
Kinder sind auch Menschen· Staffel 1· Folge 18
Nachgehört: Elternschaft heute
Sonntag, 29. März 2026 · 9 min
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Shownotes
„Ich hatte früher keinerlei Hilfe und habe es doch auch geschafft!“
Waren die Generationen vor uns entspannter als Eltern? Sind wir zu verkopft?
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Ja, und da bin ich auch ehrlich n bisschen stolz auf euch, weil wirklich niemand von euch als Feedback zur Mittwochsfolge geschrieben hat. Ja, aber am Elternsein ist ja wirklich auch jetzt nicht alles anstrengend und Eltern zu sein ist ja aber auch wirklich voll schön und unsere Generation hat ja auch viele Vorteile, die die Generation als Eltern vor uns noch nicht hatten und so weiter und da bin ich richtig positiv überrascht, weil ja natürlich absolut, aber darum ging es ja gar nicht, es ging ja darum. Dass wir das einfach mal benennen dürfen, was wir als Eltern für ne Aufgabe haben, für n Anspruch ohne Rollenvorbilder und so was wir da leisten, in was für einer Welt wir das Leisten und so weiter und sofort
ohne dazu sagen zu müssen, ja, aber andere Generationen hatten es auch schwer, oder? Ja, aber dadurch haben wir auch Vorteile, weil schon klar, aber darum ging es jetzt ja gerade gar nicht und das find ich ganz schön toll, dass das auch gar nicht kam als Einwand oder als Zusatz oder so. Was aber kam, waren ganz spannende Rückmeldungen.
Rückmeldungen, wie euch dieses Thema bewegt hat, wie ihr auch tatsächlich in Austausch gegangen seid mit euren Müttern und Vätern, teilweise auch mit Großeltern, ja so mit euren Großeltern und Tanten und Onkeln, und das war wirklich sehr bewegend, was ihr mir geschrieben habt, dass ihr diese Folge weitergeleitet habt und was da für Gespräche entstanden sind, und das war manchmal sehr berührend und fruchtbar.
Und manchmal ging es in folgende Richtung. Und darum geht es heute. Und zwar kam von einigen Menschen, mit denen ihr dann so darüber gesprochen habt. Die Reaktion, also ich war damals alleine mit 4 Kindern und ich hab das doch auch geschafft, oder mein Mann war wirklich die ganze Zeit weg, ich hab es auch hingekriegt oder so oder guckt euch doch an, ihr seid doch super geworden und sowas ne ich glaub ihr kennt das in all diese Richtungen die es so geht.
Und diese Reaktion ist mehr als verständlich, weil es ist vor allem ein Selbstschutz, der da unreflektiert sofort aktiviert wird. Ja, also wenn jemand halt sagt, ja, ich habe das doch so schwer und ich habe es auch geschafft, ja dann steckt da eben irgendwie auch dahinter, stell das mal nicht in Frage, wie ich es gemacht habe.
Ja und bagatellisier mal nicht. Den Schmerz vielleicht, den ich hatte, und die Arbeit und die Überforderung und die Anstrengung und so weiter ja, und das schwingt natürlich ein bisschen mit, wenn wir sowas sagen. Wie also Elternschaft heute ist emotional anspruchsvoller, dann schwingt so mit, ja, ihr habt es nicht gut gemacht, so oder uns hat was gefehlt, wie ihr uns erzogen habt, oder ihr wart nicht feinfühlig genug, nicht reflektiert genug und so weiter uh und das ei ei und so, das greift an.
Das kratzt an Identität. Und was passiert da spontan? Wir gehen in die Verteidigung, wir gehen in Abwehr so, das ist ja völlig klar, und viele Eltern auch in den Generationen vor uns, waren extrem belastet und es gab aber so viel weniger Raum, das zu fühlen, zu reflektieren und auch es anzusprechen. So, da gab es kein Social Media, wo man sich gemeinsam einfach irgendwie ausgekotzt und dann aufgebaut und gehalten hat. Es gab einfach auch gar nicht so die Normalität, das sagen zu dürfen, das ansprechen zu dürfen, das fühlen zu dürfen, ne auch alle, also alle Therapiesysteme, die wir heute haben oder auch das, was gerade so wächst. Die Selbstverständlichkeit dessen, dass wir an uns arbeiten und so, das gab es ja früher
sogar nicht, ne und? Wenn unsere Eltern oder Großeltern so hören, wie wir jetzt so Eltern sind, ja oder was wir uns für Unterstützungssysteme aufbauen oder so wie wir Gleichberechtigung leben in unseren Partnerschaften und so, dann dann piekst die das auch an, und da kann dann auch so ein Gedanke bei denen entstehen, das hätte ich mir damals auch gewünscht, und das tut weh, das tut wirklich weh, das zu sehen, ja.
Und statt diesen Schmerz dann zu kommunizieren oder die Trauer darüber, dass das nicht sein durfte, ja, also ich meine, ich leb ja hier in Berlin, da ne die ganze DDR vergangenheit, ne, also wie die ihre Babys eben mit 6 Wochen schon in diese Tages oder Wochenkranken geben mussten und so, da ist so viel Schmerz und statt dem Raum zu geben entsteht halt Abwehr oder Relativierung oder so also Härte weil Weichsein so weh tun würde ja. Und dieses Argument mit ja guckt euch doch an, ihr seid doch auch super geworden, wir haben es ja auch geschafft und so weiter ne, also dieses geschafft haben, das hieß ja eben einfach auch ganz oft, die Kinder sind doch groß geworden, sie sind doch funktional im Leben so, sie sind
angepasst. Läuft doch alles gut, ne? Und wenn wir aber sagen wir wollen es gut machen, ne dann meinen wir damit eben emotionale Gesundheit, ne. Also mentale, emotionale Gesundheit, sichere Bindung, Selbstwert, Beziehung auf Augenhöhe und so weiter und sofort. Ja, also die Maßstäbe sind natürlich da auch einfach anders und es geht nicht ums Überleben, um durchhalten und so, sondern es geht um Beziehung, Emotion, Entwicklung und so weiter Reflexion ne und deswegen finde ich da auch noch mal ganz wichtig zu sagen, es geht nicht darum zu sagen, wer hatte es denn schwerer.
Ich glaube, dass das ist eine giftige Diskussion. Das ist nicht gut so, sonst geht eher darum, zu zeigen und darüber zu reden, wie sich die Anforderungen verändert haben, wie die Realität sich verändert hat von Elternschaft, von gelebter Elternschaft und was das so mit sich bringt, ohne es zu gewichten. Ja, und deswegen wünsche ich euch und hoffe irgendwie auch ganz doll, dass ihr da eher Nähe wieder zueinander bekommt und vielleicht auch eine Form von Weichheit vorleben könnt. Die sich dann wieder die Generation über uns abgucken dürfen von uns.
Da sind wir wie immer das Role Model Cool und eine zweite Sache, die Rückgemeldet wurde zur Mittwochsfolge war vielleicht hatte aber auch dieses Mhm na ja, es geht ja nur darum die Kinder groß zu bekommen von früher im besten Sinne auch eine Entspanntheit. Durch diese Einfachheit, während wir halt heute so viel reflektieren und hinterfragen, wir wollen es so richtig machen, wir wollen es so unbedingt gut machen, was dazu führt, dass wir total angespannt sind und verkopft manchmal auch, und ob das dann nicht vielleicht manchmal sogar besser wäre, sich mal was von dieser Entspanntheit der Generation vor uns abzuschneiden.
Und da muss ich sagen, also diese Entspanntheit, die war oft ja gar nicht da. Es ist ja überhaupt nicht so, als wären die Generation vor uns total entspannt gewesen. Schön wäre es, es war zum einen einfach eine fehlende Sensibilisierung, oft für bestimmte Themen, die wirkte, als wären sie entspannt, aber sie waren ja oft gar nicht entspannt, es ging ganz viel um Gehorsamkeit und Anpassung und funktionieren, das ist das Gegenteil von Entspanntsein und trotzdem fand ich diese Rückmeldung so gut.
Weil wir uns da einfach mal kurz was mitnehmen dürfen als kleinen Input, als Anstupser oder so. Und zwar lasst uns nicht so hart mit uns selber werden, ja lasst uns nicht so streng und so verkopft werden, weil wir doch alles richtig machen wollen, sondern lasst uns zu vertrauen haben, ja lasst uns immer wieder sagen, gut genug reicht ja, lass uns immer wieder daran erinnern, dass Kinder keine perfekten Eltern brauchen, keine rund um die Uhr pädagogisch versierten. Keine Ahnung.
Eltern, die alles richtig machen und so, das brauchen die nicht, Gott sei Dank, weil niemand von uns kann, das bieten, wirklich nicht und vielleicht nehmen wir uns tatsächlich ein bisschen wirklich echte Entspanntheit mit, und zwar Entspanntheit im Sinne von Zuversicht und Zuvertrauen das wird schon gut werden, ich glaube, wir machen das gut, das wird schon.
Wisst ihr was ich meine, ist doch eine gute Aufgabe oder als Hausaufgabe für nächste Woche. Und Apropos nächste Woche in der Mittwochsfolge geht es um das Thema alleine spielen. Wir haben ja Osterferien, das heißt, viele von euch haben die Kinder zu Hause und da fällt doch bestimmt mal der ein oder andere Satz in die Richtung, lass mich doch bitte ganz kurz hier die Wäsche zu Ende machen, Spiel doch schon mal alleine, genau darüber reden wir, darüber reden wir nächste Woche.
Ich freue mich sehr auf euch, Tschüss.