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Lage der Nation - der Politik-Podcast aus Berlin· Folge 489

LdN489 Rechtsextremismus & Klimaleugner: Wie neutral muss Schule sein? (Inga Feuser, Teachers for Future) - Teil 2

Mittwoch, 12. August 2026 · 1 h 08

MP3

Shownotes

Die wichtigsten Themen der Woche:

• Umgang mit rechtsextremen Zeichen und Äußerungen an der Schule

• Queerness und Nonbinarität im Schulalltag

• Wie neutral muss Schule sein?

• Social Media Verbot an Schulen

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In der „Lage der Nation“ kehren der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer einmal in der Woche die politischen Ereignisse hierzulande und in der Welt zusammen, so diese sie interessieren und sie sie für relevant halten.

Diese Folge wurde am 24.06.2026 aufgezeichnet.

Quellen zu dieser Folge:

•
Neutralitätsdebatte in der Schule: Herr Heckel und die AfD | taz.de (taz.de/Neutralitaetsdebatte-in-der-Schule/!617…)

•
Social-Media-Verbot: Wie andere Länder das regeln (zdfheute.de/politik/ausland/social-media-verbo…)

Bilder

Schule, Foto: Arne Dedert/dpa

Lehrerin, Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Social Media an Schulen, Foto: Imágenes de Carlos Barquero/Canva

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Philip Banse Herzlich willkommen zur Lage der Nation. Mein Name ist Philip Banse.

Ulf Buermeyer Und ich bin Ulf Buermeyer. Der Philip ist Journalist. Ich bin es auch. Hab auch noch eine schwere Kindheit in der Juristerei hinter mir. Und wir begrüßen euch zum zweiten Teil unseres Sommerinterviews. Eigentlich ist das ja hier ein Politik-Podcast. Wir haben aber für den Sommer eine spezielle Form von Politik- Journalismus erfunden, nämlich das Sommerinterview.

Philip Banse Das Sommerinterview. Wir treffen uns mit Leuten, die interessant sind, die was zu sagen haben und unterhalten uns einmal ausführlich über bestimmte Themen. In diesem zweiten Teil machen wir das zum zweiten Mal mit Inga Feuser. Sie ist Lehrerin an einer Kölner Schule und auch zweite Vorsitzende der Teachers for Futures.

Philip Banse Und ja, wir hatten ja zuletzt gesprochen über Klimabildung in den Schulen und nehmen diesen Faden in diesem zweiten Teil nochmal auf, wünschen euch viel Spaß. Auf geht's.

Ulf Buermeyer Ganz herzlich willkommen nochmal, Inga Feuser in der Lage in Nation.

Inga Feuser Schön, dass ich wieder hier sein darf.

Philip Banse Kommen wir noch mal zu einem zu einem anderen Thema in der Schule. Also Klima haben wir jetzt ein bisschen drüber geredet. Wir haben es ja ein bisschen angekündigt am Anfang. Ich sage mal so Demokratie, Verständnis, rechtsextreme Äußerungen an der Schule Du bist jetzt in Köln an einem Gymnasium. Du bist nicht in Mecklenburg-Vorpommern in einer Dorfschule. Ich glaube, das macht schon noch einen Unterschied.

Philip Banse Aber nehmen uns mal mit so ein bisschen in den Schulalltag von dir, damit man so ein bischen weiß, worüber redest du da eigentlich? Gibt es da Hakenkreuze auf dem Klo? Wie zeigt sich das bei dir?

Inga Feuser Also erstmal, vielleicht ganz kurz, das ist total wichtig, was du sagst, ist auch das, wie ich gerade gesagt habe, sehr verschieden von Schulformen und Regionen und so weiter und so fort und Umgebung. Aber an allen Schulen und an allen Schulform merken wir schon, dass es zunimmt, dass rechtsextreme, demokratiefeindliche, sag mal groß gesagt, Vorfälle zunehmen.

Inga Feuser Das ist schon eine Tendenz, die gibt es überall.

Philip Banse Merkst du auch

Inga Feuser Hakenkreuze, die irgendwo hingezeichnet werden, gibt es überall. Ich habe den Eindruck, meine eigene Schule ist noch sehr privilegiert. Also ich habe nicht das Gefühl, dass an meiner eigenen Schule der Werte-Konsens komplett aufgebrochen ist. Ich glaube, dass wir da aber auch nochmal ein bisschen stärker in die Tiefe gucken sollten, was wir jetzt auch machen werden.

Inga Feuser Aber es gibt genug Vorfälle hier aus derselben Stadt, die ich von KollegInnen kenne. Wir sind ja eben vernetzt hier als Teachers for Future. Wo das der Fall ist. Und das ist dann das Hakenkreuz auf dem Tisch. Das ist ein sehr häufiger Vorfall. Das sind dann, dann gab es ja die TikTok-Challenge, den Hitlergruß zu zeigen, ohne erwischt zu werden.

Inga Feuser Das ist was, was sehr, sehr verbreitet auch war, auch hier in unserer Stadt, bis hin zu dem Nacherzählen von demokratieskeptischen oder demokratiefeindlichen Narrativen in der Schule. Wie zum Beispiel? Dass der Schutz von Menschenrechten links ist. Das ist dann so das ganz Subtile, was ich auch erlebe, dann zu sagen, wenn ich sage, hier geht es um Menschenrechte, ja, ist ja schon jetzt ein bisschen links.

Ulf Buermeyer Das ist ja schon bizarr, ne?

Inga Feuser Bis hin zu, dumm sprüchen, demokratieverachtenden Äußerungen auch, es ist natürlich auch verbreitet, es ist doch eh keine Demokratie oder die machen doch eh was sie wollen etc. Und dazu will ich aber nochmal ganz kurz sagen, das ist auch interessant, das Vertrauen junger Menschen in Demokratie ist auch wirklich erschüttert und insbesondere das Vertrauen junger Menschen in das aktuelle Regierungshandeln liegt bei 14%.

Ulf Buermeyer Und da würdest du sagen, das spielt das Thema Klima.

Inga Feuser Katastrophe schon eine zentrale Rolle. Also die Mittelstudie zum Beispiel hat gezeigt, dass es eine signifikante Korrelation gibt zwischen Krisenunsicherheit und der Zustimmung zum Beispiel zu Ungleichwertigkeitsideologien, also der Abwertung anderer Menschen, der Zustimmungen zu Rassismus oder eben auch zu ins Rechtsextreme gehenden Aussagen.

Inga Feuser Da gibt es einen klaren Zusammenhang. Junge Menschen, die eine hohe Krisenunsicherheit empfinden, die tendieren viel stärker zu Rechtsextremen oder Rassismus.

Ulf Buermeyer Äußerungen. Diese Mitte-Studie ist eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die regelmäßig rausgegeben wird, die eben quasi die Einstellungen in der sogenannten Mitte der Gesellschaft versucht zu porträtieren und dabei eben zum Beispiel Zustimmung auch zu rechtsextremen Einstellung abfragt. Ich würde aber doch mal, ich glaube da muss man so ein bisschen konkretisieren.

Ulf Buermeyer Du hast jetzt ja gerade gesagt, also Krisenängste, Krisenunsicherheiten als Indikator dafür, dass Leute dann eben im weiteren Sinne weniger toleranter sind, mehr so das Gefühl haben, jetzt geht es hier um das Überleben des stärkeren Ich würde mal sagen, das sind aber gerade nicht die Leute, die sich für Klimaschutz interessieren. Denn die Leute die Klimaengste haben, die driften ja in der Tendenz nicht nach rechts, sondern die kämpfen ja in den Regel eben für mehr Klimaschütz.

Ulf Buermeyer Die Unsicherheit, die die Mitte-Studie meint bei ihren Erhebungen, das ist vor allem soziale Unsicherheiten, Statusunsicherheiten. Ich glaube da muss man so ein bisschen differenzieren. Es wäre glaube ich verkürzt zu sagen, die Unsicherheits aus der Mitte- Studie ist Angst vor dem Klimawandel.

Inga Feuser Nein, da stimme ich dir total zu. Die Mitte-Studie zeigt ja erst mal einfach, dass es einen Zusammenhang gibt, dass das sozusagen generell eine Krisenunsicherheit führt zu Abwertung oder zu dem Hang zu Abwärtungsideologien zum Beispiel.

Ulf Buermeyer Abwertungsideologie bedeutet, man ist der Meinung, nicht alle Menschen sind gleichmäßig, Rassismus wäre der Klassiker. Sexismus ist auch ein Klassik.

Inga Feuser Also du hast sicherlich recht, das ist das, was die Mittelschule untersucht, aber ich sag mal so eine nagende Unsicherheit, was jetzt eigentlich mit der Welt passiert, die kann ich auch empfinden, ohne dass ich sagen kann, und deswegen bin ich jetzt, also ganz konkret Klimaschutz und so weiter und so fort, ich glaube, dass das teilweise diffuser ist als jetzt so ganz klar, ok Klimaschutz, also das ist jemand, der eher, sag ich mal, vielleicht links orientiert ist oder so, der dann sich für Klimaschuss stark macht, sondern ich glaube, dass das ...

Inga Feuser Aus viel subtileren Ebenen passiert und dass quasi die drohende Klimakatastrophe ja etwas ist, was auch in viele andere gesellschaftliche Bereiche reinspielt und generell eine Unsicherheit verursacht auch in unserer Gesellschaft, ohne dass man das vielleicht immer so klar benennen kann. Jetzt habe ich aber ehrlich gesagt die eigentliche Frage vergessen.

Philip Banse Naja, mir ging es jetzt so ein bisschen darum, erst mal so ein bisschen herauszufinden, welche Rolle spielt das bei dir in der Schule? Das hast du so ein bissel skizziert. Abwertendes Verhalten, Hang zu autoritären, Hang zur abwertenden Aussagen, quasi auch Manifestation im Unterricht, Hakenkreuze auf dem Tisch und so, weil das ja was ist.

Philip Banse Du sagst es auch, es breitet sich aus. In den einen Schulen, in der einen Region ist es mehr, in den anderen ist es ein bisschen weniger. Aber ich glaube, viele Lehrer und Lehrerinnen stehen einfach. Vor den Problemen, wie geht man damit um? Was macht man damit? Und da wäre meine Frage an dich, was macht man da mit?

Philip Banse Wie geht man da um? Ich sag mal, vom kleinen in Anführungsstrichen angefangen, die Markenkreise auf dem Tisch zu Debatten im Unterricht. Was sind da Strategien?

Inga Feuser Man kann im Prinzip sich darin orientieren, dass man sagt, okay, erstens ist es immer wichtig, Haltung zu zeigen, also klarzumachen, unsere Schule ist kein wertneutraler Raum, wir haben Wertekonsens, der basiert natürlich auf dem Konsens unseres Grundgesetzes und da gilt Artikel 1 des Grundgesetz, alle Menschen gleich, die Würde des Menschen ist unantastbar und das ist die Haltung, die wir als Schule vertreten und die vertrete ich auch als Lehrkraft und die ist nicht diskutierbar.

Inga Feuser Das heißt... Aussagen, die der Menschenwürde widersprechen, im Kontrast stehen oder der Demokratie, die muss ich einordnen. Da muss ich ganz klar sagen, das widerspricht unserem demokratischen Wertekonsens. Der zweite Punkt ist, ich muss Betroffene schützen, immer. Also wenn junge Menschen anwesend sind, die dann von Diskriminierung zum Beispiel betroffen sind, dann ist es erstmal ganz wichtig, die zu schützen.

Inga Feuser Den Schutzräume zu bieten, die zur stärken und sich auf deren Seite zu stellen. Und das dritte ist dann aber die Auseinandersetzung zu führen. Und das bedeutet natürlich, ich gehe mit dem jungen Menschen, der verursachend ist, der der in Anführungsstrichen Täter ist, ich geh mit dem in die Beziehung, in das Gespräch und ich gucke, ok, erstmal hat der nachgeplappert, will der provozieren oder steckt dahinter vielleicht schon ein gefestigtes, demokratiefeindliches Weltbild zum Beispiel. Und Das fällt mir natürlich auch leichter, wenn ich an einer Schule bin, wo Beziehungen zwischen Lehrerinnen und Schülern gepflegt werden und gut sind und dann muss ich dementsprechend reagieren.

Inga Feuser Und dafür gibt es dann natürlich auch die ExpertInnen an den Schulen, die entsprechenden LehrerInnen, die dafür vielleicht auch hoffentlich schon eine Sonderausbildung haben, die wissen, wie gehe ich in das Gespräch und in manchen Fällen muss ich die rechtliche Perspektive mit betrachten. Also verstößt etwas gegen den, zum Beispiel den Paragrafen Volksverhetzung, dann muss ich das mindestens der Schulleitung melden.

Inga Feuser Damit die entscheiden können, bringe ich das zur Anzeige oder nicht. Aber das ist so die rechtliche Ebene. Auf der pädagogischen Ebene müssen wir eben dann immer gucken, wir müssen klar Haltung zeigen und dann aber abwägen, macht es jetzt Sinn, die Person erstmal vielleicht wieder einzubinden, versuchen, die wieder reinzuholen in unseren demokratischen Konsens.

Inga Feuser Und wenn ich aber das Gefühl habe, das gelingt mir nicht, denn ich erreiche den nicht, dann müssen wir gucken, wie gehen wir weiter damit um. Aber wichtig ist dass das nicht toleriert wird und dass das auch klar nach außen kommuniziert wird. Und das ist gerade so etwas, womit die Schulen auch sehr hadern.

Inga Feuser Also der Klassiker ist dieses, ah das machen wir jetzt mal lieber nicht öffentlich, das bringen wir mal lieber nichts zur Anzeige, da haben wir Sorge, das bewirkt ein schlechtes Licht auf unsere Schule und viel wichtiger ist es jetzt, dass alle Schulen Klarhaltung zeigen.

Ulf Buermeyer Das verstehe ich, dass man natürlich intervenieren muss, wenn einzelne Kinder demokratiefeindliche oder demokratieskeptische oder rechtsextreme Sprüche klopfen, dass man dann in die Beziehung geht und versucht, das wieder einzufangen. Aber es gibt natürlich auch gute Ideen und gute Konzepte, wie man möglichst von vorne herein verhindern kann, dass junge Menschen gerade so abdriften, dass die Schule einfach ein Erfahrungsraum ist.

Ulf Buermeyer Und da hattest du uns ja im Vorfeld gesagt, dass das auch ein Thema ist, das sich sehr bewegt und ja auch nicht nur dich, auch Marina Weisband oder Alla Dina, einmal Falani, den wir im letzten Sommer interviewt haben. Ganz viele Bildungsforschende weisen ja genau auf diese Erfahrungsräume hin. Was meinst du damit?

Ulf Buermeyer Was meinen die damit? Und wie kann das aussehen im Alltag? Das ist tatsächlich ein totaler

Inga Feuser entscheidender Punkt, dass die Schule ein Erfahrungsraum für Demokratie wird. Wenn ich Vertrauen haben soll in demokratische Entscheidungsprozesse, dann reicht das nicht, wenn ich das irgendwie auf dem Papier mal lese, so funktioniert die Demokratie, sondern wirkliches Vertrauen in Demokratie bekomme ich dann, wenn ich erlebe, dass Mitbestimmung und Mitgestaltung wirklich funktioniert.

Inga Feuser Und das passiert in der Schule, der Raum. An dem ich mich acht Stunden, bis zu acht Stunden am Tag bewege, an dem eigentlich sozialisiert werde als junger Mensch, viel zu wenig. Du hast gerade Elmar Falani angesprochen, er hat es ja so gesagt, dass die autoritärsten Elternhäuser mehr Mitbestimmung ermöglichen als unsere Schulen.

Inga Feuser Das ist natürlich ein sehr harsches Urteil und das trifft sicherlich auch nicht auf jede Schule zu, aber Schule ist ein sehr mitbestimmungsarmer Raum, das ist so. Aber wir wählen doch Klassensprecherinnen zum Beispiel. Ja, und das willst du gar nicht wissen, wie gruselig das an manchen Stellen abläuft und welche Ideen davon, was denn jetzt die Aufgaben eines Klassensprechers oder einer Klassenschaft sind, an manche Schulen so kursieren.

Inga Feuser Und das reicht ja nicht, wenn ich eine Klassentsprecherin wähle und die dann denkt, ihre Aufgabe wäre es, im Sekretariat Bescheid zu sagen, wenn der Lehrer zu spät kommt. Oder dafür zu sorgen, dass die Kinder ihren Ordnungsdienst machen oder so. Im schlimmsten Fall denken die, sie sind der verlängerte Arm der Lehrkraft oder Dass der Klassensprecher, die Klassenschaftlerin zum Beispiel dafür da ist, unsere Interessen wirklich einzubringen auf SV-Ebene, das wissen ja die wenigsten.

Philip Banse Also Schülerversammlung.

Inga Feuser Ja, Schülervertretung, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und ich glaube in allen anderen Bundesländern auch ist das tatsächlich im Schulgesetz vorgeschrieben, neuerdings auch für die Grundschule, jetzt damit für alle Schulformen, dass es eine Schülerin-Vertretung geben muss, aber was die letztendlich jetzt mitbestimmen darf und was nicht, das ist sehr wenig und selbst dann habe ich eine Person vielleicht pro Klasse, die kann ein bisschen mitbestimmt.

Inga Feuser Demokratie ist aber ja eigentlich die Idee, wenn ich Demokratie nicht auf die repräsentative Idee. Beschränken will, okay, ich will jemanden, der kümmert sich darum, sondern wenn ich Demokratie auch als Gesellschaftsform und als Kultur ernst nehme, dann bedeutet das natürlich, dass wir alle mitgestalten.

Philip Banse Wie sieht denn das in der Schule aus, wenn jetzt die Schülersprecherin oder Schülervertreterin nicht die Antwort sind, wie stellst du dir das vor?

Inga Feuser Das kann erst mal in der demokratischen Unterrichtsgestaltung anfangen. Da sind wir wieder am Anfang unseres Gesprächs bei den sehr starren Lehrplänen. Das fängt damit an, dass Schülerinnen mitbestimmen dürfen, welche Themen wir im Unterricht behandeln. Und eigentlich haben wir auch die Möglichkeiten dazu, weil wir kompetenzorientiert in Zwischenunterrichten. Das heißt, eigentlich ist gar nicht mehr so wichtig, welches Inhaltsfeld ich durchspreche, sondern wichtig ist, welche Kompetenzen.

Inga Feuser Das ist aber tatsächlich immer noch nicht so richtig bei allen angekommen. Und trotzdem gibt es noch sehr starre Inhaltefelder dann. Teilweise trotzdem in den in den vor in den übergeordneten Lehrplänen, teilweise machen die Schulen sich Lehrplände, weil dann auch wieder die Vergleichbarkeit ja so hoch gehalten wird.

Inga Feuser Deswegen sagt man dann lieber, okay, wir machen alle das Thema so und so, anstatt dass man die SchülerInnen einfach auch mitbestimmen lässt und sagt, welches Thema würdet ihr denn gerne machen. Dann gibt es die Möglichkeit, wir haben gerade über Leistungsbewertung gesprochen, demokratische Reform der Leistungs Bewertung, das heißt, ich kann der Schülerin vielleicht offen stellen.

Inga Feuser Möchtest du eine mündliche Prüfung machen oder möchtest du lieber einen Vortrag machen oder möchtetest du lieber so oder auch gemeinsam zu überlegen, ja, wie können wir denn vielleicht mit welchen Methoden können wir denn das und das Thema am besten jetzt machen? So, das heißt, ich kann eine demokratische Unterrichtsgestaltung haben und dann kann ich auf der Ebene des Schullebens erstreckt sich das sehr, sehr häufig in der Wandfarbe und in der Gestaltung des Schulfestes.

Inga Feuser So, ihr dürft einen Stand machen. Relevant wäre aber, dass Schülerinnen Regeln mitbestimmen. Vorhin haben wir kurz über Handys gesprochen. Die Handy-Regelung. Mit den Schülerinnen ausdiskutieren. Gemeinsam schauen, was spricht für ein Handyverbot, was sprich dagegen, welche Auswirkungen haben Social Media, wie könnt ihr besser lernen und so weiter und so fort.

Inga Feuser Und da junge Menschen ernst zu nehmen und auch ernst zunehmen, wenn die sagen, für mich ist das Handy total wichtig, weil, aber kaum einer wird sagen ... Und deswegen ist mir alles andere Scheiß egal, sondern man kann ernsthaft mit jungen Menschen Regeln aushandeln.

Philip Banse Und ich meine, die sind dann wahrscheinlich auch nachhaltiger, wenn die da irgendwie daran mitgewirkt haben. Aber was denn denn so von den Themen, das habe ich jetzt einigermaßen verstanden, also Themen, die die Schüler und Schülerinnen betreffen. Unterrichtsinhalte, Regeln in der Schule, Smartphone, Social Media, ja, nein, wann kommen, wann geht's los, was machen wir am Nachmittag?

Philip Banse Also das schulische Leben irgendwie mit zu bestimmen. Was sind denn da die Formate? Wie macht man das? Also Schülersprecherin wählen, das verstehe ich. Und da irgendwie dann vielleicht in der Klasse kurz mal abzustimmen, wollen wir lieber. Schiller oder wollen wir lieber Goethe machen oder so. Das kriegt man wahrscheinlich auch noch organisiert.

Philip Banse Aber irgendwie jetzt gemeinsame Regeln für den Smartphone Umgang in Schulen mit 1500 Schülerinnen zu finden, das glaube ich, das ist in der großen Pause nicht gelöst.

Inga Feuser Nee, das ist Arbeit. Genau. Also das ist, glaube ich, auch sehr, sehr wichtig, dass wir anerkennen, wenn wir das wollen, dann können wir das nicht so nebenbei machen. Dann ist das, es besteht Einigkeit darüber, von didaktischer wie von ministrieller Seite, dass Demokratiebildung eine Querschnittsaufgabe ist, die aber trotzdem leider noch viel zu oft so als Add-on und nebenher begriffen wird. Und wenn wir wirklich Regeln mitbestimmen lassen wollen, dann braucht das sehr viel Zeit und dann müssen wir da viel investieren.

Inga Feuser Das kann ja zum Beispiel jetzt so aussehen, dass ich erstmal in allen Klassen, bleiben wir mal bei der Handy-Regelung, wie soll die ausgestaltet werden, wer darf wann wie und wie nicht und so weiter, kann aber auch sein, wollen wir das Pausenzeichen abschaffen oder wollen wir eine halbe Stunde später mit dem Unterricht beginnen.

Inga Feuser Und dann kann ich natürlich irgendwie das den drei SV-Schülern überlassen, die sowieso die Engagierten sind oder ich kann sagen, gut, wir machen hier einen umfassenden Beteiligungsprozess. Ja. Debattieren in jeder Klasse, im Deutschunterricht, wir üben das Pro-Kontra, ständig ist Pro-Contra-Argumentation debattiert auf dem Lehrplan.

Inga Feuser Wir sammeln die Argumente und wir helfen jedem Schüler und jeder Schülerin in Klassendiskussionen zu einer fundierten Meinungsbildung zu kommen. Wir wählen vielleicht jetzt nicht immer nur ein Klassensprecher in, die das ganze Jahr in allem mitwirkt, sondern wir sagen, gut, welche zwei Schülerinnen möchten denn jetzt diese Klasse in unserem Meinungsbild.

Inga Feuser In der, in dem, ich sag mal Bürgerinnenrat, also es gibt diese Idee der Bürgerinnenräte, so 100 Geloste oder Gewählte für ein bestimmtes Thema, dann kann ich wieder viel mehr Leute in die Beteiligung holen, die vielleicht sagen, das Thema ist mir wichtig, da würde ich gerne mitreden. Dann mache ich so Assemblies oder so zu bestimmten Themen.

Inga Feuser Wir haben bei uns an der Schule ein Klimarat eingeführt, dann schlagen wir jetzt auch den Bogen nochmal zum Thema Klima. Es war ein Projekt über drei Jahre und haben gesagt, das machen wir wirklich analog zur SV. Aus jeder Klasse gibt es eine Klimabeauftragte, das ist nicht der Klassensprecher, die Klassentsprecherin.

Inga Feuser Und dann haben wir wirklich mit 50 Schülern von der 5 bis zur 12 ein sehr umfassendes Demokratieprojekt gemacht. Wir haben erstmal eine Erhebung gemacht, was sind unsere Treibhausgasausstoße und dann haben Wir Maßnahmen gesammelt. Es kam alles von den Schüleren, welche Maßnahmen findet ihr gut, findet ihr richtig.

Inga Feuser Dann haben wir alle gesammelt, dann haben wir die bewerten lassen von einem externen.

Philip Banse Was waren das für Maßnahmen?

Inga Feuser Alles, das war von, wir machen Thermostate an die Heizung über mehr, weniger Fleisch in der Mensa, aber auch wir machen eine Demo vor das Rathaus, generell für mehr Klimaschutz, also wirklich alles. Und dann hatten wir diesen großen Luxus, dass die für uns bewertet wurden, da konnten wir Bewertungskriterien besprechen, dann hatten wir so einen fantastischen, demokratiebildenden Tag, wo die einen ganzen Tag lang diese 50 SchülerInnen mit unterschiedlichen methodischen Unterstützungen.

Inga Feuser Darüber diskutiert haben, welche diese 80 Maßnahmen nehmen wir denn jetzt? Aufgrund der Grundlage der wissenschaftlichen Bewertung der Maßnahmen.

Philip Banse Also was bringt das an CO2 und so?

Inga Feuser Verschiedene Kriterien, was kostet das, was bringt das, welches Beteiligungspotenzial hat das, wie nachhaltig ist, also wie lange ist das wirksam und so weiter und so fort. Es gibt verschiedene Kriterie. Das heißt, die mussten selber überlegen, welch Kriterium ist mir am wichtigsten. Und dann hatten wir am Ende irgendwie acht Maßnahmen und dann durften die entscheiden, welche wollen wir jetzt umsetzen, worauf habe ich Lust unter diesen acht Maßnahmen.

Inga Feuser Und dann haben die sich dafür entschieden, dass sie die Heizung austauschen wollten und wir wussten als Lehrerin, das wird nicht passieren. Also, die können... 100 mal, auch wenn die alle 50 die Heizung austauschen wollen, das wird einfach nicht passieren, weil erst muss das Gebäude saniert werden. Und das ist einfach gerade noch nicht Phase, wir sind noch nicht dran.

Inga Feuser Und dann haben wir die und dann wäre es aber unfassbar adultistisch gewesen, zu sagen, macht das nicht, das funktioniert nicht, lasst das. So, und dann haben wir die losgehen lassen und dann haben die, die losgegangen haben, die sich den Heizungskeller zeigen lassen als ersten Schritt. Und dann hatten die während der Heizungenkeller-Besichtigung haben die selber verstanden, dass das nicht passieren wird, haben aber was rausgefunden, was die niemals rausgefundet hätten, wenn wir gesagt hätten, macht das nicht.

Inga Feuser Nämlich? Nämliche, dass unsere Heizung den ganzen Sommer durchläuft, damit die Mensa warmes Wasser hat. Völliger Schwachsinn. Wirklich, völlige Idiotie. Und dann haben die sich mit Hilfe eines Bürgers, der sachkundiger Einwohner im Liegenschaftsausschuss war, überlegt, kann man das nicht abkoppeln? Ja klar, kann man total einfach einfach das warm Wasser für die Heizungen elektrisch erhitzen.

Inga Feuser Für die Mensa und dann kann ich den ganzen Sommer drei Monate lang diese Heizung abschalten.

Ulf Buermeyer Tausend Liter Kessel und enorm viel, keine Ahnung, fossile Heizung, fossilen Missionen sparen. Genau, Gas.

Inga Feuser Genau, Gasheizung, das war Anfang des Ukraine-Krieges, also Heizung lief mit Gas. Und dann haben die über diesen Sachkundigen Einwohner, die haben einen Antrag geschrieben, haben den in den Linkenschaftsausschuss eingebracht, Stadtrat und Kommune, also Verwaltung haben es abgelehnt. Und wir waren völlig fassungslos, wie könnte das ablehnen?

Inga Feuser Und das ist auch ein ganz wichtiges Grundsatz von Demokratiebildungsprozessen auf diese Art. Man denkt immer, dürfen die nicht scheitern, weil wenn die jetzt scheitert, dann glauben die gar nicht mehr an die Demokratie. Und es ist nicht so, selbst Prozesse, die nicht dazu führen, zu einem Erfolg führen, steigern die Motivation und das Vertrauen und die Selbstwirksamkeitserfahrung gegenüber. Wir machen es gar nicht.

Inga Feuser Und dann haben wir trotzdem natürlich die Sorge gehabt, dass sie jetzt total frustriert sind und dann saßen die da in der nächsten Sitzung und gesagt, alles klar, also wir könnten jetzt den Bund der Steuerzahler anrufen, wir könnten das Fernsehen anruf oder wir könnten eine Demo machen.

Ulf Buermeyer Die haben eben nicht einfach aufgegeben, sondern die haben diese Selbstwirksamkeit quasi fortgesetzt und sich überlegt, was machen wir denn jetzt?

Inga Feuser Ich meine jetzt endlich, wenn die aus der Schule rauskommen, werden die ja auch scheitern. Also das ist ja Quatsch, in der Schule so einen Schulraum zu schaffen, der sagt, du schaffst das immer. Und Scheitern ist aber ja quasi in unserer Schule nicht vorgesehen, weil Scheitere ist sechs oder fünf und das Sitzenbleiben so und dass man aber einfach aus Fehlern lernt und anpasst und agile Zielsetzungen und so was.

Inga Feuser Naja, und dann haben die den WDR angerufen und dann hat der WDR einen Bericht gemacht und dann hatte die Stadt gesagt, okay, wir bringen das selber nochmal ein, einen Monat später in die nächste Sitzung und dann sie es eingebracht und dann ist es

Ulf Buermeyer Und sie haben damit eins noch gelernt, wie wichtig Pressefreiheit ist, auch nicht verkehrt.

Inga Feuser Die haben so viel gelernt, nicht nur wie richtig Pressefreiheit ist, wie wichtig dranbleiben ist, die kommunale Prozesse funktionieren, wie störrisch Behörden sein können und so weiter und so fort. Und sie haben aber eben auch gelernt, wenn man dran bleibt, dann kann man es auch schaffen. Und dann hat die Stadt auf einmal gesagt so wow, ihr habt jetzt wahnsinnig viel Geld eingespart.

Inga Feuser Wir geben euch mal 5000 Euro als Schule, als Dank für das ganze Geld, das wir eingespart haben. Krass. So. Und so kann das funktionieren.

Philip Banse Und was sind die Rahmenbedingungen dafür, dass das funktioniert? Also, ich meine, oder? Ich meine, die Schulleitung muss ja mitspielen. Du brauchst irgendwie Räume dafür. Du brauchts irgendwie Zeit. Du brauchste motivierte Lehrer und Lehrerinnen, die das machen. Und, und, und oder was noch?

Inga Feuser All das. Also schön wäre, wenn wir mehr Ressourcen hätten, dann wären das nicht in der Freizeit von uns LehrerInnen passiert. Also das ist in der freizeit. Die gesamte Begleitung dieses Projekts, wir haben drei KollegInnen, das begleitet. Wir haben dafür nichts bekommen, keine Entlastung, keine Stunde, gar nichts, sogar komplettes Hobby.

Philip Banse Das war wie so eine AG, die ihr quasi außerhalb der Unterrichtszeit mit den Schülerinnen und Schülern...

Inga Feuser Ja, also ich bin vielleicht mal zwei Stunden vom Unterricht, von dem aktuellen Unterricht in der Woche vielleicht mal 2 Stunden befreit worden an dem Tag, 3 mal im Schuljahr, aber ich habe keine Entlastung in meinem Deputat bekommen oder so.

Philip Banse Und es gibt überhaupt keine infrastrukturelle Verankerung von solchen Prozessen.

Inga Feuser Genau. Und da kann meine Schulleitung aber gar nichts für, weil die hat die Ressource nicht. Das ist nicht vorgesehen. Und jetzt mal jenseits vom Lehrerinnenmangel ist das auch einfach nicht vor gesehen, für so was zu entlasten. Also das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir brauchen mehr Ressourcen. Und muss mir überlegen, wie kann ich die schaffen? Die kann ich ja auch schaffen, indem ich Lehrerinnen an anderer Stelle entlaste.

Inga Feuser Das ist das eine. Das andere ist dann eben, die versuchen wegzukommen von dieser Fixierung auf Klassenarbeiten und so weiter und so fort. Und dann ist es aber auch total wichtig, zivilgesellschaftliche Unterstützung von außen zu haben, also Menschen, die uns supporten. Wir hatten jetzt die Leute, die die Maßnahmen für uns bewertet hatten.

Inga Feuser Wir hatten diesen engagierten Bürger, der da diesen Antrag mit denen geschrieben hat. Und das kann ich ewig fortführen, die Liste. Also das ist eine super wichtige Rahmenbedingung.

Ulf Buermeyer Also mit anderen Worten, Demokratieunterricht heißt nicht nur, dass man in Sozialkodeunterricht mal theoretisch lernt, sondern viel wichtiger ist Demokratie leben, ganz banal. Richtig. Demokratie Leben in der Schule, partizipative Prozesse, in diesem Fall war es ein Klimarat, sondern Bürgerinnenrat, Schülerinnen-Schülerrat.

Ulf Buermeyer Das ist die Seite der Schülerinnen und Schüler, das heißt da kann man eine ganze Menge tun, damit die ein positives Verhältnis zur Demokratie entwickeln und zwar eben nicht nur zur politischen, sondern überhaupt zu diesem Mitmachen, Selbstwirksamkeit. Nun ist es natürlich so, dass ihr als Lehrerin und Lehrer eben nicht nur mit den Schülerinnen und Schülern konfrontiert seid, sondern auch mit den Eltern.

Ulf Buermeyer Kommen wir wieder zurück zum Thema Klima. Die Klimakatastrophe im Unterricht zu thematisieren, ist heutzutage ja fast schon eine gefahrgeneigte Tätigkeit. Denn in den meisten Klassen gibt es irgendwo eine Mutter, einen Vater oder noch ein paar mehr, die rechtsextremen Parteien zuneigen und warum auch immer, Wir wollen jetzt vielleicht nicht tiefer einsteigen.

Ulf Buermeyer Gibt es einfach eine ganz starke Korrelation zwischen Klimaskepsis und rechtspopulistischen Auffassungen. Wie äußert sich das konkret, also kriegt man dann so richtig Stress, wird man dann direkt von den Eltern in irgendeiner Art und Weise diffamiert, was passiert, wenn man in so einer Klasse eben zum Beispiel über Klimaschutz sprechen möchte und da gibt es Eltern, die einfach nicht glauben an den Klimawandel.

Inga Feuser Nicht glauben an den Klimawandel ist super, weil sozusagen so eine Wissenschaftsbasiertheit ist ja erstmal auch ein wichtiges Prinzip von Schule und Unterricht. Also der Klimawandel oder die menschengemachte Erderwärmung ist ja Bestandteil der Lehrpläne. Das steht ja im Lehrplan und letztendlich ist es da einfach meines Erachtens der Schlüssel, dass alle gemeinsam von der Schulleit, also von der Lehrkraft selber über die Schulleitung, am besten auch über die anderen Eltern und dann vor allen Dingen aber auch zu den Schulministerien.

Inga Feuser Da ganz klar sagen. Vielen Dank für Ihre Perspektive. Hat keine Relevanz, was Sie dazu denken, ob Sie jetzt an den Klimawandel glauben oder nicht. Sie können auch daran glauben, dass der Mensch in sieben Tagen von Gott erschaffen wurde. Ich habe aber eine Wissenschaftsbasiertheit, die sagt, der Mensch ist durch die Evolution entstanden.

Inga Feuser Also, wo kämen wir denn dahin, wenn wir dem Glauben einzelner Menschen, fern von jeder wissenschaftlichen Erkenntnis, irgendwie einbeziehen würden? Die Frage ist ja eine größere, du hast ja gerade gesagt, das ist ein großer Zusammenhang. Zu Rechtsextremismus. Und da generell zu sagen als Schule, ich lasse mir in und auch als Schulbehörden, wir lassen uns in unsere Lehrpläne, die Schule ist Hoheit des Staates, wir lassen uns in unserer Lehrplähne und in die Prinzipien von Unterricht von einzelnen Eltern nicht reinreden.

Inga Feuser Und da bedarf es, glaube ich, vor allen Dingen der starken Schulleitung. Da braucht es Lehrerinnen, die gewappnet sind für solche Angriffe. Das betrifft ja nicht nur Klima. Queerness ist ja auch ein total wichtiges Thema. Non-Binarität, gibt es nur zwei Geschlechter oder gibt es vielleicht auch, oder gibt es Trans-Menschen, dürfen die, haben die das Recht, haben die Rechte, das ist auch ein total sensibeles Thema.

Ulf Buermeyer Wie geht ihr damit um, um das mal konkret zu machen? Also stellen wir uns vor, ein Kind in einer, keine Ahnung, 9. Klasse, also so alt, dass sie grundsätzlich schon so ein Gefühl dafür haben, sagt also, ich bin eine Frau, ich weiß es genau, und nach außen hätte man was anderes gesagt und diese Person wurde früher Markus genannt.

Ulf Buermeyer Wie geht man damit um als Schule?

Inga Feuser Also im besten Fall gibt es eine Schule, oder sollte es eigentlich überall sein, gibt es eine Schule Beratungsteams, die erstmal auch in allen Lebenslagen zur Verfügung stehen. Das heißt, ich kann erstmal, wenn ich als Lehrerin vielleicht auch überfordert bin mit der Situation sagen, hey, brauchst du Unterstützung in deinem Prozess?

Inga Feuser Und wenn ja, guck mal, hier gibt es die und die Beratungsstelle. So, dann frage ich, bist du diskriminiert? Na, was machst du? Das frage ich nicht so, aber guck, ich mach die Person. Diskriminierungserfahrungen, wird die akzeptiert und ich unterstütze die in ihrem Selbstfindungsprozess. Ich schütze die vor Diskriminierung und ich schütte die natürlich auch vor möglichen Eltern oder irgendwelchen Angriffen.

Inga Feuser Und ich versuche auch, meine Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren und die dabei zu unterstützen, damit umzugehen. Hatte ich tatsächlich schon mal den Fall, dass eine Schülerin irgendwann zu mir kam und gesagt hat und Die hat sich das deswegen getraut, weil wir das thematisiert haben im Unterricht. Also wir hatten Sexualität allgemein und LGBTQI+, im Speziellen als Thema, haben Auszüge aus einem Roman gelesen, mein Bruder heißt Jessica, und das hat die Schülerin dazu oder dann den Schüler dazu motiviert, zu mir zu gehen und zu sagen, übrigens, ich möchte nicht mehr Sophia heißen, ich heiße jetzt so und so, einen männlichen Vornamen genannt, Punkt. So, und dann habe ich auch erlebt, dann bin ich zur

Inga Feuser Klassenleitung gegangen, dann habe ich auch kurz zur Klessenleitung gesagt, oha, tue ich mich hier schon schwer mit? Und dann überlegt man halt im besten Fall gemeinsam, gut, wir gehen jetzt damit um und guckt, ob die Eltern da Unterstützung brauchen oder ob die da gut aufgestellt sind.

Philip Banse Du hast ja jetzt so eine ganze Reihe von Themen, haben wir jetzt angesprochen, wir haben die Klima Bildung angesprochen. Wir haben diese, sag ich mal, Demokratie Bildungsthemen angesprochen und wir haben jetzt diese LGBTQI Themen angesprochen und wir habe irgendwie Rechtsextremismus, demokratiefeindliche Äußerungen in der Schule angesprochen das sind ja alles Themen, wo von außen in vielen Fällen dokumentiert die AfD zum Beispiel hingeht und sagt Das können die nicht thematisieren, also nicht so und manchmal schon gar nicht, denn eine Schule muss neutral sein.

Philip Banse Also es gibt diesen Fall in Stendal jetzt vor kurzem, wo ein Lehrer an der Schule in Stednal, ich glaube unbestritten ziemlich deutlich, sich gegen die AfD im Unterricht bekannt hat. Und die AfD ist hingegangen und die Schulbehörde hat gesagt, ja, hier läuft ein Disziplinarverfahren, Neutralitätsgebot.

Philip Banse Wie ist dein Blick darauf? Wo sind die Grenzen? Des Handelns von Lehrer. Also, wo sagst du, das geht zu weit? Also meinetwegen, ich bin gegen Partei XY oder wo sagste du, nein, das muss erlaubt sein.

Inga Feuser Also die Grenzen sind sehr klar vorgegeben von unseren Schulgesetzen und in vielen Bundesländern auch von unseren Landesverfassungen. Und der Bildungsauftrag der Schule ist gebunden an das Grundgesetz und die Menschenrechte. Die sind rechtlich bindend für unseren Bildungsauftrag. Im Gegensatz zum Beispiel zu dem von der AfD zum Beispiel gerne herangezogenen Beutelsbacher Konsens.

Inga Feuser Der ist nicht rechtlich bindend. So das heißt den Rahmen dessen was wir in der Schule unterrichten, welche Themen wir ansprechen, werden von diesen zwei Dingen eben eingegrenzt, Grundgesetz, Menschenrechte und Rechtsstaat noch, also um alle Bereiche der freiheitlich-demokratischen Grundordnung abzudecken.

Inga Feuser Darauf basiert unser Bildungsauftrag. Sehr viele Dinge erledigen sich damit eigentlich von alleine. So, darf ich über Queerness sprechen? Darf ich über, darf, ich natürlich, ich muss über Klima sprechen. Ich muss, das steht in meinem Lehrplan, das ist ... Da brauche ich gar nicht darüber diskutieren, aber alles, was die Rechte von Menschen betrifft und was unser Grundgesetz betriffte, da gibt es keine zwei Meinungen, das verlässt den demokratischen Diskursraum und das gilt natürlich auch für die Schule.

Inga Feuser So und jetzt erst mal, das ist wirklich absurd und es ist eine gezielte Strategie von Rechtsextremen, über 45 Anfragen glaube ich, kleine Anfragen in den Parlamenten hat die AfD im letzten Schuljahr immer wieder zu Schulen, die angeblich das Neutralitätsgebot verletzen, das es so nicht gibt. Und das ist eine ganz gezielte Strategie, eine Strategie der Einschüchterung und des Angstmachens. Ich möchte Lehrer, dererinnen, Schulleitungen unter Druck setzen, weil sie im Zweifelsfall genau wissen, dass viele Dinge, die sie tun, nämlich eigentlich verstoßen gegen Demokratie und Menschenrechte.

Inga Feuser Und dementsprechend wird das immer wieder hochgehalten und deshalb das Thema, wie wir an diesen Anfragen zum Beispiel sind. 45 in NRW oder? Nein, nein, bundesweit. Also in allen Bundesländern gibt es einen Korrektiv, hat das recherchiert.

Ulf Buermeyer Recherchiert oder es gibt einfach eine strategie systematisch schulen quasi an den pranger zu stellen im parlamentarischen raum dafür weil sie angeblich die sogenannten

Inga Feuser nicht nur im parlamentarischen Raum. Es gibt www.neutrale-lehrer.de, diese Meldeportale, die regelmäßig von der AfD aufgesetzt werden, dann wieder runtergenommen werden, weil sie gegen Datenschutz verstoßen oder gegen Persönlichkeitsrechte. Das heißt im parlamentarischen Raum, aber vor allen Dingen auch der Hebel sind ja die Behörden.

Inga Feuser Also die werden parlamentarische Anfragen gestellt, aber letztendlich die Behöden müssen die dann beantworten, die Ministerien müssen die beantwortet. Und da wird sozusagen ja der Druck dann weitergegeben und Die Idee dahinter ist, Lehrer in Mundtot zu machen in ihrem Einsatz für Demokratie und Menschenrechte.

Philip Banse Passiert das bei euch? Also erlebst du das an deiner Schule?

Inga Feuser Ich habe das an meiner Schule nicht erlebt, aber es gibt einen sehr prominenten Fall hier aus Köln, wo zum Beispiel ein Schulleiter gesagt hat, vor der Kommunalwahl, wir laden den AfD-Vertreter nicht ein, ich werde in meiner Schule keine Plattform bieten für rechtsextreme Parolen, für menschenverachtende Parolen und wo dann zum Beispiel die Behörde gesagt hat nee, wenn du die AfD nicht einlädst, dann darf die Veranstaltung nicht stattfinden. Dann hat der Schulleiter es dann relativ formulär gesagt.

Inga Feuser Das ist keine Schulveranstaltung, dann machen wir was in der Kirche, so. Aber ja, das erleben wir an vielen Stellen. Wir erleben an vielen Stellen, dass erst mal dann die Behörden sich da so ein bisschen zum verlängerten Arm machen oder dann zumindest erst mal so eine Dienstaufsichtsbeschwerde zum Beispiel nachgehen, den Lehrer befragen und so weiter und so fort.

Inga Feuser Das darf eigentlich nicht sein. Also eigentlich muss erst mal eine klare Haltung für die Lehrkräfte und den demokratischen Bildungsauftrag da sein. Und dann kann ich natürlich im Einsfall prüfen. Wenn es wirklich so ist, weil was es gibt ist, es gibt die Verpflichtung zur Unparteiligkeit. Die steht im Beamtenstatusgesetz und das ist aber ein Unterschied, weil das Neutralitätsgebot wird hier aufzukommunizieren, das heißt, es ging jetzt um Wertneutralität und das ist ja Quatsch.

Inga Feuser Wir sind verpflichtet zur Unparteilichkeit, da steht, der Beamte dient dem ganzen Volk, nicht einer einzelnen Partei. So, das heisst, was ich nicht im Unterricht darf ist, ich darf nicht sagen, ihr müsst die Grünen wählen, das ist die einzige Partei, die richtig ist.

Philip Banse Oder ihr dürft nicht Partei-X-Präsident werden.

Inga Feuser Ich darf sowieso nie sagen, ihr dürft das und das nicht tun, ihr durft die Wahl nicht treffen oder ihr dürf, ihr müsst, das darf ich natürlich nicht. Was ich aber darf, ist, mit SchülerInnen zu sagen, wir gucken uns die Wahlprogramme an zum Beispiel oder die Parteiprogramme oder wir gucken das Agieren von PolitikerInnen an, bestimmte Aussagen, und wir überprüfen die Aussagen dieser Partei, dieses Wahlprogramms auf ihre Konformität mit unserem Grundgesetz, natürlich.

Inga Feuser Und ich kann aber auch, wenn mich jemand fragt, und das ist nämlich der Fall von Max Anstendahl gewesen, wenn mir jemand fragte, Schülerinnen ankommen und sagen, wählen sie die AfD, dann darf ich natürlich sagen, ich persönlich wähle die AfD nicht und ich würde die auch niemals wählen, aus den und den Gründen, weil das nicht nur aus meiner Perspektive, zum Beispiel auch aus der Perspektiv des Verfassungsschutzes, eine rechtsextreme Partei ist und Rechtsextremismus verstößt in vielerlei Hinsicht gegen die Rechte der einzelnen Menschen.

Inga Feuser Ich muss das aus meinem Unterricht raushalten, wenn ich im Persönlichen gefragt werde, können das ja auch sehen. Es gibt Björn Höcke, ist Lehrer, also es gibt ja immer wieder auch Lehrer, die auch in Parteien aktiv sind, das können die ja auch rausfinden, die Schülerinnen. Natürlich muss ich das nicht heimlich machen, mich politisch engagieren. Ich muss es trennen von meinem Unterrecht, von meinem Amt.

Inga Feuser Wenn ich in meiner persönlichen Meinung gefragt werde muss ich die als persönliche Meinung kennzeichnen. Nicht als persönlichen Meinungen kennzeichnet, sondern klar. Als demokratischen Grundwert kennzeichnen, muss sich alles was mit Menschenrechten zu tun.

Ulf Buermeyer Also vielleicht, weil du es eben schon mal angesprochen hast, Stichwort, was ist dieser Beutelsbacher Konsens? Es ist natürlich, wie du völlig zurecht gesagt hast, kein Gesetz, ist aber quasi eine Handreichung für den Bildungsbereich, schon schnarch alt, aus von 1976 und gilt quasi als eine geschickte Lösung, wie man eben auf der einen Seite nicht parteilich ist, auf der anderen Seite aber wertebasiert und die Grundideen dieses Beutelbacher Consensus sind, ich hab's gerade noch mal nachgelesen, Das sogenannte Überwältigungsverbot, also man darf quasi Schülerinnen und Schülern nicht seine Meinung aufzwingen, man darf aber seine persönliche Meinung natürlich sagen und man soll sie dann ermunter, sich

Ulf Buermeyer eine eigene Meinung zu bilden, so wie du es im Grunde gerade gesagt hast, man redet darüber, ist das und das jetzt mit dem Grundgesetz kompatibel, ja oder nein, diese und jene Forderung und Dinge, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, muss man auch als kontroverse darstellen, man muss sie aber nicht als gleichwertig darstellen. Man darf da wiederum auch sagen, das Grundgesetz hat aber eine klare Sicht drauf.

Ulf Buermeyer Wenn keine Ahnung über Migration in der Gesellschaft gestritten wird, dann muss man schon sagen, es gibt da verschiedene Auffassungen. Das Grundgesetz allerdings hat zum Thema Menschenrechte und Rassismus eine ganz klare Perspektive.

Philip Banse Ja, und wie ist das jetzt? Du wirst von deinen Schülern im Unterricht gefragt sagen, was wählen sie denn persönlich eigentlich? Und dann sagst du Partei XY und die fragen, naja, warum wählen die denn eigentlich? Und dann sagt du, na ja, das sind die und die Gründe und dann könnte man ja argumentieren, artet das in so einer Art Werbeveranstaltung für Partei X, Y aus.

Philip Banse Ist das korrekt? Weil die Schüler fragen, die wollen es wissen, fragen nach und so, aber hier und so und so. Es geht ja eine halbe Stunde, ich übertreibe darum, welche Partei jetzt du wählst.

Inga Feuser Ich glaube, das erfordert einfach eine gewisse Souveränität auch in meinem Lehrerhandeln, dass ich einfach mir gut überlege, welche Antworten gebe ich an welcher Stelle und wie schaffe ich das jetzt da so zu formulieren und so zu argumentieren und inwieweit lasse ich mich auch darauf ein. Man kann ja zum Beispiel sagen, okay, wenn euch das interessiert, dann können wir das jetzt gerne besprechen, dann würde ich an dieser Stelle jetzt wirklich hier so ein bisschen das Framing verändern und sagen, wir sind jetzt gerade hier nicht im Unterricht, sondern ihr unterhaltet euch mit mir und dann erzähle ich euch das.

Inga Feuser Kann ich zum Beispiel machen. Schauen wir mal.

Ulf Buermeyer Also man gibt quasi ganz bewusst diese Autoritätsrolle auf. Ganz genau.

Inga Feuser Ganz genau. Dann fragst du mich jetzt nicht als Lehrerin, sondern fragst mich als den Mensch, Inga Feuser, was wählst du? Und dann kann ich ja sagen, also ich persönlich finde die und die Werte besonders wichtig. Kann ja über verschiedene Werte streiten. Ich sage mir ist Klimaschutz ein total wichtiger Wert, deswegen wähle ich die und die Partei. Mir ist soziale Gerechtigkeit total wichtig.

Inga Feuser Ich finde den und den Politiker total überzeugend. Ich glaube, der hat gute Ideen und so weiter. Also wenn ich das, ich kann natürlich sagen, Das ist meine Meinung, deswegen will ich die. Ja und Das ist richtig, ich muss aufpassen, dass ich das dann nicht ausnutze, um daraus eine Werbeveranstaltung für eine bestimmte Partei zu machen.

Inga Feuser Ich darf aber zum Beispiel auch, das ist total spannend, es gibt dieses Format, dass Abgeordnete des Bundestages Schulklassen zu sich einladen dürfen, aus ihrem Wahlkreis. Da kann ich ja dann zum Beispiel nur den Abgeordneten nehmen, der gerade direkt gewählt ist aus meinem Wahlkreis. Und dann habe ich ja auch gar nicht die Wahl. Das ist dann vielleicht ein Grüner oder ein SPDler.

Inga Feuser Und dann sagt mir ja auch keiner, du darfst jetzt aber nicht zu dem fahren, weil wenn du zu SPD fährst, dann musst du auch zu CDU und zur AfD und zu den Grünen.

Ulf Buermeyer Vier Fahrten wäre vielleicht ein bisschen viel, oder? Ja, genau.

Inga Feuser Die Grenzen sind viel weniger streng, als man denkt sozusagen, oder der Spielraum ist viel größer und gleichzeitig, das ist mir schon auch wichtig zu sagen, ist es natürlich in der Verantwortung des einzelnen Lehrers oder der einzelnen Lehrerinnen, sich an die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses zu halten.

Philip Banse Also nicht überwältigen, sondern darstellen.

Inga Feuser Genau, nicht überwältigen und verschiedene Positionen gegeneinander stellen, alles was in Gesellschaft und übrigens Wissenschaft kontrovers erscheint. Wichtig ist noch der dritte Grundsatz des Beutels Bacher Konsenses, der fällt oft unter den Tisch, der scheint nicht so interessant, der ist aber eigentlich der relevanteste.

Inga Feuser Der sagt nämlich, Schülerinnen müssen in die Lage versetzt werden, eine politische Situation zu analysieren. Und diese politische Situation gemäß ihrer eigenen Interessenslage zu beeinflussen. Das heißt, ich muss meine SchülerInnen dazu ermächtigen, zu sehen, was sind eigentlich meine Interessen als Schülerin.

Inga Feuser Zum Beispiel kann das ja sein, ich habe ein Interesse, dass es eine soziale Gerechtigkeit gibt. Oder kann auch sein, dass ich als Unternehmer Karriere machen kann. Also, möglichst...

Ulf Buermeyer Möglichst wenig Steuern sein.

Inga Feuser Ich habe ein Interesse, möglichst wenig Steuer zu sein. Genau. Also das können unterschiedliche Interessen sein und das heißt, immer im Rahmen des Grundgesetzes muss die Schülerin in die Lage versetzt werden, ihre Interessen zu erkennen und dann aber auch Mittel und Wege zu finden, die politische Lage zu beeinflussen im Sinne ihrer Interessen.

Inga Feuser Ich kann nicht sagen, ich habe das Interesse dass alle Menschen, die nicht über acht Generationen Deutsche sind, aus diesem Land ausgewiesen werden. Das nicht. Das, wie du die Nerven stößt, hast du gerade gesagt? Aber alles, was sich innerhalb unseres Grundgesetzes bewegt, können Schülern sagen, das ist mein Interesse und jetzt, wie kann ich mich denn dafür einsetzen?

Philip Banse Also wir haben ja wir hatten ja vor kurzem mit so einer Verwaltungsfrau aus Magdeburg gesprochen, also wo es Disput darüber gab, darf da jemand lesen? Ja, nein. Da war so die Erkenntnis, dass die AfD da Wind gemacht hat und in der Verwaltung es sehr große Unsicherheit gab. Was dürfen wir? Was können wir?

Philip Banse Was sollen wir? Dann natürlich auch so ein bisschen dazu kam, da deutet sich ein Konflikt an, den wollen wir jetzt vielleicht auch nicht unbedingt uns aufhalsen. Ein bisschen Arbeit vermeiden wäre auch ganz gut und so wurde dann in vorauseilendem Gehorsam das Geschäft der AfD verrichtet. Wenn ich dir so zuhöre, ist das auch ein Muster, was in der Schulverwaltung zu beobachten.

Inga Feuser Ganz bestimmt in der Schulverwaltung, aber auch unter den Lehrkräften selber.

Philip Banse Konfliktvermeidung, Arbeitsvermeiderung, ach da komm dann, lass gut sein.

Inga Feuser Genau, Unsicherheit, massiv. Also die Unsicherheiten, darüber gestern ist das deutsche Schulbarometer erschienen, das hat das auch noch mal bestätigt. Die Unsicherheitsunterlehrkräften ist riesig und das geht so weit, dass Lehrkräfte sogar Angst davor haben, diskriminierende Äußerungen zu widersprechen zum Beispiel.

Inga Feuser Das ist die Extremstform. Und dann lieber gar nicht reagieren, als sich dem zu stellen.

Philip Banse Als sich den Vorwurf einzuhandeln, Sie hier Neutralitätsgebot verletzt, Disziplinarverfahren und so weiter.

Inga Feuser Ich glaube, das ist das Ergebnis von unterschiedlichen Dingen. Einerseits dieser gezielten Strategie, das haben wir gerade schon gehabt. Das hat aber auch eine Geschichte. Also das hat natürlich auch die Geschichte, die auch der Beutelsbacher Konsens hat, nämlich dass man eben schon in den 70er Jahren, wo es ähnlich aufgeheizt war, LehrerInnen hatte, die versucht haben, für ihre Seite links oder rechts zu instrumentalisieren.

Inga Feuser Und das deswegen zum Beispiel. E-Mails dann regelmäßig an Lehrkräfte versendet werden, die sie an ihr Mäßigungsgebot erinnern, haben wir jetzt noch gar nicht darüber gesprochen oder so, aber daran erinneren, du musst Mässigung walten lassen oder so. Also das heißt, da hat sich so eine Tradition aufgebaut, die immer stärker dazu geführt hat, dass Lehrkräft irgendwie denken, sie müssten unpolitisch sein und immer vorsichtiger geworden sind.

Inga Feuser Das hat aber auch mit der Ausbildung zu tun, die wir als Lehrkräften erfahren. Also wir Das Referendariat zum Beispiel ist in der Regel nicht. So aufgebaut, dass wir gegen Widerstände vorgehen oder so, sondern das bringt eher Konformität bei. Und das sind so verschiedene Ursachen-Ebenen und deswegen ist es total wichtig, dass es eine ganz starke Klarheit von Seiten der MinisterInnen gibt, der KMK und den einzelnen MinisterInn, die sagen, ja, eure große Aufgabe ist die Verteidigung von Demokratie und Grundgesetz.

Ulf Buermeyer Und zwar nicht nur in der Theorie und abstrakt, sondern ganz konkret in den Einzelfällen, wenn irgendwelche Eltern frei drehen und sagen, jetzt bitte nicht über Queerness reden.

Inga Feuser Und da muss man sagen, dass die meisten KultusministerInnen das inzwischen auch machen. Also da muss eigentlich ein bisschen zur Bundesbildungsministerin, die das auch sehr klar nochmal gesagt hat, und zwar durch alle Parteien weg, machen das mehr oder weniger alle. Das kommt aber in den mittleren Schulaufsichtsbehörden dann irgendwie immer noch nicht so richtig gut an.

Inga Feuser Und das ist der Grund, warum wir diese Kampagne jetzt mit einem sehr breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis diese Kampsagne aufgesetzt haben. Die heißt Schule zeigt Haltung, da ist die Bundes-Schüler:innen-Konferenz mit drin, da ist die Deutsche Vereinigung für politische Bildung mit drin. Die GEW, Greenpeace und wir als Teachers for Future.

Inga Feuser Wir haben eine Petition aufgesetzt, die wir jetzt bald übergeben, inzwischen eine Viertelmillion Unterschriften. Haben eben so eine Aufklärungsbroschüre nochmal erstellt für Lehrkräfte und die Petition richtet sich aber wirklich gezielt an die Ministerien und an die Schulaufsichtsbehörden, die untergeordneten, mit und sagt ...

Inga Feuser Wir brauchen das und das und dass und das, um diesem Auftrag, Demokratie zu verteidigen, in unseren Schulen nachkommen zu können. Wir brauchen Handlungssicherheit. Das heißt, wir brauchen den Rücken gestärkt und eben nicht das, was in Magdeburg oder in Stendal passiert ist, sondern dass da solche Strategien der AfD klar abgeblockt werden und gesagt wird, nein, kein Neutralitätsgebot, kein Verstoß.

Inga Feuser Punkt. Ende. Ich nehme das gar nicht an.

Ulf Buermeyer Einfach weil es gar kein, das kann man glaube ich nicht deutlich genug sagen, es gibt kein Neutralitätsgebot, es geht nur das Verbot einzelne Parteien zu bevorzugen oder explizit zu benachteiligen, man muss halt inhaltlich argumentieren und nicht mit Parteienamen.

Inga Feuser Richtig. Wir brauchen klare Ansprechpartner, wir brauchen Rechtsberatung für die, die unter Druck geraten und wir brauchen aber auch bessere politische Bildung, zum Beispiel mehr Ressourcen für politische Bildung. Mehr Stunden für das Fach Politik, aber auch mehr Rassourcen für die schulübergreifende Demokratiebildung.

Ulf Buermeyer Aber ich würde es doch noch einmal ein bisschen plastisch machen. Ich verstehe total, warum natürlich die Ministerien und die Schulbehörden eigentlich vor allem in der Pflicht sind. Aber es gibt ja eben immer noch ganz viele Kolleginnen und Kollegen von dir, die quasi unter Strom gesetzt werden, sowohl von Eltern als auch von der jeweiligen vorgesetzten Behörde.

Ulf Buermeyer Und da ist doch im Grunde, wenn ich dich richtig verstanden habe, Teachers for Future auch so eine Art Selbsthilfegruppe. Du versuchst doch, du versuchts doch auch den Kolleginnen und Kollegen, also ihr versucht, Kolleginnen und Kolleginnen den Rücken zu stärken. Wie kann das denn konkret aussehen? Also was kann ich denn als Lehrerin, als Lehrer tun, wenn ich merke, ich kriege da Flak, ich kriege einfach Gegenwind, ich will aber eigentlich mich nicht verstecken, ich möchte zu meiner Meinung stehen.

Ulf Buermeyer Bandenbilden haben wir schon öfter gesehen.

Inga Feuser Ist, erstmal sich einen Verbündeten zu suchen, zu gucken, wer unterstützt mich, wer ist an meiner Seite, wer hilft mir. Das ist, glaube ich, das Allererste. Dann zu gucken wo steht die Schulleitung. Hilft, ist die auf Seiten der Lehrkräfte, auf Seiten der Demokratie oder ist die eher eine ängstliche Schulleitungen, die die Angst um den Ruf der Schule oder vor Disziplinarmaßnahmen oder sowas hat.

Inga Feuser Wenn ich das Gefühl habe, ich kann die Schulleitung kontaktieren. Es gibt ja auch immer ein Lehrerrat in einer Schule. An den kann man sich erst mal wenden, dann kann man gucken, dass man über den Lehrerrat an die Schulleitung rangeht. Wenn ich innerhalb meiner Schule keine Verbündeten finde, dann sollte man auf jeden Fall als allererstes sich an die Teachers for Future wenden.

Inga Feuser Weil wir auf jeden fall, also an eine Gruppe deines Vertrauens außerhalb deiner Schule. Also, du sollst die Verbündete suchen, die deine Situation nachvollziehen können, zum Beispiel, weil sie selber Lehrerin sind. Die Gewerkschaften sind ein super Ansprechpartner, die Gewerbschaft für Erziehung und Wissenschaft. Macht da total intensive und starke Arbeit, die bietet auch Rechtsberatung etc.

Inga Feuser Etc. Also das ist auf jeden Fall ein super guter Ansprechpartner. Sich selber auch nochmal bewusst machen, was darf ich denn, was darf ich nicht. Also wenn wir eine eigene Handlungssicherheit haben, selber informiert sein. Das kann man zum Beispiel auf der Seite schulezeigthaltung.de, da gibt es unsere Broschüre, da stehen ganz viele Einzelfälle drin, alle aufgeschlüsselt von einem Anwalt, der sich das alles nochmal vorgenommen hat.

Inga Feuser Genau, also selber eine Handlungssicherheit gewinnen, um sich nicht aus dem Tritt bringen zu lassen. Genau, das wären jetzt erstmal so die Dinge, die ich ...

Philip Banse Das klingt auch überzeugend, weil ich glaube, das scheint mir auch an dem Beispiel Magdeburg das zentrale Problem gewesen zu sein, wenn da Anforderungen kommen und du weißt nicht, was der Rahmen ist, was deine Handlungsoptionen sind. Ja, dann und du hast dann willst du nicht in einen Flick gehen, willst nicht noch mehr Arbeit haben, dann machst du das halt.

Philip Banse Wenn du wirklich informiert bist, dir klar bist darüber, was du machen darfst, was seine Aufgabe ist, wo die Grenzen sind, welche Grenzen du ziehen sollst, welche du ziehen musst, gibt dir das natürlich mehr Selbstverständlichkeit auch im Handeln. Und es fällt viel leichter, den Rücken gerade zu machen, was das angeht.

Philip Banse Mir scheint auch so ein bisschen so ein Learning, dass das Verunsicherung, Unklarheit über die Möglichkeiten des Handelns, über die eigene Aufgabe. Das war, glaube ich, jahrzehntelang auch nicht gefragt, sondern du bist halt Lehrer, Lehrerin geworden. Na ja, hast du so. Und jetzt kommt halt dieser Stresstest so oder wie siehst du das?

Inga Feuser Voll, also genau so ist es, das war lange, lange Zeit, war das ja auch gar nicht das Relevante, sondern da war es meine Hauptaufgabe, mich auf meinen Stoff zu konzentrieren. Dieser Mythos der vermeintlichsten, dieses Neutralitätsgebot, der hält sich trotzdem. Das skurrilste Beispiel, was mir irgendwie untergekommen ist, ist, dass LehrerInnen sagen, sie dürften eine Petition nicht zeichnen, als Privatmensch.

Ulf Buermeyer Als Privatmensch.

Inga Feuser Als Privatmenschen, ja. Also zum Beispiel es gibt hier in NRW Aufbruch Fahrrad und denen ist das tatsächlich öfter passiert. Die haben für dieses Volksbegehren Aufbrach Fahrrad, haben die Unterschriften gesammelt, dass Leute sagen, ich darf das nicht unterschreiben, ich bin Lehrerin.

Philip Banse Das ist natürlich eine krasse Bildungslücke, das ist eine totale.

Inga Feuser Aber es ist ein Versäumnis der Schulaufsichtsbehörden und ein Versäusmnis der Lehramtsausbildenden. Die das sozusagen, die Antwort war dann immer, ach so, ihr dürft auch nicht wählen gehen als Lehrer oder was. Also so weit war es gedient, auch in Zeiten nicht von aufgehitztem Rechts-Links. Und was ich auch noch mal wichtig finde, ist Fall Magdeburg und Fall Stendal, was du gesagt hast, finde ich, kann man auch nicht genug hervorheben, dieser vorauseilende Gehorsam.

Inga Feuser Und das ist total verrückt, weil das, glaube ich, aber auch so ein Ergebnis von gezielter Strategie ist und wir merken das an uns selber. Ich habe ja jetzt sehr oft auch in diesem Podcast AfD gesagt, dass wir selber bei jedem, bei allem, was wir tun, immer wieder überprüfen, dürfen wir das sagen, dürfen wir uns dazu äußern, du hast nach Shrinking Spaces gefragt, was ich immer wieder gut überlegen muss, ist, wenn ich mich jetzt klar äußere zu dieser und jedem Sachverhalt, ist das dann mit meinem Satzungsziel übereinbar, weil eine andere Strategie ist ja auch, kennen wir von Campact, die Gemeinnützigkeit zu entziehen.

Inga Feuser Da merken wir an uns selber, als Teachers for Future, müssen wir uns challengeen und jedes Mal wieder überlegen, lassen wir uns jetzt hier wirklich ins Boxhorn jagen und beziehen an der Stelle keine Stellung, weil wenn wir jetzt den Parteinamen zum Beispiel nennen, laufen wir dann Gefahr, dass die zum Finanzamt rennen und sagen, die Teachers for future machen Aktivitäten, die nicht mit ihrem Satzungsziel übereinbar sind, die machen gar nicht Bildung, sondern die agieren hier gezielt gegen eine Partei, den muss die Gemeinde zurecht.

Inga Feuser Die- Die-

Ulf Buermeyer Die Finanzbehörden sind da im Grunde genauso problematisch, wie du eben die Schulbehörde dargestellt hast. Das kenne ich aus eigenen Recherchen schon mal in anderen Kontexten. Dass es leider natürlich auch in Finanzbehören zum einen Hasenfüße gibt, aber natürlich auch AfD-Sympathisanten, die dann versuchen, über diese Spur Vereine unter Druck zu setzen. Das ist ein generelles Problem.

Ulf Buermeyer Kleiner Disclaimer, die Gesellschaft für Freiheitsrechte, die ich ja mitgegründet habe, wo ich früher mal im Vorstand war, hat da auch lange ein Verfahren geführt, übrigens um einen Verein in Ludwigsburg, der eben genau von der Richtung auch Gegenwind bekommen hat.

Philip Banse Genau, also ich würde zum Schluss, da ist ein Thema, glaube ich, was wir hier nicht verschweigen können und wollen, was hier auch schon ein bisschen angerissen wurde, ist dieses Handy, Social Media, Kinder, Jugendliche an Schulen. Wir fangen mal mit Social Media an. Gut oder schlecht für Kinder?

Inga Feuser Also generell würde ich sagen, dass die sozialen Medien für unsere Demokratie als Ganzes schlecht sind. Auf jeden Fall. Und dementsprechend natürlich auch für erstmal nicht gut sein können für junge Menschen. Auch da sind wir wieder meines Erachtens erstmal auf der systemischen Ebene, also es muss viel viel viel stärkere Regularien für die soziale Medien geben.

Inga Feuser Für Kinder, sag heute sehr oft, dazu gibt es Studien, aber dazu gibt's Studien, die zeigen. Dass Kinder, die viel auf Social Media sind, ein geringeres Selbstwertgefühl haben, stärker, schneller Depressionen bekommen, aus unterschiedlichsten Gründen. Also grundsätzlich schlecht, klar.

Philip Banse Dann noch mal als Ergänzung, ich hab beim Science Media Center noch mal nachgeguckt, was ist so die Forschungslage. Und die sagen, schreiben, es ist im Detail oft schwer nachzuweisen bei sozialen Medien, was das Ursache ist, was die genaue Wirkung ist. Aber natürlich gibt es wahnsinnig viele Indizien für diese Sachen, die du genannt hast.

Philip Banse Depressionen, Einsamkeitsgefühle, Ablenkung und so weiter. Und ich fand da diese Haltung von der Leopoldina, von dieser Wissenschaftseinrichtung. Ganz überzeugend, die sagt, ja, mag sein, dass es da im Einzelfall, sagen wir mal, Konnektivitätslücken, Ursache Wirkungslücken gibt, aber die Indizien dafür, dass soziale Medien den Kindern und Jugendlichen Schaden sind so stark, dass wir auch trotz dieser vereinzierten Wissenslücken klar dafür argumentieren würden, das einzuschränken aus einer Fürsorge heraus, dass wir nicht sagen, wir müssen hier bis zur letzten Studie warten, die da auch die letzte Lücke noch wasserdicht belegt. Sondern die Gefahren und die Indizien sind so groß, dass es schadet, dass wir sagen müssen, wir

Philip Banse müssen es schützen. Die Frage ist, wie? Also sagst du, keine Nutzung von Social Media für Jugendliche unter 16.

Inga Feuser Also im Zweifelsfall erst mal ja, würde ich sagen. Also ich glaube, ich finde das tatsächlich eine schwierige Frage, wo man nicht einfach so mit ja oder nein antworten kann. Und da spielt zum Beispiel eben auch rein wieder so ein Adultismus, denn es ist ja nicht so, als könnten Erwachsene deutlich besser damit umgehen.

Inga Feuser Also eigentlich müssten wir darüber diskutieren, das ist ein Social-Media-Verbot für alle.

Ulf Buermeyer Gut, aber ich meine, Erwachsene haben ja generell mehr Spielräume in unserer Gesellschaft sich selbst zu schaden, ne? Also wir sagen ja zum Beispiel, das ist der naheliegende Vergleich, wir sagen zum Beispiel auch Kinder und Jugendliche dürfen keinen Alkohol trinken, bis sie 16 werden und bis sie 18 werden, dürfen sie keinen harten Alkohl trinken.

Ulf Buermeyer Da kann man auch sagen, wahrscheinlich wäre es für uns alle besser, wir tränken gar keinen Alkol, soweit gehen wir als Gesellschaft nicht. Also ich finde, diese Differenzierung ist gesellschaftlich grundsätzlich akzeptiert.

Philip Banse Aber man muss ja auch sagen, also ich meine Kinder und Jugendliche sind in einer Entwicklung. Das Gehirn entwickelt sich, die Persönlichkeit entwickelt sich und mit 30 stehe ich einfach anders da als mit 16. Ich bin einfach sozialen Medien ganz anders ausgeliefert als mit 14 und 15. So ich finde diesen Unterschied muss man schon mal machen.

Inga Feuser Den will ich auch überhaupt nicht negieren, natürlich müssen wir den machen, da hast du vollkommen recht. Mir ging es darum, wieder die Perspektive junger Menschen auch einzubringen. Denn im Unterschied zu Alkohol hoffentlich, es sind soziale Medien etwas, was junge Menschen erst mal jetzt massiv nutzen, mit dem sie aufgewachsen sind, was sie bisher nutzen wollen und was man ihnen jetzt vielleicht, wo man das gefühlt, okay, das wollen wir dir jetzt wegnehmen.

Philip Banse Ich glaube, in der Bundesschülervertretung oder so hat er sich ja gegen ausgesprochen.

Inga Feuser Genau, die Bundes-Schüler-Innen-Konferenz.

Philip Banse So ist das so.

Inga Feuser Weil die aus einem und an vieler Stelle eben sagen, wir möchten gerne, dass mit uns entschieden wird und nicht einfach über unsere Köpfe hinweg entschieden wird. Und das war die Perspektive, die ich damit einbringen wollte. Und das finde ich jetzt erstmal wichtig, dass wir mit den jungen Menschen darüber reden.

Inga Feuser Nochmal zurück zu der Antwort, im Zweifelsfall ja, solange wir nicht in der Lage sind, eine angemessene Medien, eine wirklich fundierte angemessenen Medienbildung zu Und solange wir nicht... Eine viel stärkere Regulierung allgemein der sozialen Medien haben, würde ich sagen, gemäß der Fürsorgepflicht oder auch Vorsorgepflicht, dann lieber mehr schützen als hinter Better Safe Than Sorry, als hinterher sagen, ah, ups, hätten wir vielleicht machen sollen, weil jetzt haben wir den Beweis, hätten mir mal lieber vor fünf Jahren schon gemacht.

Inga Feuser Also ich würde sagen, im Zweifelsfall ja, aber ich bin nicht so jemand, der sagt, ja, auf jeden Fall müssen wir jetzt sofort und mit allen so, sondern mir ist wichtig, dass man halt erstens junge Menschen mit einbezieht in den Prozess. Und zweitens, dass wir die Medienbildung nicht vernachlässigen, weil was heißt das denn, wenn die dann mit 16, dann dürfen die endlich da rein und dann sehen die das ja trotzdem.

Inga Feuser Drittens, ganz ehrlich, die meisten werden das sowieso jetzt umgehen können. Das heißt, das soll alles kein Gegenargument sein gegen dieses Social-Media-Verbot, aber ich finde das zu leicht zu sagen, ja oder nein, sondern wir müssen halt genau hingucken. Was müssen wir generell an den sozialen Medien ändern und wie müssen wir das einführen?

Inga Feuser Und es ist viel wichtiger, dass junge Menschen oder genauso wichtig, dass jungen Menschen trotzdem lernen, damit umzugehen, zu erkennen. Was ist Ragebait? Was macht das mit meinem Gehirn? Was ist... Und so weiter und so fort.

Ulf Buermeyer Da sind wir jetzt beim, wo du jetzt sagst, lernen damit umzugehen, das ist ja quasi das zweite wichtige Feld, wo über Smartphones gerade diskutiert wird, nämlich Schulen. Also da gibt es ja zum Beispiel auch die Diskussion, was macht man mit Smartphones an Schulen, setzt man sie im Unterricht ein oder nicht und deswegen würde uns da glaube ich auch deine Position interessieren.

Ulf Buermeyer Also hältst du was davon, dass Smartphones tagsüber in der Schule verboten sind, also beispielsweise man darf sie mitbringen im Sinne der Sicherheit auf dem Schulweg, aber in der schule gibt es da eine Handygarage. Und da müssen die halt morgens um 8 eingesperrt werden und nach der 6. Stunde holt man sie wieder raus.

Ulf Buermeyer Was hältst du davon? Schule als Smartphone, freier Raum.

Inga Feuser Also ich glaube, das ist total wichtig, dass wir in unserer Gesellschaft Smartphone-freie Räume haben. Wir merken schon an uns selber, wie schwer es uns fällt, den Sog dieses Gerätes uns zu entziehen. Und wie du gerade gesagt hast, junge Menschen sind natürlich viel anfälliger. Deswegen, da bin ich schon ein Freund von zu sagen, es gibt einen freien Raum, wo wir das Smartphone verbannen.

Inga Feuser Und dann, da wird ja dann gesagt, der ist auch hilfreich im Unterricht, brauchen wir aber gleichzeitig natürlich digitale Endgeräte. Die wir den Schülern zur Verfügung stellen, mit denen sie...

Philip Banse Stattdessen.

Inga Feuser Jeder Schüler muss eigentlich, das kann man als Nachhaltigkeitsperspektive wirklich auch nochmal in Frage stellen, aber letztendlich für eine gute Medienbildung und für die Art, die Unterricht gerade funktioniert, brauchen wir eigentlich für jeden Schüler und jede Schülerin ein digitales Endgerät. Das muss immer zur Verfügung stehen, wenn ich es brauche.

Inga Feuser Das heißt ja nicht, dass ich die ganze Zeit alles mit dem iPad mache oder mit einem Tablet. Aber wenn ich sage, recherchieren, wenn nicht sage Medienpräsentation, dann ist eine Katastrophe, dass wir nicht so ausgestattet sind, dass ich dann den Schülerinnen das auch zur Verfügung stellen kann, sondern dass die dann wirklich, das ist auch absurd, also es gibt an meiner Schule so eine, jetzt gerade noch so eine Semi in die Regelung, wir sind gerade dabei, die auch zu überarbeiten, zu gucken, wie kann das besser funktionieren in der Diskussion, sind uns eigentlich auch einig, dass die Geräte stärker aus dem Schulalltag rausholen müssen, die Frage ist immer, wie, wie man das erreichen Aber wie viel

Inga Feuser die dann am Ende doch mit ihren Geräten machen, in Klammern, müssen, weil nicht genug iPads zur Verfügung stehen, weil die nicht verfügbar sind etc. Und sagen, wenn ich jetzt einen Film drehen soll, womit soll ich das machen?

Philip Banse Also das finde ich das Verlogenste an dieser Debatte. Also zu sagen alles muss raus, alles muss raus, aber dann sollen sie irgendwie Tafel, Kreide Tafeln, soll es dann irgendwie auch nicht sein. Also mit irgendwas müssen sie arbeiten, also muss man ihnen diese Geräte auch zur Verfügung stellen und das passiert halt in aller Regel dann zu selten und dann stehen sie entweder da oder du musst es trotzdem nutzen.

Philip Banse Also ich finde bei Smartphones ist es noch relativ einfach. Stellt die, ihr müsst vernünftige Technik zusammenstellen, dann kann das Zeug auch draußen bleiben.

Inga Feuser Ganz genau. Aber auch da, das ist auch interessant, das hat ja auch nochmal eine soziale Gerechtigkeitskomponente. Weil zum Beispiel spätestens ab der Oberstufe, aber meistens schon so ab den höheren Mittelstufen, kannst du Schülern ja die Möglichkeit geben, digital zu arbeiten, statt ein Heft zu führen, zum Beispiel.

Inga Feuser Das nutzen sehr viele Schülerein gerne, aber da schaffst du ja auch erstmal eine totale Ungleichheit. Wer kann sich das Tollste leisten? Wer kann es sich das gar nicht leisten? Wer schreibt immer noch im Heft? Wer? Und dann ... Hast du, dann weißt du nicht, was die damit machen, was man damit alles machen kann, was sind da für Apps drauf, hat der vielleicht eine SIM-Karte, hat die ganze Zeit mobile Daten. Das weiß ich ja alles, ich kann ja nicht jeden Tag die Geräte filzen.

Philip Banse Also noch ein Argument dafür, dafür bessere Technik zu sorgen. Also wo du sagst, so Medienbildung ansprechen. Ich habe neulich einen Podcast gehört von The Daily, da ging es darum KI in der Schule. Und da sagte so die Reporterin, na ja, jetzt rufen natürlich alle danach, wir müssen KI in die Schule bringen, die Schüler müssen damit umgehen und so weiter.

Philip Banse Aber sie stellte dabei in den Raum die Frage oder beziehungsweise wie es darauf hin, dass das ja ein wiederkehrendes Muster ist mit technischer Entwicklung. Das Internet kamen, alle haben gerufen, Schüler brauchen das Internet. Die müssen sich irgendwie mit diesem Internet beschäftigen. Die müssen das lernen.

Philip Banse Dann kamen die Smartphones. Dann haben die Leute gesagt, die Schüler brauchen Smartphones, sie müssen damit lernen, umzugehen, slash Medienbildung. Dann kam die Social Media. Dann wurde gesagt, ja, die Leute müssen mit Social Media umgehen. Das muss irgendwie in die Schule. Die müssen es wissen, die müssen es lernen.

Philip Banse Jetzt kommt irgendwie KI, die Leute müssen mit KI umgehen. Und ihre These war oder was sie gesagt hat von der New York Times war, der Erfolg dieser Medienbildung, der dann angeblich damit erreicht werden sollte, dass das alles in die Schule kommt, ist extrem zweifelhaft. Ob das funktioniert hat, ob dieser Push von der Technologie in die Schulen, ob das zu einer Medienbildung geführt hat, so wie sie am Anfang versprochen wurde. Und da würde mich mal aus deiner Erfahrung interessieren, ist das so? Hat da wirklich eine Medienbildung stattgefunden, weil Internet in der Schule ist, weil Smartphones in der schule sind, weil Tablets in der Schule sind und weil jetzt KI in der Schule ist?

Inga Feuser Da würde ich relativ klar sagen, nein, also die technologischen Entwicklungen waren ja meistens schneller, als die Kompetenzen der Lehrenden damit umzugehen. Ich glaube, dass wir, viele Lehrkräfte, sich bemühen und auf einem guten Weg sind, dass wir insgesamt aber in jeder Hinsicht nachholen, also auch bei sozialen Medien zum Beispiel, um da nochmal die Brücke zu schlagen, ist es uns ja bisher noch nicht gelungen, junge Menschen zu einem kritischen, distanzierten und mündigen Umgang mit den mit sozialen Medien zu befähigen.

Inga Feuser Das haben wir noch nicht geschafft. Kann man glaube ich so festhalten. Genauso sind Schülerinnen immer noch überfordert mit einer anständigen Internetrecherche. Also haben wir das auch nicht wirklich geschafft. Und jetzt kommt die KI und die kann auf einmal alles und das stellt uns als Schulen ja vor noch ganz andere Herausforderungen, weil das hinterfragt ja alles, das hinter fragt ja den Wirt, warum soll ich denn selber einen Aufsatz formulieren, wenn die KI das doch sowieso viel besser kann als ich.

Inga Feuser Und jetzt kann man sagen, ja, denn die müssen halt, also wir müssen gucken, dass wir zu einem reflektierten und intelligenten Einsatz von künstlicher Intelligenz irgendwie kommen. Da sind wir aber ehrlicherweise, wie auch vorher mit sozialen Medien und wahrscheinlich die Lehrer mit Internet vor 30 Jahren, erstmal selber auch total überfordert.

Philip Banse Ich fand in diesem Ding von der New York Times und im Daily war ein ganz gutes Beispiel, so nach dem Motto, ja, wie sieht denn so ein intelligenter Umgang aus? Und da hatten Sie so ein Beispiel genannt, dass halt eine Schule, wie auch immer, irgendeine Entität, eine KI, eine LLM, gebaut hat, die Sie Debatten-KI genannt haben.

Philip Banse Also wo die Schüler nicht eingeben, hier ist Thema XY, schau mir mal drei Sätze auf, sondern mit Argumenten pro, kontra und so, sondern, mit denen Sie nur debattieren können. Wo es ein Thema gibt und dann müssen sie Argumente bringen und die KI sagt ja, aber was denn mit dem Argument, was ist denn damit?

Philip Banse Und dann muss der Schüler sagen oder die Schülerin, ja, nee, da gibt es auch noch das andere Argument. So wie man halt jetzt, und das finde ich, in die Richtung kann das sehr gut gehen. Das finde ich erstmal sehr überzeugend.

Inga Feuser Da gibt es durchaus auch SchülerInnen, die das auch von sich aus schon rausgefunden haben, dass sie auch der KI einfach sagen können, hier, ich gebe dir mal meine Analyse, kannst du mir mal sagen, was ich daran besser machen kann oder stell mir doch mal bitte die und die oder ich muss morgen eine Klassenarbeit über das und das, stellen mir Übungsaufgaben oder so.

Inga Feuser Also, da gibt es schon auch Schülerinnen, die von sich auch schon drauf gekommen sind und ich finde, das ist auch ein super Beispiel, Dinge mit der KI diskutieren oder... Um nochmal eine Brücke zu schlagen, Friday, wir haben den bei uns an der Schule auch und die Schüler sollen jetzt selber Projekte planen, sind dann natürlich heillos überfordert und können das einfach nicht.

Inga Feuser Und da finde ich zum Beispiel auch völlig legitim zu sagen, ey, pass auf, wenn du jetzt dieses Projekt angehen willst, wenn wir jetzt einen Stand auf dem Markt organisieren sollst, frag doch mal die künstliche Intelligenz, wie du das angehen sollst und was du alles brauchst. Und dann kriegst du einen Plan und dann musst du es trotzdem selber machen. So in dem Fall ja, aber ich...

Inga Feuser Ich bleibe trotzdem dabei, dass wir als Lehrkräfte insgesamt erstmal jetzt vor einer so großen Herausforderung stehen, was den Wert auch unserer Bildung angeht und was auch den Umgang in der Schule konkret damit angeht. Also ich sag mal, ganz banales Beispiel, ich kann doch als, klar, wir geben unsere Handys ab am Anfang der Klausur, aber es ist doch easy, ein zweites Handy irgendwie auf der Toilette zu deponieren, Da kurz hinzugehen und zu sagen, Emilia Gallotti, Aufzug 3.

Ulf Buermeyer Erzähl mal.

Inga Feuser Szene 2, die soll ich analysieren, schreib mir bitte schnell eine Analyse. Und dann lese ich mir das einmal durch oder zweimal und dann gehe ich wieder rein und schreibe es auf.

Ulf Buermeyer Das in mein Kurzzeitgedächtnis? Ich habe schon ein paar Stichworte immerhin mitgekriegt. Verpasst du wenigstens immer. Aber ist das nicht auch quasi eine große Chance, eine argumentative Schützenhilfe für dein Konzept von Schule? Denn dieses Faktenwissen, dieses kurzfristige sich irgendwas reinpauken, das ist vielleicht eine Form von Wissen, die einfach in Zeiten von Internet und KI immer weniger wichtig wird, aber dieses sich selber Strukturen beibringen, quasi die Art und Weise, wie man Wissen erwirbt oder eben Demokratiebildung, soziale Erfahrungen zu machen, sozialen Kompetenzen zu erwerben, diese übergeordneten Ziele von Lernen, die du ja glaube ich ins Zentrum stellst, kriegen die nicht einfach wahnsinnig Rückenwind

Ulf Buermeyer durch diese, wie soll ich sagen, Vergänglichkeit und auch vielleicht Verzichtbarkeit von Fakten?

Inga Feuser Ja und nein, weil Faktenwissen ist tatsächlich ja gar nicht mehr so das, was wir, also den Schritt haben wir schon geschafft in Schule.

Ulf Buermeyer Ich muss nur noch Vokabeln pauken, so weiß ich es nicht.

Inga Feuser Ja, Vokabellernen ist aber ja kein Faktenwissen. Vokabel lernen ist ja ein ein Instrument, um eine Sprache zu erlernen. Und da gibt es bestimmt auch andere Instrumente, zum Beispiel Sprachbad oder so. Aber ich sag mal, das ist ein Hilfsmittel, um die Sprache zu erlernen. Und das kann dir niemand abnehmen, weil das ist ja ein Prozess, das Erlernen einer Sprache.

Inga Feuser Aber so pures Faktonwissen, ich sag' mal, Geschichtsunterricht. Da haben wir das total überwunden. Da muss niemand mehr auswendig lernen, wann wurde das Deutsche Reich gegründet.

Ulf Buermeyer Drei, drei, drei bei Isso's Keilerei, ne? Tra la la, das ist vorbei.

Inga Feuser So klar müssen die irgendwie bis in historischen Kontext, aber die Fakten zu kennen ist ja, aber da geht es um Kompetenzen und um Prozesse und so weiter und so fort. Und einerseits hast du recht, dass das sozusagen ganz gut zusammenpasst, insofern, dass die OECD hat schon, bevor KI in die Masse gegangen ist, gesagt, wir brauchen so viele Kompetentenzen fürs 21.

Inga Feuser Jahrhundert, die wissen wir alle noch nicht, die kennen wir alle nicht und das verstärkt sich dadurch. Aber andererseits... Fähigkeit, selber Texte zu lesen, zu erfassen, zu analysieren, kritische Mündigkeit. Dafür brauche ich Kompetenzen. Die kann ich mir von der KI simulieren lassen, was ich nicht kann. Und ich lerne die aber nicht.

Inga Feuser Das heißt, ich glaube, in der KI steckt trotzdem eine große Gefahr, dass wir die Basiskompetenze, die zum Beispiel für Demokratie unglaublich wichtig sind, auch verlernen können. Ja, im Falle vom debattieren sehe ich das total, dass das Sinn macht es, es damit zu üben, aber so eine... Text-Erschließungskompetenz halte ich trotzdem nach wie vor für unglaublich wichtig und auch eine Textproduktionskompetenz und so weiter.

Inga Feuser Und da haben wir große Gefahren und da habe ich auch keine Antwort drauf.

Philip Banse Ich würde sagen, das war's. Vielen Dank für deine Zeit. Vielen dank, dass du hier ausführlich Rede und Antwort und Inspiration gegeben hast. Danke für deinen Besuch in der Lage der Nation.

Inga Feuser Ich danke euch sehr für die Einladung.

Ulf Buermeyer Ja, das war ein Gespräch mit der Lage der Nation Inga Feuser. Sie ist Lehrerin an einem Kölner Gymnasium und zweite Vorsitzende des Vereins Teachers for Future. Und das war sie zugleich. Diese Folge der Lage, der Nation, eine weitere Sommerfolge. Wir wünschen euch weiterhin einen schönen Sommer. Bleibt euch gewogen.

Ulf Buermeyer Bis bald. Bis dahin. Winke, Winke. Tschüss. Tschüss!

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