Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 14

Neurodivergenz: Hochbegabung

Mittwoch, 25. Februar 2026 · 31 min

MP3

Shownotes

– Was ist Hochbegabung überhaupt?
– Hochbegabung in Kombi mit anderen Neurodivergenzen
– Was sind die Schattenseiten von Hochbegabung?
– Hochbegabte Kinder im Alltag begleiten

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Jede Woche wird es allen klar, Kinder sind auch Menschen, oh ja, oh ho, oh ja, oh ja! Hurra! Okay, wow! Und da Hurra mache ich es nicht, liebe Leute. Also es ist soweit, wir haben die dritte Neurodivergenz-Folge. In der allerersten Neurodivergenz-Folge ging es um die Grundlagen natürlich. Also was ist Neurodivergenz überhaupt?

Was passiert da in den Gehirnen? Was unterscheidet neurodivergente Menschen von neurotypischen Menschen und so weiter? Und in der zweiten Folge ging es um die Diagnostik. Ist die denn überhaupt notwendig? Brauchen Kinder und Erwachsene diese Labels? Was passiert bei einer Diagnostik? Und so weiter und so fort.

Ja, und heute geht es in der dritten Folge um das Thema Hochbegabung. Und zwar warum? Ja, weil ihr euch das gewünscht habt. Ist doch klar. Wie schön. Und deswegen starten wir sinnvollerweise auch einfach mal mit der Frage, Ja, was ist denn Hochbegabung überhaupt? Weil interessanterweise ist das ja irgendwie, weiß ich nicht, alle kennen das irgendwie. Viele können sogar sagen, was eine Hochbegabung überhaupt ist. Viele haben da was im Kopf zu.

Und deswegen schauen wir uns das jetzt mal ein bisschen genauer an. Also Hochbegabung beschreibt erstmal ganz einfach eigentlich eine statistische Abweichung. So im kognitiven Bereich in dem Fall. Das heißt, das wissen die meisten von euch, Hochbegabung sind Menschen mit einem IQ über 130. Übrigens, der Norm-IQ, also der durchschnittliche IQ, liegt bei ungefähr 95. Das ist also deutlich drüber.

Und Menschen, die ein IQ über 130 haben, sind ungefähr zwei bis drei Prozent. Ihr wisst, diese Zahlen muss man immer mit Vorsicht genießen und so. Warum, da sprechen wir auch noch später ein bisschen genauer drüber, aber das wisst ihr ja. In der Grundannahme wisst ihr das ja. Also, ich sag nochmal ganz kurz, eine IQ über 130 beschreibt erstmal einfach nur eine statistische Abweichung in der kognitiven Leistungsfähigkeit, könnte man sagen. Und das Ding ist, die kann man messen. Yay!

Holt die Tröten raus! Denn wir Menschen lieben es, wenn wir Sachen messen können. Mega! So, das ist doch perfekt, ja? Wir testen den IQ einfach durch so einen Intelligenztest und ist es hoch genug, was dann dabei rauskommt, dann ist der Mensch hochbegabt. Fertig! Mega! Keine nervigen Fragebögen wie bei ADHS oder Autismus, wo man dann immer so ruminterpretieren muss und so.

Ja, top! Also hier in dieser Familie haben einige Menschen schon einen IQ-Test gemacht. Und deswegen kann ich euch mal so ein bisschen einen kleinen Einblick geben, weil das, was man danach einfach googeln kann, ist natürlich nicht so wie Menschen, die wirklich gelernt haben, IQ-Tests zu begleiten, auszuwerten und so weiter.

Also dieser IQ-Tester testet einiges logischerweise, ja, zum Beispiel Sprachverständnis, Logik, dann so Reihenfolgen und Muster erkennen, visuelles räumliches Denken, Arbeitsgedächtnis und so weiter. Also es geht schon auch immer so grundsätzlich um diese Kombination aus Infos gleichzeitig aufnehmen, dann kurzzeitig merken, währenddessen weiterverarbeiten und so. Also das ist schon anspruchsvoll, ja. Und irgendwas habe ich vergessen. Ach genau, Verarbeitungsgeschwindigkeit. So, das wird natürlich auch gemessen. So, und ich erinnere mich zum Beispiel an die Frage, jetzt macht doch alle mal kurz mit, Leute. Hier, kurz Ernsthaftigkeit, ja?

Ich teste jetzt euren IQ anhand einer Frage, okay? Spaß. Ich nehme nur ein Beispiel. Und zwar erinnere ich mich an die Frage, was ist die Gemeinsamkeit von Raum und Zeit? So, jetzt stellt euch kurz vor, wir spielen hier so eine Musik ein, zum Nachdenken. So, wer jetzt noch keine Antwort gegeben hat, ja, Verarbeitungsgeschwindigkeit scheint jetzt nicht so top zu sein. Spaß.

Also die richtige Antwort war, beides kann man messen. So, das ist die Antwort auf die Korrektwähre, die man da so angibt. Ich öffne mal ein kleines Fensterchen in mein Gehirn, weil mein Kopf dachte, also beides hat vier Buchstaben, Raum und Zeit. Beides sind Nomen, beides Dimensionen, beides kann ich spüren, sehen, beides lässt sich mathematisch beschreiben.

Beide sind irgendwie auch abhängig vom Beobachter, beide sind nicht direkt greifbar und so weiter. So, Spoiler, aber diese Antworten, also die bringen mir wohl Null Punkte ein bei dieser IQ-Test-Frage. So, das heißt, ihr seht schon, ein IQ-Test, der misst nicht, wie originell ein Gehirn denkt oder wie tief oder wie kreativ oder wie spannend vernetzt oder so, sondern einfach nur, wie konvergent ich denke. Also konvergentes Denken, für die, die es noch nicht gehört haben, das heißt sowas wie aus vielen verschiedensten möglichen Ideen und Lösungen, die wahrscheinlich richtige ausfehlen.

Okay, ich weiß nicht, ob das jetzt richtig griffig ist. Moment, wir brauchen ein anderes Beispiel. Okay, ja, pass auf. Also. Die Frage ist, wofür könnte man eine Büroklammer benutzen? Dann wäre die konvergente Antwort, um Papier zusammenzuklippen, um Papier so zusammenzuhalten. Die divergente Antwort wäre aber, man kann damit ein Schloss aufknacken, man kann Schmuck basteln.

Man kann einen Mini-Angelhaken daraus bauen, was auch immer. Das wäre die divergente Antwort. Und die konvergente Antwort ist, Papier zusammenhalten. Also das wird in einem IQ-Test geprüft. Und vielleicht ahnt ihr schon, das ist halt ein bisschen schwierig. Also überhaupt, dass das als die Intelligenz irgendwie verkauft wird. Und außerdem muss man ja ganz grundsätzlich bei Tests auch immer sagen, Die haben sehr, sehr viel immer mit Set und Setting zu tun.

Also, wie geht es mir denn jetzt gerade? Wer sitzt mir gegenüber? Wie ist die Atmosphäre? Der Vibe? Kann ich mich gut konzentrieren? Und so weiter und so fort. Also, wenn man diese Tests an unterschiedlichen Tagen ausmacht mit unterschiedlichen Personen, dann fallen die auch unterschiedlich aus, ja?

Aber gut, es ging ja erstmal nur darum, dass ihr ungefähr einen Blick darauf habt, was ein IQ-Test testet. So, aber wisst ihr, was er nicht testet? Sowas wie Charaktermelodie, Regulation, Emotionsregulation. Was ist denn mit den schönen Exekutivfunktionen? Ein Wort, über das wir schon oft geredet haben im Kontext von Neurodivergenz. Sensorische Verarbeitung, soziale Wahrnehmung, Reizsensibilität und so weiter.

Das wird alles nicht getestet. Ist auch mal wichtig, das zu erwähnen. Warum das wichtig ist, kommen wir später noch zu. Ich möchte jetzt nämlich auch erstmal überhaupt sagen, warum ich Hochbegabung überhaupt zum Thema Neurodefizienz dazuzähle, weil, um es einmal kurz zu sagen, es gibt Menschen, die sehen das ein bisschen kritischer und sagen, Hochbegabung gehört da nicht mit dazu, weil eine Hochbegabung ist weder nach ICD-10 noch nach ICD-11 als Störung klassifiziert.

Also das heißt, Ein Hochbegabung gilt medizinisch nicht als Diagnose quasi, also auch deswegen nicht als behandlungsbedürftige Abweichung. Und das ist ganz spannend, weil diese medizinischen Klassifikationen, die orientieren sich an Defiziten oder Leidensdruck oder sowas. Und super klug zu sein, das ist doch einfach nur super toll. Spoiler!

Nein! Also ich würde sagen, wer Hochbegabung aus dem Thema Neurodivergenz ausklammert, der unterliegt dem Denkfehler, dass Neurodivergenz sozusagen reduziert wird auf Stetim-ICD, ICD-11 zum Beispiel in dem Fall jetzt. Also ja, Neurodivergenz ist kein medizinischer Diagnosebegriff, okay? Das wissen wir ja, das habe ich, glaube ich, schon mal erzählt.

sondern eher ein neuropsychologisches Konzept. Neurodivergenz beschreibt eben die Vielfalt und die Varianz von menschlichen Gehören und von Informationsverarbeitung und so weiter. Also es ist einfach eine Varianz von Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung. Das habe ich alles schon in der Neurodivergenz-Grundlagenfolge erzählt. Und Hochbegabung ist halt ebenfalls angeboren. Sie geht einher mit einer wirklich messbaren, anderen Art der Wahrnehmung und der Reizverarbeitung und der Denkgeschwindigkeit und der Assoziationsbildung und so weiter.

Okay, wir machen wieder ein Beispiel. Hochbegabte Menschen zeigen bei so CT- und MAT-Aufnahmen und so weiter andere Aktivierungsmuster im Gehirn. Also man kann das sehen, versteht ihr? Man kann sehen auf diesen Aufnahmen. Das heißt, diese Gehirne verarbeiten Reize einfach schneller, sie verknüpfen das alles breiter und reagieren sensibler auf so Stimuli, so kognitive und auch emotionale Stimuli und so. Und das ist eben spannend, weil das kann man sehen. Und deswegen ist es für mich völlig klar, das ist doch Neurodivergenz im wörtlichen Sinne. Also einfach eine andere neurobiologische Varianz. Und deswegen verstehe ich die Kritik gar nicht so richtig, warum Hochbegabung keine Neurodifigenz sein sollte. Also für mich ist das klar.

So, wir kommen zu Kapitel Nummer 2. Und zwar Hochbegabung und andere Neurodifigenzen. Weil Leute, jetzt wird es spannend. Es gibt bei Neurodivergenzen insgesamt riesige Schnittmengen. Und so ist es bei Hochbegabungen auch. Also es gibt eine ganze Reihe von Studien zu, jetzt wollte ich das gerade übersetzen, aber ich glaube, ich kann das gar nicht übersetzen. Also das heißt Twice Exceptionality. Also das bedeutet, dass sozusagen zwei Dinge zusammen auftauchen, also Hochbegabung und ADHS zum Beispiel oder Hochbegabung und Autismus Spektrumstörung oder Hochbegabung und Dyslexie und so weiter. Das heißt, in vielen Stichproben finden sich bei hochbegabten Menschen wirklich ganz klar erhöhte ADHS-Raten oder erhöhte Autismusmerkmale, erhöhte

sensorische Sensibilität, emotionale Reaktivität und auch in der Exekutivfunktion einfach Unterschiede. Und das kann man eben auch wieder ganz gut in bestimmten Untersuchungen sehen, also zum Beispiel auch bei MRT-Untersuchungen, wo man ganz gut sehen konnte, wo sozusagen im Gehirn gerade Sauerstoff verbraucht wird, damit so Netzwerke aktiviert werden. Es tut mir leid, ich muss lachen, weil ich mir gerade vorstelle, dass meine Podcast-Folgen gerade so von NeurologInnen und sowas gehört werden und die sich denken, ach, wie Allmutes hier immer runterbricht, so kann man das aber nicht sagen.

Es tut mir leid, ich bin Pädagogin, okay, verzeiht mir das bitte. Ich versuche es nur so wiederzugeben, wie ich es verstanden habe. Und jetzt müsst ihr euch vorstellen, man liegt in diesem M.A.T. und man hat keine Aufgabe. Also weil man liegt da ja, man darf sich auch nicht bewegen und so weiter. Und niemand hat sowas gesagt wie jetzt geh mal das Alphabet durch nach, keine Ahnung, Tieren oder rechne mal was oder sowas. Das heißt, man liegt da und man hat keine Aufgabe. Es ist wie so eine Zwangspause.

Und da geht das Gehirn dann in den Default Mode Network Modus. Und das ist so eine Art Netzwerk im Gehirn, das aktiv ist, wenn wir über uns selber nachdenken, uns erinnern oder in die andere Richtung, also in die Zukunft planen. Wenn wir so grübeln und so weiter, tagträumen zum Beispiel auch. Also man könnte eigentlich sagen, immer dann, wenn diese Aufmerksamkeit eben nicht nach außen geht, sondern nach innen zu uns gerichtet ist.

Wieder ein Beispiel aus meinem Alltag. Ich weiß nicht, ob ihr euch damit verbinden könnt. Ich stehe unter der Dusche und ich führe längst vergangene fiktive Gespräche in meinem Kopf. Inklusive Mimik, Leute. Ich bin immer wirklich sehr froh, dass niemand mich sieht. Das muss so merkwürdig von außen aussehen. Oder ich liege im Bett und mein Kopf denkt... in katastrophale Richtung.

Es ist immer alles fürchterlich. Entweder vor oder zurück und so weiter. Und mein Kopf verfängt sich in Gedanken und so weiter. Und genau diese Netzwerke, die kann man eben nicht nur bei Hochbegabungen sehen, sondern eben auch bei ADHS und Autismus. Ich bin mittlerweile eh relativ weit weg von dieser Trennschärfe zwischen diesen Neurodivergenzen. Also nein, das ist kein ADHS, das ist Autismus Spektrum oder so.

Ich mag diesen Fokus auf Abgrenzung nicht so gern. Also ich sehe vor allem in meiner Arbeit, in den Familien, die ich begleite und so, in den Beratungen, die ich habe, immer mehr und mehr und mehr die Gemeinsamkeiten. Ich sehe die riesigen Schnittmengen, Leute. Deswegen, ja, also Trennschärfe ist jetzt nicht so mein Lieblingsthema. So, Mikro wieder normal weit weg. So.

Also wir gehen noch mal kurz zu diesem Wir-liegen-im-Bett-und-grübeln-Szenario. Und also grübeln ist ja auch so ein super deutsches Wort, ehrlich gesagt. Finde ich total witzig, dass wir das haben. Und das ist ja schon negativ, oder? Also ich würde sagen, die meisten Menschen assoziieren mit grübeln Negatives. Und genauso fühlt sich in diesem Momentlicher Kontakt auch an. Ich denke in diesem Moment ja nicht. Wow, also ehrlich, es ist so cool, dass ich so ein gut vernetztes Gehirn habe.

Mein toller und hoher IQ, das ist stark. Wer will schon schlafen? Ne, klar. So, soll ich denken? Alter, kann ich nicht einfach entspannt hier rumliegen? Kann ich nicht sanft und schnell einschlafen? Kann mein Kopf nicht einmal die fucking Schnauze halten, ja? So, und das ist jetzt nämlich auch die Überleitung zu Kapitel 3.

Lass uns doch mal kurz angucken, was ist an Hochbegabung denn echt ein bisschen schwierig oder wie Pädagogen gerne sagen, herausfordernd. Da muss ich euch von Dabrowski erzählen. Das ist ein polnischer Psychologe und Psychiater gewesen und der hat durch klinische Beobachtung und Fallstudien ganz klar sehen können, dass hochbegabte Menschen sogenannte Übererregbarkeiten zeigen. Auch wieder so ein schönes Wort irgendwie. Ich finde, man hört schon, das ist irgendwie nicht gut. Das klingt nicht gut.

Also wer von uns will übererregbar sein? Und da braucht es einen Unterschied in so fünf Bereichen. Die gehen wir jetzt mal gemeinsam durch. Erstens der psychomotorische Bereich. Hochbegabte Kinder, wir bleiben jetzt bei Kindern, weil das ist ja hier der Podcast, Leute. Ich sage jetzt mal nicht immer Menschen, sondern wir sagen mal Kinder. Also hochbegabte Kinder haben eine Tendenz dazu, die ganze Zeit zu reden.

Die ganze Zeit. Und das auch sehr gerne sehr schnell. Also da wünscht man sich nicht, man hätte diesen Button, das so Sprechgeschwindigkeit 1,5 oder 2-fach ist. Und die sind aber auch gerne in ihren Bewegungen stark, weil das beim Denken hilft und weil es auch beim Regulieren hilft und so weiter.

Dann der zweite Bereich ist Sensorik. Also auch hier Reize werden schlichtweg stärker wahrgenommen. Also ihr kennt bestimmt ja auch all das Wort Hochsensibilität. Das haben wir da so ein bisschen drin. Also Hochsensibilität auf allen klassischen Reizebene, die man sich so vorstellen kann. Sei es der Stoff auf der Haut, sei es der Geruch, sei es ein Geräusch, sei es ein Geschmack und so weiter.

Alles, was man sich so vorstellen kann. Der dritte Bereich ist Emotionalität. Das bedeutet, hochbegabte Kinder haben oft sehr intensive Gefühle und in alle Richtungen gehen, in alle Richtungen. Sie haben gerne auch eine Tendenz zu Sorgen, zu Ängsten und so, aber sie führen auch ganz tiefgehende Bindungen zu Menschen, aber sie haben auch eine ganz erstaunliche Verbindung auch manchmal zu Tieren und zu Orten zum Beispiel auch. Und ja, was meine ich mit intensiven Gefühlen? Also sie sind schnell und auch sehr intensiv gerührt und traurig, aber auch begeistert und sehr empathiestark und so. Aber natürlich mit dieser Reizintensibilität geht eben auch eine Sensibilität her für Stress und Verlust und Trennung. Also auch das wird halt sehr,

sehr tief und stark gefühlt einfach. Der vierte Bereich ist intellektuell, ich glaube, das stellen sich die meisten Menschen bei Hochbegabung eh vor, also das sind wirklich niemals endende Warum-Fragen-Schlaufen und auch überhaupt so ein sehr starker Trieb so nach Sinn, nach Logik. Und auch echt schon junge Kinder denken über so große Themen nach.

Also Tod, Weltgeschehen, Moral, Gerechtigkeit. Also wirklich diese dicken Brocken, wo man denkt, wollen wir nicht noch mal darüber reden, wer unser Lieblings-Dinosaurier ist? Aber hey, vielleicht habt ihr da Glück. Und euer hochbegabtes Kind halt als Special-Interest-Dinosaurier. Gut, da muss man irgendwann auch über das Thema Tod sprechen und riesige Klimatische? Na egal.

Also mein Lieblings-Dinosaurier sind die Brodokos, wollte ich nur sagen. Heißt übrigens Doppelbalken, finde ich super witzig. So und der fünfte Bereich? Von Dabrowski ist imaginativ, also das heißt, hochbegabte Kinder haben gerne eine sehr lebendige und starke Fantasie und logischerweise deswegen auch einfach so innere Bilder, sehr präsente und starke innere Bilder, spielen gerne auch komplexe Rollenspiele, nutzen auch erstaunlich früh schon so Humor und Metaphern und all solche Sachen.

Also ihr seht, das hat alles so ganz großartige Seiten und doch auch ganz schön belastende Seiten. Surprise, wie bei allen anderen Neurodivergenzen auch. Aber insgesamt kann man einfach sagen, dass wirklich viele hochbegabte Kinder diese Welt als sehr schnell, sehr laut, sehr tief, sehr komplex wahrnehmen.

Und das ist ganz toll und richtig und auch spannend und eben auch ganz schön doll, ganz schön anstrengend auch einfach. Und diese fünf Bereiche von Dabrowski wurden natürlich auch mittlerweile einfach immer wieder bestätigt in der Praxis von Menschen, die genau da eben auch arbeiten, die auch diagnostizieren und so weiter. Also das hat sich immer weiter auch bestätigt. Ist jetzt nicht nur einfach eine veraltete Theorie sozusagen. Und interessant finde ich jetzt, ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass jetzt einige von euch gedacht haben, aber all diese Punkte, die du gerade aufgezählt hast, das ist doch bei meinem Kind mit ADHS genauso. Oder irgendwie von wegen her, da habe ich auch super viele aus dem Autismus-Spektrum

wiedererkannt. Ja. I know! Also ihr erinnert euch, was ich euch eben geflüstert habe? Also ich habe ja nun auch viel zu tun mit Menschen, die diagnostizieren. Und ich weiß, dass einige von denen da eine fundierte und genaue Trennschärfe als sehr, sehr wichtig empfinden. Und das checke ich. Und ich will denen das doch gar nicht ausreden. Aber für mich jetzt so als Pädagogin kann ich nur noch mal sagen, Ich bin da nicht so trennt, weil ich glaube, wir können da nicht so genau trennen, eben vor allem, weil es oft gemeinsam vorkommt.

Und deswegen finde ich eben den Fokus auf diese Schnittmengen, die Gemeinsamkeiten und so weiter viel wichtiger und ehrlich gesagt auch viel spannender. Darf ich das so wertend sagen? Naja. Letztes Kapitel, liebe Leute. Kapitel Nummer vier. Jetzt geht es natürlich darum, blablabla, Almut, cool, danke für das ganze theoretische Gedöns.

Aber wie ist es denn jetzt nun, hochbegabte Kinder zu begleiten? Ja, ihr hört mich seufzen, wow. Also ein hochbegabtes Kind ist ja halt nicht einfach nur ein kluges Kind. Das Kind ist ganz schön smart. Sondern es ist halt ein Kind mit einer besonderen Art, die Welt zu verarbeiten. Das heißt, wir begleiten halt nicht nur Wissen, sondern wir begleiten auch Intensität. Cool.

Das klingt ganz leicht, ne? So, also ich hasse es nochmal zusammen. Hochbegabte Kinder zeigen eine überdurchschnittlich kognitive Leistungsfähigkeit. Sie denken sehr schnell, erkennen Zusammenhänge. Das Gedächtnis ist oft außergewöhnlich gut. Also für Menschen, für Fakten, für Orte, für Situationen, für Gespräche. Das glaubt einem auch immer gar keiner, dass dieses dreijährige Kind sich an Sachen erinnert und so. Und viele von ihnen haben eine sehr, sehr schnelle Auffassung, können sich sehr lange konzentrieren, wenn sie interessiert sind.

Das ist auch wieder ein Knackpunkt, egal. Aber gleichzeitig geht halt diese krasse kognitive Stärke oft mit dieser riesigen inneren Intensität einher. Und deswegen möchten sie auch so doll, sie möchten Dinge verstehen und hinterfragen und sie geben sich ja oft nicht mit diesem oberflächlichen Scheiß ab und so und damit zufrieden und sie denken eben eher weit und eher tief und manchmal eben auch so. so bedrohlich existenziell und so.

Und daran sieht man eben auch, dass da oft so Sachen einhergehen wie ein ausgeprägter Perfektionismus mit hohen Erwartungen an sich selbst, mit so einem ganz fürchterlichen Druck, wo sich Eltern oft denken, Warum denn? Von mir kommt das nicht, wirklich nicht. Ich habe immer gesagt, ich finde dich toll, du musst nicht irgendwas leisten, damit ich dich toll finde.

Und dann sitzt da dieses Kind und hat diesen hardcore krassen Perfektionismus. Die haben auch oft ein starkes Verantwortungsgefühl und eine große Sensibilität für Ungerechtigkeiten. Und wie ich ja vorhin schon sagte, auch starke Gefühle und Ängste und so. Damit geht oft witzigerweise auch einher sowohl ein großes Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit als auch Hardcore-Autonomie. Also auch da wieder diese krassen Extreme in beide Richtungen gehen.

Und diese Tendenz zu gedanklichem Grübeln, haben wir ja gerade schon erklärt warum, und hochbegabte Kinder zeigen auch teilweise eine Tendenz zu zwanghaftem Verhalten, und das von außen so als Eltern zu beobachten, das ist ganz schön hart. Und dann haben die manchmal auch Schwierigkeiten mit Freundschaften, weil sie sich zum Beispiel eher in der Tendenz an älteren Kindern oder Erwachsenen so orientieren. Das sind dann die typischen Kita-Kinder, die auch immer nur bei der Erzieherin sind, weil sie mit den Gleichaltrigen nicht so viele anfangen können.

Sie beobachten super stark und passen sich halt auch hardcore an. Also hochbegabte Kinder sind King und Queens im Masking, also im Nachahmen von sozialen Mustern, im Beobachten und im Anpassen. Weil sie einfach auch so früh merken, ich bin irgendwie anders. Also ich bin irgendwie komisch, wie in der Grundlagenfolge. Das war jetzt auch schon so ein Fokus. Also, wenn ich so komisch und so anders bin, was muss ich machen? Ich muss mich anpassen.

Und dieses innere Verbiegen, Verbergen und so, das ist langfristig natürlich nicht gesund. Weil das die eigentliche Identität auch so überdeckt. Und ja, also ihr seht, diese Kinder brauchen elterliche Begleitung, weil da viel los ist im Kopf und im Herzen. Ja, cool Almut, cool. Und wie um Himmels Willen begleite ich ein fucking Rennboot auf einem Ententeich?

Ich komme hier nochmal zu einem kleinen Problem, liebe Leute, das wir haben. Besonders spicy ist nämlich die Herausforderung von dieser Diskrepanz zwischen dieser starken kognitiven Leistung Und dann auf der anderen Seite der sozial-emotionalen Entwicklung, weil nämlich, also während halt die kognitive Leistung und Fähigkeit oft über ihr Alter drüber ist, über ihr eigentliches Alter hinausragend ist, ist halt diese emotionale, soziale Ebene und Entwicklung, die Regulationsfähigkeit und so, eben oft ihrem Alter entsprechend oder manchmal sogar auch ein bisschen entwicklungsverzögert. Und diese asynchrone Entwicklung ist krass hart. Also Leute, es ist vielleicht schon erlebt worden hier zu Hause, hochbegabte Kinder können

über den Klimawandel reden und philosophieren, aber sie scheitern daran, sich Socken anzuziehen. Also die können manchmal Strategiespiele spielen, diese Gesellschaftsspiele und so, die Erwachsene spielen, aber rasten halt komplett aus, wenn sie verlieren und so. Und diese Diskrepanz ist richtig hart als Eltern, aber auch für das Kind selber, weil diese Diskrepanz erzeugt logischerweise Selbstzweifel, Scham, Überforderung auf einer gewissen Ebene, Unterforderung auf einer anderen Ebene, soziale Missverständnisse und so weiter. Das ist halt echt doll.

Und was können wir Eltern jetzt machen? Ja, gute Frage. Also das erste ist natürlich, diese Diskrepanz überhaupt sehen und verstehen. Also weil natürlich auch wir Eltern dazu tendieren und übrigens auch ErzieherInnen und auch LehrerInnen, dass wir natürlich eine Tendenz haben, dieses sehr kluge, smarte Kind zu überschätzen. Durch diesen schnellen Kopf.

Überschätzen wir das Kind dann oft und sind dann halt im Umkehrschluss genervt, wenn es sich ansonsten schlichtweg altersgerecht verhält. Oder einfach ein Kind, das so klug ist, dieses, meine Güte, würde sich ja wohl zusammenreißen können, wenn das und das passiert. Und da werden wir dem Kind natürlich überhaupt nicht gerecht. Außerdem Es ist auch total gut, diese Intensität, Bratswut habe ich diese Woche echt auch gesagt jetzt, also diese Intensität, die unser Kind fühlt, dass wir die normalisieren. Also, dass wir eben nicht immer sowas sagen wie, Mann du übertreibst, komm mal klar oder sowas. Ist ja nicht so schlimm, ihr wisst schon, was Eltern halt immer so sagen.

Sondern eher sowas, dass wir unserem Kind eben transportieren, so du fühlst stark und das ist okay. Also dass wir weder dramatisieren noch bagatellisieren, so den Sweet-Spot dazwischen. Ist ja kein Problem, oder? Ja und dann natürlich, was können wir Älteren auch machen? Naja dem Kopf irgendwie Futter geben. Also wofür interessiert sich denn mein Kind gerade? Was ist gerade das Special Interest? Und dem eben irgendwie auch Raum und auch Zeit geben. Und das ist nach Kita und Schule oft gar nicht so leicht oder geht auch einfach sehr, sehr schnell unter. Und dann Material zur Verfügung stellen, auch Videos und so weiter oder Bibliotheksausweise und alles in alle Richtungen. Also wirklich auch einfach

erlauben, dass dieses Interesse da sein darf und dass unser Kind dann ein richtiges Deep Dive reinmachen kann und Interesse zeigen. Also sagen und erzähl mir. Und dann hört ihr euch das an, diesen nerdigen Stuff. Ich hatte ja vorhin schon das Thema Perfektionismus, das ist mir jetzt auch wichtig, weil Perfektionismus wird natürlich total gerne klein geredet. Also aus einem guten Willen heraus. Also wir Eltern sagen dann, ach mein Schatz, das ist doch nicht so schlimm oder du so wild ist das doch gar nicht oder so. Und wir meinen das gut, aber wenn wir sowas die ganze Zeit sagen, dann lernt ja unser Kind nur, dass es auch noch übrigens falsch fühlt, dass es übertreibt. Und deswegen lieber eigene

Fehler vorleben oder auch diese ganzen unperfekten Prozesse, die wir so am Laufen haben, also ich habe da wohl einige, die auch einfach sichtbar machen. Und zuhören. Hört zu, hört hin, warum euer Kind das so schlimm findet an diesem Punkt. Nicht sich selbst und seinem Anspruch gerecht zu werden. Und vielleicht erinnert ihr euch auch noch an die Lobenfolge. Das ist auch so ein Punkt, was bei Perfektionismus auch noch was sein kann.

Und zwar nicht die Ergebnisse loben. Und nicht immer sagen, du bist aber so klug. Du bist ja so klug, du bist so ein pfiffiger Kopf oder so. Weil dann verinnerlicht das Kind ja auch dieses Ja, okay, das, was ich vor allem bin, ist klug. Und dann wirkt ja alles bedrohlich sozusagen, was diese Aussage über mich selber angreift. Sondern eher halt die Prozesse wertschätzend verstärken. Also boah, wie du dich hier reinhängst oder wie intensiv und lange du da jetzt schon dran sitzt und sowas. Und das nimmt eben den Fokus weg von diesem perfektionistischen Ergebnis.

Und was könnte helfen gegen dieses Gefühl von hochbegabten Kindern? Ich bin komisch, ich bin anders, ich bin zu viel. Da hilft natürlich zum einen, dass wir in der Familie darüber reden, dass wir alle sehr unterschiedlich sind und zwar ganz wertfrei. Es hilft aber natürlich auch einfach Kontakt zu ähnlichen Kindern. Also Kinder, die ähnliche Interesse haben, die ein ähnlich schnelles und tiefes Gehirn haben. In Institutionen helfen auch schlichtweg altersübergreifende Gruppen, von denen profitieren die natürlich auch, auch in der Schule.

Und interessenbasierte Freundschaften, Leute. Ich glaube, darüber nehme ich auch mal eine Folge auf über das Thema der dritte Raum. Nicht nur zu Hause und Schule oder zu Hause und Kita, sondern den dritten Raum. Und ja, auch wenn es ganz klischeehaft dann der Schachverein ist, meine Güte, was auch immer.

Aber dass es eben diesen Raum gibt, wo ihr Kind auf Menschen trifft, die ein ähnliches Interesse haben und wo dieses Kind auch mal was anderes von sich zeigen kann und so. Und ja, noch eine Sache, die mir auch einfällt, wenn ihr so ein Kind habt, dass diese Warum-Fragen in die Schlaufe fällt, also stellt, wenn euer Kind so sehr, sehr, sehr vertiefende und unglaublich viele Fragen stellt und ihr auch merkt, dass ihr davon langsam ein bisschen angepisst seid, dann könntet ihr zum Beispiel ein Fragenbuch einführen.

Oder so eine Pinnwand machen oder sowas, ja. Und wenn bestimmte Fragen einfach immer wieder und wieder kommen und so, dann kann euer Kind die selber aufschreiben oder ihr und dann pinnt ihr die an diese Pinnwand oder ihr schreibt die in dieses Buch. Und zu einem bestimmten Moment am Tag oder in der Woche oder was weiß ich, holt ihr da so eine Frage hervor. Und dann macht ihr da zusammen eine Recherche und ein Deep Dive rein und so.

Das ist auch ein total schöner, gemeinsamer, bindungsschaffender Moment. Und ihr nehmt euch diesen Druck von diesen ununterbrochenen Fragen über den ganzen Tag hinweg. Und ganz grundsätzlich, was wir natürlich noch machen können, ist schlichtweg einfach unserem Kind helfen, sich selbst kennenzulernen.

Was finde ich angenehm? Was finde ich unangenehm? Was brauche ich, damit es mir gut geht? Was ist für mein Gehirn so richtig schön spaßig? ritzelig toll und was eher nicht so, wo merke ich, dass mein Kopf gelangweilt ist oder wo merke ich, dass ich überfordert bin in alle Richtungen und so. Also einfach diese Reflektion und sich selber kennenlernen, mit euch zusammen auch.

Also es geht nicht darum, das Kind zu pädagogisieren, sondern dass ihr das mit euch zusammen macht natürlich. Okay, das ist auch geil, ne? Ich muss auch echt gerade ein bisschen über mich lachen, wie ich so zusammengefasst sage. Hey Leute, es wäre voll cool, wenn ihr die Gefühle von eurem Kind ernst nehmen würdet. Und wenn ihr Interesse an den Dingen zeigt, die euer Kind so begeistert und so.

Finde ich cool. Ab und zu so Fragen vom Kind beantworten, wäre auch voll stark. Ja, die Gefühle von auch den Kindern nicht bagatellisieren und so. Das wäre toll. Wow. Also das war doch jetzt wirklich eine bahnbrechende Erkenntnis. Das war es doch jetzt wirklich wert, dass ihr diesen Podcast angehört habt.

Also folgt mir auch gerne nächste Woche wieder, wenn es heißt, Almut empfiehlt, es wäre wirklich cool, wenn wir nett zu unseren Kindern wären. Starker Content, Almut. Cool. Bis nächste Woche.

0:00 / 0:00