
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Was genau ist denn „Regulation“?
Was hat das autonome Nervensystem damit zu tun?
Konkrete Regulations-Übungen
Co-Regulation bei Kindern
Unsere Gesellschaft will regulierte Menschen
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge vom Podcast »Kinder sind auch Menschen« von und mit der Pädagogin Almut Starke. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Anhören dieser Folge. Das heutige Thema ist Regulation. Ja, so liebe Leute, ihr habt euch das gewünscht, doch mal wieder meine Synchronsprecherstimme rauszuholen.
Da habt ihr sie. Ich vermisse ein bisschen das Lied. Vielleicht muss ich da ein Abschlusslied machen. Wir schauen. Ja, es geht um Regulation. Und ich finde das so witzig, weil das wieder so ein typisches Eltern-Bubble-Wort ist. Also so ein Wort, das man irgendwie automatisch geschenkt bekommt, wenn man Eltern wird. Wir müssen uns regulieren, wir müssen unsere Kinder regulieren, Co-Regulation, Eigenregulation und so weiter. Und okay, ja, aber was ist das denn? Also was genau bedeutet dieses Wort und was, also wie mache ich das, wenn das so obviously irgendwie eine elterliche Kernaufgabe ist?
Und ich muss da an eine Situation mit einer Freundin von mir denken. via Sprachnachricht, habe ich ihr eine Sprachnachricht geschickt. Sie selbst übrigens hat keine Kinder, sie ist nicht im psychologischen und pädagogischen Bereich unterwegs, sondern thematisch ganz woanders. Und ich habe ihr eine Sprachnachricht geschickt und sagte, alter Schwede, ich bin so platt, ich habe heute so viel Regulationsarbeit geleistet, ich brauche erstmal ein Moment Pause.
Und dann weiß ich noch, dass sie mir eine Sprachnachricht zurückgeschickt hat und sagte, was für eine Arbeit? wie Regulation, Regulationsarbeit. Was heißt das? Also Temperaturregulation oder was? Und ich fand das so witzig. Ich musste so lachen, also sehr müde, aber ich musste lachen und hab ihr noch geantwortet, nein, nichts mit Temperatur.
Und dann habe ich so inne gehalten und gedacht, wait, doch irgendwie schon. Also ehrlich gesagt ist dieses Bild gar nicht so schlecht, weil Regulation in der Elternschaft im Grunde genommen das Management unserer inneren Betriebstemperatur ist. Eigentlich war das wirklich smart von ihr. Also wenn wir uns das mal so vorstellen wie so ein Thermostat.
Und wenn es draußen oder im Wohnzimmer durch ein schreiendes Kind zu heiß ist, dann sorgt meine Regulation dafür, dass die Kühlung anspringt, damit das System nicht durchbrennt oder was weiß ich. Also Regulation ist die Fähigkeit mit Stress, starken Emotionen, Reizen und so weiter umzugehen und wieder in so einer Art Zustand von Balance, Gleichgewicht und Handlungsfähigkeit zu finden.
So Leute, also nach diesem Satz komme ich mir ein bisschen vor wie ein Guru, Guru Almut. Und mit dem Code ALMUT20 erhaltet ihr 20% auf meine ätherischen Öle mit dem Namen Easy Regulation. Nein Spaß, aber ich muss so lachen. Okay, also bei Regulation, wenn wir dieses Wort sagen, da denken ganz viele von euch, Regulation heißt Gefühle kontrollieren oder Emotionen unterdrücken.
So und Spoiler, das klappt nicht oder wenn dann nur ganz kurzfristig. Und deswegen geht es in dieser Folge eher darum, dass wir ein Gefühl dafür bekommen, was Regulation bedeutet und auch wie wir sie vielleicht aktiv irgendwie herstellen können. Und Regulation heißt runtergebrochen für mich, dass man trotz der Gefühle handlungsfähig bleibt. Also, dass ich Herr und Frau meiner Sinne bleibe. Nicht, dass es die Gefühle nicht gibt, sondern eher, dass wir aktiv den Zustand unseres Nervensystems beeinflussen. Also, wenn wir jetzt nochmal zu diesem Temperaturbild gehen, weil ihr wisst ja, ich liebe ja Bilder. Also, ich glaube, mit jeder Podcast-Folge komme ich mit irgendeinem komischen Bild um
die Ecke. So, und wenn wir uns jetzt vorstellen, unser Nervensystem hat sowas wie so eine Art innere Betriebstemperatur. Manchmal sind wir Erregt oder auch übererregt und gestresst, wütend, panisch, krass aufgedreht, was auch immer. Und dann läuft unser System eher im roten Bereich. Aber manchmal sind wir ja auch schlapp, erschöpft, leer, antriebslos, wie abgeschaltet oder so. Und dann ist unser System eher zu doll runtergefahren. Und irgendwo dazwischen liegt sozusagen der Sweet Spot, der Bereich, in dem wir total gut funktionieren können. Also der Bereich, in dem wir denken, sprechen, handeln, zuhören können, Entscheidungen treffen, zugewandt sind in der Elternschaft und so weiter.
Das heißt, Regulation heißt sowas wie, dass ich meine innere Betriebszentratur wieder in diesen Bereich bringen kann, in dem ich und mein Gehirn gut arbeiten kann. Und ich weiß, wenn ihr den Podcast häufiger hört, dann hänge ich euch damit wahrscheinlich schon aus den Ohren raus. Aber wir müssen bei diesem Thema auch erst mal bei uns anfangen. Also bei uns, also hier wir als Eltern und so. Also wer von euch die Folge zum Beispiel über Wut gehört hat, der ahnt jetzt schon, was kommt.
Aber für alle anderen noch mal ganz kurz runtergebrochen. Wir müssen mal wieder über das Gehirn reden. Also ich greife jetzt mal so eine klassische Situation, die man hat, so mit Kindern. Wenn die Einschlafbegleitung. und dann lang dauert. Manchmal wortwörtlich, manchmal fühlt es sich auch nur so an. Oder wenn mein Kind mich haut und tritt. Oder wenn mein Kind draußen umgeben von anderen Menschen viel zu laut oder wütend ist.
Oder wenn ich den drölfzigsten Snack am Tag reichen muss. Oder wenn ich nicht einen einzigen Satz zu Ende sprechen kann. Oder einen einzigen Gedanken zu Ende denken kann. Dann sind wir ganz schön angestrengt und dann werden wir wütend. Oder überreizt, oder überstimuliert, oder eben wahnsinnig angestrengt, oder alles gleichzeitig und zusammen.
Und in diesem Zustand springt die Amygdala an von unserem Gehirn, das hatte ich in der Wutfolge schon erklärt. Also der Bereich, der für unseren Alarmmodus zuständig ist. Fight, flight oder freeze, also Kampf, Flucht oder Einfrieren. Und Spoiler an dieser Stelle, nichts von diesen drei Sachen ist Regulation.
Gleichzeitig wird auch unser autonomes Nervensystem aktiviert. Das heißt, unser Herzschlag steigt, unser Atem wird schneller, meine Muskeln spannen sich an, was ja sinnvoll ist, wenn man in Fight oder Flight gehen will und Stresshormone werden ausgeschüttet und so weiter. Gleichzeitig ist aber der Teil des Gehirns, der für Denken, Plan, Impulskontrolle, Perspektivübernahme, Empathie blablabla zuständig ist.
Der sitzt übrigens vorne im Gehirn, also im präfrontalen Kortex. Und wenn es gut läuft, greift der jetzt ein. Und sagt, hey, pass auf, ja genau, wir könnten jetzt rumschreien, ist vielleicht auch eine Option. Aber folgendes, wir könnten vielleicht auch die Situation noch mal neu bewerten. Lass doch diesen Impuls jetzt hemmen, dass wir hier alles kaputt machen. Lass uns doch mal eine andere Strategie ausprobieren und so weiter.
Also auch sowas wie Verhaltenssteuerung und so. Jetzt könnte es sich natürlich so anfühlen, als würde man sagen, okay, Regulation sitzt also im präfrontalen Cortex. Aber Regulation hat halt keinen Ort. Das ist nicht ein Schalter im Gehirn oder so, sondern das ist eher ein Prozess. Okay, das klingt jetzt irgendwie auch anstrengend, irgendwie auch ein bisschen weniger greifbar.
Also es gibt nicht diesen Regulationsschalter, sondern das Gehirn ist eher wie ein Orchester. Wow, Leute, wir sind schon mit drin im nächsten Bild. Egal, ich weiß, ihr macht das mit. So, und in diesem Bild, um mit diesem Bild zu bleiben, dann ist die Amygdala quasi die sehr laute Trompete. Also nichts gegen Trompeten, ihr wisst, was ich meine.
So, und der präfrontale Kortex ist eher der Dirigent, ja? So, und der Dirigent versucht wieder das Tempo zu drosseln oder die Lautstärke und das Tempo und so wieder in Balance zu bringen, ja? So, und deswegen brauchen wir zur Regulation von unserem Nervensystem, nämlich auch nicht einfach nur Willen. Nicht einfach nur den Kopf.
Das versucht ihr wahrscheinlich auch. Ihr sagt euch wahrscheinlich auch, reiß dich jetzt zusammen oder mein Kind meint das ja nicht böse oder so. Also wir versuchen das schon über den Kopf zu lösen, aber das klappt halt meistens nicht. Sondern wir brauchen den Körper, weil Regulation findet im und auch durch unseren Körper statt.
Also wenn der präfrontale Cortex sozusagen unsere Einsatzzentrale ist und registriert so Stress und bewertet die Situation neu und so. Und der gibt dann dem Befehl an unser parasympathisches Nervensystem weiter. Und zwar welchen Befehl? Bestenfalls den, den Herzschlag zu senken, die Muskeln wieder zu entspannen, wieder ruhiger zu atmen und so weiter. Also ihr seht, das passiert im Körper. Also Regulation ist eher sowas wie Wie so das Teamwork zwischen der Einsicht im Kopf und der Umsetzung im Körper. Vielleicht könnte man sich so vorstellen. Und ja, zack, wo sind wir schon drin? Mitten im Thema autonomes Nervensystem. Also, das schauen wir uns jetzt nochmal genauer an. Was ist das denn um Himmels
Willen? Das autonome Nervensystem, das könnt ihr euch vorstellen, das steuert quasi alle lebenswichtigen Funktionen. Und zwar die, über die man nicht nachdenkt aktiv. Deswegen heißt es autonomes Nervensystem, weil es das selber macht sozusagen. Also Herzschlag, Verdauung, Atmung, Hormonausschüttung und deswegen auch sowas wie Stressreaktionen und so weiter.
Und das autonome Nervensystem besteht quasi aus zwei Hauptsträngen oder Hauptzweigen, je nachdem, wie ihr euch das vorstellen wollt. Und da könnte man sagen, das sind Gegenspieler. Wir haben einmal den Sympathikus und wir haben den Parasympathikus. Der Sympathikus ist für die Mobilisierung zuständig.
Also wenn ein Kind dich anschreit oder ähnliches, dann müsst ihr euch vorstellen, dass der Sympathikus Adrenalin und Cortisol ausschüttet. Also das heißt, mein Herz schlägt dann schneller, mein Fokus verändert sich, also von meinen Augen, das ist dann der sogenannte Tunnelblick. Und mein Blut fließt durch die Muskeln, um mich bereit zu machen für Kampf oder Flucht oder was auch immer.
Also der Moment, in dem ich laut werde und meinen Kiefer zusammenpresse oder den Drang habe, den Raum zu verlassen oder hier irgendwas zusammenzuschlagen oder sowas. Das ist sozusagen die Aktivierung des Sympathikus. Jetzt kommt der Parasympathikus. Was passiert, wenn der aktiviert wird? Er senkt den Blutdruck, er verlangsamt den Herzschlag und fördert auch die Regeneration und so. Also das ist so ein bisschen, das ist dann nicht der Alarmmodus, sondern der Sicherheitsmodus könnte man sagen.
Also in diesem Zustand kann ich dann eben auch Geduldig sein und zugewandt und empathisch, bla bla bla, ihr wisst schon. Also ihr seht, der Parasympathikus ist quasi unser Buddy, ja, den brauchen wir. So, und jetzt schon so ein bisschen konkret. So, ich sag euch jetzt nämlich zwei, drei Sachen, die den Parasympathikus aktivieren können. So, und dann läuft ja alles.
Leute, ganz ehrlich, ihr werdet nie wieder ein Thema mit Regulation haben. Spaß! Ne, tut mir leid, so wird's leider nicht laufen. Aber naja, also kommt ganz ehrlich, also mir hilft immer Wissen. Ja, und vielleicht geht es euch auch so. Vielleicht hört ihr auch deswegen den Podcast so. Und deswegen gucken wir uns diesen Parasympathikus jetzt mal an.
Übrigens, wenn ich das so sage, ich stelle mir im Kopf dann wirklich immer so ein kleines Männchen vor. Geht euch das auch so? Also der kleine Parasympathikus, oder? Das klingt doch irgendwie auch süß. In meiner Vorstellung trägt er auch einen Hut. Also so einen schicken Hut. So eine Melone oder so. Okay, also weg vom Bild des Parasympathikusses. Da das denkende Gehirn bei akutem Stress eher abschaltet. Danke auch an der Stelle.
Müssen wir jetzt unsere Werkzeuge halt im Körper ansetzen, wie ich schon gesagt habe, also physiologisch. Das heißt, wir versuchen über unseren Körper ein Signal an unser Gehirn zu schicken. Und diese Signale heißt bestenfalls Entwarnung ist alles gut. Wir sind in Sicherheit. Und wie schaffen wir diese Signale? Zum Beispiel über Atmung.
Ja, also es ist halt wirklich so, weil die Atmung ist halt wirklich eine Funktion vom autonomen Nervensystem, die wir ja tatsächlich bewusst steuern können. Und ja, ich weiß, dieses Atmen hilft, dass ich das jetzt wirklich sage, tut mir leid, aber es ist halt schon so. Also was gibt es da für Übungen? Ihr kennt bestimmt mehrere Übungen. Der Klassiker ist zum Beispiel das verlängerte Ausatmen. Das heißt, wir atmen relativ kurz ein, ungefähr drei Sekunden, dann atmen wir doppelt so lange wieder aus. Und dieses Ausatmen, dieses verlängerte Ausatmen, das ist halt wirklich mit dem Parasympathikus gekoppelt. Also wenn du ausatmest, dann sinkt halt dein Herzschlag. Das heißt, du zeigst dann mit
deinem Körper, hey, ist alles gut. Oder zum Beispiel auch eine Atemübung ist der sogenannte physiologische Seufzer. Das heißt, wir atmen da ganz tief durch die Nase ein und machen dann nochmal am Ende so einen kurzen Schnappen von Luft hinterher, am Ende. Und dann atmen wir durch den Mund wieder aus.
Also komm Leute, wir machen es kurz zusammen. Wir machen hier jetzt kurz eine Regulations-Selbsthilfe-Gruppe, okay? Wir üben jetzt den physiologischen Seufzer. Also tief durch die Nase einatmen und am Ende nochmal so nach Luft nachschnappen. Los geht's, so! Ich hoffe, weil sonst komme ich mir jetzt doof vor. Okay, und dann geht weg von Atem, weil wenn ihr merkt, keine Ahnung, funktioniert nicht, ich kann atmen, Gott sei Dank, aber jetzt nicht bewusst steuernd atmen, dann könnt ihr auch mit dem Kältereiz euren Parasympathikus aktivieren. Also kaltes Wasser ins Gesicht, gerne vor allem so Augenpartie und Wangen und so weiter.
Ich habe leider vergessen, wie der Fachbegriff dafür heißt, aber ich habe mir das so ein bisschen gemerkt, das ist so eine Art Säugetiertauchreflex, Also das heißt, mein Puls sinkt dann sofort und das Blut wird halt priorisiert zu Hirn und Herz geleitet und so. Und das ist sozusagen der Clou. Oder Eiswürfel. Eiswürfel in die Hand nehmen oder auch durchs Gesicht fahren oder in den Nacken ein Kühlpad legen oder sowas. Und dieser wirklich halt sehr, sehr starke Kältereiz, der überschreibt dann dieses emotionale Alarmsignal im Gehirn.
Und darum geht es ja. Auch eine gute Idee ist summen oder singen, weil die Vibration, die entsteht, wenn wir summen. Also ich finde, das spürt man sofort, wenn man macht so Ich spüre das sofort, wie das in meinem ganzen Schädel vibriert quasi. Und das stimuliert den Vagusnerv, der hinten am Kehlkopf langläuft.
Und das finde ich übrigens insofern auch total spannend, weil ja ganz viele Kulturen das intuitiv machen, wenn sie zum Beispiel ihre Babys beruhigen oder in Schlaf begleiten wollen, dass wir summen. Ist das nicht interessant? Ja, weil es beruhigend ist. Und zwar nicht nur für das Baby, das das hört, sondern für uns selber.
Und das ist ja wiederum dann auch beruhigend für das Baby, ne? Stark. So, weiter geht's mit der Idee. Googeln. Also googeln mit Wasser. Das aktiviert nämlich auch die Rachenmuskulatur. Und da sind wir beim Thema Vagusnerv wie eben schon, ne? Weil, wie viel Idee bin ich jetzt? Siebte? Weiß ich nicht. Ich hab nicht aufgepasst, Leute.
Aber ihr vielleicht auch nicht. Ich sag siebte Idee, okay? Ne Umarmung. Aber wirklich eine feste Umarmung. Also entweder wirklich von einem anderen Menschen oder wenn niemand da ist, dann umarme ich mich selber. Also wirklich dieses Halte dich fest. Oder leg eine Hand flach auf die Brust, auf das Brustbein und die andere auf den Bauch zum Beispiel. Und dieser leichte Druck und auch diese Wärme und halt auch wirklich jetzt auch im metaphorischen Sinne das Gehaltenwerden.
Das signalisiert meinem Körper Sicherheit so und das hilft. Und ihr erinnert euch ja vielleicht, ich habe vorhin gesagt, dass wir bei Stress so einen Tunnelblick entwickeln. Und deswegen hilft tatsächlich auch den Blick bewusst weiten. Also ich schaue gegenüber auf eine Wand und versuche jetzt ganz bewusst das Periphere, also links und rechts und oben und unten und so weiter wahrzunehmen und zwar ohne da meine augen ganz aktiv hinzu wandern zu lassen kann man auch machen aber eher dieses ich gucke gerade gegen die wand aber schau also nehme das bewusst drumherum auch mit wahr weil so ein weiter oder geweiterte blick signalisiert halt meinem gehirn hier ist alles gut ich habe es ja im blick im griff also wir können
entspannen so ich sehe alles und genau Und ganz grundsätzlich Leute, versucht einfach in solchen dysregulierten Situationen auch einfach kurz in euren Körper einzuchecken. Also sind meine Hände geballt? Sind meine Schultern oben an den Ohren oder sind sie unten? Beiße ich meine Zähne gerade zusammen? Nehmt das ja auch noch mal mit als Überlegung. Nein, ich gebe euch nicht schon wieder eine Hausaufgabe auf wie letzte Woche.
Was könnte dir denn ganz persönlich helfen? Also wirklich mal aktiv darüber nachzudenken, nicht in der Kack-Situation selber, weil dazu sind wir nicht in der Lage dann meistens, sondern jetzt ganz proaktiv. Also vielleicht Noise-Canceling-Kopfhörer oder Musik anmachen. Keine Ahnung, vielleicht bist du ja auch selber Neurodivergent zum Beispiel und weißt, dass ein bestimmtes Stimming oder Fidgeting oder sowas dir gut tut. Lieblingsmusik, Serie, so was auch immer, also was hilft deinem Körper zu zeigen, hey alles ist gut. Und das fiese an diesem ganzen Thema ist ja, dass die meisten von uns halt nie gelernt haben, wie gesunde Regulation aussieht. Weil die meisten von uns das eben in unserem Aufwachsen, in unseren Elternhäusern nicht
gelernt haben. Und deswegen greifen viele von uns ja auch zu Strategien, die vielleicht kurzfristig helfen, aber langfristig, ich sag mal vorsichtig, problematisch. nicht so optimal sein könnten. Also ich sage nur Alkohol, Nikotin, ständiges Scrollen am Handy, emotionaler Rückzug und so weiter. Also diese Strategien, die funktionieren halt kurzfristig tatsächlich dann regulierend.
Sonst würden wir sie auch nicht benutzen. Aber sie lösen halt das Problem nicht. Also sie verschieben es ja nur. Aber woher sollen wir es denn auch können? Also wenn wir ja selber nie gelernt haben, wie Regulation funktioniert, ist ja auch klar, dass wir es jetzt nicht können als Erwachsene. Weil viele von uns wurden eben als Kinder nicht korreguliert, sondern korrigiert. Klingt sehr ähnlich, Leute.
Ist was ganz unterschiedliches. Also nicht korreguliert, sondern korrigiert. Sätze wie reiß dich zusammen. Hör auf zu weinen, stell dich nicht so an, ist doch nicht so schlimm und so weiter. Also die Gefühle sollten verschwinden, das Verhalten sollte angepasst sein und deswegen ist es ja total logisch, dass Regulation vielen von uns heute echt schwer fällt. Und wisst ihr, Warum ist diese Erkenntnis jetzt nicht nur schmerzhaft, sondern auch wichtig? Weil sie bestenfalls Mitgefühl schafft. Also Mitgefühl mit uns selber.
Weil Scham und Strenge, die helfen da gar nicht. Und das ist jetzt ehrlich gesagt auch schon genau die Überleitung zu Kapitel 4. Weil Kinder können nicht intuitiv Regulation alleine. Da kommen wir also wieder ins Spiel. Kinder brauchen Ko-Regulation. Also man könnte sich das so vorstellen, dass Kinder sich quasi das Nervensystem von uns Erwachsenen ausleihen.
Und das passiert halt nicht über Worte, sondern vor allem, wie ich es ja eben schon hatte, über körperliche Signale. Also über meine Stimme, über meinen Gesichtsausdruck, Blickkontakt, Körpernähe, Atemrhythmus und so weiter. Also unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, sich mit anderen Nervensystemen zu synchronisieren.
Ich finde das total magic und irgendwie auch ganz genial. Also man konnte in Forschung tatsächlich sehr gut beobachten, dass sich zwischen Eltern und Babys bestimmte Dinge synchronisieren. Also Herzschlag, Kortisolspiegel, Blickkontakt, Bewegungsrhythmus. Hä, ist das nicht cool irgendwie? So und das bedeutet halt, beruhigt sich der Erwachsene, kann sich auch das Kind leichter beruhigen.
Ja, easy, oder? Ja, also, Leute, keine Sorge. Es geht nicht darum, eine fucking Zen-Meisterin zu sein, während das Kind das Wohnzimmer zerlegt. Es geht um Präsenz, nicht um Perfektion. Also, dein Kind muss nicht sofort aufhören zu weinen. Korrektion bedeutet nicht, das Kind abzuschalten, das Gefühl zu beenden oder so. Es bedeutet, dass das Kind durch den Sturm mit dir begleitet wird.
So das ist Co-Regulation. Und das sage ich nochmal so ganz ganz bewusst und deutlich, weil die allermeisten von uns natürlich die Tendenz haben zu sagen, mein Kind ist wütend, ich möchte, dass mein Kind nicht mehr wütend ist. Mein Kind weint, ich möchte, dass mein Kind nicht mehr weint. Ist ja total logisch. Aber es geht darum, dass das Kind begleitet wird. Und was heißt begleiten?
So, genau. Jetzt haben wir wieder so ein Wort. Regulation. Ja, was heißt das? Begleiten. Ja, was heißt das, Almut? Okay, ich versuche es. Wir versuchen es gemeinsam. Du musst keine klugen pädagogischen Sätze sagen. Das ist doch schon mal gut. Sondern oftmals reicht es wirklich, einfach nur im selben Raum zu sein. Zu atmen.
Und da zu sein, ohne das Kind zu bewerten, ohne das Kind zu beschämen, ohne das Kind voll zu labern. Während das Gehirn des Kindes das eh nicht verarbeiten kann. Dein Körper macht den Job, nicht dein Mund. Okay, also Mund ist auch Körper. Egal, ihr wisst, was ich meine. Mir ist das völlig klar. Wir sitzen alle zu Hause in unserem Chaos, während die Tiefkühlpizza im Ofen verbrennt und die Kinder toben und schreien und alles ist anstrengend und wir haben auch kacke geschlafen, weil die Kinder schlafen ja nicht durch. Und dann stellen wir uns irgendwie auf die Ko-Regulation wie so eine sanfte Instagram-Mutter vor, die immer liebevoll und zugewandt, leise und geduldig ihr Kind begleitet und so.
Aber in Wahrheit ist es eben ganz oft eher Ich bin einfach da und ich halte es mit aus. Ich sitze da in so einer Art Sicherheitsabstand, ein paar Meter entfernt auf dem Boden, weil mein Kind will nicht angesprochen werden, das Kind will nicht berührt werden. Und dann sitze ich da und ich sage gar nichts. Und was ich dann versuche, und manchmal klappt es, manchmal nicht, ist, dass ich atme.
Ich checke, ob mein Körper locker ist, ist mein Kiefer locker, sind meine Hände locker, was wir vorhin alles schon hatten. Und wenn ich was sage, dann versuche ich einfach nur zu sagen, ich bin da. Ich setze mich hierhin auf das Sofa und dann sage ich sowas wie, ja, ich pass auf, ich bin da, bis es wieder leichter wird oder was weiß ich. Und dann versuche ich eine von diesen Parasympathikus-Übungen zu machen.
So manchmal klatscht, so manchmal nicht. Wie gesagt, keine Druckbitte, keine Beschämung, kein Anspruch auf Perfektionismus, Leute. Wirklich nicht. Das hilft uns nicht weiter und so läuft es auch nicht. Ich weiß, dass ganz viele von euch, das gebt ihr mir auch oft als Rückmeldung, indem ihr mir schreibt und so, E-Mail oder Instagram oder so, und sagen, ich schäme mich so, alle kriegen das hin und ich nicht. Ja, nee, so ist es aber nicht.
Du kriegst es nur nicht mit, dass die anderen das auch nicht schaffen, weil wir es nicht sehen, okay? Und das Ding ist, wir sitzen dann da und atmen und denken, das ist es jetzt. Ich rede nicht mit meinem Kind, ich fasse es nicht an, ich atme hier einfach ohne Erklärung. Ich mache das gerade für mich und mein Nervensystem.
Und warum hilft das? Weil Kinder nicht machen, was wir sagen. Kinder machen, was wir machen. Und ja, wir sind auch mal laut und unfair und so, das ist mir völlig klar. Und wie gesagt, wir haben selber keine Regulation gelernt und sind deswegen oft auch dysreguliert und so. Und das ist in Ordnung.
Und dann reparieren wir das danach. Falls ihr euch fragt, wie sieht das aus mit der Reparatur, dann hört euch gerne die Bindungsfolge an. Also ehrlich, ja, ich sag's nochmal, weil das Gehirn lernt durch Wiederholung. Du bist ein Mensch mit einem eigenen Nervensystem, das auch eine ganz eigene Geschichte hat.
Und wenn du heute mal nicht die Kraft zur Ko-Regulation hast, dann ist das kein Versagen, sondern ein Zeichen von Erschöpfung. Und Eltern sind erschöpft, okay? Und wenn wir über Regulation sprechen, Dann ersteht so oft der Eindruck, dass Menschen möglichst ruhig und kontrolliert und ausgeglichen und senn es fach sein sollten und so.
Also dass irgendwie ein gut regulierter Mensch jemand ist, der alles so weglächelt, irgendwie gelassen ist und so und immer gelassen bleibt. Aber so einfach ist das nicht, weil starke Emotionen gehören ja zum Menschsein dazu. Und Eltern sind auch Menschen. Okay, so und genau darüber möchte ich jetzt noch mal im letzten Kapitel mit euch sprechen, weil es ist nur ganz kurz, aber es ist mir wichtig, das wenigstens kurz noch zu streifen.
Unsere Gesellschaft mag Menschen, die funktionieren, ruhige Kinder, gelassene Eltern, kontrollierte Emotionen und wenn wir ganz ehrlich sind, ist das ja kein realistisches Bild vom Menschsein. Also unsere Gefühle, also unsere Emotionen sind ja nicht einfach irgendwie störende Nebenprodukte von unserem Gehirn, sondern die haben Aufgaben, die haben wichtige Aufgaben. Also ihr wisst, Angst schützt uns von Gefahr, Trauer hilft uns, Verluste zu verarbeiten, Freude verbindet Menschen, Bla, Wut zeigt uns, dass Grenzen verletzt wurden und so weiter. Ihr wisst das alles.
Und wenn wir jetzt aber so eine Situation haben, dass ein Mensch aus meiner Familie oder auf der Arbeit oder so, keine Ahnung, respektlos mit mir spricht, Und in dieser Situation werde ich wütend. Ich spüre diese Emotion Wut. Dann ist das ja keine Fehlfunktion von meinem Nervensystem, sondern das ist einfach eine gesunde, emotionale Reaktion, die total verständlich ist.
Und deswegen bedeutet Regulation auch nicht, dass ich das nicht fühle. Sondern, dass ich trotzdem handlungsfähig bleibe. Und ja, bestenfalls schreie ich da nicht sofort zurück oder sowas. Ja, aber ich nehme trotzdem meine Wut ernst und ich setze bestenfalls eine Grenze oder was weiß ich. So, aber meine Emotion darf ja sein.
Und vielleicht brauchen wir in unserer Gesellschaft auch ein bisschen mehr Sanftheit irgendwie im Umgang mit Emotionen und mehr auch Realität mit den Emotionen von, also mit unseren eigenen und auch mit denen unserer Kinder. So, weil Menschen sind halt keine perfekt regulierten Maschinen. Wir sind lebendige Nervensysteme. Und deswegen sind wir manchmal überfordert und manchmal sind wir erschöpft und wütend und traurig. Und ganz ehrlich, manchmal will ich auch gar nicht reguliert sein.
Ich will manchmal nicht die geduldige Nachsichtige sein, die alles weglächelt. Also, Regulation bedeutet nicht, dass wir immer ruhig bleiben. Regulation bedeutet, dass wir lernen mit unseren Emotionen so umzugehen, dass unsere Beziehung möglich bleibt. Und dass wir handlungsfähig bleiben. So nehme ich.
Over and out. Bis nächste Woche.