Kinder sind auch Menschen

Nachgehört: Akut-Selbstfürsorge

Sonntag, 28. Dezember 2025 · 7 min

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Shownotes

3 Notfall-Strategien, wenn doch alles zu viel ist

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Ja, das habe ich jetzt gar nicht bedacht. Ich habe gar nicht bedacht, dass wenn ich jetzt diese Nachgehört-Folge, wie beim letzten Mal auch, als so schönen Walk and Talk aufnehme und mit euch gemeinsam durch Berlin laufe, was ich übrigens als Idee auch immer noch wirklich sehr, sehr mag, da habe ich wohl gar nicht dabei bedacht, dass wir gerade in Berlin knackige minus neun Grad haben.

Ja, das ist wohl an mir vorbeigezogen in der Überlegung. Und das Handy, mit dem ich gerade diese Podcast-Folge aufnehme, das habe ich wohl in meiner ganz und gar nackigen Hand. Das heißt, wir können jetzt gemeinsam schauen, wie lange es dauert, bis ich zur Elsa werde. Let it go, let it go. Wir probieren es aus.

Also herzlich willkommen in der neuen Nachgehört-Folge. Ich habe schon in der Mittwochs-Folge Selbstfürsorge angekündigt. Heute geht es nicht um präventive Selbstfürsorge- und Regulationsideen, sondern um drei Notfallstrategien, drei Notfallideen, wenn eben die ganzen präventiven Pläne gar nicht funktioniert haben.

Erstmal an all die Leute, die sich denken, das brauche ich überhaupt nicht. Ich weiß gar nicht, warum es bei manchen Leuten so schwierig ist. Dann herzlichen Glückwunsch. Und ich meine das ganz unironisch. Das ist ja einfach nur toll. Und das ist doch toll, dass es bei euch im Äußeren wie im Inneren einfach so gut eingerichtet ist, dass das nicht notwendig ist.

So und jetzt aber an all die Leute, die genau diese Notfall- oder präventiven Ideen eben brauchen oder auch umsetzen. Ihr seid damit nicht allein, wirklich nicht. Ich arbeite ja wirklich seit vielen Jahren als Pädagogin mit Familien zusammen und ich weiß, dass es in Familien manchmal wirklich, wirklich doll hergeht, weil einfach die Temperamente von Menschen sehr unterschiedlich sind.

Ich sage nur Thema Neurodivergenzen. Unsere Nervensysteme, unsere Gehirne sind einfach so massiv unterschiedlich. Deswegen geht es auch sehr unterschiedlich in Familien daher. Und jetzt rund um die Feiertage, die Kinder sind zu Hause, vielleicht noch Verwandtenbesuch, alle sind irgendwie überreizt. Da kann es eben auch schnell kippen. Und deswegen jetzt drei Mini-Ideen, was man machen kann, wenn man merkt, es kippt oder es ist schon gekippt. Deswegen Idee Nummer eins, der Mikro-Rückzug. Ich weiß, dass wir oft im Kopf haben, ich darf das Kind nicht alleine lassen, in seiner Wut, in seiner Überreizung, Überforderung und so weiter.

Aber wenn ich selber komplett kippe, dann ist es total in Ordnung zu gehen. Und ich meine nicht Wohnung verlassen und das Kind wirklich alleine lassen, sondern den Raum wechseln. Schließt euch kurz im Badezimmer ein. Ich weiß, dass das manche Menschen jetzt ganz doll befremdlich finden und sich nicht vorstellen können. Und ich weiß aber eben aus meiner Arbeit auch sehr gut, dass es genau diese Momente gibt, an denen wir uns selber und deswegen auch unser Kind schützen müssen, indem wir kurz gehen.

Also ab ins Bad einschließen, vielleicht ist das Kind dann auch weinend vor der Tür oder schlägt gegen die Tür, aber ihr habt einfach einen Mikromoment für euch zum runterregulieren. Das heißt da in diesem Moment wirklich kurz verankern, ich spüre den Boden, ich spüre mich, Hand aufs Herz, ich spüre meinen Herzschlag und so weiter. Also einfach ganz kurz raus aus der Situation und ankern und dann Tür aufmachen und bestenfalls haben wir dann wieder einen Hauch Kapazität und Akku, um unser dysreguliertes Kind zu begleiten.

Weil, um das schon mal vorneweg zu sagen, Diese riesige Aufgabe unserer Generation als Eltern ist ja, dass wir unseren Kindern beistehen wollen beim Thema Regulation, dass wir den Regulationsstrategien zeigen wollen, dass wir sie begleiten wollen dabei und das während wir selber keine Regulationsfähigkeit erlernt haben. oder nur so semi-gesunde Regulationsstrategien. Und was ist das für eine spicy Aufgabe, dass wir als dysregulierte Eltern einem dysregulierten Kind Regulation beibringen wollen?

Ihr seht, das klingt anspruchsvoll und das ist es auch. Und deswegen sieht man auch da wieder, es fängt eben mit dem Thema Selbstregulation an. Also es fängt bei uns selber an. Und deswegen ist Selbstfürsorge auch kein Extra. Selbstfürsorge ist Grundversorgung. Okay, ihr seid also nicht irgendwie egoistisch, wenn ihr auf euch achtet, sondern wenn wir zu anderen Menschen gut sein wollen, dann müssen wir zuerst zu uns selber gut sein. Sagt sich so leicht, ne?

Aber auch da, noch so ein kluger Satz, ja, aber meine ich wirklich so. Regulation schlägt Optimierung. Es geht nicht darum, dass alles heiti-teiti und perfekt ist, wie in der Nutella-Werbung morgens beim Frühstück, sondern es geht darum, dass wir nach und nach Regulationsstrategien für uns lernen und somit besser durch den Tag durchkommen.

Okay, Mikro-Rückzug war der erste Tipp. Der zweite Tipp ist Shake it off, hat Taylor Swift schon gesagt. Das heißt, es geht ums Schütteln. Macht euch kurz Musik an, laut. Dann haben die Kinder vielleicht auch Bock mitzumachen. Und dann schüttelt ihr alles ab. Also ernsthaft. Ihr schüttelt eure Arme, eure Hände, eure Beine, alles einzeln. Eure Füße, eure Po, Hüfte, Kopf.

Hüpft rauf und runter. 50 Mal. Also wirklich. Shake it off. Das reguliert unser Nervensystem. Das hilft total gegen Anspannung. Bestenfalls müsst ihr sogar lachen. Also das kann ein total guter Break sein in einer echt schwierigen Situation. Und deswegen an dem Fall, wenn ihr euch alle an Tellers wirft, vielen Dank dafür. Und der dritte und letzte Tipp ist, dass ich weiß, dass es vielen Menschen gut tut, bei Überreizungen, wenn das Nervensystem kippt, einen selbstgewählten starken Gegenreiz zu setzen.

Also zum Beispiel in eine Zitrone zu beißen oder auf einen Center-Schock zum Beispiel, das kennt ihr bestimmt alle noch, an etwas sehr scharfem oder starkem zu riechen oder ganz kaltes Wasser über die Unterarme laufen zu lassen oder ein Eiswürfel in den Mund zu nehmen. Also einen starken Gegenreiz setzen hilft auch, wenn die äußerlichen Reize, die meistens nicht selbst gewählt sind, alle viel, viel zu viel sind.

Okay, ihr seht auch diese Nachgehört-Folge war ein bisschen kürzer als die sonstigen, ganz mit Absicht, damit ihr die Möglichkeit habt, was dazwischen zu schieben und das auch so in diese Zeit gerade reinzukriegen. Danke, dass ihr dabei wart diese Woche und nächste Woche hören wir uns wieder zum Thema Medien. Ich freue mich drauf und dann schaue ich mal, ob sich meine Hände noch bewegen.

Bis dann!

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