Militär & Macht - die Analyse von ZDFheute live

Ukraine unter Beschuss, Russland geschwächt: Das bedeuten die gegenseitigen Angriffe für den Krieg

Freitag, 3. Juli 2026 · 36 min

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Shownotes

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Wenn der Krieg schlecht läuft für Russland oder wenn die Ukraine mit ihren Schlägen Russland wirklich wehtut, dann kommen diese verbrecherischen Vergeltungsaktionen. Ich wiederhole mich, aber es muss immer wieder gesagt werden, das sind zivile Ziele, zivile Wohngebäude, die hier angegriffen werden, sind alles Kriegsverbrechen.

ZDF heute. Militär und Macht. Die Analyse. Hallo zusammen, ich bin Philipp Wortmann. Schön, dass ihr wieder mit dabei seid. In dieser Woche spreche ich mit Militärökonomen Markus Kolb über den russischen Großangriff diese Woche auf Kiew. Laut Bürgermeister Klitschko waren es die stärksten Luftschläge seit Kriegsbeginn.

Aus russischer Sicht offenbar Vergeltung für ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur. Diese russische Vergeltung, vor allem gegen zivile ukrainische Ziele, sei typisch für Moskaus Kriegsführung, sagt Markus Kolb. Den habt ihr vorhin schon kurz gehört. Mit ihm wollten wir klären, wo steht Russland aktuell im Krieg, wie sind die gegenseitigen Angriffe beider Länder zu bewerten und was bedeutet das für die Menschen vor Ort.

Mit dabei in dieser Folge ist auch unser ZDF-Reporter Carsten Thurau, der für uns gerade in der Ukraine ist und von dort berichtet. Und er hat sich für uns in der Nähe der Front umgeschaut und umgehört. Zuerst wollte ich aber von Markus Kolb wissen, wie er den Großangriff auf die Ukraine einschätzt. Ja, es ist eigentlich ein altes Muster, das wir den ganzen Krieg über schon sehen.

Wenn der Krieg schlecht läuft für Russland oder wenn die Ukraine mit ihren Schlägen Russland wirklich wehtut, dann kommen diese verbrecherischen Vergeltungsaktionen. Ich wiederhole mich, aber es muss immer wieder gesagt werden, Das sind zivile Ziele, zivile Wohngebäude, die hier angegriffen werden, sind alles Kriegsverbrechen.

Aber Russland macht das eben immer, wenn es weh tut, also wenn der Krieg nicht so läuft, wie sie sich denken, um damit eben zu versuchen, die ukrainische Zivilbevölkerung, langsam in die Submission zu zwingen. Das funktioniert seit vier Jahren, seit über vier Jahren Krieg nicht. Es funktioniert auch jetzt nicht, aber es ändert nichts an der verbrecherischen Art dieser Kriegführung.

Sie merken aber eben daran, dass Russland das schon wehtut, die Schläge, die die Ukraine im Moment gegen die russische Petroökonomie durchführt. Da reden wir ja später noch drüber. Es ist natürlich traurig, dass wir immer wieder dieses Muster sehen. Wir schauen später, Sie sagen es auf diese, auch ukrainischen Angriffe sprechen auch im Laufe dieses Streams auch noch über die Lage an der Front.

Bleiben wir vielleicht mal bei diesen Angriffen aus der Luft. Wir sehen, viele Militärexperten kommen zu dieser Einschätzung in den vergangenen Monaten, in den vergangenen Wochen kaum Bewegung an der Front. Sprechen gleich mit unserem Reporter in der Ukraine nochmal drüber. Wir hören ja aber auch immer wieder, dass die Ukraine ihre Fähigkeiten im Luftkampf massiv ausgeweitet hat, ausgebaut hat, da in der technischen Entwicklung von Drohnen enorme Schritte nach vorne gemacht hat.

Zeigen diese russischen Angriffe dann aber doch vielleicht auch, dass Russland in diesem Luftkrieg doch noch eine gewisse Kraft entwickeln kann? Man muss das Ganze ein bisschen auseinanderhalten. Also das eine ist ein altes Problem der Ukraine, das wir seit Kriegsbeginn unverändert haben, nämlich sie ist nicht in der Lage, vollständig ihren Luftraum zu kontrollieren, beziehungsweise ihren Luftraum vollständig zu schützen gegen russischen Beschuss.

Also sei es mit Marschflugkörpern, mit ballistischen Raketen oder mit Drohnen, ganz einfach, weil sie nicht genügend Mittel hat zur Luftverteidigung und auch nicht genügend Mittel zur eigenständigen Luftkampfführung. Das heißt also insbesondere nicht genügend Kampfflugzeuge. Das wird sich mittelfristig ändern. Sie hat ja jetzt zum Beispiel von Schweden die Zusage bekommen, Gripenkampfflugzeuge zu bekommen.

Nur bis die einsatzfähig sind, dauert das natürlich eine Zeit lang. Und so lange nutzt Russland das selbstverständlich aus. Also Russland kontrolliert zwar nicht vollständig den Luftraum der Ukraine, aber sie können sich immer noch mit diesen Aktionen relativ ungestraft bewegen. Das heißt also, die russischen Flugzeuge bleiben meistens im russischen Luftraum, schießen von dort aus ihre Marschalkörper ab.

Und treffen dann ukrainische Ziele. Das ist das eine, oder? Und die Ukraine steht immer vor schwierigen Problemen, wenn das passiert. Sie muss also ihre wenigen Mittel quasi konzentrieren. Sie kann nicht alles gleichzeitig schützen und sie konzentriert diese Mittel eben vor allem auf die Städte und auf die wichtigen Infrastrukturen, die geschützt werden müssen.

Das andere ist ihre Offensivkapazität, das heißt also ihre Kapazität selbst mit Luftkampfmitteln, also sowohl mit ihren Marschflugkörpern. Als auch Drohnen in Russland Schläge auszuführen. Und da ist sie eben sehr erfolgreich, also insbesondere jetzt auch auf der Krim. Und das liegt eben daran, dass der russische Luftraum, anders als der sowjetische Luftraum, nicht flächendeckend dicht ist und auch gar nicht flächendeckend zu schützen ist.

Das ist also ironisch, weil Russland hat sozusagen eigentlich das gleiche strukturelle Problem wie die Ukraine. Sie haben nämlich auch nicht genügend Luftverteidigungsmittel. Und das, was sie haben, das ist hauptsächlich konzentriert um Putins Machtbasen, nämlich in Moskau und in Petersburg. Das heißt also, die Ziele, die weit in der Provinz sind und wo auch Putin oder die Generäle gedacht haben, das wird nie angegriffen, weil die Ukraine dazu gar nicht in der Lage ist.

Das wird eben nun angegriffen und nun zeigt sich eben, wie verwundbar so eine Raffinerie ist und wenn sie mal getroffen ist, wie schnell die außer Gefecht ist und wie viele Monate es dauert, die zu reparieren. Das heißt, sie haben in Russland nicht genügend Luftverteidigung, um quasi jetzt eine S-300 oder S-400 Batterie vor jede Raffinerie zu stellen.

Und das ist ein Effekt, den die Ukraine sehr erfolgreich ausnutzt. Also man kann sagen, sie dreht eigentlich diese russische Idee um und richtet, die Energie des Krieges zurück nach Russland. Also der Krieg wird nach Russland hineingetragen, insbesondere auch nach Moskau. Und Sie merken eben, was ich häufig sage, das moderne Russland ist nicht die Sowjetunion. Also es hat viel weniger militärische Mittel als die historische Sowjetunion.

Und dieser Beschuss der Ukraine, der passiert in Wellen. Also das sind nicht einzelne Drohnen oder Marschallkörper, das sind 400 oder 500 auf einmal. Davon werden einige hundert sicher abgeschossen, aber 80 kommen durch. Und mindestens eine trifft dann die Raffinerie. Also das ist wirklich Kriegführung per Masse.

Und dazu war die Ukraine noch in 23 und 24 nicht in der Lage. Also damals haben wir, ich glaube es war Ende 24, dass wir erstmals Schläge gesehen haben gegen die russische Ölindustrie. Aber das war damals wirklich punktuell. Damals hat man auch gesagt, ja, vielleicht Glückstreffer oder naja, so ein Nadelstich.

Aber mittlerweile sehen Sie eben den Übergang der Ukraine zur Massenproduktion von Drohnen und von Marschallkörpern und zur massenhaften Bombardierung dieser kriegswichtigen Infrastruktur in Russland. Man muss auch sagen, dieser Beschuss, das sind natürlich militärische Ziele, die da angegriffen werden. Also die Ukraine hält sich ans Kriegsvölkerrecht, Russland nicht mit seinem zivilen Beschuss.

Und wir sehen also jetzt eine andere Intensität der Kriegführung, zu der die Ukraine in der Lage ist und die Russland wirklich wehtut von seinem Wirtschaftsmodell. Ja, soweit die erste Einschätzung von Militärökonom Kolb. Ihn hört ihr dann gleich nochmal. Jetzt gehen wir aber zu unserem Reporter Carsten Thurau nach Koropowel.

Das ist in der Nähe von Kharkiv und er hat uns von dort seine Eindrücke der jüngsten russischen Angriffsfälle geschildert. Eine heftige, intensive, ja fast brutale Angriffswelle, die die Menschen hier, vor allem natürlich in Kiew, so noch nicht erlebt haben. Wir haben aus Kiew gehört, dass es sehr früh einen Luftalarm gab, was relativ ungewöhnlich ist, nämlich so zwischen 18 und 19 Uhr, der nicht aufhörte.

Normal kennen wir das auch aus Kiew, dass es immer wieder am Tag kurze Alarme gibt, in der Nacht dann sehr spät, meist 1, 2, 3 Uhr nachts. Die dauern nicht lange. Entweder hört man die Flugabwehr oder man hört tatsächlich vielleicht auch eine Pershing-Rakete, die aufsteigt, um eine Rakete abzuschießen.

Aber das sind Einzelfälle und dauern meist nur sehr kurz. Letzte Nacht war anders. Relativ früh gab es Luftalarm, der nicht aufhörte. Und dann wurde eben tatsächlich mit allem fast zur Verfügung stehenden Mitteln angegriffen. Mit 500 Drohnen, mit ballistischen Raketen, mit Marschflugkörpern. Wir selbst waren gestern Nachmittag in Chakiv, also etwa eine Autostunde von hier entfernt.

Dort begann der Angriff etwas früher. Nicht so intensiv, muss man dazu sagen, wie in Kiew. Aber auch dort gab es Gleitbomben, wir hörten Einschläge. Und wie es heißt, sind zwei Menschen hier in Chakiv ums Leben gekommen. In der Nacht dann an unserem Ort, ganz in der Nähe, gibt es wohl eine Drohnenflugstation, Drohnen, die hier abgeschossen werden in Richtung russische Grenze, also ukrainische Drohnen, die hier in die Luft geschossen werden.

Und das ging tatsächlich gestern Abend ab 11 Uhr im Minutentakt, muss man sagen. Die ukrainischen Drohnen, die hier über unseren Köpfen hier in Richtung hinter mir in Richtung russische Grenze abgefeuert wurden. Also wir wussten gestern Abend schon, diese Nacht ist eine wohl ganz besonders schlimme. Carsten, jetzt haben wir gestern, eben bevor dieser Luftalarm in der Ukraine losging, am Nachmittag miteinander telefoniert.

Kurz gesprochen, da hast du uns gesagt, zur Stimmung im Land, du nimmst das so wahr, dass viele Menschen in der Ukraine eben einen großen, einen koordinierten russischen Angriff gerade fürchten und darauf warten, dass der jederzeit kommen könnte. Jetzt gab es eben in der jetzt vergangenen Nacht diese große Angriffswelle.

Wie nimmst du am Tag heute, am Tag danach die Stimmung in der Ukraine bei den Menschen wahr? Die Menschen sind mit ihren Kräften, muss man sagen, am Ende. Viereinhalb Jahre Krieg sowieso, aber die letzte Nacht, die Menschen waren entweder in ihren Wohnungen, weil sie in ihren Häusern keine geeigneten Schutzräume haben, waren in ihren Bädern, in der Hoffnung dort sozusagen einigermaßen sicher zu sein.

Sie waren in Schutzräumen oder eben in Metrostationen. Station, haben natürlich alle Einschläge auch mitbekommen und es war laut und, haben gemerkt, also diese Angriffswelle ist jetzt wirklich sehr, sehr heftig. Sie war angekündigt worden. Es war, wie du schon sagtest, erwartet worden, dass das irgendwann passiert.

Man hat auch lange darauf gewartet, mehr als zwei Wochen, weil bei jeder Erfolgsmeldung, die wir hier hören, der ukrainischen Armee, beispielsweise im Kampf, auf der Krim oder an anderen Orten, dass ukrainische Drohnen bis weit ins russische Gebet hineindringen und für Chaos sorgen, wartet man eigentlich auf die Antwort aus Russland.

Sie war lange erwartet worden. Es wurde erwartet, dass sie heftig ausfällt. Der Präsident hat auch noch am Abend davor gewarnt, dass die Leute doch wohl am besten Schutzräume aufsuchen. Und so ist es dann auch gekommen. So, jetzt warst du heute eben in Kramatorsk unterwegs. Du bist dorthin gefahren mit deinem Team aus Sicherheitsgründen nur für ein paar Stunden.

Wir müssen vielleicht noch dazusagen, Kramatorsk ist eine Stadt, die für die Ukraine von sehr, sehr großer strategischer Bedeutung ist. Und deswegen versucht Russland auch schon lange, diese Stadt eben einzunehmen. Wir sehen sie jetzt hier gerade unweit der Front. Vielleicht magst du uns einmal beschreiben, was ihr da heute erlebt habt.

Wie war dein Eindruck in dieser umkämpften Stadt? Das waren schon einige sehr eindrückliche Stunden, die wir dort verbracht haben und mit den Menschen gesprochen haben in Kramatons. Das sind ja nur etwa 18 Kilometer zur Front. Man muss wissen, in dieser Stadt lebten einmal 150.000 Menschen, also eine mittlere Großstadt.

Zwei Drittel davon ist inzwischen geflohen, ist gar nicht mehr in der Stadt. Meistens sind es jüngere Menschen, Menschen mittleren Alters. Das heißt, das Stadtbild ist jetzt im Moment geprägt von älteren Menschen, von Menschen, die entweder nicht fliehen können oder vielleicht auch einfach in ihrer Heimat bleiben möchten.

Von Menschen, denen es nicht so gut, Seniorinnen und Senioren, die nicht sehr viel Geld haben und eben Militär, eine ungeheure Militärpräsenz, viele Soldaten. Diese Mischung ist eben dort in Kramatorsk zu sehen. Und ja, die Stadt wird fast zu einer Festung ausgebaut. Wir sehen überall, dass Panzersperren errichtet werden, Stacheldraht gegen mögliche Infanterie, dass man also befürchtet, vielleicht Kramatorsk so nah an Russland nicht mehr lange halten zu können. Das waren unsere Eindrücke dort.

Sehr beklemmend, muss man sagen. Es harren noch einige Menschen dort aus, viel Militär. Aber niemand weiß, wie es eigentlich mit dieser Stadt jetzt in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht. Carsten Thurer war das, unser Reporter in der Ukraine zugeschaltet aus Koropove. Danke dir Carsten, alles Gute für dich und dein Team. Dankeschön.

Also in Kramatorsk erhöht die russische Armee gegenwärtig den Druck auf die Ukraine. Wie sieht es aber insgesamt an der Front aus und wie ist auch die Lage in Russland? Das wollen wir weiter vertiefen mit dem Militärökonom Markus Kolb. Herr Kolb, wir haben es jetzt schon besprochen in diesem Stream. Es gibt und gab in den letzten Wochen und Monaten insgesamt kaum Bewegung an der Front.

Über Kramatorsk haben wir jetzt gerade gesprochen am Eindrücke von Carsten Thurau, gehört. Wie würden Sie denn die Lage insgesamt an der Frontlinie, also auf dem Boden, Luftkrieg haben wir auch schon angeschnitten, gerade beschreiben? Ja, vielleicht könnten wir die Karte nochmal anschauen, weil der Ort, über den man sprechen muss, wenn man über Kramatorsk spricht, ist Konstantinivka.

Das ist sozusagen ein strategischer Zwischenschritt, der erforderlich ist, um diesen Festungsgürtel. In dieser Region rauszunehmen. Also Kramatorsk muss man zusammen sehen mit der Stadt Slavyansk, die jetzt hier nicht auf der Karte ist, aber vor allem mit diesem Ort Konstantinivka, den Sie da unten sehen.

Die Schlacht von Konstantinivka, beziehungsweise der Vormarsch der Russen in dieses Gebiet, der geht seit etwa über einem Jahr voran. Und Sie sehen hier die übliche russische Taktik. Der Ort wird nicht frontal genommen, sondern man arbeitet sich von den Seiten her vor. Also versucht diesen Ort sozusagen von unten, von oben, von links und rechts einzuschließen. so eine Art Kessel zu bilden, sodass die Ukraine sich zurückziehen muss, bevor die Truppen dort eingeschlossen werden. Ein Muster, das wir den ganzen Krieg übergesehen haben.

Konstantinivka ist die Vorstufe, die sie zunächst einmal nehmen müssten, bevor sie auch nur ansatzweise daran denken könnten, nach Kramatorsk vorzustoßen. Und jetzt sehen wir eben in diesem Frühjahr und Sommer etwas fundamental anderes, zu dem, was wir in den vergangenen Kriegsjahren gesehen haben, Nämlich, dass die russischen Offensiven nicht mehr oder nur noch unter sehr, sehr hohen Verlusten überhaupt vorankommen.

Ich habe ja schon häufig die Verlustrate der Russen erwähnt, sowohl beim Material als auch beim Personal. Wir sehen aber dieses Mal, dass eben der massenhafte Einsatz von Drohnen, über den ich vorhin gesprochen habe, der findet ja nicht nur gegenüber den russischen Raffinerien statt, sondern auch an der Front.

Also die Ukraine versucht quasi eine Art Drohnengürtel zu errichten, also ein Korridor, wo sie... Wo sie zwar dagegen anrennen können, aber einfach nicht mehr durchkommen. Also sprich, sobald sie sich 100 Meter irgendwo hinbewegen, werden sie von einer Drohne entdeckt, die rucht 20 andere Drohnen herbei und sie werden sofort abgeschlossen und können sich nirgendwo verstecken in diesem Gelände.

Und das macht den russischen Vormarsch sehr, sehr langsam und sehr, sehr blutig. Also noch langsamer und noch blutiger, als wir ihn in 2024 oder 2025 gesehen haben. Das heißt, die Idee der Ukrainer ist quasi zu sagen, Und wir können nicht verhindern, dass die Russen ihre Kräfte in diesem Sektor massieren.

Die Russen haben auch numerisch gesehen sehr viel mehr an Soldaten und Material dort konzentriert. Aber sie sagen, das ist aber nicht die einzige Front, sondern es gibt genauso diese Front in Russland. Also quasi wir sind sehr viel schneller dabei, das russische Petro-Modell zu zerstören, als ihr auf Kramatonsk vorrücken könnt. Das ist das eine.

Und das andere ist ein Motiv, über das ich bei Ihnen schon in 23 sehr häufig gesprochen habe, nämlich die logistische Isolierung der Krim. Sie haben jetzt vielleicht in den vergangenen Monaten gesehen, dass die Ukraine sehr erfolgreich Brücken, Verkehrsknotenpunkte, Eisenbahnlinien, Straßenbrücken. Also sowohl auf der Krim selber beschossen und zerstört hat, als auch Straßenverbindungen, die der Küste entlang führen, also zum Beispiel nach Mariupol.

Und sie müssen sehen, dass diese beiden Bewegungen oder diese drei Bewegungen gleichzeitig passieren. Also sprich, einerseits sagt man, wir versuchen den Vormarsch der Russen so weit wie möglich zu verzögern in Richtung Kramatorsk und Slavians. Und gleichzeitig versuchen wir schneller zu sein, nämlich Russland in seinem militärischen Zentrum zu treffen. Das ist nach wie vor die Krim, also das Zentrum der militärischen Operationen, vor allem auch das Zentrum des Nachschubs.

Und gleichzeitig versuchen wir in Russland die Petroökonomie kaputt zu machen. Also es ist sozusagen ein Kampf an drei Fronten gleichzeitig, wo man sagt, wir nehmen hin, dass wir die Front im Donbass lediglich halten oder verzögern und versuchen quasi, Russland schneller dort wehzutun, wo jede Bewegung oder Operationsführung unmöglich wird. Ich halte das für ein sehr kluges Konzept.

Eines, das eben an der Logistik ansetzt und Sie wissen ja, ich sage häufig, dass. Die Kriege eben nicht gewonnen werden durch irgendwelche spektakulären Schlachten, sondern von demjenigen, der langfristig die bessere logistische Durchhaltefähigkeit hat. Und Russland ist eben an diesen beiden Punkten, also der Nachflug, der über die Krim kommt und bei seiner eigenen Petroökonomie, die die wirtschaftliche Grundlage des Krieges bildet, sehr verwundbar.

Und die Ukraine versucht eben, diese beiden zu treffen. Also es findet sozusagen Angriff und Verteidigung gleichzeitig statt. Und man muss diese Dinge in Verbindung sehen, sonst sieht man das Kriegsbild nicht vollständig. Weil Sie jetzt gerade die Soldaten, die eben verletzt werden oder gestorben sind, an der Front schon angesprochen haben.

Vielleicht kann ich an dieser Stelle noch einmal eine Studie ergänzen, die eben heute auch Schlagzeilen macht. Das ist eine Studie aus Washington vom Zentrum für Stratege und internationale Studien, die eben heute, rausgekommen ist mit der Zahl, dass in diesen mehr als vier Jahren Vollinvasion gegen die Ukraine mehr als zwei Millionen Soldaten auf beiden Seiten getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet wurden.

Die meisten auf russischer Seite. Vielleicht daran nochmal von mir angeschlossen die Frage, für wie geschwächt halten Sie die russische Armee gegenwärtig? Also ich würde sagen, noch hat Putin genügend Menschen. Es ist auch nicht so, dass er irgendwelche Skrupel hätte, diese Menschen hinzuopfern. Diese Zahl mag Ihnen schrecklich erscheinen, aber wie ich immer sage, verglichen, wir sind jetzt etwa bei der Verlustrate des Krimkriegs mit 1000 Casualties pro Tag.

Aber wir sind noch lange nicht an den Verlustraten des Zweiten Weltkriegs oder bei Schukow-Methoden, wo also wirklich Millionen ins feindliche Feuer geschickt werden. Man muss aber auch sehen, dass das Rekrutierungsmodell, das Russland derzeit fährt, also sprich Rekrutierung über Mobilisierungsprämien, Rekrutierung vor allem in den ethnischen Regionen, dass das so langsam ans Ende kommt.

Also die Bilanz, zynisch gesagt, hat sich ins Negative verändert. Also Russland verliert im Moment mehr Menschen an der Front, als es durch seine Mobilisierung nachschieben kann. Das heißt also noch hat es sozusagen Reserven massiert, die es einsetzen kann, aber diese Reserven, die schmelzen ab und die sind auch durch noch so großzügige Mobilisierungsprämien nicht mehr zu ersetzen.

Aus dem einfachen Grunde, weil halt in manchen Regionen nicht mehr genügend Menschen vorhanden sind. Das klingt zynisch, ist aber die Realität. Das heißt, wenn Sie jetzt sagen, ich möchte als Putin, ich möchte diesen Krieg, weiterführen, dann wird ihm irgendwann nichts anderes übrig bleiben, als zu einer neuen Mobilisierung überzugehen. Also so wie er es im September 2022 gemacht hat.

Das wäre aber verbunden mit einer neuen Flucht beziehungsweise Auswanderungswelle der Russen. Also müsste er gleichzeitig versuchen, die Grenzen zu schließen. Aber dann würde sich Russland innerlich wahrscheinlich unter sehr starke innere Spannungen begeben. Also ich bin nicht ganz sicher, ob er wirklich bereit ist, dieses Risiko einzugehen.

Auf der anderen Seite ist er immer weniger in der Lage, diese Frage zu kontrollieren. Weil diese Frage, die entscheidet eben die Front und nicht Putin. Und wenn er sieht, wie seine Reserven abschmelzen und sagt, ich kann aber nicht zurück, weil sonst ist es eine Bankrotterklärung und dann bricht mein Regime zusammen und ich werde dann nicht überleben.

Dann wird er wahrscheinlich irgendwie neue Menschen finden müssen. Und das geht nur noch über Mobilisierung. Danach fragen sich auch einige User. Einer fragt die beispielsweise, warum melden sich denn immer noch Freiwillige, so sagt es der User hier zur russischen Armee, ob sie die Lage an der Front dort nicht kennen.

Wir können davon ausgehen, dass das Bild, was da in Russland vermittelt wird, sicher kein realistisches ist von der Front. Vielleicht noch eine andere Frage, die sich hier ein User aufwirft, da wir jetzt auch schon über die ukrainischen Angriffe eben auf die Öl-Gas-Infrastruktur in Russland gesprochen haben.

Mir möchte ein User wissen, welche Auswirkungen hat denn die aktuelle russische Treibstoffkrise, die Putin am Wochenende eben auch, einige sagen, eingestanden, andere sagen, angedeutet hat, auf die Nachhaltigkeit und die Intensität der russischen Luftkampagne gegen ukrainische Städte. Wie würden Sie die Frage dieses Users beantworten?

Also zur ersten Frage. Es ist nicht so, dass sie sich in Russland nicht objektiv über den Krieg informieren könnten. Das heißt also, sie sind nicht darauf angewiesen, Staatsfernsehen zu schauen. Die meisten Russen haben ein VPN und können sich relativ gut Informationen verschaffen. Also auch wenn das Internet in Russland natürlich zensiert ist, sie können mit dem VPN ohne Probleme alles empfangen und sich alles angucken, was sie wollen. Also es liegt sicher nicht daran, dass die Leute dumm sind oder über keine objektiven Informationen verfügen.

Jetzt müssen wir aber auch sehen, dass das Durchschnittseinkommen in den ärmeren Regionen Russlands so niedrig ist, dass die Mobilisierungsträmie quasi ein Vermögen bildet. Also nehmen Sie Tuva oder Boyazien, da liegt das durchschnittliche Monatseinkommen bei 200 bis 300 US-Dollar. Ich betone pro Monat. Ja, also das sind eben die Regionen Russlands, die dann die Russland-Versteher nicht so gerne erwähnen, wo ich Ihnen aber jederzeit empfehle, schauen Sie sich Videos an oder fahren Sie selber hin, damit Sie dieses Entwicklungsland da wirklich mal sehen.

Und wenn Sie solche Verhältnisse haben und Sie verdienen mit der Mobilisierungsprämie das Zehnfache. Dann ist das für sie quasi rational, zu sagen, okay, vielleicht überlebe ich nicht, aber ich mache in der kurzen Zeit, wo ich noch lebe, so viel Geld, dass meine Familie abgesichert ist für den Rest ihres Lebens.

Sie bekommen übrigens auch Todesfall bzw. Invalidenversicherung, also zumindest auf dem Papier. Der Trick ist dann eben, dass Putin häufig sagen lässt, ja, aber du bist gar nicht gestorben, du bist vermisst. Wenn sie nur vermisst sind, gibt es kein Geld. Also sie müssen dann schon objektiv gestorben sein.

Es sind dann alles so Tricks, aber es ändert nichts am Kalkül. Es gibt einen wunderbaren Aufsatz von Wladimir Inosianzov, der hat das mal genannt, Death Economics, also die Ökonomie des Todes. Sie müssen einmal bitte kurz erklären. Wenn sie so aussichtslos sind, dann ist das rational für sie, das in Kauf zu nehmen.

Von wem ist dieser Aufsatz, dass wir das nur einmal verstanden haben? Wladimir Inoziontsev, das ist ein russischer Analyst, der sehr, sehr gut über die inneren Verhältnisse von Russland schreibt. Ich empfehle Ihnen dazu eine Seite und zwar Riddle Russia. Also wenn Sie ridl.io mal eingeben in Ihren Browser, das sind mit die besten Russland-Analysen, die Sie überhaupt kriegen.

Und da finden Sie auch diesen Artikel Death Economics. Okay, und wer steckt dahinter? Das sind unabhängige Analysten. Genau, das sind unabhängige Analysten, die natürlich im Ausland sitzen, aber sehr, sehr gute Russland-Kenner. Ich lese diesen Blog auch regelmäßig. Also es ist wirklich so sehr, sehr gute Insider-Informationen.

Es ist ja auch in diesem Krieg, ein Krieg heutzutage ist immer auch ein Informationskrieg, deswegen ist auch immer gut zu wissen, woher entsprechende Informationen kommen. Herr Kolb, schauen wir vielleicht nochmal in die vielen Fragen, die wir hier bekommen von unseren Usern. Eine Frage und ich bin gespannt, ob Sie die Einschätzung dieses Users hier auch teilen, die da mitschwingt und wie Sie dann die entsprechende Frage beantworten.

Und zwar schreibt hier dieser User, Russland hat diesen Krieg de facto militärisch in Klammern Ende 2022 und politisch in Klammern 2025 verloren. So sagt es der User. Wann verliert Russland die letzte wichtige Komponente für einen Krieg und zwar die wirtschaftliche? Passende Frage an den Militärökonom.

Ja, da mache ich mir kurz ein Lesezeichen im Kopf, aber ich schulde noch eine Frage an den anderen User, nämlich, welche Folgen hat hier die aktuelle Benzinkrise? Ah, sehr gut. Das Interessante ist, wenn Sie erlauben, dann möchte ich das nicht unterschlagen, weil das ist nämlich wichtig für die Frage, die Sie jetzt gerade gestellt haben.

Wir sehen interessanterweise Bilder jetzt aus Russland, die wir zuletzt in der Sowjetunion gesehen haben in den 80er Jahren, nämlich lange Schlangen vor den Tankstellen um staatliche Güter, die es nur noch gibt, wenn sie Glück haben. Da sehen wir es. Also das erinnert mich an das Fernsehen meiner Kindheit, also an Bilder aus der Sowjetunion.

Menschen stehen Schlange vor der Tankstelle und wenn sie das extrapolieren, vielleicht stehen Menschen bald Schlange vor Lebensmittelgeschäften. Weil sie müssen auch denken, Treibstoffmangel hat ja auch Auswirkungen auf die agrarische Produktion. Weil womit läuft denn der Traktor? Ja genau, mit fossilen Treibstoffen.

Also sprich, dieser Mangel übersetzt sich nicht nur in weniger industrielle oder private Mobilität, sondern auch in weniger Agrarproduktion. Das heißt also, dass die Einnahmenbasis Russlands fundamental damit vermindert wird. Und das ist sicher das Kalkül der Ukraine. Also die Ukraine ist ja zynisch Realsanktionen, also die Einnahmenbasis der Petroökonomie zu zerstören. Und jetzt, wenn ich das jetzt verbinde mit der Frage, die Sie gerade gestellt haben, dann ist das eigentlich genau der Punkt.

Ich habe ja schon früher gesagt, dass Russland den Krieg strategisch verloren hat. Das habe ich bereits in 23 gesagt. Damals hat man mich für verrückt erklärt. Mittlerweile, nach über drei Jahren, kommt man so langsam auf die Idee, na ja, also vielleicht hatte er nicht so komplett Unrecht mit der Aussage.

Weil sie halt denken müssen, die ganze Operation, so wie Putin sie geplant hat, die hätte nur funktionieren können mit einem Enthauptungsschlag. Also wenn sie sofort funktioniert hätte, die Ukraine einfach zusammengebrochen wäre oder sie, zu einem Satellitenstaat degradiert wäre, dann hätten sie die Schockwirkungen der Sanktionen und die Kriegskosten abfedern können und wieder zurückgehen können zum normalen Wirtschaftsmittel. Da sie das nun aber nicht können, erodiert so langsam ihr fragiler, kleiner, wie soll ich sagen, Staatsaufbau. Und das gilt in verschiedener Hinsicht. Es gilt in politischer Hinsicht, wie der User richtig sagt. Russland verliert zunehmend an globalem Einfluss, verliert seine kleinen Hilfsdiktatoren.

Es gilt in militärischer Hinsicht. Russland kann zwar seine aus der Vergangenheit geerbten Reserven hinopfern, aber nur bis die weg sind. Und dann ist nichts mehr da. Also Neuproduktion findet im Wesentlichen nicht statt. Die sogenannte Neuproduktion ist das Instandsetzen älterer oder aus der Sowjetunion geerbter Systeme.

Und jetzt, wie der User auch richtig sagte, die letzte Komponente, die noch übrig ist, ist die wirtschaftliche. Also sprich die Produktion in den Raffinerien. Und das Erste, was jetzt schwindet, ist der Export. Also Sie merken jetzt, wenn es zu Hause keinen Treibstoff mehr gibt, das geht nicht. Sie müssen die Leute bei Laune halten. Sie müssen also zumindest physisch diese Treibstoffe anbieten. Wahrscheinlich müssen sie sie auch bald subventionieren, weil sie sonst einfach zu teuer werden.

Also heißt das, es gibt keinen Export mehr von Benzinprodukten. Russland war ja früher ein ganz bedeutender Exporteur von Benzinprodukten. Und jetzt haben sie gerade heute auf Bloomberg die Meldung, dass Russland Benzin aus Indien importiert. Das ist eigentlich die größte Ironie. Das gab es nicht mal in der Sowjetunion.

Also die Sowjetunion hat Nahrungsmittel importiert in den 1980er Jahren aus Westeuropa und den USA, weil sie ihre eigene Bevölkerung nicht ernähren konnte. Aber sie hatte immer genügend Benzin und Diesel. Es war zwar manchmal rationiert und sie mussten Schlange stehen, aber es gab wenigstens diese physischen Treibstoffe.

Und jetzt, wenn sie sowas haben, sie importieren aus Russland Benzin aus Indien. Das ist eigentlich eine komplette Bankrotterklärung. Und darauf setzt eigentlich die Ukraine. Dass es mit immer weiter sinkender Raffineriekapazität nicht mehr möglich ist, dieses Petro-Modell noch sehr lange zu führen. Also erst bricht ihn der Export weg und dann bricht ihn die Binnenversorgung weg.

Und dann beginnen die Leute aber so langsam auf Passiv zu schalten und zu sagen, okay, wenn Putin jetzt weg ist oder irgendwas passiert ist, ist uns egal, weil wir können hier nicht mehr Auto fahren. Und das ist den Leuten dann doch wichtiger. Also hier sehen wir diese Bilder, wie das aussieht. Nehmen Sie das mal 80.

Also überall in der russischen Provinz sehen Sie diese Bilder. Es brennt durchschnittlich eine Raffinerie pro Tag. Also das ist Wahnsinn. Gegenüber 2024, 2025, wo das nur vereinzelte Aktionen waren. Und jetzt wird das einfach flächendeckend und systematisch bombardiert. Und wenn diese wirtschaftliche Basis weg ist, dann lässt sich der Krieg zumindest in dieser Intensität nicht mehr führen für Russland. Das heißt dann nicht zwingend, dass er aufhört.

Aber er würde dann auf eine sehr viel niedrigere Intensitätsstufe zurückgehen. Aber angesichts der Situation, der Lage, die Sie jetzt gerade beschrieben haben, wie schwer fällt es da, Putin gegenwärtig Angriffe, Angriffswellen durchzuführen, wie sie die Ukrainer in der vergangenen Nacht erlebt haben?

Und vielleicht noch daran angeschlossen, die Frage eines Users, Rainer möchte gerne wissen, warum ist es denn eigentlich nicht möglich, die Stellungen auszuschalten in Russland, von denen aus eben die ballistischen Raketen auf Ziele in der Ukraine abgefeuert werden? Also man muss sagen, noch hat er genügend Mittel für diesen Beschuss.

Also wenn wir zum Beispiel die Rinschall-Missiles nehmen, die werden ja von Tupolev-Maschinen abgeschossen. Davon hat Russland mittlerweile den Großteil verloren oder ist in nicht mehr einsatzfähigem Zustand. Teilweise werden die auch ausgeschlachtet, also die Ersatzteile verbaut in noch bestehende Maschinen.

Aber noch haben sie genügend Mittel. Also sprich, selbst wenn sie nur noch sieben oder acht Stück haben, das reicht für so einen Beschuss. Jetzt muss man aber andererseits auch sagen, wenn so eine Beschusswelle kommt, dann wird die monatelang vorbereitet. Also sprich, die Ressourcen müssen sie erst einmal zusammenziehen, damit sie so einen Beschuss durchführen können.

Und auch wenn das jetzt schrecklich klingt, aber von der Intensität her haben wir in diesem Krieg schon viel Schlimmeres gesehen. Also vor allem in 2022, 2023 in den Raketenwintern, als Russland versucht hat, die ukrainische Energieinfrastruktur zu zerstören. Da muss ich sagen, die Intensität dieser Schläge nimmt ab und auch der zeitliche.

Abstand zwischen diesen Schlägen nimmt zu. Das heißt, Russland hat zwar noch die Möglichkeit, aber ich denke, dass diese Schläge immer schwieriger zu organisieren sein werden. Was aber nicht heißt, dass sie aufhören. Zur zweiten Frage, warum beschießt man nicht die Abschussbasen? Das macht die Ukraine. Sie hat das auch letztes Jahr zum Beispiel, wir erinnern uns an die Operation Spinnennetz, recht erfolgreich geschafft.

Russische Militärflugplätze zu treffen. Also das passiert schon. Aber es gibt halt einfach sehr viele dieser Abschlussbasen und die meisten haben eben auch gute Luftverteidigung. Das heißt, das ist nicht so einfach, quasi diese militärischen Ziele zu treffen. Und nochmal, das ist immer bei dem, was ich vorhin gesagt habe, die Ukraine überlegt sich dann, wie kann ich meine begrenzten Mittel so einsetzen, dass sie maximale Effektivität erzeugen. Und wenn sie sagen, okay, ich müsste sehr viele Drohnen gegen so eine Abschlussbasis hinschicken, und die hätten nur geringe Chance durchzukommen, dann würde ich diese knappen Mittel eher investieren in den Beschuss der Raffinerien und sagen, ich nehme hin, dass vielleicht alle acht Wochen so ein verbrecherischer Angriff von Russland kommt.

Aber dafür kann ich in diesen acht Wochen, wo dann wieder nichts passiert, die Raffinerien so kaputt machen, dass Russland viel, viel mehr wehtut, als wenn ich so einen Militärflugplatz rausnehmen würde. Also das ist das strategische Kaltrüh. Das heißt, die nehmen bewusst diese Kosten in Kauf, weil sie sagen, meine begrenzten Mittel kann ich besser einsetzen, also mit einer größeren Effektivität.

Herr Kaupp, schauen wir vielleicht nochmal nach vorn. Der Westen, auch die Ukraine drängt weiter auf Verhandlungen, aber Verhandlungen, bei denen Putin eben ein ernsthaftes Interesse daran erkennen lässt. Das tut er gerade in den Augen vieler nicht. Welche Optionen hat Putin überhaupt noch militärisch? Und vielleicht daran angeschlossen noch die Frage, wie wird es in den nächsten Wochen, in den nächsten Monaten weitergehen?

Naja, militärisch hat er immer die Option, den Krieg auf eine niedrigere Intensitätsstufe herunterzufahren. Also zum Beispiel zu sagen, ich setze mich einfach im Gelände fest, ich muss nicht zwingend vorstoßen und ich versuche einfach weiterhin diese Abnutzungsstrategie zu fahren. Das wird aber nicht funktionieren, weil, wie gesagt, dafür brauchen sie die Krim als Hauptlogistikzentrum und die Ukraine wird immer besser darin, die Krim logistisch zu isolieren. Das heißt, das wird nicht funktionieren.

Er könnte selbstverständlich den Krieg abbrechen, das wäre aber politischer Selbstmord, weil da braucht er irgendein Exit-Narrativ, wie er das erklären will. Das könnte ich mir nur dann vorstellen, wenn wirklich wieder so eine Prigorshin-Fahrt losgeht. Also wenn seine eigene Machtbasis so sehr wanken würde oder er so unter Druck kommt, dass er sagt, ich brauche meine Machtmittel innerhalb von Russland, um meine eigene Herrschaft zu sichern. Ja, ansonsten wird er selbstverständlich auf.

Seine Hauptwaffe setzen gegenüber den Westen. Und das ist die Unterwanderung, also die Instrumentalisierung von rechts- und linkspopulistischen Parteien, um zu versuchen, in Europa politische Umstürze herbeizuführen, um eben die Unterstützungsbereitschaft für die Ukraine zu sabotieren. Also er hat noch genügend Mittel.

Er kann aber eben eigentlich nur sein altes Spiel des 20. Jahrhunderts spielen. Also er ist halt letztlich Opfer seiner eigenen Prägung. Er kennt nur ein Spiel, er kann das sehr gut spielen, aber Sie merken halt, wie das 21. Jahrhundert eben sich langsam in eine ganz andere Richtung entwickelt und er eben zunehmend mit seinem verlorenen Erbe dasteht, das zwar numerisch noch massiv ist, ihm aber immer weniger nützt als militärischer Effektion.

Also fassen wir nochmal zusammen. Putin hätte zwar die Option, den Krieg militärisch herunterzufahren, ein tatsächliches Kriegsende, käme aber einem politischen Selbstmord gleich, so formuliert des Militärökonom Markus Kolb. Entscheidend für den Krieg bleibe für beide Seiten die von Russland besetzte Halbinsel Krim.

Wir bleiben da für euch dran. Jede Woche sprechen wir hier nämlich in unserem Militär-Update mit Experten, unseren Korrespondenten und Reportern über Entwicklungen und Hintergründe aktueller Kriege. Und zwar mit detaillierten Karten. Analysieren wir dann die Lage an der Front für euch. Schaut da gerne mal rein auf YouTube und in der ZDF Heute App.

Und da könnt ihr dann auch eure Fragen an unsere Gäste stellen. Danke, dass ihr in dieser Folge auch wieder mit dabei wart. Bis zum nächsten Mal hier bei Militär und Macht die Analyse. Tschüss.

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