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Shownotes
Warum ist der Morgen so anspruchsvoll und schwierig?
Das Tempo der Welt vs das Tempo der Kinder
Typische Konflikte am Morgen
Und was hilft jetzt…?!
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Wisst ihr, was ein sogenannter Cold Opener ist? Ich höre ja sehr viele Podcasts und mittlerweile machen das einige von denen. Das heißt, da gibt es kein Begrüßungsjingle, kein Intro, sondern die Menschen fangen direkt an zu reden, egal ob sie zu zweit sind, zu dritt sind oder alleine. Ich finde, das hat ja wirklich auch ein bisschen Charme, weil für mich wird dann immer so die Assoziation geweckt, es ist, als würde man eine Sprachnachricht von einer Freundin oder einem Freund anmachen.
Ich mag das, das hat irgendwie was Direktes und irgendwie Vertrautes, irgendwie auch vielleicht Intimes oder so. Und das hier, was ich hier gerade mache, ist nämlich genau Cold Opener. Warum, fragt ihr euch jetzt, wenn ihr schon andere Folgen von mir gehört habt. Denn bisher habe ich meine meisten Intros immer improvisiert gesungen. Und jetzt habe ich aber die Rückmeldung bekommen, dass wenn Menschen nicht von der allerersten Folge meinem Podcast hören, was ja logisch ist, ganz viele Leute punktuell bestimmte Folgen einschalten, weil ganz explizite einzelne Themen sie interessant finden, dass die dann ein bisschen, ich sag mal vorsichtig, irritiert davon sind, was dieser komische, weiß ich nicht, vielleicht auch
unprofessionelle Einstieg soll. Und das verschreckt wohl ein paar der Hörenden. Und das habe ich jetzt immer ein bisschen in meinem Herzen herumgetragen und das kann ich verstehen. Ich finde das witzig, aber eben auch, weil ich ja von Anfang an erklärt habe, wie das hier alles organisch so wächst in diesem Podcast und so.
Aber wenn man das nämlich nicht mitgekriegt hat, dann wirkt es vielleicht tatsächlich ein bisschen schräg. Und nichts gegen schräg sein. Aber ihr wisst, was ich meine. Und jetzt frage ich mich, was ich machen soll. Soll ich mir jetzt doch irgendwie jemanden holen, der mir eine professionelle Jingle zusammenklöppelt?
Oder soll ich einen Cold Opener machen? Weiß ich nicht. Und weil ich ja gesagt habe, das hier ist so eine gemeinschaftliche Sache von euch und von mir, weil ohne euch gibt es mich nicht. Versteht ihr? Und andersrum nicht, eigentlich nur so rum. Naja, also deswegen, ich würde mich freuen, wenn ihr mir dazu eine Rückmeinung geben würdet.
Einfach über Spotify Kommentar schreiben oder mir bei Instagram eine Nachricht dazu schicken oder so oder eine E-Mail schicken, was euer liebster Weg ist. Das wäre hilfreich für mich. Ja gut und jetzt herzlich willkommen zu Kinder sind auch Menschen und das heutige Thema ist der Morgen. Ich sehe einen großen Holztisch in der offenen Wohnküche. Die Morgensonne fällt auf die frischen noch warmen Brötchen. Die sind in so einem hübschen Holzkörbchen. Es riecht nach Kakao und Kaffee und um den Tisch herum sitzen zwei Kinder.
Und eins erzählt lachend von einer Anekdote gestern auf der Schule und das andere Kind snackt vergnügt so Granatapfelkerne vom Mandala-Obstteller und hört aufmerksam zu. Der Vater schmiert das noch selbstgebackene Sauerteigbrot für die Brotboxen der Kinder. Und das größere Kind steht dann plaudernd auf, räumt das eigene Geschirr noch kurz in den Geschirrspüler, gibt der Mutter einen Kuss auf die Wange und sagt, so, muss jetzt los, hab hier in der ersten Stunde Latein, freut mich schon drauf, bis nachher. Und dann nimmt es vom Vater die Brotbox entgegen und zieht zufrieden pünktlich los.
Der Morgen macht den Tag. Fühlt ihr es auch, Leute? Fühlt ihr es auch? Sieht es nicht bei euch so aus? Wie? Nein? Gut, okay. Ich versuche mich an einem zweiten Szenario, okay? Die Mutter sitzt noch mit ungeputzten Zähnen und einem ganz lauten Tick-Tack-Tick-Tack-Tick-Tack-Tick-Tack in den Ohren im Wohnzimmer.
Neben dem Kind, das gerade laut, hier kommt Conny, meine Freundin Conny, hörend Legobot. Und sagt, komm, mein Schatz, du musst dich jetzt wirklich anziehen, wir kommen zu spät. Und aus der Küche ruft das älteste Kind, fuck, heute ist Vokabeltest, kannst du mich bitte noch die Vokabeln abfragen? Und das Baby schreit, das sitzt im Hochstuhl mit einer Brezel von gestern.
Und eigentlich ist das doch zu viel Salz für das Baby, aber dadurch war es halt ganz groß zufrieden, deswegen hat es die Brezel bekriegt. Und warum ist dieses Baby eigentlich immer sofort wach, sobald die Mutter aufsteht? Und der Mann ruft aus der Küche, Nein, scheiße, heute ist doch Kuchenbasar. Haben wir die versprochenen Muffins gebacken? Und das Baby kippt ein Glas Wasser um. Und das ältere Kind ruft, wo ist mein Fahrradschlössel? Kannst du mich jetzt bitte noch schnell Elektion 3 abfragen? Und hier kommt Conny, meine Freunde. Ich bin schon genervt, nur bei so einem fiktiven Szenario. Ja, aber was ich damit sagen will, es ist nicht wie eine Nutella-Werbung.
Ehrlich nicht. Und ich weiß, wir sind, also ich bin Generation vollgepackt. mit schönen Sachen, die das Leben schöner machen, hinein ins Weekendfeeling. Aber realistisch betrachtet ist der Morgen einer der komplexesten Zeiträume im Familienleben überhaupt. Und das hat natürlich verschiedene Gründe.
Zum Beispiel treffen da verschiedene Chronotypen aufeinander. Das habt ihr bestimmt schon mal gehört. Also der Chronotypus beschreibt quasi die genetische Veranlagung des Menschen, zu welchen Tageszeiten er körperlich und geistig am leistungsfähigsten ist. Ihr habt das selbst schon mal gehört, denn es gibt zum Beispiel die Lärchen. die frühmorgens fit und aktiv sind und so.
Und dann gibt es die Eulen, die erst Richtung Vormittag so wach und fit werden, aber dafür halt abends, also wirklich auch noch Mitternacht und später produktiv sein können und so. Und das klingt ja erstmal einfach neutral. Aha, es gibt die und es gibt die. Ist halt unterschiedlich. Aber unsere Arbeitswelt und auch die Schule und so weiter, die sind halt für Lerchen ausgelegt.
Und in einer Familie prallen meistens unterschiedliche Typen aufeinander. Und wenn Lärcheneltern voller Elan auf ein Eulenkind treffen morgens, bei dem biologisch gesehen gerade noch Mitternacht ist, dann ist das, ich sag mal, schwierig. Und wir verlangen von Eulen am Morgen Dinge, die quasi gegen ihre Natur gehen.
Und das stresst halt das komplette System. Oder halt auch andersrum. Also wenn du selbst jetzt als Mutter oder Vater eine Eule bist und dein Kind ist aber um 5.30 Uhr wach, und ich meine so richtig wach, dann ist das auch Kacke. So, und was ist noch ein Problem morgens? Der Morgen ist im Grunde genommen einfach eine Kette, also eine Aneinanderreihung von Übergängen. Ja, also Kinder müssen vom Schlafen ins Wachsein kommen und letztendlich vom Zuhause in irgendeine Institution, von Nähe zu Trennung, von freiem Spiel und Selbstbestimmung zu regeln und Anforderungen und so weiter.
Und das sind halt, das ist für das Nervensystem sind das ganz viele kleine Umstellungen hintereinander. Und Übergänge sind ja genau diese Momente, die Kindern besonders schwerfallen. Nicht, weil sie irgendwie keinen Bock haben und unkooperativ sind, sondern weil eben diese Übergänge wirklich echte Regulationsarbeit im Gehirn verlangen. Und das wisst ihr bestimmt alle schon, wenn ihr meine Podcast-Folge Übergänge gehört habt. Da bin ich noch sehr genauer darauf eingegangen, aber muss ja in diesem Kontext auch noch mal kurz erwähnt werden. Und das alleine ist ja schon schwierig, weil Übergänge sind für die meisten Kinder sehr schwierig und übrigens auch für viele Erwachsene.
Und der Morgen besteht quasi nur aneinandergereiht aus Übergängen. So, weiter geht's mit der Aufzählung, was am Morgen noch ätzend ist. Ja, genau, der Morgen verlangt ganz viele kleine Entscheidungen. Welche Kleidung ziehe ich an? Was möchte ich frühstücken? Wo ist eigentlich mein Tonbeutel? Welche Jacke brauche ich?
Und so weiter. Und das einzeln gesehen wirkt es banal und irgendwie easy. Aber für Kinder bedeutet das ja Planung, Entscheidung, Prioritäten setzen und so weiter. Und naja, das sind halt Fähigkeiten, die zu den Exekutivfunktionen gehören. Auch so ein Wort, das ständig in meinen Podcast-Folgen vorkommt.
Also der präfrontale Kortex. Irgendwann spielen wir so ein Bingo aus meinen Podcast-Folgen, wie oft ich dieses Wort sage. Also der Präfrontale Cortex, der dafür zuständig ist, sowas wie Planung, Entscheidung, Prioritäten setzen und so weiter, der reift ja erst noch. Ich werde mich müde, das zu betonen. Dieser Bereich des Gehirns reift erst im jungen Erwachsenenalter aus.
Und das erklärt natürlich auch, warum viele Kinder morgens nicht effizient handeln, selbst wenn sie eigentlich wollen. Da sieht man es eben, es ist nicht mangelnder Wille, sondern einfach wirklich die noch nicht ausgereifte Steuerungsfunktion. Ich höre euch jetzt schon lachen und ihr sagt, ich habe auch keine funktionierende Steuerungsfunktion vor meinem ersten Kaffee. Ja, genau.
Und auch noch ein Punkt, der mir wirklich sehr am Herzen liegt. Im Morgen stecken ganz viele Emotionen. Kein Bock auf Arbeit, kein Bock auf Schule oder Kita, ja, Trennung von den Eltern. Wir als Eltern, wir müssen unsere Kinder loslassen, gehen lassen und gleichzeitig selber dann in diesen Arbeitsmodus switchen, so während wir immer noch zur Hälfte auch bei unseren Kindern hängen und irgendwo anders. Und das heißt, der Morgen ist auch immer wieder so ein Übergang zwischen zwei Beziehungssystemen, könnte man vielleicht sagen, ja, und zwar zwischen Familie und Institution.
Also Unsicherheit, Widerstand, Traurigkeit und so weiter, schlechte Laune sind irgendwie auch dann eine logische Folge von diesem emotionalen Wechsel. So, und einen ganz bestimmten Übergang möchte ich jetzt beim nächsten Kapitel nochmal ins Zentrum rücken. Und zwar das Tempo. Also das Tempo der Welt. Aufwachen an sich ist erstmal einfach ein biologischer Prozess.
Also zwischen ich schlafe und ich wache auf. Da ist ja kein Schalter. Okay, manchmal die Snooze-Taste. Ihr wisst aber, was ich meine. Unsere Körper fahren ihre Systeme langsam hoch. Die Hormone verändern sich. Habt ihr bestimmt schon alles mal gehört. Melatonin und so. Der Kreislauf kommt in Gang.
Das Gehirn aktiviert sich. Und das alles halt so Schritt für Schritt. Nicht wie bei einem Lichtschalter. Und ich habe eben schon ein Hormon gesagt, Melatonin ist unser Schlafhormon, aber worum es beim Thema Aufwachen geht, da brauchen wir ja nicht ein Schlafhormon, ist Cortisol. Und der Cortisol-Spiegel, der steigt halt morgens und das hilft unserem Körper aktiv zu werden und startklar zu sein. Viele assoziieren das mit Stress, das ist klar, weil es ist auch Stress, so ist es auch ein Stresshormon. Aber wir brauchen eben auch Eustress, also positiven Stress, um überhaupt aktiv zu werden.
Und das ist total spannend, weil Studien nämlich zeigen, dass dieser Prozess so 30 bis 45 Minuten dauern kann. Also bis unser Körper wirklich so diesen Modus umgestellt hat auf Wachsein, auf Tag. Und das heißt aber auch wieder, wenn wir ein Kind wecken und zehn Minuten später erwarten, dass es jetzt einfach komplett da ist und vollständig funktionsfähig und so, dann verlangen wir da halt was, was biologisch gar nicht mal so leicht möglich ist.
Übrigens, ich kenne auch gut das exakte Gegenteil, um das hier auch nochmal kurz zu erwähnen. Also ich schlafe noch rum, kriege meine Augen kaum auf und mein Kind hat exakt zwei Sekunden gebraucht, also Augen auf, zu Party auf mir drauf oder um mich herum. Und es ist schon so, dass Kinder ein Nervensystem besitzen, das schneller zwischen diesen Zuständen hin und her wechseln kann.
Und ihr sympathisches Nervensystem, also der Teil, der für Aktivierung und Bewegung zuständig ist, der lässt sich halt häufig sehr schnell hochfahren. Also das sieht man daran, dass dann Kinder eben einfach aus dem Bett springen oder im Bett rumspringen und sofort losrennen. Sofort viel, viel reden.
Oder sofort anfangen zu spielen. Oder sagen, spiel mit mir, natürlich. Schön wäre es ja, wenn sie alleine spielen würden. Und diese Aktivität, die wir da beobachten, die bedeutet aber nichts wegen, dass auch diese kognitive Steuerung schon vollständig aktiv ist. Das ist noch mal was anderes. Also man könnte vielleicht sagen, Kinder können motorisch sehr schnell hochfahren, aber ihre Exekutivfunktionen sind halt immer noch halbschlafend.
Das heißt, sie wirken dann sozusagen gleichzeitig krass energiegeladen und aber irgendwie null organisiert. So könnte man vielleicht sagen. Und ein weiterer Faktor ist die Schlafphase, aus der man aufwacht. Also wenn ein Kind so aus einer leichten Schlafphase aufwacht, dann kann es sich relativ schnell und so wach fühlen.
Aber wenn es aus einer Tiefschlafphase geweckt wird, entsteht etwas, das nennt sich Schlafträgheit. Jetzt muss ich gerade lachen, weil wem erkläre ich das? Ich rede ja zu Eltern. Ihr wisst doch alle, was das ist. Schlafträgheit, genau. Also ihr seht, ein Kind kann morgens wirklich schon sehr aktiv sein, und trotzdem ist es nicht reguliert und noch nicht vollständig aktiviert und da. Also voll wuselig und gleichzeitig irgendwie fettreizbar, total schnell frustriert, gar nicht strukturiert, null fokussiert und so weiter. Die klingt nach einer super Kombi jetzt, wo ich es so sage. Und das ist halt einfach echt hart, weil der Morgen einfach zu den wenigen Momenten im Familienleben gehört, die so gar nicht flexibel sind.
Also ja, es gibt Familien, die können da flexibler sein. Ja, aber allein, wenn man ein Schulkind hat. Die Schule beginnt zu einer festen Uhrzeit, das ist leider nicht diskutabel. Oder die Kita öffnet zu einer bestimmten Uhrzeit oder das Kind muss zu einer bestimmten Uhrzeit in der Kita sein, weil die Eltern zu einer festen Uhrzeit arbeiten gehen müssen und so weiter.
Also der Morgen hat ein klares Tempo. Und Kinder funktionieren halt häufig in einem anderen Rhythmus, in einem anderen Tempo. Und die denken da auch gar nicht in Minuten, sondern eher in Tätigkeiten. Ja, ich will noch ganz kurz spielen oder erzähle mir noch eine Geschichte oder ich will noch kurz mein Kuscheltier suchen und so.
Und ich finde, da sieht man so gut, dass da einfach zwei Geschwindigkeiten hart aufeinandertreffen. So das Tempo der Welt und das Tempo der Kinder. Okay, Kapitel drei. Ich gehe jetzt mal in diese typischen Konflikte rein. Leute, so ist das. Das ist nicht nur bei euch so. Keine Sorge. Also wenn man sich so klassischen Familienmorgen anschaut, dann tauchen da so bestimmte Konflikte echt erstaunlich zuverlässig auf. Und das Interessante ist, diese Konflikte sehen jetzt erst mal von außen unterschiedlich aus, aber die Mechanismen dahinter sind eben oft sehr gleich.
Also wir gehen mal in so ein paar Klassiker rein. So, erster Klassiker. Man geht ins Kinderzimmer, man weckt das Kind ganz freundlich auch, ganz liebevoll. Und dann passiert nichts. Also das Kind dreht sich nochmal um oder reagiert auch erstmal gar nicht, sagt immer nur müde oder reagiert auch direkt gereizt und so.
Und da geht es schon direkt los. Schon haben wir einen Konflikt. Also zack, der erste Moment des Tages einfach mit dem Kind und es nervt direkt. Also nicht das Kind, sondern der Moment. Also wir starten quasi direkt mit mangelnder Kooperation. Und das liegt jetzt ja nicht einfach nur an fehlendem Willen, die Kooperationsfähigkeit, die noch nicht so richtig da ist, sondern eben zum Beispiel am Chronotypen, an Schlafträgheit und so weiter, am Übergang.
Also alles, was ich eben schon gesagt habe. So, zweiter Klassiker-Konflikt, Klamotten. Alle mit neurodivergenten Kindern müssen jetzt lachen. I feel you. Also das Kind soll sich anziehen. Und da haben wir es wieder, Übergänge, Entscheidungen und so weiter. Und dann geht's los, die Diskussion. Ist die falsche Hose? Da ist das Bündchen unten viel zu eng. Das ist der Pulli, der kratzt.
Warum ist da oben noch der Zettel drin? Und ich will das Sommerkleid anziehen. Das ist mir doch egal, ob Winter ist. Oder ich will mich gar nicht anziehen. Es gibt doch ganz viele Kinder, die hassen es überhaupt was anzuziehen. Und da treffen eben auch wieder ganz klassisch Dinge aufeinander. Also das erste ist Autonomie. Weil Kleidung ist echt eines der wenigen Felder, in denen Kinder Selbstbestimmung erleben.
Zweitens sensorische Empfindlichkeit. Echt viele Kinder reagieren empfindsam und sensibel auf bestimmte Stoffe, auf Nähte, Struktur von Klamotten und auch auf Temperatur. Das unterschätzen wir auch oft. Dann kommt noch dazu Entscheidungsstress. Wenn morgens mehrere Optionen im Raum stehen, dann überfordert das manche Kinder total. Da sind wir wieder bei Karls Cortex, der für Entscheidungen zuständig ist.
Und der ist ja noch nicht aktiv. Wie soll es gehen? Deswegen nochmal an alle, auch mit neurodivergenten Kindern. Ich weiß, das Thema Socken. Ich weiß, das ist der Endgegner. Dritter Klassiker-Konflikt. Warum will Megan morgens nichts frühstücken? Warum will sie nichts essen? Frühstück ist doch die wichtigste fucking Mahlzeit des Tages. Ich sei mal hier freche Frage gestellt, aber es wurde uns ja jahrzehntelang so eingetrichtert. Und das ist total interessant, weil Appetit folgt auf einem biologischen Rhythmus.
Das heißt, es ist nicht so, als würde der Körper von jedem Menschen morgens mit Hunger starten. Und das ist einfach okay. Dein Kind muss nicht essen. Zweitens, Zeitdruck. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass alles so schnell gehen muss und so weiter, dann sinkt häufig der Appetit. Drittens, emotionale Aktivierung. Also wenn eh schon Stress, Konflikte und so weiter da sind, dann schaltet der Körper eher in den Aktivitätsmodus, Flucht und so, ihr wisst, als in den Verdauungsmodus. Das widerspricht sich eben.
Also das autonome Nervensystem. Wer noch mehr wissen will, was es ist, hört gerne von letzter Woche das Thema Regulation, da erkläre ich das nochmal. Das Autonome Nervensystem priorisiert dann Bewegung oder Aufmerksamkeit und so weiter und nicht Essen. Fair enough. Oder ihr habt vielleicht ein Kind, das zwar essen würde, aber nur und ausschließlich Schoko-Creme-Toast.
Und dann seid ihr schön am frühen Morgen mit euren inneren Glaubenssätzen konfrontiert. Cool. Also was wir so wissen, was ist ein gesundes Frühstück, was nicht? Darf das Kind das? Und so weiter. Ist das jetzt überhaupt okay? Was ist jetzt wichtiger? Dass das Kind jetzt Zucker isst oder dass es überhaupt was isst? So, vierter Konflikt.
Zähneputzen. Wo wir schon beim Thema Zucker sind. Ich kenne kaum ein Kind, also im Baby- oder Kita-Alter, das Zähneputzen richtig knorke findet. Und dafür auch gerne mal sein Spiel unterbricht. Unverständlich, es ist einfach eine Pflichtaufgabe. Und zwar eine Pflichtaufgabe ohne intrinsische Motivation, weil das kann das Kindchen auch gar nicht überblicken. Vor allem, wenn wir als Eltern dann nicht noch extra Angstschüren wiederkommen.
Irgendwelche Bakterien, die heißen so und so und die fressen deine Zähne auf und so. Zähneputzen verlangt, Feinmotorik, Ausdauer und so weiter. Oder wenn man es nicht selber macht, sondern die Eltern. dann ist es auch schlichtweg unangenehm. Also ich kann ja mal kurz erzählen, ich war mal auf einer Fortbildung zu dem Thema, da ging es um Zahngesundheit und so weiter. Und da haben wir Erwachsene uns gegenseitig die Zähne geputzt. Das ist nicht cool.
Also ich habe da ganz viel Empathie gegenüber Kindern. Fünfter Klassiker-Konflikt. Oh, ich bin sehr gespannt. Wie viele fallen mir noch ein? Ich hoffe, habe ich überhaupt richtig gezählt? Falls ihr mitgezählt habt, ich hoffe, es stimmt. Weil jetzt sind wir nämlich beim großen letzten Übergang, beim großen Moment.
Und zwar das Verlassen der Wohnung. Also weil hier passieren ja auch ganz typische Szenen. Das Kind findet plötzlich die Schuhe nicht oder will schnell noch was erzählen oder nochmal was suchen oder kurz nochmal was spielen oder weint vielleicht sogar auch, weil es nicht dorthin will, wo es jetzt hin soll.
Und also es ist wirklich auch ein Moment, wo manche Kinder wirklich auch so einen emotionalen Zusammenbruch dann haben. Und das liegt eben daran, dass dieses Verlassen der Wohnung ein emotionaler Übergang ist. Also Kinder müssen sich von ihrem Safe Space lösen, von ihrem sicheren Platz, ja, und in eine andere, oft natürlich auch soziale Situation wechseln. Und unser Nervensystem reagiert halt auf solche Übergänge häufig mit Widerstand oder Verzögerung oder Verzweiflung, so fair. Und ich hatte ja ganz am Anfang des Kapitels schon gesagt, dass ich das interessant finde, dass diese Konflikte eine Gemeinsamkeit haben oder einen gemeinsamen Nenner könnte man auch sagen.
Ihr habt aufgepasst, ihr wisst bestimmt, was jetzt kommt. Also es sind alles Übergänge, es herrscht Zeitdruck. Und diese Punkte treffen dann auf noch eine unreife Steuerungsfunktion im Gehirn. Das ist bei all diesen Konflikten sozusagen, das ist eine rote Farbe. Kinder sollen morgens ganz viele Dinge gleichzeitig können.
Wach werden, Entscheidungen treffen, Emotionen regulieren, kooperieren, Tempo halten und so weiter. Und das in einem Zeitfenster von, keine Ahnung, 30 bis 60 Minuten. Das ist eine krass anspruchsvolle Leistung. Ja, okay, jetzt wissen wir, dass das anspruchsvoll ist und krass. Aber lass uns doch jetzt mal beim letzten Kapitel nochmal reingehen und sagen, ja gut, aber was hilft denn jetzt? Ja, also erst mal wie immer verstehen, was da passiert. So doof es ist, ja, und es dadurch irgendwie auch in einer gewissen Art und Weise annehmen können. Es ist einfach eine anstrengende Zeit. Der Morgen ist krass.
Ja, seufzen, Krönchen richten, weiter so. Und wir haben jetzt ja gemeinsam hier in dem Podcast erkannt, viele Morgenkonflikte entstehen durch Zeitdruck, Entscheidungen und so weiter. Und das ist halt interessant, weil beides, Zeitdruck und Entscheidung, kann man so ein bisschen reduzieren, ein bisschen beeinflussen.
Zum Beispiel durch Dinge, die wir am Abend zuvor gemacht haben. Also zum Beispiel Kleidung rauslegen. Nicht morgens entscheiden, sondern abends. Oder das Kind schon in den richtigen Klamotten schlafen lassen. Das geht nicht in jedem Alter, das möchte auch nicht jedes Kind, das ist mir völlig klar. Deswegen fehlt auch nur ein Teil der Klamotten. Aber alleine, wenn man sozusagen keine Nicht morgens dieses aus dem warmen, muckeligen Schlafanzug raus in diese kalte Jeans oder so, oder die noch steife Leggings, die gerade aus der Wäsche kamen.
Das nimmt einfach schon viel ätzende Situationen raus. Oder Schulranzen schon abends packen, Brotdose schon abends vorbereiten, Tonbeutel kontrollieren zum Schulranzen dazulegen und so weiter. Und ja, I know, das klingt banal. Das ist jetzt nicht wow, also Einmutter-Ideen, die habe ich noch nie gehört.
Aber um es mal runterzubrechen, warum das sinnvoll ist, es reduziert die kognitive Last von uns und dadurch auch von den Kindern natürlich. Also mein Gehirn muss morgens einfach weniger planen und organisieren. Und das ist gut. Und das Gehirn meines Kindes auch. Und Absprachen. Ja, Absprachen. Auch wieder so ein unattraktives Erwachsenenwort. Aber was soll ich sagen?
Es hilft. Also wenn du nicht alleine morgens verantwortlich bist, sondern es dann noch einen weiteren Erwachsenen geben sollte, dann besprecht proaktiv, wer welche Aufgaben morgens hat. Nicht am Morgen selbst, sondern proaktiv. Also mal am Sonntag in Ruhe. In Ruhe, hat sie gesagt. Wann soll das sein?
Ihr wisst, was ich meine. Noch ein Ding. Es leben die Routinen. Kinder orientieren sich stark an wiederkehrenden Abläufen. Routinen geben dem Gehirn eine Art Rahmen, innere Landkarte, was auch immer da als Bild für euch funktioniert. Es geht um Vorhersehbarkeit, es geht um Verlässlichkeit und das hilft.
Wenn Abläufe jeden Tag ähnlich sind, dann muss das Kind weniger nachdenken. Und ich auch. Und das spart Energie für die anderen Dinge, für die wir noch reichlich Energie brauchen. Und es ist total spannend, weil die Forschung auch zeigt, dass stabile Familienroutinen mit weniger Stress und besserer Anpassung von Kindern verbunden sind. Das klingt gut, oder?
Also, was heißt Routine? Also aufstehen, anziehen, Frühstücken, Zähne putzen, Schuhe anziehen, los. Zum Beispiel. Also der Ablauf bleibt gleich. Natürlich variieren die Details, das ist schon klar. Und auch da nochmal gesagt, es gibt Kinder, für die ist das besser, morgens alles eng zu takten. Also eben keinen Raum noch für zehn Minuten spielen und so.
Und andere Kinder sind kooperativer, wenn sie nochmal spielen können oder wirklich langsam aufwachen dürfen. Das müsst ihr jetzt individuell rausfinden. Das tut mir leid. Trial and Error, wie es immer so ist in der Elternschaft. Und ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist die Anzahl der zu treffenden Entscheidungen. Ich weiß, wir Eltern, wir meinen es ja gut, wenn wir fragen, was möchtest du anziehen, was möchtest du frühstücken, welche Jacke willst du tragen und so.
Wir wollen ja, weil wir wissen, ist wichtig, die Autonomie unseres Kindes wahren. Deswegen lass mir eine Wahl, das ist doch gut. Aber es kann eben für Kinder hardcore überfordernd sein. Und da kann eben eine hilfreiche Strategie sein, Entscheidungen zu reduzieren. Oder begrenzen, wie auch immer man sagen will.
Also willst du das blaue oder das grüne T-Shirt anziehen oder willst du dieses Brot oder dieses Müsli oder so. Das nimmt zum einen Druck aus der Situation und trotzdem bleibt die Autonomie noch komplett und wurde nicht komplett gestrichen, so wollte ich sagen. Und ja, der vielleicht wichtigste Punkt hat wie immer mit Beziehung zu tun. Also gerade eben, weil ja es beim Morgen auch wirklich über diesen Übergang, diesen Wechsel geht von Nähe zu Trennung. Hilft oft, was ganz einfach ist und zwar ein kurzer Moment der Verbindung.
Also ein paar Minuten mit ins Bett kuscheln, gemeinsam frühstücken und kurz quatschen oder auch einfach so ein ganz kurzer Satz, den wir wiederholen. Routine. Ich freue mich, dich heute Nachmittag wiederzusehen. Dann bauen wir das Lego Haus weiter oder so. Also einfach so kleine Verbindungsmomente, die wirken regulierend auf das Nervensystem und deswegen ist das gut so. Und die tun uns auch gut, weil wir haben ja den Übergang auch. Also der Morgen muss nicht perfekt sein. Es ist einfach ein super dichter Moment im Familienalltag und da treffen so viele Anforderungen gleichzeitig aufeinander. Und manchmal klappt das und manchmal nicht. Und das ist völlig normal, weil Familienleben ist eben keine Choreografie.
Kein perfekt choreografierter Ablauf. Es ist eher sowas wie gemeinsames Improvisieren. Und wenn das Improvisieren um 5.30 Uhr morgens beginnt, dann ist unsere Laune und unsere Improvisationsfähigkeit verständlicherweise noch nicht so on top. Und das ist okay. So, ich nehme diese Podcast-Folge gerade an einem Abend auf, deswegen schicke ich euch jetzt in die Zukunft ganz viel Kraft für den Morgen.
Morgen früh natürlich. Und ich freue mich sehr von euch zu hören und bis Sonntag.