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Shownotes
🎙 Neuer Metho am Mikrofon – mit Special Guest Lukas Springer! 🎙
Es ist Montag, und das heißt: Eine neue Folge HolyClub! 🔥 Heute spricht Moritz mit Lukas Springer – Methodist in fünfter Generation, Grafikdesigner und kreativer Kopf hinter unserem HolyClub-Logo & Design! 🎨✨
Doch trotz seiner familiären Wurzeln hat Lukas seinen ganz eigenen Weg in die EmK gefunden. Außerdem sprechen wir über Kirche im digitalen Raum – und wie Glaube auf Social Media funktioniert.
✨ Diese Themen erwarten dich:
✅ Wie Lukas seinen persönlichen Glaubensweg gegangen ist 🙏
✅ Kirche im digitalen Raum – funktioniert das wirklich? 🤔
✅ Insights aus „Glaube, Liebe, Pizza“ (@glaube_liebe_pizza) – differenziert diskutieren auf Social Media 🍕📲
✅ Die wichtigste Frage: Wie verhältst du dich eigentlich vor dem Gottesdienst? 👀
🎵 Lukas' Lieblingshymne: „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“ (Nr. 570)
Worthaus Vortrag von Siegfried Zimmer: youtube.com/watch?v=VLf-umCdAkg&t=1s (youtube.com/watch?t=1s&v=VLf-umCdAkg)
Gemeindegründung in Heidelberg: lev-kollektiv.de
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Music. Einen wunderschönen Montagmorgen wünsche ich euch allen. Ich bin gespannt, ob jemand schon um 4 Uhr die Folge anhört. Herzlich willkommen beim Holy Club. Ich bin Moritz und ich bin mal wieder nicht alleine hier, sondern habe Unterstützung von Lukas Springer. Hallo Lukas. Hi, grüß dich. Schön, hier zu sein. Ja, voll schön, dass du dir Zeit nimmst, dass du mit uns sprichst oder mit mir.
Man könnte dich vielleicht schon mal im Rahmen des Holy Clubs irgendwo gesehen haben. Und zwar in den Credits. Ganz am Anfang haben wir gepostet, wer uns unterstützt hat. Und du bist der Mann hinter unseren Grafiken. Vielen Dank für die Grafik. Wie kommt es, dass du die Grafik für den Holy Club gestaltet hast?
Ja, also die liebe Sarah hatte mich damals angefragt, ob ich das nicht machen will. Ja, ich glaube, sie hat mein Design schon auf Instagram gesehen und länger verfolgt. Und ja, ist dann so auf mich aufmerksam geworden. Richtig gut, genau. Sie ist auf dich aufmerksam geworden über Instagram. Du bist im richtigen Leben auch Designer und Leihendelegierter aktuell vom Bezirk Bruchsal.
Stimmt das? Ja, genau, das stimmt. Ja, also ich bin 28 Jahre alt, komme aus Bruchsal, das liegt so zwischen Karlsruhe und Heidelberg und genau, also ich bin Designer, Studierter, habe Kommunikationsdesign studiert und bin unter anderem sehr viel ehrenamtlich unterwegs für meine Ortsgemeinde. Und ja, wie du richtig gesagt hast, auch mittlerweile jetzt als Laiendelegierter frisch dieses Jahr in der Nachfolge gewählt.
Bzw. die Wahl steht noch aus, aber es wird so kommen. Genau, und dann werde ich auch an den Konferenzen teilnehmen, ja. Okay, voll schön. Damit erfüllen wir den Wunsch nach jüngeren Gesprächspartnern und einem männlichen Gesprächspartner und auch ehrenamtlich in der EMK. Von daher schon mal ein paar Checkboxen, die wir hier abhaken können.
Richtig schön, dass du dir Zeit nimmst. Wer jetzt gut aufgepasst hat im Holy Club, weiß, dass ich auch ursprünglich aus diesem Bezirk Bruchsal oder Bruchsal-Greichtal komme. Wir haben uns aber daher eigentlich nicht direkt kennengelernt. Also mit deinem Bruder war ich damals im kirchlichen Unterricht.
Aber dich habe ich danach eher in der digitalen Welt entdeckt. Und da machst du mit einem Freund zusammen bei Glaube Liebe Pizza christlichen Content auf Instagram. Oder wie würdest du das beschreiben? Ja, das beschreibt es eigentlich ganz gut Also der Freddy, der ist Theologe Und ich bin halt Designer Und wir haben uns über Zwischenrauben kennengelernt Das ist so ein christlich-queerer Verein, Und dann, das war ja ganz witzig Da gab es immer so, da gibt es so Online-Hauskreistreffen, Und da hatten wir uns so ein bisschen aufgeregt Über den christlichen Content auf Instagram Und diese sehr fundamentalistische Bubble Die da sehr reichweitenstark ist Und dann war das so ein Witz dass wir jetzt da eigentlich,
da müssten wir eigentlich mal was machen und einfach mal so einen Account machen. Du bist Designer, Theologe, das passt doch irgendwie. Und dann wurde aus dem Witz irgendwie ernst und dann haben wir das gemacht. Und ja, also für so ein Nischen-christliches Thema ist es, glaube ich, relativ erfolgreich.
Also nicht so erfolgreich wie die, die wir eigentlich kritisieren, aber ja, genau. Und wir denken über alle möglichen Themen nach und schreiben dazu und ich mache das Design. Ich schreibe dann auch oft was und wollen so ein bisschen ins Gespräch kommen über verschiedene Themen. Ja, das macht ihr wirklich auch richtig gut. Also ich verfolge euch, glaube ich, schon fast seit Anfang an.
Wenn ich Zeit habe, dann mische ich mich auch mal unter die Kommentare. Aber das klappt gar nicht ganz so oft, wie ich das eigentlich ansprechend finde. Weil eure Diskussionskultur oder so eure Community würde ich da als sehr respektvoll und differenziert auch bezeichnen. Was jetzt nicht überall so vorkommt und das trotz des Algorithmus, der ja durchaus manchmal ein bisschen mehr Polarität fördert.
Ja, und, Freddy ist evangelischer Theologe und du bringst die methodistische Stimme da rein. Methodistische Stimme, Sarah will jetzt auch wissen, wie deine Stimme klingt, wenn du singst. Das musst du jetzt nicht vormachen, aber du könntest zumindest sagen, wenn du eine methodistische Hymne oder ein Lied aus unserem Gesangbuch dir wünschen darfst für nächsten Sonntag, was wird dann gesungen?
Also ich finde die Frage auch sehr schwierig, weil ich bin einer der wenigen, glaube ich, oder ich bin so ein Exot in meiner Generation. und ich finde unser Gesangbuch richtig toll. Ich habe auch als Kind immer da drin geblättert und mir diese Holzschnitte und so angeguckt. Die fand ich schon immer irgendwie cool.
Und ja, es gibt ein Lied, das ist jetzt kein methodistisches Lied so an sich, aber das heißt, Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen. Weiß nicht, ob du es kennst. Gib mir den Mut zum ersten Schritt. Ich will auf deine Brücken trauen und wo du hingehst, gehe ich mit. Und dann geht es irgendwie so weiter. Ich möchte gerne Hände reichen, wo jemand harte Fäuste ballt, ich will nicht zum Mond gelangen, aber zu meines Feindes Tür und so.
Das finde ich rein vom Text her irgendwie sehr cool. Das ist ein richtig guter Text. Wo kann man das nachschlagen? Also hast du die Liednummer parat? Oh, die habe ich jetzt nicht. Aber in dem Kapitel Frieden und Gerechtigkeit, glaube ich. Ja, also man findet es ja im Register. Das ist eine richtig gute interaktive Aufgabe.
Also wer da jetzt mehr wissen will. Und ich fand den Text jetzt auch schon sehr ansprechend. Ich glaube, ich habe es schon mal gesungen, aber ich habe jetzt keine Melodie. Ja, es wird, glaube ich, nicht so häufig gesungen. Aber oft sind ja dann die Lobpreis-Lieder halt so sehr jesuszentriert. Und das ist ja auch okay.
Und bei dem Lied finde ich es halt cool, dass es auch so eine Friedenskomponente hat oder so eine... Ja, und soziale Gerechtigkeit oder dann soziale Grundsätze spielen ja schon auch eine wichtige Rolle im Methodismus. Ja, genau. Aber das heißt, du kommst eher über die Inhalte als über die Melodien, wenn du jetzt an das Gesangbuch rangehst?
Also Melodien finde ich sehr viele schön. Da könnte ich mich gar nicht entscheiden. Deswegen bin ich jetzt, als ich es mir überlegt hatte, eher über den Text gegangen. Und ich finde auch das andere, was, glaube ich, im letzten oder in einem Podcast genannt wurde, Heilig bist du Gott und treu, das finde ich auch sehr schön.
Ich glaube, das ist so ein klassisches, methodistisches Lied von Charles Wesley. Okay, also ich bin da wirklich auch kein Experte, das merkt man auch immer wieder, wenn ich da mit den anderen beiden drüber rede, die sind viel tiefer drin im Thema, aber voll gut. Also jetzt bei Glaube Liebe Pizza, du bist Methodist, was macht Methodist oder Methodismus für dich aus oder wie kommst du dazu, dass du Methodist bist?
Vielleicht mal so ganz biografisch angefragt. Ja, also ich wurde quasi in den EMK hineingeboren, ganz klassisch, so mit dieser Laufbahn, Sonntagsschule, Jungschar, kirchlicher Unterricht, also für alle, die es nicht wissen, der Konfirmantenunterricht sozusagen in der EMK, so ähnlich. Genau, das ist ein bisschen länger und zum Schluss gibt es einen Segen und keine Konfirmation. Genau, richtig.
Ja, also ich habe extra noch mal meine Mutter gefragt vorher und zwar in fünfter Generation sozusagen in der EMK. Oh wow, aber also fünf Generationen, dann wart ihr schon fast so von Anfang an dabei dann oder je alt werden die so bei euch in der Familie? Ja, also mein Ur-Ur-Opa, glaube ich, ich glaube es war Ur-Ur, der ist irgendwie so im schwäbischen Piotismus so zur Erweckung gekommen sozusagen und kam dann nach Bruchsal und ist dann hier in die sogenannte evangelische Gemeinschaft, hieß das.
Genau, das ist ja eine der beiden Vorgängerkirchen, die dann 1968 vereinigt wurden. Genau, und da ist er hier angedockt. Ja, und ich meine, dann bin ich die fünfte Generation. Ja, nicht schlecht. Also mehr eingeboren finde ich wahrscheinlich nicht mehr. Nee, wahrscheinlich nicht. War ja doch, also wahrscheinlich schon.
Ja, mal schauen, wie sich der Holy Club hier weiterentwickelt und wie tief wir da noch bohren können. Das heißt, du bist in einer methodistischen Familie aufgewachsen. Jetzt ist unser Glaube ja oder unsere Kirchenstruktur ja so, dass an irgendeinem Punkt dann eine Entscheidung getroffen wird, ob du Kirchenglied werden willst.
Das ist man ja nicht automatisch mit Taufe oder mit Einsegnung, sondern als Freikirche muss man sich irgendwann entscheiden und dann so Fragen beantworten vor der Gemeinde und dann wird man Glied an dieser methodistischen Kirche. Hast du da dann in irgendeinem bestimmten Alter so dir die Fragen gestellt oder war das für dich schon immer klar, dass du das machen willst?
Nee, es war nicht wirklich immer klar. Also ich hatte mich 2017 aufnehmen lassen, aber das war bei mir auch erst nach dem längeren Prozess. Und zwar ist es bei mir auch sehr eng verbunden mit meinem Coming-out als queer, also als schwul sozusagen, weil das war so in der Zeit nach dem Abitur, da setzt man sich ja so ein bisschen mit den großen Fragen auseinander, was will ich denn im Leben machen, was will ich denn erreichen, wo geht die Reise hin und man spricht da im Fachjargon von einem sogenannten inneren Coming-out, also bevor man sozusagen nach außen geht und den Leuten das mitteilt, haben die meisten queeren Menschen einen sehr langen inneren Prozess.
Und dadurch, dass ich halt kirchlich, christlich in der EMK sozusagen aufgewachsen bin, war das dann für mich natürlich auch ein Riesenthema, mich damit auseinanderzusetzen, mit meiner eigenen Sexualität und mit was sagt die Bibel zu dem Thema, was sagt meine Kirche zu dem Thema, wie sieht mein Glaube eigentlich grundsätzlich aus.
Und diese Auseinandersetzung mit der Bibel und mit diesen ganzen historischen Kontexten, das hat bei mir irgendwie dazu geführt, dass ich immer faszinierter war von der Bibel und vom Glauben. Und ich glaube, wenn ich das nicht gehabt hätte, hätte ich mich wahrscheinlich nie so in der Tiefe mit so ganz basic Glaubens- und Lebensfragen auseinandergesetzt.
Also da wäre mein Leben vielleicht so vor sich hingeplätschert, aber ich hätte vielleicht nie so eine Faszination bekommen. Also das war so ein bisschen so dein persönlicher Zugang, dass die Fragen, die dich richtig angegangen sind, dass du da einen Kontext gefunden hast, wo du irgendwie mehr darüber erfahren hast.
Warst du alleine auf dieser Suche oder warst du da eingebunden? Also hattest du da Vertrauenspersonen, mit denen du? Also ich war schon erstmal alleine, ja. Also ich habe mich natürlich viel im Internet informiert. Dann gab es damals diesen Vortrag von Worthaus, diesen relativ Bekannten zu dem Thema.
Den von Siegfried Zimmer? Von Siegfried Zimmer, genau. Den können wir euch verlinken in den Shownotes. Den hatte damals auch ganz witzig eine Freundin aus der Gemeinde auf Facebook geteilt und so bin ich darauf aufmerksam geworden. Und so hatte sie, das habe ich ihr dann Jahre später erzählt, dass sie sozusagen für mich den Startpunkt gelegt hat, mich damit tiefer auseinanderzusetzen.
Weil ich fand den Vortrag zwar gut, aber es gibt auch viele Kritikpunkte an dem Vortrag, auch sehr problemisch teilweise. Und für mich war das dann nicht fertig, sondern wie so ein Startpunkt. Und gleichzeitig habe ich mich dann natürlich damit auseinandergesetzt, was so die EMK dazu sagt. Und ich habe schon immer gewusst, okay, die EMK ist so vom Grund her eigentlich sehr offen und bin auch nie mit einem sehr engen christlichen Gottesverständnis aufgewachsen.
Aber das hat bei mir auch dazu geführt, dass ich mich quasi dann auch mit der EMK noch tiefer verbunden gefühlt habe. Weil ich irgendwie gemerkt habe, okay, wie Sarah das mal in der Folge gesagt hat, ich hatte da nie so das Gefühl, ich muss mich erklären groß. Dann später, als dann das Coming-out war.
Das war so eine gewisse Grundoffenheit. Natürlich mussten sich viele dann auch in der Gemeinde damit auseinandersetzen, und so und viele hatten halt kein Gesicht zu dem Thema und wussten auch nicht so richtig, aber es kam dann so was in Bewegung und ja... Wann das 2017 war, also Mitgliederaufnahme und dieser ganze Prozess lief da wahrscheinlich dann davor oder parallel dann noch?
Also 2017 war die Aufnahme und 2018 hatte ich mich so, glaube ich, geoutet, meinem damaligen Freund. Ja, und es war dann auch alles so gleichzeitig mit dieser ganzen Debatte, mit der Generalkonferenz, die war dann 2019 und irgendwie, ja, es war alles eine sehr aufwühlende Zeit und sehr, ja, auch emotional teilweise belastend.
Aber ich habe dann halt auch sehr viel Rückhalt gespürt. Es gab auch ein paar unschöne Erlebnisse und so. Ich glaube, das hat man aber immer. Aber ich habe einfach diese Grundannahme gespürt und diese Grundoffenheit. Ja. Also wenn du jetzt von Methodismus oder was macht Methodismus für dich aus, dann ist so diese Grundoffenheit und diese bedingungslose Liebe vielleicht, von der Damien gesprochen hat. Ist das so der Kern?
Ja, also ich würde es als so eine Herzlichkeit bezeichnen. Also ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass selbst die Menschen, die eher konservativ sind, also konservativ in Anführungsstrichen, ich mag diese Labels nicht so, weil ich bin auch in manchen Punkten sehr konservativ. Also die Leute, die halt in dem Thema eher konservativ sind, Selbst die hatten so eine Grundherzlichkeit mir gegenüber und haben mich genauso behandelt wie vorher auch und ja, ich durfte weiterhin mitarbeiten und ja, also so eine Herzlichkeit irgendwie, ja. Ja, richtig gut.
Du hast dich dann ja viel auch so mit Theologie, also mit der Bibel, aber auch mit der ganzen Tradition irgendwie beschäftigt. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich so bei Glaube Liebe Pizza deine Beiträge lese, dass da jemand schreibt oder Grafiken gestaltet, der sich da schon lang und tief mit auseinandersetzt.
Was ist denn da das Element im Methodismus? Oder könntest du da eins so rausgreifen, wo du sagst, das ist besonders wichtig für dich? Puh, das ist jetzt schon eine sehr theologische Frage. Ähm... Also du musst gar nicht jetzt hier mit Fachvokabular oder irgendwelchen Lehrpredigten von Wesley um die Ecke kommen.
Was ist dir wichtig am Methodismus jetzt so als Kirche, als ideologische Richtung? Also ich glaube, es ist schon so ein bisschen diese Brückenfunktion, die die EMK ja oft einnimmt. Also diese Verbindung zwischen der landeskirchlichen und volkskirchlichen Welt und der freikirchlichen Welt. Also halt auf der einen Seite so eine gewisse Grundoffenheit, auch in der Theologie.
Und auf der anderen Seite aber auch ein sehr, ja, ein sehr, also Gebet hat einen sehr hohen Stellenwert. Und zumindest bei mir in der Gemeinde auch so Lobpreis und auch freies Gebet und ja, auch Bibelstudium. Es gibt eine 40-Tage-Aktion und die Bibelstunde natürlich und also diese sehr tiefe Auseinandersetzung mit diesen ganzen Themen.
Ja, und ein Stück weit würde ich sagen, es ist ja eine hohe Verbindlichkeit oder auch eine Alltagsrelevanz, weil ja Glaube dann nicht nur am Sonntag irgendwie oder an großen Feiertagen gefeiert wird, sondern irgendwie so einen festen Alltagsbezug hat. Das könnte man ja auch so mit dieser Herzlichkeit noch zusammenbringen, dass Leute eben gemeinsam glauben oder suchen und es dann im Methodismus finden, so ein bisschen.
Ja, und auch so dieses Stichwort Mitmachkirche, also dass man quasi überall mit anpacken darf und dass es da irgendwie wenig Einschränkungen gibt. Also man kann sich ausprobieren, man darf auch mal Fehler machen und so. Das ist auch nicht schlimm. Ja, man könnte es jetzt noch kritisch überspitzen und sagen, wenn niemand mitmacht, dann gibt es die Kirche auch nicht und das ist dann bei manchen kleineren Gemeinden relativ schnell erreicht.
Also wenn ich jetzt so als Pastor drüber nachdenke, wenn man da neue Leute kennenlernt und wie kriege ich die jetzt gut an die Gemeinde angebunden, dann ist das eine natürlich soziale Kontakte irgendwie mit Leuten, wo ich so denke, die könnten auf einer Wellenlänge liegen. Und das andere ist schon, also ich suche dann eine Aufgabe oder einen Bereich, wo wir Leute brauchen und wo die vielleicht Lust haben, sich auszuprobieren und durch diese Mitarbeit oder durch dieses Mitmachen.
Wird dann die Gemeinde auch zu ihrer Gemeinde und dann versuche ich immer den Leuten, die schon vorher da waren, zu verklickern, dass sich dadurch dann auch die ganze Gruppe ändert, also weil wenn jemand Neues dazukommt und sich einbringt, dann hat das immer auch einen Effekt auf diese Gemeinde und da wünsche ich mir dann manchmal, dass die Kirche in ihren, Strukturen und Formen dann noch ein bisschen flexibler wird. Also ich habe, Manchmal den Eindruck, dass die Gemeinden dann in ihrer Sozialdynamik dann doch relativ starr sind.
Aber das weiß ich jetzt nicht, ob du das als Methodist in fünfter Generation, also einer dieser Familiendynastien, ob du das auch so sehen kannst. Aber würde mich voll interessieren. Also ich kann es immer nur so von meiner Gemeinde sagen, weil ich halt die am besten kenne. Ich war jetzt noch nicht so vielen anderen Gemeinden unterwegs, aber ich erlebe das bei uns schon so, so ein Miteinander von verschiedenen Frömmigkeitsstilen auch. also nicht ein Nebeneinander, sondern wirklich so ein Miteinander.
Also von klassisch, methodistisch, piotistisch über eher, ich sag mal, grün, ökologisch orientierte Gruppen bis hin zu eher charismatisch. Charismatische Gruppen, wo auch dann das Thema Heilung eine wichtige Rolle spielt und Gebet und solche Themen. Und dass es halt nicht so ein Gegeneinander ist, sondern ein Miteinander.
Und jede Person, die neu dazukommt, wie du auch sagst, kann so ihren Teil mitbringen, ihren Teil beitragen. Ja, also so ist ja dann eigentlich, also klingt nach einer coolen Gemeinde. Ja, finde ich schon. Also es ist nicht alles perfekt und so, aber ja, doch. Ja, wenn wir so ein bisschen mal drauf schauen, ist nicht alles perfekt.
Was sind so die Punkte, wo du sagst, die frustrieren dich oder mit denen Hast du Schmerzen oder da hast du vielleicht mal Erfahrungen gemacht, die jetzt nicht so vielleicht direkt auf einer Hochglanz-Werbebroschüre abgebildet würden? Also ich finde manchmal, dass, also obwohl ich selber in so einer fünften Generation Methodismusfamilie bin, merke ich das schon, dass oft Familien sehr stark eine Gemeinde dominieren oder so gewisse Familiendynastien.
Wie gesagt, ich würde mich da jetzt gar nicht rausnehmen. Also mein Vater und ich, wir sind auch beide im Vorstand. Aber ja, es ist halt oft so ein Familienklüngel dann auch. Und ich habe bis heute teilweise bei uns auf dem Bezirk so Aha-Erlebnisse, wer jetzt mit wem verwandt ist und okay. Und das wusste ich ja gar nicht.
Ja, krass, dass du das auch hast. Das dachte ich immer, das wäre so ein Thema von dazugekommenen, wo ich ja auch einer von bin. Weil mir geht das voll oft so. Und dann auf Konferenzebene geht es gerade so weiter. Das ist nicht nur in den Gemeinden so. Ja, wie gesagt, also trotz der Generation bin ich da irgendwie nicht so, also informiert irgendwie, keine Ahnung.
Und ja, mir ist auch schon öfter mal aufgefallen, dass ich, Also wenn man, also ich war nie so überregional engagiert, also ich war jetzt dann auch irgendwie nicht so beim Wilden Süden zum Beispiel oder bei Chat. Irgendwie, ich war da als Jugendlicher irgendwie auch, glaube ich, sehr introvertiert und wollte das irgendwie nicht so.
Ja, auf jeden Fall, wenn ich dann mal wo war, habe ich dann irgendwie gemerkt, dass dann gibt es dann schon so diese Gruppen, die sich alle gegenseitig kennen und die alle befreundet sind. Aber wenn man da so von außen mehr oder weniger reinkommt, ist es schwer, da irgendwie Anschluss zu finden. Aber das ist ja ein generelles Problem in Gruppen, also nicht nur in EMK, aber ja, das ist halt so die Gefahr, glaube ich, wenn man so stolz ist auf seine Familienkirche, aber ja. Ja, stimmt.
Stimmt. Du stellst die EMK ja, also wenn du jetzt so im digitalen Raum was machst und dann auch immer mal wieder sagst, hey Methodismus ist eigentlich eine ganz coole Idee oder eine ganz coole Kirche, dann stellst du das ja so in der Öffentlichkeit auch zur Diskussion. Was würdest du sagen, hat der Methodismus in dieser Kirchenlandschaft oder auch so in der politischen Landschaft, was hat er da zu sagen heute?
Also wenn man jetzt sagt, wofür braucht es Methodismus in diesem öffentlichen Diskurs? Spannende Frage. Ich glaube, das hängt mit der Frage zusammen, was Kirche überhaupt im politischen Diskurs zu sagen hat. Ja, also ich denke schon auch immer mal wieder den Finger in die Wunde zu legen und auch irgendwie darauf aufmerksam zu machen wo in der Gesellschaft vielleicht Menschengruppen hinten runterfallen, wo Menschen irgendwie ausgeschlossen werden zum Beispiel und auch ganz klassisch für die Politik zu beten Also ich finde, das ist irgendwie generell ein sehr wichtiger Auftrag.
Ja, Wir nehmen noch ein bisschen vor der Bundestagswahl in Deutschland auf, also deshalb können wir da jetzt noch nicht genau sagen, wie dann die Wahl ausgegangen ist und wofür wir davor oder danach gebetet haben. Wie würdest du das beurteilen? Ihr seid ja schon seit ein paar Jahren jetzt da digital auch unterwegs.
Nimmst du da eine Entwicklung wahr? Du hast gemeint, ihr habt am Anfang versucht, so den reichweitenstarken, eher fundamentalen Konten was entgegenzusetzen. Hast du das Gefühl, ihr habt einen Effekt erzielt? Also ich denke schon, weil wir haben auch relativ viele Follower und Followerinnen, die eher auch sehr konservativ sind, was ich auch wirklich immer nicht wertend meine, wenn ich das sofort in den Mund nehme.
Und da sind schon viele Gespräche auch entstanden, also untereinander zwischen unseren Followern oder auch zwischen uns und den Followern, wo man so gemerkt hat, okay, da gibt es eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu verständigen und auch zuzuhören, und ich glaube, die Art und Weise, wie wir die Post machen, also wir klatschen ja nicht so eine Wahrheit dahin und so ist es, sondern wir laden ja immer ein zum Diskutieren und was ist eure Meinung dazu und wir haben jetzt nicht die Wahrheit, sondern das erleben wir dann so im Diskurs miteinander.
Ja, da erlebe ich schon, dass Leute auch zum Nachdenken angeregt werden oder dass ich auch oft was mitnehme. Wohingegen bei diesen einschlägigen Accounts, die sagen ja dann so, das ist die Wahrheit und darüber wird nicht diskutiert. Und das Einzige, was dann in den Kommentaren ist, Halleluja und Ja und Amen.
Und wenn dann ein kritischer Kommentar kommt, wird er sofort gelöscht oder blockiert. Ja, also ob das so in der Breitenmasse eine Auswirkung hat weiß ich nicht, Und wir hatten auch schon mal mit einer Person, einer weiblichen Person mit blonden Haaren, die Ärztin ist, hatte Freddy schon mal ein Gespräch über einen anderen Instagram-Kanal.
Das hat er nicht so gefruchtet, glaube ich. Ich habe das gesehen auch und fand es auch super spannend, weil ich euch eben, wie gesagt, schon davor verfolgt habe und die blonde Ärztin auch und ich dachte dann, oh krass, dass das zustande kommt, weil ich habe an manch anderer Stelle habe ich schon gemerkt, okay, da gibt es einfach unterschiedliche Sphären und die kommen auch nicht mehr zusammen.
Und dann habt ihr es versucht, aber ja, ich würde auch sagen, so eine richtige, also ihr habt, oder Freddy und sie haben jetzt nicht unbedingt, die eine Wellenlänge gefunden, wo sie beide sich getroffen haben. Sagen wir es mal so, also es wurde auch sehr viel geschnitten, damit das noch so rüberkommt, aber ja, also das Ding ist ja, die dominieren ja auch die gesamte Insta-Welt, also für die, die es jetzt vielleicht nicht wissen, diese sehr fundamentalistisch, sehr charismatisch konservativen Accounts.
Die sind halt wirklich sehr, sehr erfolgreich. Die haben dann 70.000, 80.000 Follower, und wir haben also 2.000 und das ist so das Maximum, was ich sag mal eher progressiv christliche oder nicht fundamentalistische zumindest Accounts erreichen können. 2.000 bis 4.000 mehr. Ja, ich glaube arg viel mehr haben so auch die jetzt, keine Ahnung, so ein Torsten Deeds oder sowas auch nicht, oder schöner Glauben oder wer auch immer, also wir haben ja so ein paar Leute im Netzwerk auch, Sarah ist ja auch gut vernetzt und macht bei vielen Sachen irgendwie mit, aber ich glaube da sind so zwischen 2.000 und 5.000 sind tatsächlich so die, erfolgreichsten nach den Maßstäben.
Ja, also ich weiß auch nicht genau, woran das liegt. Also es gibt ja auch dann oft so einen Schulterschluss mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Accounts mittlerweile auch. Dadurch werden auch Follower generiert. Das ist wirklich ein Riesenproblem, dieser Schulterschluss zwischen fundamentalistischen Christen und Christinnen und dem rechten politischen Spektrum gerade, vor allem auf Social Media.
Und ja, USA sehen wir auch gerade. Ja, also es sind schon so ein paar Entwicklungen, wo ich auch so, also ich bin viel am überlegen, wie könnte Kirche da eine Rolle spielen oder wie könnte ich auch als Pastor oder jetzt mit dem Podcast, wie können wir da irgendwie, also einerseits einen Kontrast darstellen, also deshalb fand ich es auch so spannend, jetzt mit dir zu sprechen, weil mich voll interessiert, wie ihr da an die Sache rangeht und auf der anderen Seite, ja, wie ist, also gibt es vielleicht irgendwann einen Zeitpunkt, wo man sagt, okay, ich muss dem Ganzen mich dann doch verweigern und sagen, also dieser digitale Diskurs ist hoffentlich nicht unbedingt, ein Abbild der Realität, aber ich glaube halt, ist er schon in manchen Hinsicht.
Ja, ist halt echt die Frage, also ich habe auch schon oft erlebt oder gehört, dass Leute, wenn sie sich in echt treffen, dann plötzlich mit den gleichen Leuten, mit denen sie sich online ohne Ende gezofft haben und beleidigt haben, dann plötzlich gute Gespräche hatten. Einfach mal diese sozialen Hinweisreize hatten.
Also Mimik, Gestik, Stimmlage, Emotionen, das macht ultra viel aus. Und da sinkt dann einfach die Hemmschwelle, das Gegenüber zu beleidigen und irgendwie in irgendeine Ecke zu stellen. Ja. Ich glaube schon, also ich glaube nicht, dass es so komplett die Realität abbildet. Aber es ist trotzdem gefährlich.
Ja, weil es einfach trotzdem in den Diskurs vergiftet. Du machst ja selbst da auch immer mal wieder Pause. Ist das so ein mentales Gesundheitsding, also so eine Vorsorge sozusagen, wenn das Leben drunter und drüber geht, dann nicht auch noch die Instagram-Welt? Oder wie gehst du damit so um? Ja, also es ist so teilweise wirklich so ein Detox, weil ich einfach merke, dass mich das dann schon sehr belastet.
Und auch total viel Zeit frisst, Kommentare zu beantworten und irgendwie immer irgendwas zu machen. Und auch wenn es dann um so queere Themen geht, also das schlägert mich halt auch dann sehr und belastet mich dann auch. Und dann muss ich irgendwie sagen, okay, jetzt ist Schluss. Jetzt muss ich mich dem entziehen und ja auch einfach zeitlich.
Also wenn ich noch andere Projekte nebenher habe, dann geht es nicht. Und jetzt ist gerade so eine Phase, wo es länger irgendwie nicht geht. Okay, was tut dir in solchen Phasen dann gut? Also das kriegt man jetzt dann nicht mehr so mit auf Social Media oder so, aber wo schöpfst du neue Kraft? Also ich denke schon auch rausgehen, in die Natur gehen, schwimmen gehen, mich mit Freunden treffen und tatsächlich auch mich so in meine Ortsgemeinde-Bubble zurückziehen.
Da merke ich immer wieder, wie wenig von diesen Online-Debatten und Grabenkämpfen so in so einer methodistischen Ortsgemeinde irgendwie vorkommt. Also ich hatte irgendwie, wir hatten davor letztes Jahr eine Gemeindefreizeit und da war kurz vorher diese Kirchentagsdebatte, wo man sich so die Köpfe eingeschlagen hat wegen Gottes Queer, wegen dieser Aussage.
Als Quinten Caesar da die Gemeinde gehalten hat in Nürnberg, ja. Genau, da wurde dieser Schnipsel ja rausgerissen und zerrissen und Shitstorm und alles und jedenfalls hat mich das irgendwie auch voll beschäftigt und ja und dann hatten wir die Gemeindefreizeit und dann habe ich so ein paar Leute daraufhin angesprochen, was sie denn dazu meinen und dann war immer so, nö, habe ich gar nicht mitbekommen, hä, nö, was ist da los, keine Ahnung, hörst du, mach dir doch da nicht so einen Kopf und dann habe ich erstmal gemerkt, wie das so in der Offline-Welt einfach bei ganz vielen Leuten, ich weiß nicht, ob es daran liegt, das ist eine EMK, ist oder das...
Keine Ahnung, aber die Leute haben das nicht so mitbekommen und ich dachte irgendwie, jetzt geht die Christide in Deutschland, die geht jetzt aufeinander los. Aber, ja... War dann zumindest in Bruchsal nicht so. Nee, also nö. Dann habe ich einfach das genossen, mit den Leuten zusammen zu sein, über irgendwelche Themen zu quatschen und einfach nicht diese Grabenkämpfe immer zu haben.
Ja, finde ich voll spannend. Ich weiß das auch noch mit dieser Kirchentagsdebatte. Ich war damals in Nürnberg, habe die Predigt live erlebt und war dann auch bewegt davon. Und ich hatte dann am nächsten Sonntag Gottesdienst bei mir in Metzingen Und habe auch Bezug genommen, habe das dann so ganz kurz zusammengefasst, aber ich würde sagen, so eine Handvoll Leute hat wissend genickt und der Rest hat es tatsächlich auch nicht mitbekommen.
Also das ist schon spannend. Und würdest du dir das manchmal wünschen, dass die Ortsgemeinde einen stärkeren Bezug zu aktuellen tagespolitischen Themen oder so, also es sind ja jetzt so eher kirchenpolitische Debatten, die dann auf Social Media vielleicht nochmal heißer geführt werden, aber die werden ja sicherlich in bestimmten Kreisen doch geführt.
Bräuchte die EMK mehr davon? Gute Frage. Also das ist ja irgendwie eh so eine Frage, wie politisch, also das hatten wir ja vorhin auch schon, wie politisch sollte Kirche sein. Und also wir haben bei uns halt auch so eine Gruppe, die heißt Christians for Future, die sich so ein bisschen in der Umweltbewegung stark macht.
Und ich denke schon, wenn so eine Ortsgemeinde für sich irgendwie feststellt, dass es gibt so ein Thema, das liegt uns voll auf dem Herzen, das muss jetzt nicht irgendwie das sein, aber das kann ja auch alles Mögliche sein. Und da hat eine Person irgendwie Feuer und Flamme für, dann ist es schon cool, wenn da was entsteht, auf jeden Fall.
Aber ich finde, es ist auch nicht so ganz zwingend nötig, also weil ich würde schon sagen, letztendlich geht es im Glauben nicht nur um Politik, sondern um andere Dinge. Und wenn man sich zu sehr nur um Politik die ganze Zeit dreht. Ja, kann man sich vielleicht auch ein bisschen, kann man auch manchmal ein bisschen im Kreis retten irgendwie, ja.
Ja, wobei, also ich würde jetzt schon sagen, dass gerade der Methodismus eigentlich so in den Ursprüngen und dann immer wieder situativ ja schon eine politische Dimension auch hat. Ja, auf jeden Fall. Ja, so ganz ausblendend, glaube ich. Also willst du ja auch nicht, hast du ja vorher auch gesagt. Ja, ich bin da auch selber immer wieder im, ich ändere da auch irgendwie ständig meine Meinung und mal denke ich so und dann habe ich, weiß ich nicht so richtig, was ich denken soll.
Ich glaube, das merkt man auch auf Instagram, dass ich da irgendwie immer sehr, dass ich da irgendwie so laut überlege, so wie jetzt gerade auch. Aber letztendlich ist es ja schon auch so, dass der Glaube ja das ganze Leben durchdringt und Politik ist halt ein Teil des Lebens und dann darf der Glaube auch die Politik durchdringen und umgekehrt wahrscheinlich.
Ja, ich glaube, das wäre so eine Diskussion, die ich auf jeden Fall aus der Folge rausgeben würde, an die die zuhören. Wie macht ihr das dann? Also gestaltet ihr da euren Glauben abseits von jedem politischen Diskurs oder ist das ganz eng miteinander verwoben? Ich würde mich da ähnlich wie du jetzt so positionieren und sagen, das ist mal so, mal so, ich habe da schon eher eine starke Meinung zu, dass da schon was politisches dran ist und dass ich auch manche Sachen so nicht, zusammenkriegen würde mit meinem Glauben, jetzt zum Beispiel in der politischen Debatte also jetzt gerade im Wahlkampf, passiert ja das ein oder andere auch mit einem christlich im Label, wo ich dann schon ein bisschen meine Schwierigkeiten habe.
Aber ich glaube, da so im Gespräch zu sein, und das finde ich, ist so deine Stärke, die ich jetzt auch wahrnehme, dass du beim Nachdenken Anteil gibst. Also das finde ich eine richtig große Stärke und das wünsche ich mir auch für meine Gemeinden, dass wir so im Gespräch sind, dass da die Dinge nicht schon vorne im Vorfeld praktisch festgeklopft sind.
Und dann sagt man sich nur das, was man halt loswerden will, sondern dass man sich Anteil gibt. Also was beschäftigt mich denn und wo bin ich vielleicht noch nicht festgelegt und an welchen Punkten kann ich dann auch viel besser drauf eingehen, was mein Gegenüber sagt. Ja, und gerade da haben ja Kirchen voll viel Potenzial.
Also diese gegenseitige Annahme und sich erstmal annehmen, so wie man ist. Ja, also da steckt sehr viel Potenzial auf jeden Fall drin. Ist das auch so ein Ding, wo du jetzt sagen würdest, das macht dir Hoffnung oder da siehst du Potenzial für die Kirche der Zukunft oder wohin könnte es gehen für die EMK?
Ui, wieder eine große Frage. Ja, also ich glaube, dass die EMK wirklich sehr, sehr, sehr viel Potenzial hat, dass es nur irgendwie nicht so richtig manchmal ausgeschöpft wird. Und also dieses ganze Thema mit dem Ex-Evangelikalismus zum Beispiel, ich finde, da ist die EMK sehr anschlussfähig. Also Leute, die quasi aus Freikirchen kommen, die halt wirklich sehr eng sind und sehr konservativ.
Da gab es in den letzten Jahren seit Corona irgendwie auch so eine öffentliche Austrittsbewegung von Leuten, die sagen, da läuft so viel schief und das ist so eng und so starr und da kann ich nicht mehr mitmachen. Und habe da auch mega viele Verletzungen erlebt. Da gibt es so eine Community mittlerweile, die sich auch online vernetzt.
Und da kam mit ihrer Theologie und mit der Offenheit und auch diesem Spagat zwischen evangelikalen Themen und eher volkskirchlichen Themen und so irgendwie auch sehr anschlussfähig. Und da darf meiner Meinung nach, glaube ich, noch viel passieren. In Heidelberg gibt es auch so ein Gemeindegründungsprojekt, wo genauso auf Leute zugeschnitten ist, die mit Kirchen nicht mehr so viel anfangen können.
Ich kenne auch über Zwischenraum ganz, ganz viele queere Menschen, die in keiner Gemeinde sind, die mega viele Verletzungen in ihren Freikirchen erlebt haben. Also meistens sind es Freikirchen, die so im Zwischenraum rumschweben, so im luftleeren Raum und nicht so wissen, wo sie hinwollen. Und Gemeinde war zu verletzend, aber so ganz vom Glauben weggehen auch nicht.
Und ich finde, da ist die EMK, könnte die EMK, ja... Die Türen öffnen und da irgendwie offen für die Menschen sein und die aufnehmen. Und das passiert auch teilweise, habe ich schon festgestellt, aber ja. Ja, noch nicht so im ganz großen Stil. Also das, was du aus Heidelberg erwähnst, das LEV-Kollektiv, das können wir auch verlinken unten.
Aber es ist ganz spannend, weil ich weiß noch vor 2025, dann vor drei Jahren, wurde ich angefragt, ob ich in der süddeutschen jährlichen Konferenz die inhaltliche Neuausrichtung in diesem Change-Prozess mitgestalten will. Und als die Anfrage kam, kam ich gerade aus dem Urlaub zurück und ich hatte von Thorsten Dietz das Buch Menschen mit Missionen gelesen im Urlaub.
Und da beschreibt er so ein bisschen diese postevangelikale Welt, also so Menschen, wie du beschrieben hast, da ein bisschen aussteigen. Und er stellt dann da so unterschiedliche Szenarien auch da, wie sich das weiterentwickeln könnte. reißt es aber nur an. Und ich hatte dann so die Idee, eigentlich passt doch der Methodismus da voll rein.
Weil wir haben ja eigentlich als Kirche so ein bisschen, oder man könnte es an John Wesley festmachen, der hatte ja auch so einen festen, engen, auch pflichtbewussten Glauben, so früh, aber auch einen ernsten Glauben. Also der hat das ja auch aus voller Überzeugung so gelebt. Und dann kam mit dieser Aldersgate-Erfahrung, Also mit diesem erwärmten Herzen dann eine große Freiheit auch in seinen Glauben und das war so ein bisschen die Wende bei John Wesley und man könnte auch, wenn man sie eben Caso anschaut, das geschichtlich so ein bisschen nachvollziehen, dass es ja durchaus Zeiten gab, so Erweckungsbewegungen und dann in diesen Klassen, wo es auch durchaus streng zugegangen ist.
Und jetzt so in Gemeinden zu sein, wo Leute einfach dieses Offene, dieses Angenommensein und diese Herzlichkeit spüren, das ist eigentlich voll das schöne Bild. Und diese Herzlichkeit würde ich ganz gern noch embracen, also noch stärken und sagen, Leute, herzliche Methodisten und Methodistinnen warten auf dich.
Also wenn du Interesse hast, dann schau mal vorbei in der Ortsgemeinde. Vielleicht sind da auch ein paar mehr herzliche Menschen noch. Vielleicht war das aber auch ein bisschen zu viel jetzt, so mit diesem John Wesley-Bezug und der Kirchengeschichte, weiß ich nicht, aber mich hat es gerade so ein bisschen angesprochen, als du davon erzählt hast.
Ja, auf jeden Fall. Also auch in dieser ganzen Frage, wie, also es gibt auch, ich weiß nicht, ich rede immer von einer Online-Blase, ich weiß nicht, ob das echt so ist, aber da gibt es so viele Leute, die sagen, also dieses Soziale, das gehört ja eigentlich gar nicht so richtig zum wahren Christentum, so ein soziales Engagement.
Also diese eine besagte Influencerin, die hatte halt mal so eine Grafik, weiß nicht, ob du das gesehen hast. Da war so irgendwie so, das ist so der Kern des Christentums in der Mitte. Und da waren so verschiedene Blasen drin, was alles zum Kern dazugehört und was so außerhalb liegt. Oder so halb draußen, halb drin und was ganz außerhalb liegt.
Und so halb draußen, halb drin stand da ein soziales Christentum. Und da dachte ich mir so, hä, das kann doch gar nicht sein. Also so als Methodist, das gehört doch irgendwie so voll zum Kern dazu. Das ist doch die Liebe, die wir dann von Gott erfahren. Also dieses Jahr, was wir spüren, was Gott durch Jesus am Kreuz, so typisch freikirchlich, was Jesus am Kreuz für uns getan hat, das hat doch dann wieder Auswirkungen auf meine Nächsten und auf meine Mitmenschen.
Und eben auch in sozialer Hilfe. Und das gehört auch irgendwie zum Kern dazu. Ja, also da merkt man, dass du so ein richtiger Methodist bist. Ich meine, wir haben auch kein eigenes Glaubensbekenntnis, aber ein soziales Bekenntnis gibt es ja doch. Genau. Und das ist ja schon auch was, was mir wichtig ist, würde ich sagen.
Wenn es jetzt um meinen Bezug zum Methodismus geht, finde ich cool, dass wir das haben und dass da auch in verschiedenen Gruppen immer wieder drüber gearbeitet wird. Und jetzt sind zum Jahresbeginn auch die neuen sozialen Grundsätze erschienen. Also da wird auch immer wieder neu geschaut, was ist denn gerade wichtig in Gesellschaft und wie kann sich Kirche dazu positionieren, eben vor diesem Hintergrund, wie du es gerade beschreibst, also ausgehend von dieser allumfassenden Liebe Gottes.
Ja, genau. Voll gut, Lukas. Wir reden jetzt schon eine ganze Weile und haben verschiedene Bereiche gestriffen. Du bist ja auch Zuhörer im Holy Club. Hast du das Gefühl, jetzt bist du hier zu Gast und jetzt hat der Moritz mich gar nicht gefragt. Blablabla. Gibt es was, was du noch loswerden willst? Gute Frage. Also, ich habe manchmal auch nach Anekdoten gefragt, glaube ich. Ja, voll. Stimmt.
Was ist das Schrägste, was du erlebt hast im Rahmen deines Lebens als Methodist? Also, ich hatte mir vorher was überlegt, weil ich die Frage hier immer kam. Und da ist mir halt eingefallen, wieder bei uns auf dem Bezirk. Also, was ich jetzt sage, meine ich alles total liebevoll und überhaupt nicht wertend oder schlimm oder so. Wir nehmen genau das jetzt als Überschrift für deine Folge.
Was ich sehr witzig finde ist, also wir haben halt so eine eher Stadtgemeinde, also halt Bruchsal und die Gemeinde, die du auch sehr gut kennst, wo du früher auch warst, ist halt eher eine so eine Dorfgemeinde. Und dann gibt es noch eine andere Dorfgemeinde. Und in der Dorfgemeinde ist es halt so, dass so fünf bis zehn Minuten vor dem Gottesdienst ist ganz plötzlich alles totenstill.
Also es ist so, als ob man so einen Lautstärkeregler ganz plötzlich und schnell runterdreht. Der so wupp, alles in ruhig. Und dann sitzen die Leute so da und sinnieren vor sich hin und warten, bis es losgeht und so. Warten aufs Wort. Genau. Und in der eher städtischen Gemeinde ist es halt so, da ist dann irgendwie fünf Minuten nach halb, also bevor der Gottesdienst losgeht, ist dann immer noch großes Hallo und Gedöns und Gelaber.
Und die Leute kommen dann teilweise halt manchmal auch ein bisschen zu spät. Und es ging sogar so weit, dass unser ehemaliger Pastor nach vorne gegangen ist und dann gesagt hat, so... Wir setzen uns jetzt alle hin, der Gottesdienst fängt an, wir werden ruhig. Wie so ein Lehrer, der so eine Klasse so ein bisschen beruhigt.
Und das kam ein, zweimal vor. Und eigentlich finde ich das sehr lustig, dass das so ein Unterschied ist zwischen Stadt und Dorf. Ich weiß nicht, ob das woanders auch so ist, ob das in Landeskirchen so ist, ob das in anderen EMK-Bezeiten so ist, aber irgendwie ist das so bei uns. Das finden wir alle immer sehr lustig. Das ist schon auch lustig.
Also mir war das noch nie so im Kopf, dass das mit Stadt und Land zusammenhängen könnte. Kann sein. Weil bei mir in Metzingen ist es so, also wir fangen mit dem Gottesdienst schon planmäßig um 10.10 Uhr an, weil wir denken, das kann man sich leichter merken und um 10 ist dann eh noch keiner da. Und die Leute, die zum ersten Mal zu dem Gottesdienst kommen, die sind pünktlich oder ein paar Minuten früher und dann um 10 ist der Saal leer.
Also da ist wirklich niemand da. Die Band ist da und ich bin da und sonst eigentlich niemand. und dann so fünf nach zehn kommen die ersten paar. Und dann zehn nach zehn wird es schlagartig voll. Also da kommt so ein richtiger Schwung. Und dann gibt es noch so eine Handvoll Familien. Da gucken wir dann immer, wenn die dann kommen, dann können wir irgendwann anfangen.
Und das ist eigentlich so um Viertel nach oder 20 nach. Und jetzt Metzing ist so mittelgroß, also ein bisschen kleiner als deine Stadt. Aber ich weiß gar nicht, das wäre eine interessante Frage. Ist das in der Schweiz auch so bei Sarah oder wie es bei Damien in den USA. Das würde mich auch mal echt interessieren, weil ich kenne das nur, also weiß nicht von hier.
Und das Lustige ist auch, wenn wir so Bezirksgottesdienste haben, dann passt sich die Masse den Leuten an, die ruhig sind. Also wenn es so eine gewisse kritische Masse gibt, die alle das Gleiche machen, dann werden plötzlich auch alle ruhig, also auch die eher städtischen Gemeinden. Das ist spannend, das wollte ich gerade fragen, was passiert, wenn ihr ein Bezirksgottesdienst habt.
Das Leisewerden setzt sich dann irgendwie durch, also Ganz komisch, auch wenn man ja noch quatschen will, dann macht man einfach mit. Ja, war voll schön. Mega gut, dass du diese Anekdote noch geteilt hast. Das wäre schade gewesen, wenn die nicht zur Sprache gekommen ist. Wäre vielen, vielen Dank dir für deine Zeit. Wenn ihr mehr von Lukas mitbekommen wollt, dann könnt ihr auf Instagram unter Glaube Liebe Pizza seinen Account finden.
Oder ihr kommt zur nächsten süddeutschen jährlichen Konferenz, wo er seinen Bezirk als Konferenzmitglied vertreten darf. Danke, Lukas, für die coole Grafik, für deine Zeit und dass du hier im Holy Club dich zeigst. Ja, gerne. Danke für die Einladung. Eine gute Woche euch. Vielen Dank. Tschau. Music.