück habt, ist das irgendwas, was man fertig kaufen kann. Also wo der Geschmack und die Konsistenz und so auch verlässlich gleich ist.

Also ihr kennt das doch bestimmt, manchmal macht man sich doch lustig über dieses, die Menschen fahren in ein ganz fremdes Land. Und freuen sich dann, dass dann McDonalds ist und gehen in das McDonalds, wo man sich denkt, ist das euer Ernst? Das hättet ihr hier in Deutschland auch haben können. Ja, das ist genau das, was sozusagen neurodivergente Menschen ganz toll empfinden.

Und zwar dieses Ich brauche Vorhersehbarkeit, denn Vorhersehbarkeit schafft Sicherheit. Und wenn man ein Nervensystem hat, das erhöhte Sicherheitsbedürfnisse hat, dann ist das auch beim Thema Essen so. Und deswegen findet heraus, was das Safe Food eures Kindes ist und habt das einfach da. Und kein Druck, keine Kämpfe, sondern Schafft dafür die Möglichkeit, dass euer Kind da Sicherheit erhält beim Thema Essen. Und dachtet ihr wirklich, wir reden über das Thema Essen und Ernährung ohne den Punkt über Süßigkeiten zu sprechen? Na, Quatsch, natürlich nicht.

So, Butter bei die Fische. Soll ich das wirklich machen? Ja, komm, was soll's? Passt doch dazu. Eine eigene Folge zum Thema Süßigkeiten zu machen, ist auch Quatsch. Also, packen wir nochmal rein. Also ehrlich gesagt, ein bisschen wie beim Thema Medien, was wir letztens schon als Podcast-Thema hatten.

Unsere Kinder lernen ja keinen gesunden Umgang ganz ohne Umgang. Also wisst ihr, was ich meine? Wir lernen ja nicht, mit Süßigkeiten Maß zu halten, wenn Süßigkeiten komplett verboten sind und gar nicht da sind. Die Frage ist also, ja gut, was dann? Man könnte es zum Beispiel frei zur Verfügung stellen, so einen Süßigkeitenkorb irgendwo. Oder einmal am Tag verlässlich was Süßes, immer zum gleichen Moment.

Oder bei uns gibt es Nachtisch. Oder immer, wenn ich die von der Kita abhole. Oder wir haben zu Hause gar nichts da. Süßigkeiten gibt es immer nur draußen, sowas wie ein bewusstes Eis oder ein Stück Kuchen beim Bäcker holen oder so. Das da vorne ist jetzt das Beste. Ich stelle mir immer vor, wie ihr meinen Podcast hört und an so einer Stelle auch lachen müsst und denkt, haha, Quatsch, ich würde doch jetzt nicht sagen, das und das ist das Beste.

Genau, ja. Da kann ich ganz ehrlich einfach nur sagen, ja, keine Ahnung. Ich weiß ja nicht, was für dein Kind und für dich funktioniert. Das könnt nur ihr herausfinden. Denn es gibt Kinder, die sind regulationsstark, für die ist es das Beste, wenn es tatsächlich irgendwo eine Süßigkeitsschublade gibt und die dürfen das nach Bedarf nehmen, weil die das regulieren können. Und es gibt andere Kinder, die werden davon komplett überfordert.

Und nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, es muss nämlich auch zu euch passen. Überlegt mal selber, was wäre für euch hilfreich? Wie ist auch euer Umgang mit Thema Süßigkeiten? Und was könntet ihr euch vorstellen, was bei eurem Kind funktioniert? Und dann macht ruhig mal eine Probewoche. Probiert mal was aus, weil Elternschaft ist immer Trial and Error. Also mal ausprobieren und gucken, was passiert und dann wieder verändern.

Ist doch in Ordnung. Mit Agilität hier rangehen, wisst ihr noch, habe ich in der allerersten Folge gesagt, das wird hier eine Agilitätssache. Guck, passt doch perfekt zum Thema Elternschaft. Mir sind nur folgende Punkte wirklich wichtig. Süßes sollte nicht das einzige Werkzeug sein, zum Beispiel bei Traurigkeit oder Langeweile oder als Belohnung. Das kennt ihr alles, dieses, das haben wir uns jetzt aber verdient.

Das darf ruhig auch mal sein, aber es darf wirklich nur ein Werkzeug von vielen sein. Also bitte setzt Süßigkeiten nicht ein, wenn euer Kind weint und dann sagt, das ist doch nicht so schlimm, guck mal hier ein Lolli. Und Essen soll nicht verdient werden müssen. Essen muss nicht verdient werden, auch nicht mit 10.000 Schritten pro Tag, liebe Hörende.

Essen ist dafür da, um unseren Körper Energie zu geben und uns zu nähren. Außerdem, Süßigkeiten sind omnipräsent, überall, immer. Die gehören hier dazu. Sie sind auch Teile einer ganz normalen und gesunden Ernährung. Und deswegen wäre es mir wirklich noch wichtig, Kategorisiert nicht starr in gesund und ungesund.

Ich glaube, dass wir damit unseren Kindern nicht was Sinnvolles mitgeben. Weil Kinder sollten ja nicht Angst vor bestimmten Lebensmitteln bekommen oder sich schlecht fühlen, weil sie ein Stück Pizza gegessen oder ein Stück Schokolade gegessen haben. Das tragen die mit sich. Und ich habe auch mit jungen Erwachsenen zusammengearbeitet, die Essstörungen haben. Und um das noch mal ein bisschen in Relation zu setzen. Für die wäre es so gesund gewesen, wenn die mal ein Stück Schokoladentorte gegessen hätten. Deswegen ist diese Kategorisierung in gesund und ungesund und dieses Angst machen mit, wenn du Schokolade isst, dann kriegst du Karies.

Das ist gefährlich. Lass uns nicht mit Angst arbeiten. Sondern eher zum Beispiel, wenn ihr das Gefühl habt, ich sollte das aber thematisieren oder ich möchte da was zusagen, dann sprechen wir natürlich schon mal gar nicht von Kalorien, ich hoffe, das ist selbstverständlich. Aber wir können erklären, was eigentlich passiert beim Thema Essen.

Und zwar ist Nahrung dafür da, uns Energie zu geben. Und es gibt bestimmte Lebensmittel, die geben ganz viel Energie und zwar super schnell. Und dann verschwindet diese Energie aber auch schon wieder sehr, sehr schnell. Zum Beispiel bei Süßigkeiten. Und wenn dann zum Beispiel abends mein Kind noch was Süßes essen will und ich möchte das aber nicht, aus welchem Grund auch immer, Dann kann ich zum Beispiel sagen, ja aber Schokolade gibt ganz viel Energie und die brauchen wir jetzt ja gar nicht, weil wir machen uns ja gerade muckelig bettfertig. Wir brauchen gar keine Energie.

Unser Körper darf jetzt ganz ruhig werden. Oder ich könnte tagsüber zum Beispiel auch sagen, Ich würde jetzt lieber mit dir Nudeln essen, weil das gibt auch ganz viel Energie, aber das hält viel länger im Körper an. Und weil wir ja jetzt noch den Ausflug machen wollen, brauchen wir eine längere Zeit Energie. Und da wäre jetzt dieses Eis gar nicht so praktisch. Zum Beispiel.

Also über so einen Weg ist es sehr viel hilfreicher und sinnvoller als über dieses gesund und ungesund. Und um es auch wirklich noch mal zu sagen, wir wissen aus der Forschung, dass stark eingeschränkter Zugang zu Süßigkeiten oder sehr restriktive Regeln dazu führen, dass Kinder, die umso attraktiver finden, also ihr kennt das bestimmt, diese Kinder, die auf Kindergeburtstagen dann so viel essen, bis sie erbrechen.

Das ist kein Mythos, das passiert. Weil wenn du das Gefühl hast, dafür so kämpfen zu müssen, dann isst du ja auch viel zu viel. Als das sozusagen klar ist, man darf auch Süßigkeiten essen, dann hat das auch nicht so eine komische Wichtigkeit. Und auch da, ich habe vorhin schon mal gesagt, greifen kommt vor begreifen.

Ich habe es vorhin gesagt beim Thema Beikost. Und hier meine ich es insofern, dass Kinder es auch spüren dürfen, wie sich es anfühlt, wenn man zu viel gegessen hat. Wie fühlt sich das denn an, wenn man satt ist? Und wie fühlt sich das an, wenn man viel zu viel gegessen hat? Wenn der Bauch so richtig voll ist, wird mir das schlecht.

Spüre ich das vielleicht richtig unangenehm im Magen? Und das ist so viel wichtiger. Das heißt, wenn ihr das Gefühl habt, zum Beispiel, es ist keine Ahnung, ihr seid auf einem Kita-Fest und da ist so ein Buffet. Dann würde ich da eben nicht mich neben mein Kind stellen und sagen, ja cool, jetzt reicht es auch hier mit Kuchen essen und so. Schau mal, da hinten liegen Apfelschnitze, während alle anderen Kinder sich auch vollstopfen mit Süßigkeiten. Ich verstehe den Impuls.

Aber stellt euch da doch lieber neben euer Kind und sagt, boah, das sieht alles so lecker aus. Guck mal, ich mache mir von allem was drauf. Und dann macht ihr euch selber von allem was drauf, Vorbild. Und wenn ihr wirklich das Gefühl habt, euer Kind hat jetzt zu viel gegessen, dann helft eurem Kind, diese interrezeptive Wahrnehmung auch spüren zu können. Also, na mein Schatz, merkst du deinen Bauch schon? Spürst du den Wagen schon?

Ist der schon ganz voll und so? Wie ist es? Ist da noch Platz? Also stellt auch reflexive Fragen, damit euer Kind auch überhaupt Zugangszeit zu hat. Und das ist nachhaltig so viel sinnvoller, denn kleiner Spoiler, Aus diesen Kindern werden später noch größere Kinder und die werden nicht nur groß und die werden auch selbstständig und die haben dann zum Beispiel Taschengeld selbst zur Verfügung. Und die können sich davon Sachen kaufen, die ihr nicht mitkriegt. Und deswegen ist es total klug, da nichts zu verteufeln oder zu tabuisieren, sondern euer Kinder wie immer eher dabei zu begleiten.

Und ja, I know, ich sag's kurz, damit sich hier keiner aufregen muss. Wir essen alle gesellschaftlich zu viel Zucker, ich weiß. Es geht immer, wie bei Medien, darum, ob es in Maßen passiert. Aber bitte ladet Süßigkeiten nicht als böse auf. Und ich muss auch immer so lachen, wir sind da auch wirklich ein bisschen merkwürdig. Also wir kategorisieren immer so schön, weil wir das lieben. Industriezucker, schlimmstes.

Völlig klar, das ist das Allerschlimmste. So, dann kommt Honig. Honig ist schon besser. Weil? Natürlich, ja! Dann kommt vielleicht, würde ich sagen, Agavendicksaft. Das ist nochmal ein bisschen besser. Wissen viele gar nicht, was das genau ist, aber es klingt irgendwie noch besser. Klingt irgendwie noch ein bisschen ökoschmökiger. Wird dann besser sein.

Und danach vielleicht als letztes kommt vielleicht Datteln. So, mit Datteln-Süßen. Dann ist es auch süß, aber dann ist es gesund, weil eine Dattel ist ja gesund. Also das ist so skurril. Also ganz ehrlich, ihr merkt ja schon, wie absurd das ist, oder nicht? Also ich möchte nochmal kurz zusammenfassen zum Thema Süßigkeiten.

Süßigkeiten sind kein Charaktertest für Eltern. Und Essen verliert Macht, wenn wir ihm keine Moral geben. Okay, gut. Abschlussgedanken. Nenne ich das so? Ja. Ich sage auch manchmal Fazit, aber weiß ich nicht. Ich nenne es dieses Mal Abschlussgedanken. Ich versuche jetzt nochmal ein bisschen zusammenzufassen, was mir so im Herzen und im Kopf umherging bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Essen ist kein Projekt, das wir optimieren müssen. Essen ist Alltag, ist Zusammensein, Essen ist Kultur, Beziehung, Lernen, Genuss. Und Kinder brauchen keine Tabellen, keine Grammzahlen. Sie brauchen keine ständigen Bewertungen, sondern sie brauchen vielmehr Erwachsene, die ihnen zutrauen, ihren Körper kennenzulernen.

Erwachsene, die einen Rahmen schaffen, klar, und Angebote machen, aber ohne zu drängen. Es ist eher, dass wir Erwachsene brauchen, die begleiten und nicht kontrollieren. Und beim Essen, Leute, darf gelacht und geweint werden. Es darf gequatscht werden. Obacht auch mit vollem Mund. Es darf Dino-Nuggets geben. Man darf auch einfach mal beschließen, das Essen unterm Essenstisch zu machen.

Warum denn nicht? Und Essen verbindet. Essen verbindet, wenn wir Genuss zulassen und wenn wir neugierig bleiben. Und vor allem, wenn wir aufhören, aus jedem Bissen eine pädagogische Entscheidung zu machen. So, over and out. Ich esse jetzt Schokoladeneis.

0:00 / 0:00