Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 11

Nachgehört: Wut

Sonntag, 8. Februar 2026 · 8 min

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Shownotes

Ok, Wut ist ein wichtiges Gefühl. Es hat seine Berechtigung und ist ein wichtiges Signal. Aber was, wenn aus Wut Aggression entsteht? Wenn mein Kind mich oder seine Geschwister schlägt, beißt, tritt?

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Und zack, schönes Sonntag. Leute, die Zeit verfliegt. Ich sage es euch, wir sind schon bei der Nachgehört-Folge angekommen zum Thema Wut. Und ich freue mich total, dass ihr euch so viel bei mir gemeldet habt, dass ihr erzählt habt, wie viel Scham da bei euch ist, bei eurer eigenen Wut. Und das Schönste war wirklich, dass mir mehrere, vor allem Mütter, geschrieben haben und gesagt haben, nach deiner Podcast-Folge habe ich mich wieder ein bisschen mehr gern.

Das ist... Da habe ich ein kleines Tränchen verdrückt, es hat mich sehr berührt. Und gleichzeitig ist es auch so traurig, dass das eben was mit uns macht und was mit unserem Blick auf uns selbst und auf unser Selbstwertgefühl. Und jetzt, was ist das Thema für die Nachgehört-Folge? Ja, es haben sich sehr, sehr viele Eltern bei mir gemeldet und haben gesagt, okay, check, Thema Wut, ist ein Gefühl, darf sein und so weiter.

Aber was mache ich denn, wenn mein wütendes Kind anfängt, mich zu schlagen, mich zu beißen? oder das Geschwisterkind zu treten, zu hauen, zu beißen und so weiter. Und das schauen wir uns doch jetzt erst mal an. Also, wir haben ja nun letzte Woche, also diese Woche, am Mittwoch darüber gesprochen, was Wut ist, dass Wut ein Gefühl ist. Ihr wisst noch, Wut zeigt Grenze, Frust, Überforderung, Autonomie, Stress, alles so.

Wut ist nicht gut, ist nicht schlecht, sie ist einfach erst mal eine Information, ist einfach ein Zustand. So, Verhalten allerdings ist Aggression. Also Aggression ist Verhalten und Wut ist ein Gefühl. Das ist ein Unterschied. Aggression kann aus Wut entstehen, klar. Aber es ist nicht das Gleiche.

Das finde ich noch mal ganz wichtig. Also Aggression ist Verhalten. Also Schlagen, Beißen, Treten, Dinge zerstören, aber auch verletzende Worte. Auch das muss man sagen. Also auch so kann man ja sozusagen aggressiv und verletzend sein. Und deswegen ganz klar, Wut darf sein. Aber Aggression soll und muss begrenzt und begleitet werden.

Also Gefühle dürfen sein und Verhalten braucht Schutz und auch Begrenzung. Das ist völlig klar. Und da sind wir bei diesem schönen Spannungsbogen. Also, weil wenn die Wut sehr stark ist, habe ich ja schon gesagt, dann So ist das Kind ja eh schon überfordert, es ist ein Versuch die Kontrolle zurückgewinnen, Stressreduktion und so weiter. Also die Gefühle kommen körperlich raus, zum Beispiel durch die Aggression.

Die Kinder sind nicht in dem Maße fähig zur Impulskontrolle, zur Ansprache und so weiter. Weil wir das wissen, Hilft uns das? Das heißt aber nicht, nur weil ich weiß, was da passiert, ist es okay, dass mein Kind körperlich wird. Weil das sind nochmal zwei unterschiedliche Dinge. Also wenn mein Kind mich angreift oder das Geschwisterkind angreift, dann ganz klar Hand stoppen, Abstand herstellen, Geschwister oder mich schützen. Ruhig und klar und körperlich präsent. So, das ist völlig klar.

Schutz steht an erster Stelle. Und das ist kein Widerspruch zur Validierung des Gefühls. Und das ist Begrenzung des Verhaltens, nicht Absprache des Gefühls. Dieser Unterschied ist wirklich, ihr seht, ich habe schon mehrfach gesagt, der ist so wichtig. Deswegen unser Gehirn lernt durch Wiederholung.

Ich werde es wohl noch ein paar Mal sagen. Also ihr dürft und solltet euch schützen, die anderen Kinder schützen und wirklich auch körperlich. Und ihr könnt dabei natürlich auch Sätze sagen. Jetzt ist aber die Frage, welche Sätze. Also ich sag mal ganz kurz, welche Sätze ihr euch sparen könnt. Ihr könnt euch sparen, sowas zu sagen wie, schlagen ist nicht in Ordnung oder ich hab gesagt, bei uns wird nicht geschlagen oder sag mal, wenn du jetzt auch noch ihn und guck mal und er weint schon oder das macht mich total wütend, wenn du mich beißt. Das sind Sätze, die könnt ihr euch sparen, weil, das habe ich ja in der Mittwochsfolge schon gesagt, das Gehirn eures Kindes ist eben nicht in dem Maße

fähig, sowas überhaupt zu verarbeiten. sondern wir brauchen kürzere Sätze und die in anderen Fokus legen. Also ich mache hier mal zwei Beispiele, also sowas zu sowas, dass ihr könntet sagen, ich lasse nicht zu, dass du schlägst. Oder zum Beispiel auch sehr gut finde ich, ich halte deine Hände fest, damit niemand verletzt wird. Das ist also keine Moralpredigt, sondern es ist einfach Schutz und Erklärung, warum wir uns verhalten, wie wir uns verhalten.

Auch das wird nicht dazu führen, dass das Kind sofort damit aufhört. Das ist völlig klar, weil wenn die Wutwelle, die Gefühlswelle zu groß ist, müssen wir einfach gemeinsam warten, bis die Wutwelle runtergesurft ist. Und sozusagen passen in dem Fall einfach währenddessen auf, dass körperlich und auch sonst jemandem nicht verletzt wird oder so wenig wie möglich. Und natürlich dürfen wir auch da die Gefühle spiegeln und sagen, wow, du bist richtig wütend und das ist alles viel zu viel für dich oder du willst einfach weg oder so oder du willst, dass es aufhört oder du hättest so gern diese Spielzeuge oder was auch immer.

Also das Gefühl benennen ist schon wichtig und gleichzeitig eben das Verhalten begrenzen und begleiten und Das ist eben genau diese Kombination, die eben so wichtig ist und auch genau die Differenzierung, auf die es eben ankommt. Also die Kinder, die, keine Ahnung, die drei-, vierjährigen Kinder und so und älter, die beißen, die schlagen, die schubsen und so. Die wissen, dass das nicht okay ist. Wir müssen denen nicht erklären, hauen ist doof und so weiter, weil dann stumpfen die auch so ab. Das ist immer das Gleiche, bla bla bla, dass die sich anhören müssen.

Sondern es geht eher darum, Körperlich da zu sein, zu begrenzen, aber nicht bestrafend körperlich eingrenzen. Ich glaube, ihr wisst, wo da die Gratwanderung ist. Da bin ich guter Dinge sozusagen, dass ihr das differenzieren könnt. Und es bringt eben auch nicht, das Kind anzubrüllen dabei und so, weil das befeuert ja noch mehr den Alarmzustand des Kindes.

Das heißt auch da, wie ich es schon am Mittwoch gesagt habe, versucht euch selber einzuchecken. Atme ich ruhig, kann ich das Kind körperlich begrenzen, ohne selbst meine körperliche Aggressionen da reinzustecken, ist meine Atem möglichst ruhig und so weiter. Es ist wieder Ko-Regulation, ihr wisst, es liegt wieder an uns, cool. Aber das ist eben genau die Differenzierung. Denn Gefühl darf sein.

Das Gefühl ist völlig zurecht da. Das Gefühl ist sogar wichtig und das ist gut. Aber das Verhalten wird von mir begleitet und begrenzt. Und das könnt ihr euch sozusagen mitnehmen in solchen Situationen. Und auch dann muss man sagen, es ist eben körperlich in einem gewissen Alter. Es ist ganz doll körperlich, weil diese körperliche Energie, die hier entsteht durch Wut, eben irgendwie raus muss.

Und genau, was man mit Kindern üben kann, anstelle von Schlagen, Beißen, Hauen, Treten, das haben wir ja schon in der Mittwochsfolge besprochen, das muss ich jetzt nicht nochmal beschwächen. Und das kann man eben auch mit Geschwistern total gut üben. Nicht in der Krisensituation selbst, logisch, sondern in einer ganz entspannten Situation. Dieses, was können wir denn machen, wenn wir uns vollstreiten?

Was sind für Optionen? Wir können gehen, Wir können uns Hilfe holen und so weiter. Also auch solche Dinge können wirklich besprochen und auch geübt werden, auch in Rollenspielen und so weiter. Also auch da, das finde ich immer wieder wichtig. Lasst es nicht einfach nur geschehen und reagiert immer reaktiv, sondern gerne auch proaktiv. Sprecht danach darüber, sprecht davor darüber, probiert zusammen Sachen aus.

Und dann hat es nämlich auch nicht was pädagogisierendes, sondern dieses Wir gestalten als Familie ja unser Miteinander, wie wir miteinander sein wollen. Und das üben wir alle zusammen. Und da haben die Erwachsenen Logischerweise auch noch viel zu lernen. Also das ist ja gar kein von oben herab, sondern da sitzen wir wohl alle gemeinsam im gleichen Wutbötchen und dürfen gemeinsam lernen, was es so für Werkzeuge gibt. Genau.

Okay, das war die kurze Nachgehörfolge. Wie immer nur ein ganz kleiner Snack am Sonntag und ich freue mich schon sehr darauf, euch nächste Woche Mittwoch wieder zu hören. Ich weiß noch nicht, welches Thema es wird, Leute. Ich kann es nicht sagen. Ich überlege noch. Aber ihr habt mir ganz tolle Vorschläge gemacht bei Instagram und da gab es auch so zwei, drei Sachen, die besonders häufig genannt wurden und ich glaube, davon nehme ich eins. Ja, werden wir uns vor allem gemeinsam überraschen dann am Mittwoch.

Habt ein schönes Wochenende!

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