
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Was genau heißt denn eigentlich „Grenzen setzen“?
Ich will das nicht machen, wie meine Eltern
„Grenzen setzen“ fällt mir so schwer
Warum sind Grenzen so wichtig?
Und wie sieht das jetzt ganz praktisch im Alltag aus?!
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Kinder sind Menschen. Kinder sind Menschen. Kinder sind Menschen. K-S-R-M. Yeah. Ach, das ist doch schön. Ich liebe das übrigens sehr, dass ich regelmäßig Nachrichten von euch bekomme zu meinen Jingles. Da bin ich ganz froh, weil hätte ich jetzt ganz viel Rückmeldung bekommen von wegen, einmal ehrlich, das nervt.
Könntest du bitte eine professionelle Jingle die komponieren und einsingen und einspielen lassen, dann hätte ich jetzt auch ein Problem. Irgendwie funktioniert das so nicht. Ihr müsst da durch. Und ich mag das, dass ihr das mögt. Habe ich Glück mit euch. Vielen Dank an dieser Stelle. Heute, liebe Menschen, geht es um das Thema Grenzen.
Ein Thema, das ein Kernthema, ich wollte gerade sagen, in der Elternschaft ist, aber es ist ja Quatsch. Es ist nämlich ein Kernthema im Menschensein, ehrlich gesagt. Ich glaube, das ist nicht nur beim Thema Eltern so. Nur, wenn wir Eltern werden, merken wir, da ist so ein kleines Wesen, dem ist das irgendwie wohl relativ egal, ob ich da eine Grenze habe. Und ich glaube, das ist der Unterschied. Aber da arbeiten wir uns jetzt mal Schritt für Schritt ran, okay?
Ich musste sofort bei dem Thema daran denken, dass ich, als ich schon ganz klein war, immer damit aufgewachsen bin, dass so diese älteren Menschen in meiner Familie so eine Art, weiß ich nicht, Lebensweisheit immer so gesagt haben. Und zwar, im ersten Lebensjahr des Kindes wird nicht erzogen. Das habe ich immer mal wieder gehört, auch auf Familienfesten und so weiter. Und das klang für mich als Kind irgendwie immer schon total schlüssig, weil da sind ja Babys davor. Was soll man denn da erziehen?
Weiß ich nicht, die kuschelt man und man gibt sie in irgendwie Milch, also Buttermilch oder Prämilch oder so. Aber wenn die dann so größer werden, dann geht das ja los mit dem Erziehen, mit den Regeln, mit den sogenannten Grenzensätzen. Da muss man irgendwie Grenzen einführen. Da muss das Kind dann das Nein kennenlernen und so weiter. Und dann viele, viele Jahre später bin ich selber Mutter geworden.
Und dann hatte ich dieses perfekte Wesen, an dem wirklich einfach alles wundervoll war, von oben bis unten. Und ich weiß noch genau, da war es wirklich ein paar Wochen alt, also ganz mini. Und ich war gerade dabei, das Baby zu stillen. Und plötzlich, bis mir dieses entzückende Baby in meine eh schon lädierte Brustwarze Und was soll ich sagen, also in diesem Moment habe ich nicht gedacht, es ist ein Baby, es wenn es größer wird, dann fange ich an zu erziehen und diesem Baby dann zu erklären, dass meine Brustwarzen auch Schmerzen fühlen können.
Es ist ja jetzt doch alles super an diesem Baby und alles perfekt. Ich löse deswegen dieses Baby ganz ganz freundlich von meiner Brustwarze und ich lächle und weiter geht's. Also wisst ihr, was ich gemacht habe? Also ich habe dieses Baby von meiner Brust schockiert weggerissen und habe ungefähr sowas gesagt wie HOLY SHIT! So ungefähr.
Und das Baby hat mich angeguckt und dann geweint. Cool. Da habe ich mich so richtig gut angefühlt. Und dann habe ich das Baby angeguckt und es mich und dann habe ich geweint, weil ich das Baby zum Weinen gebracht habe und damit nicht umgehen konnte. Und das Baby hat dann nicht mehr gestillt. Aber was ist passiert? Ich habe eine Grenze gesetzt.
aus dem Rückenmark heraus. Das war keine bewusst gesetzte Erziehungsgrenze, sondern dieses Baby ist an eine Grenze gestoßen und ich habe sie gesetzt und gewahrt. Ganz ohne Plan, intuitiv. Es ist einfach so entstanden. Ich habe da nicht die Entscheidung getroffen, jetzt findet da Erziehung statt. Und das war keine Machtausübung oder so, was ja viele denken, was Erziehung ist, sondern es war akute Selbstversorgung, um meinen Körper zu schützen und mich von diesem Schmerz zu schützen.
Und ich weiß noch, dass ich damals zum ersten Mal richtig aktiv über das Thema Grenzen setzen nachgedacht habe. Also nicht nur theoretisch so, wie ich das als Pädagogin auch gelernt habe und so im Rahmen von Ausbildung und Studium und blablabla, sondern so ganz praktisch. Und ohne Witz, Leute, da ging es los, dass ich ganz neu über Grenzen nachgedacht habe und sich da mein Blick auf wirklich ernsthaft verändert hat. Womit wir natürlich wie so oft hier im Podcast immer starten, ist der Blick in die Historie.
Das überrascht euch nicht, wenn ihr schon ein paar andere Folgen von mir gehört habt. Und das Spannende ist, dass ja schon immer, also schon vor vielen hunderten Jahren und vor vielen Jahrzehnten und so, die erwachsenen Menschen immer gesagt haben, Kinder brauchen Grenzen. Das ist so ein Universalsatz. Und das Spannende ist, 2026 stehe ich jetzt ja auch hier als Almut, als Pädagogin und sage, Kinder brauchen Grenzen. Der Satz hat sich gar nicht verändert. Interessant.
So, also ist da gar nichts passiert in dieser Zwischenzeit? Ja doch. Das Spannende ist nämlich, ich meine mit dem selben Satz nicht das, was die Menschen vor Jahrzehnten damit meinten. Also wir gucken uns das mal an. Früher sagten die Menschen eben mit diesem, die Kinder brauchen Grenzen, dass Kinder eher wie so eine Art universelle Erziehung brauchen. Also Regeln, die einfach für diese kleinen Wesen, die wir jetzt Kinder nennen, dass sie das brauchen. Und was damit gemeint ist, können wir erkennen, wenn wir uns diese Sätze mal angucken.
Diese allgemeingültigen Sätze. Die fangen nämlich klassischerweise immer mit Mann an. Also das ist dann sowas wie, so redet man nicht mit seinen Eltern. Oder man begrüßt so nicht. Oder man isst so nicht am Tisch. Oder so sitzt man ordentlich am Tisch. So redet man ordentlich und so weiter oder so begrüßen hatte ich schon.
Also da ging es ganz viel um Verallgemeinerung und auch als Anpassung, Anpassung als Erziehungsziel. Und ich habe für mich da immer so das innere Bild, dass diese Grenzen wie so Gartenzäune waren. Gartenzäune, die wir um die einzelnen Kinder herum gebaut haben. Also das heißt, um jedes Kind wurde diese Grenze gezogen, auf die man sich irgendwie gefühlt gesellschaftlich geeinigt hatte. Wie Kinder reden müssen, wie sie laufen sollen, wie sie begrüßen sollen, wie sie höflich sein sollen, wie sie sich an irgendwelche Normen halten sollen, wie sie sitzen sollen und so weiter und so fort.
Dass sie lächeln sollen, ihr wisst. ein Kind dann halt einfach ein bisschen zu viel Bewegung hatte oder ein bisschen zu großen Ausfallschritt gemacht hat, dann stieß es halt an diese Grenze, an diesen Zaun, die wir ja um dieses Kind herumgezogen haben. So und wenn ich jetzt aber über Grenzen spreche und dass Kinder Grenzen brauchen, dann rede ich über mich. und dass ich um mich herum eine Grenze gesetzt habe.
Das heißt, mein Kind, das läuft frei umher. Und ab und zu stößt es, manchmal mit Absicht und manchmal ganz aus Versehen, an meine Grenze. Also an meine ganz individuelle Grenze. Das heißt, ich ziehe nicht diesen Zaun um das Kind herum, sondern ich baue einen Zaun um mich. Das ist mein Grenzzaun.
Und als er mein süßes, kleines, perfektes Baby in meine Brustwarze reingebissen hat, da ist es an diese Grenze gestoßen, an meine Grenze. Oder anders. Wenn mein Kind auf der Couch herumhüpft, dann ist das gar kein Problem. Also das ist bei uns hier keine Grenze, weil unsere Couch kann das ab. Wir haben beim Kaufen dieser Couch darauf geachtet, dass es geht. Also das heißt, diese Regel, diese Grenze, man hüpft nicht auf Möbeln rum, die stimmt so nicht, weil bei uns darf man das.
Bei der Oma darf man vielleicht nicht auf der Couch herumhüpfen. Also ihr seht, das ist keine universelle Grenze. Mein freies Kind ist dann bei seiner Oma an diese Grenze gestoßen. Ich möchte das nicht, das ist auf meiner Couch rumhüpft. Aber es ist eben keine universelle, allgemeingültige Grenze, sondern eine individuelle, eine ganz persönliche Grenze.
Ja und das ist ja auch ein ganz grundsätzlich wichtiger Erfahrungsbereich für Kinder. Es gibt nämlich schlichtweg unterschiedliche Haushaltsregeln, es gibt unterschiedliche Werte, es gibt unterschiedliche Sensibilitäten und dadurch lernen Kinder Kontextsensibilität und das ist ja Ein ganz großartiges Learning für ihr ganzes Leben.
Und keine Sorge, sie lernen dadurch nicht Widersprüchlichkeit, damit können sie umgehen, sondern einfach, dass Menschen sehr unterschiedlich sind. In der Kita, in der Schule, bei Freundinnen und so weiter. Überall gibt es unterschiedliche Menschen und deswegen gibt es auch ganz unterschiedliche Grenzen.
Ich mache mal noch ein Beispiel. Also, kleine Kinder müssen beim Überqueren der Straße an der Hand laufen. Das klingt wieder nach so einer individuellen Regel. Das klingt wieder nach einer universellen Regel. Es kann bei dir ja tatsächlich aber eine wirklich individuelle Grenze sein, aus deinen eigenen Erfahrungen, aus eigenen Ängsten und so weiter. Dass du völlig zu Recht hast, für dich dass du das möchtest, dass dein Kind an deiner Hand läuft. Und dann ist es natürlich sinnvoll, dass du nicht sagst, kleine Kinder müssen beim Überqueren der Straße an der Hand laufen, sondern du könntest sagen, ich möchte, dass du an meiner Hand läufst, wenn wir über die Straße gehen, weil ich mich damit sicherer fühle.
Das ist ein riesiger Unterschied, das merkt ihr sofort, denke ich. Weil dieser Satz, kleine Kinder müssen beim Überqueren an der Hand laufen, der stimmt ja einfach nicht. Es gibt nämlich Kinder, die laufen über die Straße ohne an der Hand zu sein. Und es gibt sogar Kinder, die laufen sicherer. ohne an die Hand gezwungen zu werden. Also wenn ich ein Kind, das es gewohnt ist oder das das möchte, das frei über die Straße laufen möchte, also neben mir oder kurz vor mir oder kurz hinter mir, was weiß ich. Und wenn ich dieses Kind dann zwinge, aufgrund von so einer Pseudogrenze, Kinder müssen an der Hand laufen, an meiner Hand zu laufen, dann kann es sein, dass das Kind wütend wird und das Nervensystem in Alarmzustand
geht und so weiter. Und dann, liebe Leute, dann wird diese Situation an der Straße wirklich gefährlich. Und da ist es dann sinnvoller, dieses Kind entspannt einfach neben mir laufen zu lassen. Also deswegen, beim Grenzen setzen geht es auch schon um die Formulierung, bleib bei dir. Und zwar nicht im Sinne von, weil das wichtig ist, dass wir so reden, gewaltfreie Kommunikation und so weiter, sondern mir geht es vor allem gerade einfach nur darum, dein Kind möchte ja dich kennenlernen und es ist deine Grenze.
Und es ist für ein Kind viel logischer und greifbarer, wenn es dich kennenlernt. Wenn ich sage, ich habe Angst, bitte lauf an meiner Hand. Das ist einfach eine ganz andere Form von Beziehungs- und Bindungskommunikation. Und die ist für Kinder deutlich sinnvoller. Und außerdem gehört es eben auch dazu, Kindern klarzumachen, Grenzen sind kontextgebunden. Grenzen sind personengebunden.
Und das ist ja sozusagen ein total wichtiger Knackpunkt. Jetzt kommen wir zu Kapitel Nummer zwei. Und zwar die Frage, warum fällt es denn uns Eltern manchmal so schwer, Grenzen zu setzen und sie zu kommunizieren? Und das hat natürlich, wie so oft, wie gerade auch bei den Beispielen mit der Straße, eben ganz viel mit unserer eigenen Biografie zu tun, also unserer Prägen, unserem Aufwachsen.
Und auch jetzt an diesem Punkt natürlich, unserer Erfahrung mit Grenzen in unserer Kindheit. Das muss man ja wirklich sagen. Viele von uns sind einfach mit sehr harten Grenzen aufgewachsen, mit beschämenden Grenzen und mit teils auch willkürlichen Grenzen. Das war oftmals sehr schlimm. Grenze war Liebesentzug, Grenze war Strafe, Grenze war Macht.
Und wenn ich das noch so in mir drin habe, entweder als bewusste Erinnerung oder einfach in mir gespeichert, dass ich damals dann auch Angst hatte oder auch vielleicht Wut und dachte, Alter, das ist so unfair, was meine Eltern hier gerade machen. Das ist viel zu streng, gar nicht verhältnismäßig.
Dann will ich ja heute jetzt als erwachsene Person, die jetzt selber Kinder hat, auf keinen Fall so werden wie meine Eltern. Und dann fallen wir halt relativ schnell von der anderen Seite vom Pferd. Also aus sozusagen dieser Vorsicht und dieser Angst, auch in diese Stränge zu gehen und in dieses Unfaire und in diese Machtausübung, habe ich dann Sorge und setze dann lieber gar keine Grenze.
Und manche Eltern haben auch Angst, dass eine Grenze zu kommunizieren irgendwas mit der Bindung zu meinem Kind macht. So wenn ich jetzt mein Kind, weil es gerade auf, keine Ahnung, mir ins Gesicht kneift, von mir weg setze, Und streng Nein sage, dann fühlt sich das direkt irgendwie gefährlich an.
Und da könnt ihr natürlich auch gerne nochmal in die Bindungsfolge hören, da bin ich ein bisschen tiefer darauf eingegangen. Aber Frustration ist kein Bindungsbruch, sondern allein sein mit dieser Frustration ist eine Schwierigkeit. Und Kinder brauchen Erwachsene, die stabiler sind, größer sind, regulierter sind.
Und nicht Erwachsene, die aus Angst vor Ablehnung sich selber so auflösen und grenzenlos werden. Grenzen trennen nicht. Grenzen machen sichtbar. wo ich beginne und wo du endest. Und das ist wichtig. Und ja, Mann, das ist echt eine Aufgabe, die wir da lernen müssen, weil wir keine Rollenvorbilder dafür haben.
Grenzen setzen, Grenzen wahren, das wollen wir neu lernen. Weil wir es eben nicht so wiederholen wollen, wie wir es früher selber erlebt haben. Aber wir haben niemanden, dem wir das nachmachen können. Wir haben keine Rollenvorbilder. Wir müssen das gerade selber schaffen, neu erschaffen. Alter, das ist übelst anspruchsvoll.
Und da sind wir auch wieder an so einem Basisding dran. Das Fundament, also die Basis von diesem ganzen Thema ist ja, spüre ich denn meine Grenzen überhaupt? Und zwar bestenfalls bevor es zu spät ist. Also wie zeigt sich das denn bei mir, wenn ich da an so eine innere Grenze komme? Weil ohne das Spüren und das Bemerken kann ich ja auch nicht ins Benennen gehen.
Und vielleicht ist das auch was, was ihr euch mal mitnehmen könnt als Hausaufgabe bis nächste Woche. Nein, Leute, sorry, ihr müsst gerade so lachen. Da gebe ich euch jetzt eine Hausaufgabe auf, Leute. Und das von mir. Ich weiß nicht, ob ihr die Podcast-Folge zum Thema Schule gehört habt. Da habe ich wohl sehr über das Thema Hausaufgaben gebettert.
Stark. Nee, also, wenn ich euch jetzt nächste Woche auch noch für irgendwas lobe, dann, dann, liebe Leute, habe ich komplett meine Glaubwürdigkeit verloren. Stark. Okay, wartet. Anders. Passt auf, nehmt euch das doch gerne mal als freiwillige Übung mit. für nächste Woche. So, aber jetzt ohne Spaß. Und zwar spürt mal in euch rein.
Wo sind Grenzen bei mir? Wo taucht das auf? Und merke ich es vielleicht erst, wenn es zu spät ist? Und wo spüre ich das? In meinem Körper oder auch in meinem Kopf und so weiter. Also wo merke ich das überhaupt? Das ist manchmal gar nicht so leicht zu sagen. Okay, ab ins Kapitel Nummer drei. Und zwar, warum sind Grenzen überhaupt wichtig?
Wir sind bei den Basisfragen dran, oder? Also, warum sind Grenzen für uns wichtig? Ich möchte mal bei uns anfangen, als Eltern. Ganz ehrlich, die allermeisten von uns gehen nicht mal über eine Grenze rüber, sondern ehrlich gesagt gehen wir nahezu täglich über Grenzen rüber. Also wir schlafen zu wenig, wir sagen manchmal ja, obwohl wir mein Nein meinen, wir erklären endlos, obwohl wir gar keinen Bock mehr haben, wir vermeiden Konflikte und so weiter. Und ich muss, ich erinnere mich so sehr an diese eine Mutter, die mir mal gegenüber saß und in ihrem Dekolleté Da waren so mehrere kleine Wunden und auch so kleine Vernarbungen. Und dann erzählte sie mir, dass das von ihrem Kind kommt. Weil dieses Kleinkind nur
einschlafen kann, wenn es an ihrer Haut rumgnibbelt. So viele von euch werden das kennen. Babys und Kleinkinder sind so Fummler. Und das hat sie diesem Kind erlaubt. Und zwar über ihre körperliche Grenze hinweg. Also sie hatte da wirklich Verletzungen. Sie war körperlich verletzt. Und zwar, weil sie dem Kind keine Grenzen setzen konnte, weil sie Angst hatte, dass das Kind dann nicht einschläft, dass es dann weint.
Und ich verstehe das total, weil wenn wir Eltern werden, haben wir ein Baby, ein ganz kleines Baby. Und dieses Baby ist komplett abhängig von uns. Und die Bedürfnisse von Babys können nicht warten. Und deswegen ist es völlig klar, dass ich sage, ja gut, dann esse ich jetzt halt nichts, sondern mache erst das und das fürs Baby. Völlig klar.
Aber ein Baby bleibt nicht klein und wir dürfen mitwachsen. Weil wenn wir zu lange über unsere Grenzen hinweggehen, dann passiert, dass unsere Reizbarkeit steigt, dass unsere Geduld sinkt, dass wir Wut entwickeln auf unsere Kinder und auch auf die Elternschaft. Erschöpfung wird größer, ausgebrannt sein. Das Gefühl von ausgebrannt sein, das kann entstehen. Und auch so kleine Auslöser können riesig groß wirken, weil sie einfach noch on top kommen.
Und Leute, chronische Überforderung. aktiviert unser Stresssystem. Du kriegst dafür keine Medaille, ganz im Gegenteil. Ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem, ist übrigens ein Wort mit drei S hintereinander, habe ich gerade gedacht, Stresssystem, oder? Ich glaube schon. Okay, entschuldige ich bitte, mein Kopf hängt manchmal an solchen Sachen irgendwie fest.
Also was habe ich gesagt? Ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem, das reduziert unsere Empathiefähigkeit. Und es reduziert auch unsere Impulskontrolle. Das wissen wir aus Stressforschung ziemlich genau. Das heißt, wer dauerhaft über seine eigene Grenze rübergeht, wird mehr und mehr zu dieser Art Mutter und dieser Art Vater, die wir gar nicht sein wollen. mit weniger Empathie, mit weniger Impulskontrolle, mit mehr Wut und so weiter.
Also wenn ich meine Grenzen nicht früh kommuniziere oder schlichtweg einfach unterdrücke, dann kommt das später hoch. Also ganz sicher durch Explosion oder durch Rückzug oder bei mir zum Beispiel ist so ein Klassiker so Zynismus und so, Schuldzuweisung und so diese ganzen fürchterlichen Sachen. Sagen wir es mal so, du bist nicht plötzlich laut geworden, Nee, du warst zu lange leise. Und Kinder sind extrem sensibel für Mikrosignale. Dein Kind kann dich lesen und das viel feiner, als du vielleicht glaubst.
Also dein Kind checkt die Spannung in deinem Körper, deine veränderte Stimme, deine Mimik, die gereizte Mimik und so weiter. Und das verunsichert Kinder. Also ein Elternteil, das sich selbst schützt, das ist einfach berechenbarer als ein Elternteil, das sich ständig selbst übergeht. Also wenn ich merke, ich bin hier gerade an der Grenze angekommen, ich will das nicht.
Und dann lächle ich aber mein Kind an und sage, nein, nein, alles gut. Dann schicke ich da zwei unterschiedliche Signale. Und das ist die Verunsicherung. Also Berechenbarkeit, Vorhersehbarkeit, gute Lesbarkeit, das ist Sicherheit, Leute. Also lieber klar meine Grenze kommunizieren. Das ist auch tatsächlich für euer Kind besser.
Grenzen sind kein Luxus. Grenzen sind normal und die sind wichtig. Selbstfürsorge und so weiter. Weil runtergebrochen, also ohne eigene Stabilität gibt es keine sichere Begleitung. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder lernen, ihre eigenen Grenzen zu spüren und zu verteidigen, dann müssen sie erleben, wie das aussieht. an mir. Und wie sieht das denn aus?
Weil ich sage, das ist nicht laut, das ist nicht hart, sondern klar. Es muss nicht so sein wie diese Art von Grenzen, die wir erlebt haben, als wir Kinder waren. Weil Grenzen setzen geht nicht automatisch mit einer Lautstärke und einer Gemeinheit und einer Machtausübung einher. Und jetzt seht ihr schon, das Kapitel hieß ja, warum sind Grenzen wichtig für uns? Und ihr seht, ich mache hier gerade schon den Turnaround, warum es auch für Kinder wichtig ist. Also, Grenzen setzen lernt man nicht durch Gehorsam, sondern durchs Lernen am Modell.
So, haha, wer ist das Modell? Haha, die schauen sich's ab. Von uns. Tada. Also, wenn Erwachsene ihre eigenen Grenzen ruhig vertreten, dann lernen Kinder, ich darf Stopp sagen. Mein Körper gehört mir. Meine Überforderung zählt. Und so weiter und so fort. Leute, das ist Prävention. Checkt ihr? Wirklich genau so groß.
Wir müssen es genau so groß machen. Wenn mein Kind nämlich älter ist, in der Schule, in der Pubertät und so weiter, dann möchte ich, dass mein Kind sich hinstellt und sagt, nein, ich will das nicht. Hier ist meine Grenze. Ich mache das nicht. Oder das ist nicht okay. Und mein Kind kann das, wenn es gelernt hat, dass Grenzen setzen und Grenzen wahren okay ist.
Dass es keine Gefahr ist für Beziehung und für Bindung und für Liebe. Und das lernt es durch uns, Leute, durch uns. So, Kapitel 4, letztes Kapitel. Weil bla bla bla, Theorie, haha, schön und gut und so. So, aber wenn ich jetzt ganz praktisch beim Kind sage, ich will das nicht, hier ist meine Grenze.
Dann sagt mein Kind komischerweise gar nicht. Oh, liebe Mutter, das ist ja gut, dass du auf dich achtest. Dass du deine Grenzen fahrst, ist so wichtig. Und es ist für mich ja auch so eine wichtige und eine prägende Erfahrung, damit ich weiß, dass auch ich später Grenzen setzen darf. Vielen Dank.
Nee. So, mein Kind, je nach Alter, sagt wahrscheinlich sowas wie, ja, ich will trotzdem oder lass mich oder egal und so weiter, ja. So, also mein Kind reagiert bei einer Grenze mit Widerstand. Und dieser Widerstand ist normal, der ist natürlich. Also es heißt nicht, dass wir da zu streng waren oder zu hart waren oder jetzt bitte zurückrudern müssen.
Sondern es heißt erstmal, dass mein Kind da gegen meinen Zaun gerannt ist. So und jetzt um nochmal bei diesem Zaunbild zu bleiben. Weil in meinem Zaun, da gibt es ein Tor. Ein Gartentor. Und da kann ich abwägen und das Tor gegebenenfalls öffnen. Also wenn ich sage, stopp, geh von mir runter, ich will nicht, dass du auf mir rumhüpfst. Dann ist mein Kind gegen diesen Zaun gepreift und dann kann ich aber dieses Gartentürchen öffnen und kann sagen, wir können aber eine Kissenschlacht machen, weil dann bist du trotzdem körperlich in Kontakt mit mir.
Oder ich brauche kurz Pause, weil ich bin völlig überreizt oder was weiß ich. Oder ich will einfach einmal kurz alleine auf Toilette gehen. Dann kann ich sagen, mein Schatz, ich gehe jetzt alleine ins Bad. Ich möchte nämlich einfach nicht angeguckt werden, nicht angefasst werden. Ich will einfach kurz alleine Pipi machen. Ich weiß, es ist krass.
Es ist ein krasser Wunsch. Aber hier ist meine Grenze. Ich mache das jetzt. Auch wenn du es scheiße findest. Und dann kann es sein, dass dieses Kind weint und schreit und sich wehrt und so weiter. Und dann kann ich wieder das Türchen öffnen, das Gartentorchen öffnen und sagen, hier kommt mal ein Walkie Talkie.
Du kriegst eins, ich kriege eins. Tür zu. Also Grenzen wahren heißt manchmal auch Grenzen gestalten. Die Tür im Zaun finden. Das ist eben gerade auch bei Neurodivergenten-Kindern echt nochmal ein anderes Thema. Grenzen ist da echt nochmal ein bisschen schwieriger. Weil es kann gut sein, dass ich da wirklich als Mutter jetzt wirklich meine Grenze spüre.
Ich habe keinen Bock, jetzt nochmal für dich ein extra Essen zu machen. Diese scheiß nackten Nudeln, wie jeden Tag. Ich habe keinen Bock. Weil ich habe hier ein super leckeres Kartoffelgratin gekocht. Und irgendwie sehe ich es auch nicht ein. Und ich habe auch keine Kraft. Ich will nicht schon wieder jetzt an den Herd, weil ich dir die Nudeln machen muss. Und dann setze ich da diese Grenze und dann habe ich da mein neurodivergentes Kind und das bekommt einen Meltdown. Also das ganze Nervensystem gerät komplett in den Alarmzustand.
Hyperventilieren, schreien, blaue Lippen, nichts geht mehr. Keinerlei Regulation mehr möglich. Und dann stehe ich da als Mutter und denke, jetzt überlege ich doch nochmal ganz ehrlich, ob meine Grenzen nicht doch verhandelbar sind an diesem Punkt. War es das wert? Also ich meine auch ganz egoistisch für meine Kraft. Und dann hast du immer im Hinterkopf dieses, man muss konsequent sein als Eltern und so. Ich glaube, ich muss dazu nochmal eine eigene Folge aufnehmen zum Thema Nein sagen.
Ich glaube, das lohnt sich nochmal als eigene Folge. Und das ist so schwierig. Also ihr seht, und ich gebe euch da jetzt keine Antwort drauf. Also ich sage euch jetzt nicht, ja bitte macht doch die scheiß Nudeln, ist doch nicht so schlimm, weil das ist das Safe Food für das neurodivergente Kind. Er kämpft das doch nicht durch.
Und ich sage euch auch nicht, bleib da auf jeden Fall hart, weil deine Grenzen. Sondern das ist einfach ein Punkt, wo ich nur sagen wollte, ich kenne den Struggle. Und das ist einfach nochmal eine andere Schärfe mit neurodivergenten Kindern. Aber wir können ja von Neurodivergenten auch nochmal weg.
Allgemein völlig egal. Thema Neurodiversität in dem Fall völlig wurscht, ob neurodivergent oder neurotypisch. Mal ein ganz konkretes Beispiel. Wenn ich zum Beispiel als Mutter merke, oder auch als Vater, ist ja auch egal, ich spreche jetzt mal als Mutter, weil ich Mutter bin, ich möchte einfach mal eine Pause haben.
Zum Beispiel am Wochenende, so zwei Stunden für mich, nur so für mich, wo ich mal nicht die Verantwortung für meine Kinder habe, wo ich mich nur um einen einzigen Menschen kümmere und das bin ich. Wo ich mal nicht Mama bin. Diese Rolle habe ich in diesem Moment nicht. Wo ich mal in Ruhe irgendeinen Gedanken zu Ende denken kann, wo ich mal was essen kann, wo ich was trinken kann, in meinem Tempo. Etwas, das ich mir nicht selber machen musste zum Beispiel, weil ich in einem Café bin oder so.
Wo ich mal nicht, keine Ahnung, einmal eins abfrage, während ich gerade dabei bin, meinen Kaffee kurz zu trinken oder so. Einfach mal am Wochenende zwei Stunden raus in den Kaffee oder so. Oder spazieren gehen mit einem Buch, ans Wasser sitzen, was auch immer. Die Möglichkeiten sind ja vielfältig.
Und ich merke, ich brauche das. Ich setze da eine Grenze. Ich grenze mich ab. Ich sage, ich möchte das und so weiter. Und dann muss ich ja zu Hause weg. Und da muss irgendjemand zu Hause sein, der mein Kind betreut. Ja, also der Vater zum Beispiel jetzt in meinem Szenario oder eine andere Bindungsperson, die mal bei meinem Kind ist.
Und es kann aber gut sein, dass mein Kind sich gar nicht denkt, boah, ja, das ist ja ein super cooler Plan. Das ist ja das Tollste. Hab viel Spaß draußen. Ich glaube, ich habe die beste Zeit meines Lebens. Sondern es gibt Kinder, die finden das richtig schlimm. Ja, und die weinen. Die wollen nicht, dass ich gehe.
Hängen sich vielleicht sogar, krallen sich an den Pullover ran und so weiter. Schlägt um sich, schreit und so weiter. Und dann ist das so ein harter Moment zu überlegen, wahre ich jetzt meine Grenze und gehe trotzdem oder sage ich, ja alles klar, dann ist mein Bedürfnis wieder nach hinten aufgeschoben, dann weiß ich auch nicht, mache ich es irgendwann anders, wenn das Kind zwölf ist oder so.
Und da würde ich einfach mal mit euch mitgeben, dass ihr euch da mal rein führt oder es einfach auszuprobieren zu sagen, Ich darf bei meiner Grenze bleiben und zwar zugewandt. Klar, liebevoll und zugewandt. Ich darf meinem Kind Tschüss sagen. Ich darf meinem Kind die Gefühle verbalisieren. Man kann sagen, ich verstehe das total, dass du möchtest, dass ich hier bleibe und so.
Also es darf alles sein. Ich bagatellisiere nicht. Ich rede nicht aus und ich rede das Gefühl nicht aus und so. Ich bleibe bei mir. Und sage, ich gehe, weil mir das gut tut und ich freue mich, ich komme wieder und so. Ich kann meinem Kind vielleicht auch einen Timer stellen oder sagen, wie lang und so weiter. Und dann bleibt dieses Kind bei einer geliebten Person, das bestimmt das Kind ganz liebevoll begleiten wird. So und dann bin ich draußen und es kann sein, dass ich mich schlecht fühle, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, dass alte Glaubenssätze reinkicken und so weiter. Und auch da, ihr kennt es vielleicht selber, es kann auch gut sein, dass wenn ich dann wiederkomme, dass ich dann da ein total angeschränktes Kind
habe, das ich dann begleiten muss, dessen Nervensystem immer noch im Alarmzustand festhängt. Und Leute, ich kenne das. Es ist manchmal richtig lächerlich, wie viel an Vorbereitung und Begleitung und Nachbereitung nötig ist. Übrigens auch da wieder gerade bei neurodegenerierten Kindern. Und trotzdem, Leute, kann es das wert sein.
Oder wenn ihr euer Kind wickelt, dann tritt es nach euch und es schlägt um sich. Oder Kinder in der Autonomie-Phase, in sonstigen Situationen, Kneifen, Beißen und so weiter. Natürlich dürft ihr euren Körper schützen, unbedingt. Die Integrität eures Körpers ist wahnsinnig wichtig. Und das heißt aber nicht, dass das Kind nicht wütend sein darf. Das darf nebeneinander stehen.
Also mein Kind darf wütend sein, ohne dass es dafür beschämt wird, ohne dass ich sowas sage wie, so ist man nicht oder wenn du so mit mir redest dann. Ich darf mich schützen, ich darf zu meiner Grenze stehen, ich darf meine Grenze wahren und gleichzeitig mit meinem Kind in Kontakt bleiben. Und ja, auch wenn das Kind das Brot will, das ich gerade für mich gemacht habe. Ich darf das essen.
Ich darf das einfach essen. Oder jetzt bei größeren Kindern, wenn mein Kind Roblox haben will oder WhatsApp oder was weiß ich. Und ich will das nicht. Also völlig egal. Leute, das Thema Grenzen ist nicht nur ein Thema fürs Kleinkindalter, sondern darüber hinaus. Also das bleibt. Und immer wieder der Punkt, ihr dürft eure Grenzen wahren. Und ich merke gerade, dass ich mir jetzt schon mal eine Sache merke für die Sonntagsfolge, für die Nachgehört-Folge. Und zwar etwas, wofür jetzt hier sozusagen gar kein Raum war. Und zwar, wie ich mein Kind dabei unterstützen kann, die eigenen Grenzen zu wahren.
Ja, also ihr kennt das so, der Klassiker, wenn irgendein Mensch mit Küsschen begrüßt werden will oder mein Kind möchte das nicht. Oder wenn mein Kind Probleme hat mit dem Teilen und ich da auch helfe, die Grenze zu wahren und so weiter. Das werde ich am Sonntag besprechen. Und noch etwas, was jetzt beim Thema Grenzen eigentlich auch dazu gehört, aber ihr seht schon in einer halben Stunde, das klappt nicht. Und zwar, da mache ich, glaube ich, eine eigene Podcast-Folge darüber, schreibe ich mir gleich mal auf. Und zwar das Thema, was ist denn, wenn wir als Eltern über die Grenzen unseres Kindes hinweggehen müssen? Ja, zum Beispiel beim Anschneiden im Auto oder beim Impfen.
Also immer da, wo wir sozusagen die Integrität des Körpers unseres Kindes angreifen, also wo wir weil wir stärker sind und weil wir älter sind und so, weil wir Macht haben, unser Kind dominieren. Das gehört ja tatsächlich auch zum Thema Grenzen dazu. Das merke ich mir mal. Ich glaube, ich mache mal eine Podcast-Folge zum Thema Machtgebrauch. Könnt ihr mir gerne sagen, ob euch das interessiert. Fiel mir nur gerade noch ein.
Achso, und wer nochmal tiefer in das Thema Grenzen reingehen möchte, mehr als diese halbe Stunde, weil das ist ja immer nur so ein bisschen, es sind ja immer kleinste Impulse, wer da nochmal in die Tiefe rein will, lest unbedingt das Buch von Nora Imlauer, das heißt Meine Grenze ist dein Halt. Großartiger Titel übrigens, da könnt ihr nochmal ganz viel und auch einfach nochmal ein bisschen anders darüber lesen.
Und ansonsten, ihr wisst das, liebe Leute, ich freu mich ganz doll, wenn ihr mir Kommentare bei Spotify hinterlasst und auch sowas wie Sternebewertung. Das sind wir beim Thema Loben. Super. Und auch total wichtig, gerne wirklich auch auf Folgen klicken, wenn ihr meine Podcast-Folgen gerne hört. Und zwar schlichtweg, weil es so funktioniert, dass sozusagen bei meinem Podcast mehr Menschen angezeigt wird und mehr ausgespielt wird und so.
Deswegen fürs Thema Sichtbarkeit ist das einfach wichtig. Und für euch sind es ein, zwei Klicks. Deswegen würde ich mich da ganz doll freuen, wenn ihr das machen würdet. Vielen Dank an der Stelle und denkt an die Hausaufgaben. Ich kontrolliere das nächste Woche, ist klar. Jeder kriegt dann so ein Fleißbienchen als Stempel reingestempelt oder so.
Bis dann!