
Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 40
Bulgarien – Rosenöl, Thrakien und die vergessenen Schätze des Balkans
Mittwoch, 24. Juni 2026 · 20 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Heute reisen wir nach Bulgarien, an die östliche Schwelle Europas. Wir wandern durch das berühmte Rosental von Kasanlak, wo aus Millionen Blüten das kostbare flüssige Gold gewonnen wird, und steigen hinab in die geheimnisvolle Welt der Thraker mit ihren prachtvollen Goldschätzen von Panagjurischte und den Wandmalereien von Kasanlak. Wir entdecken das Gold von Warna, eines der ältesten verarbeiteten Goldschätze der Menschheit, und verfolgen die Gründung des bulgarischen Staates im Jahr sechshunderteinundachtzig sowie die Geburt der kyrillischen Schrift, die von hier aus die slawische Welt eroberte. Vom Rila-Kloster über die bulgarische Wiedergeburt und Wassil Lewski bis zur Rettung der bulgarischen Jüdinnen und Juden spannt sich ein reicher Bogen. Eine Folge über die vergessenen und wiederentdeckten Schätze des Balkans.
Quellen
Crampton, R. J. (2005). A concise history of Bulgaria (2. Aufl.). Cambridge University Press.
Higham, C. (2007). The Varna cemetery and the emergence of social complexity. Antiquity, 81(313).
UNESCO. (1979). Thracian Tomb of Kazanlak [Welterbe-Eintrag]. UNESCO.
Marazov, I. (1998). Ancient gold: The wealth of the Thracians. Harry N. Abrams.
Hinweis zur Quellenqualität: Crampton ist ein anerkanntes historisches Standardwerk; der Antiquity-Artikel ist peer-reviewt; der UNESCO-Eintrag ist eine verlässliche Primärquelle; Marazov ist ein renommierter Fachkatalog zur thrakischen Kunst.
Weitere Schlafreise Reihen:
Einschlafen mit Natur (open.spotify.com/show/2p1D2FnFb4SAWh4V0otDBj?s…)
Schlafreise durch vergessene Welten (open.spotify.com/show/1cIURslV7tA4ogc6R7lkOQ?s…)
Schlafreise durch das Universum (open.spotify.com/show/1NWso6EVJt3G3ILJmQOzDt?s…)
Englische Reihen:
Sleep Journey through Lost Worlds (open.spotify.com/show/6y7nbw6KHTs06A7engHj4C?s…)
Weitere Wissenreise Reihen:
Wissensreise durch das Periodensystem der Elemente (open.spotify.com/show/03THZe9B4c7Vj9wKhrguAG?s…)
Wissensreise durch die Psychologie (open.spotify.com/show/47d45rBzQO7QalFfhy2Olq?s…)
Wissensreise durch die Länder der Erde (open.spotify.com/show/5cD50trcQMfWpw19dJuGMm?s…)
Wissensreise durch die Urzeit (open.spotify.com/show/70D3GCMGUldf8cHwH7i7Bc?s…)
Wissensreise durch die Geschichte (open.spotify.com/show/22pLqMMAUbfx0gSBzKCZmP?s…)
Hinweis: Die Vertonung ist KI unterstützt. Die neuen Folgen von Schlafreise durch das Universum sind komplett ohne produziert.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch die Länder der Erde, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt, bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu produzieren. Kennst du schon unsere anderen Podcast reihen wie Wissensreise durch die Uhrzeit?
Heute reisen wir an die östliche Schwelle Europas, in ein Land, das auf einem der ältesten Goldschätze der Menschheit ruht, dessen Felder im Frühsommer in einem Meer aus Rosen erblühen und dessen Geschichte tiefer in die Vergangenheit reicht, als viele vermuten. Wir reisen nach Bulgarien, ein Land auf der Balkanhalbinsel, dort, wo Europa allmählich in die Welt des östlichen Mittelmeers und des Schwarzen Meeres übergeht. Mit einer Fläche von rund 111000 Quadratkilometern ist Bulgarien etwa so groß wie das deutsche Bundesland Bayern. Zusammen mit einem weiteren Landstrich und in seinen Grenzen leben heute etwa sechseinhalb Millionen Menschen, im Norden bildet die Donau über weite Strecken die Grenze zu Rumänien, im Osten öffnet sich das Land
zum Schwarzen Meer. Im Süden grenzte grenzte es an Griechenland und die Türkei, im Westen an Serbien und Nordmazedonien. Es ist ein Land der Gegensätze, ein Land der hohen Gebirge und der weiten Ebenen der alten Klöster und der lebendigen Küstenorte. Bevor wir in die Tiefen der Geschichte hinabsteigen, möchte ich dir die Landschaft dieses Landes vor Augen führen.
Denn sie ist von einer Vielfalt, die überrascht. Bulgarien wird von mehreren großen Gebirgszügen durchzogen, quer durch das Land erstreckt sich von West nach Ost das Balkangebirge auf Bulgarisch Stara Planina genannt, was so viel wie altes Gebirge bedeutet, und es gab der gesamten Halbinsel ihren Namen, im Südwesten erheben sich noch höhere Gebirge, das Rila Gebirge mit dem Gipfel musala.
Der mit rund 2925 Metern die höchste Erhebung der gesamten Balkanhalbinsel ist und das benachbarte Piringebirge mit seiner alpinen Schönheit. Zwischen diesen Gebirgen liegen fruchtbare Ebenen und Täler, und genau in einem dieser Täler beginnt unsere erste große Geschichte, die Geschichte der Rose. Im Herzen Bulgariens, zwischen dem Balkangebirge und der Sredna Gora, erstreckt sich das sogenannte Rosental, auf bulgarisch Rosova dolina rund um die Stadt Kasanlak. In diesem Tal herrschen besondere klimatische Bedingungen, eine geschützte Lage, milde Temperaturen, die richtige Luftfeuchtigkeit.
Und genau diese Bedingungen sind ideal für den Anbau einer ganz bestimmten Pflanze, der Damaszener Rose. Seit dem 17 Jahrhundert, als die Rose über das Osmanische Reich aus dem Orient hierher gelangte, wird in diesem Tal die kostbarste Essenz gewonnen, die die Pflanzenwelt zu bieten hat, das Rosenöl, die Gewinnung dieses Öls ist eine Kunst, die Geduld und Wissen erfordert. Die Blüten müssen in den frühen Morgenstunden gepflückt werden, noch bevor die Sonne die flüchtigen ätherischen Öle aus den Blütenblättern vertreibt, also etwa zwischen dem Morgengrauen und 09:00 Uhr.
Und die Mengen, die nötig sind, lassen einen Staunen für einen einzigen Liter reinen Rosenöls braucht man etwa 3 bis 4 Tonnen Rosenblüten, was Millionen einzelner Blüten entspricht. Kein Wunder also, dass dieses Öl, das in der Parfümherstellung als unverzichtbar gilt, zeitweise teurer gehandelt wurde als Gold und deshalb den klangvollen Namen flüssiges Gold trägt. Bulgarien zählt bis heute zu den bedeutendsten Erzeugern von Rosenöl weltweit und alljährlich im Frühsommer feiern die Menschen im Rosental ihr Rosenfest, ein Brauchtum. Dass die enge Verbundenheit dieses Volkes mit seiner Pflanzenwelt zelebriert.
Doch der eigentliche Schatz, von dem der Titel dieser Folge spricht, liegt tiefer in der Erde und weiter zurück in der Zeit. Wir müssen nun von den Thrakern sprechen, jenem alten Volk, das diese Lande lange vor den Bulgaren bewohnte und das uns ein Erbe von atemberaubender Pracht hinterlassen hat. Die Thraker waren ein Verband von Stämmen, die etwa vom zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis in die Antike den südöstlichen Balkanraum besiedelten. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot bezeichnete sie als das nach den Indern zahlreichste Volk der Welt und meinte, sie wären unbesiegbar, wenn sie nur geeint aufträten, was sie jedoch selten taten. Die Thraker hinterließen keine
eigene umfangreiche Schriftkultur und so kennen wir sie vor allem aus den Berichten der Griechen und Römer und vor allem aus dem, was sie in der Erde zurückließen und was sie zurückließen, hat die Vorstellungen von der Antike verändert. Im Jahr 1972 stieß man nahe der Stadt Warna am Schwarzen Meer auf eine Nekropole, ein altes Gräberfeld. Das sich als eine wissenschaftliche Sensation ersten Ranges erwies.
Denn die Funde aus dieser Nekropole von Varna, die auf ein Alter von etwa 6500 Jahren datiert werden, enthielten Goldgegenstände, die zu den ältesten verarbeiteten Goldobjekten gehören, die jemals gefunden wurden. Älter als das Gold der ägyptischen Pharaonen, älter als die Schätze Mesopotamiens. In einem einzigen Grab, dem Grab eines offenbar hochrangigen Mannes, fand man Hunderte von Goldobjekten von erstaunlicher Feinheit.
Dieser Fund zeigt, dass bereits in jener fernen Zeit, lange vor den großen bekannten Hochkulturen an den Ufern des Schwarzen Meeres, eine Gesellschaft existierte. Die über eine erstaunliche Handwerkskunst, über soziale Schichtung und über die Fähigkeit verfügte, kostbarste Materialien zu verarbeiten. Es ist, als hätte sich hier ein Fenster in eine vergessene Frühzeit Europas geöffnet, die Thraker selbst hinterließen ebenfalls goldene Zeugnisse von außerordentlicher Schönheit. Aus thrakischen Fürstengräbern, den sogenannten Hügelgräbern, kamen wahre Goldschätze ans Licht. Da ist etwa der Schatz von Panagyrisch Gudde, ein Ensemble aus 9 goldenen Gefäßen, von außergewöhnlicher Pracht, kunstvoll gestaltet mit
Darstellungen von Göttern, Tieren und mythischen Szenen, und da ist das Thrakergrab von Kasan Laak in. Mitten im Rosental gelegen, dessen Kuppel mit Wandmalereien geschmückt ist, die zu den besterhaltenen Kunstwerken der hellenistischen Zeit zählen und heute zum Welterbe der UNESCO gehören. Eine weitere Welterbestätte ist das thrakische Grab von Svetch Tari im Nordosten des Landes, das durch seine einzigartigen Säulen in Gestalt von Frauenfiguren beeindruckt. Diese Funde erzählen von einer Kultur, die ihre Toten mit größtem Aufwand bestattete, weil sie an ein Leben nach dem Tod glaubte und die in ihrer Kunst eine Welt voller Götter, Reiter und Symbole festhielt.
Es ist kein Zufall, dass eine der zentralen Gestalten der griechischen Mythologie. Der wundersame Sänger Orpheus, dessen Musik selbst die Steine und Tiere bezauberte, in der thrakischen Welt verortet wurde. Die Thraker galten den Griechen als ein Volk der Musik und der Mysterien. Doch wie wurde aus dem Land der Thraker das heutige Bulgarien?
Hier müssen wir eine bemerkenswerte Wanderungsbewegung verstehen. Im Lauf der Spätantike und des frühen Mittelalters siedelten sich in diesem Raum slawische Stämme an, die der Region ihre Sprache geben sollten. Im 7. Jahrhundert dann kam ein Reitervolk aus den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres, die Protobulgaren, ein Volk turksprachigen Ursprungs, unter ihrem Anführer Khan Asparuch die.
Im Jahr 681 gründeten sie südlich der Donau ein Reich, das das Byzantinische Reich anerkennen musste. Und dieses Jahr gilt als das Gründungsdatum des bulgarischen Staates, einer der ältesten ununterbrochen bestehenden Staaten Europas. In den folgenden Jahrhunderten verschmolzen die Protobulgaren mit der slawischen Bevölkerung, sie übernahmen deren Sprache. Und es entstand das bulgarische Volk, wie wir es kennen. Dieses erste bulgarische Reich wuchs zu einer Großmacht heran, die zeitweise dem mächtigen Byzanz auf Augenhöhe bebaco begegnete, und es war Schauplatz eines Ereignisses von welthistorischer Bedeutung für die gesamte slawische Welt. Im neunten Jahrhundert nahm Bulgarien das Christentum an, und in dieser Zeit fanden die
Schüler zweier byzantinischer Gelehrter, der Brüder Kyrill und Method in Bulgarien Zuflucht und Förderung. Diese Gelehrten hatten eine Schrift entwickelt, um die slawische Sprache schreiben zu können. Aus ihrem Werk ging in Bulgarien jene Schrift hervor, die wir heute als die kyrillische Schrift kennen, benannt nach Kyrill und die sich von hier aus über die gesamte orthodoxe slawische Welt verbreitete, bis nach Russland, in die Ukraine und nach Serbien. Es ist eine Tatsache, die in Westeuropa oft übersehen wird, dass die Schrift die.
In der heute hunderte Millionen Menschen schreiben ihre Ausformung und Verbreitung wesentlich. Diesem kleinen Balkanland verdankt. Bulgarien war damit eine Wiege der slawischen Schriftkultur, ein geistiges Zentrum, von dem aus Bildung und Glaube in ferne Länder ausstrahlten, auf eine erste Blütezeit folgten Jahrhunderte des Wechsels. Bulgarien geriet zeitweise unter byzantinische Herrschaft, erlangte seine Eigenständigkeit als zweites Bulgarisches Reich zurück und erlebte unter Herrschern wie Ivan Assen, dem Zweiten im 13.
Jahrhundert, eine erneute Blüte. Dann aber kam mit dem Vordringen der Osmanen das wohl prägendste Kapitel des bulgarischen Schicksals. Ende des 14 Jahrhunderts geriet Bulgarien unter osmanische Herrschaft, und diese sollte fast 5 Jahrhunderte währen in dieser langen Zeit, die in der bulgarischen Erinnerung oft als das osmanische Joch bezeichnet wird. Bewahrten die Menschen ihre Sprache, ihren Orthodoxen Glauben und ihre Identität vor allem in den Klöstern, die zu Hütern des nationalen Gedächtnisses wurden. Das bedeutendste unter ihnen ist das Rila Kloster hoch in den Bergen gelegen, gegründet im 10 Jahrhundert und heute ebenfalls Welterbe der UNESCO.
Es wurde zu einem geistigen Zentrum, in dem die bulgarische Kultur über die Jahrhunderte hinweg lebendig blieb. Ein Ort des Rückzugs und der Bewahrung, dessen prächtige Fresken und farbenfrohe Architektur bis heute Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anziehen. Im 19 Jahrhundert erwachte wie überall in Europa, auch in Bulgarien das nationale Bewusstsein.
Diese Epoche des kulturellen und politischen Erwachens wird als die bulgarische Wiedergeburt bezeichnet. Schulen wurden gegründet, Bücher in bulgarischer Sprache gedruckt und der Wunsch nach Freiheit wuchs. Eine der großen Gestalten dieser Zeit ist Wassil Lewski, der als Apostel der Freiheit verehrte wird will.
Lewski träumte von einer demokratischen Bulgarischen Republik, in der alle Bürgerinnen und Bürger ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Glaubens gleich sein sollten. Ein für seine Zeit bemerkenswert moderner und humaner Gedanke. Er baute ein Netz revolutionärer Komitees auf, wurde jedoch verraten, gefangen genommen und im Jahr 1873 hingerichtet, sein Vermächtnis aber überdauerte.
Nach einem Aufstand und dem darauf folgenden Russisch Osmanischen Krieg erlangte Bulgarien im Jahr 1878 seine Eigenständigkeit zurück. Zunächst als Fürstentum, später als unabhängiges Königreich. Das 20 Jahrhundert brachte Bulgarien wie weiten Teilen Europas große Erschütterungen, das Land durchlief die Wirren zweier Weltkriege.
In der Zeit des Zweiten Weltkriegs ereignete sich allerdings etwas, das bis heute mit Stolz erinnert wird. Obwohl Bulgarien an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands stand, gelang es durch das Eingreifen von geistlichen, Abgeordneten und Teilen der Zivilgesellschaft, die rund 48000 bulgarischen Jüdinnen und Juden vor der Deportation in die Vernichtungslager zu bewahren.
Es ist eines der wenigen Beispiele in jener finsteren Zeit, in dem die Stimme des Gewissens lauter war als der Druck der Mächtigen. Ein Lichtblick, der zeigt, dass auch unter dem größten Druck moralisches Handeln möglich bleibt. Nach dem Krieg geriet Bulgarien in den Einflussbereich der Sowjetunion und wurde für mehr als 4 Jahrzehnte ein sozialistischer Staat.
Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 begann der Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft. Ein oft mühsamer Weg, der das Land schließlich im Jahr 2007 in die Europäische Union führte. Heute ist Bulgarien ein Land, das seine reiche Vergangenheit mit den Herausforderungen der Gegenwart verbindet, die Hauptstadt Sofia gehört zu den ältesten Städten Europas. Ihre Wurzeln reichen Jahrtausende zurück und in ihr stehen römische Ruinen neben osmanischen Moscheen, orthodoxen Kathedralen und Bauten aus sozialistischer Zeit dicht beieinander.
Ein steinernes Geschichtsbuch unter freiem Himmel an der Schwarzmeerküste locken Sandstrände und alte Hafenstädte wie Nessebar, dessen Altstadt auf einer Halbinsel liegt und ebenfalls zum Welterbe zählt. Die bulgarische Kultur ist reich an Brauchtum. Von den hypnotischen Klängen des mehrstimmigen Volksgesangs der bulgarischen Stimmen, deren ungewöhnliche Harmonien selbst internationale Musikerinnen und Musiker faszinierten, bis zu der Tradition der Martenizi, jenen rotweißen Glücksbringern, die man sich zu Frühlingsbeginn schenkt. Und natürlich ist da der Joghurt, jenes Milchprodukt, dessen besondere bulgarische Variante mit ihren spezifischen Milchsäurebakterien weltweit bekannt wurde und der Region einen Ruf als Land der
Langlebigkeit einbrachte. Bei aller Schönheit steht Bulgarien wie viele Länder vor ernsten Aufgaben, eine der drängendsten betrifft die Natur. Die Gebirge Bulgariens, das Rila, das Pirin, das Balkangebirge gehören zu den letzten großen Rückzugsgebieten wilder Natur in Europa. Hier leben noch Braunbären, Wölfe und Luchse, und in den ausgedehnten Wäldern finden sich Lebensräume, wie sie in Dichter besiedelten Teilen des Kontinents längst verschwunden sind. Doch diese Schätze sind verletzlich. Der Druck durch touristische Erschließung, durch Abholzung und durch Bauvorhaben in geschützten Gebieten bedroht diese einzigartigen Landschaften. Es ist eine Aufgabe von europäischer Tragweite, diese letzten Wildnisse zu bewahren,
denn sie gehören nicht nur Bulgarien, sondern dem gesamten Kontinent, ja in einem tieferen Sinne der ganzen Menschheit, was hier einmal verloren geht, lässt sich nicht zurückholen. Und so liegt in dem Bemühen vieler bulgarischer Naturschützerinnen und Naturschützer, diese Gebirge zu erhalten, eine Verantwortung, die weit über die Grenzen des Landes hinausreicht. Wenn wir am Ende dieser Reise innehalten, dann erkennen wir, dass Bulgarien ein Land der vergessenen und wiederentdeckten Schätze ist.
Es ist das Land, in dem das vielleicht älteste verarbeitete Gold der Menschheit gefunden wurde. Das Land der geheimnisvollen Thraker und ihres Sängers Orpheus, das Land, von dem aus die kyrillische Schrift ihren Weg in die Welt antrat und das Land, dessen Rosenfelder im Morgengrauen jenes flüssige Gold hervorbringen, das die kostbarsten Düfte der Welt veredelt.
Es ist ein Land, das durch Jahrhunderte der Fremdherrschaft seine Sprache und seinen Glauben bewahrte und. Und das den Mut aufbrachte, in dunkler Zeit seine jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre dieser Reise, dass die größten Schätze eines Landes nicht immer dort liegen, wo das Scheinwerferlicht der Geschichte hinfällt, sondern oft verborgen in der Erde, in den Bergen, in den stillen Klöstern und im Gewissen der Menschen. Und dass es sich lohnt, genauer hinzusehen und das Vergessene wieder ans Licht zu holen.
Und damit endet unsere heutige Reise durch dieses faszinierende Land am Rande des Balkans. Behalte Bulgarien in deinen Gedanken mit seinem alten Gold, seinen blühenden Rosen und seinen schweigenden Bergen.