Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 4

Nachgehört: Schule

Sonntag, 21. Dezember 2025 · 10 min

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Shownotes

Bindung vor Bildung! So kann Schule eben auch aussehen.

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Hallo, hallo, willkommen zur Nachgehört-Folge, oh yeah, willkommen, oh yeah. So Leute, weil ich ja letzte Woche beim Thema Schule gar keinen Song gesungen habe, gab es jetzt hier mal einen zur Nachgehört-Folge. Da mache ich nämlich normalerweise gar keinen Song. So, jetzt ist es wieder ausgeglichen, oder?

Also erstmal wollte ich mich sehr bei euch bedanken. Ich habe ganz, ganz viel Rückmeldung zu der Schulfolge bekommen am Mittwoch. Und vor allem auch ganz viel von Lehrkräften aus Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz. Und das freut mich ganz, ganz doll, dass ihr diese Folge nicht als Kritik an euch oder eurer Berufsgruppe aufgenommen habt.

Das war mir sehr, sehr wichtig. Und gleichzeitig haben mich die Nachtraggerichten teilweise auch sehr, sehr traurig gemacht, weil ihr nämlich nicht geschrieben habt. Nein, Almut, da nimmst du eine komplett falsche Kiste wahr. Das ist mittlerweile ganz anders. Sondern tatsächlich waren diese Nachrichten alle sehr, sehr bestätigend, dass ihr das bei euch an den Schulen auch so erlebt. Und ich habe auch viele Nachrichten bekommen von Lehrkräften, die eben genau deswegen das Schulsystem verlassen mussten, weil sie es nicht mehr schaffen, das auszuhalten, innerhalb dieses Systems zu sein und so weiter. Und das kann ich individuell sehr, sehr nachvollziehen. So, das wird jetzt hier aber

keine traurige Folge. Es wird auch keine wütende Folge, so wie die am Mittwoch, sondern jetzt geht es um positive Beispiele. Denn die gibt es natürlich auch. Selbst in diesem verschimmelten System Schule gibt es diese Funken, diese Funken an Hoffnung und Haltung, die Lehrkräfte, die Dinge einfach anders machen. entgegen aller Widerstände.

Und das finde ich wahnsinnig schön. Und ich benenne jetzt gar nicht so Sachen, die ihr mir geschrieben habt, sondern tatsächlich einfach kleine Anekdoten, die ich hier bei mir im Umfeld erlebe. Also in den Schulen, in denen ich selber gearbeitet habe zum Beispiel oder in denen meine Kinder auch waren oder auch die mir von Eltern berichtet wurden, die in meinen Gruppen und Kursen sind oder in meinen Beratungen. Und das sind so Kleinigkeiten, Wo man schon merkt, das ist gar nicht so eine riesen Umstrukturierung. Wir müssen nicht das ganze Konzept Schule verändern, um diese Dinge verändern zu können.

Und deswegen zähle ich euch da mal so ein paar Sachen auf, damit ihr merkt, okay, es ist nicht alles, es ist nicht alles verloren. Es gibt diese kleinen Funken an Hoffnung. Also, zum Beispiel kenne ich eine Lehrerin, die vor jeder Arbeit, die sie mit den Kindern in der Grundschule schreibt, macht sie erst mal ein Bewegungselement. Sie lässt die Kinder aufstehen und dann machen die irgendwas Lustiges, also wo die sich alle kurz bewegen, wo alle kurz lachen.

Das ist massiv stressabbauend, weil diese Aufregung und diese Anspannung und dieser Druck vor so einer Test- und Arbeitssituation, der sitzt ja im Körper. Und durch so eine Bewegungssituation wird das so shake it off, es wird so aus dem Körper rausgeschüttelt und das Lachen tut natürlich auch total gut und es nimmt auch so diese bierernste, super seriöse Prüfungssituation raus.

Und dann sagt diese Lehrerin, wenn um sozusagen wieder den Übergang zu finden zum wieder hinsetzen und dann arbeiten, dann sagt diese Lehrerin so einen Ich kann das Spruch. Also ich kann Ihnen jetzt nicht mehr sagen, wie genau er hieß, aber sie hat sich quasi so eine Art Slogan überlegt und den sagt sie einmal und dann sagt die ganze Klasse den im Chor.

Und das ist so schön, also auch von der Lehrerin noch mal zu hören. Ich traue euch das zu. Und dann sagen die Kinder sich das selbst und auch gegenseitig. Ja, wir trauen uns das auch selber zu. Ich traue mir das zu. Und so starten sie dann in die Arbeit. Das sind, keine Ahnung, summiert drei Minuten, die das kostet. Und die sind es absolut wert.

Auch eine Geschichte von einem Lehrer aus der Grundschule und aber übrigens auch eine gleiche Geschichte von einer Lehrerin auf einem Gymnasium. Die haben kleine Rückmeldeschlaufen in ihren Unterricht eingebaut, so ganz standardmäßig. Und zwar nicht im Sinne von Feedbackgespräche, offizielle, die sind ja auch verpflichtend, die gibt es ja eh, sondern wirklich so Rückmeldeschlaufen im Sinne von ein paar Sekunden. Das heißt, die haben sich einfach angewöhnt, immer wieder zu Kindern zu gehen im Unterricht, sich neben sie hinzuhocken.

Und sowas zu sagen wie, danke, dass du mir heute geholfen hast, meine Blätter auszuteilen. Oder danke, dass du für ein Sekretariat gegangen bist, um das kurz zu klären. Oder wir hatten ja besprochen, dass du versuchst, mir mündlich mitzumachen. Ich habe richtig gemerkt, wie gut das geklappt hat gestern. Also ihr hört schon, das sind Sekunden. Und das macht so viel.

Ja, weil das Grundprinzip heißt, Bindung vor Bildung. Es geht nicht das eine oder das andere. Also wir müssen in Beziehung, Arbeit investieren, damit unsere Kinder lernbereit werden, kooperationsbereit und so weiter. Dann eine Sache, die ich ja letzte Woche schon angemerkt hatte. Es gibt mehrere Lehrkräfte, die Tests mehrfach schreiben lassen.

Weil so ist es ja auch im Arbeitsleben. Wenn du da was ablieferst, kann ja sozusagen deine Leitung auch sagen, das gefällt mir jetzt nicht so oder das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt oder den Punkt hast du vergessen. Und was macht man dann? Man überarbeitet es. Also man macht es halt nochmal oder anders. Das haben mir auch einige von euch geschrieben, dass sie das tatsächlich schon vor einiger Zeit umgestellt haben und dass das total gut funktioniert.

Nun habe ich letzte Woche, also letzten Mittwoch, ist ja die gleiche Woche, ich habe letzten Mittwoch nochmal darüber gesprochen, wie schwierig Ampelsysteme sind. Man kann aber zum Beispiel, habe ich in mehreren Klassen erlebt, eine, wie geht's mir heute Ampel machen. Also das finde ich eine total tolle Idee, denn diese Kinder kommen um acht Uhr morgens in diesen Raum, in dieses Klassenzimmer, wo sie alle aufeinandertreffen und die hatten so unterschiedliche Morgenden, so unterschiedliche Startpunkte. Und das ist eine ganz tolle Idee zu sagen, wie geht es dir gerade, weil das ja auch für die Lehrkraft super sinnvoll ist, schon mal zu wissen, wie ist dieses Kind hier eigentlich angekommen und wie kann ich da

vielleicht auch helfen und unterstützen oder auch wenn es einem Kind super gut geht, dann weiß man okay, alles klar, vielleicht gehen wir dann jetzt mal zusammen an so eine Sache ran, die wir eher schon aufgeschoben haben oder so heute reicht vielleicht die Energie dafür. Das finde ich ein ganz tolles Ampelsystem.

Es gibt auch Berliner Schulen, und zwar Oberschulen, bei denen ist der Sportunterricht freiwillig. Das ist doch eine Mega-Idee. Und jetzt bevor ihr wieder kommt mit, Almut, es kann doch nicht dein Ernst sein, dass du den einzigen Moment, wo sich die Kinder mal richtig bewegen müssen, um mal nicht zu sitzen, dass du sagst, ihr müsst nicht mitmachen. Nee, nee, nee, ich differenziere das nochmal kurz, was das heißt. Also, es gilt natürlich Anwesenheitspflicht. Natürlich, ja.

Also alle Kinder müssen zum Sportunterricht erscheinen. Und alle müssen auch mitmachen. Aber dieses Mitmachen kann eben auch aussehen, dass es ein Mithelfen ist. Also du hilfst mit, die Sachen aufzubauen, aber du musst eben nicht über diesen scheiß Bock springen, wenn du das nicht möchtest. Weil ich muss euch nicht erklären, warum Sportunterricht massiv beschämend ist.

Es gibt so viele Erwachsene, die immer noch von diesen schlimmen Situationen im Sportunterricht erzählen. Ich sage nur, Mannschaften wählen und man wird als Letztes gewählt und so weiter und so fort. Findet alles noch statt. Und die Idee, Sportunterricht freiwillig zu machen, ist so toll, weil sich dadurch tatsächlich auch der Sportunterricht verändert.

Und die allermeisten Kinder eben, weil sie wissen, ich muss nicht, haben eben doch Freude, punktuell an bestimmten Sachen mitzumachen, zum Beispiel bei der Aufwärmphase und so weiter. Und deswegen bewegen sie sich trotzdem, haben die Möglichkeit sozusagen, was anderes mal zu machen, als am Tisch zu sitzen.

Aber sie müssen eben nicht sich, keine Ahnung, über die Reckstange schwingen, während alle zu gucken und lachen. Schön ist auch ein Begrüßungsritual. Da kennt ihr safe so Reels und TikToks zu, wo die Kinder sozusagen mit irgendwelchen Handshakes an der Tür begrüßt werden oder Umarmung oder sowas. Und das ist so eine simple, aber eine wahnsinnig schöne Idee, weil Zuwendung nachweislich Stress senkt und gleichzeitig aber auch die Kooperationsbereitschaft erhöht. Also das ist eine Win-Win-Situation. Jedes Kind wird jeden Morgen einzeln begrüßt mit Namen und Augenkontakt und vielleicht sogar Körperkontakt. Das ist ja nur schön.

Und Körperkontakt ist auch noch so ein Punkt, was, wenn ein Kind ein störendes Verhalten zeigt, dann ist es viel sinnvoller, als von vorne zu rufen, sei jetzt mal still oder sitz dich doch mal ordentlich hin, dass man zu diesem Kind hingeht und Körperkontakt aufbaut. Also zum Beispiel einfach wirklich die Hand zart auf den Arm legt und wirklich im Eins-zu-eins-Kontakt sagt, ich sehe dich, wir sprechen da nachher noch mal drüber oder komm noch mal kurz mit oder sowas, was weiß ich. Aber nicht dieses Beschämende vor der Klasse. anbrüllen. Und lieber Einzelansprache natürlich. Auch eine ganz tolle Idee, die ich schon häufiger beobachtet habe in Grundschulklassen vor allem, sind Auszeitkarten. Also laminierte Karten oder so,

Lehrkräfte laminieren ja so gerne alles. Und die dürfen die Kinder nehmen und zücken, also vorne beim Lehrerinnentisch, ablegen ohne Erklärung. Also sie dürfen sich eine Auszeitkarte nehmen, die vorne auf den Tisch legen und dann eine Auszeit nehmen. Also viele Klassenräume haben hinten irgendwie eine Couch oder so, wo man sich kurz hinlegen kann oder kurz im Flur und durchatmen. Gerade mit kleinen Kindern muss man natürlich besprechen, wohin geht's.

Also ist jetzt natürlich nichts in der Sache. eine halbe Stunde auf dem Schulhof rumzuturnen, ein Buch zu nehmen, kurz hinten in den Klassenraum zu setzen oder so. Oder auch einfach am Tisch selber zu bleiben, aber einfach kurz den Kopf abzulegen. Wie auch immer. Es gibt diese Auszeitkarten, da muss man nicht erklären, warum.

Man muss sich nicht rechtfertigen, sondern man darf einfach sagen, ich brauche eine Pause. Und ganz ehrlich, das ist doch auch was, was wir unseren Kindern gerne von Anfang an mitgeben möchten. Weil wie viele Erwachsene können das eben nicht, zu sagen, ich brauche einfach kurz eine Pause. Okay, das war unsere Nachgehört-Folge. Danke, dass ihr mit mir rein seid ins Thema Schule. Ich freue mich ganz doll, dass ihr dabei seid und wir hören uns wieder.

Tschüss!

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