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Shownotes
Eltern, die ständig am Handy sind
Die deutsche Medienangst
Bildschirmfrei vor 3
Und was heißt das jetzt konkret?!
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Kinder sind auch Menschen. Willkommen bei einem Podcast von und mit der Pädagogin Almut Starke. Heute dreht sich alles um das Thema Medien. Ja Leute, jetzt habe ich hier wieder meine Synchronsprecherstimme rausgeholt, weil ihr das in der allerersten Folge so gefeiert habt. Jetzt habe ich die letzten fünf Folgen vergessen, deswegen kommt sie jetzt wieder raus. Habe ich jetzt beschlossen.
Also, wir widmen uns heute dem heiß diskutierten, mit unglaublich vielen Emotionen besetzten Thema Medien. Das wird jetzt eine schwierige Kiste, aber wir schaffen das zusammen. Wir haben ja auch das Schulthema gemeinsam geschafft. Also was soll denn da jetzt noch kommen, oder? Ihr wisst, ich kategorisiere das wie immer in verschiedenste Kapitel, damit ihr dann auch ganz gezielt skippen oder hören könnt und auch nachhören könnt und so weiter. Und deswegen starten wir gleich mit dem ersten Kapitel. Kapitel Nummer eins.
Eltern, die am Handy sind. Das ist ja tatsächlich per se schon ein Feindbild. Es gibt sogar Plakate, kennt ihr das? Wo man so ganz traurige Kinder sieht, die so alleine im Sandkasten sitzen. Auch so, die sitzen so ganz gekrümmt und sehen ganz grau und traurig aus. Und im Hintergrund sieht man eine Mutter, selbstverständlich eine Mutter, weil wenn es um Elternbeschämung geht, geht es natürlich immer um Mütter, nicht um Väter. Und im Hintergrund sitzt eine Mutter, am Handy. Statt ihr Kind lieb zu haben, statt mit ihrem Kind zu spielen, ist sie am Handy.
Meine Güte, diese Generation der Eltern, das ist ja beschämend. Früher, damals, früher, als es noch keine Handys gab, da, genau, da sind die Eltern meistens gar nicht mit auf den Spielplatz gegangen, möchte ich ganz kurz mal betonen. Jetzt sind sie ja wenigstens da und reichen ab und zu einen Apfelschnitz. Nein, also jetzt mal wirklich.
Wir, wir als Eltern, ich bin da ja mit drin, ja, wir sind am Handy, ja, und zwar mehrfach, jeden Tag. Und wenn das so in Zeitungsartikeln und, weiß ich nicht, auf Boomer-Diskussionen und so weiter als Argument immer gebracht wird, diese Eltern, die immer am Handy sind, die armen, armen Kinder, Da fehlt mir bei dieser Diskussion leider vollständig, was dieses Handy in der Hand denn ist für Eltern.
Also ich sehe richtig, wie diese Menschen, die zum Beispiel dieses Plakat gestaltet haben, wie die sich richtig vorgestellt haben, dass diese dämliche Mutter, da statt mit ihrem Kind zu spielen, jetzt auf TikTok rumscrollt und sich Katzenvideos anguckt. Aber Leute, das ist ja nicht die Realität. Also ein Handy ist ja alles.
Also da steckt ja alles drin, was man übrigens bevor es Handys gab auch gemacht hat, nur aufgeteilt auf verschiedenste Dinge und Medien und so weiter. Die allermeiste Zeit, wenn Eltern am Handy sind, dann organisieren sie, ich meine, ihr wisst das, ich weiß das, ich muss euch das gar nicht sagen, ja, aber einfach, um es nochmal auszusprechen, also, wir machen Termine beim Kinderarzt und der Kinderärztin, die nächste Uhr, bla, 7, 14, was auch immer. Wir schreiben mit der Oma, ob sie morgen das Kind von der Kita abholen kann, ja.
Wir schreiben unseren Partnerpersonen, dass sie bitte noch das Zeug für die Muffins einkaufen muss für morgen, für den Schulbasar und so weiter. Wir machen die Überweisung für die nächste Klassenfahrt. Wir schreiben die scheiß Einkaufsliste und teilen das mit dem Menschen, der auch einkaufen geht. Wir verkaufen gebrauchte Kinderklamotten und so weiter. Also das ist ja, das steckt ja alles in diesem Handy und das ist alles Mental Load, das ist alles. Organisation, die wir da eben machen, wo wir vielleicht früher eben am Telefon dafür waren.
Das ist ja aber gar kein Unterschied. Also wenn meine Mutter am Telefon war, um eben zum Beispiel meinen Vater anzurufen und zu sagen, besorg bitte noch das und das für den Kuchenbazar morgen, dann hat sie währenddessen mit mir auch nicht gespielt. Sie war halt am Telefon. Warum ist das jetzt besser, als wenn ich jetzt heutzutage meinem Mann eine WhatsApp schreibe?
Same, same. Und es ist natürlich nicht nur die Organisation, sondern es ist auch einfach Verbindung zu anderen. Ja, also wenn wir mit unseren Kindern zusammen sind, dann ist das doch auch ein ganz großes Geschenk, dass wir dann über unser Handy zum Beispiel noch unsere Freundschaften pflegen können, dass wir Fotos hin und her schicken können, Videotelefonie und so weiter.
Das ist auch einfach ein wahnsinnig gutes Mittel gegen Einsamkeit. Und Leute, die Einsamkeit von Eltern ist real. Und das Handy ist wie so ein Fenster, so ein Fenster raus aus der Buddelkasten-Realität. Und das brauchen wir manchmal. Wir brauchen diesen Austausch mit den anderen Menschen, ein kurzes Rausskippen aus unserem Alltag gerade. Das Handy ist auch Ventil, ja.
Wenn ich gerade eine unglaublich fordernde Zeit habe mit meinen Kindern und einfach gerade gar nicht mehr kann und ich hänge hier fest, keine Ahnung, es ist Magendarm und was weiß ich, ja. Dann ist das so ein gutes Ventil, um meinen Frust rauszulassen, indem ich meiner Partnerperson oder irgendwelchen Freundinnen und Freunden Nachrichten schreibe und mich auskotze, wie anstrengend das gerade ist.
Und dann lege ich das Handy weg und kann das wieder besser zu Hause handeln und begleiten. Also auch das ist, was im Handy drin steckt. Oder wenn wir bei dem Magen-Darm-Beispiel bleiben. Vielleicht guckt sich die Mutter auch dann nicht irgendwelche TikTok-Videos an, sondern fragt Chachipiti, ab wann das kritisch wird mit dem Magen-Darm-Virus, wenn so und so viel nicht getrunken wurde und so weiter und so fort. Also das steckt alles in diesem Handy drin. Und jetzt auch um es nochmal zu sagen, selbst wenn ihr einfach auf Instagram oder TikTok scrollst, Ja, dann ist das doch aber genau auch eine gute Idee, weil es einfach kurz gut tut, sich kurz mit was anderem zu beschäftigen. Also einfach mal kurz raus, den
Kopf und den Geist mal mit etwas anderem berieseln zu lassen. Meine Güte, nichts spricht gegen berieseln lassen. Also auch da kriegt ihr von mir keine Scham, keine Schuld präsentiert. Das ist völlig in Ordnung. Das Einzige, was wir mitnehmen bei diesem Thema, ist eine Sensibilisierung. Also, da kann ich mir ja auch selber auf die Nase fassen. Also, wann bin ich am Handy?
Da muss ich nämlich ganz ehrlich auch sagen, an all diesen Momenten, wie ich es gerade genannt habe, aber auch in klassischen Übersprungshandlungen. Also, keine Ahnung, ich stehe mit meinen Kindern am U-Bahnhof und die U-Bahn kommt erst in sieben Minuten, hole ich mein Handy raus. Da bin ich natürlich dann nicht ewig auf Instagram, sonst ist dieser Automatismus.
Ich hol's raus und guck, hat mir jemand geschrieben, ist irgendwas. Und das sind zum Beispiel Momente, wo ich mir vornehmen möchte, ja, das mache ich vielleicht einfach weniger. Also diese nicht reflektierten, leeren Leerlauf-Momente, wo ich dann sofort ans Handy greife. Oder wenn wir am Handy sind, dann sage ich meinen Kindern, was ich tue. Also ich sage, warte mein Schatz, ich möchte ganz kurz den Termin für deine U-blablabla machen. Also, ich möchte sozusagen es mehr wahrnehmen, dass ich gerade am Handy bin.
Also, dass ich da gerade arbeite oder dass ich es gerade als Pause nutze oder als kurzen Dopaminkick oder was auch immer. Aber ich möchte es wirklich bewusst wahrnehmen. Und das ist eine Sensibilisierung, die möchte ich euch gerne mitgeben. Und ansonsten bitte einfach wenig Scham. Ich bin da ganz, ganz doll wütend, wenn dieses Narrativ mit, die Eltern heutzutage sind immer am Handy, aus der Tasche gezogen wird.
Das ist zu platt, Leute. Das ist viel zu platt. Und dann gucken wir uns doch vielleicht lieber mal an, warum Eltern heutzutage so massiv überlastet sind, statt sie zu beschämen, dass sie viel am Handy sind. Und was mich auch bei dieser ganzen Diskussion so nervt, ist, wir haben da diese Mutter, die auf dem Spielplatz an ihrem Handy sitzt, i-pui-pui. Wenn wir jetzt aber ein Bild davon machen und dann nehmen wir das Handy aus ihrer Hand und machen ihr ein Buch in die Hand. Dann sind alle so, oh, schaut, das ist toll. Das ist doch auch ein tolles Vorbild. Schaut euch diese Mutter an.
Und da sieht man schon, was da schiefläuft, Leute. Und damit kommen wir nämlich auch direkt, man, als hätte ich mir diese Überleitung hier einfach selber serviert. Jetzt kommen wir nämlich direkt zu Kapitel 2. Kulturpessimismus in Deutschland. Ja, das klingt doch richtig gut, oder? Wie so ein Artikel. Also, wir müssen es mal ganz ehrlich sagen, das zieht sich durch unsere deutsche Geschichte durch. Und da sind wir auch einfach ein bisschen speziell. Also, es gibt Kulturen, da sind dauerlaufende Fernseher oder Radios und so völlig Normalität, völlig normal. Und die sind nicht alle verhaltensauffällig geworden oder haben keinerlei Aufmerksamkeitsfähigkeit mehr oder so.
Das ist ein deutsches Ding. Und dieser Kulturpessimismus oder auch die Medienangst, die zieht sich halt durch unsere Geschichte vollständig durch. Und ich meine wirklich, die zieht sich durch. Also als das Lesen, ach ey, jetzt hätte ich vielleicht nochmal recherchieren sollen, danke. Seit wann lesen wir in Büchern und so? 18.
Jahrhundert, was auch immer. So, als das Lesen kam, ja, damals hat man schon gesagt, nein, die Jugend wird verderben, die Kinder müssen doch bitte weiterhin alles auswendig lernen, das muss von Mund zu Mund weitergegeben werden, ja, Bücher lesen wird unsere Jugend verderben und es wird süchtig machen und so weiter. Das wurde schon zum Lesen gesagt. Und damit hat es ja nicht aufgehört, als es Zeitungen gab und nein, Radio, Schlimmstes, Fernseher, Telefon. Also das ist so verrückt.
Es ist wirklich typisch deutsch, dass neue Medien immer mit Untergangsfantasien einhergehen. Immer schon. Also es gab immer diese Warnung von, das macht unsere Kinder verhaltensauffällig, jetzt geht es bergab. Das war's. Bis jetzt ist alles so gut gelaufen und jetzt geht's steil bergab wegen, und das kann man dann eben beliebig so ersetzen. Jetzt natürlich Handy, Smartphones, KI und so weiter. Und witzig ist vor allem, dass wir jetzt halt so rückblickend eben auch so unterscheiden, und zwar in gute und schlechte Medien.
Also jetzt, 2025, würde ich jetzt schon mal spontan sagen, gute Medien sind zum Beispiel Bücher, Zeitungen natürlich und ich würde sagen Hörspiel hören auch. Und schlechte Medien sind aber Handy, Videos, ich liebe auch diese Wörter, die wir dafür haben, daddeln, zocken und so, das ist ja auch alles schon so abfällig, TikTok, YouTube und so weiter, das sind alles schlechte Medien, das ist ja völlig klar.
Diese unglaublich lange Tradition in Deutschland, der Medienangst, die prägt uns auch 2025. Also jedes neue Medium steht im Verruf, dass wir nun alle verdummen und verhaltensauffällig werden. Es gibt ja Veränderungen, die wir sehen können, jetzt ja auch rückblickend, seit es, keine Ahnung, das Handy gibt oder so.
Und deswegen wissen wir zum Beispiel, ja, es wird weniger Handschrift ausgeübt. Wir schreiben einfach weniger mit der Hand. Ja, und das kann man jetzt schade finden. Also wirklich, zu Recht, ja. Aber ich möchte einfach auch daneben stellen, dass wir ja Kompetenzen hinzugewinnen. Also zum Beispiel gibt es Studien zu Super Mario, das zitiere ich immer gerne, weil ich selber total gerne Super Mario gespielt habe, dass Menschen, die Super Mario spielen, die haben nachweislich einen Zuwachs der grauen Substanz, also im Gehirn.
Und da wissen wir zum Beispiel, da sind so Kompetenzen wie räumliches Denken verankert oder Navigation, Planung, Arbeitsgedächtnis. Das ist doch ein Knaller. So, durch Super Mario spielen. Ja, also großartig, oder? Oder alleine auch diese multimodale Informationssuche. Also ich finde das ja auch immer wieder beeindruckend, wenn ich da anderen Menschen bei zugucke. Also wir können zwischen Text, Video, Bild, Audio und so weiter parallel hin und her wechseln und gezielt Informationen rausfiltern und zusammenfassen und so weiter. Das ist doch eine großartige Kompetenz und das konnten wir früher nicht.
Ja, also deswegen, es stimmt, es verändert sich. Vielleicht können wir jetzt nicht mehr so gut Stadtpläne auseinanderfalten und wieder zusammenfalten. Das konnte ich als Kind schon nicht, bin ich daran verzweifelt. Ja, aber wir können gut in so digitalen Karten-Maps-Systemen lesen. Also deswegen, es darf einfach nebeneinander stehen.
Und wir müssen jetzt auch einfach rückblickend sagen, Diese gefährlichen neuen Medien haben unsere Kultur nicht zerstört, sondern erweitert. Sie haben einfach neue Formen von Kunst oder politischer Teilhabe oder Bildung und so weiter möglich gemacht. Es ist nicht alles bergab gegangen und deswegen dürfen wir da ganz optimistisch sein, dass das nicht so weitergeht und es eben in diesem großen Kontext sehen mit dem Kulturpessimismus in Deutschland, was echt ein Riesending ist, Leute. Es ist wirklich ein Riesending.
Ich bin sehr gespannt, ob wir das irgendwann ablegen. Ich weiß ja nicht. Meine Güte. Kapitel Nummer drei. Bildschirmfrei vor drei. Kapitel drei und vor drei. Es hat sich jetzt gedoppelt. Es klang jetzt nicht so gut. Ihr kennt bestimmt diese Initiative, also diese Kampagne Bildschirmfrei vor drei.
Das wird in meinen Beratungen sehr oft von Eltern angesprochen, auch in meinen Kursen und so weiter. Also das hat geklappt. Diese Kampagne hat sich sehr schön durch Deutschland durchgezogen und führt dazu, dass sich ganz, ganz viele Eltern ganz, ganz doll viel schlecht fühlen. Und was mich an dieser Kampagne so ärgert, ist, dass es so wirkt, als wäre es wissenschaftlich. Oder?
Also, das wirkt doch erforscht. Es hat so diesen Habitus von, ja, ÄrztInnen raten das. Na, da muss es ja stimmen. Und deswegen ist es mir ganz wichtig, hier mal ganz kurz aufzuklären. Diese Kampagne ist von zwei anthroposophischen MedizinerInnen. Ja? Zwei. Okay? Zwei. Anthroposophischen Medizinern. So, und das ist kurz wichtig.
Wir werden jetzt nicht über die Anthroposophie sprechen und Waldorf und so weiter. Vielleicht machen wir das mal als eigene Podcast-Folge. Ja, wie soll ich sagen? Also, es ist völlig klar, dass in deren Weltbild Mediennutzung per se zu Verhaltensauffälligkeiten oder Bindungsstörungen führen. Ich möchte auch ganz kurz, wenn ich das nur kurz angesprochen habe, dass diese zwei MedizinerInnen auch behaupten, dass ADHS entsteht durch zu viel Mediennutzung. Und Leute, das ist einfach falsch und das ist fahrlässig und ganz fürchterlich sowas zu behaupten. Also diese Kampagne ist eine Meinung. Diese ganze Kampagne ist durch eine Haltung entstanden, durch eine Meinung entstanden und nicht das Ergebnis von Forschungsergebnissen.
Das ist der Knackpunkt. Und wenn ihr jetzt sagt, hey Mutter Helmut, gibt es denn Forschungsergebnisse? Ja, tatsächlich, gibt es. Aber die kommen zu einem ganz anderen Ergebnis als das, was diese zwei anthroposophischen MedizinerInnen uns sagen wollen. Und zwar relativ fresh sogar. Also von der Oxford University, von 2023.
Also es ist wirklich relativ frisch alles noch. Und diese Studie hat nämlich ergeben, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass sich Bildschirmzeit von Kindern irgendwie negativ auf die kognitive Entwicklung oder auch das Wohlbefinden von Kindern auswirkt. Ich sag's nochmal, ja? Also diese Studie hat ergeben, dass es keine Beweise dafür gibt, dass sich die Bildschirmzeit von Kindern irgendwie negativ auf die kognitive Entwicklung oder das Wohlbefinden von Kindern auswirkt. Komisch, wird doch immer ganz anders behauptet in der Gesellschaft, oder?
Heißt das jetzt, es ist egal, was Kinder gucken? Nein. Heißt das, es ist egal, wie lang Kinder Medien nutzen? Nein. Heißt es, dass die Panikmache, die wir seit Jahrhunderten hören, Medien würden irgendwelche Auffälligkeiten oder irgendwelche Schäden in der Entwicklung unserer Kinder verursachen, doch tatsächlich genau das ist, nämlich Panikmache? Ja.
Also das ist wirklich das, was mir so wichtig ist in dieser Folge, dass ihr bitte mitnehmt, ja? Diese starren Empfehlungen zu Bildschirmzeiten, also wenn ein Kind drei Jahre alt ist, darf es so und so viel Minuten Video gucken, ja? Die erzeugen vor allem soziale Spaltung und Scham. Es wird immer argumentiert mit, das ist Orientierung, aber es sorgt vor allem zu Stolz bei denen, die da drunter liegen, ne?
Die fühlen sich dann ganz toll, herzlichen Glückwunsch. Und ansonsten ganz viel Scham und Schuld bei denen, die drüber liegen. Und deswegen fühlt es zu gar nichts gut. Und ich weiß, dass das so schwer ist und dass das nervt. Aber auch beim Thema Medien müssen wir individuell hingucken. Ich kann euch nicht sagen, dass ein fünfjähriges Kind so und so lange, keine Ahnung, Paw Patrol gucken darf oder Bluey.
Sondern ich möchte euch unbedingt dazu einladen, euer Kind anzugucken. Also, wie verhält sich euer Kind während des Videoguckens? Ist es wie so eingefroren mit offenem Mund und offenen Augen, bewegt sich komplett gar nicht, wirkt sowieso reingesaugt in den Bildschirm, dann ist das vielleicht ein bisschen krass. Dann sind die Reize vielleicht zu krass. Es ist vielleicht auch nicht das richtige Medium. Es ist vielleicht auch nicht der richtige Zeitpunkt am Tag. Und es ist vielleicht einfach noch von den Reizen zu doll oder auch von dem Inhalt zu doll.
Und auch, wie verhält sich mein Kind danach? Also das ausmachen ist natürlich sehr sehr schwer, weil Transitionen, also Übergänge für Kinder eh sehr schwer sind. Also wenn das Kind jetzt nicht ausmachen will, müsste jetzt nicht denken, ah da haben wir es, das ist der Beweis dafür, dass das noch nicht kindbereit ist für Mediennutzung.
Nee, natürlich müssen wir unser Kind dabei begleiten, auch beim Frust, auch überhaupt dann wieder eben diesen Übergang zu schaffen, was anderes zu machen und so weiter. Aber ich kann das bei Kindern ganz spannend beobachten, es gibt Kinder, die spielen diese Dinge nach, die sie gesehen haben. Also die spielen Szenen nach von den Videos, die sie gesehen haben, lassen das in Rollenspiele einfließen und so weiter.
Ihr glaubt gar nicht, wie viele Kinder ich schon habe, wortwörtliche Zitate sagen hören von Checker Tobi oder so, oder ProPlus. Das ist ja Wahnsinn, was Kinder auch alles lernen an Wissen, an Vokabular und auch an Kultur und Ländern und Religion einfach nur dadurch, dass sie Medien nutzen und Videos darüber schauen. Also versucht euch ranzutasten, was gut klappt. Also ist es für das Kind sinnvoller einen verlässlichen Moment am Tag zu haben, sodass das Kind nicht immer fragen muss, darf ich Video gucken, darf ich Video gucken, sondern dass ich meinem Kind sage, du darfst immer Video gucken zu diesem Moment oder manche Familien machen auch so Medienkarten, je nach Alter des Kindes und Entwicklung des Kindes hat das dann zum Beispiel
so drei Medienkarten und das Kind darf zu einem beliebigen Zeitpunkt diese drei Karten ziehen und wenn die weg sind, dann sind die weg zum Beispiel. Und wie viel diese Karten umfassen, das beschließt natürlich ihr. Fünf Minuten, zehn Minuten, eine Folge, eine Stunde, was auch immer. Und es ist natürlich auch nicht nur die Frage, wie lang guckt euer Kind Videos, sondern auch tatsächlich, was für Videos. Also es gibt zum Beispiel ganz tolle, so interaktive Videos. Also ich bin zum Beispiel ganz großer Fan von Yonalu. Die Folgen sind relativ lang.
Also ich glaube, Eine halbe Stunde, fast, denke ich. Aber das sind so Musicalfolgen und da werden den Kindern wirklich so Lieder mit Bewegungen beigebracht. Und das ist einfach so schön, dass dann wirklich so kleine Kinder schon vorm Fernseher sitzen und mithopsen und mittanzen. Das ist also nicht dieses starre vorm Tablet sitzen und da eingesaugt werden, sondern die machen da richtig mit. Und das ist toll.
Geschweige denn, ich rede jetzt ja die ganze Zeit von Videos. Es gibt ja auch einfach so viele tolle Spiele. Also so Apps. Wo Kinder richtig knobeln und nachdenken müssen und wirklich auch digitale Kompetenzen erwerben und so, da sind die ja das Gegenteil von einfach nur passiv konsumierend, sondern die sind ja richtig aktiv, also die sind ja produzierend dabei, das ist ja ein riesiger Unterschied auch fürs Gehirn und fürs ganze Nervensystem.
Oh, übrigens kleiner Tipp von mir. Ne, ist wirklich kein Insider-Tipp, aber ich lieb's so, deswegen möchte ich's hier kurz erwähnen. Und zwar Trudestier. Kennt ihr Trudestier? Ich liebe das ganz, ganz doll. Also, das ist auch was, wo ich mir denke, oh, könnte mein Kind das bitte jetzt angucken, weil ich fänd's voll schön, mir das abzuschauen.
Auch absurd, ne? Na, egal. Okay, meine Güte, jetzt gucke ich mal kurz hier auf den Timer. Oh, in zehn Minuten muss ich vorbei sein. Naja, warten wir mal alle gespannt ab, ob das klappt. Deswegen gehe ich jetzt mal rüber zu Kapitel Nummer vier. Ja, aber was heißt das denn nun ganz konkret? Ja, ich habe euch ja schon einige konkrete Sachen mitgegeben, von wegen Sensibilisierung und so.
Aber es geht mir jetzt wirklich nochmal um ein paar Basics. Ich sag euch jetzt einfach nochmal so ein bisschen meine Haltung und dann werden wir aber auch nochmal ein bisschen konkreter, was das wirklich im Alltag heißt, okay? Mich macht das so müde, dass diese Mediendiskussion wieder dazu führt, dass Eltern beschämt werden.
Und ich hasse auch diese verlogene Diskussion darüber, dass diese armen Kinder jetzt hier alle Video gucken, statt einen Waldausflug zu machen. Wisst ihr, was ich meine? Das ist doch Bullshit. Die ehrliche Alternative zum Videogucken ist ja nicht, wir machen alle mit Picknick und Stöckern in der Hand und so einem was-wer-wie-was-Wald-Buch einen Waldausflug, sondern die ehrliche Alternative dazu, dass mein Kind jetzt Videoguckt ist, dass wir uns richtig anbrüllen, weil ich am Ende meiner Nerven bin, jetzt einfach nur kochen will, mein Kind kann auch nicht mehr, draußen ist schlechtes Wetter, alles nervt, Das Nervensystem von allen Anwesenden ist am Ende. Das ist doch die Alternative.
Das verstehe ich immer nicht. Also es ist doch kein Entweder-oder. Also nicht entweder Bullerbü-Kindheit, ja? Nicht entweder die Kinder spielen im Heu mit Babykätzchen oder bauen sich selber eine Hütte aus Holz oder sie sitzen stundenlang in einem dunklen Keller und zocken Videospiele. Leute, das ist kein Entweder-Oder, das ist ein Und. Und genau so ist es eben auch in diesen Situationen, wo Kinder Videos gucken.
Da ist nicht die Alternative, dass wir alle einen Happy-Ausflug miteinander machen. Das sind nicht solche Situationen. Es ist nicht stattdessen. Es ist ein Und. Es sind völlig unterschiedliche Situationen. Und Elternschaft findet im echten Leben statt, nicht im Idealfall. Und eine medienfreie Elternschaft ist einfach lebensfern.
Das müssen wir einfach so sagen. Und das wird ja auch nicht mehr aufhören. Also wir entwickeln uns ja gar nicht zurück. Und es ärgert mich so, dass Medienkonsum nicht differenziert im Kontext betrachtet wird, sondern wie so eine Charakterfrage gelesen wird. Also entweder bist du eine gute Mutter und ein guter Vater, dann guckt dein Kind kein Video oder eben du hast es verkackt.
Und wenn wir jetzt von sowas sprechen wie ein hoher Medienkonsum, was auch immer das sein muss, weil ganz ehrlich, die meisten Eltern lügen auch. Warum? Scham hatten wir ja eben schon ein paar Mal. Und ein hoher Medienkonsum ist oft ein Symptom von Überlastung, nicht von Gleichgültigkeit. Und ich wünschte, das würde ein bisschen mehr in den Köpfen ankommen.
Druck und Scham hilft nicht bei Überlastung. Im Gegenteil. Und ich muss euch das ja gar nicht sagen. Gewaltfrei, zugewandt, Bindung- und Beziehungsorientiert. Eltern zu sein, das kostet deutlich mehr Kraft als eine autoritäre Erziehung. Und wozu helfen Medien uns Eltern? Pause. Es hilft uns in der Überlastung.
Es gibt Pause und es schenkt auch Regulation. Und zwar nicht nur bei uns Eltern, sondern auch bei den Kindern. Also auch da noch mal, um es wenigstens ganz kurz anzusprechen. Neurodivergente Kinder, die nutzen Medien auch anders als neurotypische Kinder zum Beispiel. Also das ist ein ganz bewusster gewählter Reiz.
Es ist weder überreizend noch unterstimulierend. Die hören zum Beispiel auch ganz oft immer und immer und immer und immer das gleiche Hörspiel oder gucken immer dieselbe Folge an. Das ist also auch ein Stimming. Das ist eins von mehreren Regulationswerkzeugen. Und ja, es ist nicht gut, wenn es das einzige ist.
Aber es ist eins von vielen und das ist einfach, wie Nora Imlau immer so schön sagt, moralisch neutral. Es darf einfach wertfrei eins von diesen Regulationswerkzeugen sein. Und selbstverständlich ist es keine gute Idee, dass ein dreijähriges Kind sechs Stunden am Bildschirm verbringt. Im ganz normalen Alltag, ja?
Also jetzt nicht, keine Ahnung, ICE-Fahrt oder die Eltern liegen mit Magendarm zu Hause oder so, ne? Das muss ich euch ja nicht sagen. Also das ist ja völlig klar, aber davon reden wir doch gar nicht. Also abgerappt, ja? Seid mit eurem Kind draußen. Lasst es Tiere kennenlernen. Spielt mit eurem Kind Rollenspiele, Gesellschaftsspiele. Lasst euer Kind unter anderen Kindern und Erwachsenen sein. Tobt, streitet, lacht, kocht, esst zusammen und lasst es Videos gucken.
Das ist es. Das klingt doch ganz entspannt, oder? Und auch einfach ganz okay machbar. Findet ihr nicht? Ich finde schon. Okay, was sagt ihr? Haben wir das heiße Thema irgendwie gut gehändelt bekommen? Naja, ich bin gespannt. Also sagt mir gerne eure Rückmeldungen dazu. Kommentiert gerne bei Spotify zum Beispiel, wenn ihr mögt.
Schreibt mir gerne auf Instagram. Da erreicht ihr mich ja überall, bei TikTok auch. Ich würde mich total freuen, mit euch da in den Austausch zu gehen. Was sind eure Bedenken rund um das Thema und so weiter. Denn am Sonntag kommt hier wieder eine Nachgehört-Folge zu dieser Folge. Und da kann ich ja immer total gut aufgreifen, was noch eure Nachfragen dazu waren oder wenn ihr auch einfach etwas anders seht und so, dann lasst uns darüber sprechen und miteinander in Kontakt kommen, das finde ich ganz wichtig.
Und zwar worüber? Aha, über unsere Handys. Na sowas, denn was machen wir gerade? Wir nutzen ein Medium, wir hören Podcast und ich bin großer Fan dieses Mediums und ihr offensichtlich auch, sonst würdet ihr es nicht hören. Wie schön! Also an dieser Stelle, ich bin so froh, dass es Medien gibt. Bis nächste Woche.