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Militär & Macht - die Analyse von ZDFheute live

Was die massiven Drohnen- und Raketenangriffe über Russlands Strategie verraten

Freitag, 29. Mai 2026 · 35 min

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Shownotes

Am Wochenende setzte Russland zum dritten Mal eine Oreschnik-Rakete ein. Sie war Teil eines großen Luftangriffs auf die Region Kiew. Die Rakete erreicht eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und kann Ziele in bis zu 5.000 Kilometern Entfernung treffen.

Die Ukraine kündigte Gegenschläge an. In den vergangenen Wochen hatte Kiew immer wieder erfolgreich mit Drohnen tief in Russland angegriffen. Auch Moskau wurde getroffen.

In Zypern berieten unterdessen die EU-Außenminister. Sie wollen, dass Europa in möglichen Friedensverhandlungen eine Rolle spielt – allerdings nicht zu Putins Bedingungen.

In dieser Folge erklärt Oberst Markus Reisner, welche Strategie Russland derzeit verfolgt. Außerdem berichten ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh aus der Ukraine und ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers aus Zypern. 

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Das Ziel der Russen ist es eigentlich, hier Angst und Schrecken zu verursachen, so wie auch in der Vergangenheit, immer dann, wenn es für die Russen eben nicht an der Front gut gelaufen ist. Welche Strategie steckt hinter den russischen Angriffen auf die Ukraine? Hey, ich bin Alisa Jung und genau darüber habe ich mit Militärexperte Oberst Markus Reisner gesprochen.

In der Nacht auf Sonntag hat Russland die Ukraine erneut massiv attackiert, mit hunderten Drohnen und Raketen auf das Land gezielt und zum dritten Mal auch eine Hyperschallrakete des Typs Oreschnik eingesetzt. Ist das ein Zeichen russischer Stärke oder doch eher genau das Gegenteil? Lassen Sie uns das für üblich kurz einordnen und man muss also feststellen, dass das ja nicht der erste Einsatz einer Oreschnik-Rakete ist, sondern wir hatten in der Vergangenheit bereits zweimal ebenfalls den Einsatz einer Oreschnik-Rakete.

Und da muss man sich ansehen, die Hintergründe. Beim ersten Mal war der Auslöser der Umstand, dass damals noch in der Biden-Administration es erlaubt worden ist, dass russisches Territorium bei Kursk durch weitreichende amerikanische Waffensysteme angegriffen werden. Und das war der Auslöser für den ersten Einsatz eines Verrechnungs.

Und es kam zu keiner weiteren Angriffen amerikanischer Waffensysteme auf Kursk-Territorium. Das zweite Mal war bereits dieses Jahr, und zwar der Umstand. Dass Trump im Prinzip offiziell gemacht hat, dass die CIA die Ukraine unterstützt mit der Übergabe von Zieldaten. Und auch die USA begonnen hat mit der Festsetzung von russischen Tankern.

Und wir haben ja wieder das zweite Mal einen Oreschnik gesehen. Und das war also auch eine klare Drohung Russlands. Und das dritte Mal ist jetzt dieser Einsatz gewesen, wo zwei Oreschnik-Raketen, Präsident Sedenz geschreibt, von zwei Oreschnik-Raketen eingesetzt worden sind. Und wir sehen wieder, dass es eigentlich nicht so läuft, wie Russland sich das vorstellt. Denn der Auslöser waren natürlich die schweren Luftangriffe der Ukraine auf russische Städte, vor allem auf Moskau.

Und deswegen haben die Russen ganz klar dieses Zeichengesetz der Symbolwirkung nach Europa und darum auch gerade diese Mittelstreckenrakete Oreschnik ausgewählt. Denn wir wissen, dass die europäische Verteidigungsfähigkeit, was die strategische Raketenarbeit betrifft, sehr marginal ausgewiesen ist. Schauen wir nämlich mal auf ein paar Fakten auch von dieser Oreschnik-Rakete, um zu verstehen, was das eigentlich ist, warum die vielleicht auch schwerer wie könnte als andere Raketen.

Blenden wir euch jetzt mal hier ein. Also die Oreschnik-Rakete, die hat eine Reichweite bis zu 5000 Kilometern. Mehr als 12.000 Kilometer pro Stunde kann sie eben fliegen und sie könnte eben, das steht bei uns hier als dritter Punkt, für eine geplante Bewaffnung mit Mehrfachsprengköpfen, konventionell oder nuklear, benutzt werden. Sie könnte.

Jetzt gibt es bei uns direkt im Stream dazu eine Frage an Sie. Kann es denn sein, dass es für die Oreschnik-Rakete überhaupt keine Sprengköpfe gibt, weder atomar noch konventionell? Man kann davon ausgehen, dass diese Sprengköpfe sehr wohl auch tatsächlich schon existieren und dass Russland auch bereit wäre, diese einzusetzen.

Aber Sie dürfen nicht vergessen, das ist eine klare Drohmaßnahme, so wie auch in der Vergangenheit und soll vor allem dazu dienen, dass wir uns mit dieser Gefahr auseinandersetzen und darüber diskutieren und nicht über das, was zum Beispiel jetzt gerade an der Front passiert, wo es nämlich zu keinem weiteren Vormeischt der russischen Truppen kommt.

Das heißt, wir sehen also hier, dass gerade der Informationsraum ganz gezielt bespielt wird durch ein Waffensystem, das zugegebenermaßen eine tatsächliche Bedrohung darstellt. Aber das Ziel der Russen ist es eigentlich, hier Angst und Schrecken zu verursachen, so wie auch in der Vergangenheit, immer dann, wenn es für die Russen eben nicht an der Front gut gelaufen ist.

Und warum hat jetzt aber die Oreschnik, als sie eingesetzt wurde, während dieser Angriffswelle verhältnismäßig wenig Schaden nur angerichtet? Das liegt daran, weil eben der ausgewählte Mehrfachsprengkopf, den die Russen eingesetzt haben, kein Sprengkopf ist in der Form, wie wir uns das vielleicht vorstellen würden, das heißt, durch Sprengwirkung wirkt, sondern es waren im Prinzip sechs Salven von nicht-kinetischen Wirkkörpern, die durch den Schirnaufprall einen Schaden verursachen.

Man konnte untersuchen quasi nach dem Angriff und auch über den vorigen Angriffen des Schadensausmaß. Also wir haben 36 Stück, die quasi hier eingeschlagen sind von diesen Wurfkörpern. Jeder hat verursacht einen Krater von zwei Meter Tiefe und drei Meter Breite. Das ist vergleichbar mit der Wirkung, die eine russische Garan-2-Drohne verursacht.

Das heißt, wir haben also gleichzeitig den Einsatz gesehen von 36 Stück Garan-2-Drohnen auf relativ begrenzten Raum. Das ist jetzt nicht verheerend, das kann natürlich Schirren verursachen, aber das zeigt vor allem, dass die Russen quasi damit zeigen wollten, dass sie diese Rakete einsetzen, nicht zu sehr den Sprengkopf.

Und welches Signal wollte Russland aber jetzt eben mit dem Einsatz der Oreschnik, aber auch mit der gesamten Angriffswelle vom Wochenende senden, außer jetzt Rache? Also welches Signal und an wen? Lassen Sie mich klar sagen, dieser Angriff war keine Überraschung. Ich habe auch vor dem Angriff mit einem ukrainischen Kameraden telefoniert, der vorausgesagt hat, dass Sie quasi in den nächsten Tagen diesen Angriff erwarten.

Und genauso ist er auch passiert. Was war jetzt der Auslöser dieses Angriffs? Und da müssen wir kurz ein bisschen in die Vergangenheit zurückschauen, und zwar in den Anfang des Mai. Hier können Sie sich vielleicht erinnern, da stand also die russische Parade am 9. Mai auf dem Plan. Russland hatte Angst, dass quasi diese Parade durch die weitreichenden Angriffe ukrainischer Drohnen gestört wird.

Man hat dann versucht, den amerikanischen Präsidenten auch zu instrumentalisieren, indem man ihm angeboten hat, einen Waffenstillstand, der ja quasi umsetzbar wäre, wenn auch der ukrainische Präsident zustimmen würde. Der hat also zuerst dagegen gehalten, hat aber dann auch zugestimmt. Und dann kam es quasi zu dem ersten schweren Angriff der Ukrainer nach dem Ablauf der Feierlichkeiten auf Moskau.

Und Moskau hat dann mit Vergeltung geantwortet. Und Moskau musste sich vor allem auch erklären gegenüber der eigenen Bevölkerung. Denn das große Narrativ, das ja hier immer wieder verwendet wird, ist, dass die Spezialoperation, so nennen die Russen diesen Krieg in der Ukraine, ja nicht in Russland stattfindet, sondern ganz weit entfernt.

Und dadurch, dass die Ukraine es schaffen, diese Drohnen bis nach Moskau zu schicken, braucht es ja ein Erklärungsmodell. Und das liefert Russland einerseits durch die Erklärung, dass ja die NATO schuld ist an diesen Angriffen, weil sie ja die Ukraine unterstützt, aber andererseits auch gleich mitgeliefert den Umstand, dass man ja selbst vergelten könnte, noch viel verheerender, das die Ukraine tun kann.

Das heißt, wir sehen also hier im Informationsraum auf strategischer Ebene durchgeführt, einen gegenseitigen Schlagabtausch, der dazu dient, den anderen einzuschüchtern, aber auch konkrete Europäer, denn die Russen wissen, dass europäische Unternehmen natürlich die Ukraine unterstützen beim Bau von jenen Drohnen, die sie quasi in der letzten Woche auch immer wieder angegriffen haben.

Immer diese Drohgebärde, jetzt auch diese Eskalation natürlich abermals. Es gibt ja immer wieder auch eine Eskalation in diesem Krieg. Klingt das jetzt für Sie, als wäre da eine Wiederaufnahme mit Verhandlungen mit den USA, eben mit Ukraine im Zweifel, als wäre das realistisch von russischer Seite? Und das Tragische ist, dass die USA eigentlich hat ausrichten lassen, dass sie sich zurzeit aus den Friedensverhandlungen zur Gänze zurückgezogen hat und sich erst wieder dann involvieren wird, wenn also im Prinzip die beiden Konfliktparteien bereit sind für diese Verhandlungen.

Das ist keine gute Nachricht, zeigt aber, dass es quasi eine gewisse Verdrossenheit in den USA herrscht. Vor allem natürlich betrachten, dass die USA momentan zur Gänze mit dem Iran-Konflikt im Prinzip beansprucht sind. Was wir sehen können, ist sehr wohl auch die eine oder andere interessante Äußerung.

Einerseits von Präsident Zelensky, der gesagt hat, es kann also durchaus sein, dass der Krieg sich Ende des Jahres dem Ende zuneigt. Und sogar Präsident Putin hat am Rande der Feierlichkeiten des 9. Mai gesagt, dass der Krieg sich dem Ende zuneigen kann. Was ist der Hintergrund? Das kann man ganz klar ansprechen. Auf der operativ-taktischen Ebene müssen beide Seiten feststellen, der Verteidiger und der Angreifer, dass sie eigentlich kein Mittel haben, um dieses Part in der Kriegsführung zu überwinden.

Diesen Drohnenkrieg, den wir jetzt gerade sehen, der eine Todeszone von 50 Kilometer Breite geschaffen hat, die beide Seiten kaum überwinden können, die zwar den Verteidiger begünstigt, aber den Angreif des Ungleichs schwieriger macht. Und was jetzt gerade passiert ist, dass man versucht, auf der strategischen Ebene durch diese gegenseitigen Luftangriffe zu eskalieren und jede Seite hofft, die andere in die Knie zu zwingen, um möglichst am Ende des Jahres ein Ergebnis zu haben.

Rechtzeitig um zu vermeiden, dass der Krieg einen nachhaltigen Schaden anrichtet, in den Wirtschaften Russlands zum Beispiel oder bei der Ukraine, Stichwort Zusammenbruch der Front. Wir werden auch gleich in die Ukraine noch kurz schalten, danach mit Ihnen weitersprechen, Weil der Grund ist, Russland droht jetzt auch schon wieder erneut.

Droht also mit weiteren Angriffen. Ausländer, Botschaftspersonaldiplomaten, die sollten Kiew verlassen, heißt es aus Moskau. Wie ernst nehmen Sie diese Drohung? Das ist natürlich durchaus ernst zu nehmen. Es ist aber jetzt aus meiner Sicht nichts Besonderes, was passiert, sondern wenn man genau hinsieht, muss man feststellen, dass die Russen bereits jetzt jeden Tag, jeden Tag, die Ukraine mit ca.

150 bis 200 Stück Drohnen angreifen. Das sind vor allem diese Garanz-Froh-Drohnen, deren Sprengkraft wir vorher schon kurz beschrieben haben. Und wir sehen alle fünf bis zehn Tage diese schweren Luftangriffe. Auch der letzte Luftangriff war ein schwerer Luftangriff, jetzt nur deswegen herausstechend, weil die Russen eben diese zwei Euro Rechnung eingesetzt haben.

Das heißt, die Russen versuchen, weil sie eben in einer Patz-Situation auf der operativ-taktischen Ebene sind, auf der strategischen zu eskalieren und das können sie durch diese Angriffe. Dazu muss man wissen, dass Russland unterstützt wird durch Staaten wie China und China macht es möglich, dass Russland in letzter Konsequenz eine Produktionsrate von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen aufrechterhalten kann, die es ihm möglich macht, diese Angriffe durchzuführen.

Und diese Angriffe haben natürlich eine Wirkung. Sie sehen das spätestens dann, wenn der ukrainische Präsident gezwungen ist, einen Brief an den amerikanischen Präsidenten zu schreiben, in dem er in jedem Absatz betont, wie wichtig es wäre, dass jetzt diese neuen Petrotraketten, die produziert worden sind, bekommen.

Denn sie stehen in einer Situation, wo sie es zwar geschafft haben, die Russen auf der Front quasi mehr oder weniger aufzuhalten, aber sie haben also kaum Mittel gegen die strategischen Luftkriegsmitteln der Russen und dazu brauchen sie diese Petros. Und das zeigt auch, dass es für die Ukraine nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, und sehr knapp wird.

Frieden oder auch nur eine Waffenruhe scheint weit weg. Dafür bräuchte es erstmal Verhandlungen. Aus der Ukraine beobachtet ZDF-Reporter Dara Hassan Sadeh die Lage. Wie könnten Verhandlungen über die Ukraine aussehen? Die EU will dabei unbedingt eine Rolle spielen, erklärt ZDF-Korrespondentin Isabel Schäfers.

Sie hat für uns das Treffen der EU-Außenminister in Zypern begleitet. Das Treffen ist vorbei und es ist nicht wirklich ein Beschluss rausgekommen. Das war aber auch ein informelles Zusammentreffen und da ist gar nicht vorgesehen, dass man wirklich Beschlüsse trifft. Aber es zeichnen sich doch ein paar Sachen ab.

Es wird ja derzeit viel darüber diskutiert, wer denn für Europa verhandeln würde, wenn Europa denn mit am Tisch säße. Und da ist klar geworden, dass man da noch nicht ganz auf einer Linie ist. Alle haben gesagt, dass es wichtig ist, dass Europa mit einer Stimme spricht, dass man sich da einigt. Es gibt aber verschiedene Vorstellungen. Manche sagen, das soll lieber ein ehemaliger Staatschef sein, der keine eigenen Belange mehr einbringt.

Andere sagen, wir haben doch schon EU-Institutionen, da kann doch jemand mit verhandeln. Aber was auch alle eint, ist, dass man derzeit noch nicht öffentlich über Namen diskutieren will. Aus Sorge, dass dieser Name dann zerredet wird, dass Putin versuchen könnte, da auch Einfluss zu nehmen, wer denn von europäischer Seite verhandelt, weil man hier davon ausgeht, dass es eben noch sehr lange überhaupt dauert, bis so eine Person dann wirklich mal zu Verhandlungen kommen würde, da im Moment gar keine Bereitschaft gesehen wird, dass Russland wieder an den Tisch zurückkehrt.

Und was ja auch noch sehr deutlich wurde, das ist die große Bereitschaft, die Ukraine weiter zu unterstützen. Dabei geht es einmal darum, mehr Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Da ist eine große finanzielle Lücke da. Da weiß man noch nicht genau, wie man das zustande bringen will. Da sind jetzt alle europäischen Staaten gefragt, da mehr bilateral einzubringen.

Und dann ist da noch die große Frage des Ukraine-Beitritts zur EU. Das wird nicht schnell gehen. Und da gibt es jetzt verschiedene Überlegungen, wie man in einer Übergangslösung die Ukraine enger an die EU binden kann, wie etwa der Vorschlag von Bundeskanzler Merz, einer assoziierten Mitgliedschaft. Aber bei all diesen Fragen hat man jetzt noch keine direkte Antwort gefunden.

Sarah, dann zu dir nach Kiew. Du hast auch das Wochenende eben in der Hauptstadt verbracht, hast die heftigen Angriffe erlebt. Glaubt denn die Ukraine besonders auch nach dieser Angriffswelle überhaupt daran, dass da Verhandlungen wieder aufgenommen werden könnten? Ja, glauben tut man hier auf jeden Fall. Aber man hat große Zweifel, wann die Amerikaner sich wieder dem Vermittlungsprozess im Endeffekt widmen werden.

Und deshalb ist man hier sehr darauf auf, diese großen Zweifel umzuwandeln in Aktivität auf dem diplomatischen Parkett. Man nutzt jedes Gespräch mit der EU, sei es um die Beitrittsgespräche, die Clusters beginnen ja jetzt im Juni, dass man da auch darauf hinweist, dass man strategische Überlegungen für die Flugabwehr aufbauen müsse und natürlich, dass man eine Art Initiative parallel zu dem Kanal der Amerikaner aufbaut.

Aus ukrainischer Sicht wäre das überhaupt kein Problem, Denn schließlich wären die verhandelnden Parteien Russland und die Ukraine dieselbe. Nur die Vermittlung würde sich ändern. Gestern waren hier zwei Senatoren da und Kongressmitglieder aus den USA. Dort ging es hauptsächlich um die Idee von Lizenzen für Patriot-Munition, MPEG-3.

Diese wirklich sehr wirkungsvolle Munition. und man hofft, dass man diese Lizenz irgendwann mal erteilt bekommt von den USA. Dann wäre man nämlich unabhängiger von dieser Munitionsknappheit. Und gleichzeitig hofft man natürlich, dass wenn dieses Anliegen vorgetragen wird im Kongress und auch beim Präsidenten, dass dann wieder Schwung reinkommen könnte in die Friedensverhandlungen.

Aber einen wirklichen Weg oder eine klare Linie haben sie hier noch nicht gefunden, auch weil die EU nicht sonderlich schnell ist in Deutschland. Dem Finden einer Person, die vermitteln könnte. So hat der ukrainische Präsident eben schriftlich auch in den letzten Tagen die USA um mehr Abwehrraketen für das System Patriot gebeten.

Das sind nämlich die einzigen, die da zuverlässig wirken, Isabel. Deshalb die Frage an dich. Also Europa ist der stärkste Unterstützer der Ukraine. Ja, das ist klar aktuell. Aber gleichzeitig wirkt es ja oft so trotzdem, dass am Ende der US-Präsident ja über Wohl und Weh entscheidet. Vor allem, wenn es halt um diese Verhandlungen auch geht. Hat Europa denn einen Plan jetzt in Zypern gefunden, eben die eigene Rolle da auch zu stärken, also um einfach sich da besser wirklich zu positionieren, um eine Rolle zu spielen?

Also ich glaube, in Europa würde man sagen, eine Person alleine zu finden, das bringt uns noch nicht an den Verhandlungstisch. Denn die Europäer fordern ja schon lange, dass sie mehr beteiligt werden. Und am Ende würde das wohl an den USA oder einem anderen Partner von außen hängen, die Europäer hier mit an den Tisch zu holen.

Denn es ist ja sehr unwahrscheinlich, dass Russland von sich aus zustimmen würde, dass die EU damit am Tisch sitzt. Und das hat auch einen Grund, nämlich die EU-Außenbeauftragte Callas hat ja heute nochmal sehr klar betont, dass Europa niemals ein neutraler Vermittler sein kann. Also hier einfach die Rolle der USA einzunehmen, das geht gar nicht.

Weil die Europäer selbst sagen, sie stehen immer fest an der Seite der Ukraine. Sie haben hier eigene Sicherheitsinteressen, die sie vertreten müssen in diesen Verhandlungen. Und deswegen bleibt ihnen eigentlich im Moment nicht viel mehr als weiter Druck auf Russland zu machen, die Ukraine weiter zu unterstützen, sich inhaltlich erstmal aufzustellen für mögliche Verhandlungen.

Sie wissen nämlich noch gar nicht so genau, welche Punkte sie da einbringen würden. und auch Stärke gegenüber den USA zu zeigen. Das ist so ein bisschen ein Nebenschauplatz. Das versuchen sie ja auch im Rahmen der NATO, sich mit der Verteidigung besser aufzustellen, um auch hier ein besseres Standing gegenüber den USA zu bekommen.

Ja, die Europäer können jetzt eigentlich nicht viel mehr tun, als Russland weiter unter Druck zu setzen, die Ukraine zu unterstützen, sich selbst zu überlegen, wie sie inhaltlich sich eigentlich in solche Verhandlungen einbringen wollen und auf einem Art Nebenschauplatz Stärke gegenüber den USA zu zeigen.

Das versuchen sie ja auch, indem sie ihre Verteidigung besser aufsetzen. Und all das hoffen sie, dass das am Ende dazu führt, dass sie einen Platz am Verhandlungstisch bekommen. Die Europäer selbst haben aber eben nur begrenzt Einfluss darauf. Lara, dann an dich noch zum Schluss die Frage. Du bist ja in Kiew für uns.

Es gibt diese Drohung aus Moskau. Wie groß ist die Sorge der Menschen vor Ort, dass da jetzt eben wieder eine genauso heftige Welle, eine noch stärkere Angriffswelle auf sie zukommt? Ja, die Sorge ist da. Man muss allerdings auch sagen, dass die Menschen schon ziemlich lang mit dieser Sorge leben. Und sie sagen meistens auch, so schlimm das ist, wir haben uns daran gewöhnt.

Damit meinen sie nicht, dass man sich an Einschläge gewöhnt oder an Tote oder Verletzte und zerstörte Häuser. Damit meinen sie, dass sie zum Beispiel viel bessere Warn-Apps haben, dass genauer informiert wird, welche Flugzeuge aufsteigen, mit welchen Raketen sie beladen sind. Und dann weiß man grob, wenn Raketenbeschuss droht, dann geht man besser in die U-Bahn.

Wenn es nur Drohnen sind, in Anführungszeichen, da ist auch die Abschussrate relativ hoch. Dann kann es gedügen, wenn es ein massives Gebäude ist, im Keller, in der Badewanne oder im Korridor zu stehen. Und so stellen sich die Leute darauf ein. Und man darf nicht vergessen, sie haben hier einen Winter durchgestanden, der so bitterlich kalt war. und wo der Beschuss auch stattfand.

Dieser letzte Angriff hatte halt eine enorme Wirkung, weil es einen Markt getroffen hat, wo die Zerstörung so offensichtlich war. Die Todesopfer bei dem vorherigen Angriff waren viel höher. Da traf es nämlich ein Wohnhaus, ziemlich unvorbereitet. Von daher, die Menschen werden weiter damit leben. Und das ist bitter und schrecklich.

Vielleicht im Sommer etwas einfacher als im Winter. Und die Hoffnung auf bessere und effektivere Flugabwehr, die ist natürlich da. Wir haben allerdings auch in den letzten drei Jahren festgestellt, dass mit jeder Verbesserung der Flugabwehr auch die Massivität der Angriffe gestiegen ist. Sodass es wohl nie zu der Situation kommen wird in naher Zukunft, dass alles abgefangen werden kann.

Von Oberst Markus Reißner wollte ich dann nochmal wissen, was bräuchte es denn, damit Russland überhaupt an den Verhandlungstisch kommt? Erlauben Sie mir, diese Frage zu beantworten, auch in einem Kommentar zu dem, was die Vorredner gesagt haben. Und ich sage Ihnen das ganz klar, ich sage das jetzt nicht als Offizier oder Militärangehöriger, ich sage das auch nicht als Österreicher, sondern ich sage Ihnen das als Europäer.

Es wird der Ukraine nicht helfen, dass der Europäer darüber verhandeln, wer verhandeln darf. Sondern was der Ukraine hilft, ist, dass man es möglich macht, dass Russland keine Chance hat, tatsächlich an irgendeiner Stelle, egal ob das auf der strategischen, operativen oder taktischen, wann einen Erfolg gegenüber der Ukraine erzielt.

Und dazu braucht es auf der strategischen Ebene, Stichwort Luftangriffe, Fliegerabwehrraketen. Das heißt, man müsste in Zypern eigentlich jetzt gerade darüber diskutieren, eine neue Initiative zu starten, wer in Europa in welchem Umfang Flieger bei Raketen produziert, die ungefähr auch mit dem Petro-System mithalten können, wie zum Beispiel das MPT.

Und das müsste man in großen Mengen an die Ukraine liefern. Und das sind reine Defensivwaffen. Also für alle, die jetzt wieder sagen, Gottes Willen, die Eskalation steht vor der Tür. Nein, sondern man hilft der Ukraine mit Defensivwaffen, die Angriffe der Russen abzuwehren, damit die Russen keinen Vorteil haben. Und die Ukraine weiß, trotz der positiven Nachrichten, sie hat diesen nächsten Sommer die Chance, sich auf den nächsten Winter vorzubereiten.

Und wenn sie das nicht tut und wenn sie das nicht kann, dann wird der nächste Winter noch härter werden als der letzte Winter. Das muss man also an dieser Stelle einfach ganz klar ansprechen. Wir sprechen auch gleich noch weiter, das, was es braucht, über Defensivwaffen. Aber es passt hier trotzdem die Frage von Rainer bei uns im Stream.

Jeder Kriegstag kostet Leben, Ressourcen und unglaublich viel Geld. Wäre nicht ein Verhandlungskompromiss denkbar, dass Donbass und belagerte Gebiete so etwas wie eine eigenständige Region würden. Was ist Ihre Meinung dazu? Natürlich, er hat es völlig recht. Es wäre natürlich toll, wenn die Diplomatie endlich Raum gewinnen würde, denn dann würde der Sterben aufhören.

Aber hören wir noch einmal genau hin, was es auch gesagt wird. Viele sagen, Präsident Zelensky ist der Schuldige, warum es nicht zu Verhandlungen kommt oder zu einem Ergebnis. Das stimmt so nicht. Präsident Zelensky hat bereits letztes Jahr gesagt, okay, wir haben es verstanden. Wir werden vermutlich die Ukraine in der alten Form nicht mehr zurückerobern können und befreien können.

Aber wir wollen zumindest, dass die Front eingefroren wird. Und wir wollen zumindest, dass nicht die Russen was mit einem Sprung hinter unseren letzten Verteidigungsstellungen vormarschieren. Das ist das, was er sagt. Also er hat einen Maximalkompromiss auf den Tisch gelegt. Jetzt fragt sich natürlich jeder, warum passiert da nichts?

Der Grund ist, weil die Russen einfach nicht dazu bereit sind und sagen, nein, wir sind also nicht bereit, auf das einzugehen, sondern wir wollen unsere Maximalforderung erfüllt haben. Und das ist zumindest der gesamte Dom, was uns gehört. Das heißt, wir stehen mit einem Sprung hinter der letzten ungenischen Verteidigungsstellungen.

Und das russische Kalkül ist, wenn es keine Sicherheitsgarantien gibt, dann warten wir ein paar Jahre, rüsten unsere Streitkräfte auf und greifen weiter Richtung Nebarn. Wer kann verhindern, dass das wirklich tatsächlich passiert? Und das ist die verworrene Situation. Also es ist nicht der Fall, dass der Diplomatie keinen Raum gegeben wird, sondern das Problem ist, dass es einfach zwei Seiten braucht, die bereit sind, aufeinander zuzugehen.

Und die ukrainische, seien Sie mich böse, tut das, aber die russische Seite sagt, nicht. Entscheidend ist ja auch, wie gut oder schlecht läuft es für den einen oder anderen jeweils an der Front, eben im besagten Donbass. Sie haben uns zwei Karten mitgebracht. Wir wollen auch jetzt gerne mal auf die Lage an der Front schauen, gerne auf die Karten, die Sie mitgebracht haben und von Ihnen gerne die aktuelle Einschätzung. Wie sieht es aktuell aus, um die russische Vorgehensweise, eben das Vorrücken an der Front im Donbass im Osten?

Sehen wir uns kurz die Situation an. Zuerst muss man einleitend sagen, dass die Ukraine es geschafft hat, durch, ich verwende jetzt einen Begriff, der aus meiner Sicht passend ist, durch eine Art Drohnenwall entlang der gesamten Front, die Russen daran zu hindern, vorzumarschieren. Die russische Frühjahrsoffensive ist verpufft. Schauen wir uns ganz kurz an die russischen Streitkräfte.

Die russischen Streitkräfte sind in sogenannten operativen Manövergruppen disloziert. Die beginnen im Norden mit der Gruppe Nord, ziehen sich durch über den Mittelabschnitt bis in den Süden zur Gruppe Tnebro. Der Nord- und der Südabschnitt sind eigentlich Nebenkriegsschauplätze. Das Zentrum, Sie sehen es auch in den Gruppierungen, ist der Raum des Donbass, Donetsk, dieser Raum im Wesentlichen.

Was Russland jetzt versucht in Vorbereitung auf die Sommeroffensive und die passiert in Kürze, ist im Norden und im Süden Druck auszuüben, um die Ukraine dazu verleiten, aus den Zentralraum Gruppen zu verlegen, nach Kharkiv, nach Sumy, nach Saborizia im Süden, um dann quasi im Zentralraum einen Stoß durchzuführen mit dem intentierten operativen Durchbruch.

Das haben sie auch die letzten zwei Jahre versucht, das ist ihnen nicht gelungen, aber sie werden es auch dieses Jahr versuchen und es wird davon abhängen, ob die Ukraine in der Lage ist, ihre begrenzten Ressourcen so einzusetzen, unterstützt durch Drohnen und Roboter, dass sie auch diesen Sommer schafft, diese Offensive abzuwehren.

Wenn das nicht gelingt, werden die Russen versuchen, den Donbass in Besitz zu nehmen. Das ist das Ziel, das auch Putin ausgegeben hat. Diese Karte, können Sie uns noch einen Satz mehr dazu sagen, also zu diesen Bezeichnungen der Angriffsverbände? Diese operativen Manövergruppen sind so entstanden, dass im Prinzip die russischen Militärbezirke eigentlich am Beginn des Konflikts quasi einzelne Gruppierungen aufgestellt haben.

Und im Verlauf des Konflikts, der ja auch russische Gruppierungen zurückgedrängt hat, also quasi Erfolge für die Ukraine gezeigt hat, kamen diese Verbände dann zum Teil dort zu liegen, wo wir sie heute sehen. Darum haben wir oft eine ein bisschen verwirrende Bezeichnung von Nord, West, Süd, eigentlich im Osten und dann ganz im Süden wieder Ost und quasi dann Dnebro.

Aber das ist der Hintergrund. Und diese operativen Manövergruppen agieren wie Armeegroßverbände, sind also selbstständig im Prinzip in der Lage, ihre Ziele zu definieren. Und man sieht sehr schön an der Zusammenhäufung der Gruppierungen im Zentrum, dass das Schwergewicht sich dort befindet. Konkret eigentlich geht es jetzt im Moment vor allem um die Stadt Konstantinivka.

Konstantinivka, Sie sprechen es an, schauen wir auch gerne drauf. Wie ist die aktuelle Lage, wenn es darum geht, für die Ukraine Konstantinivka zu verteidigen? Gelingt das der Ukraine? Im Moment ist es so, dass wir hier zwei Narrative haben und das erinnert uns leider an viele andere Städte, deren Namen wir vergessen haben, die wir intensiv diskutiert haben.

Sei es Bakhmut, sei es auf die EFK, Ugleda, jetzt auch Konstantinivka. Wir sehen, dass die Russen versuchen in der altbewährten Taktik frontal und von den Flanken anzugreifen. Wir sehen, dass die Russen mittlerweile perfektioniert haben, das System in der Tiefe dieser Angriffsgruppierungen praktisch mit Drohneneinheiten wie zum Beispiel Rubicon die ukrainische Logistik zu unterbrechen, damit die Ukrainer auszudünnen, es ihnen unmöglich zu machen, Versorgungsgüter in den Kesselgase hineinzubringen.

Aber auch Verwundete zu evakuieren und über diesen Abnutzungskrieg, der sich dann über die Wochen und Monate fortsetzt, diese Städte in Besitz zu nehmen. Konstantinivka ist der Eintritt in den Festungsgürtel, der sich fortsetzt von Konstantinivka über Drushivka, Kammerdorst nach Slobiansk und das Ziel der Russen ist es, einen Fuß in die Türe dieses Festungsgürtels zu bekommen und da weiter fortzumischern.

Die Russen behaupten, dass sie ca. 33% Konstantinivskas bereits in Besitz haben. Wenn man sich die Bilder betrachtet, dann sieht man, dass es auch diese 33 Prozent noch heftig umkämpft sind. Die Ukraine halten ihre Stellungen, können versorgt werden. Zum Teil ist das nunmehr möglich durch den Einsatz von Bodendrohnen, die über Kilometer herangeführt werden oder durch Drohnen, die aus der Luft quasi faktisch Versorgungsgüter abwerfen.

Aber die Situation ist sehr zugespitzt. Und wir sehen also auch in den sozialen Netzwerken beider Seiten, die überschwemmt werden von Bildern der Kämpfe in Konstantinivka, dass das im Moment wirklich der Hotspot ist, parallel zu den Angriffen der Russen im Norden und im Süden zur Ausdünnung der ukrainischen Kräfte.

Ich habe eine Frage im Stream eben kurz überflogen. Die klang so, also die Frage an Sie, sind Sie überrascht davon, dass Russland militärisch dort geschwächt scheint? Empfinden Sie das überhaupt so? Ist Russland für Sie überhaupt geschwächt gerade an der Front? Sie dürfen nicht vergessen, wir haben das fünfte Kriegsjahr und ich vergleiche das ja oft mit einem Boxkampf.

Und wenn ein Boxkampf nicht durch ein K.O. entschieden wird oder relativ rasch an einem Ende kommt, dann sehen wir, dass in den letzten Runden sich beide Gegner in den Armen liegen und durch den Schiedsrichter immer wieder getrennt werden müssen, damit der Boxkampf überhaupt beginnt, weil beide einfach völlig erschöpft sind. Und das ist auch der Fall.

Auf der operativ-taktischen Ebene haben beide Seiten massive Verluste erlitten. Wir haben eine Paz-Situation durch den Einsatz dieser vielen, vielen Drohnen. Es wird im Prinzip Menschenjagd betrieben auf einzelne Soldaten von beiden Seiten. Der ukrainische Soldat, wenn er sich aus dem Bunker an die Oberfläche wagt.

Der russische Soldat, wenn er in kleinen Trupps versucht, diesen Bunker anzugreifen. Und es gibt also keinen Durchstoß im Wesentlichen. Und auch die Russen müssen erkennen im 5. Kriegsjahr, dass die Art und Weise, wie sie ihre Angriffe vorgetragen haben, nicht zu dem Erfolg führt. Darum sehen wir gerade ja diese Eskalation auf der strategischen Ebene.

Aber das ist also das Bemerkenswerte aus meiner Sicht. Das ein bisschen erinnert an die Westfront im Jahr 1916-17. Artillerieduelle haben damals den Krieg geprägt. kleine Stoßdruckunternehmen und im Prinzip war das die Einleitung auch der letzten Phase. Und da ist eben bemerkenswert, dass Selenskyj, aber auch Putin eigentlich gesprochen davon haben, dass der Krieg sich dem Ende zuneigt, denn vielleicht ist es tatsächlich so, dass man erkennt, dass man so nicht weitermachen kann und das Sterben ein Ende finden muss.

Gleichzeitig verbreitet die russische Seite vergangene Woche starke Bilder, nennen wir es mal so für den Moment, eines Manövers der russischen Nuklearstreitkräfte, Also eine Machtdemonstration, die da vollführt wurde, können auch gleich nochmal ein paar Bilder zeigen. Soll das, wenn man da also zeigt, wie nuklear stark man ist, was soll das bedienen?

Also was erhoffen sich die Russen davon, wenn sie eben zeigen, okay, hier, wir können natürlich auch das hier einsetzen? Diese Bilder haben also unterschiedliche Zielgruppen, die Sie auch adressieren sollen. Auf der einen Seite sehen wir vor allem die russische Bevölkerung, die sich natürlich auch im fünften Jahr des Krieges fragt, wie soll das weitergehen?

Vor allem kann es sein, dass ukrainische Drohnen mittlerweile Moskau angreifen und die russische Führung versichert der russischen Bevölkerung, wir können noch weiter eskalieren, wir haben ja unsere Nuklearstreitkräfte und wenn es existenziell wird, dann werden wir diese einsetzen. Die zweite Zielgruppe ist natürlich der Westen, hier ganz konkret auf der einen Seite die USA, der man zeigt, dass man also tatsächlich Sachen verwenden könnte, die also gefährlich werden.

Auch wenn Sie sich anschauen, den diesjährigen erstellten amerikanischen Nachrichtendienst- und Geheimdienstbericht, da steht also ganz klar und eindeutig drinnen, dass die russischen Streitkräfte Fähigkeiten haben, die sehr gefährlich sind und dass man diese nicht unterschätzen darf. Das heißt, das ist auch das, was sich im Prinzip durchzieht seit Beginn des Krieges.

Denken Sie daran, im Herbst 2022 hatten wir eine Eskalation, die heute sehr gut dokumentiert ist, wo die Russen überlegt haben, taktische Atomwaffen einzusetzen. Und die USA haben alles daran gesetzt, dass das nicht der Fall ist. Das heißt, sie nehmen das ernst. Und die Zielgruppe, die wir natürlich auch nicht vergessen dürfen, ist Europa. Jetzt ganz konkret aufgrund der Unterstützung der Ukraine durch im Prinzip Drohnenbauteile und Drohnenbestandteile und Motoren, die quasi aus Europa geliefert werden.

Also wo man den Europäern droht und sagt, schaut her, wenn ihr nicht aufhört mit der Unterstützung, das ist ja auch das Center of Gravity, wenn man das so nennt, quasi der Ukraine, die Unterstützung des Westens, dann werden wir oder werden wir in der Lage auch zu eskalieren. Aber lassen Sie mich eines sagen, keine Seite hat ernsthaft daran, irgendwo einen Dritten Weltkrieg von Zaum zu brechen.

Und Sie können dann auch versichert sein, dass man sehr genau darauf achtet und miteinander kommuniziert, dass genau das nicht passiert. Das ist auch die positive Nachricht im Vergleich zu dem, was wir in den 50er und 60er Jahren erlebt haben, des letzten Jahrhunderts, wo man mit den Atomwaffen noch nicht so umgehen gelernt hatte, wie das dann erst am Ende des 20.

Jahrhunderts tatsächlich der Fall war. Weil Russland bei diesem Manöver auch Bilder verbreitet hat, eben von Interkontinentalraketen aus russischer Produktion. Kann ich mir vorstellen, dass das jetzt auch zu diesen Fragen, die ich jetzt Ihnen gerne stellen möchte, bei uns im Stream geführt hat. Möchte ein User nämlich wissen, kann die Oreschnik im Zweifel mit NATO-Flugabwehr abgeschossen werden? Das ist eine Frage.

Und die andere Frage ist, welche Möglichkeiten gibt es denn, Hyperschallraketen abzufangen? Auch für Deutschland, möchte ein User wissen. Sie haben also völlig recht. Das gibt uns auch eine Antwort darauf, warum Russland so selbstbewusst diese Drogen ausspricht. Es gibt grundsätzlich Kurzstreckenraketen, Mittelstreckenraketen und Langstreckenraketen.

Es ist besonders schwierig, Mittelstrecken- und Langstreckenraketen abzufangen. Man muss klar ansprechen, die strategische Raketenabwehr Europas liegt in amerikanischen Händen. Die Amerikaner haben im Prinzip hier ihre Fähigkeiten, die sie den Europäern zur Verfügung stellen. Die Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr, hat das erste Mal mit der Beschaffung des Systems Arrow, einem bewährten System, das die israelischen Streitkräfte verwenden, die Möglichkeit, sich auch gegen Mittelstreckenraketen zu Wehr zu setzen, solange sie keine saturierenden Angriffe durchführen, also solange nicht dutzende Raketen gleichzeitig kommen.

Aber hier sehen wir einen sehr wichtigen Schritt, der auch zeigt, dass Europa bereit ist und auch die Bundesrepublik Deutschland quasi sich hier nicht bedrohen zu lassen, sondern auch Akzente zu setzen, wie zum Beispiel die Beschaffung dieses Aerosystems. Aber wenn Sie genau hinsehen und sich auch anhören, was Trump gegenüber Europas sagt und dass Sie jetzt auch im Prinzip das einordnen, wenn Sie hören, dass also die Fähigkeiten der USA zurückgefahren werden.

Und wenn Sie sich die nationale Sicherheitsstrategie und die daraus abgeleitete National Defense Strategy der USA ansehen, dann sehen Sie, dass die Amerikaner eindeutig verlangen, dass die Europäer hier mehr Verantwortung übernehmen. Und das bedeutet, dass wir in Zypern nicht darüber diskutieren sollten.

Wer jetzt quasi für wen verhandelt, sondern darüber diskutieren sollten, wie der europäische Abschieger und Verteidigungsweg gestärkt wird, in einer Art und Weise, dass diese russischen Drohungen ins Leere verlaufen. Schauen wir auch auf die russische Seite in diesem Fall, denn auch Russland muss sich, Ich habe es am Anfang der Sendung angesprochen, eben wegen vermehrter, erfolgreicher ukrainischer Angriffe, vor allem Drohnenangriffe auf russischem Staatsgebiet, muss ich da also immer mehr verteidigen.

Wir sehen da auch häufiger eben Bilder von Raketenabwehr auch mitten in Moskau, eben in der russischen Hauptstadt. Wie steht es denn um die russische Luftabwehr? Russland hat das große Problem, dass es ein riesiges Land hat, das es zu verteidigen hat und dass natürlich die Ukrainer hier sehr überlegt auch ihre Angriffe vortragen.

Sie wechseln laufend ihre Ziele, einmal im Norden Russlands, einmal quasi praktisch die Hauptstadt, dann wieder im Süden Russlands. Und wenn sie quasi, wie gesagt, saturieren, angreifen, wenn sie viele, viele hundert Drohnen einsetzen. Dann schafft es auch nicht ein dreifach ausgeprägter Verteidigungsring, um Moskau alle Drohnen abzufangen, sondern die Drohnen schlagen dann auch in den Städten quasi ein, in Moskau direkt in den Hochhäusern, so wie wir das eigentlich von den Bildern aus der Ukraine kennen.

Und das macht die Russen natürlich nervös, denn wie gesagt, es passt also nicht bei das Narrativ, dass diese Spezialoperation der Krieg woanders stattfindet, sondern da findet jetzt mittlerweile vor den Toren Moskaus bzw. Moskau selbst statt. Und das zwingt die Russen natürlich hier Aktionen zu setzen, die wir quasi schon ausführlich besprochen haben.

Aber was wir gut erkennen können, ist, dass die ukrainischen Angriffe mittlerweile auch tatsächlich erfolgreich sind und messbar sind. Man geht davon aus, dass alleine die Angriffe der letzten Wochen ca. 10-15% des russischen Erdwühlproduktionspotenzials beschädigt oder zerstört haben. Nimmt man noch die Angriffe dazu der letzten Monate und der letzten Jahre, muss man sagen, dann kann man davon ausgehen, dass circa ein Viertel der Produktionsfähigkeit Russlands faktischer Beschädigung zerstört worden ist.

Aber ein Viertel ist eben nur ein Viertel von quasi 100 Prozent. Das heißt, es braucht noch einiges, um die Russen so weit in die Knie zu zwingen, dass sie bereit sind, auch ernsthaft diese Verhandlungen durchzuführen. Dann möchte ich zum Schluss auch noch mit einer Userfrage hier aus dem Stream enden, denn wir haben letzte Woche eben ganz intensiv auch gesprochen über die ukrainischen Angriffe auf Russland. Jetzt haben wir heute intensiv gesprochen, eben auf die russischen Angriffe, wieder auf die Ukraine.

Hier möchte jemand wissen, warum werden in modernen Kriegen überhaupt noch Zivilisten und Städte bombardiert? Ist dies historisch gesehen überhaupt einmal erfolgreich gewesen? Auch diese Frage ist völlig berechtigt. Wenn Sie sich im Prinzip den Zweiten Weltkrieg ansehen, dann ist das ja ein Mahnmal für verheerende Luftkriegsführung, wo also die USA und auch Großbritannien versucht haben, Deutschland durch Angriffe einerseits auf die strategische Infrastruktur und auch Produktionsstätten der Luftrüstung in die Knie zu zwingen, beziehungsweise auch durch Terrorangriffe, so wie das auch bekannt geworden ist, im Wesentlichen durch die Nachtangriffe solches.

Und beide haben also nach dem Krieg sehr zynisch festgestellt oder auch sehr einsichtig, dass eigentlich diese Angriffe auf zivile Wohnviertel gar nichts gebracht haben, sondern es waren die präzisen Angriffe auf die Rüstungsindustrie, die den Unterschied gemacht haben. Auf die Luftrüstung, auf die Transportwege, auf die Erdölindustrie.

Wenn man das jetzt umlegt auf das heutige Kriegsbild, dann sieht man im Prinzip dieselben Theorien, aber durchgeführt mit viel präziseren Waffen. Es ist, und bitte verstehen Sie mich nicht falsch, jeder einzelne Tote ist verheerend, aber es ist im Vergleich zu den Angriffen der Vergangenheit der Kollateralschaden wesentlich geringer.

Im Vergleich zu den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges zu heute. Auch selbst, wenn Sie vergleichen, die Angriffe in Gazastreifen, wenn Sie die Angriffe im Iran sich ansehen, wenn Sie die Angriffe der Ukrainer in Russland sich ansehen oder der Russen in der Ukraine, so ist das verhältnismäßig eine geringe Opferzahl, die zu beklagen ist.

Wie gesagt, jeder Einzelne ist das verheerend, aber man sieht, dass einerseits praktisch hier die Waffen sehr präzise sind beziehungsweise dass sich natürlich auch gewisse Fehltreffer nicht vermeiden lassen. Warum werden diese Städte angegriffen? Städte sind Industriezentren. Das heißt, hier gibt es genau die kritische Infrastruktur, die man braucht, um Rüstungsbetriebe im Prinzip betreiben zu können.

Hier gibt es Stromversorgung, hier gibt es die Anlagen, hier gibt es auch die Bevölkerung, die in diesen Rüstungsbetrieben arbeitet. Und damit haben wir natürlich die Situation, dass gerade auch diese Städte erzielt werden. Und man darf auch nicht vergessen die Symbolik. Kiew ist die Hauptstadt Ukraine, Moskau ist die Hauptstadt Russlands.

Das heißt, wenn also hier diese Hauptstädte faktisch in Flammen stehen, auch wenn es nur sehr begrenzt ist, dann ist das natürlich ein Symbol, das einen Einfluss ausübt auf die eigene Bevölkerung, Betroffenheit und auf die andere Bevölkerung im Sinne von, wir zeigen, was wir können. Und das ist leider die Tragik des 21.

Jahrhunderts, dass trotz all dieser Präzisionswaffensysteme, die sie entwickelt haben, die Grundzüge des Krieges unverändert geblieben sind. Dass Putin gerade jetzt auf massive Drohnen und Raketenangriffe setzt, hat für Oberst Reisner einen klaren Grund. die Ukraine schaffe es Russland an entscheidenden Stellen zu treffen und gleichzeitig viele ihrer Stellungen an der Front zu halten.

Doch er gibt zu bedenken, einige Gebiete bleiben stark umkämpft, auch und vor allem der Luftraum. So wäre es zwar wünschenswert, dass Diplomatie zu einem Kriegsende führt, doch Russland sei derzeit nicht zu Kompromissen bereit, so Reisners Fazit. Jede Woche sprechen wir hier bei Militär und Macht die Analyse über globale Machtverhältnisse, Militärpolitik und Verteidigungsstrategien.

Außerdem findet ihr uns auf YouTube. Da könnt ihr uns auch eure Fragen stellen. Der Link ist in den Shownotes. Danke fürs Zuhören, eure Zeit und gerne bis zum nächsten Mal.

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