Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 9

Nachgehört: Essen

Sonntag, 25. Januar 2026 · 10 min

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Shownotes

Wenn Kinder sich immer viel zu große Portionen auftun

Wenn Oma und Opa immer Süßigkeiten schenken

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Oh Leute, das war knapp. In ein paar Stunden erscheint jetzt schon diese Nachgehört-Folge. Das habe ich jetzt einmal richtig schön auf den letzten Drücker aufgenommen. Meine Güte, manchmal nehme ich das echt um die zwei Tage vorher schon auf, heute eher ein paar Stunden davor. Du, aber ist ja auch egal, das hört man ja nicht. Also von daher hätte ich das jetzt vielleicht auch gar nicht so transparent sagen sollen.

Kinder sind auch mal Menschen, der transparente Podcast. So, wir sind bei der Nachgehört-Folge. Worum geht's? Es geht um eure Fragen, eure Themen, die euch noch mal besonders beschäftigt hat rund um das Podcast-Thema am Mittwoch. Was war das Thema am Mittwoch? Essen, also Ernährung. Und da möchte ich erst mal vorweg sagen, ich habe so viel Rückmeldung von euch bekommen. Das Thema hat euch wirklich ehrlich sehr beschäftigt. Und das finde ich toll, dass wir darüber sprechen können. Da habe ich auch oft gedacht, ah ja, das hätte ich auch noch mal sagen können.

Stimmt, in die Ecke hätte man auch noch mal gehen können. Boah, meine Güte, das ist ein komplexes Thema. Habe ich übrigens auch daran gemerkt, dass ich, ich glaube, 29 Minuten und 30 Sekunden ging die Folge. Das war ganz knapp über meinem Limit, Leute. Ich bin sehr gespannt, wann es mal soweit ist und ich das Limit von 30 Minuten überschreite, das ich mir gesetzt habe.

Aber dann ist das okay, denn da bin ich ja ganz sanft mit mir. Da sage ich ja den Eltern auch immer, seid doch ganz sanft mit euch. Ich kann ja mal gut daherreden, ist klar. So, aber jetzt geht es ja darum, was wurde mir am meisten zurückgemeldet zu der Essensfolge, was ihr euch wünscht für die Nachgehört-Folge. Das Erste ist, wie kann ich damit umgehen, wenn Kinder sich einfach immer zu viel auftun, also einfach nicht einschätzen können, so wie viel sie vom Kartoffelpüree oder von der Suppe oder wie viele Brote sie haben wollen. Und dann ist das ja so schwierig, weil die haben das dann auf dem Teller und sind auch irgendwie begeistert, haben voll Bock auf das Essen.

Und dann bleibt was übrig. Und wir wollen ja nicht sagen, bitte ist auf. Das bedeutet, wir müssen es wegschmeißen, was uns voll abfuckt. Oder wir essen dann immer die Reste. Und eine Hörerin schrieb auch so schön, dieses eklige, aufgefeuchte Müsli, das kann ich doch nicht essen. Oh ne, das kann man nicht essen. Und dann ist das echt ein Konflikt so. Und das ist total schwierig.

Deswegen gehen wir da doch mal rein. Also erstmal ganz wichtig so vorweg. Kinder können einfach das Portionsmaß nicht gut einschätzen. Das heißt, es ist auch kein Machtspielchen oder so. Es ist wirklich eine reifungsabhängige Fähigkeit. Dafür braucht man nämlich ganz schön komplexe Sachen. Also z.B.

Interrozeption, das ist so das Wahrnehmen von Hunger oder von Sättigung. Dann Antizipation, also einschätzen, wie viel werde und will ich denn gleich essen? Und natürlich einfach diese ganzen klassischen Exekutivfunktionen, also planen, abschätzen, dosieren. So, und das sind alles Entwicklungsschritte, die entwickeln sich erst über Jahre hinweg.

Also ein dreijähriges, auch ein fünfjähriges Kind, die können das gar nicht. Sie können das neurologisch nicht stabil leisten. So, das finde ich erstmal schon mal wichtig. Jetzt bin ich ja nun aber selber Mutter und weiß, dass wenn dann da so ein autonomiestarkes Kind sitzt, die wollen sich halt aber auftun.

Also das bringt mir jetzt ja nichts, wenn ich weiß, okay, das Gehirn kann das noch nicht leisten. Dann ist ja aber nicht das Fazit, deswegen tue ich das auf, sondern das Kind möchte ja trotzdem. Dann sage ich vielleicht den klassischen Satz mit, nimm dir nicht so viel oder so. Und damit können Kinder natürlich auch gar nichts anfangen.

Was heißt denn so viel? Also da braucht man ja auch wieder diese ganzen Exekutive Funktionen, die ich eben genannt habe. Also deswegen geht es da natürlich auch um eine Umformulierung. Also sowas wie Wir fangen erstmal mit einer kleinen Portion an. Nachnehmen geht immer oder sowas, das nimmt auch Druck raus und so.

Und dann ganz konkretisieren, also so viel zum Beispiel, sowas sagen wie, so viel wie deine Faust. Oder auch sowas ganz Praktisches wie im Kartoffelpüree eben keine große Schöpfkelle, sondern einen Esslöffel. Dann kann man zum Beispiel sagen, zwei Löffel Kartoffelpüree zum Start oder sowas. Also sozusagen so eine Art Übersetzungshilfe.

Und so kann man sich dann daran arbeiten. Es gibt zum Beispiel auch solche Teller, die schon so vorgefertigte Äckchen haben. Und da kann man ja auch sagen, von wegen jede Ecke darf aufgefüllt sein. Das ist dann automatisch gar nicht so viel sozusagen. Und ihr wisst Leute, Portionieren, nicht als Machtkampf nehmen. So, das ist eine Kompetenz, die sich noch aufbauen muss. Und ja, I feel you, ey, der Frust ist mir völlig klar. Ja, es geht da ja auch, dieses ganze Essensreste, dieses Rumgematsche, das Wegschmeißen, ja, und das piekst bei uns Erwachsenen halt einfach Themen an. Also Ressourcenthemen, eigene Essensbiografie hatten wir ja auch schon am Mittwoch.

Und auch jetzt mal ganz Ehrlich unter uns, na, auch sowas wie Ekel oder so, ja, und auch Überforderung. Also es ist völlig legitim, dass euch das stresst. Und deswegen, ne, denkt dran, die lernen das noch. Und wir können da so kleine Hilfen vorgeben, sozusagen, indem wir gucken, was für einen Portionslöffel tun wir auf, mit welchen Bildern könnte man arbeiten und so weiter.

Genau. Und das zweite Thema, das sich mehrfach gewünscht wurde, war in Bezug auf Süßigkeiten. So, wir wissen jetzt ja, gut, wir wollen Süßigkeiten nicht als ungesund titulieren, nicht als böse. Süßigkeiten dürfen dazugehören. Es geht um die Maße und wir können als Familie selber überlegen, sozusagen, was ist für uns und für unser Kind vor allem ein gutes Maß, frei verfügbar oder nicht, nach bestimmten Regeln und Vorgaben und so weiter und so fort. Aber jetzt gibt es ja noch andere Menschen und nicht nur wir in der Kernfamilie.

Und es haben mehrere Hörende sich bei mir gemeldet und haben gesagt, ja, aber immer wenn unsere Nachbarin kommt oder immer wenn die Oma kommt, die bringen immer Süßigkeiten mit. Und das kennt ihr alle. Da muss man ja auch sagen, Süßigkeiten steht in unserer Kultur nicht nur für Nahrung, sondern Süßigkeiten stehen auch für Zuwendung, Trost, Belohnung, aber auch dieses Ich-hab-man-nicht-gedacht und Beziehungsgesten. Deswegen ist das Thema ja ehrlich gesagt auch so emotional aufgeladen.

Es geht ja nicht einfach nur um Zucker, es geht richtig um eine Art Bindungssymbole. Und das finde ich schon mal wichtig, weil das so ein bisschen hilft, die Dynamik zu verstehen. Also wenn ich hier einen Rahmen setze als Mutter, dann greife ich ja nicht nur in das Essverhalten ein, sondern gegebenenfalls in Beziehungscodes. Und das ist ja so spannend, dass es viel mehr ist, als zu sagen, dass ich meiner Schwiegermutter oder meiner Mutter sage, hör doch mal auf, dem Kind immer Süßigkeiten mitzubringen. Von wegen, ich bin doch die Mutter, ich setze den Rahmen, das Angebot, Zeitpunkt und so weiter. Und so leicht ist es halt nicht, weil da sieht man sofort, es ist halt, man könnte vielleicht

sagen, ein Loyalitätskonflikt. Also ich will ja der Oma nicht wehtun, ich will irgendwie auch nicht klangähnlich wirken, ich will auch irgendwie keinen Drama machen. Ich würde gerne hier eine Ernährungsgrenze setzen, aber ich setze dadurch automatisch auch eine Beziehungsgrenze und das ist emotional anspruchsvoll und auch anstrengend.

Und ich würde euch damit geben wollen zweierlei. Erstens, Überlegt wirklich, ist es so schlimm? Und da gibt es keine generalisierte Antwort drauf. Da findet ihr nur individuelle Antwort. Dann wird ihr sagt, ja, ehrlich gesagt, schon. Ja, wunderbar. Dann habt ihr da ein Häkchen. Habt ihr darüber nachgedacht und festgestellt, ja, ich finde es schlimm. Oder ihr sagt, ja, komm, ganz ehrlich. Ja, ist doch egal.

Dann bringt die Oma halt immer diese kleinen Tüte Gummibärchen mit. Ich finde es irgendwie nicht geil. Aber weiß ich nicht. Das ist es irgendwie nicht wert. Was soll es? Das kann dann ja auch sozusagen am Ende dieser Überlegung stehen. Und wenn ihr aber an dem Punkt seid, zu sagen, nee, ich möchte da wirklich eingreifen, dann ist es natürlich klar, es ist jetzt nicht so geschickt zu sagen, Mama, hör mal auf Süßigkeiten zu schenken, sondern konkret eine Alternative zu sagen. Also ich fände es total schön, wenn du ein Pixiebuch mitbringen würdest oder mein Kind steht ja gerade so auf Sticker und so. Vielleicht magst du immer einen kleinen Sticker mitbringen oder so.

Oder ihr könnt auch sagen, ihr könnt es ja auch wirklich ehrlich ansprechen, je nachdem wie eure Beziehung zueinander ist. Und dann sagen von wegen Jammy, lasst uns lieber die Süßigkeit als was Besonderes draußen erleben, lasst uns zusammen Eis essen gehen oder so. Also die Süßigkeit darf gern da sein.

Aber wir heben sie uns zum Beispiel für unsere Süßzeit auf oder sowas. Also einfach was, was so ein bisschen die Kränkung rausnimmt und trotzdem den Rahmen hält. Also es geht natürlich nicht darum, Süßigkeiten zu verbieten. Es geht darum, sie verschiedenen Ebenen zu sehen und trotzdem eben zu sagen, also Beziehung geht auch ohne Süßigkeit als Kleber sozusagen. Und dann eben ganz konkrete Alternativen anzubieten. Oder eben auch, wenn die Oma das immer mitbringt, dass man dann zum Beispiel der Oma auch sagt, von wegen Ja, guck mal, hier ist unsere Süßigkeitenkiste, pack das doch da rein. Also gib es nicht dem Kind, sondern pack es in die Süßigkeitenkiste.

Zum Beispiel wäre das auch eine Möglichkeit. Aber ihr seht, ich eiere auch ein bisschen rum, weil es ist eben mehrschichtig. Es ist ganz schön komplex. So wie es immer ist, wenn Menschen aufeinandertreffen. Schön. Warum? Kinder sind auch Menschen. Es ist halt ganz egal, ob mit kleinen Menschen oder mit großen Menschen.

Es ist anspruchsvoll, aber es ist auch spannend und es ist auch lebendig und irgendwie auch ganz schön toll. Es ist auch ganz schön toll. So, ich freue mich auf nächste Woche. Da wird es um das Thema... Ja, weiß ich noch nicht. Ich kann mich noch nicht entscheiden. Ne, dann sage ich es noch nicht.

Ne, ich... Okay, cool. Das war jetzt richtig klug, Almut. Weiß ich auch nicht, warum ich das jetzt gemacht habe. Egal. Ich wollte euch aktiv teilhaben lassen. Hört, zwei Sekunden noch. Wir hören uns nächste Woche. Tschüss.

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