Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 14

Nachgehört: Neurodivergenz Hochbegabung

Sonntag, 1. März 2026 · 9 min

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Shownotes

Die Scham zu sagen „Ich bin / mein Kind ist hochbegabt“

Wie kann ich mein Kind auf den IQ - Test vorbereiten?

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Ja, ganz genau, dein Kind ist hochbegabt. Also heute sitzen ja quasi in jeder Schulklasse mindestens 15 hochbegabte Kinder. Boah, die Eltern heutzutage, dass die alles übertreiben müssen. Ja, ja, genau, dein Kind ist hochbegabt. So, cool, sind wir direkt mit guter Stimmung in die Nachgehör-Folge gestartet. Aber das ist tatsächlich eine der Sachen, die zu meiner Mittwochsfolge häufig nachgefragt wurden. Und zwar, was mache ich denn damit, dass unsere Gesellschaft so so auf Hochbegabung so reagiert, mit Beschämung, mit Augenrollen, mit Übertreibung und Überspitzung. Und das ist richtig, Leute, das habt ihr sehr gut beobachtet, leider.

Ich habe häufig schon von Lehrkräften, von ErzieherInnen und so genau das gehört von wegen, ja genau, die ganzen hochbegabten Kinder heutzutage. Ich finde das zum einen sehr schwierig, weil das so abfällig über Eltern spricht, was wo ich ganz allergisch drauf reagiere. Und so ist es halt, Eltern vergöttern ihre Kinder und das wollen wir auch nicht verändern, oder? Das ist doch was Gutes.

Und zum anderen ist es natürlich genau problematisch eben für all die Eltern, die tatsächlich hochbegabte Kinder haben. Und die wissen, dass Hochbegabung kein fucking Pokal ist. sondern mit ganz, ganz vielen krassen Herausforderungen und Anstrengungen hinterhergeht. Welche das sind, hört gerne die Mittwochsfolge, wenn ihr sie noch nicht gehört habt.

So, und ich finde an diesem Thema so spannend, warum schämen wir uns denn, wenn wir von uns selber sagen, dass wir hochbegabt sind oder wenn wir sagen, unser Kind ist hochbegabt oder dafür sensibilisieren wollen, dann hängt das natürlich wieder auch ganz viel mit unserer Prägung und auch mit unserer Kultur zusammen, ja, weil Ja, Intelligenz darf man haben, aber man darf sie nicht benennen.

Also, wann sagt denn mal jemand, ich bin hochbegabt? Das hört man nicht. Und deswegen, wenn wir das dann mal hören, klingt das automatisch in unseren Ohren wie, ich bin was Besseres. Was es ja gar nicht ist, aber das ist sozusagen diese Projektion, die da ja drinsteckt. Und jetzt müssen wir es auch mal ganz klar nochmal sagen, bei Frauen ist das nochmal doppelt und dreifach so. Wir sind nämlich hardcore kulturell auf Bescheidenheit sozialisiert.

Wir sollen nicht zu laut sein, wir sollen nicht zu klug sein, wir sollen nicht zu dominant sein, wir sollen nicht zu präsent sein. Boah, so zusammengefasst ist das schon doll. Naja, okay. Und das heißt, eine Frau, die sagt, ich bin hochbegabt, die bricht quasi mit all diesen Normen gleichzeitig.

Das ist doll und das irritiert und das kommt dann als komische Reaktion zurück, in unserer Kultur zumindest. Und ich glaube, es ist so eine Gratwanderung dazwischen, dass wir Anfangen sollten darüber zu reden, so wie wir auch anfangen sollten darüber zu reden, dass wir auf dem autistischen Spektrum sind oder ADHS haben oder Dyskalkulie oder Dyslexie und so, damit es eben aus dieser komischen Ecke rauskommt.

Damit es kein komisches Statussymbol ist, zum Beispiel bei Hochbegabung oder irgendwie ein Tabu oder so. Das passiert ja nur, wenn wir darüber reden. Und wenn gleichzeitig auch Leute merken, ich kenne ja Menschen, die ADHS haben, ich kenne ja Menschen, die hochbegabt sind. Also es wird dadurch eine größere Normalität, wenn wir anfangen, uns zu zeigen. Und gleichzeitig, auch wenn ich da wirklich sehr hinter stehe, muss ich euch aber auch sagen, seid halt vorsichtig damit. Es ist so traurig, dass ich das sagen muss, aber wägt gut ab, in welchem Rahmen könnt ihr das sagen und in welchem Rahmen nicht.

Also sowohl über euch selber als auch über euer Kind. Also wo ist Sensibilisierung und Aufklärung angebracht und wichtig und wo solltet ihr euer Kind oder euch schützen. und euch dann eben nicht damit zeigen. Und das ist so eine Gratwanderung und eine krass situative Einschätzung, aber die traue ich euch sehr zu.

Also ich möchte nicht, dass diese Neurodivergenz, in dem Fall jetzt Hochbegabung, dass das ein Geheimnis ist. Und trotzdem weiß ich auch, dass es keine Visitenkarte sein sollte, weil unsere Gesellschaft das so nicht hinkriegt. Und natürlich können wir dann so Zwischenwege finden. Also dass wir nicht sagen, mein Kind ist hochbegabt, sondern mein Kind mag komplexe Aufgaben oder was weiß ich.

Oder mein Kind fühlt sehr tief und intensiv und so oder denkt sehr komplex. Also solche Sachen, natürlich können wir das sozusagen anders framen und ausdrücken und so. Und das ist manchmal gut und manchmal wäre es auch sinnvoll, einfach zu sagen, ja, das ist eine Hochbegabung und dann eben auch aufzuklären. dass das keine moralische Kategorie ist, sondern eine neurologische Varianz, eine neurologische Struktur. Und das ist nicht besser oder schlechter, sondern es ist einfach anders, es ist abweichend. Und damit gehen ganz tolle Sachen einher und ganz tolle herausfordernde und schwierige Seiten. Ich glaube, das ist so ein bisschen das, was ich euch dazu sagen kann.

Und ja, lasst uns gerade auch als Frauen, lasst uns laut sein, präsent sein, damit sich das irgendwie ein bisschen gesellschaftlich verändert. Und die zweite Sache, die ich gefragt wurde zu meiner Hochbegabungsfolge ist, wie kann ich denn mein Kind auf eine IQ-Testung vorbereiten? Und da fängt es natürlich wie so oft erstmal bei uns Eltern selber an. Also wir projizieren nämlich da gerne sehr viel Druck hinein und zwar gar nicht im Sinne von hoffentlich ist es möglichst hoch, sondern wenn wir mit unserem Kind in eine Diagnostik gehen, dazu gehört die IQ-Testung ja auch dazu, dann ist das meistens schon am Ende oder im Laufe einer sehr langen Reise. wo sehr viel Belastung drin steckt. Und deswegen ist es völlig klar,

dass wir da nicht hüpfend, hopsalaufmäßig in diese Praxis reingehen, sondern einfach schon mit einem großen Rucksack, der sehr schwer beladen ist. Und deswegen möchte ich euch trotzdem sagen, reflektiert, was ihr da ausstrahlt. Und dann mit dem Kind natürlich in die Kommunikation gehen und einfach noch mal ganz klar erklären, gerade wenn es schon Schulkinder sind, Das ist kein Test, bei dem man durchfallen kann, das ist kein Test, für den man eine Note kriegt, das ist eher ein Denkspiel und es ist dafür gedacht, dass wir besser verstehen, wie dein Kopf arbeitet.

Es geht nicht darum, ob dein Kopf gut arbeitet, es geht darum, wie dein Kopf arbeitet. Also nicht so was sagen wie, so jetzt zeigen wir mal, wie klug du bist, wie schlau du bist oder das ist jetzt total wichtig oder sowas, sondern wirklich den Fokus auf Neugierde setzen. Nicht auf Leistung, auf Neugierde. Lass uns gucken, was dein Gehirn macht. Und dann kann man eben auch ganz klar sagen, da ist jemand, der stellt dir verschiedene Aufgaben und manche sind leicht und manche sind schwer und das ist mit Absicht so. Also das ist mit Absicht schwer, das gehört dazu. Und das nimmt auch so ein bisschen das Thema Versagensangst und Perfektionismus und so weiter. Und dann kann man eben auch

gerade, wenn man auf diesen, wenn man nochmal sagt, von wegen, dass es klar, dass es schwer ist, dass das mit Absicht so ist, auch sagen, es ist übrigens auch gut, wenn was nicht klappt, weil sonst wäre es kein guter Test. Das ist zum einen ehrlich und zum anderen nimmt es eben auch Druck raus. Und von wegen Haltung der Eltern, übt das nicht schon. Macht nicht zu Hause schon irgendwelche Probe IQ-Tests oder kauft irgendwelche Übungsbücher oder sowas. Weil das macht halt dann doch wieder diesen starken Leistungsfokus und sowas.

Sondern wirklich auch verinnerlichen, es geht nicht darum, dass da ein möglichst hoher Wert bei rumkommt oder so. Es geht wirklich darum zu gucken, was macht das Gehirn des Kindes. Dann ist natürlich auch wichtig nach dem Test, weil also gerade IQ-Test ist schon sehr anstrengend, aber Konzentrationstest ist wirklich ein Abfuck. Das ist so anspruchsvoll, was da gleichzeitig passiert und so. Die Kinder werden danach sehr, sehr erschöpft sein. Und deswegen dann nicht die Kinder überfallen mit und wie war es?

Und was schwer? Welche Aufgabe war gut? sondern dem Kind was zu essen geben, was zu trinken geben. Bitte nicht noch zwingen, das Kind stundenlang irgendwie laufen zu lassen. Irgendwelche Anforderungen, so wirklich gar keine Anforderungen. Bitte sofort ins Auto, auf dem Fahrradsitz, ins Lastenrad, was auch immer und nach Hause und irgendwas, was wirklich das Nervensystem entspannt und wo gar keine Anforderungen sind.

Ja, und natürlich gerne auch über den Test sprechen, aber eher dann halt so was wie Und wie war es für dich? Was war anstrengend? Und so gab es eine Aufgabe, die hat Spaß gemacht. Eher sowas. Als, ja, wie war es? War es schwer? War es leicht? So, ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Okay, ich hoffe, ihr konntet damit ein bisschen was anfangen. Und ich freue mich schon auf nächste Woche Mittwoch. Da wird das Thema sein Grenzen setzen. Klar, eine der Kernaufgaben von uns Erwachsenen. Gut, dass das gar nicht überhäuft ist mit Ansprüchen und Druck und Moral und so.

Naja, aber das gucken wir uns ja nächste Woche an. Habt ein schönes Wochenende.

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