
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Sven Schnee (Blasorchester Krainhagen) - Wie spielt man ein Konzert in einem Taubblindenwerk?
Montag, 7. April 2025 · 32 min
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Shownotes
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Sven Schnee ist Dirigent des Blasorchesters Krainhagen. Da ich immer wieder auf der Suche nach spannenden und neuen Ideen bin, kam mir dieses Projekt gerade richtig vor, euch vorzustellen. Denn sie haben ein Konzerprojekt in einem Taubblindenwerk gemacht. Wie das geht und wie die Reaktionen waren, erfahrt ihr hier.
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Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Auf einen Kaffee mit dem kleinen Format hier beim Blasmusik-Podcast, bei dem ich mich mit meinem Gast einen Kaffee lang über ein spezielles Thema unterhalte. Und mein heutiger Gast ist Sven Schnee. Sven kenne ich schon seit über 20 Jahren und wir haben uns leider seitdem auch nicht mehr gesehen.
Wir haben damals zusammen unsere Dirigentenausbildung beim Nordbayerischen Musikbund gemacht, dann etwas aus den Augen verloren und dank Facebook seit einigen Jahren zumindest soweit wieder auf dem Schirm gehabt, dass wir gegenseitig gesehen haben, was wir tun. Sven lebt mittlerweile im Norden von Deutschland und hat mit seinem Musikverein ein ganz, ganz spannendes Projekt durchgeführt, denn er war mit seinem Blasorchester bei einem Taub-Blintenwerk zu Gast.
Und wie das funktioniert und wie die Eindrücke so waren, das wird er heute berichten. Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß. Weil das Format auf einen Kaffee mitheißt, wie trinkst du deinen Kaffee, Sven?
Ja, aktuell trinke ich gar keinen Kaffee.
Weil du fastest.
Nein, das hat nichts mit Fasten zu tun. Ich bin gerade entkoffeiniert. Also ich trinke auch keine Cola oder Mezzomix oder sowas. Weil ich jetzt für mich das einmal ausprobieren wollte, wie es ist, wenn ich diese Substanz nicht zu mir nehme für einen längeren Zeitraum. Und ich bin jetzt vier Wochen davon weg.
Und am Anfang, am ersten Tag, hatte ich höllische Kopfschmerzen. Mir war schlecht, wie wenn ich so einen dicken Kater gehabt. Es war unglaublich, ja. Und mittlerweile ist es richtig gut. Ich vermisse es nicht so auf dieser körperlichen Sucht-Ebene, sag ich mal. Aber so diese Belohnung am Sonntagnachmittag mal einen Kaffee trinken gehen und so, das fehlt mir schon.
Das ist dann so diese psychische Abhängigkeit. Ja, irgendwie bei uns einmal.
Aber wie viel hast du vorher gedrungen, dass du dann gleiche Kopfschmerzen kriegst?
Gar nicht so viel, gar nicht so viel. Da ja in der Schule, wenn ich bin, dann trinke ich früh gar keinen Kaffee, weil bei uns im Jahrgang wird gar kein Kaffee gekocht, weil die meisten trinken keinen. Und ich trinke früh eine Tasse und dann Nachmittag nochmal eine oder zwei und dann ist gut. Also so viel war es gar nicht.
Okay, krass. Also ich bin jetzt auch nicht der viel Trinker, also mir fehlt es auch nicht, wenn ich es einen Tag lang nicht mache oder so tatsächlich. Also ich bin da relativ neutral eingestellt. Ich bin so ein Genusstrinker, ich brauche das auch nicht zum Wachwerden. Aber ja, aber es ist auch eine gute Erfahrung, wenn du für dich feststellst, dass es dir besser geht damit.
Ja, ist jetzt spannend und ich muss es auch gar nicht dogmatisch durchziehen, aber jetzt mal so ein paar Wochen. Und es ist wirklich unabhängig von der Fastenzeit. Solche Strömungen mache ich auch gar nicht mit.
Dann müssen wir das Format heute anders ernennen, auf ein Wasser mit oder so. Tee. Tee. Oder Tee. Das kann ich nicht trinken. Also Tee geht gar nicht an mich. Ich habe da ganz komische Assoziationen aus meiner Kindheit. Seitdem geht das nicht. Ich probier es in regelmäßigen Abständen immer mal wieder, aber es ist so.
Vielleicht wo gibst du mal nicht diesen Kräuter Jugendherbergstee.
Also meine Frau ist passionierte Teetrinkerin und hat einen ganzen Teevorrat. Also ich habe da, ich versuche da immer mal was anderes, aber es will einfach nicht an mich. Naja, er soll ja heute nicht über Tee oder Kaffee gehen, sondern um ja eine Aktion, die ich gesehen habe, dass du gemacht hast. Das ist jetzt auch schon ein bisschen länger.
Vielleicht sollte man nochmal ganz kurz den Hörern erklären, woher wir uns kennen. Wir haben vor 20 Jahren, 2005 war das, zusammen unseren Dirigentenschein gemacht beim Nordbayerischen Musikbund. Genau. Zutal verrückt, wie lang das her ist und wie jung wir noch aussehen seitdem. Auf jeden Fall, du bist jetzt in der Nähe von Hannover und leidest ein Blasorchester und du hast ein Konzert in einem Taub-Blintenwerk gegeben.
Genau. Das war so groß in der Zeitung und kundgegeben und das hast du dann eben auch einmal über Social Media mitbekommen und mich dann angeschrieben, dass es spannend für dich ist. Ja, wir nennen es mal Projekt. Das war weniger so ein Konzert, aber ich sage da gleich noch was dazu. Ja, dieser, ich leite zwei große Blasorchester, aber dieser dieses eine Blasorchester, Blasorchester Kreinhagen.
Wir haben uns so spezialisiert auf konzertante Auftritte. Wir sind jetzt nicht für Norddeutschland ist das ziemlich Alleinstellungsmerkmal, dass wir eben keine Ständchen spielen, wir spielen keine Unterhaltungsauftritte, sondern wirklich zum Geldverdienen machen wir Konzerte. Und in diesem Zuge sind wir natürlich immer flexibel und versuchen unseren Hörern, Zuhörern Publikum auch was Cooles zu bieten und sind dann gewohnt, so Projekte aus dem Boden zu stampfen, flexibel zu sein, mit verschiedensten Kooperationspartnern.
Ich bin da jetzt erst zwei Jahre und du weißt, du bist selber Dirigent, in zwei Jahren kann man ein bisschen was schaffen, aber man braucht schon eine Dekade, um in einem Verein so wirklich einen Stempel aufzudrücken und was zu erfahren. Aber ist, glaube ich, jetzt der dritte Chor, mit dem wir ein Projekt machen, jetzt in Planung.
Wir haben zwei Pipes and Drums, schon die zweite Truppe, also Dudelsackpfeifer mit Schlagwerk dabei. Wir haben immer wieder verschiedene Solisten, Einzelsolisten an Instrumenten und Gesangssolisten. Von daher ist da in der DNA des Vereins und des Orchesters immer, wir machen was. Und das kriegen wir auch hin.
Und das war dann in diesem Projekt mit dem Taubblindenwerk dann auch so. Und wir gehören, das ist nochmal die zweite Besonderheit dieses Orchesters: Wir gehören zu einem Turn- und Sportverein, zu einem TSV dazu. Das kam mal von einem Spielmannszug her und dann wurde es ein Blasorchester, und da sind wir immer noch Mitglied.
Und da gibt es eine Vorstandsschaft und einen Kassenbad, der natürlich immer guckt, wo kriegt man Gelder her. Und es ist ja, leider Gottes ist es ja so, dass Sport ziemlich gut gefördert wird und hier und da und gibt es was abzugreifen. Und manchmal passt es auch auf die Musik und für die Musik. Und der ist da sehr gut hinterher und hat dann eben so ein Förderprojekt gefunden, wo für uns als Blasorchester auch passt.
Und das war dann eben mit einem fast fünfstelligen Betrag ausgezeichnet, ausgewiesen, ausgeschrieben. In der Zeitung stand dann, ja, Blasorchräster Kreinhagen kriegt fast 10.000 Euro. Das ist natürlich gut. Aber diese Gelder, die müssen natürlich belegt werden und was man da ausgegeben hat, kann man so bis zu dieser Maximalsumme dann einfordern.
Und dann eben auch in einem bestimmten Zeitraum nur. Also wir hatten richtig ordentlich Zeitdruck, dass wir da was aus dem Boden stampfen. Nun, gut, dann stand es dann endlich mal in der Zeitung und dann haben wir dieses Projekt in Angriff genommen. Ja, so kam das erstmal initiativ dazu.
Und wie ist die Wahl dann auf dieses Taubblindenwerk gefallen?
Durch einen Musiker, der mit seinem Posaunenchor da schon mal war und nochmal eine Funktionärin aus dem Gesamtverein, die arbeitet da. Und der zweite Chef von dort ist auch ein Musikerfreund von uns. Also die Welt ist dann klein und irgendwie kommt man dann doch zueinander. Und dann haben wir gesagt, machen wir das mit denen.
Soll ja Inklusion sein. Und für uns war es spannend.
Ja, es ist auch. Also ich weiß nicht, hattest du vorher schon mal Berührungen mit Taubblinden?
Jein.
unknown Okay.
Heiß.
Ja, du hast ja schon erwähnt, dass ich im Schuldienst war. Ich war bei einmal eine kurze Zeit draußen, so vier, fünf Jahre. Und bin in dieser Zeit ganz viel mit Menschen mit Handicap, mit Behinderung in Berührung gekommen, weil wir die betreut haben in der Firma. Und als Therapiehundeführer bin ich mit meinem Therapierhund vier Jahre täglich in die verschiedensten Einrichtungen gegangen und habe dort einfach Menschen mit Handicap, mit schwerst mehrfach Behinderungen kennengelernt und hatte da vorher auch überhaupt keine Berührungspunkte, aber dann schon.
Und dann waren wir auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung, in den dortigen Tagesförderstätten, wo die so schwer betroffen sind, dass die auch gar nicht mehr in der Lage sind, irgendwelche kleine handwerkliche Dinge zu erledigen, weil das dann einfach nicht so reicht. Genau, sage ich mit allerhöchstem Respekt und Verbindung mit diesen Menschen.
Da habe ich so tolle, schöne Erfahrungen gemacht. Von daher war es jetzt dann mit dem Orchester für mich überhaupt kein Ding, da auch da reinzugehen. Und ja, im Vorfeld waren wir natürlich ein paar Mal da, bevor das Projekt dann da so standen ist. Wir waren da, haben Gespräche mit der Leitung geführt.
Wir haben uns einmal in dem Taubblindenwerk herumführen lassen. Die arbeiten nicht nur da, sondern da gibt es auch einfach Wohnbereiche, kleine Wohnhäuser, so Reihenhäuschen, alles wirklich schön, dass die da in Lebensmittelpunkt haben. Ganz speziell auf diese, auf diese Grad der Behinderung mit Taubheit und Blindheit in Kombination.
Also ich habe so ein bisschen Berührungspunkt mit einem Taubblinden, nämlich der Bruder meiner Ex-Freundin, der war taubblind. Das war das erste Mal, dass ich also mit einer Person zu tun hatte, die beides hatte. Man kennt ja immer nur das ein oder andere. Mir war, glaube ich, bis dato gar nicht klar, dass das, also wenn es richtig doof fällt, dann natürlich beides dann da ist.
Was muss man oder fangen wir vielleicht erstmal an, was habt ihr dann konkret gemacht? Ja. Weil ja, also wenn man taub ist, hört man nichts. Also man nimmt Musik ja an, dass der war. Man nimmt es dann über Schwingungen oder so wahr. Was habt ihr konkret, wenn du sagst, das war jetzt auch eher als Projekt gedacht, dann da gemacht?
Ja, du sprichst dann da auch diese Wahrnehmung an und die verschiedenen Kanäle, die die haben. Da muss man da dazu sagen, dass es ja, weiß man vielleicht, die Hörer jetzt, dass auch schon allein eine Blindheit verschiedene Aspekte haben kann und verschiedene Stufen. Das ist jetzt nicht 100% oder 0%. Und das gibt es dann in der Kombination Taube, Blindheit auch.
Und diese Kanäle der Wahrnehmung, das war fantastisch zu sehen. Wir sind ja einmal, habe ich schon gesagt, durch die Werkstätten gegangen und waren dann da und haben dann erzählt bekommen, dieser eine junge Mann, der da sitzt an dem Tisch, der ist seit Geburt an, komplett 100% taub und blind. Und kann dementsprechend natürlich auch nicht sprechen.
Der ist auch keine Sprache da. Wie soll es gehen? Die machen das durch andere Kommunikationswege. Und der hat nach so zwei Minuten umgedreht und er saß erst mit dem Rücken zu uns und hat uns so fokussiert mit dem Oberkörper in unsere Richtung. Also der hat gemerkt, dass da irgendwas ist. Und das war so schon das Aha-Erlebnis.
Wow! Also die fehlenden Sinne werden irgendwie dann doch kompensiert, in Anführungszeichen natürlich. Ja, und das mussten wir dann so erleben. Und dann waren wir auch einmal, es gibt eine musikalische Gruppe dort von Menschen, die ein bisschen was hören können, auch ein bisschen was sehen, weil auch einfach im Rhythmus sein durch das Optische im Rhythmus sein und durch die Vibrationen, die natürlich stattfinden.
Und es leitet der örtliche Pastor dort. Das ist der eigentliche Held in der Geschichte, ehrlich gesagt. Wir sind jetzt so medial da und so passt ja auch zum Blasmusik-Cop-Podcast. Aber der macht es halt jede Woche mit denen.
Okay, krass.
Und dann sind da die Betreuer dort. Das ist meistens 1 zu 1 Betreuung, manchmal 1 zu 2, kommt auf den gerade Betroffenen an. Und der macht es halt. Und der singt mit denen, der spielt dann Gitarre und einer spielt dann noch ein bisschen Keyboard, drückt vielleicht nur einen Ton oder macht nur Rhythmusmaschine an, ist auch egal.
Aber darum geht es ja gar nicht, es geht ja um das Miteinander. Ja, genau.
Und das mussten wir uns natürlich auch angucken, wie macht er das. Und da ist einfach auch so eine Herzlichkeit und Verbundenheit mit der Musik als Gemeinsamkeit schon sichtbar gewesen. Ja, und dann müssen wir uns überlegen, was machen wir. Wir können es dann jetzt, wir müssen es schnell machen und wir müssen gucken, was können wir mit denen machen, weil zeitlich sind die auch begrenzt.
Wir können jetzt kein zweieinhalb Stunden-Konzert ergeben, da halten die einfach nicht aus. Der Anspruch ist dann zu hoch, die Beanspruchung. Genau, und dann haben wir uns ein bisschen was überlegt und sind dann da hingefahren mit einer kleinen Uordnung. Und es war auch ganz schön mit ein bisschen Getränke, Soft Drinks und ein paar so Snacks und so, das war schön.
Und wir haben uns im Orchester einfach so hingesetzt, ganz normale Orchesteraufstellung, aber in dieser Corona weiter auseinandersitzordnung. So dass immer jemand mit Rollstuhl oder ohne Rollstuhl mit zusätzlichem Stuhl zwischen den Orchestermusikern direkt sitzen kann.
Ah ja, okay. Um quasi Nähe zu spüren und wenn man noch ein bisschen hört, dann näher dran zu sein, quasi.
Genau, und näher dran der Aspekt des Miteinanders war uns dann da ganz wichtig. Wie spielt denen etwas vor und dann hauen wir wieder ab, sondern wir machen was gemeinsam. Und die körperliche Nähe und das Spüren von zwischenmenschlicher Kommunikation jenseits von gesprochenen Wörtern. Das war uns dann da in dem Moment wichtig.
Ja, manche wollten dann nicht drin sitzen im Orchester, das war auch in Ordnung erstmal. Die sind dann so nach und nach dazugekommen. Klar, da gibt es manche, die sind dann ganz forsch und manche, die traut sich nicht so. Und das hört echt wie im echten Leben.
Ja, ja, klar. Was habt ihr dann gespielt?
Wir haben natürlich geguckt, dass die auch mitmachen können. Bei dem Astor in der Musikgruppe haben die so ein rudimentäres Percussion-Instrumentarium. Das hatten die natürlich auch und die waren immer eingeladen, einfach mitzuspielen. Egal. Und dann haben wir einfach Sachen gespielt, die so quasi von vorne bis hinten durchlaufen.
Keine Medleys mit langsamen Sätzen oder sowas. Das wäre einfach von der Wahrnehmung her schwierig gewesen. Und es sollte eine Stunde anderthalb sein mit viel Spaß. Und ja.
Aber weißt du noch, ein paar Titel so für alle, die da draußen jetzt gerade so sind und sich fragen, könnten wir auch mal machen und dann gleich schon mal so einen Anhaltspunkt haben?
Ja, wir haben Happy gespielt. Perell Williams Nummer. Wir haben natürlich auch einfach nur mal einen Fliegermarsch gespielt, genau, wo ein bisschen was drin ist. Also alles sehr rhythmisch. Ja, genau.
Ja. Und wie geht man dann mit jemandem um, der 100% taub und 100% blind ist?
Die waren da gar nicht dabei. Das sind also eher die, die auch in dieser Musikgruppe da sein. Könnt ihr euch natürlich vorstellen, das ist ja immer einhergehend mit einer schweren geistigen Behinderung bei vielen. Bei manchen ist es durch einen Unfall, bei manchen ist es von Geburt aus schon so. Und mit dir in dann so ein Projekt reinzusetzen, damit können die dann wahrscheinlich eher auch gar nicht so umgehen.
Deswegen haben wir uns von vornherein auf diese Musikgruppe spezialisiert und dort vor Ort sind ja auch immer alle eingeladen, an der Musikgruppe teilzunehmen. Von daher war ich dieser kleine Teil, das waren so 20 bis 30 Leute, was ich jetzt nicht mehr genannt habe, ganz genau, war das schon einfach die Auswahl, die da Lust auf Musik hat.
Und waren da auch Betreuer oder so mit dabei? Ja, genau.
Also 1 zu 1 Betreuung war immer vorhanden, manchmal 1 zu 2, genau. Und manche brauchen dann wirklich ganz nah den Betreuer als Vertrauensperson und manche haben sich da auch schön von lösen können. Na gut, wir haben also besonders, und das ist vielleicht für die für euch da draußen interessant, ich kann es nur empfehlen, das auch zu machen.
Wir haben Luftballons mitgebracht. Nicht, weil das so eine schöne Party war, es war auch eine Party für uns. Sondern wenn ihr einfach mal einen Luftballonbrall aufpustet und den in die Hand nehmt und die Stereoanlage aufdreht oder diese Vibrationen werden viel besser übertragen. Das kann man viel besser spüren.
Und das wurde auch gut angenommen.
Ja, also ich kenne, also das mit dem Luftballon ist eine clevere Idee, aber ich kenne das, wie gesagt, von dem Bruder meiner Ex-Freundin, der war beides zu 100% schon ab der Geburt. Das heißt auch keine Sprache und so. Also ich kann das so ein bisschen nachvollziehen. Das heißt, und der hatte eine Musicbox, hieß das, glaube ich, aus Holz, wo er sich dann draufgelegt hat und unten waren quasi Lautsprecher drin, dass er die Vibration merkt.
Das ist quasi das gleiche Prinzip, aber natürlich mit Luftballons für einen Verein günstiger umzusetzen. Aber eine coole Idee auf jeden Fall.
Ja, ja, das wäre räumlich auch gar nicht gewesen, alle auf so eine Liege legen und dann spielen wir. Genau, es geht um das Spüren und das Öffnen oder Erweitern dieser Wahrnehmungskanäle.
Cool. Was hat das? Oder welche Reaktionen sind da so passiert bei den Mitmachenden?
Freude pur. Also nicht nur bei den Bewohnern dort, sondern eben auch bei unserem Orchester. Das sind ganz viele zwischenmenschliche Sachen passiert. Wer das gewollt hat von unseren Musikern, der konnte sich dann eben auch berühren lassen oder das Instrument mal anfassen lassen, sogar beim Spielen. Das wurde dann individuell gehandhabt, ist ja auch klar.
Ja, und die Reaktionen waren nun bombastisch gut. Wir haben natürlich auch so eine kleine Instrumentenregistervorstellung gemacht, in ganz Kurzform, wo jedes Register zwei Sätze zum Instrument gesagt hat oder ich habe es gesagt, ich weiß es gar nicht mehr. Und dann haben die ein bisschen was gespielt, nur eine Tonleiter und eine kleine Melodie.
Und das einfach auch schon weg von dem Orchesterklang zu dem Einzelklang eines Instruments, was dann da noch drin versteckt ist, war auch spannend für alle Beteiligten. Und weiß man ja, von Vorstellungskonzerten oder Nachwuchsgewinnungssachen ist es für alle interessant. Und dann ging es natürlich auch irgendwann zum Schlagwerk und die ganzen Percussioninstrumente, haben wir jetzt nicht ausgiebig gemacht, aber wenn dann so eine große Pauke gespielt wird oder die große Trommel oder Drumset spielt, da waren natürlich die Augenohren und die Gesichter am Leuchten.
Ja, ja. Kann ich mir vorstellen. Und dann haben wir auch die tiefen Instrumente noch behandelt. Das war auch gut, weil diese großen Instrumente vibrieren ja nochmal ganz anders. Wir hatten Kontrabassspielerinnen dabei, die wir im Orchester haben. Tuba war Highlight und Bassklarette war dabei und wir hatten sogar eine Kontrabassklarinette dabei.
Ach, geil. Das ist natürlich cool.
Ja, also was für die Normalbevölkerung auch total interessant ist, haben wir da auch vorführen können und ja, klar, kannst du vorstellen. Das war schon gut.
Gab es, als ihr das dann deinem Orchester vorgestellt habt, Berührungsängste oder Fragen? Oder war da jeder sofort, ja klar, das machen wir.
Das grundsätzliche Vertrauen in solche Aktionen ist da, auf jeden Fall. Aber wir haben dann schon nochmal besonders kommuniziert. Wir haben noch ein paar, die, also jemand, der schon mal dort war, der die kennt direkt, wie das so ist. Und wir haben auch ein paar im Orchester, die so auch so arbeiten mit Menschen mit Handicap.
Von daher konnten wir da das gut kommunizieren. Und immer die persönliche Freiheit, ihr entscheidet persönlich für euch, ob ihr das jetzt möchtet mit einer körperlichen Berührung oder irgendwie so. Und alles, was so ist, haben wir einfach erzählt, was da so los ist.
Was war jetzt die Rückmeldung aus deinem Orchester danach?
Ja, einige haben es als Highlight des Jahres betitelt sogar. Ja, cool. Verschiedene Auftritte und das war was Besonderes. Ja. Ja, da entsteht einfach so eine bewohnt gegenseitige Verbundenheit, die glaube ich nur Musik schafft.
Ja, das glaube ich auch. Und ich finde sowas, also sowas Verbindendes ist natürlich auch mit Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch generell, es müsste mehr Dinge passieren, wo was Verbindendes passiert. Gerade in der jetzigen Zeit.
Ja, wir haben uns dann auch aufgrund dieser Knappheit, dieser Fördermittel und das Projekt musste dann umgesetzt werden, haben wir uns dann dazu entschieden, dass wir kein großes Konzert machen. Wir laden nicht die einen Angehörigen ein. Das wäre auch organisatorisch wieder ein bisschen schwieriger geworden.
Aber wir wollten das wirklich, diese persönliche Begegnung sollte im Vordergrund stehen. Und wir brauchen keine Beobachter von außen. Und da kann man sich natürlich vorstellen, wenn dann noch Mama-Papa-Verwandtschaft noch dazukommt, dass dann die Ablenkung größer ist. Und wir wollten wirklich dieses persönliche Erlebnis, das sollte im Vordergrund sein.
Habt ihr vor, sowas nochmal zu machen?
Ich schließe es mal nicht aus.
Das wäre natürlich, also ja, an alle da draußen, wenn ihr die Möglichkeit habt, macht sowas. Ich finde das unfassbar wichtig.
Ja, was wir natürlich noch gemacht haben, und das ist so der Punkt, wo wir dann einfach auch die Gelder vernünftig verwaltet haben, die haben ein Percussion-Instrumentarium da gehabt, teilweise selbst gebastelt, uralt aus Orf-Zeiten. Und dann haben wir natürlich für dieses Projekt, damit die vernünftig spielen können, haben wir natürlich Instrumente besorgt und gekauft in Absprache mit denen, was braucht ihr, was wünscht ihr euch.
Und das haben die natürlich immer noch vor Ort und spielen jetzt auf dem Instrumentarium und es war ein nachhaltiges Projekt. Wenn die das Instrument, die Cajon oder die Shaker, in die Hand nehmen, dann erinnern die sich noch an dieses Projekt.
Sehr cool. Ja, das sind doch mal sinnvolle Projekte. Ich finde das wirklich cool, dass ihr das gemacht habt. Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erzählen. Unbedingt.
Ja, und das ist vielleicht auch für dich spannend und für die verantwortlichen Dirigenten da draußen. Nach allen Registervorstellungen haben wir natürlich auch die Funktion des Dirigenten angesprochen. Was macht der eigentlich davor?
Ja, das fragt sich aber jeder.
Und das war richtig cool. Das hat sich keiner getraut und wer möchte auch mal. Und dann haben sie einen überredet, dann kam noch einer, ich glaube, zwei waren es oder vielleicht drei. Und die haben sich dann auch getraut. Und ich habe die so ein bisschen an die Hand genommen und habe gesagt, so, so machst du das.
Und habe die Hand geführt. So machen die das. Und dann haben die zwei, drei Töne so auf Zeichen gespielt, einfach nur Klingen B oder was. Und dann haben die gespürt, ey, Selbstwirksamkeit. Und das ist ja das Coole als Dirigent, du weißt es selber. Jedes Mal, das ist einfach geil, wenn das Orchester einem folgt.
Das ist einfach Glücksgefühle. Und das haben wir dann mit denen gemacht. Und ich habe sie kurz an die Hand genommen und nach zwei, drei Schlägen habe ich die allein gelassen. Ich bin einen Schritt zur Seite gegangen und dann hat das Orchester mit denen gespielt. Und die sind auch ein bisschen gefolgt.
Also die haben nicht nur stur durchgespielt und dann nochmal mit einem zweiten Teilnehmer im Rollstuhl. Und dieses Lachen werde ich es nie mehr vergessen. Dieses Strahlen. Und ihr könnt es noch irgendwie auf Instagram, Facebook, bei uns auf dem Account, auch auf meinem Account. Da gibt es noch Bilder dazu, wer sich dafür interessiert.
Da sind einfach coole Bilder. Das ist richtig gut.
Das werde ich alles verlinken, dass dann jeder auch sofort nachgucken kann, um sich da nochmal Inspiration zu holen, vielleicht selber sowas durchzuführen.
Ich kann es nur empfehlen.
Sven, vielen lieben Dank, dass du so ein bisschen Einblick mal auch in so ein cooles Projekt gegeben hast und zeigst, was eigentlich alles möglich ist, auch in Blasorchestern. Weil so Projekte kennt man ja dann irgendwie immer nur von irgendwelchen Orchestern, die mal aus dem Theater rausgehen und sagen, okay, wir müssen mal auch irgendwas anderes machen, aber dass so Laienorchester sich auch mal auf solche Ebenen begeben und da was machen, sieht man nicht oft.
Deswegen fand ich das ganz cool, dass ich das gelesen habe und du gesagt hast, das müssen wir unbedingt vorstellen.
Sehr gut.
Vielen lieben Dank. Schön, dass du dir Zeit genommen hast.
Ja, danke dir auch. Schön, dass ich da sein durfte.
Gerne, gerne. Das war die Folge mit Sven Schnee. Und falls ihr auch mal zu Gast sein wollt bei Auf einen Kaffee mit und auch ein so spannendes Projekt vielleicht vorstellen wollt, dann schreibt mich gerne an unterblasmusikpodcast.gmx.de oder auch gerne auf Instagram. Ich hoffe, die Folge hat euch gefallen und inspiriert euch auch andere Wege zu gehen und vielleicht auch mal in ein Taubblindenwerk oder eine ähnliche Einrichtung zu gehen, um unsere Blasmusik weiter hinauszutragen.
Ich wünsche euch jetzt eine schöne Woche und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal auch bei einer Großfolge dabei seid. Macht's gut, euer Andi.