
Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 12
Nachgehört: Übergänge
Sonntag, 15. Februar 2026 · 10 min
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Shownotes
Ist es sinnvoll und hilfreich, das Kind mit Vorfreude für Übergänge zu motivieren?
Was kann uns Erwachsenen bei Übergängen helfen?
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Na Leute, heute den Podcast gerade während ihr irgendeinen Übergang gestaltet, begleite ich euch gerade im Ohr, während ihr, weiß ich nicht, zur Kita lauft, um euer Kind abzuholen oder so, wobei die Folge kommt sonntags raus, das Beispiel war jetzt wirklich schlecht Almut, aber es waren ja auch nicht alle immer sofort am Tag selber, na gut. Also in der Nachgehör-Folge sonntags greife ich immer auf, was euch von der Mittwochs-Folge noch beschäftigt hat, interessiert hat, wo ihr Nachfragen hattet und so weiter. Und interessanterweise ist mehrfach folgende Frage aufgetaucht und zwar, ist es klug mit Vorfreude zu arbeiten, damit das Kind den Übergang besser schafft? Also von wegen, doch komm, zieh
dich doch jetzt an und so, weil wir machen ja da was super cooles oder so. Und das finde ich eine total smarte Frage. Ja, also das ist ja eine kluge Überlegung im Sinne von Fokus weg von dem Übergang. Also ich muss mich nervig anziehen oder ich muss das Video beenden oder was weiß ich, weil es erwartet uns dann ja was Cooles. Das könnte ja motivieren.
So ist ja total logisch. So und nochmal ganz kurz wegen Recap. Am Mittwoch haben wir gesagt. Übergänge sind neurologische Hochleistungssituationen. Ich liebe das, das zu sagen. Ich glaube, das nehme ich auch so mit in meinen Alltag. Immer wenn mich irgendwas anätzt und was nicht gut klappt, dann sage ich Leute, entschuldigt bitte mein Verhalten, aber ich bin in einer neurologischen Hochleistungssituation. Okay, also am Mittwoch haben wir ja darüber gesprochen. Bei Übergängen muss das Gehirn eine Handlung stoppen, Aufmerksamkeit umlenken, Erwartungen verändern und anpassen, Emotionen regulieren, sich auf etwas Neues einstellen und so weiter.
Und genau das ist eben auch spannend beim Thema Vorfreude, weil Vorfreude ist nicht was rein Positives und auch nichts Neutrales, sondern Vorfreude ist Aktivierung, könnte man sagen. Neurologisch gesprochen, Dopamin steigt, Erwartung baut sich auf und das ganze System und deswegen auch das Nervensystem geht in Spannung. Das kann total hilfreich und cool sein. Aber dadurch, dass es eine zusätzliche Aktivierung ist, kann es auch eine Belastung sein, weil es dann zu viel ist. Also es geht eigentlich im Grunde genommen um die entscheidende Frage, ist dieses Nervensystem dieses Kindes gerade unteraktiviert und braucht Energie und Aktivierung. Oder ist das Nervensystem meines Kindes eh schon hoch aktiviert und braucht eher Regulation.
Ja, also deswegen, das ist, da seht ihr schon, da sind wir an so einem ganz interessanten, differenzierten Punkt dran, ja. Also gerade Kinder auch mit einer hohen Grundaktivierung, also zum Beispiel Kinder mit ADHS oder so, ja, oder mit einer sensorischen Sensibilität oder mit starker und großer Emotionalität und so weiter, für die kann Vorfreude zu überwältigend sein. Da kommt nochmal ein Haufen an Aktivierung und an Emotionen drauf, obwohl das Kind ja eh schon überstimuliert ist. Ich sage nur, Vorfreude an Weihnachten oder die paar Tage vor dem Geburtstag oder Adventskalender, da seht ihr schon, irgendwie eigentlich ja cool, könnte man ja positiv mit umgehen, aber es ist zu viel.
Also ja, Vorfreude kann Übergänge erleichtern, wenn das Kind eher schwer in Gang kommt oder irgendwie auch einfach die Motivation und die Aussicht fehlt und man dadurch irgendwie auch das Neue erlebbar, also so sicher und sichtbar erlebbar macht oder so. So, dann kann so ein, ja, wir räumen jetzt auf, weil wir dann auf den Spielplatz gehen wollen.
Oder denk dran, in der Kita passiert doch heute Folgendes Cooles und so. Da ist das dann wie so eine Brücke. Und da ist ja Vorfreude dann eher strukturierend und orientierungsgebend, fokussierend und eben aktivierend im besten Sinne. Und natürlich auch da müssen wir gucken, nicht irgendwie alles riesig aufblasen, nicht irgendwie total überpesen und überdrehen und so. Also kein, alter Schwede, das wird so cool. Ist ja klar.
Sondern eher so gut dosierte Vorfreude und so. Aber Vorfreude kann es eben auch deutlich schwieriger machen, weil das ja eh bei Übergängen alles so exekutiv, hart, anspruchsvoll ist. Und dann, wenn das Kind eh schon so aktiviert ist, das Nervensystem eh schon überaktiv ist, dann hilft eher eine nüchterne Ankündigung.
Also eher kleine Schritte oder körperliche Nähe, Co-Regulation, was wir am Mittwoch alles schon hatten. Und nicht noch mehr emotionale Aufladung. Das heißt, Hilfsvorfreude jetzt, ja oder nein? Ja, wie so oft kann man das nicht sagen, Leute. Wir können nicht in Ja oder Nein-Energien-Dimensionen denken. Sondern die Frage ist eben immer, welche Energie, welche Aktivierung bringt das Nervensystem eines Kindes gerade mit?
Braucht mein Kind eher Erdung oder braucht es eher Begeisterung und Aktivierung? Deswegen, es tut mir leid, da müssen wir leider, wie immer, differenziert hingucken. Genau, ich hoffe, es ist ungefähr verständlich, was ich sagen wollte. So, genau. Und die zweite Sache, die noch für die Folge rückgemeldet wurde, hat mich tatsächlich auch sehr gefreut.
Und zwar das Thema, okay, wie kann ich mir selber als erwachsene Person bei Übergängen helfen? Weil darüber habe ich am Mittwoch auch gesprochen, dass Übergänge ja kein kindliches Phänomen sind, dass die schwierig sind, sondern menschliches Phänomen. Das heißt, ganz viele von euch haben sich darin wiederentdeckt, dass auch für sie Übergänge so schwierig sind.
Und das finde ich total schön, dass da noch mal ein bisschen nachgefragt wurde. Und ich würde sagen, der erste Schritt ist vor allem, eine Art Erkennen überhaupt oder eine Markierung dessen, dass das jetzt ein Übergang ist. Ja, also das eben macht dieses Scheiß Serie aus, nicht ein technischer Vorgang ist, Klick Serie aus, sondern ein emotionaler Abschluss, ein Neuaufbrechen, ein Wiederaktiviertwerden, obwohl ich gerade auf der Couch rumlag.
Also, dass es ein Übergang ist so. Und da hilft dann tatsächlich einfach, erst mal sich dessen überhaupt bewusst zu machen und dann eben auch die Bewussttätigkeit zu machen. Also. Unser Gehirn liebt ja Signale und unser Gehirn liebt auch Wiederholung und so weiter. Und deswegen können so bestimmte kleine Rituale eben helfen, weil unser Nervensystem das liebt.
Das ist Vorhersehbarkeit und so weiter. Und das hilft dann eben beim Umschalten, beim Übergang gestalten. Also diese Wechsel, diese Transition, die werden leichter durch bewusstes Ritual. Also das ist sowas wie, ich öffne erstmal das Fenster und atme die frische Luft ein. Oder ich stehe auf und dehne mich oder so. Oder ich hole mir jetzt erstmal ein Spaßgetränk oder ein Glas Wasser oder so.
Also es geht tatsächlich auch um dieses Prinzip zuerst Körper. Ja, also irgendwie auch zum Beispiel morgens beim Aufstehen, ja? Einfach Füße bewusst auf dem Boden und spüren, ja? Oder zwei ganz tiefe Atemzüge, ne? Oder da eben auch einen kühlen Schluck Wasser vom Nachttisch nehmen oder so was, ne?
Also Regulation beginnt immer im Körper und nicht im Willen des Kopfes, so. Also Körper zuerst und Kopf danach. Das ist übrigens bei Kindern genauso, aber über das Thema Regulation sprechen wir noch mal in einer anderen Podcast-Folge. Und dann, Leute, nehmt auch einfach ein bisschen die Bewertung raus, ja?
Also, es geht doch nicht um Disziplinlosigkeit. Es geht nicht darum, dass ihr euch selber dafür schämt, ja? Und diese inneren Glaubenssätze so, ich darf nicht rödeln, ich muss produktiv sein, ne? Und so weiter und so fort. Das ist auch irgendwie erwachsen und so. Weil dieser hohe innere Druck, der erhöht ja die Stresshormone und den Stresspegel noch mehr. Und das erschwert dann ja wieder die Übergänge. Nicht sowas wie, ich müsste schon längst oder so. Das ist wieder so typisch für mich, sondern einfach sagen so, jetzt, jetzt mache ich aus.
Jetzt beginne ich, statt das dann sofort moralisch zu bewerten. Und auch, was ich am Mittwoch schon gesagt habe in Bezug auf Kinder, Humor hilft Leute. Humor senkt Cortisol. Humor nimmt Stress raus. Das ist nachweislich so. Geht auch mit euch selber mit Humor um. Ah ja, da ist sie wieder, meine... Mein geliebter Snooze Knopf und so. Also nicht so bewerten, eher beobachten und ein bisschen humorvoller daran gehen und so.
Also überhaupt erst mal sehen, was sind Übergänge, was sind die neuralgischen Punkte, woran es immer scheitert und dann wirklich anfangen mit Körper. Also setzt zuerst im Körper an, nehmt euren Körper mit und guckt da eben, was euch da auch vielleicht hilft. Vielleicht macht ihr dann auch irgendwie euren Lieblingssong an und tanzt während ihr vom Tablet und der Couch aufsteht, rüber in die Küche, weil ihr jetzt, keine Ahnung, schon die Brotboxen für die Kinder morgen vorbereitet und dann ins Bett geht. Also Rituale helfen und euch selber liebevoll dabei begleiten.
Und ja, das ist für uns echt anspruchsvoll, weil wir eben oft früher nicht so liebevoll begleitet wurden. Deswegen schöpfen wir da also viele von uns eben nicht aus dem vollen, aus einem positiven Erwartungshorizont, den wir selber aus der Kindheit hatten, sondern Das lernen wir jetzt neu für uns selber als Erwachsene und das ist echt eine ganz schön anspruchsvolle Aufgabe. Also Sanftheit, beschämt euch nicht dafür, bewertet das nicht so moralisch und genau.
Und jetzt schaffen wir gemeinsam den Übergang. Ihr dürft jetzt die Podcast-Folge ausmachen. Wenn ihr dann die App in der Hand habt, macht euch noch einen schönen Song an oder so was. Und dann haben wir das gemeinsam geschafft. Trinkt einen Schluck Wasser. Denn wir trinken alle viel zu wenig, Leute.
Okay. Und dann hören wir uns nächste Woche wieder. Und da geht es um das Thema Kita. Bis dann.