Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 12

Übergänge

Mittwoch, 11. Februar 2026 · 26 min

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Shownotes

Warum sind Übergänge so schwierig? Warum eskalieren sie ständig? Was sind Übergänge neurologisch und psychologisch gesehen?

Wie können wir bei Übergängen ganz konkret helfen? Ideen, Werkzeuge und Handlungsimpulse für die ganzen klassischen, täglichen Situationen.

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Kinder sind auch Menschen, ja! Das ist sonnenklar! 2, 3, 4! Kinder sind auch Menschen, ja! Und alle rufen klar! Man, Leute, mit Energie starten wir in diese Folge rein, würde ich mal sagen. Und heute mache ich ein Thema, das ihr euch gewünscht habt. also ihr, die ihr zumindest mir auf Instagram folgt, denn ich habe gefragt, was würdet ihr euch denn wünschen für die nächste Podcast-Folge, damit ich ja auch nicht an euren Themen vorbeirede und tatsächlich habt ihr mich überrascht, ich kann es nicht anders sagen, denn wahnsinnig viele Leute haben sich das Thema Übergänge gewünscht und also als Pädagogin überrascht mich das natürlich nicht, in meinen Einzelberatungen und in den Fachberatungen, in meinen

Gruppen und Kursen und so rede ich ganz oft über Übergänge, also das ist für mich tatsächlich nicht neu und trotzdem witzigerweise habe ich gedacht, Weiß ich nicht, so als Podcast-Thema ist das nicht irgendwie zu, weiß ich nicht, zu spitz, das Thema. So und das werden wir jetzt gemeinsam rausfinden, oder? Wir probieren es mal.

Was ich erstmal schon richtig witzig finde, dass das Wort Übergänge so ein Elternwort ist. Wisst ihr, was ich meine? So außerhalb unserer Pädagogik oder Eltern-Bubble benutzt doch das Wort Niemand über, oder? Also das ist so ein spezifisches Vokabular irgendwie, das finde ich so lustig. Und das finde ich insofern interessant, weil es ist ja gar kein rein kindliches Phänomen. Wir Erwachsenen haben auch echt ein Thema mit Übergängen. Ich sag nur Feierabendbierchen, weil wir den Übergang von Arbeit und Feierabend zu Hause nicht hinkriegen. Oder die Snooze-Taste morgens im Bett. Oder noch kurz im Auto sitzenbleiben und aufs Handy schauen und rumscrollen, weil ich noch nicht aussteigen kann. Oder die Serie durchbingen, weil

ich nach einer Folge nicht aufhören kann. Kennt ihr vielleicht auch Leute, wenn ihr keine Ahnung viermal zu euch selber sagt, so okay, also nee, okay, jetzt, jetzt gehe ich wirklich ins Bett. Ihr kennt's, oder? Also ihr seht, Übergänge sind anspruchsvoll. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Also Kinder sind auch Menschen, scheint ein menschliches Ding zu sein. Übergänge sind anstrengend. Aber warum? Und ich denke, dass es vor allem auch daran liegt, weil Übergänge nicht einfach nur organisatorische Zwischenmomente sind. Weil das ist ja so, wie wir auf Übergänge gucken. Sondern eher emotionale und neurologische Schlüsselstellen.

Und ich finde, wenn man das so formuliert, dann sieht man schon, Überraschungen, die kippen bestimmt oft. Und das ist wohl auch der Grund, warum wir hier über dieses Thema reden. Aber bevor wir zu diesen Kipp-Momenten kommen, schauen wir uns erst mal an, was sind Übergänge. Und es gibt nämlich auch einfach sehr sehr unterschiedliche Übergänge.

Also es gibt natürlich diese klassischen Mikrotransitionen, also die Mikrowechsel. Zum Beispiel vom Spielen zum Aufräumen oder von zu Hause zur Kita zur Schule, was auch immer. Oder von wach sein zum Schlafen. oder von Medien ausschalten zurück in die reale Welt oder von Freizeit zu Pflichtaufgaben und so weiter. Das ist, glaube ich, auch das, was die meisten von euch beschäftigt, weil wir das ja nun mehrfach jeden Tag haben. Der ganze Tag ist voll davon.

Und dann gibt es aber auch Übergänge, die eher Entwicklungsübergänge sind. Also zum Beispiel von der Kita zur Schule oder von überhaupt in die Kita zum ersten Mal oder die Pubertät. oder Geschwisterkind werden oder auch Wechsel von Betreuungspersonen, also wenn zum Beispiel die liebste Erzieherin aus der Kita geht oder so.

Umzug, Trennung, Diagnose bei Neurodivergenzen, also all solche Sachen, das sind Entwicklungsübergänge. Und diese Übergänge betreffen ja die ganz großen Themen, also Identität, Sicherheit, Selbstbild und so weiter. Dann gibt es auch emotionale Übergänge, von Frust zu Kooperation, von Aufregung zu Ruhe, von Nähe zur Autonomie usw. Die sind genauso spicy wie die kognitiven Übergänge. Also klassische Fokuswechsel, das fällt uns Erwachsenen übrigens oft auch sehr, sehr schwer. Also dieses gerade habe ich hier noch rumgewuselt und mit den Kindern und zack, zack, zack und jetzt aber fokussieren und arbeiten.

Oder andersrum, ich denke gerade vertieft über was nach oder ich muss mich wirklich konzentrieren, weil ich diesen scheiß Elterngeldantrag ausfüllen muss und dann kommt mein großes Kind und labert mich voll. Oder kognitive Übergänge sind auch so was wie eine Aufgabe halt beenden und eine neue beginnen.

Also ja, ihr seht, Das ist einfach unser Tag, unser Leben ist voll mit Übergängen und deswegen ist das ganze Thema Übergänge auch wirklich größer und komplexer als nur, keine Ahnung, mein Kind zieht sich nicht gerne an oder es ist so schwierig morgens zur Kita loszugehen. Übergänge bedeuten nämlich, jetzt machen wir es mal ein bisschen groß und pathetisch, oder?

Komm, mach das mal mit. Übergänge bedeuten auch Abschied, Loslassen, Unsicherheit, Veränderung, Kontrollverlust, you name it. Wenn einem das nicht schwerfällt, dann weiß ich auch nicht. Das haben wir ja auch schon in anderen Podcast-Folgen besprochen. Das kindliche Stresssystem reagiert halt echt sensibel. Auf sowas wie Unvorhersehbarkeit. Also schon wieder irgendwas, was sie nicht selber entscheiden. Was außerhalb ihrer Kontrolle liegt. Wieso gefühlt alles jeden Tag.

Und ja, I know, wir als Eltern sagen dann, fünf Minuten noch, dann brechen wir auf. Also wir versuchen ja das Thema Vorhersehbarkeit zu schaffen. aber Kinder haben ja ein komplett anderes Zeitempfinden. Also die können sowas wie Dauer und Zeit und so weiter oftmals deutlich schlechter einschätzen.

Und ehrlich gesagt, wir Erwachsenen auch oft, also um nochmal Bezug zu gerade eben zu nehmen, das ist ja dann auch dieses, ja okay, also ich sollte wirklich schlafen gehen, nur noch fünf Minuten Instagram. Ja, kommt Leute, die fünf Minuten, sind das ehrliche fünf Minuten? Und genauso geht es doch Kindern auch, wenn ein Kind total vertieft ist, so im Spiel. Das ist der schönste Zustand, den es gibt, Leute. Das ist ein Flow-Zustand.

Da ist alles perfekt. Diese Napsen, die springen und feuern. Sie sind richtig im Hier und Jetzt und eingesaugt in diesem Thema. Oder wenn euer Kind einfach wirklich gerade mit Freundinnen Spaß hat und sich so gut und zugehörig fühlt. Denn ist ein Beenden dieser Situation ein Herausreißen, ein Herausreißen von dem besten Zustand, den es gibt, diesem Flow-Zustand oder ein Herausreißen aus Gruppenzugehörigkeit. Also es ist sofort alles kacke, Fremdbestimmung, Stress schießt hoch, Reizwechsel, Anforderungen, Erwartungen erfüllen, Tempo mitgeben.

Also ihr seht schon ja, Übergänge sind fucking Stress-Hotspots. Ich glaube, so kann man es ganz gut zusammenfassen. Und deswegen sind Übergänge auch gar keine Nebensache. Ehrlich nicht. Sondern die ziehen sich durch den kompletten Tag. Und Übergänge betreffen unser Gehirn, Unser Nervensystem, Beziehung, Identität, Autonomie hatten wir ja gerade schon.

Und deswegen scheitern auch Kinder nicht an Übergängen, weil sie keine Lust haben, sondern weil Übergänge super hohe Anforderungen an Flexibilität und Regulation stellen. So, und über Regulation haben wir ja nun bei den unterschiedlichen Podcasts vorher jetzt auch schon drüber gesprochen. Das ist jetzt meistens nicht so eine Kompetenz, die kleine und größere Kinder schon gut können.

Und Erwachsene übrigens auch nicht. runtergebrochen sind Übergänge vor allem neurologische Hochleistungssituationen. Deswegen ist es echt keine Kleinigkeit. Jeder Übergang bedeutet, irgendwas loszulassen. Also zum Beispiel ich verlasse meine innere Fantasiewelt oder ich verlasse Sicherheit, weil ich weiß ja gar nicht, was jetzt kommt zum Beispiel.

Und ich verlasse halt Selbstbestimmung. Da sind wir auch gerade wieder beim Thema Autonomiephase von Kindern. Wenn das dann reinkickt, ist es noch viel schlimmer. Deswegen sieht man, finde ich, auch so ein bisschen, warum es für Kinder eben teilweise noch schwerer ist als für Erwachsene. Obwohl ja für Erwachsene das Thema auch schwierig ist. Aber wir als Erwachsene sind bestenfalls zeitorientiert. Wir können das besser einschätzen und so weiter, haben auch den Überblick.

Wir haben auch schlichtweg die Selbstbestimmung und die Kontrolle. Also ich beschließe ja, dass mein Kind in die Kita oder in die Schule geht. Ich beschließe, wann wir aufbrechen. Ich beschließe, ob wir jetzt noch zum Spielplatz gehen und so weiter. Und auch das ist natürlich ein Punkt. Wir haben als Erwachsene vor allem einfach mehr Erfahrung. mit Veränderungen, mit Wechsel und so weiter, weil wir es schon erlebt haben.

Und bestenfalls wurden wir liebevoll begleitet, zum Beispiel von unseren Eltern oder anderen Bindungspersonen und haben deswegen in unserem Werkzeugköfferchen Tools für solche Veränderungssituationen, für so Übergangssituationen, auf die wir dann zugreifen können. Und unsere Kinder haben das aber logischerweise noch nicht. Also, Leute, wir arbeiten doch gern mit Bildern, ne? Und mit wir meine ich mich.

Wobei ich auch viele Nachrichten von euch kriege, wo ihr auch Bilder mir gegeben habt, was für euch Bindung ist oder wie ihr auf Wut guckt und so. Deswegen doch, wir bleiben beim Wir. Also wir arbeiten ja gerne mit Bildern. Deswegen, ich habe manchmal das Gefühl, wenn wir über Übergänge reden oder sie uns anschauen, dann stellen wir uns das so vor, als wäre das einfach ein Schritt über eine Türschwelle. Und im Grunde genommen sind sie aber eher wie eine wackelige Hängebrücke.

Und diesen Stress auf der Hängebrücke, den zeigen dann Kinder durch Verweigerung, durch Wut, durch Trödeln, durch Albernheit, durch Flucht ehrlich gesagt auch oft und auch einfach manchmal durch plötzliches Bedürfnis nach Nähe und so. Nun bin ich ja selber auch Mutter. Ich weiß ja, wovon ich rede. Ich habe ein sehr ähnliches Erleben wie ihr auch. Das teilen wir uns ja als Eltern. Und deswegen kenne ich sehr gut die Frage, Warum klappt das denn dann jeden Tag nicht, obwohl mein Kind ja weiß, was kommt? Also Almuth hat ja gerade so klug pädagogisch dahergeredet und hat gesagt, Autonomie, vorhersehbarkeit habe ich gecheckt, aber mein Kind kann ja nicht ernsthaft jeden Tag davon überrascht sein, dass nach dem

Aufstehen mein Kind die Klamotten anziehen muss. Ich kenne diesen Frust. Wir gehen jetzt nochmal da ein bisschen genauer rein. Wir schauen uns das weiter an aus verschiedensten Perspektiven. Also ihr erinnert euch vielleicht, wer von euch die Wutfolge gehört hat, für den ist das jetzt nicht neues, aber ich fasse es nochmal ganz kurz zusammen.

Kinder verfügen noch nicht über eine vollständig entwickelte Exekutivfunktion, die zum Beispiel im Neokortex liegen, im präfrontalen Kortex. Und was gehört zu diesen Exekutivfunktionen? Sowas wie Pulskontrolle, Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität und so weiter. Diese Funktionen, wie gesagt, sitzen eben im präfrontalen Kortex und die entwickeln sich erst so ins junge Erwachsenenalter rein, also roundabout 25.

Da sind eure Kinder dann auch ein Weilchen von entfernt. Was sagt uns das? Das sagt uns durch dieses neurologische Basiswissen, dass ein Kind nicht einfach so aufhören kann, umdenken kann und neu anfangen kann. Und zwar selbst, wenn das Kind versteht, dass es das soll. So, dass das doch immer so ist, wie die Zusammenhänge sind.

Und das haben wir uns ja eben schon gemeinsam angeguckt. Übergänge verlangen einfach oft Dass wir eine Aktivität herunterfahren oder eine Aktivierung hochfahren. Auch immer schön diese Gegensätze. Dass Reize wechseln, dass Emotionen reguliert werden müssen und so weiter. Und was brauchen Kinder dabei?

Na genau, die Co-Regulation von uns. Also ja, okay, ist schon nervig. Es läuft immer aufs Gleiche hinaus. I feel you. Und wo ich gerade Reizwechsel gesagt habe, möchte ich es jetzt wenigstens nochmal als kleinen Nebenschwank erwähnen, wie in jeder Folge. Ihr wisst, in jeder Folge rede ich auch ganz kurz über das Thema neurodivergente Kinder.

Und das ganze Thema Übergänge ist bei neurodivergenten Kindern wirklich nochmal eine härtere Nummer. Weil einfach nochmal zusätzlich Schwierigkeiten entstehen können durch sensorische Reizwechsel. Also ich meine, guckt euch doch einfach nur das Thema Anziehen an. Der Stoff, die Nähte, enge, weite, was auch immer.

Irgendwo kribbelt es, irgendwo kitzelt es, irgendwo ist noch der Zettel hinten drin und so weiter. Und warum fühlen sich Socken so scheiße an? Sie wollen einfach nur nackig sein oder immer die gleichen Klamotten tragen. Viele neurodivergente Kinder haben auch einfach leicht verlangsamte Umschaltprozesse und eine erhöhte Stressanfälligkeit einfach wegen des Nervensystems. Also ihr glaubt gar nicht, wie viele neurodivergente auch Erwachsene es gibt, die Schwierigkeiten haben bei so ganz klassischen Mikroübergängen, so was wie zum Beispiel Duschen.

Da gibt es ja eben ganz viele von diesen Mikrotransitionen. Von warm zu kalt, von trocken zu kalt und wieder andersrum. Das ist alles fürchterlich. Und dann kleben so Fussel an den Beinen, die so halb trocken und halb nass sind. Das ist alles grauenvoll. Und deswegen, um jetzt wieder den Turnaround zu machen, also an viel Kraft für alle Eltern, die neurodivergente Kinder begleiten.

Aber zurück zu unserer elterlichen Aufgabe, bei der wir gerade waren. Um es nochmal zu sagen, ihr wisst ja, das Gehirn lernt durch Wiederholung, deswegen wiederhole ich manche Kernsätze. Übergänge sind keine reine Organisationsmomente, sondern es sind auch Beziehungsmomente. Und da kommen wir ins Spiel. Klar, hallo, da sind wir Eltern, kein Problem, kriegen wir hin. Also wenn Kinder in Übergängen schwierig wirken, dann zeigt das nicht einfach mangelnde Kooperation. Das ist mir wichtig, das zu sagen, weil so sieht es manchmal aus, sagen wir ehrlich.

Sondern es ist eher eine Überforderung. Eine totale Überforderung durch viele gleichzeitige Anforderungen. Und da gehen wir hin. Denn diese Anforderungen, die können wir uns mal angucken. Zum Beispiel, wenn wir den Satz sagen, zieh dich jetzt bitte an. Dann haben wir als Erwachsene genau im Kopf, was damit gemeint ist. Ganz genau.

Aber dein Kind gegebenenfalls nicht. oder doch und ist dann eben voll erschlagen von all den einzelnen Teilaufgaben. So, das heißt, was könnte helfen? Helfen könnte runterbrechen. Runterbrechen in kleine Schritte. Also nicht sagen, zieh dich an, sondern auf der Sprachebene sagen sowas wie, zieh jetzt bitte deinen Schlafanzug aus und lege ihn aufs Bett.

Und so das runterbrechen. Und das könnt ihr ja eben auf der sprachlichen Ebene, aber es könnt ihr auch auf einer visuellen Ebene, wo ihr dann so Handlungsreihenfolgen aufmalt zum Beispiel. Kann man auch kaufen, Leute. Müsst ihr nicht selber machen. Könnt ihr aber auch einfach selber malen. Müsst kein Geld ausgeben.

Weil es tatsächlich manchmal hilft, wenn ein Kind nach und nach die kleinsten Schritte abarbeitet, statt diesen großen Brocken zu kriegen. Mach dich bitte schulfertig. Was soll das denn heißen? Und eben danach erst. Hol dir jetzt eine frische Unterhose, zieh dir die an und so weiter. Und ja, ich weiß, es klingt mühsam, aber es kann wirklich helfen und dann insgesamt Unsere Nerven auch schon. Also falls ihr jetzt denkt, alter Schwede, Almut, willst du mich verarschen?

Ich soll jetzt sagen, mach bitte die Schublade auf, greife bitte mit deiner rechten Hand auf die linke Seite, dort findest du einen Stapel. Ja, nein, natürlich nicht, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Auch eine Sache. Macht es euch leicht. Ich meine es ganz im Ernst. Macht es euch leicht.

Wenn das Losgehen von der Kita nach Hause jedes Mal zu Verweigerungen und Tränen und was weiß ich was führt, dann bringt immer ein Safe Food mit zum Abholen. Immer. Auch wenn das Kind gerade Mittagessen gegessen hat. Das ist völlig unabhängig davon. Und dann fahrt einfach diese ganzen ätzenden Anforderungen runter. Denn ein Kind denkt ja nicht, Hey, okay, Kita war cool. Warte, zu Hause ist doch auch cool. Also los geht's.

Ich freue mich auf zu Hause, Mama. So, schön wär's, sondern dein Kind denkt, Kita ist gerade cool. Und jetzt kommt Mama und sagt, sag mal tschüss mein Schatz, räum bitte noch das Teil weg, das du gerade in der Hand hast. Ach und mit dem, der gerade spielt, sag mal tschüss. Ach wo ist denn eigentlich deine Brotbox? Kannst du mal suchen?

Zieh mal deine Schuhe an. Die Jacke kannst du schon alleine anziehen. Mach doch jetzt bitte. Oh dein Laufrad, nimmst du das jetzt bitte? Könntest du bitte? Trödel doch jetzt mal nicht so. Wir wollen doch nach Hause. Meine Güte, jetzt haben wir gar keine Zeit mehr zu Hause. Mach jetzt! Und so weiter. Das ist, was wir so sagen.

Macht es doch so anforderungsarm wie möglich in diesen Situationen, die sich jeden Tag wiederholen. Wisst ihr, was ich meine? Also drückt eurem Kind das Essen in die Hand. Dann verabschiedet ihr euch herzlich für euer Kind. Dann zieht ihr euer Kind an, auch wenn es das eigentlich schon selber kann oder selber können sollte. Und dann setzt ihr dieses Kind ins Auto oder ins Lastenrad oder hinten auf den Fahrradsitz drauf oder in die Tragehilfe oder was auch immer.

Und vielleicht hilft auch so was wie Das Lieblingsvorspiel des Kindes auf Kopfhörern und zack einfach auf den Kopf drauf, nicht sofort sagen, wir müssen übrigens noch zu dir Elmo das und das besorgen oder erzähl doch mal mein Schatz, wie war es denn heute in der Kita oder der Schule. Einfach alles so wenig anstrengend wie möglich.

Ich glaube, das ist es runtergebrochen. Damit auch einfach Kraft für den Übergang da ist und das Kind nicht so viel selber machen muss. Und nein, das ist kein Um-das-Kind-herum-Tanzen oder Verwöhnen oder so. Das ist nämlich sowohl einfach achtsam mit mir und meiner Kapazität und Kraft, als auch einfach klug. Weil wir als Erwachsene uns ja auch, keine Ahnung, einen Podcast auf die Ohren machen auf dem Weg zur U-Bahn oder sowas. Also es geht darum, das Nervige mit dem Netten zu verbinden. dass es nicht einfach nur ein Übergang ist, bis es dann zu Hause wieder nett wird, sondern die Sache an sich einfach schön sein kann.

Und das finde ich logisch und smart. Und ja, selber Klamotten anziehen, Fahrradfahren üben, was auch immer, das kann man ehrlich in besseren Momenten, als nach der Kita, wenn eh alles an Kooperationsfähigkeit aufgebraucht ist. Es gibt bessere Momente dafür. Also immer und immer wieder geht es um die Kernfrage.

Choose your battles wisely. Welcher Kampf muss wirklich sein? Und wirklich geht es mal schrittweise durch und fragt euch, muss das sein? Und woher kommt vielleicht auch die Überzeugung, dass ihr sagt, ja, das muss wirklich sein. Also kann das Kind nicht schon abends die Klamotten für die Schule anziehen?

Oder kann mein Kind nicht im Schlafanzug zur Kita fahren und erst da ziehe ich das Kind um? Das klappt oftmals viel besser. Kann ich die Klamotten meines Kindes nicht auf der Heizung aufwärmen, damit mein Kind aus diesem muckelig warmen Bett nicht in arschkalte Klamotten rein muss? kann ich das Kind nicht gemütlich anziehen, statt zu fordern, dass es das bitte selber machen muss, weil es ja schon fünf Jahre alt ist. Das ist ein bisschen wie, meine Leute, ich kann mir doch auch selber einen Kaffee machen.

Das kann ich. Und trotzdem ist es einfach total liebevoll und caring und kümmernd, wenn mein Mann mir den Kaffee bringt. Und mit Kindern ist das das Gleiche. Warum? Weil Kinder auch Menschen sind. Also ich glaube, es geht mir vor allem darum, macht keinen Machtkampf aus den Übergängen. Übergänge sind Momente der Korregulation und Beziehungssicherheit. Und was wir ja vorhin schon hatten, jeder Übergang enthält halt wirklich auch Elemente von Loslassen. So Kinder verlassen gerade was, was ihnen Sicherheit gibt und Kontrolle und Freude und so.

Spiel verlassen, Zuhause verlassen, Nähe verlassen, Selbstbestimmung verlassen so. Und Kinder, die ganz stark im Hier und Jetzt leben, die fühlen solche Abschiede oft einfach noch intensiver als Erwachsene. Und wenn Kinder sich in Übergängen schwer tun, dann verteidigen sie häufig nicht nur diese Tätigkeit, so wie wir Erwachsenen das oft unterstellen, sondern sie verteidigen Sicherheit.

Und wenn ein Kind in Übergängen Nähe sucht, dann trödelt oder protestiert das nicht einfach so, sondern das kann vor allem bedeuten, ich brauche Orientierung, ich brauche Sicherheit, ich brauche jemanden, der mit mir durch diesen Übergang geht. Und wie können wir das tun, mit diesem Kind durch den Übergang gehen, wie Almut so klug daherredet? So zum Beispiel durch Klarheit und Vorhersehbarkeit. Also erklärt die Abläufe, kündigt Übergänge an. So und zwar anders als in fünf Minuten gehen wir los oder in zehn Minuten gehen wir los, sondern am besten sowas wie schau mal hier, ich stelle ein Timer oder eine Sanduhr und wenn das piepst oder wenn das abgelaufen ist, dann gehen wir los oder machen uns Bettfertig

oder was auch immer. Ja, I know, das Kind wird nicht sagen, alles klar, ich bin jetzt bereit, ins Bett zu gehen. Gute Nacht, Bluwe, ich mach auf, mich macht das Video aus, ich freu mich jetzt aufs Zähneputzen. Ja, natürlich passiert das nicht so. Und dein Kind wird sich wahrscheinlich trotzdem schwer damit tun. Und dann, was passiert dann?

Ja, dann helfen wir dem Kind, indem der Frust sein darf, weil wir ja jetzt verstanden haben, warum Übergänge so schwierig sind und gleichzeitig auch so wichtig sind und wie komplex. Und dann versuche ich zugewandt und klar zu bleiben und begleite. Ja, und ich weiß, wir sagen trotzdem ständig sowas wie, wir müssen jetzt los, jetzt kommst du zu spät, na toll. So, schon der Morgen ist ja wirklich, hat ja vielen Eltern immer schon alles an Kraft gekostet. Ich weiß, ja.

Wir sind genervt, wir sind gestresst, wir haben keinen Bock und wir brauchen ehrlich gesagt selber irgendeinen Erwachsenen, der uns liebevoll korrigiert. So, bin that und that, ja. Deswegen, wie immer, seid bitte nicht zu streng zu euch. Für euch ist das auch kacke, für euch ist das auch anstrengend.

Und dann versucht euch immer wieder zu sagen, jeder begleitete Übergang ist ein kleines Übungsfeld für Lebenskompetenzen. Ja, machen wir es groß, Mann. Und das klappt manchmal besser, manchmal schlechter und das ist einfach okay. Und wenn es immer an den gleichen Situationen scheitert, dann lohnt es sich, da mal ganz genau hinzugucken. Wie kann ich Übergänge ankündigen? Wie kann ich Zeitfenster geben?

Wie kann ich Abläufe ritualisieren? Wie kann ich visuelle Strukturen nutzen und einfach dann wiederkehrende Reihenfolgen etablieren durch Übungen? Habe ich schon mal gesagt, dass unser Gehirn durch Wiederholung lernt? So, und jetzt noch mal ein paar wirklich ganz konkrete Sachen, was helfen kann.

Und zwar zum Beispiel Humor. Nee, ehrlich jetzt Leute, Humor ist das fucking Werkzeug in der Elternschaft. Beim Losgehen zur Kita oder zur Schule einfach einen Quatschsong singen oder beim Anziehen die Mütze über den Fuß ziehen und so was. Und ich weiß, wir haben da nicht immer Kraft für und so, das ist mir völlig klar.

Aber habt es einfach als Tool in eurem Hinterkopf. Oder lasst eine Handpuppe einziehen, die immer nur kommt, immer nur, wenn man das Video ausmachen soll. Also schaut wirklich genau hin, was sind diese typischen Punkte, an denen es eskaliert, wo es jeden Tag schwierig ist. Und da überlegt ihr euch was proaktiv.

Zum Beispiel, wenn das Ankommen in der Kita schwerfällt, dann überlegt man, hilft es vielleicht gemeinsam, Hand in Hand erstmal durch alle Räume durchzugehen und zu checken, wer da ist. Oder könnt ihr jetzt vielleicht zwischen Erzieherin und Kind eine Brücke bauen, sowas wie, hey, Entschuldige, ganz kurz, er wollte dir gerne erzählen, was wir gestern Nachmittag zusammen gemacht haben.

Oder, schau mal, sie hat heute ein Bilderbuch mitgebracht, das wollte sie dir gerne zeigen. Und dann rausschubsen, kuss, winken, was weiß ich, also irgendein Ritual, das ihr gemeinsam entwickelt habt und raus. Weil so in die Länge ziehen hilft vielen Kindern gar nicht bei Übergängen. Oder nutzt Übergangsobjekte.

Gebt eurem Kind schon mal die Schaufel in die Hand, wenn ihr losgehen wollt zum Spielplatz. Oder malt euch selber oder dem Kind ein kleines Herz auf die Hand für den Abschied in der Schule oder der Kita. Und, so komisch es klingt, singen! Leute, singen hilft! Wirklich! Also, statt sozusagen zu sagen, so jetzt muss das und das gemacht werden, keine Ahnung, wir räumen jetzt auf, hör jetzt auf zu spielen, wir müssen jetzt aufräumen, dann singt ihr das. Dann kommt sie rein und sagt, jetzt ist Zeit fürs Aufräumen! So richtig albern und quatschig, wisst ihr? Und schon macht's mehr Spaß.

Das heißt, der Übergang an sich ist nicht nur sozusagen ein Organisationspunkt, sondern der Übergang an sich macht Spaß, weil ihr gemeinsam ein bescheuertes Lied singt, ja? Und auch noch so ein Punkt, Tempo, Übergänge brauchen Zeit. Und zwar nicht, weil Kinder trödeln wollen, sondern weil Regulation Zeit braucht. Und auch da guckt euch Zeit an, weil bei manchen hilft es mehr Zeit zu haben und bei manchen hilft es auch weniger Zeit zu haben, weil dann sozusagen die Abläufe klarer sind. Also Trial and Error, ihr wisst schon, wie immer in der Elternschaft.

Und Autonomie haben wir vorhin die ganze Zeit erwähnt. Also auch da wichtig hinzuschauen. Gibt es Möglichkeiten für euer Kind zur Mitgestaltung? Kann es vielleicht die Reihenfolge wählen? Kann es ein Übergangssignal mitbestimmen? Kann es kleine Entscheidungen treffen? Also wir wollen jetzt nach Hause vom Spielplatz.

Möchtest du zum Abschied jetzt noch mal rutschen oder möchtest du noch mal hochklettern? Solche Sachen. Und ja, I know, es ist manchmal auch absurd, weil selbst bei Sachen, auf die sich das Kind freut, geht es manchmal nicht. Also wo man echt denkt, aber du willst da ja hin, warum können wir denn jetzt einfach nicht? Und das ist wirklich schwer verständlich und ihr dürft genervt davon sein.

Versucht nur einfach immer wieder innerlich zurückzufinden zu dem Satz, es geht gerade nicht, mein Kind kann gerade nicht anders, weil Übergänge krass sind. Mein Herz pocht, Leute. So, und deswegen jetzt nochmal zum Ende. Weg mit Perfektionismus. Okay? So, manchmal klappt es. Manchmal werdet ihr leicht und spielerisch und humorvoll mit einem schönen Song auf den Lippen einen Übergang gestalten könnt. Manchmal schafft ihr das zu sagen, hey, auf der Treppe sagt auf jeder Stufe jeder von uns ein Obst. Ist das nicht witzig?

Und manchmal Kacken wir ab. Das ist Realität, das ist normal und vor allem ist das okay. Und wer von euch jetzt Sorge hat, ob das wirklich wirklich okay ist, der darf gerne meine Bindungsfolge reinhören. Also das Ziel ist nicht ein konfliktfreier Übergang, sondern ein begleiteter Übergang. Und wie schaffen wir jetzt gemeinsam den Übergang vom Podcast aufnehmen oder ihr Podcast hören zu was anderem?

Mit einem Song, oder?

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