Militär & Macht - die Analyse von ZDFheute live

Woran Trump und Putin gerade mit ihren Kriegen scheitern

Donnerstag, 11. Juni 2026 · 49 min

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Shownotes

Zwei Konflikte prägen gerade die globale Lage und in beiden wächst der Druck. Verlieren Trump und Putin die Kontrolle? Während der Ukrainekrieg längst tief ins russische Hinterland reicht, verschärft sich auch die Lage im Nahen Osten weiter.

Ukrainische Drohnen treffen gezielt Ölraffinerien, Rüstungsbetriebe und zentrale Infrastruktur. Damit gerät zunehmend ein entscheidender Pfeiler von Putins Macht unter Beschuss, nämlich die Energie- und Kriegsökonomie.

Auch im Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich die Lage zu. Nach neuen militärischen Zwischenfällen werden die Drohungen schärfer und der Ölmarkt reagiert zunehmend nervös. Die Auswirkungen sind weltweit spürbar.

Militärökonom Marcus Keupp sieht dabei ein gemeinsames Muster: Sowohl Putin als auch Trump passen sich demnach zu wenig an die Kriegsführung des 21. Jahrhunderts an. Geprägt von militärischer Stärke und fossilen Ressourcen bliebe ihr Denken im 20. Jahrhundert zurück. Doch dieses Modell gerät jetzt an seine Grenzen.

Welche Auswirkungen hat das auf beide Kriege? Darüber spricht Carsten Rüger bei „Militär und Macht – Die Analyse“ mit dem Militärökonomen Marcus Keupp. Aus der Ukraine berichtet Dara Hassanzadeh.

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Das alles generiert eine Art tödlichen Cocktail, weil nichts davon hat Putin wirklich unter Kontrolle. Russlands Großangriff auf die Ukraine dauert nun schon länger als der gesamte Erste Weltkrieg. Und längst erschüttert er Putins Macht durch Drohnenangriffe militärisch und wirtschaftlich im eigenen Land.

Mein Name ist Carsten Rüger und in dieser Podcast-Folge spreche ich mit Militärökonom Markus Keup nicht nur über diesen Krieg, sondern auch über den zwischen den USA und Iran. Denn wie für Putin stellt sich auch für Trump die Frage, verliert er militärisch und wirtschaftlich die Kontrolle über die Auseinandersetzung im Nahen Osten?

Ich habe mittlerweile aufgehört zu zählen, wie oft Trump uns schon gesagt hat, die Sache ist vorbei und wir haben demnächst ein Deal und so weiter. Sie sehen tatsächlich hier, was ich immer so ein bisschen bezeichne als der Krieg des 21. gegen das 20. Jahrhundert. Also sprich, Trump kommt hin mit seinem Denken des 20. Jahrhunderts und sagt, was wollt ihr denn? Mein Militär ist größer als eures, ich habe Flugzeugträger, ihr nicht.

Ich habe ganz moderne Waffensysteme, ihr nicht. Also ich bombe euch einfach in Grund und Boden. Sie sehen jetzt aber, dass das Ganze nicht so wirklich funktioniert, wie er sich das gedacht hat. Auch diese Abstimmung mit Israel funktioniert nicht so ganz, wie er sich gedacht hat. Israel stellt sich jetzt hin und sagt, nö, also wir machen nötigenfalls alleine weiter.

Also auch an all diejenigen, die ja manchmal so aus der rechten Ecke Israel als Klientelstaat der USA bezeichnen. Das sieht überhaupt nicht so aus, als ob er hier, obwohl er immer zu diesen martialischen Gesten neigt, hier der große Oberkommandant sei, der alles im Griff hat. Ganz im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, die Situation entgleitet ihm und zwar sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Ich glaube, über wirtschaftliche Sachen sprechen wir ja später noch.

Aber tja, irgendwann müsste er jetzt mal in nächster Zeit entweder mit einer Erfolgsmeldung oder einem Deal kommen, weil sonst erreichen wir nämlich eine physische Grenze im Ölmarkt und dann kommt er wirklich bösartig unter Druck. Ja, da sind Sie schon bei einem ganz entscheidenden Punkt, Der Ölmarkt, die Straße von Hormuz.

Vor zwei Tagen entern US-Kräfte einen indischen Tanker. Heute steht ein Tanker vor der Küste Omans in Flammen. Aber es ist ja völlig egal, ob jetzt die US-Amerikaner auf Schiffe schießen, sie blockieren oder die Iraner auf Schiffe schießen. Letzten Endes ist diese Doppelblockade in der Straße von Hormuz ja etwas, das fatale Folgen für die Weltwirtschaft hat. Spitzt sich das Problem jetzt nach drei Monaten Krieg einfach wirklich extrem zu?

Ja, also man muss sagen, die Blockade ist ja vor allem psychischer Natur. Also es gibt ja keine Seeblockade im maritimen Sinne, dass die Schiffe physisch nicht durchkommen würden. Es ist nur einfach so, dass kein Räder und kein Underwriter diese Schiffe auf die Reise schickt, eben weil die Gefahr besteht, dass diese Schiffe attackiert werden.

Also, und das sehen wir hier auf den Bildern, also stehen die hier so in großen Parking Lobs. Also sie sind quasi auf Ankerpositionen und warten auf bessere Zeiten. Jetzt haben wir aber das Problem. Als das Ganze losging, da hatten wir ja ungefähr 22 Millionen Barrel pro Tag Unterversorgung am Ölmarkt.

Dann haben die Saudis ihre Ost-West-Pipeline angeworfen mit 7 Millionen Barrel-Kapazität pro Tag. Und diverse kleinere, wie zum Beispiel die kurdische Pipeline, sind auch angeworfen worden. Das hat die Minderversorgung auf jetzt etwa 14 Millionen Barrel reduziert. Aber trotzdem, uns fehlen nach wie vor seit März 14 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Und wenn sie eine fossile Weltwirtschaft sind, dann können sie das einfach nicht lange durchhalten. Jetzt haben sie ja sicher mitbekommen, die IEA hat diesen Record Release von 400 Millionen Barrel. Die internationale, müssen wir noch dazu sagen, die internationale Energieagentur, die hat eben Reserven auf dem Markt gebraucht. Die hat das autorisiert im März an Record Release, also der größte Release der Geschichte, 400 Millionen Barrel.

Das Problem ist nur, dieser Release kommt jetzt auch so langsam ans Ende. Also die Lager leeren sich wirklich physisch und der Markt ist im Moment noch so ein bisschen. Man sagt ja in denial, das heißt also er geht davon aus, es wird schon noch rechtzeitig irgendein Deal oder irgendeine Lösung geben, aber wenn nicht, dann müssen wir uns wieder einstellen auf ein Szenario stark steigender Ölpreise und das innerhalb von einigen Wochen.

Also wir erreichen jetzt wirklich eine physische Kapazitätsgrenze am Markt, gegen die man nicht mehr wirklich viel machen kann. Und das setzt Trump natürlich selbst extrem unter Druck, weil die Inflation, die dann passiert über die Energiepreise, die kriecht natürlich dann auch in die Warenpreise, also mit anderen Worten die Warenpreise seiner Wähler, die dann in den Walmart gehen und sich fragen, wieso ist hier alles 20 Prozent teurer?

Und wenn am 3. November die Midterms sind, dann ist das genau das Szenario, das sie als US-Präsident nicht brauchen. Jetzt hat genau dieser Trump heute fleißig in die Tasten gehauen und hat wieder viele Posts losgeschickt auf True Social. Er sagt heute, die von den USA verhängte Blockade iranischer Häfen sei ja äußerst effektiv, wirke Zitat wie eine Stahlmauer.

Teheran könne gar keine Geschäfte mehr machen, seine Soldaten nicht mehr bezahlen, läge quasi am Boden. Aber wer hält eigentlich länger aus? Wer hat den längeren Atem? Iran oder Trump, der ja eben die Wahlen und die Umfragewerte im Nacken hat. Naja, jetzt zynisch gesagt, das iranische Regime hat einen großen Vorteil, dass es auf die Lebensumstände, den Wohlstand oder die Zufriedenheit der Bevölkerung überhaupt keine Rücksicht nehmen muss.

Es ist eine brutale Diktatur, die letztlich sagen kann, meine eigenen Machtinteressen, die sind mir wichtiger als der Wohlstand des Volkes. Das wäre mal das eine. Das heißt, auch sowas wie Beliebtheit oder Akzeptanz muss dieses Regime keine Rücksicht nehmen. Abgesehen davon, dass es Millionen gibt im iranischen Volk, die dieses Regime aktiv unterstützen, was man auch noch dazu sagen muss.

Und das andere ist natürlich, der Iran ist nicht gänzlich isoliert. Er wird durchaus bedient über Schmuggelkanäle, beispielsweise aus den Arabischen Emiraten, also genauer gesagt aus deren Sonderwirtschaftszonen. Es ist auch nicht so, dass die Öltanker, die der Iran zum Beispiel nach China sendet, jetzt aufgebracht werden von den Amerikanern. Also der Iran ist durchaus in der Lage, seine Ölproduktion noch zu exportieren.

Trump hat manchmal ein merkwürdiges Verhältnis zur Realität. Das erinnert mich manchmal an die Postmodernen. Also er glaubt quasi, indem er irgendetwas schreibt, dass das dann Realität würde. Und wenn das nicht so ist, dann wird er schrecklich wütend. Aber Realität wird es nicht. Die Realität am Ölmarkt ist, dass wir uns eben auf diese physische Kapazitätsgrenze zu bewegen. Und die wird ihm viel, viel mehr wehtun als dem Iran.

Sie sprechen es gerade an, Trump schreibt und schreibt und schreibt, wir sind einem Deal nahe, nur noch wenige Tage, dann ist das Abkommen eigentlich perfekt und das hat er ja getan, um im Grunde genommen die Märkte zu beruhigen. Aber wenn Sie jetzt eben auch auf die aktuellen Zahlen gucken, der Ölmarkt eben heute, ich lese also, reagiert äußerst nervös, weil eben dieser Trump jetzt gar nicht mehr beruhigt, sondern eben heute tatsächlich wieder mit Post-Iran droht mit Angriffen und wie sind die Reaktionen an den Märkten?

Ja, also wenn das eine verbale Intervention sein sollte, dann würde ich sagen Fail. Also verbale Intervention geht anders. In seiner unbedarften Art, ich weiß schon, dass er ein bisschen versucht, daraus eine beruhigende Wirkung abzuleiten, aber er erzeugt genau das Gegenteil. Der Markt sieht das physische Kapazitätslimit.

Der Markt fragt, geht die Straße auf, ja oder nein? Ist die Antwort nein, bleibt der Preis hoch? Ist die Antwort länger nein, wird der Preis weiter steigen? So einfach ist das. Und was er sich so zusammenreimt in seinem alternativen Fantasie-Universum, das interessiert den Markt nicht. Der Markt hat immer recht.

Der Markt ist eine objektive Realität und der bewertet die Informationen so, wie sie sind und nicht, wie sie Trump erscheinen. Und wenn Trump das jetzt merkt und merkt, er verliert so langsam seinen Einfluss auf den Markt, dann könnte tatsächlich etwas passieren, das wir schon mehrfach gesehen haben. Wir kennen mittlerweile die Abkürzung TACO, Trump always chickens out.

Haben wir beim Liberation Day gesehen, wo ihn der Kapitalmarkt ja damals auch, diszipliniert hat, also genauer gesagt der Anleihemarkt, weil Japan vor allem gesagt hat, du übertreibst bitte nicht, weil wir halten sehr viele deiner Staatsanleihen. Und wenn du uns zu dumm kommst, dann werfen wir die alle auf den Markt.

Und plötzlich war Trump gar nicht mehr so wild unterwegs mit seinen Zöllen. Ich könnte mir vorstellen, dass wenn diese Situation am Ölmarkt sich nicht bald bereinigt, dass etwas Ähnliches eintritt. Also dass der Markt ihm sehr, sehr deutlich signalisiert, wenn du nichts machst, gut, dann kriegen wir halt Ölpreise von 140 Dollar, dann kriegst du halt Inflationsdruck, das ist uns dann egal und dann schau halt zu, wie du deine Midterms überlebst.

Also es läuft jetzt so auf eine gewisse Klimax zu, die in den Sommermonaten, sich dann in irgendeiner Form entscheiden muss. Die Lage im Nahen Osten spitzt sich also für Trump auch wirtschaftlich weiter zu. Jetzt also zum zweiten Kriegsschauplatz in der Ukraine. Unser Reporter Dara Hassanzadeh berichtet von dort über Vermittlungsbemühungen eines russischen Oligarchen und neue Drohnenangriffe auf Russland.

Ja, die Ukraine ist wieder mit ihren Langstreckendrohnen, auf die russische Ölindustrie abgezielt. Und das waren ziemlich lange Treffer, tief im Land drin, 700 Kilometer und bis 1200 Kilometer weit. Getroffen wurde zum Beispiel bei Samara Pumpstationen und gewisse Ölraffinerien wurden auch schon mehrfach angegriffen.

Das ist eine Erfahrung, die die Ukrainer auch gemacht haben, als die Russen ihre Kraftwerke systematisch angegriffen hatten. Dann wird das ein Wettbewerb zwischen Wiederaufbau und neuen Angriffen. Und irgendwann fehlen Ersatzteile, irgendwann ist die Substanz so getroffen, dass die Infrastruktur komplett ausfällt.

Das ist im Endeffekt die Strategie, die die Ukraine in Russland verfolgt. Aber auch Russland hat wieder Drohnen geschickt. 373 russische Drohnen sind in den letzten 24 Stunden auf die Ukraine abgeschossen worden von Russland aus. Davon konnten 327 abgeschossen werden. Aber das bedeutet, dass halt 46 auch einschlugen.

Und nicht nur die Treffer sind gefährlich, sondern auch die explodierenden Trümmer-Teile. Und da ging zum Beispiel ein Drohnenteil in Sumy am Bahnhof nieder. Und die Gefahr ist hier alltäglich und die Dimension der Angriffe aus Russland auch. Jetzt zielt ja die Ukraine offenbar immer mehr auch auf die Nachschubwege des russischen Militärs.

Erschwert den russischen Truppen die ganze Logistik. Ganz frisch melden eben ukrainische Partisanen den Rückzug der Russen von der Kinburn-Halbinsel, die ist ja gar nicht weit weg von Odessa. Ist das so ein Beispiel dafür, dass man eben die Logistik, die Nachschubwege trifft, die Russen sich dadurch auch zurückziehen müssen?

Zum einen ist das nur eine Aussage der Partisanen. Das Verteidigungsministerium hat das noch nicht bestätigt. Man geht eigentlich noch davon aus, dass es noch russische Soldaten auf dieser Landzunge gibt. Diese Landzunge ist geostrategisch schon entscheidend, weil es am Ende der Mündung. Des Bugflusses liegt und der Hafen von Mikolaiv dort den Zugang hat.

Von der letzten Spitze, ich war da schon vor zwei, drei Jahren. Ist die Distanz zur ukrainischen Seite nur wenige Kilometer. Da sitzen sie sich also wirklich ganz nah gegenüber. Und durch diese Mid-Strike oder Mid-Range Drohnen, die die Ukraine jetzt auch in großer Stückzahl zur Verfügung hat, ist es ihnen gelungen, im Rückraum der Front große Erfolge zu erzielen.

Zum einen treffen sie viele Soldaten, zum anderen Kommandoposten und natürlich die Nachschubwege, weshalb die Versorgung der vordersten Frontlinie für Russland extrem schwer wird. Und diese Stelle, gerade an der Südfront, ist auch die Versorgungslinie zur Krim. Und auf der russisch besetzten Krim gibt es auch Mangel an Kraftstoff.

Lange Schlangen haben sich gebildet. Die Schwarzmarktpreise sind auf über drei Euro pro Liter angestiegen. Allerdings ist die Versorgung mit Kraftstoff für die Armee anscheinend gegenwärtig noch gesichert. Und Experten glauben jetzt auch nicht, dass in nächster Zukunft ein größerer Rückzug der russischen Frontlinie bevorsteht. Aber Russland ist gerade da unten an dem Assov-Meer.

Sehr unter Druck, was die Versorgung ihrer Truppen angeht und was die Nachschublinien angeht. Ja, Dara, damit hast du schon eine Frage hier von unserem User Murphy57 über YouTube beantwortet. Was ist eben mit der Krim? Da ist die Lage so, wie du sie beschrieben hast. Jetzt hat es im Mai ein, man kann sagen, mysteriöses Treffen gegeben des russischen Oligarchen Abramowitsch mit dem ukrainischen Präsidenten Zelensky in Kiew.

Was hat es mit diesem Treffen auf sich? Der Hintergrund ist, dass die Ukraine sich, nachdem sie diesen harten Winter überstanden hat und militärisch in einer Situation sieht, dass Russland die Initiative verloren hat, gestärkt für diplomatische Verhandlungen und hat es auf allen Kanälen versucht. Abramowitsch spielt eine besondere Rolle. Man kann sagen, dass vor allem am Anfang des Krieges, im Jahr 2022, Abramowitsch in vielen Verhandlungen beteiligt war, indirekt.

Zum Beispiel bei dem Getreideabkommen, was ja dann auch erfolgreich wurde. Er war engagiert und oft in der Türkei mit Erdogan als Vermittler. Er traf sich auch mit dem türkischen Präsidenten und es gelang dann, einen humanitären Korridor aufzubauen, über den insgesamt 400.000 Ukrainer, die den Oblast, die Region Mariupol verlassen konnten.

Er hat auch eigene Vorteile dadurch gehabt. Er war ja eine schillernde Figur. Ihm gehörte der Fußballverein Chelsea, hatte dort seinen Wohnsitz. Er hat die israelische Staatsbürgerschaft, die portugiesische Staatsbürgerschaft neben der russischen. Und er wurde dann von der Sanktionsliste genommen von den Amerikanern, auch auf Bitten von der ukrainischen Seite.

Von daher hatte er schon gewisse Erfahrungen, was so Unterverhandlungen auf halboffiziellen Kanälen angeht. Und das hat ja auch Putin bestätigt, dass ein Geschäftsmann ihm die Informationen aus Kiew überbrachte. Also ist Abramowitsch so eine Art Bote? Sagen wir mal, das Treffen in der Ukraine muss man ja vielleicht auch im Zusammenhang sehen, dass kurz danach Selenskyj ja diesen Brief an Kreml-Chef Putin geschrieben hat, eben mit der Aussage, ja, mit dem Angebot, man könne sich doch treffen und direkt reden, verhandeln.

Also ist Abramowitsch so jemand, der von Putin zu Selenskyj, von Selenskyj mit einer Botschaft zu Putin reist? Ich denke, man sollte sich das nicht so vorstellen, dass dann wirklich ein Dokument übergeben wird oder dann sofort Bericht erstattet wird. Sondern es ist eine Figur, die auf der einen Seite von Putin empfangen wird und auf der anderen Seite für die Ukraine auf gewisse Art auch noch verhandlungsfähig ist.

Der offene Brief, der hatte, glaube ich, einen ganz anderen Adressaten als Putin selbst. Nämlich durch die Öffentlichkeit sollte zum einen der Nebeneffekt erzielt werden, dass vor allem auch das Tramplager noch mal vor Augen geführt bekommt, wer verhandlungsbereit ist und wer nicht. In diesem Fall ganz klar Putin.

Und das hat er ja auch auf großer Bühne in St. Petersburg dargestellt. Und auf der anderen Seite geht es auch um die Zirkel um Putin herum. Vielleicht nicht seine engsten Zirkel, aber Oligarchen, die vorher, wie Abramowitsch, sehr gute Geschäfte mit dem Westen gemacht haben und dort auch wieder hinwollen.

Und dass aus diesen Zirkeln dann ein gewisser Druck oder Unmut geäußert wird, sodass. Ein Schubser entstehen könnte, so hofft man auf der ukrainischen Seite, neben dieser Situation an der Front, wo, und das muss hier auch noch mal erwähnt werden, die russischen Verluste, seit Monaten steigen, und zwar deutlich steigen, auf über 35.000 pro Monat.

Das sind Werte, die die russische Föderation in dem bisherigen Mobilisierungssystem, nicht einfach so wieder rekrutieren kann. Und das ist, glaube ich, der Sinn des offenen Briefes gewesen, dass diese Verhandlungsbereitschaft und eine Möglichkeit eines Ende des Krieges auch in die russische Geschäftswelt dringt.

Wie sind die neuen Vermittlungsbemühungen einzuordnen? Und wie sehr stellen immer neue, weitreichende Drohnenangriffe die Macht des russischen Präsidenten in Frage? Darum geht es im zweiten Teil des Gesprächs mit Militärökonom Markus Keup. Auch hier ist eigentlich das Motiv das gleiche wie vorhin bei Trump.

Also Sie haben einen Staatslenker, Querstrich Kriegsverbrecher, der tief im Denken des 20. Jahrhunderts verankert ist. nach dem Motto, Menschenleben sind mir egal. Ich werfe einfach so viele Menschen und Ressourcen an die Front, bis ich durch die schiere Übermacht, die schiere Zahl gewinne. Und zweitens, ich bin ein Mensch des 20. Jahrhunderts auch in energetischer Hinsicht. Warum? Ich verkaufe fossile Brennstoffe.

Und die ganze Welt braucht ja fossile Brennstoffe. Und solange ich das tun kann, habe ich Geld, um meinen Krieg zu finanzieren. Und jetzt merken Sie, beide Annahmen treffen so nicht mehr zu. Die Ukraine hat mittlerweile recht erfolgreich, das haben wir jetzt die ganzen letzten zwei Wochen in vielen Sendungen gehört, eine Art Korridor errichtet, der die russische Logistik deutlich unter Druck setzt.

Das heißt also, sie können zwar ohne weiteres Tanklaster hinschicken, sie können Menschen an die Front schicken, aber sie kommen durch diesen Drohnengürtel, also durch diese Todeszone einfach nicht mehr durch. Das ist das eine. Und genau, hier sehen wir gerade hier die Straße des Todes und die Kindbahn-Spit, wo das mittlerweile sehr erfolgreich eingesetzt wird. lustig, auch die Russen, die da gerade noch weglaufen, bevor die Drohne einschlägt.

Das gibt ihnen so ein Bild der Realität an der Front. Aber viel wichtiger sind natürlich die Schläge im Hinterland. Also sprich... Die russische Petrodollar-Ökonomie wird dort getroffen, wo es richtig, richtig wehtut. Und vor allem dort, wo niemand jemals gedacht hat, dass die Ukraine da hin könnte. Also wir müssen denken, J. Boxarich zum Beispiel, das, ich glaube, gestern oder heute getroffen wurde, das liegt ja in Chuvashien.

Das ist in der mittleren Volga-Region, also quasi im industriellen Herz Russlands. Und das ist von da, wo die Ukraine das abschießt, etwa 1300 Kilometer entfernt. Also das sind die Langstreckendrohnen, die Flamingos, die die Ukraine mittlerweile hat. Und da merken sie, was sie für eine gewaltige Wirkung erzielen.

Und im Unterschied zur Sowjetunion, wo der sowjetische Luftraum hier wirklich dicht war, ist das moderne Russland einfach nicht mehr in der Lage, diesen Luftraum über diese riesigen Flächen komplett dicht zu machen. Das heißt, natürlich kommt nicht jede einzelne Drohne durch, aber von den Drohnenschwärmen, die da losgeschickt werden, kommt irgendwas zumindest so genau durch, dass es diese Raffinerien in Brand setzt und damit deren Kapazitäten vermindert.

Und das heißt zum einen, Russland exportiert keine raffinierten Produkte mehr, Also kein Benzin mehr, keine Ölprodukte, weil die braucht es für die eigene Versorgung und nicht mal da funktioniert es. Wir haben ja mittlerweile gehört, Treibstoffmangel, Benzinknappheit auf der Krim. Übrigens auch in vielen anderen Regionen Russlands. Und das andere ist natürlich ihnen entgehen, dass, aufgrund nicht nur der brennenden Raffinerien, sondern auch der brennenden Häfen, also die Ukraine beschießt ja auch die Hafenterminals, ihnen gehen einfach die Möglichkeiten, ihr Öl auf den Weltmarkt zu werfen. Also sprich, der Ölpreis kann von mir aus 140 Dollar sein, das nützt ihm nichts, wenn das Öl nicht auf See kommt.

Und Sie merken jetzt beide Dinge, also dass die Ukraine über eigene Langstreckendrohnen verfügt und damit nach Russland hineinschießt und dass die Ukraine in der Lage ist, die russische Logistik mit der Technik des 21. Jahrhunderts wirklich massiv unter Druck zu setzen. Das ist Putin, dem Menschen des 20. Jahrhunderts, einfach nicht vorstellbar.

Also sicher nicht gewesen in 2022, aber wahrscheinlich auch jetzt nicht. Ich glaube nicht, dass Putin wirklich einen ungeschönten und klaren Einblick bekommt in die Lage der Front von seinen Generälen. Und jetzt merken Sie eben, wir bewegen uns jetzt, was Russland angeht. So ein bisschen in Richtung der geopolitischen Konstellation, die damals geherrscht hat, als die Sowjetunion begann zusammenzubrechen, also Mitte der 80er Jahre.

Das ist etwas, was viele noch nicht sehen, aber wenn Sie das zusammennehmen, also sprich ein lang andauernder, sehr blutiger, sehr verlustreicher und letztlich erfolgloser militärischer Konflikt wie damals in Afghanistan, plus. Eine problematische Petrodollar-Ökonomie, die sich nicht wirklich anpassen kann, plus eine Bevölkerung, die politisch weitgehend passiv ist, sich mittlerweile aber fragt, was habe ich eigentlich vom Krieg, wenn es jetzt nicht mal mehr Benzin gibt und die Butter mittlerweile teurer ist als in der Schweiz.

Sollte ich dann Putin noch unterstützen? Das ist lustig. Putin hat mittlerweile sogar verboten, Umfragen zu publizieren zu seinen eigenen Beliebtheitswerten, weil die Russen ihn nicht mehr wirklich durchgängig aufführen als beliebtesten Politiker. Und das sagt ihnen sehr viel über die innere Entwicklung Russlands.

Übrigens, ich habe ja vorhin gesagt, als Cheboksari in die Raffinerie getroffen wurde, Cheboksari ist natürlich kein russischer Name, sondern ein Turk-Sprachiger. Da wohnt ein Turk-Volk, Nämlich die Chuwaschen. Eines von vielen Turkvölkern, die in der russischen Föderation leben. Auch das ist etwas, was viele immer noch unterschätzen, was ich aber schon seit Monaten predige.

Russland ist kein Nationalstaat, es ist ein multietnisches Imperium. Und wenn die Völker des Imperiums irgendwann mal merken, unsere wirtschaftlichen Grundlagen, die werden hier gerade beschossen, was haben wir eigentlich zu gewinnen, wenn wir weiterhin Mitglied sind, in diesem Imperium, dann gehen wir eben auch in diese Richtung, die es auch damals Ende der 80er gab, nämlich eine zunehmende ethnische.

Destabilisierung und ethnische Unruhen in den Provinzen. Das alles generiert eine Art tödlichen Cocktail, weil nichts davon hat Putin wirklich unter Kontrolle. Also sprich, er kann zwar seine Oligarchen da losschicken, aber die Oligarchen, die sind vor allem daran interessiert, am Leben zu bleiben, den Krieg zu überleben und dann natürlich irgendwie mit dem Westen einen Deal auszuhandeln, dass sie möglichst nicht als Kriegsverbrecher oder sonst wie vom Tribunal angeklagt werden.

Deswegen auch, denke ich, sind solche Aktionen von Abramowitsch sicher verständlich. Aber ich glaube, man muss halt wirklich ein bisschen in die 80er zurückgucken, um so diese Parallelität zu verstehen. Ja, dann sind das ja zwei wichtige Punkte. Einmal Abramowitsch, die Oligarchen und der wirtschaftliche Aspekt. Ich greife nochmal den wirtschaftlichen Aspekt auf.

Wir haben ja auf der einen Seite eben auch den Krieg in der Golfregion. Dadurch, Blockadestraße von Hormuz, haben wir darüber gesprochen, ist der Ölpreis hochgegangen und viele haben gesagt, naja, da profitiert vor allen Dingen Putin davon, wenn eben Russland Öl verkauft. Verstehe ich Sie jetzt also richtig, dass er dann aber letzten Endes nicht davon profitiert, weil er das Öl gar nicht mehr sozusagen rauskriegt, wenn Raffinerien getroffen werden, wenn logistische Wege getroffen werden etc.?

Ja genau, also diese Effekte bewegen sich eben gegensätzlich. Also einerseits steigt der Preis, was ja eigentlich gut sein sollte für Putin, aber auf der anderen Seite fällt die Menge. Und zwar nicht deswegen, weil er jetzt weniger produziert, sondern einfach, weil er weniger physische Möglichkeiten hat, die Produktion in die Welt hinaus zu leiten.

Also sprich, die Raffineriekapazität ist vermindert und entsprechend die Exportkapazität auch. Und dazu kommt auch noch, dass, glauben Sie es oder nicht, aber Europa beginnt auch so langsam in Rückgrat zu wachsen. Also es gibt jetzt immer mehr Beispiele eben, wo europäische Nationen Schiffe der russischen Schattenflotte aufbringen, also tatsächlich die Sanktionen hart durchsetzen und sagen, wir wissen ganz genau, du bist kein libanesisches, ghanaisches oder Schiff von den Marshall Islands.

Wir wissen ganz genau, du hast sanktioniertes russisches Öl geladen und du fährst hier nicht durch. Punkt. So, das ist auch etwas, glaube ich, womit Putin nicht so wirklich gerechnet hat, dass Europa vielleicht nochmal ein Rückgrat wächst. Aber Sie sehen, wenn Sie das alles zusammennehmen, dann ist halt die Möglichkeit, dieses Öl physisch noch irgendwie rauszukriegen, stark vermindert.

Und nach Osten gibt es auch keine Pipeline-Kapazität, die annähernd an sowas wie die Druschba herankommen würde. Das heißt, Sie können jetzt nicht irgendwie sagen, dann pumpen wir das Ganze halt über Pipelines nach China oder so. Also es gibt zwar schon Pipelines, aber nicht von der Kapazität des Weltseemarkts.

Das heißt also, Russland bleibt tatsächlich nur der Zugang zur See. Und wenn der weg ist und die Ukraine tut eben ihr Bestes, um diesen Zugang zuzumachen, dann einfach keinen Ölexport mehr. Da kann Öl so teuer sein, wie es will. Wenn sie es nicht aufs Meer kriegen, nützt es ihnen nichts. Also Verwundbarkeit der Petrodollar-Ökonomie. Und das ist eigentlich das Lustige.

Es gab ja jetzt jahrelang Scharlatane, die gesagt haben, ach, wir sind abhängig von Russland. Und ach, das Gas war so billig. Also Funfact. Erstens, wir sind nicht abhängig von Russland. Und zweitens, das Gas war auch nicht billig. Der Gaspreis war gekoppelt an die Ölpreise. Und die waren in den Nullerjahren relativ hoch, also zumindest nach 2005.

Sie sehen, dass das Thema Verwundbarkeit sich jetzt gerade umdreht. Also die europäischen Nationen haben so langsam verstanden, was Energiewende heißt, machen sich immer unabhängiger von fossilen Treibstoffen, von fossilen Brennstoffen. Aber Russland steht jetzt da sozusagen mit den Liabilities, also mit den Verpflichtungen der Petrodollar-Ökonomie, aber kriegt seine Produktion nicht mehr raus.

Also das Spiel dreht sich jetzt um. Und auch da haben wir wieder das Thema, 20. Jahrhundert. Er versucht irgendwie, immer das zu machen, was es macht, weil es kennt kein anderes Spiel und das 21. Jahrhundert sagt einfach, nö, du bist einfach nicht mehr relevant, wir machen jetzt ein anderes Spiel. So können sie als Putin nichts mehr machen. Da erscheinen sie dann eben so zunehmend das, was sie sind, nämlich ein Relikt des 20.

Jahrhunderts, das dann irgendwann von der Geschichte entsorgt wird. Da passt so ein bisschen eben nicht lernen und nicht im 20. Jahrhundert verhaftet sein. Die Frage von Kaiser 7348 über YouTube, einmal eine allgemeine Frage an Herrn Kolb. Wie sehr verändert der ukrainische Einsatz von Drohnen die Art, die Krieg gedacht werden muss?

Und inwiefern muss oder sollte die EU auch eben hier hinsehen und lernen? Sie sagen ja, einerseits haben die Europäer schon gelernt, dass man auch Rückgrat zeigen kann gegenüber Russland. Und hier ist eben die Frage, wie sehr muss eben der Westen eben auch bei der militärischen Entwicklung lernen? Also eines, das Sie ganz klar sehen, ist die wirtschaftliche Komponente der Kriegführung.

Also sprich, dass so etwas wie die Energieinfrastruktur oder die Energieversorgung eines Landes kriegs entscheidend ist, dass wir aber im Westen das Thema sicherheitkritischer Infrastrukturen bzw. Physische Härtung unserer Energieanlagen schräflich vernachlässigt haben. Also sprich, wenn Russland jetzt das Gleiche machen würde, also nehmen wir an, es gäbe jetzt den ganz großen Krieg und Russland würde anfangen mit Drohnen, mit Missiles, genau wie die Ukraine jetzt beschossen wird, die deutschen Energieanlagen, das deutsche Stromnetz und so weiter zu beschießen.

Ich weiß nicht, wie viele Tage das durchhalten würde, aber sicher nicht viele. Das ist ein ganz, ganz großes Thema, das sich aus dem Krieg ergibt. Das Zweite ist die Frage, wie gehen Sie mit um mit Drohnen, die eigentlich problemlos in Ihren Luftraum eindringen und mit der Tatsache, dass Sie Ihren Luftraum nicht mehr vollständig abdichten können gegen sowas.

Also vielleicht gegen größere Drohnen, die Sie irgendwo auf dem Radar sehen und die nicht allzu schnell fliegen. Aber was machen Sie, wenn Sie mit Schwärmen angegriffen werden von Hunderten von Drohnen? Schießen Sie damit Patriots auf die? Sie ja Golfstaaten, das funktioniert nicht. Also sprich, wir bräuchten vollkommen neue Arten von Drohnenabwehren, zwar nicht von einzelnen Drohnen, sondern von massenhaften Einsatz von Drohnen.

Das ist eben genau das, was Russland nicht gelingt. Also selbst wenn Russland jetzt zurückkehren würde zur Luftverteidigung der sowjetischen Zeit, Es würde ihnen trotzdem nichts nutzen. Diese Drohnen können die Radare unterfliegen. Es gibt mittlerweile Schwärme, die sich über KI selber koordinieren, also die nicht mal mehr GPS brauchen zur Steuerung.

Das alles sind technologische Innovationen, die wahnsinnig schnell und wahnsinnig effektiv geworden sind, eben weil sie in einem Kriegsszenario entwickelt wurden, weil sie unter der Bedingung entwickelt wurden. Entweder es funktioniert oder du stirbst. Also es geht ums nackte Überleben. Dementsprechend ist diese Technik sehr brutal und sehr, sehr gut.

Wir haben, glaube ich, in Westeuropa nichts Vergleichbares. Und es ist kein Wunder, dass westeuropäische Militärs, auch amerikanische übrigens, derzeit in die Ukraine pilgern und sagen, ah, Drohnen, interessant, erzählt uns mal, wie ihr das macht, weil wir haben nichts Vergleichbares. Also das ist. Völlig neue Art, denke ich, von militärischen Fähigkeiten, wo die Ukraine sich sicher nach dem Krieg als eine der ganz großen Technologie-Hubs und Technologiestandorte dafür entwickeln wird.

Dann kommen wir nämlich nochmal zu dem Thema Abramowitsch. Haben wir eben schon gesagt, Sie haben ja deutlich gemacht, dass die Oligarchen Interessen haben, stillhalten, aber gerne oder sehr an einem Ende des Krieges interessiert werden, um wieder Geschäfte zu machen. Und dann gab es eben diese Reise des Oligarchen Abramowitsch nach Kiew.

Was ist das für ein Zeichen, dass die Oligarchen stillhalten, noch aber durchaus vielleicht auch Abramowitsch geschickt haben? Ich weiß es nicht, um etwas zu verändern. Ja, also man muss zwei Dinge sehen. Die Oligarchen haben nicht mehr wirklich großen politischen Einfluss. Das war unter Jelzin anders. Also da hatten die wirklich politische Macht, auch so etwas wie Hausmacht und eigene Anhänger, teilweise eigene Schlägertrupps, die sie bezahlt und alimentiert hatten. Das ist alles nicht mehr so.

Also sprich, das Szenario ist heute eher so, Wenn sie sich offen gegen Putin stellen, dann bekommen sie eine Tasse Tee oder sie fallen aus dem Fenster. Ich denke, dass ein Teil der Oligarchen in einer gewissen Lage ist, dass sie einfach sagen, ich kann nicht vor und nicht zurück. Ich kann mein Geld nicht wieder rausbringen in den Westen, weil da bin ich überall sanktioniert.

Ich muss also mein Geld repatriieren nach Russland. Wenn ich mein Geld aber repatriere, dann wird Putin mein Kapital letztlich einsetzen, um seinen Krieg zu finanzieren. Das bedeutet, ich kann möglicherweise alles verlieren. Also woran bin ich interessiert? Erstens, überhaupt zu überleben. Das heißt, ich darf mich nicht gegen Putin stellen.

Und zweitens, irgendwie rauszukommen mit zumindest einem Teil meines Kapitals. Ich bin nicht so ganz sicher, ob diese Rechnung aufgeht. Wir sprechen jetzt vor allem über die Senior-Oligarchen, also diejenigen, die noch in der Sowjetunion sozialisiert worden sind. Es gibt aber auch eine Garde von jüngeren Oligarchen.

Denen macht jetzt die Vorstellung, mit 32 aus dem Fenster zu fallen, nicht so wirklich Spaß. Und die überlegen sich natürlich auch, sollte ich mich absetzen, kann ich irgendein Deal machen mit dem Westen oder sonst wie. Aber ich glaube nicht, dass denen kriegsentscheidende Rolle im Moment zukommt. Auch wenn sie viele Ressourcen kontrollieren. Aber sie müssen ja denken, Russland ist ein dualer Staat.

Das heißt so etwas wie Eigentumsrechte, Gerichte, Institutionen. Das steht zwar auf dem Papier, aber de facto ist es Putin mit seiner Entourage, der die gesamte Wirtschaft und natürlich auch die gesamte Petrodollar-Ökonomie kontrolliert. Und insofern haben die Oligarchen nicht wirklich eine Möglichkeit, das aktiv zu steuern. Ich denke eher, das ist so Signaling, dass möglicherweise hier Gesprächskanäle aufgehen, aber dieses Spielchen, die sehen wir jetzt auch seit vier Jahren.

Ich glaube nicht, dass die Ukraine sich wirklich leiten lassen wird von den wirtschaftlichen oder den Überlebensinteressen dieser Oligarchen. Das ist halt nun mal so. Die Revolution frisst ihre Kinder, wie man so schön sagt. Und wenn die Oligarchen halt vor 20 Jahren sich entschieden haben, mit diesem Mann zu kollaborieren, dann werden sie jetzt halt mit ihm untergehen. Das ist dann halt der Lauf der Dinge.

Jetzt haben wir gesprochen über den militärischen Aspekt, den wirtschaftlichen Aspekt, den inneren Aspekt, die innere Destabilisierung oder Nicht-Destabilisierung, die Oligarchen. Kommen wir mal auf den globalen Faktor. Verliert auch da Putin seinen Einfluss, seinen Einfluss auf Partner in Armenien? Ja, Partner, Vasall könnte man sagen, gewinnt jetzt eine pro-westliche Partei.

Da geht also auch wieder jemand von der Fahne. Und eigentlich ja auch in den letzten Tagen hochinteressant, dass eben Chinas Staatschef Hi nach Pyongyang gereist ist, um auch nochmal ein Zeichen zu setzen. Hallo, ich habe hier auch noch ein Wörtchen mitzureden, wenn es um Nordkorea geht. Ja, also Pashinyan war ja schon vorher Ministerpräsident, also er ist jetzt bestätigt worden in den Wahlen, aber es stimmt schon, er war vorher, würde ich sagen, etwas vorsichtiger oder etwas abwägender und hat so ein bisschen versucht, also angesichts seiner geopolitischen Lage und seiner schwachen Ökonomie sozusagen Russland keinen Grund zu geben, die nächste Spezialoperation durchzuführen.

Das hat sich jetzt aber geändert. Also er merkt langsam eben, dass ein Trend begonnen hat, nämlich der zunehmende Verlust Russlands an geopolitischem Einfluss. Also wenn wir jetzt denken, die vielen kleinen Hilfsdiktatoren in der Welt beginnt mit Assad, die alle nicht mehr da sind. Dann das Wagner-Abenteuer in Afrika, hat sich auch nicht so wirklich so entpuppt, wie Putin es gerne hätte.

Seine abröckelnde Petrodollar-Ökonomie. Und wenn sie jetzt Armenien sind, der große Deal wäre eigentlich irgendeine Art von Friedensabkommen mit Aserbaidschan, sodass sie über Aserbaidschan Zugang bekommen zum Meer. Und über Aserbaidschan natürlich dann Zugang in die Türkei. Dass Handelsrouten wieder aufgehen, wir sehen es hier auf der Karte, Armenien, klassisches Beispiel für ein Landlocked Country.

Lange, lange kriegerische Auseinandersetzung mit Aserbaidschan, nachdem Bergkarabach jetzt nicht mehr existiert, ist ein Friedensvertrag so langsam vorstellbar. Sie sehen auch, es grenzt so ein bisschen an den Iran. Also für Russland ist das immer noch eine der historischen Achsen. Wo ich sozusagen, wenn ich dieses Regime kontrolliere, Zugang bekomme in den Iran.

Das ist nämlich leichter als bei Aserbaidschan. Aserbaidschan ist ja sehr selbstbewusst, verfügt auch über große eigene Öleinnahmen und lässt sich nicht so einfach unter Druck setzen. Zumal Elieff ein sehr überzeugter Nationalist ist. Bei Armenien war das immer ein bisschen anders. Das Armenier war immer so ein bisschen schwach und fragil.

Aber auch das beginnt sich jetzt zu ändern. Und Sie sehen auch hier wieder das alte Thema Kaukasus. Sobald die kaukasischen Völker zu Russland sagen, lass uns mal lieber in Ruhe, da wird es dann ganz gefährlich, weil das sind jetzt zwei souveräne Staaten, aber unmittelbar nördlich daran haben wir ja Dagestan.

Eine Provinz, in der, ich weiß nicht wie viele, ich glaube mindestens elf verschiedene Sprachen gesprochen werden und in der mindestens 20 verschiedene Völker leben. Alle von denen Nationalisten, die sich noch sehr gut erinnern an Imam Shamil, an die historischen Kaukasusaufstände, die zu ihnen im Zug sagen, wenn sie fragen, wo fährst du hin, sagen die, ich fahre nach Russland arbeiten.

Also für die ist Dagestan zunächst mal Dagestan. Man merkt es auch am Namen, ist ein türkischer Name, Dag heißt Berg auf türkisch. Und da sehen Sie so dieses alte Kaukasus-Motiv wiederkommen. Also Thema vielleicht hier bei Armenien nicht innere Destabilisierung, aber zunehmender Verlust eines projizierten Einflusses im Kaukasus.

Und das alles ist eben, das fügt sich so in diese größere Erzählung, was wir eben auch damals gesehen haben bei der Auflösung der Sowjetunion. Die Erzählung kommt also so nach dem Motto verlorener militärischer Konflikt plus reduzierter geopolitischer Einfluss plus große, große wirtschaftliche Probleme.

Und dann beginnt es plötzlich an allen Ecken und Enden zu brennen. Und dann kommt eben dieses Destabilisierungsszenario. Ich sage nicht, dass das morgen eintreten wird. Bei der Sowjetunion war das ein Prozess, der sich über ungefähr acht Jahre hingezogen hat. Aber wenn der mal begonnen hat, dann ist der nur sehr schwer wieder zu stoppen.

Kommen wir nochmal, ja, auch zu dem, was wir jetzt auch in der Nacht wieder erlebt haben, dass die Ukraine eben Russland mit Drohnen, mit Raketen etc. Überzieht, da sehr weit kommt. User Bafostofeles schreibt über YouTube, die Ukraine hat ja erstaunliche Fortschritte in der Waffenentwicklung gezeigt, hat sie dabei Unterstützung durch westliche Spezialisten.

Und ich würde vielleicht noch hinzufügen, die Frage ist auch, ist Putin nicht so schnell, ist sein Russland nicht so schnell, da mit der technischen Entwicklung mitzukommen? Ja, ich denke, das ist genau der Punkt. Also auch da haben wir wieder das Thema 20. versus 21. Jahrhundert. Das ist eigentlich ein Technologiewettlauf.

Und diesen Konflikt wird letztlich die Seite für sich entscheiden, die die bessere Technologie und die bessere Logistik hat. Und wenn Sie jetzt überlegen, ja, die Ukraine arbeitet mit westlicher Technologie. Also sie arbeitet zum Beispiel mit Palantir zusammen für gewisse Führungsinformationssysteme.

Sie bekommt sehr, sehr gute amerikanische Satellitenbilder und zwar unmittelbar nach der Aufnahme. Sie hat Starlink, während die Russen das nicht mehr haben. Elon Musk hat ja die grauen Starlink-Terminals abgeschaltet. Also ja, die Ukraine kann sich sozusagen auf State-of-the-Art-Technologie verlassen.

Ukrainische Drohnenfirmen gründen mittlerweile Töchter in Westeuropa, weil sie einfach sagen, das ist sozusagen jetzt für uns sicheres Hinterland. Da entwickeln wir die nächste Generation von Technologie und bauen damit die nächste Generation von Drohnen und so weiter. Und jetzt müssen Sie halt denken, die Art und Weise, wie die russische Kriegsekonomie oder der russische staatliche Rüstungskonzern Nordostech funktioniert, ist halt eine völlig andere.

Auch das ist letztlich die Technologie, die Strukturen und auch die Korruption des 20. Jahrhunderts. Ich sage nicht, dass Russland keine Drohnen entwickelt, aber es ist halt auf einem anderen Technologieniveau. Und Sie merken langsam, je länger der Krieg dauert, desto mehr driften diese beiden Technologieniveaus auseinander und desto größer wird diese Schere quasi, zwischen den verschiedenen Technologieniveaus.

Kommen wir zu einem Punkt nochmal zurück, den Sie auch gesagt haben, weil Sie ja sagen, 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert. Manchmal bringt der Blick in die Vergangenheit ja doch auch einige Erkenntnisse. Und zwar das ganze Spiel mit dem Ölpreis. Was wir gesagt haben, dass Putin ja eigentlich profitieren müsste, weil das Öl gerade knapp wird.

Er tut es aber nicht, weil er es sozusagen nicht verfügbar hat und nicht an den Mann bringen kann. Also diese ganzen Preise, es hat ja auch schon mal eine Zeit gegeben, wo die OPEC versucht, den Preis stabil zu halten, aber andere nicht mitmachen, die Preise runtergehen. Da ist ja auch in der Vergangenheit schon unwahrscheinlich viel Bewegung gewesen.

Ja, das ist so, genau. Und das Jahr, das Sie sich da ganz dick merken müssen, ist 1985. 1985 passieren zwei Dinge. Erstens, das weiß fast jeder, Gorbatschow wird gewählt zum Generalsekretär der KPDSU. Aber es passiert auch noch was anderes, nämlich ein recht unscheinbar und freundlich aussehender Mann namens Sheikh Yamani, der saudische Ölminister, hält 1985 eine kleine Rede im Oxford Energy Seminar.

Da sehen wir ihn gerade, das ist Sheikh Yamani, saudischer Ölminister, ein hochgebildeter Mann, ein Jurist und der hatte quasi ein Problem, nämlich die sogenannte Oil Glut, also die Ölschwemme der 80er. Das Problem war, nach den Energiekrisen der 70er war die Nachfrage nach Öl eingebrochen und gleichzeitig hat man viele neue Fördergebiete entdeckt. Also zum Beispiel Alaska beginnt zu fördern Ende der 70er, dann entdeckt man die Ölfelder in der Nordsee und so weiter.

Also sprich, weniger Nachfrage plus mehr Rohölangebot führt natürlich zu Preisverfall. Und das OPEC-Kartell ist zu dieser Zeit ziemlich undiszipliniert. Das heißt also, jeder versucht sozusagen ein bisschen zu betrügen, also sein Öl ein bisschen billiger zu verkaufen als der andere. Und wenn sie das machen, dann können sie natürlich kein Kartell aufrechterhalten.

Und Saudi-Arabien versucht eben, und der Herr Yamani versucht das jahrelang, also die ganzen Jahre 81 bis 85 versucht, den Preis stabil zu halten. Bis ihm sozusagen und dem König Fahd auch... Der der Kragen platzt und er dann sagt, ich habe jetzt genug von eurer Disziplinlosigkeit, wir machen jetzt den Hahn auf.

Scheichermani hatte dabei natürlich jetzt nicht im Sinn, dass das auch die Sowjetunion treffen könnte, weil die Sowjetunion war ja auch damals schon eine Petrodollar-Ökonomie, und die Sowjetunion hatte in den 60er Jahren ein Riesenglück, dass sie nämlich die riesigen Ölfelder in Sibirien entdeckt hat, das ist so um 1965 herum.

Und dadurch zu einer gewaltigen Ölproduzentin und Exporteurin aufsteigt. Wären diese riesigen Ölfelder nicht entdeckt worden, wäre die Sowjetunion wahrscheinlich schon zehn Jahre früher wirtschaftlich kollabiert. Aber jetzt haben sie genau das gleiche Problem wie Putin heute. Sie haben also riesige Ölmengen, nur ist das sowjetische Budget damals kalkuliert auf einen Ölpreis von ungefähr 35 Dollar, damit sie einen ausgeglichenen Staatshaushalt haben.

Jetzt fällt der Ölpreis in den Jahren 85 und 86 auf 10. So, plötzlich haben sie ein Riesenloch in ihrem Budget. Und jetzt haben sie sozusagen nur noch ganz üble Optionen. Also entweder kürzen sie das Militär, dann steigen ihnen aber die Generäle aufs Dach und dann können sie Afghanistan nicht mehr finanzieren.

Oder sie sagen, dann steigen halt die Lebensmittelpreise, aber dann springt ihnen die Bevölkerung ab. Ja, was machen sie? Zu der Zeit kann die Sowjetunion sich selbst nicht ernähren, obwohl sie die fruchtbarsten Böden von ganz Eurasien hat damals. Weil Ukraine ist ja damals gezwungenermaßen sowjetische SSR. Also was macht sie?

Sie muss die wenigen Devisenreserven, die sie überhaupt noch hat, einsetzen, um Weizen zu kaufen aus Amerika und aus Europa. Und diese wirtschaftlichen Verwerfungen, die treffen Gorbatschow an genau der falschen Stelle. Also gerade als er jetzt so seine wunderbaren Reformplänchen und alles wunderbar erarbeitet hat, jetzt kommt das und er hat leider kein Geld mehr, um seine Strukturreformen umzusetzen.

Und das ist einem an historischer Ironie eigentlich nicht zu überbieten. Also Scheichamani, der eigentlich nur das OP-Kartell disziplinieren möchte. Und wenn Sie die Bilder sehen, also er sieht halt so herzig aus und so unschuldig, aber quasi unabsichtlich bringt er die Sowjetunion zu Fall. Also dieser unschuldig lächelnde Mann hier ist, glaube ich, die am meisten unterschätzte Person der 1980er Jahre.

Und das ist halt, was ich meine mit, wenn Sie eine Petrodollar-Ökonomie sind, dann sind Sie von vielen Seiten verwundbar. Sie können vielleicht Ihre Klienten unter Druck setzen, aber Sie selber stehen halt auch unter Druck. Und wir wissen, wie die Geschichte ausging. Und wenn Sie jetzt überlegen, Putin hat sozusagen jetzt noch Glück, dass wir diesen unüberlegten, völlig vom Zaun gebrochenen, ohne jede Notwendigkeit begonnenen Angriffskrieg.

Von Trump haben und dass wir jetzt diese Situation in der Straße von Hormuz haben. Weil in den Sendungen vorher, wo ich bei Ihnen war, also vor dem März 26, habe ich ja immer gesagt, guck mal, wie der Trend ist beim Ölpreis, der ist nämlich am Fall. Also der Ölpreis war dabei, sich so in Richtung 50 Dollar zu bewegen.

Also genau in die Region, wo Russland ein Riesenloch bekommt in sein Staatsbudget. Sie merken, die Ukraine versucht jetzt halt auf andere Arten und Weisen ein Loch in dieses Staatsbudget zu reißen. Also sprich, es funktioniert nicht mehr wie damals bei Yamani, aber der Effekt ist der gleiche. Und wenn Sie jetzt überlegen, die Sowjetunion muss sich am Ende geschlagen aus Afghanistan zurückziehen, nicht nur weil die Mujahedin sie so unter Druck setzen, sondern auch aufgrund dieser wirtschaftlichen Verhältnisse, weil einfach kein Geld mehr da ist, um dieses riesige, gewaltige Militär zu finanzieren.

Genau, hier sehen wir gerade die historischen Bilder. Das ist der Abzug der letzten sowjetischen Einheiten aus Afghanistan über die Brücke nach Usbekistan, über den Amurdaya. Und das ist der letzte sowjetische General, genau, der hier begleitet wird von seinem Sohn und damit ist die Geschichte zu Ende. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, ich saß als Kind vor dem Fernseher, habe das live mitgesehen.

Und ich glaube, das ist halt das Schöne, dass man jetzt so quasi als Übergangsgeneration, die ich ja bin, so zwischen 20. Und 21. ist, das jetzt so ein bisschen ins Verhältnis setzen kann. Also die Geschichte schlägt zurück, nicht in gleicher Weise wie damals, aber mit ähnlichen Motiven. Und das ist doch eine sehr große Ironie. Ich weiß nicht, ob Trump und Putin das klar ist, aber vielleicht werden sie auf ähnliche Arten und Weise entsorgt, über diese stärkeren, diese größeren Mechanismen, die sie eben nicht unter Kontrolle haben.

Also dann ganz kurz, wenn wir jetzt hier einen Ritt gemacht haben durch die militärische Lage, die wirtschaftliche Misere Russlands deutlich gemacht haben, dass eben auch die Partner flöten gehen und es Probleme an allen Ecken gibt. Alles zusammengenommen hat Putin die Zügel noch in der Hand. So ähnlich oder ist er in einer schwierigen Lage eben auch wie ein Donald Trump, dem auch etwas entgleitet?

Also Sie wissen, kurz ist bei mir schwierig. Ich neige ja eher zum Abschweifen. Aber ich würde sagen, es hat begonnen. Es hat begonnen und zwar in einer Weise, dass es sich nicht mehr aufhalten lässt. Wie lange das dauert, bis es durchbricht, das ist jetzt die große Frage. Das kann acht Jahre dauern.

Es kann auch möglicherweise sehr schnell gehen. Politische Umstürze in der russischen Geschichte kamen immer unerwartet, immer plötzlich. Und wenn sie kamen, waren sie immer gewalttätig. Also das sollte man festhalten. Aber ich denke, man sollte jetzt nicht spekulieren, wann passiert das oder wie schnell passiert das. Wie gesagt, bei der Sowjetunion war das ein Prozess, der sich über acht Jahre ungefähr hingezogen hat.

Bei Trump könnte es sehr viel schneller gehen, weil bei Trump wäre das Szenario ganz einfach, wenn sich eben die Sache so weiterentwickelt, dass er in den Mittleren so abgestraft wird, dass er dann einfach politisch eine lame duck ist. Das heißt, er kann dann noch vielleicht irgendwelche Executive Orders raushauen, aber er verliert dann halt seine Mehrheit, seine Dünne im Kongress.

Also idealerweise für die noch halbwegs anständige Welt, sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. Und dann ist seine erratische Art ein bisschen neutralisiert. Trotzdem kann er immer noch sagen mit Berufung auf der Warpower Act, ich bin der Präsident und ich kann trotzdem diesen Krieg weiterführen.

Aber ich glaube, dass dann die Partei, die republikanische, dann beginnen wird von ihm abzurücken. Trump und Putin führen also ihre Kriege mit den wirtschaftlichen und militärischen Mitteln des 20. Jahrhunderts und drohen damit zu scheitern. So die Analyse von Militärökonom Markus Kolb, der für Russland sogar Parallelen zum Scheitern der Sowjetunion Ende der 80er Jahre zieht.

Jede Woche sprechen wir hier bei Militär und Macht die Analyse über globale Machtverschiebungen, militärische Strategien und die Frage, wie sich Konflikte im 21. Jahrhundert verändern. Die vollständigen Sendungen mit verifizierten Videos und Karten findet ihr auch als Livestream auf YouTube und in der ZDF Heute App.

Schaut gern rein und stellt eure Fragen. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.

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