Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 7

Nachgehört: Neurodivergenz Diagnostik

Sonntag, 11. Januar 2026 · 7 min

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Shownotes

1. Sollten Geschwisterkinder in der Diagnostik automatisch mit angeschaut werden?
2. Leidensdruck kann man nicht immer von außen erkennen
3. Reicht nicht ein neurodivergenzsensibles Zuhause?

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Oh man, oh man, ich habe diese Woche euretwegen, hört ihr das Ausrufezeichen, euretwegen, einige Tränchen vergedrückt. Ich kann es nicht anders sagen. Ihr habt mir so berührende Texte geschickt zu meiner letzten Podcast-Folge. Da war ja das Thema Neurodivergenzdiagnostik. Deswegen sind wir auch heute bei der Nachgehört-Folge Neurodivergenzdiagnostik. Boah, was für lange Worte, ey.

Und ihr habt Geschichten geteilt aus eurem Familienleben, aus eurem eigenen Leben, von früher, von jetzt, von euren Kindern, von euren Partnerpersonen und so weiter. Und da habe ich geweint, weil das berührend war, weil es traurig war. Ja, weil da krasse Geschichten dahinter stecken. Und ich danke euch ganz doll für diese Offenheit, für diese Vulnerabilität.

Das ist ein unglaublich kostbares Gut und ich möchte damit so sensibel und achtsam wie möglich umgehen. Und nun sind wir bei der Nachgehört-Folge. Das heißt, hier greife ich Rückmeldungen von euch auf, Fragen von euch auf, die ihr zur aktuellen Podcast-Folge mir gesendet habt. Entweder als Kommentare bei Spotify oder in privaten Nachrichten bei Instagram, bei TikTok und so weiter. Und wir fangen gleich mit der ersten Frage an. Und zwar haben mich mehrere Menschen gefragt, ob es wichtig und sinnvoll ist, Geschwisterkinder direkt auch mit zur Diagnostik anzumelden.

Also das bedeutet, ihr habt ein Kind, mit dem seid ihr in der Diagnostik und dann gibt es aber noch ein zweites, drittes und so weiter Kind dazu, ein Geschwisterkind. Und ob man die auch sozusagen gleich mit angucken lassen sollte. Und ich arbeite ja nun mit ein paar PsychiaterInnen auch schon zusammen und begleite seit vielen Jahren Familien in Diagnostikprozessen und Reisen.

Und mein Fazit ist ganz klar, ja unbedingt. Also wir wissen ja von dieser riesigen genetischen Disposition und wenn ein Geschwisterkind Neurodivergent ist, dann ist es schlichtweg sehr wahrscheinlich, dass die Geschwisterkinder dazu auch Neurodivergent sind. Genauso wie das es wahnsinnig wahrscheinlich ist, dass die Eltern dazu Neurodivergent sind.

Das heißt eigentlich müsste man sagen, ja, es gibt diese eine Person und bei der startet das alles. Manchmal sind das die Kinder, manchmal sind das die Eltern und alle, die da genetisch mit drin hängen, die dürfen sich da auch einfach mal angucken lassen. Und das ist auch das, was ich aus den ganzen Familien, mit denen ich Zusammenarbeit eben kenne, bei den Geschwisterkindern wird.

In nahezu jedem Fall eben auch was erkannt. Und deswegen ja, guckt es euch an. Und zwar auch, und das ist der zweite Punkt, den ich unbedingt jetzt auch nochmal betonen möchte. Auch wenn ihr als Eltern oder als Lehrkräfte oder als ErzieherInnen von außen gar nicht so richtig einen Leidensdruck wahrnehmt. Es gibt so viele Kinder und ja, auch da nochmal Fokus auf Mädchen, es tut mir leid, ich finde das so wahnsinnig wichtig, ich glaube ich mache das auch nochmal als ganz eigene Neurodivergenz-Podcast-Folge.

Diese unerkannten Mädchen, diese angepassten, überangepassten Mädchen mit diesen starken Coping-Mechanismen, mit dem starken Masking, die sind so kompetent. Und dann hast du da diese Mädchen oder auch diese erwachsenen Frauen und die sind so tough, die sind selbstbewusst, die sind laut, die sind witzig, die sind souverän, die kommen doch klar, die kommen doch klar.

Und man sieht inneren Leidensdruck, nicht automatisch von außen. Und ich will euch jetzt gerade als Eltern da gar keine Panik machen im Sinne von, oh Gott, euer Kind wird ganz doll leiden. Das möchte ich gar nicht sagen. Ich möchte euch nur dafür sensibilisieren, dass man Leidensdruck nicht immer von außen sehen kann.

Und es gibt so viele erwachsene neurodivergente Menschen, die sagen, hätte doch bitte einfach jemand mal genau hingeguckt oder mal genau nachgefragt. Weil dass ich so gut funktioniere und dass ich so gut klarkomme, ist nicht ein Zeichen davon, dass es mir gut ging. Sondern das sind Bewältigungsstrategien, die wir wahnsinnig früh schon erlernen.

Und die sind wichtig. Bewältigungsstrategien helfen. Ich will das gar nicht verteufeln. Also Gott sei Dank, das sind ja auch Überlebensstrategien. Und trotzdem geht es mir einfach darum, ihr könnt den Leidensdruck nicht immer von außen klar erkennen. Und deswegen ja, schaut euch bitte auch eure Geschwisterkinder dazu an. Wenn ihr mehrere Kinder habt, schaut euch die alle an, bitte. Und der letzte Punkt, den ich aufgreifen möchte, ist, ja, Diagnostik, wir behalten das mal im Hinterkopf, haben ein paar Menschen mir geschrieben und haben gesagt, aber zu Hause machen wir ja schon ganz viel so neurodivergent sensibles Familienleben.

Reicht das nicht? So und da muss ich erstmal sagen, großartig, großartig, dass ihr das macht, das ist ja der beste Form von Schutzraum, den es gibt, dass eure Kinder zu Hause sein dürfen, dass ihr bedarfsgerecht euer Familienleben und den Alltag gestaltet, dann sowas vielleicht auch wie Psycho-Edukation, vielleicht redet ihr mit euren Kindern auch darüber, Gehirne unterschiedlich sind, dass Nervensysteme unterschiedlich sind und zwar wertfrei unterschiedlich, nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders. Und Familien, die sowas mitbringen, da muss ich auch ganz klar sagen, damit ist schon mit das Wichtigste geschafft. Also, dass eure Kinder aufwachsen dürfen zu Hause und wissen, hier darf ich sein.

Hier muss ich nicht funktionieren, hier muss ich nicht maskieren. Hier darf ich sein und hier wird das sogar gemocht, wie ich bin. Das ist toll. Und ja, ich finde deswegen auch nicht per se, dass man dann sagt, ja, aber das Kind ist doch sehr wahrscheinlich neurodivergent. Ihr müsst eine Diagnostik machen. Also erst mal müsst ihr gar nichts. Und ich habe ja auch schon in der letzten Folge am Mittwoch erzählt, welche Risiken es gibt, wenn ihr in die Diagnostik geht. Das ist ja nicht so, als wäre dann alles easy peasy und dann habt ihr die Kiste, sondern das kann auch ganz schön viel Schmerz mit sich bringen, weil eben die Diagnostik nicht so fachlich versiert und differenziert stattfindet, wie sie immer stattfinden sollte.

Und deswegen, wenn euer Kind in dem System, in dem es gerade ist, Kita oder Schule oder so, klarkommt. Jetzt sind wir wieder bei diesem Punkt, was heißt schon klarkommt. Aber wenn ihr euer Kind sensibel beobachtet und ihr merkt, das ist okay. Ich glaube, wir begleiten unser Kind so sensibel, dass es stabil ist, trotz dieser Widerstände wie zum Beispiel dem Schulsystem. Dann habt ihr das bitte einfach im Blick, dass eine Diagnostik helfen kann aus all den Gründen, die ich am Mittwoch gesagt habe, also auch mit Identitätsentlastung und so weiter.

Also achtet darauf, wie euer Kind über sich selber spricht, wie euer Kind auf sich selber guckt und so weiter. Und das Wichtigste ist das, was ihr in der Familie als Basis vorlebt und deswegen nein, natürlich müsst ihr dann keine Diagnostik machen. Aber habt bitte im Hinterkopf, dass man Leidensdruck nicht immer von außen erkennen kann und dass es auch tatsächlich einfach sehr schnell kippen kann. Und wenn man dann Wartelisten hat von über einem Jahr, um auf einen Diagnostiktermin zu warten, ja, dann kann das sehr, sehr, sehr lange werden.

Genau. So, das war noch der Nachtrag, die Nachgehört-Folge zur Mittwochs-Folge. Wie gesagt, vielen Dank für eure Vulnerabilität, für eure Offenheit. Das hat mich sehr, sehr berührt. Es ist so schön, dass ich euch als Hörende hier in meinem Podcast habe. Wirklich. Ich glaube, ich habe hier ganz aus Versehen die besten Menschen gesammelt. Kann ich nicht anders sagen.

Ich freue mich sehr auf nächste Woche. Und da sage ich schon mal, es geht um das Thema Loben. Bis nächste Woche.

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